| Wallfahrt: | Historische Marien- und Heilquellenwallfahrt, die sich aus einem seit dem 17. Jahrhundert aufgesuchten Heilbrunnen entwickelte und zunächst gegen kirchlichen Widerstand von der Bevölkerung getragen wurde. |
| Status: | Lebendige regionale Marien- und Heilquellenwallfahrt mit Frauentagen, Gottesdiensten am 13. des Monats, Prozessionen, Fußwallfahrten und fortbestehendem Gebrauch des Quellwassers. |
| Kultzentrum: | Marienstatue mit Jesuskind im Hochaltar, Lourdes-Grotte und die bis heute aufgesuchte Heilquelle. |
| Hauptfest: | Großer Frauentag am 15. August und Kleiner Frauentag am 8. September; von Mai bis Oktober zusätzlich Gottesdienste am 13. des Monats. |
| Besonderheit: | Frühe Heilquellenwallfahrt mit Opfermünzen, Wachs- und Eisenvotiven sowie jahrzehntelangem Konflikt zwischen spontaner Volksfrömmigkeit und kirchlicher Kultkontrolle. |
| Ort: | Helfbrunn bei Ratschendorf, Gemeinde Deutsch Goritz. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Wallfahrtskirche Maria Helfbrunn, Ratschendorf 126, 8482 Ratschendorf. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Mureck |
| • | Öffnungszeiten: Die Wallfahrtsanlage mit Lourdes-Grotte und Quelle ist ganzjährig frei zugänglich. Für eine gezielte Innenbesichtigung der Wallfahrtskirche außerhalb der Gottesdienstzeiten empfiehlt sich gegebenenfalls eine vorherige Anfrage bei der Pfarre Mureck. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Wallfahrtskirche Maria Helfbrunn bei Ratschendorf in der Gemeinde Deutsch Goritz gehört zu den volkskundlich bemerkenswerten Marienwallfahrtsorten der Steiermark. Ihre Geschichte beginnt nicht mit einer kirchlich geplanten Stiftung, sondern mit einer Quelle, deren Wasser bereits im 17. Jahrhundert von Kranken in der Hoffnung auf Heilung aufgesucht wurde. Die Menschen wuschen oder badeten sich mit dem Wasser, beteten bei einem Kruzifix und einem Marienbild und warfen Opfermünzen unmittelbar in die Quelle.
Aus diesem zunächst weitgehend volkstümlichen Heilquellenbrauch entwickelte sich eine Wallfahrt, die von der zuständigen kirchlichen Obrigkeit lange Zeit keineswegs gefördert, sondern vielmehr bekämpft und einzudämmen versucht wurde. Trotzdem kamen bereits im frühen 18. Jahrhundert Pilger aus der Steiermark, aus Ungarn und Kroatien nach Helfbrunn. Erst 1856 wurde der längst bestehende Gnadenort kirchlich anerkannt und eine gemauerte Kapelle errichtet.
Bis heute lebt die Verbindung von Marienverehrung und Quelle fort. Besucher benetzen ihre Augen mit dem Wasser, trinken davon oder nehmen es in Flaschen mit nach Hause. Die traditionellen Frauentage, Gottesdienste am 13. des Monats, Prozessionen und der Besuch der Lourdes-Grotte machen Maria Helfbrunn weiterhin zu einer lebendigen regionalen Marien- und Heilquellenwallfahrt.
Maria Helfbrunn liegt im Ortsteil Helfbrunn der Katastralgemeinde Ratschendorf in der Gemeinde Deutsch Goritz.
Das eigentliche historische Zentrum des Wallfahrtsortes befindet sich bei der Quelle und der heutigen Lourdes-Grotte. Die Wallfahrtskirche steht etwas erhöht oberhalb des Quellbereiches.
Die frühesten archivalisch belegten Nachrichten über wallfahrtsähnliche Vorgänge am sogenannten "Helffbrun" stammen aus den Jahren 1716 und 1717. Nach späteren Berichten dürfte das Wasser jedoch bereits seit ungefähr der Mitte des 17. Jahrhunderts von Kranken in der Hoffnung auf Hilfe und Heilung aufgesucht worden sein.
Die religiöse Handlung war dabei unmittelbar mit dem Wasser verbunden. Menschen wuschen oder badeten sich an der Quelle, knieten anschließend nieder und beteten zur Gottesmutter. Opfermünzen wurden direkt in das Wasser gelegt beziehungsweise geworfen. Neben dem Brunnen standen ein Kruzifix und ein Marienbild beziehungsweise eine Marienfigur als christliche Andachtszeichen.
Damit lässt sich die frühe Form des Helfbrunner Kultes ungewöhnlich deutlich erfassen: Wassergebrauch, körperbezogene Heilhandlung, Mariengebet und Opfergabe bildeten eine Einheit.
Noch bevor eine eigentliche Kirche bestand, war die Quelle damit bereits zu einem religiösen Ort geworden.
Die Entstehung Maria Helfbrunns ist besonders bemerkenswert, weil die Wallfahrt zunächst nicht von der Kirche gefördert wurde.
Die damals zuständige Pfarre Straden begegnete dem rasch anwachsenden Kult vielmehr mit erheblichem Misstrauen. Nicht genehmigte Andachten, der Badebetrieb, die Verwendung des Quellwassers und vor allem die Opfergelder führten über Jahrzehnte hinweg zu Konflikten.
Damit zeigt Maria Helfbrunn in besonders anschaulicher Weise den Unterschied zwischen spontan entstehender Volksfrömmigkeit und kirchlich kontrolliertem Kult.
Für die Menschen war der Brunnen längst ein Ort religiöser Hoffnung und erfahrener Hilfe, während die kirchliche Obrigkeit noch darum bemüht war, diesen Kult zu kontrollieren oder überhaupt zu verhindern.
Eine zentrale Gestalt der frühen Wallfahrtsgeschichte war der Ratschendorfer Viehhirte Michael Tell, dessen Name in den historischen Quellen in verschiedenen Schreibweisen begegnet.
Im frühen 18. Jahrhundert errichtete Tell mit Zustimmung der Grundherrschaft über beziehungsweise bei der Quelle eine einfache Bretterhütte. Diese diente gleichzeitig als Badehaus und Andachtsraum. Darin stellte er eine Marienfigur auf und betreute offenbar die Menschen, die den Heilbrunnen aufsuchten.
Tell beschränkte sich jedoch nicht auf den Betrieb vor Ort. Nach einer Sachverhaltsdarstellung aus dem Jahr 1740 zog er mit einer Flasche Helfbrunner Wasser durch die weitere Umgebung bis in die Windischen Bühel und verbreitete die Nachricht, dass Menschen durch das Trinken des Wassers oder das Baden im Helfbrunn von Krankheiten und Gebrechen gesund werden könnten.
Damit trug ein einfacher Viehhirte wesentlich zur Bekanntheit des jungen Gnadenortes bei.
Aus heutiger Sicht könnte man beinahe von einer frühen Form der Wallfahrtswerbung sprechen.
Die kirchliche Obrigkeit betrachtete Tells Tätigkeit mit erheblichem Argwohn.
In seiner Hütte wurden sogenannte "Winkelandachten" abgehalten, also religiöse Andachten außerhalb der kirchlich genehmigten Formen. Zugleich gab es Auseinandersetzungen um die Opfermünzen, die von den Besuchern in die Quelle geworfen wurden.
Tell wurde vorgeworfen, die Münzen aus dem Wasser zu holen und selbst zu verwenden. Auch der Badebetrieb erregte Anstoß, weil Frauen und Männer offenbar nicht immer in jener Form voneinander getrennt waren, die den damaligen kirchlichen Moralvorstellungen entsprach.
Hinter der Auseinandersetzung standen jedoch nicht nur Fragen religiöser Ordnung und Sittlichkeit. Die zuständige Pfarre Straden befürchtete zugleich, Wallfahrer und damit Opfergelder an Helfbrunn zu verlieren.
Die Konflikte zeigen damit, dass Wallfahrten immer auch eine wirtschaftliche Seite besitzen konnten.
Wie stark Helfbrunn bereits im frühen 18. Jahrhundert besucht wurde, zeigt ein erster Versuch, eine größere Kirche zu errichten.
Im Jahr 1729 wurde mit einem Kirchenbau begonnen. Der Dechant von Straden protestierte jedoch beim Bischof gegen das Vorhaben. Neben kirchenrechtlichen Bedenken spielte offenbar auch die Sorge eine Rolle, die neue Wallfahrt könnte die Bedeutung anderer Gnadenorte und die damit verbundenen Einkünfte beeinträchtigen.
Der bereits begonnene Bau wurde daraufhin eingestellt. Der Wallfahrtskult selbst ließ sich dadurch jedoch nicht beseitigen.
Die Menschen kamen weiterhin zur Quelle, verwendeten das Wasser, beteten und brachten Opfergaben dar.
Die Reichweite Maria Helfbrunns war bereits im frühen 18. Jahrhundert erstaunlich groß.
Ein Schreiben der Herrschaft Straß vom 17. März 1722 berichtet, dass Menschen "von so weithen her" zur Quelle kämen und nennt ausdrücklich Pilger aus Kroatien, Ungarn und der Obersteiermark.
Damit war Helfbrunn keineswegs nur ein kleiner lokaler Heilbrunnen. Die Wallfahrt entwickelte früh eine überregionale und grenzüberschreitende Bedeutung. Der südoststeirische Raum war damals kulturell und religiös eng mit den heute slowenischen und ungarischen Nachbargebieten verbunden.
Erst die politischen Grenzziehungen des 20. Jahrhunderts veränderten dieses traditionelle Einzugsgebiet erheblich.
Neben den archivalisch greifbaren Vorgängen entwickelte sich eine klassische Wallfahrtslegende.
Ihre älteste bislang bekannte schriftliche Fassung wurde 1856 im "Katholischen Wahrheitsfreund" veröffentlicht.
Danach habe bei der Quelle ursprünglich ein Dornbusch gestanden, an dem ein Marienbild gefunden worden sei. Menschen begannen, das Bild zu verehren und die Quelle aufzusuchen.
In einem fernen Land lebte der Legende zufolge ein junger Mann, der schon seit Jahren schwer krank war. Maria erschien ihm im Traum und forderte ihn auf, nach Helfbrunn zu wallfahren, das Marienbild bei der Quelle zu suchen und sich dort mit dem Wasser zu waschen.
Der junge Mann machte sich auf den Weg, fand den beschriebenen Ort, wusch sich mit dem Wasser und wurde gesund.
Die Erzählung erklärt damit gleichzeitig die Heilkraft der Quelle und den Namen Maria Helfbrunn.
Volkskundlich gehört sie zum verbreiteten Typus der Traumweisungs- und Heilungslegenden, bei denen einem Kranken ein zunächst unbekannter Gnadenort im Traum offenbart wird und die anschließende Heilung die Heiligkeit des Ortes bestätigt.
Eine weitere Überlieferung erzählt, dass das Marienbild beziehungsweise die Marienfigur mehrfach von der Quelle entfernt worden sei, jedoch immer wieder an den ursprünglichen Ort zurückgekehrt habe.
Damit habe Maria selbst gezeigt, wo sie verehrt werden wolle.
Das Motiv eines Kultbildes, das sich nicht dauerhaft an einen anderen Ort bringen lässt, begegnet an zahlreichen Wallfahrtsstätten. Der Gnadenort erscheint dadurch nicht als menschliche Entscheidung, sondern als von der Gottheit beziehungsweise dem Heiligen selbst bestimmter Platz.
In Helfbrunn besitzt diese Legende möglicherweise sogar einen historischen Hintergrund.
Tatsächlich ließ der Stradener Dechant die von Michael Tell bei der Quelle aufgestellte Marienfigur entfernen. Tell ließ daraufhin in Mureck eine neue Statue anfertigen und stellte auch diese wieder bei der Quelle auf.
Aus einem realen Konflikt um den Standort der Marienfigur konnte sich damit später die klassische Legende vom zurückkehrenden Gnadenbild entwickeln.
Das historische Votivwesen von Maria Helfbrunn ist außergewöhnlich gut belegt.
Bereits in Schriftstücken aus der Zeit zwischen 1721 und 1723 werden Wachs- und Eisenopfer bei der Kapelle erwähnt.
Damit besitzen wir einen frühen direkten Nachweis klassischer Votivpraxis. Votivgaben wurden gestiftet, wenn Menschen um Hilfe baten, ein Gelübde erfüllten oder für eine als Gebetserhörung verstandene Rettung dankten.
In Helfbrunn waren solche Gaben besonders eng mit Krankheit und körperlicher Heilung verbunden.
Noch im 20. Jahrhundert besaß die Kirche einen bemerkenswerten Bestand körperbezogener Votivgaben.
Hinter dem Altar waren unter anderem Wachshände, Wachsfüße und Haarzöpfe angebracht. Der damalige Leiter des Steirischen Volkskundemuseums, Sepp Walter, dokumentierte diesen Bestand um 1975 fotografisch.
Wachshände oder Wachsfüße vertraten symbolisch jene Körperteile, für die Heilung erbeten oder für deren Genesung gedankt wurde. Der Votivgegenstand machte damit Krankheit beziehungsweise Heilung materiell sichtbar.
Haarzöpfe besaßen eine noch persönlichere Bedeutung. Hier wurde nicht nur ein symbolischer Gegenstand geopfert, sondern ein Teil des eigenen Körpers beziehungsweise der eigenen äußeren Erscheinung am Gnadenort zurückgelassen.
Der ehemals umfangreiche Votivbestand ist heute leider nicht mehr erhalten.
Im Zuge einer Renovierung und "Verschönerung" der Kirche im Jahr 1976 wurden die hinter dem Altar angebrachten Votivbilder und Votivgaben entfernt.
Aus heutiger volkskundlicher Sicht ging damit ein bedeutendes materielles Zeugnis der Wallfahrtsgeschichte verloren.
Zumindest historische Fotografien dokumentieren noch den früheren Zustand.
Gerade dieses Beispiel zeigt, wie rasch Sachzeugnisse traditioneller Volksfrömmigkeit verschwinden können, wenn sie in einer bestimmten Zeit als unmodern, störend oder ästhetisch unerwünscht empfunden werden.
Die entscheidende Wende in der Geschichte von Maria Helfbrunn erfolgte erst Mitte des 19. Jahrhunderts.
Ratschendorf wurde von der Pfarre Straden nach Mureck umgepfarrt. Die neue kirchliche Zuständigkeit führte zu einem grundsätzlich anderen Umgang mit dem längst bestehenden Wallfahrtsort.
Im Jahr 1856 genehmigte das Grazer Ordinariat den Bau einer gemauerten Kapelle.
Damit wurde Helfbrunn nach über einem Jahrhundert konfliktreicher Volkswallfahrt nun auch von kirchlicher Seite offiziell als Wallfahrtsort anerkannt.
Maria Helfbrunn zeigt damit besonders deutlich, dass ein Wallfahrtsort nicht zwingend von der kirchlichen Institution gegründet werden musste. Mitunter setzte sich die religiöse Praxis der Bevölkerung so dauerhaft durch, dass die Kirche einen bereits bestehenden Kult schließlich integrierte.
Eine bedeutende Förderin des Kirchenbaues war Maria Carolina von Bourbon-Sizilien, Herzogin von Berry.
Die 1798 geborene Tochter König Franz' I. von Neapel-Sizilien lebte nach politischen Umbrüchen zeitweise auf Schloss Brunnsee und unterstützte gemeinsam mit ihrer Familie die Errichtung der neuen Kapelle.
Noch heute erinnert eine Büste der Herzogin in der Kirche an ihre Förderung des Wallfahrtsortes.
Damit verband sich die zunächst von Bauern, Kranken und einem Viehhirten getragene Volkswallfahrt im 19. Jahrhundert schließlich auch mit adeliger Patronage.
Die neue Kapelle wurde am 21. September 1856 feierlich geweiht.
Der zeitgenössische Bericht schildert, dass trotz regnerischen Wetters zahlreiche Menschen auch aus weiter entfernten Gegenden nach Helfbrunn kamen.
Besonders eindrucksvoll war die Übertragung der Marienstatue.
Eine Prozession zog zunächst hinunter zur alten Quellenkapelle. Dort wurde die festlich geschmückte und von Kerzen umgebene Marienfigur herausgenommen und anschließend feierlich auf den Hügel in die neue Kapelle getragen.
Der ältere Quellenkult wurde damit nicht beseitigt, sondern kirchlich neu geordnet. Das Kultbild wanderte vom bisherigen volkstümlichen Heilquellenheiligtum in die offiziell anerkannte Kapelle, während Quelle und Wallfahrtsbrauch weiterhin bestehen blieben.
Im Hochaltar der heutigen Kirche befindet sich über dem Tabernakel hinter Glas eine Marienstatue mit dem Jesuskind.
Nach örtlicher Überlieferung handelt es sich um jene Marienfigur, die bereits in der früheren hölzernen Kapelle bei der Quelle verehrt wurde.
In jüngeren lokalen Darstellungen wird die Herstellung der Figur mit einem Murecker Tischlermeister namens Weiss verbunden.
Die Identität ist jedoch mit der frühesten Helfbrunner Marienstatue quellenmäßig nicht zweifelsfrei gesichert.
Unabhängig davon steht die heute verehrte Madonna in unmittelbarer kultischer Tradition des älteren Wallfahrtsortes.
Im Jahr 1881 wurde die alte hölzerne Brunnenkapelle abgetragen und unmittelbar bei der Quelle eine Lourdes-Grotte errichtet.
Damit erhielt der ältere Helfbrunner Heilquellenkult eine neue religiöse Deutungsschicht.
Die Marienerscheinungen von Lourdes seit 1858 hatten innerhalb weniger Jahrzehnte europaweit eine neue Form der Marien- und Heilquellenfrömmigkeit ausgelöst. Die Parallelen zu Helfbrunn lagen nahe: Maria, Quelle, Waschung und Heilungserwartung bildeten an beiden Orten zentrale Elemente.
Der wesentlich ältere örtliche Brauch wurde dadurch nicht verdrängt, sondern mit der modernen Lourdesfrömmigkeit verbunden.
Maria Helfbrunn entwickelte sich damit gewissermaßen zu einem kleinen regionalen Lourdes, ohne seine eigene ältere Tradition zu verlieren.
Die Lourdes-Grotte befindet sich bis heute im Bereich der ursprünglichen Heilquelle.
Das Wasser wird in einem Brunnen gefasst und speist zusätzlich ein kleines Becken vor der Grotte. Bei einer Restaurierung im Jahr 1994 wurden zwei weitere Quellen entdeckt, die seither ebenfalls zur Wasserversorgung der Anlage beitragen.
Der Umgang mit dem Wasser ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil des Besuches.
Pilger und andere Besucher benetzen besonders die Augen mit dem Quellwasser, trinken davon oder füllen es in Flaschen ab und nehmen es mit nach Hause.
Damit hat sich ausgerechnet der älteste Bestandteil der Helfbrunner Wallfahrt besonders dauerhaft erhalten.
Die dem Wasser zugeschriebene Heilkraft ist als religiöse und volksmedizinische Vorstellung zu verstehen und nicht als medizinisch nachgewiesene Wirkung.
Der Pilgerzustrom führte dazu, dass die Kapelle von 1856 bald nicht mehr ausreichte. Im Jahr 1898 wurde sie erheblich erweitert. Teile des älteren Baues wurden in die neue, größere Kirche einbezogen.
Die heutige Wallfahrtskirche ist ein schlichter historistischer Bau, dessen äußere Form wesentlich aus dieser Erweiterung hervorging.
Der von der Herzogin von Berry gestiftete Altar blieb zunächst erhalten, wurde jedoch 1914 durch einen neuen Hochaltar ersetzt. Die feierliche Altarweihe erfolgte am 2. Mai 1914 unter Beteiligung des Fürstbischofs Leopold Schuster und zahlreicher Gläubiger.
Zu den wichtigsten Wallfahrtsterminen gehören bis heute die beiden traditionellen Frauentage.
Der 15. August, Mariä Himmelfahrt, wird als Großer Frauentag begangen.
Der 8. September, Mariä Geburt, ist der Kleine Frauentag.
Historisch war zunächst besonders der Kleine Frauentag von großer Bedeutung. Später entwickelte sich Mariä Himmelfahrt zum stärkeren Wallfahrtstermin.
An beiden Tagen verband sich die religiöse Wallfahrt mit einem Markt und geselligem Leben. Noch in jüngerer Zeit gehörten Markttreiben, Andenkenstände und das gemeinsame Essen beim örtlichen Wirt selbstverständlich zum Besuch der Frauentage.
Ein weiterer wichtiger Termin war und ist der 26. Juli, der Annatag.
In der örtlichen Wallfahrtsdokumentation wird dieser Tag ausdrücklich als Bauernwallfahrtstag bezeichnet.
Damit tritt neben dem Heilbrauch eine zweite wichtige Funktion des Gnadenortes hervor: die Bitte um Schutz der landwirtschaftlichen Lebensgrundlagen.
Aus einzelnen umliegenden Orten sind traditionelle Wallfahrten zum sogenannten Wetterbeten nach Helfbrunn dokumentiert.
Die Menschen baten um günstige Witterung, Schutz vor Hagel und Unwettern und um eine gute Ernte.
Die Wallfahrtsmotive lassen sich damit in mehrere große Bereiche gliedern: Krankheit und Heilung, agrarische Anliegen sowie persönliche und familiäre Notsituationen.
Die frühere grenzüberschreitende Bedeutung Maria Helfbrunns zeigt sich auch in der sprachlichen Überlieferung.
Josef Andreas Janisch nennt für den Wallfahrtsort im 19. Jahrhundert auch die slowenische Bezeichnung "Mersla vodica", sinngemäß "kaltes Wässerchen".
Der Name verweist unmittelbar auf die Quelle und erinnert zugleich daran, dass Helfbrunn historisch in einem deutsch- und slowenischsprachig verflochtenen Kulturraum lag.
Pilger kamen aus den Windischen Büheln, aus Kroatien und Ungarn und überschritten dabei Grenzen, die im religiösen Alltag früher wesentlich durchlässiger waren als die späteren Staatsgrenzen.
Im 20. Jahrhundert kam zur älteren Quellen- und Lourdesfrömmigkeit noch eine weitere marianische Schicht hinzu.
Von Mai bis Oktober werden am 13. des Monats Gottesdienste im Zusammenhang mit der Fatimaverehrung gefeiert. Dazu gehören Rosenkranz, Eucharistie und teilweise Lichterprozessionen.
Die jüngeren Kultformen haben die älteren jedoch nicht verdrängt. Besonders der Gebrauch des Quellwassers ist bis heute erhalten geblieben.
Maria Helfbrunn gehört zu den volkskundlich interessanten Wallfahrtsorten der Steiermark, weil sich hier das Spannungsverhältnis zwischen spontaner Volksfrömmigkeit und kirchlicher Kultkontrolle besonders deutlich beobachten lässt.
Am Anfang steht keine kirchlich genehmigte Wallfahrt, sondern ein Heilbrunnen. Kranke suchen das Wasser auf, baden beziehungsweise waschen sich, beten zu Maria und werfen Opfermünzen in die Quelle.
Ein Viehhirte übernimmt die Betreuung des Ortes, stellt eine Marienfigur auf und verbreitet das Heilwasser weit über die unmittelbare Umgebung hinaus. Bereits im frühen 18. Jahrhundert kommen Pilger aus Kroatien, Ungarn und der Obersteiermark.
Wachs- und Eisenvotive dokumentieren den Glauben an erfahrene Hilfe. Wachshände, Wachsfüße und Haarzöpfe machen körperliche Not und erhoffte Heilung materiell sichtbar.
Die Kirche versucht zunächst über Jahrzehnte, die ungenehmigte Wallfahrt einzuschränken. Selbst ein bereits begonnener Kirchenbau wird gestoppt. Dennoch verschwindet der Kult nicht.
Erst 1856 erkennt die kirchliche Obrigkeit Helfbrunn offiziell als Wallfahrtsort an.
Später wird der ältere lokale Heilquellenkult mit der internationalen Lourdesfrömmigkeit verbunden, und im 20. Jahrhundert kommt die Fatimaverehrung hinzu.
Maria Helfbrunn zeigt damit in ungewöhnlicher Deutlichkeit, wie ein Wallfahrtsort von der Bevölkerung selbst geschaffen, von der kirchlichen Obrigkeit zunächst bekämpft und schließlich in die offizielle religiöse Ordnung integriert werden konnte.
Maria Helfbrunn ist bis heute ein lebendiger regionaler Marien- und Heilquellenwallfahrtsort.
Die Hauptwallfahrtstage am 15. August und 8. September werden weiterhin begangen. Von Mai bis Oktober finden am 13. des Monats Gottesdienste und Andachten statt, teilweise verbunden mit Lichterprozessionen.
Auch einzelne Fußwallfahrten aus umliegenden Pfarren bestehen weiterhin.
Neben den organisierten Wallfahrten kommen zahlreiche Einzelbesucher zur Lourdes-Grotte und zur Quelle, um dort zu beten, sich mit dem Wasser zu benetzen oder es mit nach Hause zu nehmen.
- Burkhard Pöttler / Heinrich Kranzelbinder (Hg.): Alle heiligen Zeiten einmal … Die Wallfahrt Maria Helfbrunn. Graz: Verlag für Sammler, 1994.
- Gabriele Ponisch: "Unser lieben Frauen Helfbrunn". Zur Geschichte einer südoststeirischen Wallfahrt. In: Heinrich Kranzelbinder / Günther Prutsch / Franz Josef Schober (Hg.): Ratschendorf. Vom Werden eines Dorfes. Beiträge zur Geschichte einer südoststeirischen Gemeinde. Ratschendorf 1998, S. 144–161.
- Heinrich Kranzelbinder: 300 Jahre Wallfahrt Maria Helfbrunn. Deutsch Goritz 2017, herausgegeben von der Gemeinde Deutsch Goritz. (enthält historische Fotos des inzwischen verlorenen Votivbestandes).
- Josef Andreas Janisch: Topographisch-statistisches Lexikon von Steiermark. (u.a. Waschbrauch und slowenischer Namen "Mersla vodica").
- Helmut Eberhart: "Überall ist Wallfahrt. Ein kulturwissenschaftlicher Blick auf ein wiederentdecktes Phänomen." In: Heiliger Dienst 61/1, 2007, S. 7–25, (vergleichende volkskundliche Einordnung moderner Wallfahrtsformen).
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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