Feistritztal, Kaibing, Filialkirche Maria Fieberbründl

Schnellüberblick
Wallfahrt:Jüngere Marien- und Heilquellenwallfahrt, die im 19. Jahrhundert durch Berichte über Gebetserhörungen und Heilungen rasch anwuchs.
Status:Lebendige und regelmäßig besuchte Wallfahrtsstätte mit Einzelpilgern, organisierten Wallfahrten und Fatimafeiern.
Kultzentrum:Marienverehrung an der Kirche in Verbindung mit dem als heilkräftig angesehenen Fieberbründl und dem dort ausgeübten Heilbrauch.
Hauptfest:Patrozinium Mariä Geburt am 8. September; von besonderer Bedeutung sind außerdem die Fatimafeiern am 13. des Monats.
Besonderheit:Die Verbindung von Quelle, körperbezogenem Heilbrauch und erhaltenen Votivgaben macht Maria Fieberbründl volkskundlich besonders aussagekräftig.
Ort:Maria Fieberbründl bei Kaibing im Feistritztal.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Wallfahrtskirche Maria Fieberbründl, Maria Fieberbründl 55, 8222 Kaibing.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre St. Johann bei Herberstein
Öffnungszeiten: täglich geöffnet von etwa 8.00 bis 20.00 Uhr.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Kaibing, Maria Fieberbründl

Kaibing, Maria Fieberbründl

Maria Fieberbründl
© Harald Hartmann

Kaibing, Maria Fieberbründl

Kaibing, Maria Fieberbründl

Maria Fieberbründl
© Harald Hartmann

Kaibing, Maria Fieberbründl

Kaibing, Maria Fieberbründl

Maria Fieberbründl
© Harald Hartmann

Kaibing, Maria Fieberbründl

Kaibing, Maria Fieberbründl

Maria Fieberbründl
© Harald Hartmann

Kaibing, Maria Fieberbründl

Kaibing, Maria Fieberbründl

Maria Fieberbründl
© Harald Hartmann

Votivbild, Kaibing, Maria Fieberbründl

Votivbild, Kaibing, Maria Fieberbründl

Votivbild, Maria Fieberbründl
"Ex. Voto. Gott zum lobe und Maria,dem Heil der Kranken, zur Danksagung Für die
Erhaltung des Lebens, sowie der früheren Gesundheit und Kraft. Nach einer lebens.
gefährlichen Verletzung des Kopfes und Bewußtlosigkeit durch drei Tage, mit darauf
folgenden drei Wochen voll des Fieberwahnes und weiteren unbeschreiblichen Leiden.
Gewidmet von Vinzenz Pölz, Mühler in Annhof und seiner Gattin Aloisia, mit den Kindern
Josef, Johann Maria, Johanna, Aliosia, Theresia, Zäzilia u. Josefa, die sich mit Vertrauen
nach Maria Fieberbründl verlobten. Am 20. April 1884"
© Harald Hartmann

Votivbild, Kaibing, Maria Fieberbründl

Votivbild, Kaibing, Maria Fieberbründl

Votivbild, Maria Fieberbründl
"Zur Erinnerung an die 1te und 2te öffentliche Wahlfahrtsprozession aus Graz nach Maria Fieberbründl 10 August u. 7. Sept.1882
wobei durch Mariens Fürbitte, Alois Macher vom schweren Kopfleiden, Elisabeth Slopnieschek Rematischen Nervenleiden
u. Blutgang, Maria Dippel von Fußleiden, Cilli Macher von Fieber und Kopfschwindel, Josefa Steyrrer von Fieber
u. Nervenschmerz, eine Unbenannte von leidender Hand befreut wurden.
Gewidmet von diesen u. anderen Marienkindern aus GRAZ, den 4.Juni 1883"
© Harald Hartmann

Ausführliche Beschreibung

Maria Fieberbründl bei Kaibing im Feistritztal gehört zu den jüngeren, zugleich aber bis heute besonders lebendigen Wallfahrtsorten der Steiermark. Im Mittelpunkt der Verehrung steht die Verbindung von Marienfrömmigkeit, einer seit langem als heilkräftig angesehenen Quelle und dem Vertrauen auf Hilfe bei Krankheit und persönlicher Not.

Die Wallfahrt entwickelte sich vor allem im ausgehenden 19. Jahrhundert, als Berichte über Gebetserhörungen und Heilungen einen rasch wachsenden Zustrom von Pilgern auslösten. Bis heute ist Maria Fieberbründl Ziel von Einzelpilgern und organisierten Wallfahrten. Von besonderer volkskundlicher Bedeutung sind der Heilbrauch am sogenannten Fieberbründl sowie die erhaltene Tradition der Votivgaben.

Der Wallfahrtsort entwickelte sich in einer ursprünglich abgeschiedenen Waldgegend um eine Quelle, deren Wasser bereits vor der Errichtung der heutigen Kirche besondere religiöse Bedeutung zugeschrieben wurde.

Die Gründungsüberlieferung

Nach der örtlichen Überlieferung lebte in der abgeschiedenen Waldgegend von Kaltenbrunn einst ein frommer Einsiedler.

Er soll sich dort eine einfache Bretterhütte errichtet und darin eine Marienstatue aufgestellt haben. Menschen aus der Umgebung suchten den Einsiedler auf, beteten vor dem Marienbild und tranken vom Wasser einer unmittelbar daneben entspringenden Quelle.

Nach dem Tod des Einsiedlers sei seine Hütte in eine kleine Kapelle umgewandelt worden.

Da das Quellwasser besonders bei Fiebererkrankungen verwendet worden sein soll, entwickelte sich für den Ort die Bezeichnung "Fieberbründl".

Diese Erzählung gehört zur Gründungsüberlieferung des Wallfahrtsortes. Historisch lässt sich weder die Gestalt des Einsiedlers noch eine lückenlose Kontinuität zwischen dessen angeblicher Marienstatue und dem späteren Kultbild sicher nachweisen.

Die Legende erklärt jedoch in charakteristischer Weise die drei Elemente, aus denen sich der Wallfahrtsort entwickelte: Marienverehrung, Quelle und Heilungserwartung.

Der Beginn des Wallfahrtsortes

Historisch greifbar wird Maria Fieberbründl im 19. Jahrhundert.

Bereits 1864 bestanden konkrete Pläne, die alte hölzerne Kapelle durch einen gemauerten Neubau zu ersetzen. Schwierigkeiten mit dem Grundeigentümer verhinderten jedoch zunächst die Errichtung am bisherigen Standort.

Schließlich wurde auf einem benachbarten Grundstück etwas weiter östlich ein neuer Bauplatz gewählt.

Im Jahr 1879 begann dort nach Plänen von Robert Mikowics die Errichtung einer gemauerten Kapelle, die am 26. Oktober desselben Jahres feierlich gesegnet wurde.

Diese erste gemauerte Gnadenkapelle trug die Bezeichnung "Maria im Elend".

Die heutige kirchliche Widmung der Wallfahrtskirche lautet dagegen Mariä Geburt. Die Bezeichnung "Maria im Elend" gehört damit zur älteren lokalen Kultgeschichte des Wallfahrtsortes.

Zwei Kapellen und der Streit um den heiligen Ort

Die Verlegung des Kapellenbaues auf ein benachbartes Grundstück führte zu einer ungewöhnlichen Entwicklung.

Der Eigentümer jenes Grundstückes, auf dem sich die ursprüngliche Holzkapelle und vor allem das eigentliche Fieberbründl befanden, vertrat offenbar die Auffassung, dass gerade dort der wahre Wallfahrtsort liege.

Er ließ deshalb ungefähr gleichzeitig mit dem Neubau von 1879 an der Stelle der alten Holzhütte eine eigene kleine neobarocke Kapelle errichten.

Damit bestanden zeitweise zwei eng benachbarte Andachtsstätten: die neue Gnadenkapelle "Maria im Elend" und die Kapelle beim eigentlichen Fieberbründl.

Erst 1893 kam es zu einer Einigung, wodurch der weitere Ausbau des Wallfahrtsortes möglich wurde.

Im folgenden Jahr entstand eine etwa 15 Meter lange neuromanische Bethalle. Kapelle und Bethalle blieben zunächst jedoch durch einen mehrere Meter breiten freien Zwischenraum voneinander getrennt.

Erst 1954 wurden die bislang getrennten Bauteile durch ein neu errichtetes Querschiff miteinander verbunden und zu der im Wesentlichen bis heute bestehenden Wallfahrtskirche vereinigt.

Die ungewöhnliche Baugeschichte macht sichtbar, wie stark die Vorstellung eines ganz bestimmten heiligen Ortes wirken konnte. Quelle, ursprünglicher Kapellenstandort und Wallfahrtstradition ließen sich offenbar nicht ohne weiteres voneinander trennen.

Der Aufschwung der Wallfahrt

Unmittelbar nach der Errichtung der gemauerten Kapelle begann der rasche Aufstieg von Maria Fieberbründl zu einem bedeutenden regionalen Wallfahrtsort.

Für die Jahre 1880 bis 1884 berichten kirchliche Quellen von auffälligen Gebetserhörungen beziehungsweise Heilungen. Diese wurden von den Gläubigen als besondere Hilfe der Gottesmutter verstanden und führten zu einem starken Anwachsen des Pilgerzustromes.

Besonders aus der Oststeiermark und dem südlichen Burgenland kamen Wallfahrer nach Maria Fieberbründl.

Ältere Wallfahrtsschriften beschrieben die berichteten Heilungen teilweise in ausgesprochen enthusiastischer religiöser Sprache und zogen sogar Vergleiche mit Lourdes. Solche Aussagen sind als Zeugnisse der damaligen Wallfahrtsfrömmigkeit zu verstehen und nicht als medizinisch überprüfte Wunderberichte.

Gerade diese Entwicklung zeigt, wie rasch ein Wallfahrtsort entstehen konnte: Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich aus einer lokalen Quellen- und Marienverehrung ein weithin bekanntes Pilgerziel.

Das Fieberbründl

Die Quelle bildet bis heute einen wesentlichen Bestandteil des Wallfahrtsortes.

Der Name "Fieberbründl" erinnert an die traditionelle Verwendung des Wassers bei Fiebererkrankungen. Im Laufe der Zeit entwickelte sich jedoch auch ein besonders auf Augenleiden bezogener Heilbrauch.

Bis heute hat sich die Gewohnheit erhalten, die Augen mit dem Wasser des Bründls zu besprengen.

Damit liegt nicht nur eine allgemeine Vorstellung von "Heilwasser" vor, sondern ein konkreter religiöser Brauch, bei dem das Wasser unmittelbar mit jenem Körperteil in Berührung gebracht wird, für den Hilfe erhofft wird.

Das Besprengen oder Waschen der Augen macht die erhoffte Wirkung des Wallfahrtsortes körperlich erfahrbar und gehört damit zu den besonders anschaulichen Formen traditioneller Heil- und Wallfahrtsfrömmigkeit.

Die dem Wasser zugeschriebene Heilkraft ist als religiöse und volkskundliche Vorstellung zu verstehen und nicht als medizinisch nachgewiesene Wirkung.

Heilbrauch und Wandel der Krankheitsvorstellungen

Die ursprüngliche Bezeichnung "Fieberbründl" verweist deutlich auf Fiebererkrankungen als frühes Anwendungsgebiet des Quellwassers.

Heute ist vor allem der Augenbrauch dokumentiert.

Darin zeigt sich ein für heilige Quellen typisches Phänomen: Die Krankheiten oder Beschwerden, gegen die das Wasser verwendet wird, können sich im Lauf der Zeit verändern oder erweitern, während der grundsätzliche Glaube an die besondere Wirksamkeit des Ortes bestehen bleibt.

Die Quelle selbst bleibt das konstante Zentrum, während sich die konkreten Hoffnungen der Pilger den jeweiligen Bedürfnissen anpassen.

Votivgaben und Gebetserhörungen

Mit den Berichten über Hilfe und Heilung entwickelte sich in Maria Fieberbründl auch ein ausgeprägtes Votivwesen.

Ältere Votivbilder befinden sich hinter dem Hochaltar und auf der Musikempore. Für jüngere Votivgaben wurde 1978 eine eigene Bründlkapelle eingerichtet.

Auch Votivtafeln aus neuerer Zeit erinnern an Bitten, Dank und erfahren geglaubte Hilfe.

Damit lässt sich in Maria Fieberbründl eine klassische Abfolge des Wallfahrtswesens beobachten:

Bitte und Gebet werden an Maria gerichtet; eine eingetretene Besserung oder Rettung wird als Gebetserhörung verstanden; anschließend wird durch ein Votivbild oder eine Votivtafel öffentlich Dank abgestattet.

Die Votivgabe bewahrt die individuelle Erfahrung des Pilgers und macht sie zugleich für andere Besucher sichtbar.

Die Kapuziner

Am 1. Mai 1953 übernahmen Kapuziner die Betreuung des Wallfahrtsortes.

Bereits im folgenden Jahr wurden die zuvor getrennten Baukörper der Gnadenkapelle und der Bethalle durch ein Querschiff miteinander verbunden.

Seit 1970 besteht in Maria Fieberbründl eine eigene Seelsorgestelle innerhalb der Pfarre St. Johann bei Herberstein.

Die Kapuziner prägen bis heute das religiöse Leben des Wallfahrtsortes und führen den Standort als Kloster Maria Fieberbründl.

Durch ihre kontinuierliche Präsenz besitzt der Wallfahrtsort ein dichtes Gottesdienst-, Beicht- und Andachtsleben.

Baugeschichte und Ausstattung

Die heutige Wallfahrtskirche ist ein langgestreckter einschiffiger Bau, an dem die unterschiedlichen Entstehungsphasen noch erkennbar sind.

Den ältesten Teil bildet die Gnadenkapelle von 1879. Hinzu kamen die Bethalle von 1894 und schließlich das 1954 eingefügte Querschiff, das die zuvor getrennten Bauteile miteinander verband.

Über einem der Seiteneingänge befindet sich eine lebensgroße Schutzmantelmadonna aus Sandstein, die Josef Papst im Zusammenhang mit dem Ausbau von 1954 schuf.

Die künstlerische Gestaltung der Bründlkapelle wurde 1978 durch Franz Weiss ergänzt.

Seit 1994 besitzt die Wallfahrtskirche eine Rieger-Orgel mit 17 Registern.

Die Architektur ist damit weniger das Ergebnis eines einheitlichen Bauplanes als vielmehr Ausdruck der schrittweisen Entwicklung des Wallfahrtsortes.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Fieberbründl ist volkskundlich besonders bemerkenswert, weil sich hier die typischen Elemente eines Wallfahrtsortes innerhalb eines vergleichsweise kurzen historischen Zeitraumes beobachten lassen.

Die Gründungslegende stellt einen Einsiedler, eine Marienstatue und eine Quelle an den Anfang. Der Gebrauch des Quellwassers bei Krankheit gibt dem Ort seinen Namen.

Berichte über Gebetserhörungen und Heilungen führen im ausgehenden 19. Jahrhundert zu einem wachsenden Pilgerstrom. Der zunehmende Besuch macht größere Kapellen- und Kirchenbauten notwendig, während Votivbilder und Votivtafeln die Erinnerung an erfahren geglaubte Hilfe dauerhaft festhalten.

Besonders aufschlussreich ist die Auseinandersetzung um den Standort des Heiligtums.

Der Wallfahrtsort konnte offenbar nicht beliebig verlegt werden, weil die Quelle und der ursprüngliche Platz selbst als Träger der Heiligkeit verstanden wurden. Die zeitweise Existenz zweier Kapellen macht diese Bindung an den konkreten Ort ungewöhnlich deutlich.

Der bis heute praktizierte Brauch des Augenbesprengens mit dem Wasser des Fieberbründls bildet eine weitere bemerkenswerte Kontinuität.

In Maria Fieberbründl verbinden sich damit Marienverehrung, Heilquelle, körperlich vollzogener Heilbrauch, Gebetserhörung und Votivwesen zu einem besonders anschaulichen Beispiel lebendiger Wallfahrtsfrömmigkeit.

Wallfahrt heute

Maria Fieberbründl ist bis heute eine lebendige und regelmäßig besuchte Wallfahrtsstätte. Die Kirche besitzt ein dichtes Gottesdienstleben und wird weiterhin von Kapuzinern betreut.

Von besonderer Bedeutung sind die Fatimafeiern am 13. der Monate Mai bis Oktober. Sie werden mit einer Lichterprozession und einer anschließenden Wallfahrtsmesse begangen.

Daneben kommen weiterhin zahlreiche Einzelpilger und organisierte Wallfahrer nach Maria Fieberbründl.

Auch außerhalb der besonderen Wallfahrtstage ist die Kirche als Gebets- und Andachtsort in Verwendung.

Das Patrozinium der Kirche ist Mariä Geburt am 8. September.

Literatur und Quellen

- Gottfried Allmer: Kaibing – Maria Fieberbründl. Beiträge zur Geschichte von Gemeinde und Wallfahrtsort. Kaibing 1995.

- Gottfried Allmer: Kirchen und Kapellen im mittleren Feistritztal. Stubenberg – St. Johann bei Herberstein – Maria Fieberbründl. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 489, Salzburg 2009.

- Ursprung und Geschichte des Wallfahrts- und Gnadenortes Maria=Elend in Fieberbründl (Steiermark). 2. Auflage, Graz 1949.

- Bernhard Schwarz: Dokumentation zur Geschichte von Maria Fieberbründl mit historischen Fotografien und Aufnahmen aus privaten Hausarchiven.

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz). Abschnitt Maria Fieberbründl.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at