Ehrenhausen an der Weinstraße, Pfarr- und Wallfahrtskirche Schmerzhafte Muttergottes

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historisch eindeutig belegte Marienwallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes; das Gnadenbild wurde als "gnadenreich" verehrt und durch Andachtsgraphik verbreitet.
Status:Die frühere organisierte Wallfahrt ist stark zurückgetreten; die Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes besteht im liturgischen Leben der Pfarrkirche fort.
Kultzentrum:Kleine spätmittelalterliche Pietà beziehungsweise Vesperbild aus Steinguss, kunsthistorisch um 1420 datiert und im Zentrum des Hochaltares verehrt.
Hauptfest:Patrozinium der Schmerzhaften Muttergottes am 15. September.
Besonderheit:Ein sehr altes Gnadenbild wurde in den monumentalen barocken Hochaltar des 18. Jahrhunderts integriert; historische Andachtsbilder belegen die Verbreitung des Gnadenkultes.
Ort:Ehrenhausen an der Weinstraße in der Südsteiermark.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Pfarr- und Wallfahrtskirche Schmerzhafte Muttergottes, Marktplatz 13, 8461 Ehrenhausen an der Weinstraße.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Ehrenhausen
Öffnungszeiten: tagsüber zugänglich.
Kirchen- und Ortsführungen können nach Vereinbarung durchgeführt werden.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes in Ehrenhausen gehört zu den historisch bedeutenden Marienwallfahrtskirchen der Südsteiermark. Im Mittelpunkt der Verehrung steht eine kleine spätmittelalterliche Pietà, die um 1420 entstanden ist und bereits in der Vorgängerkirche verehrt wurde. Das Bild der Schmerzhaften Muttergottes wurde später ausdrücklich als "gnadenreich" bezeichnet und durch Andachtsgraphik verbreitet, womit der historische Wallfahrtscharakter der Kirche eindeutig belegt ist.

Die große barocke Kirche des 18. Jahrhunderts entstand als würdiger Rahmen für dieses ältere Gnadenbild. Während die historische Wallfahrt heute stark zurückgetreten ist und keine regelmäßig organisierte eigenständige Wallfahrt nach Ehrenhausen mehr sicher nachgewiesen werden kann, lebt die Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes im Patrozinium und im liturgischen Leben der Pfarrkirche weiter.

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche steht im Zentrum von Ehrenhausen an der Weinstraße und gehört heute zum Seelsorgeraum Südsteirisches Weinland der Diözese Graz-Seckau.

Das mittelalterliche Gnadenbild

Das eigentliche Zentrum der Wallfahrt ist eine kleine Pietà beziehungsweise ein Vesperbild aus Steinguss, das kunsthistorisch um 1420 datiert wird.

Maria hält den vom Kreuz genommenen Christus auf ihrem Schoß. Damit gehört die Figur zu jenem spätmittelalterlichen Bildtypus, der die Schmerzen Mariens unmittelbar in den Mittelpunkt stellte und besonders für Menschen in Krankheit, Trauer, Verlust und persönlicher Not eine starke emotionale Wirkung entfalten konnte.

Die Pietà stammt noch aus der alten Kaplaneikirche, also aus dem Vorgängerbau der heutigen Barockkirche. Ihr Alter allein beweist allerdings noch keine Wallfahrt seit dem frühen 15. Jahrhundert. Wann die Figur tatsächlich zum Mittelpunkt eines ausgeprägten Gnaden- und Wallfahrtskultes wurde, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit bestimmen.

Fest steht jedoch, dass sie später ausdrücklich als Gnadenbild verehrt wurde und ihre Bedeutung weit über jene eines bloßen Kunstwerkes hinausging.

Das Gnadenbild auf historischen Andachtsbildern

Ein besonders wertvoller volkskundlicher Beleg für die Wallfahrt ist ein historisches Andachtsbild des Grazer Kupferstechers Johann Veit Kauperz.

Die Darstellung zeigt die Ehrenhausener Pietà und bezeichnet sie ausdrücklich als "Gnadenreiche Bildniß der schmerzhaften Mutter zu Ehrenhausen".

Damit besitzen wir einen unmittelbaren Nachweis dafür, dass die Marienfigur im religiösen Bewusstsein der Gläubigen als besonderes Gnadenbild galt.

Solche kleinformatigen Andachtsbilder gehörten zum klassischen Umfeld von Wallfahrtsorten. Pilger konnten sie mit nach Hause nehmen, in Gebetbüchern verwahren oder im Wohnbereich anbringen. Das Bild des Gnadenortes wurde dadurch räumlich verbreitet und blieb auch nach der Rückkehr von der Wallfahrt gegenwärtig.

Die Ehrenhausener Pietà war somit nicht nur innerhalb der Kirche ein Kultbild, sondern wurde auch durch Druckgraphik als Gnadenbild bekannt gemacht.

Die Vorgängerkirche

Eine Kirche in Ehrenhausen wird im Jahr 1574 erstmals urkundlich genannt.

Der Bau war zunächst Teil der kirchlichen Organisation der Pfarre Gamlitz. Mit der wachsenden Bedeutung des Ortes und der Marienverehrung entwickelte sich Ehrenhausen im 18. Jahrhundert zu einem eigenen kirchlichen Zentrum.

Die Pfarre Ehrenhausen wurde 1748 errichtet. Im folgenden Jahr wurden weitere vertragliche Regelungen zwischen der Herrschaft Ehrenhausen und der kirchlichen Obrigkeit getroffen.

In diese Zeit fällt auch die Vorbereitung des großen barocken Kirchenneubaus.

Der barocke Neubau

Die heutige Pfarr- und Wallfahrtskirche entstand in den Jahren 1751/52 bis 1754.

In älteren Darstellungen wurde der Bau häufig Johann Fuchs aus Marburg zugeschrieben. Neuere archivalische Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass diese Zuschreibung nicht eindeutig belegt werden kann. In der kunsthistorischen Forschung wurden auch Joseph Hueber, Johann Georg Stengg und Josef Hoffer als mögliche Entwerfer genannt.

Die Frage nach dem tatsächlichen Architekten ist daher bis heute nicht abschließend geklärt.

Historische Aufzeichnungen nennen den 17. April 1752 als Zeitpunkt der Grundsteinlegung und den 5. Juni 1754 als Abschluss der Bauarbeiten. Am 5. Juli 1754 wurde die neue Pfarr- und Wallfahrtskirche feierlich geweiht.

Der monumentale Neubau schuf einen wesentlich größeren und repräsentativeren Rahmen für die Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes.

Der Hochaltar und das mittelalterliche Gnadenbild

Der Hochaltar ist vollständig auf das ältere Gnadenbild ausgerichtet. Im Zentrum der monumentalen barocken Altararchitektur steht nicht eine neu geschaffene Marienfigur, sondern weiterhin die kleine spätmittelalterliche Pietà von etwa 1420.

Damit bewahrte der Neubau ganz bewusst das alte Kultzentrum.

Um die Pietà gruppieren sich große Engelsfiguren und Darstellungen der Passion Christi. Unter anderem erscheinen Engel mit Lanze und Essigschwamm als Leidenswerkzeugen. Über dem Gnadenbild befinden sich Gottvater, der Heilige Geist und weitere Engelsfiguren.

Die gesamte barocke Inszenierung steigert dadurch die Wirkung des mittelalterlichen Bildes, ohne es zu verdrängen.

Gerade darin zeigt sich eine typische Entwicklung historischer Wallfahrtskirchen: Ein älteres, bereits verehrtes Kultbild wird in einen wesentlich größeren Neubau übernommen und erhält dort eine neue monumentale Bühne.

Die Straub-Zuschreibungen

Die figürliche Ausstattung der Ehrenhausener Kirche wurde lange Zeit mit dem Grazer Bildhauer Philipp Jakob Straub verbunden.

Neuere kunsthistorische Forschungen haben diese Zuschreibungen jedoch teilweise in Frage gestellt.

Christina Pichler ordnet insbesondere die Engel des Hochaltares, Teile des Fassadenschmuckes und die Kanzel eher Joseph Straub, dem jüngeren Bruder Philipp Jakob Straubs, beziehungsweise dessen Werkstatt zu.

Damit zeigt sich, dass auch bei einem kunsthistorisch gut bekannten Bauwerk traditionelle Zuschreibungen durch neuere Forschung korrigiert werden können.

Für die Geschichte der Wallfahrt selbst ist jedoch weniger entscheidend, welcher Bildhauer die barocke Ausstattung ausführte, als vielmehr die Tatsache, dass die gesamte künstlerische Gestaltung dem älteren Gnadenbild untergeordnet wurde.

Die Pietà an der Fassade

Das Patrozinium der Schmerzhaften Muttergottes wird bereits an der Außenfassade sichtbar.

Über dem Giebel befindet sich eine monumentale Pietà-Darstellung aus der Bauzeit der Kirche. Maria hält beziehungsweise stützt den toten Christus, und ihr Schmerz wird deutlich durch die Darstellung von Tränen betont.

Damit begegnet das zentrale Thema der Kirche dem Besucher bereits vor dem Betreten des Gotteshauses.

Außen erscheint die Schmerzhafte Muttergottes als großformatige barocke Skulptur, während im Inneren das wesentlich kleinere spätmittelalterliche Gnadenbild das eigentliche Kultzentrum bildet.

Diese doppelte Darstellung verstärkt die thematische Geschlossenheit der Wallfahrtskirche.

Die Schmerzhafte Muttergottes als Wallfahrtsbild

Die Verehrung einer Pietà besitzt innerhalb der Marienwallfahrt eine besondere emotionale Qualität.

Maria erscheint hier nicht als triumphierende Himmelskönigin, sondern als Mutter, die den toten Sohn auf ihrem Schoß hält. Sie wird dadurch selbst zur Leidenden und konnte von Menschen angerufen werden, die mit Krankheit, Tod, Verlust oder anderem schweren persönlichen Leid konfrontiert waren.

Gerade diese Nähe zum menschlichen Schmerz machte die Schmerzhafte Muttergottes zu einer besonders verständlichen Fürsprecherin.

Der Pilger konnte sein eigenes Leid mit dem Leid Mariens in Beziehung setzen und darauf vertrauen, dass eine Mutter, die selbst größtes Leid erfahren hatte, die Not des Menschen besonders gut verstehen und vor Gott vertreten könne.

Diese religiöse Vorstellung erklärt wesentlich die starke Verbreitung von Pietà- und Vesperbildwallfahrten im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit.

Andachtsbild und Verbreitung des Gnadenkultes

Das historische Andachtsbild von Johann Veit Kauperz ist für Ehrenhausen besonders wertvoll, weil es die Verbreitung des Gnadenkultes außerhalb der Kirche dokumentiert.

Mit der Bezeichnung als "gnadenreiche Bildniß" wurde die Pietà nicht bloß abgebildet, sondern ausdrücklich als Bild besonderer religiöser Wirksamkeit präsentiert.

Andachtsbilder dieser Art konnten von Wallfahrern erworben und mit nach Hause genommen werden. Dort wurden sie zu persönlichen Erinnerungszeichen an die Wallfahrt und konnten selbst wieder in private Gebetspraktiken eingebunden werden.

Auf diese Weise verbreitete sich die Kenntnis des Gnadenbildes weit über Ehrenhausen hinaus.

Das gedruckte Andachtsbild ist daher selbst ein wichtiges materielles Zeugnis des historischen Wallfahrtswesens.

Mirakel- und Votivwesen

Ein eigenes Mirakelbuch der Ehrenhausener Wallfahrt konnte bislang nicht sicher nachgewiesen werden. Auch ein größerer historischer Bestand von Votivbildern oder anderen Votivgaben ist in den derzeit zugänglichen Quellen nicht eindeutig dokumentiert.

Dies bedeutet nicht, dass es keine Votivpraxis gegeben haben kann. Bei einem nachweislich als "gnadenreich" verehrten Bild wäre dies durchaus denkbar.

Weitere Ausstattung

Neben dem Hochaltar besitzt die Kirche mehrere Seitenaltäre und Altäre in den seitlichen Konchen, deren Ausstattung im Wesentlichen aus der Zeit um 1760 stammt.

Die Figuren zeigen den hohen künstlerischen Anspruch des barocken Neubaus und gehören zum qualitätvollen südsteirischen Rokoko.

Besonders reich gestaltet ist die Kanzel. Auf ihrem Korb befindet sich ein Engel, der ein Modell der neu errichteten Kirche trägt. Dieses kleine Kirchenmodell kann beinahe als plastische Erinnerung an den barocken Neubau verstanden werden.

Darüber hinaus besitzt die Kirche mehrere historische Grabdenkmäler, die an die mit Ehrenhausen verbundenen Adelsfamilien erinnern und die enge Verbindung zwischen Kirche und Herrschaft sichtbar machen.

Die Orgel

Auch die Orgel besitzt eine interessante Geschichte. Die kleine barocke Orgel stammt ursprünglich aus der Minoritenkirche in Marburg, dem heutigen Maribor. Nach deren Veräußerung gelangte das Instrument nach Ehrenhausen und wurde dort von einem Marburger Orgelbauer wieder aufgestellt.

Die Geschichte der Orgel erinnert daran, dass der südsteirische und untersteirische Raum im 18. Jahrhundert einen eng verbundenen Kunst- und Kulturraum bildete.

Künstler, Bildhauer, Baumeister und Orgelbauer arbeiteten beiderseits der heutigen Staatsgrenze, die für die damalige Kulturlandschaft keine vergleichbare Trennlinie darstellte.

Volkskundliche Bedeutung

Die Ehrenhausener Wallfahrt ist volkskundlich vor allem durch die Verbindung eines sehr alten Gnadenbildes mit einer wesentlich jüngeren monumentalen Kirchenarchitektur bemerkenswert.

Die kleine spätmittelalterliche Pietà blieb über mehrere Bauphasen hinweg das eigentliche Kultzentrum. Als im 18. Jahrhundert eine große barocke Kirche entstand, wurde das alte Gnadenbild nicht ersetzt, sondern im Zentrum des neuen Hochaltares besonders hervorgehoben.

Der historische Kupferstich von Johann Veit Kauperz zeigt zugleich, dass sich der Kult nicht auf den Kirchenraum beschränkte. Durch Andachtsbilder konnte das Bild der Schmerzhaften Muttergottes in die Häuser der Pilger gelangen und dort Bestandteil privater Frömmigkeit werden.

Die Bildform selbst erklärt einen wesentlichen Teil der religiösen Wirkung. Maria wird als leidende Mutter dargestellt und konnte deshalb insbesondere von Menschen angerufen werden, die selbst Krankheit, Tod, Verlust oder andere schwere Lebenskrisen erfahren mussten.

Wallfahrt, Bildverehrung und persönliches Leiden verbanden sich dadurch zu einem religiösen Deutungssystem, in dem die Schmerzhafte Muttergottes als besonders verständnisvolle Fürsprecherin erschien.

Ehrenhausen ist somit ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein mittelalterliches Vesperbild über Jahrhunderte hinweg seine Bedeutung bewahren und selbst einen wesentlich späteren barocken Kirchenneubau noch bestimmen konnte.

Wallfahrt heute

Historisch ist Ehrenhausen eindeutig als Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Muttergottes belegt.

Die eigentliche organisierte Wallfahrt scheint heute jedoch stark zurückgetreten zu sein. In den aktuellen kirchlichen Veröffentlichungen finden sich keine regelmäßig angesetzten Monatswallfahrten und keine größere jährlich wiederkehrende organisierte Wallfahrt nach Ehrenhausen.

Die Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes besteht dennoch fort.

Das Patrozinium wird am 15. September gefeiert, und das mittelalterliche Gnadenbild bildet weiterhin den Mittelpunkt des Hochaltares und damit auch des Kirchenraumes.

Literatur und Quellen

- Horst Schweigert: Die Pfarrkirche und das Eggenberger Mausoleum in Ehrenhausen. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 294, Salzburg 1996.

- Peter Stauder: Ehrenhausen. Altes, Neues, Interessantes. 2 Bände, Ehrenhausen 2010.

- Christina Pichler: Der Barockbildhauer Philipp Jakob Straub. Sein künstlerisches Schaffen mit Blick über die Alpen. Berlin/München 2023.

- Julia Strobl: "The high altar of the Parish Church Our Lady of Sorrows in Ehrenhausen." In: TrArS – Tracing the Art of the Straub Family, 2018.

- Gustav Gugitz: "Unbekannte Druckgraphik auf alten Andachtsbildern." Mit Nachweis des Ehrenhausener Andachtsbildes "Gnadenreiche Bildniß der schmerzhaften Mutter zu Ehrenhausen".

- Franz Attems / Johannes Koren: Kirchen und Stifte der Steiermark. Innsbruck 1988, S. 82–83.

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz). Abschnitt Ehrenhausen, Pfarr- und Wallfahrtskirche Schmerzhafte Mutter Maria.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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