Covadonga - Santuario de Covadonga

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Wallfahrt:Marienwallfahrt zur Virgen de Covadonga, der "Santina", in der Santa Cueva am Monte Auseva. Die Wallfahrt verbindet mittelalterliche Marienverehrung, die Erinnerung an Pelayo und Covadonga sowie bis heute lebendige Gelübde-, Fußwallfahrts- und Festbräuche.
Status:Lebendiges katholisches Marienheiligtum des Erzbistums Oviedo mit täglichem Gottesdienst- und Gebetsleben. Die Santa Cueva bildet das eigentliche Kultzentrum; die Basílica de Santa María la Real dient als großer liturgischer Raum des Wallfahrtsortes.
Kultzentrum:Santa Cueva mit der Virgen de Covadonga. Das 1777 verbrannte ältere Gnadenbild wurde 1778 durch eine aus dem 16. Jahrhundert stammende, vom Domkapitel von Oviedo gestiftete Marienfigur ersetzt; das historische Original wird heute geschützt verwahrt.
Ort:Covadonga / Cuadonga, Gemeinde Cangas de Onís.
Bezirk/Region:Comarca Oriente, Asturien.
Bundesland:Fürstentum Asturien, Spanien.
Lage und Besuch
Santuario de Covadonga, s/n, 33589 Covadonga, Cangas de Onís, Principado de Asturias, Spanien.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Spanien
Ansicht in Street View
Öffnungszeiten: Basilika und Santa Cueva sind derzeit täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei; während Gottesdiensten und liturgischen Feiern ist Rücksicht zu nehmen.
Santuario de Covadonga - offizielle Website
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Die Santa Cueva als Herz des Heiligtums

Covadonga liegt in einem engen, felsigen Tal am Rand der Picos de Europa. Die große neoromanische Basilika ist weithin sichtbar und bestimmt heute das monumentale Erscheinungsbild des Real Sitio, doch das eigentliche Herz der Wallfahrt liegt wenige Schritte entfernt in der Santa Cueva. In dieser natürlichen Felsenhöhle wird die Virgen de Covadonga verehrt, die von den Asturiern fast immer mit dem vertrauten Namen "Santina" bezeichnet wird. Höhle, Fels, Wasserfall, Wald und Marienbild bilden hier eine Einheit, die den religiösen Charakter des Ortes wesentlich stärker prägt als die Architektur allein.

Der Name Covadonga wird traditionell aus "Cova Dominica", der "Höhle der Herrin", erklärt. Ob diese sprachliche Herleitung in allen Einzelheiten historisch gesichert ist, steht hinter ihrer jahrhundertelangen religiösen Wirkung zurück: Die Höhle gilt als Raum Mariens. Die Verbindung eines Kultbildes mit einem schwer zugänglichen Naturraum, aus dem zugleich Wasser hervortritt, gehört zu den ältesten und wirkungsmächtigsten Strukturen europäischer Wallfahrtsfrömmigkeit.

Frühe Kultgeschichte zwischen Überlieferung und Quellen

Über die ersten Anfänge der Marienverehrung in der Santa Cueva sind keine zeitgenössischen Nachrichten erhalten. Auch das Heiligtum selbst weist darauf hin, dass die Frühgeschichte weitgehend aus späterer Tradition rekonstruiert wird. Eine Überlieferung erzählt von einem Einsiedler, der bereits vor Pelayo in der Höhle ein Marienbild verehrt habe. Als Pelayo einen Flüchtenden in die Höhle verfolgt habe, soll der Einsiedler ihn zur Schonung des Mannes aufgefordert und ihm vorausgesagt haben, dass auch er eines Tages den Schutz der Gottesmutter an diesem Ort benötigen werde.

Eine solche Erzählung gehört in den Bereich der späteren Kultlegende. Historisch greifbarer ist, dass Covadonga seit dem Mittelalter mit der Erinnerung an Pelayo, das asturische Königtum und einen militärischen Erfolg christlicher Verbände über muslimische Truppen im frühen 8. Jahrhundert verbunden wurde. Die späteren christlichen Chroniken deuteten diesen Erfolg zunehmend als göttlich beziehungsweise marianisch bewirkte Rettung. Damit wurde aus einem historischen Erinnerungsort zugleich ein heilsgeschichtlich gedeuteter Wallfahrtsort.

Covadonga und die Erinnerung an Pelayo

Die sogenannte Schlacht von Covadonga wird gewöhnlich in die Zeit um 722 gesetzt. Über Umfang, Ablauf und unmittelbare politische Bedeutung des Ereignisses lässt sich aus den erhaltenen Quellen nur vorsichtig urteilen. Die ausführlichen christlichen Erzählungen entstanden erst wesentlich später und spiegeln bereits die Interessen des asturischen Königtums. Die Vorstellung, Covadonga sei der eindeutige Beginn einer viele Jahrhunderte dauernden "Reconquista", ist daher eine spätere historische Deutung und keine zeitgenössische Selbstbeschreibung des 8. Jahrhunderts.

Für die Wallfahrtsgeschichte ist gerade diese nachträgliche Deutung von großer Bedeutung. Covadonga wurde zum Ort, an dem religiöse und politische Erinnerung miteinander verschmolzen. Die Gottesmutter galt als Beschützerin Pelayos und seiner Gefährten, die Höhle als Zufluchtsort und der militärische Erfolg als Zeichen ihrer Hilfe. Über viele Jahrhunderte wurde dieses Bild in Predigten, Chroniken, Kunstwerken und Festen weitergetragen und machte die Santina zu einem Symbol, das weit über eine lokale Marienverehrung hinausreichte.

Höhle, Wasser und ältere Kultvorstellungen

Die ungewöhnliche Landschaft hat immer wieder zu der Vermutung geführt, die Santa Cueva könne einen älteren, vorchristlichen Kultplatz überlagern. Höhlen, Quellen und aus dem Fels hervortretendes Wasser besitzen in vielen europäischen Religionstraditionen besondere Bedeutung. Auch der Name des Flusses Deva wurde in diesem Zusammenhang herangezogen.

Ein unmittelbarer Übergang von einem vorchristlichen Heiligtum zur Marienwallfahrt lässt sich jedoch nicht nachweisen. Die Vorstellung bleibt eine religionsgeschichtliche Hypothese. Sicher ist dagegen, dass die christliche Verehrung die Naturmerkmale des Ortes vollständig in ihre eigene Symbolwelt aufgenommen hat: Die Höhle wurde zum Marienheiligtum, das Wasser zum Träger volkstümlicher Wunsch- und Heiratsbräuche und der Fels selbst zum sichtbaren Rahmen des Kultbildes.

Das mittelalterliche Heiligtum und die Pilger

Spätestens im Mittelalter war Covadonga ein etablierter Marienwallfahrtsort. Die religiöse Gemeinschaft am Heiligtum betreute den Kult und die ankommenden Pilger. Die heute noch bestehende Colegiata de San Fernando geht in ihrer heutigen Gestalt vor allem auf die frühe Neuzeit zurück, bewahrt jedoch die Erinnerung an ältere monastische und kanonikale Einrichtungen, die den Gottesdienst an der Höhle sicherten.

Der Wallfahrtsort lag abseits größerer Städte in einer Gebirgslandschaft, deren Erreichbarkeit lange Zeit beschwerlich blieb. Gerade darin lag ein Teil seiner religiösen Bedeutung. Der Weg zur Höhle führte nicht nur an ein verehrtes Bild, sondern in eine als außergewöhnlich erfahrene Landschaft. Felswände, Wald, Wasser und die über dem Tal liegende Cueva machten die Ankunft selbst zu einem eindrucksvollen Bestandteil der Wallfahrt.

Das "Milagro de Covadonga" - ein hängendes Heiligtum

Vor dem großen Brand des Jahres 1777 befand sich in und vor der Höhle eine weitgehend aus Holz bestehende Kirche, die sich an die Felswand schmiegte und teilweise über dem Abgrund zu schweben schien. Ihre Balken waren in den Fels eingelassen. Die kühne Konstruktion wurde im Volksmund als "Milagro de Covadonga" bezeichnet, weil es als beinahe wundersam erschien, dass das Bauwerk an dieser Stelle Bestand hatte.

Mit der architektonischen Staunenserfahrung verband sich eine religiöse Deutung: Spätere Überlieferungen schrieben den Bau sogar engelhaftem Beistand zu. Das alte Höhlenheiligtum war damit selbst Teil der Wunderwelt Covadongas. Nicht nur die Madonna, sondern auch die Art, wie ihr Haus am Felsen hing, wurde als außergewöhnlich wahrgenommen.

Der Brand von 1777

Am 17. Oktober 1777 zerstörte ein Brand den alten Kirchenkomplex an der Santa Cueva. Die hölzerne Bauweise und die schwer zugängliche Lage machten eine wirksame Brandbekämpfung nahezu unmöglich. Mit der Kirche gingen das damals verehrte Marienbild, Kelche, liturgische Geräte, Schmuck, Textilien und zahlreiche Votivgaben verloren.

Der Verlust war für die Kultgeschichte einschneidend. Das verbrannte Bild war über Generationen materieller Bezugspunkt der Wallfahrt gewesen. Auch die verschwundenen Votivgaben bedeuteten den Verlust eines großen Archivs persönlicher Bitten, Danksagungen und Stiftungen. Der Wallfahrtskult selbst endete jedoch nicht. Schon im folgenden Jahr erhielt Covadonga eine andere Marienfigur, die zur neuen Santina wurde.

Die heutige Santina und das verlorene ältere Bild

Das Domkapitel von Oviedo stiftete 1778 eine aus dem 16. Jahrhundert stammende Marienfigur als Ersatz für das verbrannte Gnadenbild. Anders als die ältere, aus Beschreibungen bekannte sitzende Madonna steht die neue Figur aufrecht und trägt das Jesuskind auf dem linken Arm. Spätere Stiftungen ergänzten unter anderem die Rose und den heutigen Sockel mit Engeln.

Die heute mit Covadonga verbundene Gestalt ist damit nicht das Bild, das mittelalterliche Pilger vor dem Brand verehrten, und erst recht keine Figur aus der Zeit Pelayos. Gerade diese Ablösung zeigt jedoch, dass ein Wallfahrtskult nicht allein an der materiellen Unverändertheit eines Gegenstandes hängt. Die Verehrung wurde auf das neue Bild übertragen, das selbst längst eine mehr als zweihundertjährige Kultgeschichte besitzt. Das historische Original von 1778 wird heute aus konservatorischen Gründen geschützt im Bereich des Heiligtums verwahrt; für die Verehrung in der feuchten Santa Cueva wird eine getreue Nachbildung verwendet.

Die Santa Cueva in ihrer heutigen Gestalt

Nach dem Brand wurden mehrere Lösungen für einen Neubau erwogen. Ein monumentales Projekt des Hofarchitekten Ventura Rodríguez wurde begonnen, aber nicht vollständig verwirklicht. 1874 entstand eine neue Kapelle nach Entwürfen Roberto Frassinellis. Nach den Schäden des Bürgerkriegs erhielt die Santa Cueva schließlich unter dem Architekten Luis Menéndez Pidal jene offene, stärker auf den Naturraum bezogene Gestalt, die den heutigen Eindruck bestimmt.

Der Fels bleibt sichtbar und bildet gleichsam die eigentliche Architektur des Heiligtums. Im Inneren steht eine neoromanische Kapelle mit polychromer und vergoldeter Holzdecke, deren künstlerische Ausstattung mit Juan García Talens verbunden ist. Die Öffnung der Höhle zum Tal lässt den Kultort zugleich geschützt und exponiert erscheinen. Liturgie, Landschaft und Naturgeräusch bleiben unmittelbar miteinander verbunden.

Die Gräber Pelayos und Alfons' I.

In der Santa Cueva befinden sich auch die Grabstätten Pelayos und seiner Frau Gaudiosa sowie Alfons' I. und Ermesindas. Pelayo war ursprünglich bei Santa Eulalia de Abamia bestattet; die Überführung seiner Gebeine nach Covadonga wird traditionell in die Zeit Alfons' X. im 13. Jahrhundert gesetzt. Damit wurde der Marienwallfahrtsort zugleich zu einem Memorialort der frühen asturischen Monarchie.

Die Gräber verstärken die Verbindung von religiöser Verehrung und Geschichtserinnerung. Wer zur Santina kommt, begegnet am selben Ort den Herrschern, deren Geschichte mit Covadonga verknüpft wurde. Das Heiligtum entwickelte sich so zu einem Raum, in dem persönliche Marienfrömmigkeit, regionale Identität und historische Erinnerung nebeneinander bestehen.

Die Basílica de Santa María la Real

Nach dem Brand war lange umstritten, wie Covadonga architektonisch neu gestaltet werden sollte. Der entscheidende Schritt zum heutigen Erscheinungsbild erfolgte im 19. Jahrhundert. Am 22. Juli 1877 begannen die Arbeiten an einem großen neuen Kirchenbau auf dem Cerro del Cueto. Roberto Frassinelli, der als "Alemán de Corao" bekannt wurde, lieferte die grundlegende Konzeption; der endgültige architektonische Entwurf stammt von Federico Aparici y Soriano.

Die Basilika wurde aus dem charakteristischen rosafarbenen Kalkstein der Umgebung errichtet. Ihre neoromanische Architektur mit zwei hohen Fassadentürmen sollte bewusst an eine idealisierte mittelalterliche Kirchenkunst erinnern und dem bedeutenden Heiligtum einen repräsentativen Großbau geben. Am 7. September 1901 wurde der nach jahrzehntelanger Bauzeit vollendete Tempel eröffnet und als Basilica minor ausgezeichnet.

Im Inneren befinden sich unter anderem Gemälde von Luis de Madrazo und Vicente Carducho sowie eine Marienfigur des Bildhauers Juan Samsó. Hinter dem Altar steht eine Nachbildung der Cruz de la Victoria, eines der wichtigsten Symbole Asturiens. Trotz ihrer Größe ersetzte die Basilika die Santa Cueva nicht als eigentliches Gnadenheiligtum, sondern ergänzt sie als Raum für große Gottesdienste und Pilgerversammlungen.

1918: Krönung, Hymnus und Nationalpark

Das Jahr 1918 prägte die moderne Bedeutung Covadongas entscheidend. Am 8. September wurden die Virgen de Covadonga und das Jesuskind kanonisch gekrönt. Die Feier fand im Rahmen großer historischer Gedenkveranstaltungen statt und wurde von Königshaus, Kirche und staatlichen Vertretern begleitet. Für diese Zeit entstand auch der bis heute eng mit der Wallfahrt verbundene Hymnus "Bendita la Reina".

Im selben Jahr wurde die Montaña de Covadonga zum ersten Nationalpark Spaniens erklärt, aus dem später der heutige Parque Nacional de los Picos de Europa hervorging. Dadurch erhielten Natur und Landschaft eine neue öffentliche Bewertung, die sich mit der bereits bestehenden religiösen Wahrnehmung des Ortes verband. Covadonga wurde zugleich Heiligtum, historischer Erinnerungsort und Ausgangspunkt eines modernen Naturtourismus.

Die Escalera de las Promesas

Zu den eindrucksvollsten Wallfahrtsbräuchen gehört die "Escalera de las Promesas", die Treppe der Gelübde, die von unten zur Santa Cueva hinaufführt. Das Heiligtum nennt 101 Stufen. Gläubige stiegen und steigen sie aus Dankbarkeit oder zur Erfüllung eines Gelübdes auf den Knien hinauf. Der körperlich beschwerliche Aufstieg verwandelt die letzten Meter zur Höhle in eine eigene Buß- und Dankhandlung.

Der Brauch gehört zu einer alten europäischen Tradition der Wallfahrtsfrömmigkeit, bei der der Körper selbst zum Träger des Gelübdes wird. Der Pilger bringt nicht nur eine Kerze oder eine Geldgabe, sondern Mühe, Schmerz und Zeit dar. Auch wenn heute viele Besucher den bequemeren Zugang durch den Tunnel wählen, bleibt die Treppe ein sichtbares Zeichen dieser älteren Form der Wallfahrt.

Der Pozón - Münzen unter der Santina

Unterhalb der Höhle sammelt sich das Wasser in einem Teich, der als "Pozón" bekannt ist. Pilger und Besucher werfen Münzen in das Wasser und verbinden damit Wünsche, Bitten oder eine kleine Opfergabe an die Santina. Das Ritual ist einfach und nicht an eine komplizierte kirchliche Form gebunden. Gerade deshalb gehört es zu den langlebigen populären Handlungen des Ortes.

Das Werfen der Münze verbindet die Marienverehrung mit dem Wasser unterhalb der Höhle. Die Gabe verschwindet sichtbar im Teich, bleibt aber am Heiligtum. Solche kleinen Handlungen stehen zwischen religiösem Opfer, Wunschbrauch und touristischer Gewohnheit; in Covadonga erhalten sie durch die unmittelbare Nähe zur Santa Cueva eine besondere religiöse Färbung.

Die Fuente de los Siete Caños - die Heiratsquelle

Nur wenig entfernt befindet sich die Fuente de los Siete Caños, die Quelle mit sieben Ausläufen. In der asturischen Überlieferung heißt es, ein unverheiratetes Mädchen, das von diesem Wasser trinkt, werde innerhalb eines Jahres heiraten. Eine weit verbreitete Copla bringt den Brauch in knapper Form mit der Virgen de Covadonga und der klaren Quelle in Verbindung.

Die heutige bauliche Gestalt der Quelle ist jünger und wurde nach dem Bürgerkrieg unter Luis Menéndez Pidal gestaltet. Der Heiratsbrauch ist jedoch Teil einer älteren volkstümlichen Deutung des Wassers. Er zeigt, wie sich neben den offiziellen liturgischen Formen eine eigene Alltagsfrömmigkeit entwickeln konnte, in der Liebe, Zukunftswunsch und Marienverehrung miteinander verbunden wurden.

Das Bild im Lago Enol

Eine wesentlich jüngere, inzwischen aber fest etablierte Tradition führt von der Santa Cueva hinauf zu den Seen von Covadonga. Im Lago Enol liegt eine Darstellung der Virgen de Covadonga unter Wasser. Zum Fest am 8. September wird sie von Tauchern aus dem See geholt und in die Feierlichkeiten des Día de Asturias einbezogen; anschließend kehrt sie wieder in den See zurück.

Der Brauch entstand erst im 20. Jahrhundert und zeigt eindrucksvoll, wie schnell neue Formen in eine bestehende Wallfahrtstradition aufgenommen werden können. Die Santina erscheint hier nicht nur in Höhle, Kirche und Prozession, sondern auch in der Hochgebirgslandschaft der Picos de Europa. Wasser, Berge und Marienkult werden in einem Ritual zusammengeführt, das heute selbstverständlich zum Festprogramm gehört.

Novene und 8. September

Das Hauptfest der Virgen de Covadonga wird am 8. September begangen und fällt mit dem Día de Asturias zusammen. Die Feier wird durch eine Novene vorbereitet. 2026 fand sie vom 30. August bis 7. September statt; täglich wurde in der Basilika Eucharistie gefeiert, anschließend zog man mit der Santina und dem Rosenkranz zur Santa Cueva, wo Salve und Hymnus gesungen wurden.

Am 8. September folgt die große Festmesse, verbunden mit Prozession und öffentlichen Feiern. Der Tag besitzt damit mehrere Ebenen gleichzeitig: liturgisches Marienfest, regionaler Feiertag, Wallfahrtstag und öffentliches Identitätsfest. Gerade diese Überlagerung macht Covadonga zu einem der stärksten Beispiele dafür, wie ein Wallfahrtsort weit über seine kirchlichen Grenzen hinaus in das kulturelle Selbstverständnis einer Region hineinwirken kann.

Fußwallfahrt nach Covadonga

Covadonga wird heute zwar von sehr vielen Besuchern mit Auto oder Bus erreicht, doch die Tradition der Fußwallfahrt ist weiterhin lebendig. Mehrere markierte Pilgerwege führen aus verschiedenen Teilen Asturiens zum Heiligtum, darunter Routen aus Richtung Oviedo, Gijón und Llanes. Einzelne Pfarren, Gruppen und Vereine unternehmen ihre Wallfahrten zu bestimmten Festzeiten weiterhin zu Fuß.

Die Fußwege bewahren eine ältere Erfahrung des Ortes. Wer Covadonga nach stunden- oder tagelangem Gehen erreicht, erlebt die Enge des Tales und den plötzlichen Blick auf Fels, Höhle und Basilika anders als der Kurzbesucher. Die Landschaft wird erneut zum Bestandteil der religiösen Handlung und nicht nur zur Kulisse.

Mäntel, Opfergaben und die Santina als vertraute Mutter

Wie viele bedeutende spanische Marienbilder wird auch die Santina mit Mänteln bekleidet. Farbe und Gestaltung können sich nach Anlass und liturgischer Situation ändern. Der Mantel vergrößert die kleine Figur optisch und verleiht ihr jene repräsentative Gestalt, die aus Prozessions- und Andachtsbildern bekannt ist. Stiftungen von Schmuck, Textilien und anderen Gegenständen begleiteten den Kult über Jahrhunderte; ein großer Teil der älteren Bestände ging allerdings 1777 im Brand verloren.

Der volkstümliche Name "Santina" ist selbst ein wichtiges Zeugnis der Frömmigkeit. Die Verkleinerungsform schafft Nähe und Vertrautheit. Sie bezeichnet keine unbedeutende kleine Heilige, sondern eine mächtige Patronin, die gerade durch die familiäre Anrede als besonders nah empfunden wird. Diese Spannung zwischen öffentlicher Repräsentation und persönlicher Vertrautheit gehört zu den charakteristischen Zügen der Covadonga-Frömmigkeit.

Die Santina außerhalb Asturiens

Mit der starken asturischen Auswanderung des 19. und 20. Jahrhunderts verbreiteten sich Bilder der Virgen de Covadonga weit über Spanien hinaus. Asturische Vereinigungen und Gemeinschaften in Lateinamerika und anderen Teilen der Welt nahmen die Santina als religiöses und kulturelles Zeichen ihrer Herkunft mit. Neue Kapellen und Bildstiftungen entstanden an Orten, die geographisch weit von den Picos de Europa entfernt lagen.

Die Madonna wurde damit zum Heimatzeichen einer Diaspora. Für Ausgewanderte erinnerte ihr Bild nicht nur an einen Wallfahrtsort, sondern an Landschaft, Sprache, Familie und regionale Herkunft. Solche Übertragungen zeigen, wie ein Gnadenbild seine Bindung an einen konkreten Kultort behalten und gleichzeitig an weit entfernten Orten neue Formen lokaler Verehrung annehmen kann.

Die Santina im Spanischen Bürgerkrieg

Auch die politische Geschichte des 20. Jahrhunderts hinterließ deutliche Spuren. Während des Spanischen Bürgerkriegs verschwand die historische Marienfigur aus Covadonga und gelangte nach Frankreich. 1939 wurde sie in der spanischen Botschaft in Paris wiedergefunden und anschließend nach Asturien zurückgebracht. Die Rückkehr wurde zu einem öffentlichen religiösen Ereignis.

Die Geschichte zeigt, wie stark das Bild inzwischen als unersetzliches Symbol wahrgenommen wurde. Die Sorge galt nicht nur einem Kunstwerk, sondern einem Gegenstand, der für viele Menschen mit persönlicher und regionaler Erinnerung verbunden war. Gerade in politisch aufgeladenen Zeiten konnte die Santina dadurch zugleich religiöse und identitätsstiftende Bedeutung annehmen.

Volkskundliche Bedeutung

Covadonga vereinigt ungewöhnlich viele Schichten der Wallfahrtskultur. Ein Naturraum aus Fels, Höhle und Wasser wurde zum Marienheiligtum; historische Erinnerung an Pelayo und das asturische Königtum verband sich mit einer späteren religiösen Deutung der Schlacht. Das alte, scheinbar am Felsen schwebende Heiligtum erhielt selbst den Namen "Milagro de Covadonga", und nach seinem Brand wurde die Verehrung ohne Unterbrechung auf ein neues Kultbild übertragen.

Daneben bestehen körperliche Gelübdepraktiken wie der kniende Aufstieg über die Escalera de las Promesas, kleine Opferhandlungen im Pozón, der Heiratsbrauch an der Fuente de los Siete Caños, Mäntel und Stiftungen, traditionelle Fußwallfahrten und die große Novene vor dem 8. September. Die im Lago Enol versenkte und am Festtag von Tauchern geborgene Madonna zeigt zugleich, dass Wallfahrtstradition nicht nur Bewahrung alter Formen bedeutet, sondern auch neue Bräuche hervorbringen kann.

Die besondere Stärke Covadongas liegt in dieser Gleichzeitigkeit. Mittelalterliche Wallfahrt, frühneuzeitliche Stiftungskultur, nationale und regionale Geschichtserinnerung, Naturverehrung, moderne Pilgerwege und neue Rituale stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern werden durch die Santina und die Santa Cueva zu einem gemeinsamen Kultgeschehen verbunden.

Heutiger Kult und Besuch

Das Santuario de Covadonga ist weiterhin ein lebendiger Gottesdienst- und Pilgerort. Basilika und Santa Cueva sind derzeit täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr geöffnet; der Eintritt ist frei. Rosenkranz, Messfeiern, eucharistische Anbetung und die großen Feiern des Jahres strukturieren den religiösen Alltag. Die Santa Cueva bleibt dabei trotz des monumentalen Basilikabaus der wichtigste Zielpunkt der Verehrung.

Ein Besuch erschließt sich am besten als zusammenhängender Wallfahrtsraum: Santa Cueva und Santina, Gräber der asturischen Könige, Escalera de las Promesas, Pozón und Fuente de los Siete Caños, die Colegiata de San Fernando und schließlich die große Basilika. Die Seen von Covadonga erweitern diesen religiösen Landschaftsraum bis in das Hochgebirge und werden spätestens am 8. September selbst Teil der Festtradition.

Literatur und Quellen

Madrid Álvarez, Vidal de la; Barón Thaidigsmann, Javier (Koord.); González Santos, Javier; Kawamura, Yayoi; Palacio Álvarez, Alfonso: El santuario de Nuestra Señora de Covadonga: historia y patrimonio artístico. Gijón: Ediciones Trea, 2015. ISBN 978-84-9704-903-0.

Canella y Secades, Fermín: De Covadonga. Contribución al XII centenario. Madrid: J. Ratés, 1918.

Morales, Ambrosio de: Viage de Ambrosio de Morales por orden del rey D. Phelipe II a los Reynos de León, y Galicia, y Principado de Asturias. Madrid, 1765.

Santuario de Covadonga: Historische Dokumentationen zur Santa Cueva, zur Virgen de Covadonga, zum Brand von 1777, zum Bau der Basilika, zur kanonischen Krönung von 1918 und zur heutigen Wallfahrtspraxis.

Turismo Asturias: Historische, kunstgeschichtliche und volkskundliche Dokumentationen zum Real Sitio de Covadonga, zur Santa Cueva, zur Fuente de los Siete Caños und zu den Festbräuchen des 8. September.

Erzbistum Oviedo: Dokumentationen zur Novene und zum Fest Nuestra Señora de Covadonga sowie zur Geschichte und heutigen Verehrung der Santina.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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