| Wallfahrt: | Historische Wolfgangswallfahrt mit stark bäuerlichem Kultprofil; angerufen wurde der hl. Wolfgang bei menschlichen Krankheiten, für Viehgesundheit, günstige Witterung und Schutz der wirtschaftlichen Lebensgrundlage. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort mit mehreren traditionellen Zugehtagen, Gottesdiensten, Prozessionen und Fußwallfahrten. |
| Kultzentrum: | Verehrung des hl. Wolfgang am Wolfgangikogel; kein einzelnes Gnadenbild, sondern der Heilige selbst und die mit seinem Heiligtum verbundenen Rituale stehen im Mittelpunkt. |
| Hauptfest: | Großer Wallfahrtssonntag im Juli; weitere Zugehtage sind Ostermontag, Pfingstmontag, Mariä Himmelfahrt am 15. August und der Wolfgangisonntag im Herbst. |
| Besonderheit: | Außergewöhnlich reich belegtes eisernes Votivwesen mit Tier- und Körpervotiven, Kopfwehringen und rituellem Altarumgang. |
| Ort: | Wolfgangikogel in Kruckenberg bei Hollenegg, Bad Schwanberg. |
| Region: | Steiermark. |
| • | Lage: Wallfahrtskirche St. Wolfgang, Kruckenberg 19, 8541 Bad Schwanberg. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Hollenegg |
| • | Öffnungszeiten: Die Wolfgangikirche ist aus Sicherheits- und Denkmalschutzgründen nicht ständig geöffnet. Eine Glastür ermöglicht jedoch auch bei versperrtem Innenraum einen Blick in die Kirche. Zu Gottesdiensten und Wallfahrtsterminen ist die Kirche geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Die Wallfahrtskirche St. Wolfgang auf dem Wolfgangikogel bei Hollenegg gehört zu jenen kleinen steirischen Bergheiligtümern, deren äußere Bescheidenheit kaum erahnen lässt, welche Fülle an Wallfahrtsbräuchen, Votivhandlungen und volksreligiösen Vorstellungen sich mit ihnen verbunden hat. Auf dem rund 767 Meter hohen Wolfgangikogel gelegen, war die Kirche über Jahrhunderte Ziel einer vorwiegend bäuerlich geprägten Wallfahrt, bei der der hl. Wolfgang nicht nur um Hilfe bei menschlichen Krankheiten angerufen wurde, sondern in besonderem Maß auch um Schutz für das Vieh, um günstige Witterung und um die Bewahrung der wirtschaftlichen Lebensgrundlage.
Besonders eindrucksvoll ist das umfangreich belegte eiserne Votivwesen, das Tierfiguren, menschliche Körperteile und sogenannte Kopfwehringe umfasste und mit einem rituellen Umgang um den Altar verbunden war. Hinzu kamen Haaropfer, Fußwallfahrten, Prozessionen und mehrere traditionelle Zugehtage im Jahreslauf. Teile dieser älteren Wallfahrtspraxis haben sich bis in die Gegenwart erhalten, sodass St. Wolfgang nicht nur als historischer, sondern weiterhin als lebendiger Wallfahrtsort bezeichnet werden kann.
Die Wolfgangikirche steht auf dem Wolfgangikogel in Kruckenberg westlich von Hollenegg, heute im Gemeindegebiet von Bad Schwanberg. Die exponierte Berglage prägt den Charakter des Wallfahrtsortes wesentlich, denn der Weg zur Kirche war und ist Teil des religiösen Erlebnisses; wer zu Fuß aufsteigt, nähert sich dem Heiligtum nicht beiläufig, sondern in einer Form, in der körperliche Anstrengung, Landschaftserfahrung und religiöse Erwartung miteinander verbunden sind.
Bereits im ausgehenden 15. Jahrhundert ist auf dem Wolfgangikogel eine dem hl. Wolfgang geweihte Kapelle beziehungsweise Kirchenanlage nachweisbar. Die ältere Überlieferung nennt das Jahr 1494, doch die genaue Abfolge von erster Kapelle und späterem steinernem Kirchenbau lässt sich aus den vorhandenen Quellen nicht in allen Einzelheiten widerspruchsfrei rekonstruieren. Sicher ist, dass im ausgehenden 15. und frühen 16. Jahrhundert eine größere spätgotische Kirchenanlage entstand, von der heute nur mehr der Chor erhalten ist.
Gerade diese Tatsache erklärt die ungewöhnliche Gestalt des heutigen Gotteshauses. Die Wolfgangikirche ist nicht als kleine Kapelle geplant worden, sondern stellt im Wesentlichen den erhaltenen Chor einer ursprünglich größeren gotischen Kirche dar. Der ehemalige Triumphbogen zum Langhaus wurde zugemauert und bildet heute die Westseite des Baues. Der dreijochige Chor mit Dreiachtelschluss und Strebepfeilern bewahrt noch deutlich seine spätgotische Grundstruktur, während spätere Veränderungen, darunter barocke Eingriffe im Inneren und der kleine Dachreiter mit Zwiebelhelm, das heutige Erscheinungsbild mitbestimmen.
Der hl. Wolfgang von Regensburg gehörte im spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Alpenraum zu den besonders populären Heil- und Schutzheiligen. Seine Verehrung konnte regional sehr unterschiedliche Ausprägungen annehmen, und am Wolfgangikogel entwickelte sich ein Kult, der stark von den Bedürfnissen einer bäuerlichen Bevölkerung bestimmt war.
Die Menschen kamen mit persönlichen Krankheiten und körperlichen Beschwerden, doch ebenso mit Sorgen um Rinder, Pferde, Schafe und Schweine, deren Gesundheit für einen bäuerlichen Haushalt von unmittelbarer wirtschaftlicher Bedeutung war. Der Verlust eines Zugtieres oder einer Milchkuh konnte die Existenz eines Hofes empfindlich treffen; die Bitte um Schutz des Viehs war daher keine beiläufige Form volkstümlicher Frömmigkeit, sondern Ausdruck einer Lebenswirklichkeit, in der Mensch, Tier, Arbeit, Ernte und Wetter eng miteinander verbunden waren.
Der hl. Wolfgang übernahm damit in Hollenegg teilweise Funktionen, die an anderen Orten besonders mit dem hl. Leonhard verbunden waren. Gerade diese Überschneidung zeigt, dass sich Heiligenkulte nicht schematisch nach festen Zuständigkeiten entwickelten, sondern regional an konkrete Bedürfnisse angepasst wurden.
Zu den charakteristischsten Zeugnissen der Wolfgangswallfahrt gehören die eisernen Votivfiguren. Überliefert sind kleine Darstellungen von Rindern, Pferden, Schafen und Schweinen, daneben auch menschliche Figuren sowie Herzen, Arme und Beine. Solche Votive wurden ursprünglich von lokalen Schmieden hergestellt und von Wallfahrern entweder selbst mitgebracht oder am Wallfahrtsort gegen eine Opfergabe verwendet.
Das eiserne Tier war dabei nicht bloß ein symbolisches Schmuckstück, sondern fungierte als Stellvertreter für ein konkretes Tier am Hof. Wer um die Genesung einer Kuh bat, nahm eine eiserne Kuh; wer um ein Pferd besorgt war, verwendete entsprechend eine Pferdefigur. Das wirkliche Tier wurde auf diese Weise in symbolischer Form zum Heiligen gebracht.
Der religiöse Vorgang bestand somit nicht nur im Gebet, sondern in einer komplexeren Handlung, in der Gegenstand, Körperbewegung und Fürbitte miteinander verbunden waren. Gerade dadurch gewinnt das Votivwesen seine volkskundliche Aussagekraft.
Von besonderer Bedeutung war der rituelle Umgang um den Altar. Der Wallfahrer nahm das entsprechende eiserne Votiv in die Hand, trug es bei sich und bewegte sich betend um den Altar, um den hl. Wolfgang um Hilfe oder Schutz anzurufen.
Der Altarumgang gehört zu einer alten Form körperlich vollzogener Wallfahrtsfrömmigkeit. Das Anliegen wurde nicht nur ausgesprochen, sondern durch Bewegung im sakralen Raum dargestellt. Die Nähe zum Altar, das Umkreisen des religiösen Zentrums und das Mitführen des stellvertretenden Votivgegenstandes verbanden sich zu einer Handlung, die wesentlich stärker körperlich geprägt war als das bloße stille Gebet.
Die eisernen Tiere wurden in der örtlichen Überlieferung zum Teil mit volkstümlichen Bezeichnungen wie "Wuggerl" oder "Schaferl" angesprochen. Erinnerungen an große Wallfahrtstage berichten davon, dass um einzelne Figuren regelrecht Gedränge entstehen konnte, was erkennen lässt, welch zentrale Rolle diese Objekte im tatsächlichen Wallfahrtsvollzug spielten.
Noch ungewöhnlicher sind die eisernen Ringe, die als Kopfwehringe beziehungsweise Wolfgangiringe bezeichnet wurden. Menschen, die unter Kopfweh oder anderen Beschwerden litten, setzten sich einen solchen Ring auf den Kopf und gingen damit betend um den Altar. Andere Überlieferungen berichten davon, dass der Ring über ein Bein gestreift wurde und der Umgang kniend oder rutschend vollzogen werden konnte.
Der Ring umschloss damit symbolisch den kranken Körperbereich und stellte ihn in die besondere Schutzsphäre des Heiligen. Solche Eisenringe sind allerdings nicht ausschließlich für Wolfgangswallfahrten charakteristisch; sie begegnen im südostalpinen Raum auch an anderen Gnadenorten und sind besonders aus Leonhardiwallfahrten bekannt.
Gerade deshalb ist die Hollenegger Ausprägung volkskundlich interessant. Ein bereits verbreiteter Votivbrauch wurde hier in einen lokalen Wolfgangskult aufgenommen und erhielt dadurch eine eigene regionale Bedeutung. Es wäre daher unzutreffend, den Kopfwehring allgemein als spezifisches Attribut des hl. Wolfgang zu bezeichnen; vielmehr handelt es sich um eine überregionale Votivform, die am Wolfgangikogel in besonderer Weise weiterlebte.
Neben den Tierfiguren wurden auch eiserne Nachbildungen menschlicher Körperteile verwendet. Ein eiserner Arm konnte für einen verletzten oder erkrankten Arm stehen, ein Bein für Beschwerden beim Gehen, ein Herz für innere Leiden oder allgemein für die Person des Bittstellers.
Das Prinzip dieser Votive ist einfach und zugleich sehr anschaulich: Die Krankheit oder Sorge wird materiell dargestellt und damit sichtbar vor den Heiligen gebracht. Das Votiv ist gleichsam ein gegenständlich gewordenes Gebet.
Diese Form der Frömmigkeit war besonders dort verbreitet, wo Menschen keine medizinische Hilfe oder nur sehr begrenzte Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung standen. Der Wallfahrtsort bot einen zusätzlichen religiösen Deutungs- und Handlungsraum, in dem Krankheit, Hoffnung, Gelübde und Dank miteinander verbunden wurden.
Zu den persönlichsten Votivformen gehörten Haaropfer. Aus Bitte oder Dank wurden Haarzöpfe abgeschnitten und beim Heiligtum zurückgelassen.
Im Unterschied zu einem metallenen Stellvertreter handelte es sich beim Haar um einen tatsächlichen Teil des Körpers der opfernden Person. Dadurch erhielt das Opfer eine besondere Intensität. Der Mensch übergab nicht nur ein Symbol, sondern etwas von sich selbst.
Haaropfer sind innerhalb der europäischen Wallfahrtsfrömmigkeit mehrfach belegt und besitzen häufig eine enge Beziehung zu Krankheit, Genesung, Gelübde oder lebensgeschichtlichen Übergängen. Ihre Überlieferung am Wolfgangikogel erweitert das Spektrum der dortigen Votivpraxis erheblich und zeigt, dass der Wallfahrtsort nicht nur als Viehheiligtum verstanden werden darf.
Die historischen Originale der eisernen Votivtiere und Kopfwehringe befinden sich heute teilweise im Volkskundemuseum in Graz, wo sie aus konservatorischen Gründen aufbewahrt werden. Am Wolfgangikogel werden dagegen Nachbildungen verwendet beziehungsweise gezeigt.
Diese Trennung zwischen Original und Nachbildung bedeutet nicht zwangsläufig das Ende des Brauches. Vielmehr ermöglicht sie, den historischen Bestand museal zu schützen und gleichzeitig die Erinnerung an die ursprüngliche Handlung am Wallfahrtsort weiterzuführen.
Gerade diese Verbindung von musealer Sicherung und fortbestehender religiöser Praxis ist bemerkenswert, weil viele vergleichbare Votivbräuche heute nur mehr in Sammlungen dokumentiert sind, während am Wolfgangikogel zumindest einzelne Elemente noch in ihrem ursprünglichen räumlichen Zusammenhang erfahrbar bleiben.
Die Wallfahrt ist eng mit mehreren traditionellen Zugehtagen verbunden, an denen die Kirche im Jahreslauf besonders aufgesucht wird. Dazu gehören Ostermontag, Pfingstmontag, ein großer Wallfahrtssonntag im Juli, Mariä Himmelfahrt am 15. August sowie der Wolfgangisonntag im Herbst.
Der Ausdruck "Zugehtag" verweist unmittelbar auf die traditionelle Praxis des gemeinsamen Hinaufgehens zur Kirche. Der Weg war dabei mehr als bloße Anreise; er gehörte zum religiösen Geschehen selbst.
Besonders der große Julitermin entwickelte sich zu einem weithin bekannten Wallfahrtstag, an dem Gläubige aus verschiedenen Orten und Pfarren zusammenkamen. Gottesdienst, Prozession, Votivhandlungen und geselliges Beisammensein verbanden sich dabei zu einem umfassenden religiösen Fest.
Die Lage der Kirche auf dem Wolfgangikogel begünstigte die Ausbildung klassischer Fußwallfahrten. Gruppen aus umliegenden Orten machten sich gemeinsam auf den Weg, teilweise nach mehrstündigem Marsch.
Solche Wallfahrten sind als religiöse Handlung in ihrer Gesamtheit zu verstehen. Der Pilgerweg, die körperliche Anstrengung, das gemeinsame Beten, das langsame Näherkommen und schließlich das Erreichen der Kirche bilden eine Einheit.
Gerade bei Bergwallfahrten ist diese Erfahrung besonders ausgeprägt. Der Aufstieg hebt den Zielort aus dem alltäglichen Raum heraus und verleiht ihm eine besondere räumliche und symbolische Qualität.
Der große Wallfahrtssonntag im Juli besaß und besitzt einen ausgeprägten Festcharakter. Böllerschüsse kündigten die Feier bereits am Vorabend oder in den frühen Morgenstunden an, Wege und Prozessionsbereiche wurden mit Birken, Blumen und anderem Festschmuck versehen, und nach dem Gottesdienst folgte eine Sakramentsprozession.
Durch diese Elemente wurde der gesamte Wolfgangikogel zeitweise zum Fest- und Prozessionsraum. Landschaft, Kirche, Wege und Versammlungsplätze wurden für die Dauer der Wallfahrt sakral überformt.
Die Birken und Blumen dienten dabei nicht nur der Verschönerung, sondern kennzeichneten den besonderen Ausnahmezustand des Festes. Ähnlich wie bei Fronleichnam oder anderen großen Prozessionen wurde der alltägliche Raum für kurze Zeit in einen religiösen Festbezirk verwandelt.
Wie an vielen traditionellen Wallfahrtsorten gehörten zum Wolfgangifest nicht nur Gottesdienst und Gebet.
Entlang des Weges standen Verkaufsstände, an denen unter anderem Süßigkeiten, Lebzelten und andere Waren angeboten wurden. Nach den kirchlichen Feiern traf man sich in den umliegenden Gasthäusern; Essen, Trinken, Musik und teilweise Tanz gehörten ebenso zum Festtag wie Prozession und Votivbrauch.
Diese Verbindung ist kein Widerspruch zur religiösen Funktion der Wallfahrt. Historische Wallfahrten waren zugleich soziale Ereignisse, bei denen Menschen aus verschiedenen Ortschaften zusammenkamen, Nachrichten austauschten, handelten, Verwandte und Bekannte trafen oder neue Kontakte knüpften.
Das Wallfahrtsfest vereinte damit religiöse, wirtschaftliche und gesellschaftliche Funktionen, die erst aus moderner Perspektive gern voneinander getrennt werden.
Zu den Zugehtagen gehört auch Mariä Himmelfahrt am 15. August, an dem die traditionelle Kräutersegnung eine wichtige Rolle spielt.
Die gesegneten Kräutersträuße wurden nach Hause getragen und häufig im Herrgottswinkel, auf dem Dachboden oder an anderen besonderen Orten des Hauses aufbewahrt. In der überlieferten Volksfrömmigkeit schrieb man ihnen Schutzwirkung gegen Krankheit, Gewitter und anderes Unheil zu; Teile der Kräuter konnten zudem dem Viehfutter beigegeben werden.
Diese Praxis fügt sich hervorragend in die ältere bäuerliche Schutzfunktion der Wolfgangswallfahrt ein. Die Sorge um Mensch, Tier, Ernte und Wetter bildete keine voneinander getrennten religiösen Themen, sondern eine gemeinsame Lebenswelt, in der die Sicherung des Hofes und der Familie als Ganzes im Vordergrund stand.
Zum volksmedizinisch-religiösen Umfeld des Wolfgangikogels gehört auch der sogenannte Kreuzwehstein, der sich westlich der Kirche befindet.
Der auffällige Konglomeratblock besitzt eine natürliche beziehungsweise auffällige Vertiefung. Nach örtlicher Überlieferung legten oder lehnten sich Menschen mit Rückenschmerzen in diese Mulde und verbanden damit die Hoffnung auf Linderung ihres "Kreuzwehs".
Eine direkte historische Verbindung dieses Brauches mit dem Wolfgangskult lässt sich derzeit nicht sicher nachweisen. Der Stein sollte deshalb nicht einfach als Bestandteil eines einheitlichen Wolfgangsrituals beschrieben werden.
Dennoch gehört er zur gleichen religiös-volksmedizinischen Landschaft, in der bestimmte Orte, Naturformen und sakrale Plätze mit Vorstellungen von Heilung und besonderer Wirksamkeit verbunden wurden.
Der historische Hochaltar entstand in mehreren Phasen des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Im Zentrum steht der hl. Wolfgang, der gemeinsam mit weiteren Heiligen und der Gottesmutter dargestellt ist.
Anders als bei vielen Marienwallfahrten besitzt St. Wolfgang kein einzelnes Gnadenbild, dessen Verehrung den Wallfahrtsbetrieb ausgelöst hätte. Der Kult richtet sich vielmehr unmittelbar an den Heiligen und an seine als besonders wirksam gedachte Fürsprache.
Gerade darin unterscheidet sich die Wolfgangikirche wesentlich von klassischen Gnadenbildwallfahrten. Die religiöse Bedeutung konzentrierte sich weniger auf ein einzelnes Objekt als auf den Heiligen selbst und auf die mit seinem Heiligtum verbundenen Rituale.
Die Wallfahrtskirche St. Wolfgang ist volkskundlich vor allem deshalb von besonderer Bedeutung, weil sich hier zahlreiche Formen bäuerlicher Wallfahrtsfrömmigkeit in einem vergleichsweise kleinen Heiligtum verdichten.
Die eisernen Tiere vertreten das Vieh im Stall, Körpervotive machen Krankheit sichtbar, der Kopfwehring nimmt den leidenden Körper unmittelbar in das Ritual auf, und Haaropfer stellen eine besonders persönliche Form des Gelübdes beziehungsweise Dankes dar. Der Altarumgang verbindet diese Gegenstände mit Gebet und körperlicher Bewegung und macht deutlich, dass Wallfahrt nicht allein aus innerer Frömmigkeit bestand, sondern in hohem Maß durch konkrete Handlungen geprägt war.
Zugleich richtete sich die Wallfahrt nicht ausschließlich auf menschliche Krankheit. Schutz des Viehs, gute Witterung, Ernte und wirtschaftliches Fortkommen gehörten ebenso zu den Anliegen der Pilger. Der Wallfahrtsort war damit eng in die bäuerliche Lebenswelt eingebunden.
Hinzu kamen die gemeinschaftlichen Aspekte der Zugehtage, Fußwallfahrten, Prozessionen, Marktstände und Gasthausbesuche. Wolfgangi zeigt dadurch besonders anschaulich, dass traditionelle Wallfahrt ein komplexes kulturelles System war, in dem Religion, Gesundheit, Wirtschaft, Landwirtschaft, Geselligkeit und regionale Identität ineinandergriffen.
Die Wolfgangswallfahrt ist bis heute lebendig.
Mehrere traditionelle Zugehtage werden weiterhin mit Gottesdiensten begangen, und zu einzelnen Terminen kommen Fußwallfahrer aus der Umgebung auf den Wolfgangikogel. Der große Julitermin besitzt weiterhin besonderen Festcharakter und ist mit Prozession und gemeinschaftlicher Wallfahrt verbunden.
Auch Erinnerungen und einzelne Elemente der historischen Eisenopfer- und Votivpraxis sind am Ort weiterhin präsent.
- Wolfgangikomitee der Pfarre Hollenegg (Hg.): Die Wolfgangikirche. Ein Ort, an dem sich Himmel und Erde berühren. Deutschlandsberg 2018.
- Pfarre Hollenegg (Hg.): St. Wolfgang 994–1494–1994. Festschrift, Hollenegg 1994.
- Wolfgangikomitee der Pfarre Hollenegg: Wolfgangikirche. Hollenegg 2014.
- Helena Wallner: "Wuggerl, Schaferl und Kopfwehring." Beitrag zur Eisenopfertradition der Wolfgangikirche und zu den historischen Beständen im Volkskundemuseum Graz.
- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Steiermark (ohne Graz). Abschnitt St. Wolfgang ob Hollenegg.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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