Ujué - Santuario de Santa María de Ujué

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Wallfahrt:Marienwallfahrt zur romanischen Virgen de Ujué mit starkem Bußcharakter; besonders bekannt sind die Frühlingsromerías mit schwarzen Tuniken, großen Holzkreuzen, teilweise Ketten und langen Fußwegen aus Tafalla und weiteren Orten der Zona Media Navarras.
Status:Lebendiges katholisches Marienheiligtum und Pfarrkirche; die Kirchenfestung Santa María la Real de Ujué zählt zu den wichtigsten Marienheiligtümern Navarras und ist seit 1936 als nationales Baudenkmal geschützt.
Kultzentrum:Die romanische, um 1190 entstandene Holzfigur der Virgen de Ujué, später mit Silber verkleidet und 1952 kanonisch gekrönt; daneben besitzt das im Heiligtum verwahrte Herz König Karls II. von Navarra besondere historische Bedeutung.
Ort:Ujué / Uxue.
Bezirk/Region:Zona Media, Merindad de Olite.
Bundesland:Navarra, Spanien.
Lage und Besuch
Iglesia-Fortaleza de Santa María de Ujué, 31496 Ujué / Uxue, Navarra, Spanien; auf dem höchsten Punkt des mittelalterlichen Bergortes.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Spanien
Ansicht in Street View
Öffnungszeiten: Die Kirche und der frei zugängliche Rundgang sind nach den derzeit veröffentlichten Angaben gewöhnlich täglich ungefähr von 10.00 bis 19.00 Uhr zugänglich. Die Zeiten sind als Richtwerte zu verstehen und können sich durch Gottesdienste, Wallfahrten und saisonale Regelungen ändern.
Ujué / Uxue - offizieller Tourismusdienst Navarra
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Wallfahrtsort und Kirchenfestung

Santa María de Ujué erhebt sich auf dem höchsten Punkt eines steilen mittelalterlichen Ortes, von dem der Blick weit über die Zona Media Navarras bis zu den Pyrenäen und in Richtung der Ribera reicht. Von außen wirkt der Bau mit seinen massiven Mauern, Wehrgängen, Strebepfeilern und Türmen eher wie eine Festung als wie eine Wallfahrtskirche. Im Inneren steht jedoch seit Jahrhunderten eine Marienfigur im Mittelpunkt, zu der jeden Frühling Pilger aus zahlreichen navarresischen Orten zu Fuß aufsteigen.

Die Verbindung von Wehrarchitektur und Wallfahrt ist in Ujué besonders eng. Die befestigte Höhenlage bot schon früh strategischen Schutz; das Marienheiligtum wurde zum religiösen Mittelpunkt des Ortes und später zu einem bevorzugten Heiligtum der navarresischen Könige. Heute sind Kirchenraum, Wehrgänge, königliches Erinnern und eine außergewöhnlich lebendige Bußwallfahrt in einem einzigen Komplex miteinander verbunden.

Frühe Kultstätte auf dem Berg

Archäologische Untersuchungen weisen darauf hin, dass der Hügel bereits vor der romanischen Kirche religiös genutzt wurde. Unter und im Umfeld des heutigen Heiligtums wurden Hinweise auf ältere Bauphasen gefunden; Dachziegel aus spätantiken Zusammenhängen lassen sogar an eine frühe christliche Kultstätte denken. Die genaue Gestalt dieser ältesten Anlage lässt sich jedoch nicht sicher rekonstruieren.

Im Hochmittelalter bestand am befestigten Platz eine kleine Kirche. Sancho Ramírez, König von Aragón und Navarra, erklärte 1089, er habe die Kirche der Gottesmutter Santa María de Ujué errichtet. Aus dieser romanischen Bauphase blieb vor allem die mächtige dreischiffige Chorpartie erhalten.

Die Taube und der Name Ujué

Die örtliche Gründungslegende erzählt von einem Hirten, der beobachtete, wie eine Taube immer wieder in eine Felsspalte oder Höhle flog. Als er nachsah, entdeckte er dort ein Marienbild. Die Bewohner hätten daraufhin beschlossen, bei der aufgefundenen Madonna ein Heiligtum zu errichten und ihren bisherigen Siedlungsplatz zu verlassen.

Die Legende verbindet den Namen des Ortes mit dem baskischen Wort "uxoa" beziehungsweise "usoa" für Taube und deutet Uxue als Erinnerungsnamen an das Tier, das den Fund angezeigt habe. Diese volkstümliche Namenserklärung ist Teil der Marienüberlieferung, aber kein historischer Beleg für die tatsächliche Entstehung des Ortsnamens. Die Taube blieb dennoch ein wichtiges Symbol der lokalen Identität.

Das romanische Gnadenbild

Die heute verehrte Virgen de Ujué entstand kunsthistorisch um 1190. Die etwa 91 Zentimeter hohe Holzfigur gehört zum romanischen Typus der "Sedes Sapientiae": Maria sitzt streng frontal auf dem Thron und dient dem ebenfalls frontal dargestellten Christus als Sitz. Nicht die mütterliche Zuwendung, sondern die feierliche Präsentation des göttlichen Kindes bestimmt die Komposition.

Der ursprüngliche farbige Zustand der Skulptur ist heute nur teilweise sichtbar. Spätere Generationen überzogen große Bereiche mit kostbaren Metallverkleidungen. Gerade dadurch wurde aus einer romanischen Holzfigur über Jahrhunderte ein immer wieder verändertes Kultbild, an dem Stiftungen und Restaurierungen unterschiedlicher Zeiten ablesbar sind.

Silber, Wappen und königliche Verehrung

Im 14. Jahrhundert erhielt das Bild eine aufwendige Silberverkleidung. Mit der Ausstattung sind die Wappen Frankreichs und Navarras sowie kleine Reliefdarstellungen verbunden. Die Veränderungen werden mit der starken Verehrung König Karls II. von Navarra und dem Haus Évreux in Verbindung gebracht.

Am Thron befanden sich auch metallene Pilgerzeichen beziehungsweise kleine Bilddarstellungen, darunter Darstellungen der weithin verehrten Notre-Dame de Rocamadour. Solche Stücke zeigen, wie mittelalterliche Wallfahrtsorte über Pilger und Votivgaben miteinander verbunden waren. Heilige Bilder konnten gewissermaßen Erinnerungen an andere Pilgerziele an sich sammeln.

Die gotische Erweiterung

In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde die romanische Kirche unter Karl II. grundlegend erweitert. Große Teile des älteren Langhauses verschwanden zugunsten einer weiten gotischen Halle. Die neue, etwa 15 Meter breite Hauptnave gehört zu den eindrucksvollsten gotischen Innenräumen Navarras.

Gleichzeitig erhielt das Heiligtum seinen ausgeprägt wehrhaften Charakter. Umlaufende Gänge, Türme und starke Außenmauern verbanden Kirche und Festung. Der Bau erscheint dadurch wie ein steinernes Schutzgehäuse um das Gnadenbild.

Das große Südportal

Das reich skulptierte Südportal gehört zu den bedeutendsten Teilen des gotischen Baues. Mehrere Archivolten und figürlich geschmückte Konsolen führen zum Tympanon. Dargestellt sind unter anderem das Letzte Abendmahl und die Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei Könige.

Die plastische Ausstattung umfasst darüber hinaus Tiere, fantastische Wesen, Kampfszenen und moralisch deutbare Motive. Kirche und Festung waren damit nicht nur militärisch monumental, sondern zugleich ein umfassend bebilderter religiöser Raum für Bewohner und Pilger.

Karl II. und die Virgen de Ujué

König Karl II. von Navarra zeigte eine besonders intensive Verehrung für Santa María de Ujué. Er besuchte das Heiligtum wiederholt, förderte den gotischen Ausbau und bestimmte in seinem Testament, dass sein Herz nach seinem Tod bei der Madonna von Ujué ruhen solle.

Als Karl II. 1387 starb, wurde sein Körper entsprechend einer in der kapetingischen Dynastie verbreiteten Tradition geteilt bestattet: Der Körper kam in die Kathedrale von Pamplona, die Eingeweide nach Roncesvalles und das Herz nach Ujué. Damit wurde das Heiligtum dauerhaft in das dynastische Gedächtnis der navarresischen Monarchie eingebunden.

Das Herz König Karls II.

Das Herz des Königs wird bis heute in Ujué verwahrt. Sein Sohn Karl III. ließ 1406 beim Meister Jaymet eine bemalte hölzerne Schatulle anfertigen, in der der ältere Behälter mit dem einbalsamierten Herz aufgenommen wurde. Eine Inschrift erläutert Inhalt und Herkunft der ungewöhnlichen Reliquie königlicher Erinnerung.

2020 begann der Servicio de Patrimonio Histórico de Navarra eine moderne wissenschaftliche Untersuchung des Ensembles. Mikroskopische Proben von Holz, Textilien, Wachs, biologischen Resten und vom Herzen selbst wurden genommen; außerdem kamen bildgebende Verfahren und forensische Methoden zum Einsatz. 2026 erklärte die Regierung von Navarra die Schatulle mit dem Herzen zum Bien de Interés Cultural. Ihr regulärer Aufbewahrungsort bleibt das Heiligtum von Ujué.

Karl III. und Blanca von Navarra

Auch Karl III. der Edle setzte die königliche Verehrung fort. Er stiftete dem Heiligtum einen kostbaren vergoldeten Silberkelch, der heute zu den bedeutenden Stücken mittelalterlicher Goldschmiedekunst Navarras gezählt wird. Seine Tochter Blanca von Navarra war ebenfalls mit Ujué verbunden und äußerte den Wunsch, dort bestattet zu werden.

Die königlichen Beziehungen machten Ujué über die lokale Wallfahrt hinaus zu einem dynastischen Marienheiligtum. Die Könige kamen nicht nur als politische Herren, sondern als Pilger und Stifter, und ihre persönlichen Entscheidungen prägten Ausstattung und Erinnerungskultur des Ortes.

Die Ursprungsüberlieferung der Tafalla-Wallfahrt

Die Tradition von Tafalla führt ihre Wallfahrt nach Ujué bis in das Jahr 1043 zurück. Damals soll nach einer militärischen Auseinandersetzung eine Dankwallfahrt zur Virgen de Ujué begonnen haben. In lokalen Darstellungen gilt sie daher als eine der ältesten Marienwallfahrten Navarras und wird gelegentlich sogar als älteste Wallfahrt dieser Art in Spanien bezeichnet.

Für eine lückenlose Fortführung der heutigen Wallfahrt seit 1043 fehlen jedoch entsprechende mittelalterliche Belege. Der frühe Ursprung gehört deshalb zur traditionsgeschichtlichen Erinnerung der Pilgergemeinden. Sicher dokumentiert sind die Romerías und ihre konkreten Organisationsformen erst in späteren Jahrhunderten.

Der Sonntag nach San Marcos

Der wichtigste Termin liegt traditionell am Sonntag nach dem Fest des hl. Markus am 25. April. Mehrere Orte der Zona Media ziehen dann nach Ujué. 2026 kamen am 26. April unter anderem Pilger aus Tafalla, Pitillas, Murillo el Fruto, Santacara und Beire zum Heiligtum.

Die Gemeinden haben eigene Wege, Gruppenordnungen, Kreuze, Gesänge und Gewohnheiten. Dadurch entsteht keine einzelne homogene Prozession, sondern ein Netz örtlicher Wallfahrtstraditionen, die sich am selben Ziel vereinigen.

Schwarze Tuniken und verhüllte Gesichter

Das eindrucksvollste äußere Kennzeichen der Ujué-Romerías sind die schwarzen Pilgertuniken. Manche Romeros tragen dazu eine schwarze Kapuze, die das Gesicht teilweise oder vollständig verhüllt. Die Kleidung löst die individuelle Erscheinung auf und verstärkt den Charakter der Buße und Gleichheit.

In älteren und heutigen Fotografien bilden die dunklen Gestalten mit den hellen Holzkreuzen ein markantes Bild. Die Kleidung erinnert an Formen spanischer Bußbruderschaften, besitzt in Ujué jedoch ihre eigene örtliche Tradition und ist eng mit dem Fußweg zum Marienheiligtum verbunden.

Große Holzkreuze

Viele Pilger tragen große Holzkreuze auf den Schultern. Einige sind schlicht, andere werden mit Blumen, Zweigen oder frischem Grün geschmückt. Das Kreuz ist zugleich Last, Prozessionszeichen und sichtbares Kennzeichen der jeweiligen Gruppe.

Der Weg wird damit körperlich verschärft. Das Kreuz macht die Anstrengung der Wallfahrt sichtbar und verbindet sie mit der christlichen Passion. Gerade in einer Landschaft mit langen Anstiegen bekommt dieses Zeichen eine unmittelbare physische Bedeutung.

Ketten und andere Bußformen

Traditionell ziehen einzelne Romeros schwere Ketten hinter sich her. Andere gingen barfuß oder nahmen zusätzliche Formen körperlicher Entbehrung auf sich. Solche Praktiken stehen in einer älteren Bußtradition, in der der Weg nicht möglichst bequem, sondern bewusst mühevoll vollzogen wurde.

Die Zahl solcher extremen Bußformen ist heute geringer als früher. Kreuze und schwarze Tuniken bleiben jedoch weithin sichtbar und geben den Romerías von Ujué bis heute ihren besonderen Charakter.

Die Cruz del Saludo

Am Rand von Ujué steht die gotische Cruz del Saludo. Hier erreichen die Pilger nach dem langen Weg den Punkt, von dem aus das Heiligtum unmittelbar vor ihnen liegt. Traditionell werden die ankommenden Gruppen an diesem Ort empfangen.

Die Cruz del Saludo bildet damit eine rituelle Schwelle zwischen Weg und Ziel. Nach Kilometern durch die Landschaft wird aus dem Fernziel ein sichtbarer heiliger Ort. Erst danach zieht die Prozession in den steilen Ort und weiter zur Kirche hinauf.

Gesänge und Einzug in das Heiligtum

Die Pilgergruppen ziehen geordnet in die Kirche ein und bringen ihre Kreuze vor die Virgen de Ujué. Jede Gemeinde besitzt dabei eigene Gesänge und Anrufungen. In Berichten über die Romerías erscheinen Marienlieder, Litaneien und das "Regina Coeli" ebenso wie der weithin hörbare Ruf "Viva la Virgen de Ujué".

Die Wallfahrt endet damit nicht einfach an der Kirchentür. Der Einzug, das Aufstellen beziehungsweise Tragen der Kreuze und das gemeinsame Singen bilden einen eigenen Höhepunkt, in dem sich der lange Fußweg liturgisch verdichtet.

Die Hermandad de los Doce Apóstoles von Tafalla

Eine besonders eigenständige Wallfahrt pflegt die Hermandad de los Doce Apóstoles von Tafalla, früher auch Hermandad de Esclavos de Santa María de Ujué genannt. Die lokale Tradition führt ihre organisierte Form auf das Jahr 1607 zurück. Die zwölf Mitglieder ziehen jährlich in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai nach Ujué.

Um Mitternacht verlassen sie Tafalla in schwarzer Tunika und Kapuze. In der rechten Hand tragen sie eine brennende Kerze, in der linken einen Stab. Die Prozession bewegt sich schweigend durch die Nacht, macht in San Martín de Unx Station und erreicht Ujué gegen vier Uhr morgens.

Nachtwallfahrt und Rückkehr

Nach der frühen Messe im Heiligtum beginnt mit dem ersten Morgenlicht bereits der Rückweg. Ein gemeinsames Frühstück beziehungsweise eine Rast unterbricht den langen Marsch. Gegen Mittag ziehen die Mitglieder wieder in Tafalla ein.

Das Ritual lebt von einer genau festgelegten Zeitordnung: Aufbruch um Mitternacht, Ankunft in der Dunkelheit, Gottesdienst in der Morgendämmerung und Heimkehr zum Mittagsläuten. Die Veränderung des Tageslichtes wird dadurch selbst Teil der Wallfahrt.

Die Doce Apóstoles von Olite

Auch Olite besitzt eine Bruderschaft der Zwölf Apostel mit eigener Wallfahrt nach Ujué. Ihre dokumentierte Tradition reicht in das 19. Jahrhundert zurück. Die Pilger ziehen in der Nacht vor Pfingsten mit Stab und Laterne los; ältere Überlieferungen beschreiben auch das Barfußgehen.

Die beiden Zwölfergemeinschaften von Tafalla und Olite zeigen, wie kleine geschlossene Gruppen innerhalb einer großen Regionalwallfahrt eigene Formen bewahren können. Sie sind keine bloßen Teilnehmer einer Massendemonstration, sondern Träger eines jährlich wiederholten, streng geregelten Rituals.

Ein Netz von Romerías

Der Wallfahrtszyklus beschränkt sich nicht auf Tafalla. Peralta, Olite, Figarol, Mélida, Carcastillo, Eslava, Lerga, Gallipienzo, Pueyo, Barásoain und weitere Orte besitzen beziehungsweise besaßen eigene Termine. Da der kleine Bergort nicht alle Gruppen gleichzeitig aufnehmen kann, verteilen sich die Pilgerfahrten auf mehrere Wochen.

Ujué wird dadurch im Frühling zum Mittelpunkt einer ganzen Wallfahrtslandschaft. Die Wege sind nicht beliebig austauschbar, sondern verbinden konkrete Gemeinden mit dem Heiligtum und bewahren örtliche Erinnerungen, Gelübde und soziale Beziehungen.

Bitte um Regen und Schutz der Felder

Die Wallfahrt war traditionell eng mit der bäuerlichen Jahreszeit verbunden. Im Frühjahr standen Saat, Regen, Unwetter und die Hoffnung auf eine gute Ernte im Mittelpunkt. Historische Quellen berichten von Bittprozessionen bei Dürre und von der Bitte um Schutz vor Hagel und anderen Gefahren für die Felder.

Auch die Glocken gehörten zu dieser religiösen Schutzwelt. Ihr Läuten wurde nicht nur als Einladung zum Gottesdienst verstanden, sondern konnte in älteren Vorstellungen Unwetter und schädliche Einflüsse von der Landschaft fernhalten. Marienwallfahrt und agrarischer Jahreslauf waren damit eng miteinander verbunden.

Eine alte Fruchtbarkeitsüberlieferung

Eine lokale Überlieferung verbindet eine Zisterne beim Heiligtum mit Kinderwunsch. Frauen sollen einen Stein auf der Schulter getragen und ihn in das Wasser geworfen haben, verbunden mit der Hoffnung auf Nachkommenschaft. Vergleichbare Stein- und Wasserbräuche sind auch von anderen Wallfahrtsorten bekannt.

Für diesen Brauch liegen keine kontinuierlichen liturgischen Belege vor; er gehört in den Bereich lokaler Volksüberlieferung. Gerade deshalb ist er aufschlussreich: Neben den großen öffentlichen Romerías bestanden persönliche Wünsche und kleine symbolische Handlungen, die in offiziellen Kirchenbeschreibungen kaum erscheinen.

Die kanonische Krönung von 1952

Am 8. September 1952 wurde die Virgen de Ujué kanonisch gekrönt. Die Feier war zugleich einer der größten öffentlichen Höhepunkte ihrer neueren Verehrung. Für die Krönung wurde die Skulptur restauriert und in ihrer äußeren Erscheinung erheblich verändert.

Der Madrider Goldschmied Juan José García schuf einen neuen metallenen Rückenaufbau im neoromanischen Stil. Auch die Kronen wurden erneuert und weitere dekorative Elemente ergänzt. Der heutige Eindruck des Gnadenbildes ist deshalb eine Verbindung von romanischem Kern, mittelalterlicher Silberausstattung und Ergänzungen des 20. Jahrhunderts.

Restaurierung des Gnadenbildes

Eine weitere Restaurierung im Jahr 2010 ermöglichte genauere Beobachtungen an der Figur. Dabei wurden ältere Farbfassungen und Vergoldungen sichtbar, die durch spätere Metallverkleidungen verdeckt worden waren. Solche Befunde zeigen, dass das heutige Kultbild nicht als unverändert erhaltenes Objekt des 12. Jahrhunderts verstanden werden kann.

Gerade die Veränderungen sind Teil seiner Geschichte. Jede Generation hat die Figur bewahrt, geschmückt, restauriert oder neu interpretiert. Das Gnadenbild ist damit zugleich mittelalterliches Kunstwerk und gewachsenes Zeugnis jahrhundertelanger Verehrung.

Wallfahrt 2026

Die Romerías sind weiterhin lebendige Praxis. Am 26. April 2026 kamen Pilger aus Tafalla, Pitillas, Murillo el Fruto, Santacara und Beire nach Ujué. Der Erzbischof von Pamplona und Bischof von Tudela, Florencio Roselló, feierte mit den Wallfahrern und hob ausdrücklich den Fußweg, die Tuniken, die Gebete und Gesänge als sichtbare Zeichen der überlieferten Marienverehrung hervor.

Damit ist Ujué kein museal erhaltenes Beispiel früherer Volksfrömmigkeit. Die traditionellen Elemente werden auch im 21. Jahrhundert vollzogen, wenn auch manche härtere Bußform zurückgegangen ist. Der gemeinsame Weg bleibt der Kern der Wallfahrt.

Volkskundliche Bedeutung

Unter den spanischen Marienwallfahrten besitzt Ujué ein ungewöhnlich geschlossenes Ensemble körperlicher und sozialer Bräuche. Schwarze Tuniken, verhüllte Gesichter, schwere Kreuze, Ketten, Nachtmärsche, Kerzen, Stäbe, Laternen, Dorflieder und die festgelegten Einzugsordnungen machen den Weg ebenso bedeutsam wie das Ziel.

Dazu kommen ältere Bittformen um Regen und Ernteschutz, die lokale Fruchtbarkeitsüberlieferung an der Zisterne und die besondere Verbindung des Heiligtums mit den navarresischen Königen. Wallfahrt, Landwirtschaft, Buße, Dynastie und regionales Selbstverständnis liegen in Ujué ungewöhnlich dicht übereinander.

Heutiger Kult

Santa María de Ujué ist weiterhin Pfarrkirche und Wallfahrtsheiligtum. Außerhalb der großen Romerías kommen Einzelpilger und Besucher ganzjährig zur Virgen de Ujué. Während der Frühlingswallfahrten verändert sich der kleine Bergort jedoch grundlegend: Die Straßen werden zum Prozessionsweg, der Platz vor der Kirche zum Sammelpunkt und die mittelalterliche Festung wieder zum Ziel einer Landschaft aus wandernden Gemeinden.

Gerade diese Verbindung von sehr altem Sakralraum und lebendiger Bewegung macht Ujué zu einem der stärksten Wallfahrtsorte Navarras. Die Verehrung konzentriert sich nicht allein auf ein Kunstwerk im Kircheninneren. Sie beginnt viele Kilometer entfernt, auf den Wegen der umliegenden Orte.

Literatur und Quellen

Clavería Arangua, Jacinto: Estudio histórico-artístico sobre la Imagen, el Santuario y la villa de Santa María de Ujué. 2., erweiterte Auflage. Pamplona: Casa Editorial Huarte, 1919.

Clavería Arangua, Jacinto: Historia documentada de la Virgen, del Santuario y Villa de Ujué. Pamplona: Gráficas Iruña, 1953.

Uranga, José Javier: Ujué medieval. Pamplona: Institución Príncipe de Viana, 1984.

García Gainza, María Concepción u. a.: Catálogo Monumental de Navarra. III. Merindad de Olite. Pamplona: Institución Príncipe de Viana, 1985.

Fernández-Ladreda Aguadé, Clara; García Gainza, María Concepción: Salve. 700 años de arte y devoción mariana en Navarra. Pamplona: Gobierno de Navarra, 1994.

Lazcano Martínez de Morentín, María Rosario (Koord.): Santa María de Ujué. Pamplona: Fundación para la Conservación del Patrimonio Histórico de Navarra, 2011.

Rey Bacaicoa, Javier: "La Hermandad de los Doce Apóstoles de Tafalla (1985)". Cuadernos de Etnología y Etnografía de Navarra 97, 2023, S. 307-340.

Jaso y Gil, Eustaquio: Los triunfos de Ujué ó sea el primer milenario de la aparición de la Santísima Virgen. Crónica de las funciones, romerías y procesiones con que ha solemnizado Navarra tan fausto acontecimiento. Pamplona: Imprenta y Librería de Joaquín Lorda, 1886.

Gobierno de Navarra; Arzobispado de Pamplona y Tudela: historische, kunsthistorische und pastorale Dokumentationen zur Kirche Santa María de Ujué, zum Gnadenbild, zum Herz König Karls II. und zu den Romerías.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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