Pollença - Santuari del Puig de Maria

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Wallfahrt:Marienwallfahrt auf den Puig de Maria oberhalb von Pollença; wichtigste regelmäßige Wallfahrt ist die Diada del Puig beziehungsweise das Pancaritat am Ostermontag mit Fußaufstieg, Gottesdienst, Goigs und gemeinschaftlichem Essen.
Status:Historischer und weiterhin lebendiger Marienwallfahrtsort mit mittelalterlichem Santuario, ehemaligem Frauenkloster, Hospedería und lokaler Wallfahrtstradition.
Kultzentrum:Die Mare de Déu del Puig, eine gotische Marienfigur des 14. Jahrhunderts im Hochaltarbereich der Kirche.
Ort:Pollença.
Bezirk/Region:Insel Mallorca, Serra de Tramuntana.
Bundesland:Balearen, Spanien.
Lage und Besuch
Santuari del Puig de Maria, oberhalb von Pollença auf dem rund 330 Meter hohen Puig de Maria. Der traditionelle Zugang erfolgt zu Fuß über den Camí del Puig de Maria; der Aufstieg ist kurz, aber stellenweise steil.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Spanien
Ansicht in Street View
Öffnungszeiten: Der Zugang zu Santuario, Kirche und Hospedería richtet sich nach dem laufenden Betrieb und kann wegen Gottesdiensten, Veranstaltungen, Restaurierungs- oder Erhaltungsarbeiten eingeschränkt sein. Vor dem Aufstieg empfiehlt sich eine aktuelle Kontrolle bei der Gemeinde Pollença beziehungsweise der Betreuung des Puig.
Puig de Maria - Gemeinde Pollença
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Ein Heiligtum über Pollença

Der Puig de Maria erhebt sich unmittelbar südöstlich von Pollença und erreicht rund 330 Meter Höhe. Auf seinem Gipfel liegt ein befestigt wirkender Komplex aus Kirche, ehemaligen Klosterräumen, Refektorium, Wehrmauer und Turm. Von dort reicht der Blick über Pollença, die Buchten von Pollença und Alcúdia, die Serra de Tramuntana und weite Teile des nördlichen Mallorca.

Der Aufstieg gehört wesentlich zum Charakter des Ortes. Der alte Weg beginnt am Rand von Pollença und führt zunächst über eine Fahrstraße, später über ältere gepflasterte Abschnitte und steilere Serpentinen zum Santuario. Wer am Ostermontag zum Pancaritat hinaufsteigt, vollzieht damit keine bloße Wanderung, sondern einen Weg, der seit Jahrhunderten mit Marienverehrung und lokaler Festkultur verbunden ist.

1348: Pest und Gründung

Die Entstehung des Heiligtums fällt in das Jahr 1348, als die große Pestwelle Mallorca erreichte. Am 31. März 1348 genehmigte Bischof Berenguer Batle den Bau einer Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria auf dem Puig. Die Gemeinde Pollença deutet diese Gründung ausdrücklich als Bitte um Schutz vor der Pest.

Die Verbindung mit der Schwarzen Pest ist damit keine bloße spätere Legende. Der Bau begann tatsächlich in jenem Katastrophenjahr, in dem die Epidemie weite Teile Europas verwüstete und auch Mallorca schwer traf. Die Kapelle war 1355 vollendet und wurde der Mare de Déu del Puig geweiht.

Die Lichter auf dem Berg

Neben diesem historisch gut fassbaren Pestkontext entwickelte sich eine Gründungslegende. Danach beobachteten fromme Frauen aus der Umgebung von Pollença auf dem Berg wiederholt geheimnisvolle Lichterscheinungen, besonders an Samstagen, die der Marienverehrung galten.

Die Nachricht verbreitete sich im Ort, und Einwohner stiegen gemeinsam auf den Puig. Dort soll man eine Marienfigur gefunden haben. Die Legende erklärt den Berg damit nicht nur als geeigneten Ort für eine Pestkapelle, sondern als von Maria selbst bezeichneten Kultplatz.

Das Bild wollte auf dem Puig bleiben

Wie an vielen europäischen Marienwallfahrtsorten wurde die Fundgeschichte später um ein weiteres Motiv ergänzt. Als man die gefundene Madonna nach Pollença hinunterbringen wollte, soll das Bild zunehmend schwerer geworden sein. Schließlich habe man verstanden, dass Maria auf dem Berg bleiben wollte.

Dieses Motiv eines "ortsgebundenen" Kultbildes begegnet in zahlreichen Wallfahrtslegenden. Es erklärt, warum ein Heiligtum an einem topographisch unbequemen Ort errichtet wurde, obwohl ein Kirchenbau im Tal einfacher gewesen wäre. Historisch gesichert ist dagegen die bischöfliche Genehmigung der Bergkapelle von 1348.

Der Clot de la Mare de Déu

Die Legende ist mit einem konkreten Ort auf dem Berg verbunden, dem sogenannten Clot de la Mare de Déu beziehungsweise Clot de la Verge Maria. Eine Felsspalte wird als Stelle gezeigt, an der nach der Überlieferung das Marienbild gefunden wurde.

Solche lokalisierten Fundorte besitzen für Wallfahrten eine besondere Bedeutung. Die Gründungserzählung haftet dadurch nicht nur an der Statue und der Kirche, sondern an einem bestimmten Stück Landschaft. Der Pilger kann den sagenhaften Ort selbst aufsuchen und die Erzählung räumlich nachvollziehen.

Das Gnadenbild

Die Mare de Déu del Puig wird von der Gemeinde Pollença in das 14. Jahrhundert datiert. Es handelt sich um eine gotische Marienfigur, die heute im Bereich des Hochaltars verehrt wird.

Damit unterscheidet sich der Puig von zahlreichen Heiligtümern, bei denen das heute vorhandene Kultbild deutlich jünger als die Gründungslegende ist. Die Figur kann zeitlich durchaus in die frühe Wallfahrtsphase gehören. Nicht nachweisbar ist jedoch, dass genau diese erhaltene Statue Gegenstand der Lichter- und Fundlegende war.

Eine weibliche Eremitengemeinschaft

Schon wenige Jahre nach der Gründung siedelten sich fromme Frauen auf dem Puig an. Die Quellen nennen eine kleine Gemeinschaft von Beginen beziehungsweise Eremitinnen, deren Entwicklung eng mit Flor Ricomana verbunden ist. In den Überlieferungen erscheinen außerdem Simona und Dolça als frühe Gefährtinnen.

Die genauen Jahresangaben schwanken in den Darstellungen: Bereits für die 1350er Jahre wird eremitisches Leben erwähnt, während die Gemeinde Pollença 1362 als Zeitpunkt nennt, zu dem sich drei Frauen dauerhaft auf dem Berg niederließen. Sicher ist, dass sich sehr früh eine weibliche geistliche Gemeinschaft entwickelte.

Das Kloster von 1371

1371 wurde die Gemeinschaft kirchlich als Kloster gefestigt. Aus einer kleinen Gruppe von Frauen wurde eine regulierte geistliche Institution, die über Jahrzehnte wuchs und den Wallfahrtsort dauerhaft prägte.

Die Geschichte ist bemerkenswert, weil der Puig nicht von einem großen männlichen Orden gegründet und übernommen wurde. Sein mittelalterliches geistliches Profil ist vielmehr eng mit Frauen verbunden, die zunächst als Eremitinnen beziehungsweise Beginen lebten und später eine klösterliche Gemeinschaft bildeten.

Blüte im 15. Jahrhundert

Im 15. Jahrhundert erreichte das Kloster eine große Blüte. Wohlhabende und adelige Familien brachten ihre Töchter auf den Puig und unterstützten die Gemeinschaft mit Stiftungen. Eine Quelle nennt für 1461 etwa siebzig Personen aus Nonnen, Novizinnen und weiteren Bewohnerinnen beziehungsweise Bediensteten.

Der Berg war damit nicht mehr nur Kapelle und Pilgerziel, sondern ein bedeutender weiblicher Lebens- und Wirtschaftsraum. Die klösterliche Gemeinschaft versorgte das Heiligtum und prägte zugleich die soziale Bedeutung des Ortes.

Wehrmauer und Turm

Die Lage auf einem weithin sichtbaren Berg machte den Puig zugleich zu einem strategischen Aussichtspunkt. Im späten Mittelalter wurden Wehrmauern und ein kräftiger Turm angelegt, von dem aus die Küste und mögliche Angriffe vom Meer beobachtet werden konnten.

Dadurch erhielt der Komplex sein bis heute charakteristisches, beinahe festungsartiges Aussehen. Wallfahrtsort, Kloster und Verteidigungsanlage lagen nicht getrennt nebeneinander, sondern bildeten einen einzigen befestigten Bergkomplex.

Piratengefahr und Küstenbeobachtung

Mallorca war im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit immer wieder durch Überfälle von See bedroht. Gerade die nördlichen Buchten boten Angreifern Zugang zu besiedelten Gebieten.

Der Puig de Maria ermöglichte eine weite Sicht über beide Buchten. Die Mauer- und Turmanlagen zeigen deshalb, dass religiöse Abgeschiedenheit und militärische Vorsorge im mittelalterlichen Mittelmeerraum eng miteinander verbunden sein konnten.

Das Refektorium

Zu den bedeutendsten erhaltenen Räumen des ehemaligen Klosters gehört das Refektorium. Es gilt als einer der Bereiche, die ihren mittelalterlichen Charakter besonders gut bewahrt haben.

Der schlichte Raum erinnert daran, dass das Kloster nicht nur aus Kirche und Wehrbauten bestand. Hier spielte sich der geregelte Alltag der Gemeinschaft ab: Essen, gemeinsames Leben und klösterliche Disziplin standen neben Gebet und Wallfahrtsbetreuung.

Kapitelhaus und Votivgaben

Im ehemaligen Klosterbereich wurden beziehungsweise werden auch Erinnerungs- und Votivgaben bewahrt. Der offizielle Wanderführer des Consell de Mallorca nennt das Kapitelhaus als Ort, an dem Weihegaben gezeigt werden.

Solche Gegenstände belegen eine Beziehung zwischen Pilgern und Madonna, die über den bloßen Kirchenbesuch hinausgeht. Bitte, Dank und Erinnerung wurden in materieller Form am Heiligtum hinterlassen.

1564: das Ende der mittelalterlichen Gemeinschaft

Nach dem Konzil von Trient verlangte die kirchliche Obrigkeit strengere Klausur und eine Neuordnung des weiblichen Ordenslebens. 1564 ordnete der Bischof von Mallorca die Schließung des Klosters an, nachdem ein großer Teil der Gemeinschaft die neuen Bedingungen nicht akzeptieren wollte.

Die Frauen wurden nach Palma verlegt. Damit endete eine mehr als zweihundertjährige klösterliche Tradition auf dem Puig, die seit den frühen Jahrzehnten des Heiligtums bestanden hatte.

Wiedereröffnung 1638

1638 wurde der Komplex wieder geöffnet, nun jedoch ohne eine dauerhaft vergleichbare weibliche Klostergemeinschaft. Der Marienkult und die lokale Bindung an den Berg bestanden weiter.

Gerade in diese Zeit fällt auch die Entwicklung beziehungsweise Festigung des Pancaritat, jener österlichen Wallfahrt, die bis heute zum wichtigsten regelmäßigen Volksbrauch des Puig gehört.

Barockisierung im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert wurde die mittelalterliche Kirche stark verändert. Der ursprünglich gotische Bau erhielt barocke Formen und eine dem Geschmack der Zeit entsprechende Ausstattung.

Solche Umbauten waren an alten Wallfahrtskirchen häufig. Sie zeigen, dass ein Heiligtum nicht als unverändertes mittelalterliches Denkmal weiterlebte, sondern regelmäßig an neue liturgische und ästhetische Vorstellungen angepasst wurde.

Neugotische Rückführung im 19. Jahrhundert

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche erneut umgestaltet. Unter dem Einfluss der neugotischen Bewegung versuchte man, dem Bau wieder einen stärker mittelalterlich wirkenden Charakter zu geben.

Zu den wichtigen Förderern dieser Erneuerung gehörte der aus Pollença stammende Priester und Dichter Miquel Costa i Llobera. Der heute sichtbare Kirchenraum ist daher keine unangetastete Gotik, sondern Ergebnis mittelalterlicher Substanz, barocker Veränderungen und neugotischer Restaurierung.

Miquel Costa i Llobera

Miquel Costa i Llobera, 1854 in Pollença geboren, gehört zu den bedeutenden katalanischsprachigen Dichtern Mallorcas. Seine religiöse und regionale Dichtung war eng mit der Landschaft seiner Heimat verbunden.

Für den Puig de Maria wurde er sowohl als Förderer der baulichen Wiederherstellung als auch als Autor religiöser Texte bedeutsam. Seine Goigs an die Mare de Déu del Puig werden weiterhin im Rahmen der Diada gesungen.

Goigs der Mare de Déu del Puig

Goigs sind volkssprachliche Lobgesänge auf Christus, Maria oder Heilige und gehören in Katalonien und auf den Balearen zu einer alten religiösen Liedtradition. Sie verbinden gedruckten Text, gemeinschaftlichen Gesang und lokalen Kult.

Beim Gottesdienst auf dem Puig werden die der Madonna gewidmeten Goigs gesungen. Dadurch bleibt die literarische Verbindung zwischen Costa i Llobera, Pollença und dem Heiligtum bis in die Gegenwart hörbar.

Neue religiöse Gemeinschaften

Im 20. Jahrhundert lebten wieder religiöse Gemeinschaften auf dem Berg. 1917 ließen sich Eremiten der Gemeinschaft von Sant Pau i Sant Antoni nieder. Später betreuten Missionarinnen der Heiligsten Herzen das Santuario.

Nachdem auch diese Gemeinschaft den Puig verlassen hatte, gewannen örtliche Betreuer und die Obreria del Puig größere Bedeutung für Erhaltung, Organisation und religiöses Leben. Der Komplex dient heute zugleich als Heiligtum, Haus der Spiritualität, historische Anlage und Hospedería.

Die Obreria del Puig

Die Obreria gehört zu jenen lokalen Institutionen, die den Fortbestand eines Wallfahrtsortes im Alltag ermöglichen. Sie kümmert sich um praktische Arbeiten, Vorbereitung von Festen und den Erhalt der Anlage.

Gerade vor dem Pancaritat werden Wege, Räume und Außenbereiche für die vielen Besucher hergerichtet. Diese meist wenig sichtbare Arbeit ist Teil der lebendigen Wallfahrtstradition.

Das Pancaritat

Die wichtigste regelmäßige Volkswallfahrt ist das Pancaritat beziehungsweise die Diada del Puig am Ostermontag. Der Brauch wird in der mallorquinischen Wallfahrtsdokumentation bis in das 17. Jahrhundert zurückgeführt.

Am Morgen steigen Menschen aus Pollença zu Fuß zum Santuario hinauf. Oben verbinden sich Gottesdienst, Marienverehrung und ein langer gemeinsamer Festtag. Der Weg, die Messe und das anschließende Essen bilden eine Einheit.

Was bedeutet "Pancaritat"?

Auf Mallorca bezeichnet Pancaritat eine Reihe österlicher Wallfahrten zu Ermita- und Santuario-Orten. Sie finden meist am Ostermontag oder in der Osterzeit statt und verbinden religiöse Feier mit gemeinschaftlichem Essen im Freien.

Der Brauch steht in enger Beziehung zum Ende der Fastenzeit. Nach der strengen Karwoche wird gemeinsam gegessen, gesungen und gefeiert. Kirchliche Wallfahrt und dörfliches Frühlingsfest gehen dabei ineinander über.

Der Fußaufstieg am Ostermontag

Der Weg vom Ortsrand Pollenças zum Gipfel umfasst hin und zurück nur wenige Kilometer, überwindet jedoch fast 300 Höhenmeter. Der letzte Abschnitt ist deutlich steiler und teilweise gepflastert.

Für die Diada wird dieser Aufstieg zum gemeinsamen Ritual. Familien, Freundesgruppen und Einzelpilger erreichen denselben Berg auf demselben alten Weg, der schon seit Jahrhunderten die Verbindung zwischen Ort und Heiligtum bildet.

Trencada d'olles

Zum Festprogramm gehört auch die "trencada d'olles", das Zerschlagen beziehungsweise Brechen von Töpfen. Solche spielerischen Elemente zeigen, dass der Pancaritat nicht auf liturgische Handlungen begrenzt ist.

Das Fest besitzt eine bewusst gemeinschaftliche und fröhliche Seite. Gerade diese Mischung aus Gottesdienst, Spielen, Speisen und Unterhaltung ist für mallorquinische Osterwallfahrten charakteristisch.

Messe und Besamans

Der religiöse Mittelpunkt ist die feierliche Messe im Santuario. Im Anschluss findet ein Besamans an der Mare de Déu statt, eine Form der persönlichen Verehrung, bei der die Gläubigen dem Kultbild beziehungsweise dem ihm zugeordneten Verehrungsbereich besonders nahe kommen.

Gesang und Goigs begleiten diese Feier. In neueren Festprogrammen erscheint außerdem das Lied "Mirau-la, és dolça" als Teil des gemeinsamen Marienlobs.

Panades, Robiols und gemeinsames Essen

Zum Pancaritat gehören typische mallorquinische Osterspeisen. Panades, gefüllte Teigpasteten, sind besonders eng mit der Osterzeit verbunden; auch Robiols und weitere Speisen werden gemeinsam gegessen.

Das Essen findet nach dem Gottesdienst im Klosterbereich oder im Freien statt. Der frühere monastische Speiseraum erhält dabei eine neue soziale Funktion, wenn Pilger und Besucher dort gemeinsam feiern.

Arròs brut und Festmahl

Bei organisierten Diadas wird im Refektorium beziehungsweise im Bereich des Santuario auch Arròs brut gereicht. Das würzige mallorquinische Reisgericht gehört zu den bekannten Gerichten der Inselküche.

Die Wallfahrt wird dadurch zu einem Ereignis aller Sinne: steiler Weg, Glocken, Gesang, Weihrauch, Speisen und Aussicht verbinden sich mit der Erinnerung an den Ort.

Ball de Bot und Xeremiers

Mallorquinische Tanz- und Musikgruppen begleiten die Diada. Besonders der Ball de Bot sowie die Klänge der Xeremies gehören zur lokalen Festkultur.

Auch hier ist zwischen religiöser Liturgie und anschließendem Volksfest keine harte Grenze zu ziehen. Die Wallfahrt endet nicht mit dem Schlusssegen, sondern setzt sich im gemeinsamen Feiern fort.

"La mateixa del batle"

Ein besonders eigenwilliger Brauch ist "la mateixa del batle". Dabei tanzt der Bürgermeister von Pollença im Rahmen der Diada einen traditionellen Tanz.

Die Tradition war etwa 175 Jahre nicht mehr praktiziert worden und wurde 2016 wieder aufgenommen. Sie ist deshalb kein ununterbrochen aus dem Mittelalter erhaltenes Ritual, sondern ein bewusst wiederbelebter historischer Festbrauch.

Wiederbelebte Tradition

Die Rückkehr der "mateixa del batle" zeigt, wie moderne Gemeinden mit ihrem immateriellen Kulturerbe umgehen. Ein älterer, zeitweise verschwundener Brauch wird aufgrund historischer Erinnerung wieder in das Fest eingefügt.

Damit entsteht eine neue Kontinuität, die offen mit ihrer Unterbrechung umgeht. Gerade diese Ehrlichkeit macht den Brauch kulturgeschichtlich besonders interessant.

Wallfahrt und Pestgedächtnis

Obwohl das heutige Pancaritat ein Osterfest ist, bleibt der Gründungskontext der Pest im historischen Gedächtnis des Santuario erhalten. Die Kapelle entstand 1348 als religiöse Reaktion auf eine existenzielle Bedrohung.

Damit verbindet der Puig zwei unterschiedliche Formen der Wallfahrt: die mittelalterliche Bitte um Schutz vor Krankheit und die spätere österliche Gemeinschaftswallfahrt. Der Ort konnte seine Bedeutung bewahren, obwohl sich die unmittelbaren Anlässe wandelten.

Der Puig als Schutzort

Die erhöhte Lage verlieh dem Heiligtum von Anfang an eine besondere symbolische Kraft. Der Berg überragt das Siedlungsgebiet, während das Kultbild gleichsam über Pollença wacht.

Die Wehrmauer verstärkte diese Vorstellung zusätzlich. Geistlicher Schutz, Schutz vor Krankheit und reale Verteidigung gegen Angriffe verschränkten sich in einem einzigen Ort.

Außerordentliche Bewegungen des Kultbildes

Normalerweise bleibt die Mare de Déu del Puig im Bergheiligtum. Nur zu besonderen kirchlichen oder örtlichen Anlässen wird sie hinunter nach Pollença gebracht.

Solche außergewöhnlichen Transfers besitzen deshalb eine besondere emotionale Bedeutung. Sie kehren das gewöhnliche Wallfahrtsprinzip um: Nicht die Menschen steigen zum Gnadenbild hinauf, sondern die Madonna besucht die Bevölkerung im Tal beziehungsweise an der Küste.

Der Weg als Teil der Wallfahrt

Der Puig de Maria ist ein gutes Beispiel dafür, dass Wallfahrt nicht erst an der Kirchentür beginnt. Der eigentliche Kultweg setzt bereits am Fuß des Berges ein.

Mit zunehmender Höhe verändert sich der Blick auf Pollença und die Landschaft. Die physische Entfernung vom Ort macht den Gipfel zu einem abgeschlossenen religiösen Raum. Gerade der steile letzte Abschnitt verstärkt die Erfahrung, ein Ziel tatsächlich erreicht zu haben.

Der Camí dels Ermitans

Ein Seitenweg, der Camí dels Ermitans, führt zum Clot de la Mare de Déu. Er entstand in seiner heutigen Form zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erschließt damit gezielt einen Ort der Gründungsüberlieferung.

Auch dies zeigt, wie Legende und Landschaft nachträglich miteinander verbunden werden können. Ein überlieferter Fundort erhält einen eigenen Zugangsweg und wird dadurch stärker in die Pilgerbewegung eingebunden.

Die Cadireta del Bon Jesús

Im Umfeld des Weges werden weitere kleine volksreligiöse Landschaftsorte gezeigt, darunter die Cadireta del Bon Jesús. Solche Felsen, Mulden und benannten Stellen gehören zur dichten lokalen Topographie des Berges.

Sie stehen nicht im Mittelpunkt des offiziellen Marienkultes, zeigen aber, wie stark Pilgerlandschaften durch kleinere Erzählungen und Merkorte erweitert werden.

Hospedería und Aufenthalt auf dem Berg

Der ehemalige Klosterkomplex dient heute teilweise als Hospedería. In den früheren Zellen können Besucher beziehungsweise Gäste übernachten, soweit der laufende Betrieb dies ermöglicht.

Damit bleibt eine alte Funktion des Ortes erhalten: Der Puig ist nicht nur Ziel eines kurzen Kirchenbesuchs. Menschen können Zeit auf dem Berg verbringen, an dem sich seit dem Mittelalter Gebet, Gemeinschaft und Unterkunft verbunden haben.

Volkskundliche Bedeutung

Der Puig de Maria besitzt eine ungewöhnlich geschlossene Geschichte von der mittelalterlichen Pestkapelle über weibliche Eremiten- und Klostergemeinschaft, Fundlegende, befestigtes Bergheiligtum und spätere Restaurierungen bis zur heutigen Osterwallfahrt.

Besonders wertvoll sind die lebendigen Formen des Pancaritat: gemeinsamer Aufstieg, Messe, Goigs, Besamans, Panades, Robiols, Arròs brut, Musik, Tanz und die wiederbelebte "mateixa del batle". Sie zeigen, dass der Ort nicht nur historisches Denkmal geblieben ist, sondern weiterhin Teil der lokalen Festkultur von Pollença ist.

Ein Wallfahrtsort zwischen Pest und Ostern

Die stärkste historische Besonderheit liegt vielleicht gerade in dieser Verschiebung. Entstanden ist das Heiligtum 1348 in einer Zeit von Angst, Krankheit und Tod. Heute führt die wichtigste Wallfahrt am Ostermontag auf den Berg, also zu einem Fest von Auferstehung, Frühling und gemeinschaftlichem Essen.

Zwischen diesen beiden Polen liegen fast sieben Jahrhunderte Kultgeschichte. Der Anlass hat sich verändert, der Berg als religiöser Bezugspunkt jedoch nicht.

Heutiger Kult

Das Santuari del Puig de Maria ist weiterhin ein religiös genutzter Ort und zugleich Haus der Spiritualität, historische Anlage und Hospedería. Die Betreuung erfolgt in enger Verbindung mit Pollença und den kirchlichen Stellen der Region.

Der sicherste Nachweis der fortbestehenden Wallfahrt ist die jährlich gefeierte Diada del Puig am Ostermontag. Wenn die Menschen aus Pollença den alten Weg hinaufsteigen, die Messe feiern und anschließend gemeinsam essen und tanzen, setzt sich die mittelalterliche Beziehung zwischen Ort, Berg und Madonna in einer lebendigen modernen Form fort.

Literatur und Quellen

Ajuntament de Pollença: Puig de Maria. Historische und kunsthistorische Dokumentation des Heiligtums und ehemaligen Klosters.

Consell de Mallorca: Guia d'itineraris familiars. El Puig de Maria. Palma de Mallorca: Consell de Mallorca.

Mallorca Peregrina: Pancaritat a l'ermita de la Mare de Déu des Puig o Diada des Puig. Dokumentation zur mallorquinischen Wallfahrtstradition.

Costa i Llobera, Miquel: Goigs a la Mare de Déu del Puig. Pollença.

Bisbat de Mallorca: Liturgische und pastorale Dokumentationen zur Diada del Puig und zum Santuari del Puig de Maria.

Ajuntament de Pollença; Obreria del Puig: historische und aktuelle Dokumentationen zur Geschichte, Erhaltung und Festkultur des Puig de Maria.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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