| Wallfahrt: | Jahrhundertealte Marienwallfahrt nach Teror; Höhepunkt ist die Fußwallfahrt in der Nacht vom 7. auf den 8. September, ergänzt durch die seit 1952 veranstaltete Romería-Ofrenda am 7. September. |
| Status: | Basílica menor und zentrales Marienheiligtum Gran Canarias; die Virgen del Pino ist Patronin der Diözese Canarias. |
| Kultzentrum: | Die Virgen del Pino, eine Eichenholzfigur des frühen 16. Jahrhunderts, die dem in Sevilla tätigen Bildhauer Jorge Fernández zugeschrieben wird und im Camarín hinter dem Hochaltar verehrt wird. |
| Ort: | Teror. |
| Bezirk/Region: | Insel Gran Canaria, Provinz Las Palmas. |
| Bundesland: | Kanarische Inseln, Spanien. |
| • | Basílica de Nuestra Señora del Pino, Plaza del Pino, Teror, Gran Canaria, Spanien; im historischen Zentrum der alten Wallfahrtsstadt. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Spanien |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Öffnungszeiten: Montag 16.00 bis 19.30 Uhr; Dienstag bis Freitag 8.30 bis 14.00 Uhr und 16.00 bis 19.30 Uhr; Samstag 8.30 bis 14.00 Uhr und 16.00 bis 20.30 Uhr; Sonntag 7.30 bis 14.00 Uhr und 16.00 bis 19.30 Uhr. Museum und Camarín besitzen eigene Besuchszeiten. An großen Festtagen können die Zugangszeiten abweichen. |
| • | Basílica del Pino - Gemeinde Teror |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Teror im gebirgigen Norden Gran Canarias gehört zu jenen Orten, deren städtebauliche Entwicklung ohne die Wallfahrt kaum zu verstehen ist. Die Verehrung der Virgen del Pino machte das kleine Siedlungsgebiet seit dem frühen 16. Jahrhundert zu einem religiösen Zentrum, zog Pilger aus allen Teilen der Insel an und prägte Plätze, Straßen, Herbergen, Handel und Festkultur. Noch heute bildet die Basílica de Nuestra Señora del Pino das sichtbare Zentrum des historischen Ortskerns.
Im Gegensatz zu den abgelegenen Inselheiligtümern von La Gomera und El Hierro liegt das Kultzentrum hier mitten in einer gewachsenen Wallfahrtsstadt. Die alte Fußwallfahrt führt nicht in eine einsame Landschaftskapelle, sondern in ein dicht bebautes Zentrum, das sich alljährlich Anfang September für mehrere Tage in einen großen Pilger- und Festplatz verwandelt.
Die fromme Überlieferung setzt den Ursprung des Kultes auf den 8. September 1481. Eine Marienfigur soll hoch oben in einer mächtigen kanarischen Kiefer erschienen beziehungsweise gefunden worden sein. Drei Drachenbäume hätten mit ihren Zweigen um das Bild eine natürliche Nische gebildet, darunter habe sich ein glatter Stein befunden, und aus dem Stamm der Kiefer sei eine Quelle mit heilkräftigem Wasser hervorgegangen.
Der genaue Ursprung der Erzählung lässt sich nicht bis 1481 zurückverfolgen. Auch die Gemeinde Teror bezeichnet das Erscheinungsdatum als traditionsbedingt und historisch nicht eindeutig geklärt. Die Legende ist deshalb nicht als Augenzeugenbericht zu lesen, sondern als Ursprungserzählung eines Kultes, der sich in den Jahrzehnten nach der kastilischen Eroberung Gran Canarias entwickelte.
Spätere Autoren gingen noch weiter und vermuteten, die indigene Bevölkerung Gran Canarias habe bereits vor der Eroberung eine geheimnisvolle Frauengestalt am Baum verehrt. Solche Deutungen versuchten, den Marienkult in vorspanische Zeit zurückzuführen und ihm damit eine besonders tiefe Inselgeschichte zu geben.
Für eine direkte religiöse Kontinuität zwischen vorspanischem Kult und Virgen del Pino fehlt jedoch ein belastbarer Nachweis. Historisch sicherer beginnt die Geschichte mit der christlichen Siedlungsentwicklung nach der Eroberung und der frühen Kirche Santa María de Terore.
Die große Kiefer selbst wurde zum wichtigsten materiellen Zeichen der Gründungsüberlieferung. In älteren Beschreibungen erscheint sie als außergewöhnlich hoher und mächtiger Baum, der weit über seine Umgebung hinausragte. Das Bild der Madonna im Baum machte den Pino zum ersten symbolischen Heiligtum.
Der Baum erhielt Bezeichnungen wie "Pino de la Virgen", "Árbol de la Virgen" und "Pino Santo". Selbst nachdem längst eine Kirche bestand, blieb er als sichtbarer Erinnerungsort erhalten und wurde von Pilgern aufgesucht.
Am Ostermontag, dem 3. April 1684, stürzte der Pino Santo während eines schweren Sturmes um. Die Überlieferung hebt hervor, dass der gewaltige Baum beim Fall weder Menschen noch die nahe Kirche beschädigte. Auch dieser glückliche Ausgang wurde religiös gedeutet.
Seitdem besteht ein bemerkenswerter Erinnerungswechsel: Der Baum, der ursprünglich der Madonna ihren Namen gab, ist verschwunden, während das Bild seinen Namen bewahrt. Heute erinnert die Virgen del Pino an einen Kultbaum, der seit mehr als drei Jahrhunderten nicht mehr existiert.
Der wichtigste quellenkritische Punkt betrifft die heutige Virgen del Pino. Sie ist keine nachweislich 1481 in der Kiefer aufgefundene Figur. Das erhaltene Bild besteht aus Eichenholz und wird dem in Sevilla tätigen Bildhauer Jorge Fernández zugeschrieben, der in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wirkte.
Damit liegen zwischen dem traditionellen Erscheinungsdatum und der kunsthistorischen Datierung des heutigen Kultbildes mehrere Jahrzehnte. Die Erscheinungslegende, die frühe Marienverehrung und die erhaltene Statue müssen deshalb voneinander unterschieden werden.
Ältere Quellen deuten darauf hin, dass in der frühen Kirche von Teror mehr als eine Marienfigur verehrt wurde. In späteren Überlieferungen wird sogar von einer kleineren älteren Figur gesprochen, die irgendwann verschwand oder die Insel verlassen haben könnte.
Solche Hinweise erklären möglicherweise, weshalb sich die Erinnerung an ein spätmittelalterliches Erscheinungsbild mit einer erhaltenen Skulptur des frühen 16. Jahrhunderts verbinden konnte. Eine lückenlose Geschichte der ersten Figur lässt sich jedoch nicht rekonstruieren.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts bestand in Teror bereits eine kleine Kirche beziehungsweise Ermita Santa María de Terore. 1514 wurde sie kirchlich mit dem Sagrario der Kathedrale von Las Palmas verbunden. Damit ist der Kult wenige Jahrzehnte nach der Eroberung sicher fassbar.
Die Bezeichnung "Virgen del Pino" setzte sich offenbar erst allmählich vollständig durch. In den frühen Quellen erscheint weiterhin Santa María de Terore, also die Madonna des Ortes selbst.
1600 entstand ein größerer zweiter Kirchenbau. Bereits wenige Jahrzehnte später ist der Wallfahrtscharakter ausdrücklich dokumentiert. In den Synodalakten von 1629 wird festgehalten, dass zahlreiche Gläubige wegen der vielen der Madonna zugeschriebenen Wunder nach Teror kämen.
Damit ist spätestens für das frühe 17. Jahrhundert eine etablierte Wallfahrt schriftlich greifbar. Die jährliche Feier am 8. September gewann zunehmend an Bedeutung, und Teror entwickelte sich zum religiösen Bezugspunkt der ganzen Insel.
Der um 1600 errichtete zweite Sakralbau war eine dreischiffige Kirche mit mudéjar geprägten Elementen. Im Lauf der Jahrzehnte erhielt sie Sakristei, Chor, Orgel und weitere Ausstattungsstücke.
Von diesem Bau blieb beim späteren Neubau vor allem die sogenannte Torre Amarilla erhalten. Dadurch besitzt die heutige Basilika einen sichtbaren Rest des älteren Wallfahrtsheiligtums.
Der Glockenturm wurde 1708 vollendet und verdankt seinen Namen dem gelblich wirkenden Stein. Er ist achteckig gegliedert und orientiert sich an manuelinisch-portugiesischen Formen, wie sie auch an älteren Türmen der Kathedrale Santa Ana in Las Palmas zu sehen waren.
Beim Neubau des 18. Jahrhunderts blieb die Torre Amarilla stehen und wurde in die neue Anlage integriert. Sie ist heute eines der wichtigsten architektonischen Bindeglieder zwischen der zweiten und der dritten Kirche.
Mit dem Anwachsen von Wallfahrt und Kult erwies sich auch die zweite Kirche als unzureichend. Zwischen 1760 und 1767 wurde unter Leitung des Militäringenieurs Antonio de la Rocha der heutige Bau errichtet.
Die Kirche besitzt drei Schiffe, die durch vierzehn Rundbögen auf Säulen, Halbsäulen und Pfeilern voneinander getrennt werden. Die breite Hauptfassade mit dunkler Steinrahmung und drei Portalen öffnet sich unmittelbar zum großen Platz und wirkt wie eine repräsentative Bühne der Wallfahrt.
Die Retabel des 18. Jahrhunderts gehören zu den bedeutenden Beispielen des Rokoko auf Gran Canaria. Das Retabel der Capilla Mayor wurde von der Familie Carvajal y Matos finanziert; die Arbeiten werden José de San Guillermo und Nicolás Jacinto Viera zugeschrieben.
Goldene Schnitzarbeit, Skulpturen, textile Ausstattung und Silberarbeiten bilden einen starken Kontrast zur dunklen Steinarchitektur des Langhauses. Die Virgen selbst erscheint hoch über dem Altar im Camarín.
Hinter dem Hochaltar liegt der Camarín der Virgen del Pino. Von dort wird das Bild normalerweise gezeigt und verehrt. Der Raum verbindet den sichtbaren Altar mit den dahinterliegenden Sammlungs- und Schatzräumen.
Camarín und angrenzende Räume bewahren einen bedeutenden Bestand an Gewändern, Schmuck, Silberarbeiten und Votivgaben. Ein Teil davon wird heute im Museum für sakrale Kunst der Basilika gezeigt.
Die Gewohnheit, die Virgen del Pino mit Textilien zu bekleiden und mit Schmuck zu versehen, reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Für 1558 ist bereits eine bestickte grüne Seidenkleidung dokumentiert.
Im 18. Jahrhundert wurde die Ausstattung immer aufwendiger. Die Formen der Gewänder orientierten sich teilweise an festlicher Kleidung wohlhabender kanarischer Frauen. Dadurch erhielt das Kultbild über Jahrhunderte eine sich wandelnde öffentliche Erscheinung.
Bereits gegen Ende des 16. Jahrhunderts ist mit Isabel Pérez de Villanueva eine Camarera der Virgen namentlich überliefert. Sie war für Schmuck, Gewänder und andere Kostbarkeiten des Bildes verantwortlich.
Die Funktion der Camarera zeigt, wie früh rund um das Kultbild eine eigene materielle Pflegekultur entstand. Hinter dem öffentlichen Fest standen Frauen, die Textilien aufbewahrten, Schmuck ordneten und das Bild für unterschiedliche Anlässe herrichteten.
Eine besonders anschauliche Wundererzählung handelt von der Camarera Ángela del Toro. Beim Wechseln eines Rockes der Madonna soll sie feuchte Hände bekommen und zwischen den Gewändern weißen Sand entdeckt haben, obwohl Teror weit vom Meer entfernt liegt.
Die Erscheinung wurde als Zeichen dafür gedeutet, dass die Virgen in derselben Zeit einem Menschen in Seenot geholfen habe. Historisch ist dies eine Mirakelüberlieferung; volkskundlich zeigt sie, wie das unbewegliche Kultbild in der Vorstellung der Gläubigen die Insel verlassen und rettend an einem weit entfernten Ort handeln konnte.
Die wachsende Verehrung führte im 17. und 18. Jahrhundert zu umfangreichen Schenkungen. Überliefert sind Geld, Wachs, Schmuck, liturgische Geräte, Tiere, Häuser, Grundstücke und zahlreiche andere Gaben.
Exvotos und Stiftungen machten die Pfarrei von Teror zeitweise zu einer der vermögendsten kirchlichen Institutionen der Insel. Sie dokumentieren zugleich eine breite soziale Beteiligung: Nicht nur wohlhabende Stifter, sondern auch einfache Pilger hinterließen sichtbare Zeichen von Dank und Bitte.
Das 18. Jahrhundert gilt als eine der großen Blütezeiten des Kultes. Bei Dürre, Epidemie, Krieg und Versorgungskrise wandte sich die Inselbevölkerung an die Virgen del Pino.
Karl III. unterstützte den Kirchenbau 1767 finanziell und stellte Landbesitz für den Unterhalt des Heiligtums zur Verfügung. Zugleich nahm die Zahl der Votivgaben und Legate weiter zu.
Schon 1607 ist die erste Überführung der Madonna nach Las Palmas de Gran Canaria dokumentiert. Weitere Bajadas folgten insbesondere in Zeiten öffentlicher Not.
Anders als die regelmäßigen Bajadas auf El Hierro oder La Gomera besaßen diese Transfers keinen festen Vier- oder Fünfjahresrhythmus. Sie waren außerordentliche Bitt- oder Dankprozessionen, ausgelöst durch konkrete Krisen.
Besonders im 17. und 18. Jahrhundert wurde die Madonna bei anhaltender Trockenheit, Krankheit, kriegerischer Bedrohung oder Versorgungsknappheit nach Las Palmas gebracht. Die Bewegung des Kultbildes kehrte damit zeitweise die gewöhnliche Wallfahrtsrichtung um.
Normalerweise pilgerten die Menschen nach Teror; in der Krise kam die Virgen selbst in die Hauptstadt. Diese Wechselbewegung gehört zu den charakteristischen Formen des Kultes.
1905 wurde die Virgen del Pino kanonisch gekrönt. 1914 wurde sie zur Patronin der Diözese Canarias erklärt. Diese Diözese umfasst Gran Canaria und die östlichen Kanarischen Inseln.
1916 erhielt die Kirche den Rang einer Basilica minor. Im 20. Jahrhundert wurde damit die kirchliche Stellung eines Kultes bestätigt, der sich bereits seit mehreren Jahrhunderten aus einer regionalen Wallfahrt zu einem zentralen Marienbezug der Insel entwickelt hatte.
Der eigentliche Kern der Volkswallfahrt ist wesentlich älter als die heute berühmte Wagenromería. Am 7. September und in der folgenden Nacht ziehen Menschen zu Fuß aus zahlreichen Orten Gran Canarias nach Teror.
Historische Beschreibungen erzählen von langen Wegen über Bergstraßen und Pfade, von Gruppen mit Musik und Gesang und von Pilgern, die erst in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden den Ort erreichten.
Die Nacht vor Mariä Geburt gehört zu den intensivsten Momenten. Viele Pilger treffen erst spät ein, andere bleiben nach ihrer Ankunft auf den Plätzen und Straßen, besuchen die Basilika und warten auf die frühen Gottesdienste.
Die Fußwallfahrt verbindet körperliche Anstrengung mit einem stark gemeinschaftlichen Erlebnis. Menschen verschiedener Altersgruppen und Herkunft kommen über viele verschiedene Wege, aber alle Bewegungen enden auf demselben Platz vor der Basilika.
Die älteren Wallfahrtsbeschreibungen nennen Timple, Gitarre und traditionelle Lied- und Tanzformen wie Folías, Isas und Seguidillas. Die Pilgerreise war damit nicht ausschließlich schweigender Bußgang.
Gesang und Tanz begleiteten viele Gruppen auf dem Weg und nach ihrer Ankunft. Andacht und Festlichkeit gingen ineinander über und prägten jene besondere Atmosphäre, die bis heute mit der Nacht des Pino verbunden wird.
Früher fehlten ausreichende Unterkünfte für die vielen Besucher. Pilger schliefen deshalb auf Plätzen, unter Bäumen, in Hauseingängen oder eingehüllt in Decken am Straßenrand.
Solche improvisierten Übernachtungen gehörten ebenso zur Wallfahrt wie die Messe am Morgen. Der ganze Ort wurde für eine Nacht zu einem großen Lager von Menschen, die aus unterschiedlichen Teilen der Insel gekommen waren.
Zu den charakteristischsten Gestalten des alten Pino-Festes gehörten die Turroneras. Sie verkauften kanarischen Turrón aus bemalten Holzkisten und schützten ihre Stände mit großen Schirmen; Laternen ermöglichten den Verkauf während der Nacht.
Alte Festbeschreibungen erzählen, die Turroneras seien unter den ersten gewesen, die zum Fest kamen, und unter den letzten, die Teror wieder verließen. Ihre Waren, Stimmen und Stände gehörten damit fest zum sinnlichen Gedächtnis der Wallfahrt.
Auch die Ventorrillos, einfache Speise- und Ausschankstände, prägten den Festplatz. Dort wurden Wein und typische Gerichte angeboten, während in der Umgebung Timple und Gitarren erklangen.
Die historischen Berichte verschweigen auch ausgelassenes Feiern und reichlichen Alkoholkonsum nicht. Die Fiesta del Pino war nie nur ein stilles Kirchenfest, sondern zugleich Markt, Wiedersehen, Tanz und nächtliches Volksfest.
Zur Festkultur gehören Turrón, Brot, Käse, Gofio, Papas arrugadas und weitere Speisen Gran Canarias. Auch Chorizo de Teror wurde im Lauf der Zeit zu einem stark mit dem Ort verbundenen Produkt.
Wie an vielen Wallfahrtsorten bildet Essen einen wichtigen Teil der sozialen Erinnerung. Familien verbinden bestimmte Speisen mit der Ankunft, der Nacht und dem gemeinsamen Aufenthalt in Teror.
Schon die Erscheinungslegende verbindet den Pino Santo mit heilkräftigem Wasser. Die Quellenlandschaft Terors war für die Entstehung des Ortes auch wirtschaftlich bedeutsam.
Später wurde besonders die Fuente Agria zu einem bekannten Ziel. Eine unmittelbare Gleichsetzung mit der sagenhaften Quelle aus dem Stamm des Pino wäre jedoch historisch nicht gerechtfertigt; beide Vorstellungen gehören unterschiedlichen Überlieferungsschichten an.
Vor dem Septemberfest wird die Virgen aus ihrem hoch gelegenen Camarín in den Bereich des Presbyteriums herabgebracht. Dadurch kann sie während der Festwochen aus größerer Nähe verehrt werden.
Diese interne "Bajada" ist mindestens seit dem 19. Jahrhundert belegt. Seit dem frühen 20. Jahrhundert wird dafür ein mechanisches Schienensystem verwendet. Nach Abschluss der Feiern kehrt die Madonna wieder in den Camarín zurück.
Am 8. September, dem Fest Mariä Geburt, erreicht die Fiesta del Pino ihren liturgischen Höhepunkt. Feierliche Eucharistie und große Prozession mit der Madonna prägen den Tag.
Für viele Pilger ist die Messe nach dem nächtlichen Fußweg der eigentliche Zielpunkt. Danach beginnt die Heimkehr, die früher wiederum zu Fuß, mit Karren, später mit Bussen und Autos erfolgte.
Ein weiterer Festtermin ist der Día de las Marías. Er verlängert die Pino-Feiern und verbindet eine weitere Prozession mit lokaler Verehrung.
Der Hauptstrom der überregionalen Wallfahrt konzentriert sich jedoch auf den 7. und 8. September. Diese Tage sind für die inselweite Bedeutung des Heiligtums entscheidend.
Die heute weithin bekannte Romería-Ofrenda am 7. September ist nicht mittelalterlich. Sie wurde 1952 nach einer Idee des kanarischen Volkskundlers, Musikers und Chronisten Néstor Álamo geschaffen.
Die Trennung ist historisch wichtig: Die Wallfahrt nach Teror ist jahrhundertealt, die heutige Form des großen Wagenzuges dagegen eine bewusste kulturelle Neuschöpfung des 20. Jahrhunderts, die inzwischen selbst seit Generationen tradiert wird.
An der Romería-Ofrenda beteiligen sich die 21 Gemeinden Gran Canarias sowie der Cabildo Insular; dazu kommen häufig Repräsentationen anderer Kanareninseln. Geschmückte Wagen ziehen durch Teror zur Basilika.
Jede Gemeinde bringt landwirtschaftliche Erzeugnisse und andere Lebensmittel mit. Die Gaben werden vor der Virgen präsentiert und anschließend karitativen Zwecken zugeführt. Aus symbolischer Erntegabe und moderner Sozialhilfe entsteht damit eine neue Form der Ofrenda.
Folkloregruppen begleiten die Wagen mit Musik und Tanz. Traditionelle kanarische Kleidung spielt eine zentrale Rolle, ebenso die bewusste Präsentation regionaler Produkte und örtlicher Identitäten.
Die Romería ist deshalb sowohl religiöse Gabe als auch öffentliche Darstellung der kulturellen Vielfalt Gran Canarias. Jede Gemeinde erscheint mit eigenem Wagen und eigener Gruppe, bleibt aber in der gemeinsamen Verehrung der Patronin verbunden.
Néstor Álamo prägte die moderne Fiesta del Pino weit über die Einführung der Romería-Ofrenda hinaus. Musik und volkskundliche Inszenierung erhielten in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine neue öffentliche Form.
Diese bewusst gestaltete Festkultur darf nicht mit der älteren Volkswallfahrt verwechselt werden. Gerade ihr Erfolg zeigt jedoch, wie neue Formen in wenigen Jahrzehnten zu festen Traditionen werden können.
Die Räume beim Camarín wurden zu einem Museum für sakrale Kunst ausgebaut. Gezeigt werden textile Arbeiten, Schmuck, Silbergegenstände, Skulpturen und weitere Zeugnisse des jahrhundertelangen Kultes.
Der Bestand besitzt nicht nur kunsthistorischen Wert. Viele Stücke sind konkrete Stiftungen und Votivgaben und dokumentieren damit Beziehungen zwischen Pilgern und Kultbild über mehrere Jahrhunderte.
Wallfahrt führte schon früh zu wirtschaftlicher Aktivität. Händler, Wirte, Turroneras und andere Verkäufer richteten sich auf die großen Besuchermengen ein. Die religiöse Attraktion der Virgen prägte deshalb auch die soziale und wirtschaftliche Entwicklung Terors.
Bis heute verbinden sich Basilika, historische Häuser, Markt, Gastronomie und Festwesen zu einer Ortsidentität, die ohne die Virgen del Pino kaum denkbar wäre.
Teror vereint verschiedene Schichten der Wallfahrtskultur besonders anschaulich. Die Gründungslegende verbindet Madonna, Baum und heilkräftiges Wasser. Das erhaltene Gnadenbild gehört dagegen in das frühe 16. Jahrhundert. Camareras, Gewänder, Schmuck, Exvotos und Bajadas nach Las Palmas dokumentieren den frühneuzeitlichen Ausbau des Kultes.
Die alte Fußwallfahrt mit nächtlicher Ankunft, Musik, Übernachtung im Freien, Turroneras und Ventorrillos bildet eine eigene soziale Welt. Seit 1952 kam mit der Romería-Ofrenda eine moderne, bewusst gestaltete Tradition hinzu, die inzwischen selbst zum unverzichtbaren Bestandteil des Festes geworden ist.
Während La Gomera seine Patronin über das Meer trägt und El Hierro die Madonna quer über die Insel bewegt, bleibt die Virgen del Pino grundsätzlich in Teror. Die Bewegung vollzieht sich hier in der Gegenrichtung: Menschen aus allen Teilen Gran Canarias kommen selbst zum Heiligtum.
Dadurch wird Teror für einige Tage zum gemeinsamen religiösen Zentrum der Insel. Straßen und Plätze füllen sich mit Pilgern, Gemeinden bringen ihre Gaben, Familien treffen sich wieder und die historische Basilika bildet den festen Mittelpunkt dieser Bewegung.
Die Basílica de Nuestra Señora del Pino ist weiterhin eine lebendige Pfarr- und Wallfahrtskirche. Tägliche Gottesdienste, der zugängliche Camarín und das Museum ermöglichen auch außerhalb des Septemberfestes den Besuch des Kultbildes.
Den stärksten Ausdruck erhält die Wallfahrt jedoch weiterhin Anfang September. Dann zeigt sich, dass die Bedeutung der Virgen del Pino nicht allein aus einer alten Erscheinungslegende oder aus dem Kunstwert ihrer Statue besteht, sondern aus einer seit Jahrhunderten immer wieder erneuerten Bewegung von Menschen nach Teror.
Alzola González, José Miguel: "Iconografía de la Virgen del Pino". El Museo Canario, Nr. 73-74, 1960, S. 51-109.
Alzola González, José Miguel: La advocación del Pino en la Península y Canarias. Las Palmas de Gran Canaria: El Museo Canario, 1991.
Cazorla León, Santiago: Historia de las Tradiciones del Pino. Las Palmas de Gran Canaria: Mancomunidad de Cabildos, Plan Cultural y Museo Canario, Colección Guagua 13, 1980.
García Ortega, José: Nuestra Señora del Pino. Historia del Culto a la Venerada Imagen de la Patrona de Canarias. Santa Cruz de Tenerife, 1936.
Hernández Díaz, José: "Estudio Iconográfico-Artístico de la Virgen del Pino, Patrona de Gran Canaria". Anuario de Estudios Atlánticos, Nr. 19, 1973.
Hernández Jiménez, Vicente: La Villa de Teror. Las Palmas de Gran Canaria: Imprenta Pérez Galdós, 1984.
Hernández Jiménez, Vicente: Aproximación a los orígenes de Teror. Las Palmas de Gran Canaria: Ayuntamiento de la Villa de Teror, 2001.
Hernández Socorro, María de los Reyes; Concepción Rodríguez, José: El Patrimonio Histórico de la Basílica del Pino de Teror. Cuadernos de Patrimonio Histórico 5. Las Palmas de Gran Canaria: Cabildo de Gran Canaria, 2005.
Miranda Naranjo, José: Historia de la Muy Milagrosa y de antiguo venerada Imagen de la Virgen del Pino que existe en la Villa de Teror. Las Palmas de Gran Canaria, 1927.
Ayuntamiento de Teror; Basílica de Nuestra Señora del Pino: historische, kunsthistorische, liturgische und volkskundliche Dokumentationen zur Virgen del Pino, zur Wallfahrt und zur Fiesta del Pino.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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