Bad Mitterndorf, Maria Kumitz – Pfarr- und Wallfahrtskirche zur Schmerzhaften Gottesmutter

Schnellüberblick
Wallfahrt:Marien- und Kalvarienbergwallfahrt auf den Kumitzberg, entstanden seit 1717 aus der Übertragung einer spätgotischen Pietà und der Anlage eines Andachtsweges.
Status:Lebendige Pfarr- und Wallfahrtskirche mit regelmäßigen Wallfahrten am 13. des Monats und organisierten Fußwallfahrten.
Kultzentrum:Spätgotische Pietà der Schmerzhaften Gottesmutter um 1500, 1717 aus der Pfarrkirche Bad Mitterndorf auf den Kumitzberg übertragen.
Hauptfest:Patrozinium der Schmerzhaften Gottesmutter am 15. September; zusätzlich Wallfahrten am 13. des Monats.
Besonderheit:Geschlossene Wallfahrtslandschaft mit fünf gemauerten Stationskapellen am Aufstieg zum Kumitzberg.
Ort:Kumitzberg bei Obersdorf, Bad Mitterndorf.
Region:Steiermark.
Lage und Besuch
Lage: Obersdorf 41, 8983 Bad Mitterndorf.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Steiermark
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Pfarre Kumitz
Öffnungszeiten: zu Gottesdiensten und Wallfahrten; Besichtigung bzw. Kirchenführung nur nach Voranmeldung.
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Ausführliche Beschreibung

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Ausführliche Beschreibung

Die weithin sichtbare Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Kumitz steht auf dem markanten Kumitzberg bei Obersdorf, nordwestlich von Bad Mitterndorf im steirischen Salzkammergut. Das Patrozinium gilt der Schmerzhaften Gottesmutter, das Patroziniumsfest wird am 15. September begangen. Die Kirche bildet gemeinsam mit den fünf Stationskapellen am Aufstieg einen landschaftlich eindrucksvollen Wallfahrts- und Kalvarienberg.

Entstehung des Wallfahrtsortes

Der Ursprung von Maria Kumitz liegt nicht in einer alten Pfarrkirche, sondern in einer Kalvarienberg- und Marienverehrung des frühen 18. Jahrhunderts.

Im Jahr 1717 ließ der damalige Mitterndorfer Pfarrer Balthasar Marinz auf dem Kumitzberg einen Kalvarienberg anlegen. Mit den Mitteln einer Sammlung wurden Kreuzweg- beziehungsweise Passionsstationen errichtet und auf der Höhe eine kleine gemauerte Kapelle gebaut. In diese Kapelle wurde eine ältere, spätgotische Pietà aus der Pfarrkirche Bad Mitterndorf übertragen. Nach einer kirchlichen Darstellung erfolgte diese Übertragung bereits am 9. Oktober 1717.

Der anwachsende Pilgerzustrom und zahlreiche Stiftungen und Vermächtnisse ermöglichten schließlich den Bau einer größeren Kirche. 1766 wurde der Grundstein gelegt, 1773 war der Bau soweit vollendet, dass die Kirche geweiht werden konnte. Der Turm wurde 1778/79 errichtet. Später wurde das Gotteshaus mehrfach erweitert, unter anderem im 19. Jahrhundert.

Die Gründungslegende

Neben diesem historisch nachvollziehbaren Ablauf besteht eine ausgeprägte Gründungslegende.

Danach ritt Pfarrer Balthasar Marinz von Mitterndorf in Richtung Aussee. Beim Kumitzberg soll sein Pferd plötzlich in die Knie gesunken beziehungsweise gestürzt sein. Der Pfarrer blieb unverletzt und gelobte aus Dankbarkeit, an dieser Stelle eine Kapelle zu Ehren der Schmerzhaften Muttergottes zu errichten.

Das Gnadenbild

Das Zentrum der Wallfahrt ist eine spätgotische Pietà, die Schmerzhafte Muttergottes mit dem Leichnam Christi.

Die Holzskulptur wird um 1500 datiert und befand sich ursprünglich in der Pfarrkirche von Bad Mitterndorf. 1717 wurde sie in die neu errichtete Kapelle auf dem Kumitzberg übertragen und entwickelte sich dort zum Gnadenbild der Wallfahrt. Heute steht sie auf dem Hochaltar.

Das ist volkskundlich besonders interessant: Nicht eine eigens für die neue Wallfahrt geschaffene Statue begründete den Kult, sondern ein älteres sakrales Bildwerk erhielt durch Ortsveränderung und neue kultische Verwendung eine neue Funktion als Gnadenbild.

Wallfahrt und Andachtsbild

Dass die Kumitzer Pietà über den unmittelbaren Ort hinaus verehrt wurde, zeigen auch historische Andachtsgraphiken.

Die Kirche und ihre Ausstattung

Die heutige Kirche ist ein barocker Bau mit annähernd quadratischem, platzlgewölbtem Langhaus und eingezogenem Chor. Bemerkenswert ist, dass die kleine Kapelle des Jahres 1717 im Bereich der heutigen Sakristei erhalten geblieben sein soll. Damit steckt gewissermaßen die Keimzelle der Wallfahrt noch im späteren Kirchenbau.

Ein großer Teil der Ausstattung stammt von Johann Fortschegger (1743–1827), dem bedeutenden Bildhauer und Maler des steirischen Salzkammergutes, der lange in Mitterndorf tätig war.

Von ihm stammen unter anderem: der freistehende Tabernakel von 1773, die Kanzel von 1774, der Hochaltar von 1779 mit der spätgotischen Pietà.

Die Arbeiten wurden 1780 von Johann Pirker vergoldet. Im Chor befinden sich außerdem 16 barocke Fahnen mit Darstellungen aus der Passion Christi und dem Marienleben.

Die Seitenkapellen erhielten im 19. Jahrhundert neugotische Altäre.

Der Kalvarienberg

Zum Wallfahrtsensemble gehören fünf gemauerte Stationskapellen am Weg auf den Kumitzberg. Ihre Zahl erklärt sich nicht aus den sonst üblichen vierzehn Kreuzwegstationen, sondern aus der ursprünglichen Anlage als Passions- beziehungsweise Schmerzhafter-Rosenkranz-Weg. Die enge Verbindung von Aufstieg, Passionsgedächtnis und Verehrung der Pietà macht den Kumitzberg zu einer ausgesprochen geschlossenen Wallfahrtslandschaft.

Der Pilger nähert sich dem Gnadenbild nicht einfach auf einem Verkehrsweg, sondern vollzieht beim Aufstieg einen Andachtsweg, an dessen Ende die Schmerzhafte Muttergottes steht.

Wallfahrtskirche und Pfarrkirche

Im späten 18. Jahrhundert wurde Maria Kumitz auch zu einem selbständigen Seelsorgezentrum erhoben; die Wallfahrtskirche wurde schließlich Pfarrkirche.

Wallfahrt heute

Die Pfarre nennt ausdrücklich eine regelmäßige Wallfahrt an jedem 13. des Monats, verbunden mit Rosenkranz, heiliger Messe und Beichtgelegenheit. Auch aus anderen Pfarren kommen organisierte Fußwallfahrten nach Kumitz; kirchliche Berichte dokumentieren beispielsweise eine traditionelle Wallfahrt "übers Gebirg", deren Zielgottesdienst in Maria Kumitz gefeiert wird.

Volkskundliche Bedeutung

Besonders charakteristisch ist die Verbindung von Passionsfrömmigkeit und Marienverehrung. Der Pilger steigt über den Kalvarienberg zur Schmerzensmutter empor; die Leiden Christi und die Schmerzen Mariens werden räumlich und bildlich miteinander verbunden.

Auch örtliche Bräuche leben fort. In einem Pfarrbericht wird beispielsweise die Scheitelweihe vor der Auferstehungsfeier beschrieben: Im geweihten Feuer entzündete Buchenscheite werden anschließend zu Hause am Dachboden als Schutz vor Feuer und Unheil aufbewahrt. Das ist zwar kein spezifischer Wallfahrtsbrauch von Maria Kumitz, aber ein schönes Zeugnis der lebendigen religiösen Volkskultur rund um den Ort.

Literatur und Quellen

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Bd. 4: Kärnten und Steiermark, Wien 1956.

- Rudolf List: Steirischer Kirchenführer, Bd. 2, Graz–Wien–Köln 1972.

- Ernst Novotny: Johann Fortschegger, Bildhauer zu Mitterndorf, Schriftenreihe des Heimatmuseums Bad Aussee, Bd. 5, Bad Aussee 1983.

- Gustav Gugitz: "Unbekannte Druckgraphik auf alten Andachtsbildern", mit einem Nachweis des Kumitzer Gnadenbildes beziehungsweise eines Kupferstichs von Johann Veit Kauperz nach Fortschegger.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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