| Wallfahrt: | Alte überregionale Marienwallfahrt der Weststeiermark mit Pestgelübden, Fußwallfahrten und einem historischen Einzugsgebiet bis nach Kärnten und in das heutige Slowenien. |
| Status: | Lebendige überregionale Marienwallfahrt mit traditionellen Fuß- und Sternwallfahrten, Prozessionen, 13er-Wallfahrten und eigenen Gottesdiensten für ankommende Pilgergruppen. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Pietà der Schmerzhaften Muttergottes um 1500, seit 1713 im Zentrum des Hochaltares. |
| Hauptfest: | Großer Frauentag am 15. August und Kleiner Frauentag am 8. September; traditionell außerdem Wallfahrtssonntage nach Ostern. |
| Besonderheit: | Verbindung von Gnadenbildwallfahrt, Pestgelübden und dem Frauenbründl, dessen Wasser in der örtlichen Überlieferung besonders bei Augenleiden als heilkräftig gilt. |
| Ort: | Maria Osterwitz in der Stadtgemeinde Deutschlandsberg auf der Koralpe. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Osterwitz 62, 8530 Deutschlandsberg. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Maria Osterwitz |
| • | Öffnungszeiten: ganzjährig tagsüber frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Osterwitz liegt in rund 1.145 Metern Seehöhe auf einem Höhenrücken der Koralpe im heutigen Stadtgebiet von Deutschlandsberg. Sie ist der Schmerzhaften Muttergottes geweiht und gehört zu den alten Marienwallfahrtsorten der Weststeiermark. Ihr historisches Einzugsgebiet überschreitet die heutigen Landesgrenzen: Wallfahrer kamen und kommen aus der Steiermark, dem benachbarten Kärnten und teilweise aus dem heutigen Slowenien.
Eine Kirche in Osterwitz ist 1382 erstmals urkundlich belegt; seit 1445 besteht eine eigene Pfarre. Die Kirche wurde während der Türkenkriege wiederholt schwer beschädigt beziehungsweise zerstört. Der heutige Bau entstand im Wesentlichen als spätgotische Kirche des frühen 16. Jahrhunderts und wurde am 23. Oktober 1534 nach dem Wiederaufbau neu geweiht. Damals erscheint die Kirche noch unter einem allgemeinen Marienpatrozinium; später wurde Mariä Heimsuchung als Patrozinium geführt.
Ein bemerkenswerter früher Hinweis auf den Wallfahrtscharakter findet sich bereits in der landesfürstlichen Visitation von 1529. Dort werden für die kleine Bergpfarre etwa 1.200 Kommunionbesucher genannt – eine für die geringe örtliche Bevölkerung ungewöhnlich hohe Zahl, die mit dem Zustrom auswärtiger Kirchenbesucher beziehungsweise Wallfahrer erklärt wird.
Neben der urkundlich belegten Geschichte besteht eine wesentlich ältere Gründungsüberlieferung. Danach hätten Holzknechte bereits um 1015 am Platz der heutigen Kirche in einer einfachen Holzhütte eine Figur der Schmerzhaften Muttergottes aufgestellt. Bei einem Gewitter sei die Hütte abgebrannt, während das Marienbild auf wunderbare Weise unversehrt geblieben sei. Daraufhin habe man an dieser Stelle eine erste Kirche errichtet.
Diese Jahreszahl ist historisch nicht urkundlich nachweisbar. Bemerkenswert ist jedoch, dass die Tradition keineswegs erst in jüngerer Zeit erfunden wurde: Bereits 1715 gestattete der Salzburger Erzbischof die Feier eines vermeintlichen 700-jährigen Bestehens. Damals wurde die Kirche mit rund 40.000 Holzschindeln neu gedeckt und ein eigenes Andachtsbild gedruckt. Die örtliche Jubiläumstradition setzte den Ursprung der Marienverehrung somit bereits damals in das Jahr 1015 zurück.
Die "1000 Jahre"-Tradition ist daher als alte Wallfahrtsüberlieferung, nicht als gesicherte Baugeschichte zu verstehen.
Mittelpunkt der Wallfahrt ist eine spätgotische Pietà aus der Zeit um 1500, die Schmerzhafte Muttergottes mit dem Leichnam Christi. Die Statue wurde 1958 restauriert und befindet sich heute am Hochaltar.
Für die Kultgeschichte ist das Jahr 1713 entscheidend. Am 14. Juni 1713 wurde das Gnadenbild von einem Seitenaltar auf den Hochaltar übertragen. Gleichzeitig wandelte sich die Bezeichnung der Kirche von Mariä Heimsuchung zur Schmerzhaften Muttergottes beziehungsweise "Maria sieben Schmerzen".
Diese Übertragung ist vermutlich Ausdruck einer bereits erheblich angewachsenen Verehrung des Bildes. Die spätere Aufstellung im Zentrum des Hochaltares machte die Pietà auch räumlich zum Mittelpunkt des gesamten Kirchenraumes.
Eine besondere Blüte erlebte die Wallfahrt im Zusammenhang mit den Pestepidemien des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Der Gottesmutter wurde zugeschrieben, bei der Pest von 1680 Schutz beziehungsweise ein Ende der Seuche erwirkt zu haben. Auch 1713 wurde die Osterwitzer Gnadenmutter als Schutz vor Pest und anderem Unheil angerufen.
Die Wallfahrt wurde dadurch stark von Gelübden geprägt. Die Pfarren Preding und Hengsberg gelobten während der Pestjahre 1713–1715 eine jährliche Wallfahrt nach Osterwitz. Diese Wallfahrtstradition besteht in veränderter Form bis heute fort.
Dazu gehört auch eine charakteristische Wallfahrtslegende: Als die Pilger ihre Wallfahrt einige Male unterließen, soll ein von ihnen gestiftetes Marienbild traurig geworden sein und sogar Tränen vergossen haben. Seitdem, so die Überlieferung, hätten die Wallfahrer darauf geachtet, ihr Gelübde regelmäßig zu erfüllen.
Volkskundlich begegnet hier ein klassisches Motiv: Die Verpflichtung aus einem Wallfahrtsgelübde bleibt bestehen; seine Vernachlässigung wird vom Kultbild selbst sichtbar beanstandet.
Zum Wallfahrtsensemble gehört das Frauenbründl, etwa 150 Meter nördlich beziehungsweise unterhalb der Kirche an der Zufahrtsstraße. Die gefasste Quelle ist mit einem Bildstock verbunden. Das Wasser gilt in der örtlichen Überlieferung insbesondere als heilkräftig bei Augenleiden.
Früher sollen Wallfahrer Wasser mit nach Hause genommen oder ihre Augen damit benetzt haben. Eine örtliche Dokumentation berichtet außerdem von einem heute verschollenen Wunderbuch, in dem Heilungen und andere durch die Anrufung der Osterwitzer Gottesmutter erfahrene Gnaden aufgezeichnet gewesen sein sollen.
Das Frauenbründl ist volkskundlich besonders bemerkenswert, weil sich hier Marienwallfahrt und Heilquellenbrauch unmittelbar verbinden.
Maria Brunners Untersuchung beschreibt die Wallfahrt als weit über Osterwitz hinausreichendes regionales System. Die Kirche wurde insbesondere aufgrund von Pestgelübden, Krankheiten, drohenden Hungersnöten und bäuerlichen Anliegen aufgesucht. Traditionell zählten der vierte, fünfte und sechste Sonntag nach Ostern, der Große Frauentag am 15. August und der Kleine Frauentag am 8. September zu den wichtigen Wallfahrtsterminen.
Ältere Wallfahrten waren von feierlichen Einzügen geprägt. Junge Mädchen trugen mit bekränztem Haar eine Muttergottesstatue, an bestimmten Stationen wurde gebetet und gesungen. Der Große Frauentag war zugleich mit Jahrmarkt und Dorffest verbunden – eine klassische Verbindung von religiöser Wallfahrt und weltlichem Festbetrieb.
Besonders lebendig ist die Verbindung über die Koralpe nach Kärnten. Die Pfarre St. Georgen im Lavanttal führt weiterhin eine traditionelle Fußwallfahrt nach Maria Osterwitz durch. Kirchliche Berichte bezeichnen diese Wallfahrt als seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar. Ein Teil der Pilger legt den Weg über die Koralpe zu Fuß zurück; weitere Teilnehmer kommen mit dem Bus und treffen zur gemeinsamen Wallfahrermesse in Osterwitz zusammen.
Auch aus anderen Richtungen bestehen weiterhin Fußwallfahrten. Ein Pfarrbericht dokumentiert etwa den frühen Aufbruch von der Wolfgangikirche nach Osterwitz und bezeichnet diese Tradition als seit mehreren Jahrhunderten bestehend.
Die Wallfahrt ist eine lebendige überregionale Marienwallfahrt mit traditionellen Fußwallfahrten. Der Seelsorgeraum bezeichnet den Beginn des Frühjahrs ausdrücklich als Start der Pilgersaison. Im aktuellen kirchlichen Kalender erscheinen Sternwallfahrten sowie Prozessionen und 13er-Wallfahrten; zudem werden eigene Messen für ankommende Wallfahrergruppen gefeiert.
Die Kirche ist ein eindrucksvoller spätgotischer Bau. Der hohe Chor besitzt einen Fünfachtelschluss und Kreuzrippengewölbe; das zweijochige Langhaus trägt ein reiches Netzrippengewölbe. Der mächtige dreigeschossige Westturm ist ebenfalls gotisch und wird von einem späteren Zwiebelhelm abgeschlossen. Die niedrigeren barocken Seitenschiffe wurden vermutlich im 18. Jahrhundert angefügt.
Der heutige Hochaltar entstand um 1780–1800. In seinem Zentrum befindet sich die spätgotische Gnaden-Pietà. Die Rokoko-Seitenaltäre sind dem hl. Josef und der hl. Anna gewidmet; hinzu kommen ein Sebastianaltar sowie ein Valentinsaltar in der nördlichen Kapelle.
Bemerkenswert auch die geografische Lage. Osterwitz liegt hoch auf der Koralpe unmittelbar im Übergangsraum zwischen Steiermark und Kärnten. Die Wallfahrt überschritt daher seit Jahrhunderten politische und kirchliche Grenzen. In dieser Hinsicht ist Maria Osterwitz nicht nur ein lokales Marienheiligtum, sondern ein verbindender Gnadenort der südlichen Weststeiermark und des Lavanttales.
- Maria Brunner: "Daß man die Anliegen hineinlegen kann in die Hände von Maria …". Zur Geschichte des Wallfahrtswesens in Osterwitz, Graz 1997, 114 Bl., Abb., Karten, Zusammenfassung, Universität Graz, Diplomarbeit.
- Gerhard Fischer: Osterwitz. "ain wunderthätig Orth im hochen gepürg". Leben, Freude und Leid einer Gegend und ihrer Bewohner, herausgegeben von der Gemeinde Osterwitz, Deutschlandsberg 2002.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.
- Kurt Woisetschläger / Peter Krenn: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz), Wien 1982, Osterwitz, Pfarr- und Wallfahrtskirche Schmerzhafte Mutter.
- Anton Albrecher: Die landesfürstliche Visitation und Inquisition von 1528 in der Steiermark, Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XIII, Graz 1997, besonders S. 230 und 414; wichtig für die außergewöhnlich hohe Zahl der Kommunionbesucher 1529.
- Oskar Veselsky: Die Konsekrationsberichte aus den Ordinations- und Konsekrationsprotokollen der Bischöfe von Lavant im 16. Jahrhundert, Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XI, Graz 1997.
- Ferdinand Hutz: Das Weiheregister des Lavanter Bischofs Dr. Philipp Renner 1534–1553, Quellen zur geschichtlichen Landeskunde der Steiermark XVII, Graz 2002; wichtig für die Wiederweihe 1534.
- Manfred Kronawetter: "1000 Jahre Marientradition: 1015–1715–2015", in: Die Briefmarke, 63. Jahrgang, Wien 2015, S. 45; insbesondere zur Jubiläumstradition von 1015 und 1715.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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