| Wallfahrt: | Werfenweng: Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt – Gnadenbild, Ursprungslegenden, Augenwasserl, Wunderstein und lebendige Wallfahrt. |
| Status: | Lebendige Marienwallfahrt mit fortbestehender organisierter Dekanatswallfahrt. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Muttergottes mit dem Jesuskind am Hochaltar, ergänzt durch Ursprungskapelle, Augenwasserl und Wunderstein. |
| Ort: | Werfenweng |
| Region: | Pongau |
| Bundesland: | Salzburg |
| • | Lage: Weng 1, 5453 Werfenweng. |
| • | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pongau |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Werfenweng |
| • | Geöffnet: tagsüber frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation - derzeit noch keine Fotos vorhanden |
| • | Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde |
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Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Geburt steht am südlichen Rand des Ortszentrums von Werfenweng, leicht erhöht über dem Wenger Tal. Die spätgotische Hallenkirche bildet seit Jahrhunderten den Mittelpunkt einer Marienwallfahrt, deren Anfänge nicht mehr eindeutig historisch zu fassen sind. Neben dem Gnadenbild in der Kirche gehören eine als "Ursprungskapelle" bezeichnete Bildsäule, eine seit alters her als heilkräftig verehrte Quelle und mehrere überlieferte Gründungslegenden zu einem bemerkenswert geschlossenen Ensemble traditioneller Wallfahrtskultur. Während die einst wesentlich stärkere überregionale Bedeutung zurückgegangen ist, ist die Wallfahrt nicht erloschen; regelmäßig führt unter anderem die Dekanatswallfahrt nach Werfenweng.
Über den genauen Beginn der Marienverehrung in Werfenweng liegen keine gesicherten Nachrichten vor. Pater Virgil Waß, der 1916 eine Geschichte der Werfenwenger Wallfahrt verfasste, berichtete, dass bereits für das Jahr 1450 die Existenz eines Gnadenbildes im Wenger Hochtal urkundlich belegt sei. Diese Nachricht wird in der örtlichen Überlieferung bis heute weitergegeben, erlaubt jedoch nicht ohne weiteres die Gleichsetzung des damals verehrten Bildes mit der heute erhaltenen spätgotischen Muttergottesfigur.
Am 8. September 1509, dem Fest Mariä Geburt, wurde die Kirche geweiht. Der damalige Bau war wesentlich kleiner als das heutige Gotteshaus und dürfte im Wesentlichen den Bereich des heutigen Presbyteriums umfasst haben. Die seelsorgliche Betreuung erfolgte von Pfarrwerfen aus. Die wachsende Bedeutung des Heiligtums und die Entwicklung der örtlichen Siedlung führten in den folgenden Jahrhunderten zu mehrfachen baulichen Veränderungen. Nach einer Senkung des Bauwerks musste die Kirche 1565 neu eingewölbt werden; der heutige Turm entstand 1627. Im 18. Jahrhundert erhielt der Kirchenraum eine weitgehend barocke Ausstattung, während eine Regotisierung am Ende des 19. Jahrhunderts wieder stärker den mittelalterlichen Charakter des Baues hervorhob.
Werfenweng blieb lange Filiale der Pfarre Pfarrwerfen. 1744 wurde ein eigenes Vikariat errichtet, 1891 erfolgte schließlich die Erhebung zur selbständigen Pfarre.
Die Kirche präsentiert sich als dreischiffige spätgotische Hallenkirche mit einem reich gegliederten Gewölbesystem. Besonders charakteristisch ist das 1565 erneuerte Gewölbe des Mittelschiffes, dessen Rippen ein dekoratives spätgotisches Muster bilden. Der im Unterbau quadratische Turm geht in seinen oberen Geschossen in eine achteckige Form über und wird von einem hohen Spitzhelm abgeschlossen.
Mittelpunkt der Ausstattung ist der barocke Hochaltar von 1763. In seinem Zentrum steht das eigentliche Gnadenbild der Wallfahrt, eine spätgotische stehende Muttergottes mit dem Jesuskind auf dem Arm. Die Figur entstand um 1500 beziehungsweise zu Beginn des 16. Jahrhunderts und wird auch um 1510 datiert. Sie ist damit annähernd gleichzeitig mit dem spätgotischen Kirchenbau entstanden, muss jedoch nicht mit jenem Gnadenbild identisch sein, dessen Verehrung nach der Überlieferung bereits für die Mitte des 15. Jahrhunderts bezeugt sein soll. Sechs barocke Engelsfiguren umgeben die ältere Marienstatue und binden sie in die Ausstattung des 18. Jahrhunderts ein.
Im Vorraum der Kirche haben sich mehrere historische Votivbilder erhalten. Sie gehören zu den unmittelbarsten Zeugnissen der früheren Wallfahrt, da sie nicht die offizielle kirchliche Repräsentation, sondern die persönliche Bitte und den Dank einzelner Wallfahrer dokumentieren. Die neugotische Orgel wurde 1897 von Albert Mauracher erbaut.
Die Wallfahrt nach Werfenweng gewann besonders in Zeiten kollektiver Bedrohung an Bedeutung. Überliefert ist verstärkter Zustrom während der Pestjahre 1635 und 1710, nach einer schweren Heuschreckenplage im Jahr 1693, während der Viehseuche von 1742/43 sowie 1809, als am nahe gelegenen Pass Lueg während der Napoleonischen Kriege gekämpft wurde. In solchen Krisenzeiten wurde die Wallfahrt zur Gottesmutter nicht allein als persönliche Andacht verstanden, sondern als gemeinschaftliche Bitte um Schutz für Menschen, Vieh und Ernte.
Diese Verbindung von Wallfahrt und elementarer Gefährdung ist für die ältere Volksfrömmigkeit charakteristisch. Krankheit und Seuche, Missernte, Viehverlust und Krieg bedrohten unmittelbar die wirtschaftliche und soziale Existenz einer bäuerlichen Bevölkerung; die Zuflucht zu einem regional verehrten Gnadenbild konnte daher zugleich individuelles Hoffen und kollektives Handeln einer ganzen Dorfgemeinschaft ausdrücken.
Die große überörtliche Bedeutung der Wallfahrt hat sich gegenüber früheren Jahrhunderten vermindert, der Wallfahrtsbrauch selbst ist jedoch nicht erloschen. Nach Werfenweng führt weiterhin eine alljährliche Dekanatswallfahrt, bei der Pilger teilweise zu Fuß zum Heiligtum kommen und gemeinsam in die Kirche einziehen. Damit besitzt Werfenweng im Unterschied zu zahlreichen nur noch historisch nachweisbaren Wallfahrtsorten weiterhin eine lebendige organisierte Wallfahrtstradition.
Der nicht mehr historisch greifbare Beginn der Wallfahrt wurde in mehreren Legenden erklärt, die Pater Virgil Waß zu Beginn des 20. Jahrhunderts aufzeichnete. Bemerkenswert ist, dass gleich mehrere voneinander verschiedene Erzählungen nebeneinander bestehen blieben. Gemeinsam ist ihnen die Vorstellung, dass Maria selbst den Ort ihres Heiligtums bestimmt habe oder durch ein Wunder auf dessen besondere Heiligkeit aufmerksam machte.
Nach einer Überlieferung erschien die Gottesmutter Hirten auf einem Lärchenbaum und verlangte die Errichtung einer Kapelle. Als Bauplatz wählte man zunächst den aussichtsreichen Gschwandtanger. Während der Zimmerarbeiten verletzte sich jedoch einer der Arbeiter, und sein Blut benetzte die am Boden liegenden Holzspäne. Am folgenden Morgen waren diese verschwunden und wurden an jener Stelle wiedergefunden, an der heute die Kirche von Werfenweng steht. Obwohl man zunächst am vorgesehenen Bauplatz festhielt, wiederholte sich das Geschehen. Schließlich deutete man die wunderbare Versetzung der Späne als Zeichen dafür, dass Maria selbst den Standort ihres Heiligtums bestimmt habe.
Die Erzählung gehört zum weit verbreiteten Typus der Bauplatzlegende. Nicht menschliche Zweckmäßigkeit, sondern ein übernatürliches Zeichen entscheidet darin über den Standort des Sakralbaues. Durch die wiederholte Verlagerung eines Gegenstandes wird der ursprünglich gewählte Bauplatz verworfen und der vermeintliche Wille der verehrten Heiligen sichtbar gemacht.
Eine zweite Überlieferung führt den Ursprung der Wallfahrt auf eine Quelle östlich der Kirche zurück. Hirten sollen dort Maria beobachtet haben, wie sie die Windeln des Jesuskindes im Wasser wusch. Die Quelle galt seither als wundertätig; ihr Wasser wurde besonders bei Erkrankungen der Augen verwendet. Das sogenannte „Augenwasserl“ entwickelte sich zu einem eigenen Bestandteil des Wallfahrtsgeschehens und wurde spätestens seit dem 16. Jahrhundert von zahlreichen Pilgern aufgesucht.
Eine dritte Legende erzählt von einem schwerkranken Mann, dem die Gottesmutter im Traum erschien. Sie befahl ihm, einen großen Stein aus dem Wenger Bach auf einen Wagen zu laden und mit ihm so lange zu fahren, bis der Stein von selbst herabfallen würde. An der Stelle der heutigen Kirche fiel der Stein vom Wagen und ließ sich nicht mehr fortbewegen. Bemerkenswert ist die materielle Fortsetzung dieser Erzählung: Die gelbliche, trapezförmige Kalkschieferplatte wurde lange Zeit in der Kirche aufbewahrt. Bereits bei einer Visitation im Jahr 1614 beschäftigten sich die Visitatoren Gentilotti und Gichtl mit dem ungewöhnlichen Stein. Später gelangte er zu einem Marterl in der Nähe der Kirche, wo er als greifbares Erinnerungsstück der Gründungsüberlieferung erhalten blieb.
Etwa fünfzig bis hundert Meter östlich der Kirche befindet sich ein aus Tuffstein errichteter Bildstock, der traditionell als "Ursprungskapelle" bezeichnet wird. Bei diesem Bau handelt es sich nicht um eine Kapelle im eigentlichen Sinn, sondern um ein etwa drei Meter hohes Bildstöckl. Ein hölzernes Relief veranschaulicht die mit dem Ursprung der Wallfahrt verbundenen Überlieferungen.
Wenige Schritte weiter liegt das "Augenwasserl". Der Name verweist unmittelbar auf die wichtigste zugeschriebene Heilwirkung der Quelle, deren Wasser vor allem bei Augenleiden Verwendung fand. Das Aufsuchen solcher Quellen, das Waschen erkrankter Körperstellen und das Mitnehmen des Wassers gehören zu den weit verbreiteten Erscheinungsformen traditioneller Wallfahrtsmedizin, bei denen religiöse Hoffnung und überlieferte Vorstellungen von der besonderen Kraft eines Ortes ineinandergreifen.
Die historische Quelle fließt heute nur noch spärlich und befindet sich unterhalb eines neueren Marienbrunnens, zu ihr führt eine schmale Stiege hinab. Dabei ist zwischen beiden Wasserstellen zu unterscheiden: Der oberirdische moderne Brunnen mit seiner Marienfigur wird mit Wasser aus der kommunalen Trinkwasserversorgung gespeist; das eigentliche historische Augenwasserl entspringt darunter. Die räumliche Verbindung von Gnadenbild, Ursprungssage, Bildstock und Heilquelle lässt den älteren Charakter der Werfenwenger Wallfahrt besonders anschaulich erkennen.
Werfenweng gehört zu jenen Wallfahrtsorten, an denen sich verschiedene Grundmotive traditioneller Volksfrömmigkeit ungewöhnlich dicht überlagern. Die Bauplatzlegende erklärt die Entstehung der Kirche durch unmittelbares Eingreifen Mariens, die Quellenlegende verbindet die Gottesmutter mit einem als heilkräftig angesehenen Wasser, der Wunderstein macht die Gründungsgeschichte in einem konkreten Gegenstand sichtbar, und die erhaltenen Votivbilder dokumentieren individuelle Erfahrungen von Not, Hoffnung und Dank.
Besonders bemerkenswert ist die Verbindung zwischen der Marienwallfahrt und dem Augenwasserl. Heilquellen an Wallfahrtsorten stehen in einer langen Tradition religiös interpretierter Naturorte. Entscheidend war dabei weniger eine Trennung zwischen medizinischer und religiöser Wirkung, als vielmehr die Vorstellung, dass die natürliche Besonderheit des Wassers durch die Nähe zum Gnadenort und durch die zugehörige Legende eine zusätzliche sakrale Qualität erhalten habe. Die Erzählung von Maria, die am Quellort die Windeln des Jesuskindes wäscht, stellt diese Verbindung besonders unmittelbar her.
Auch der Wunderstein zeigt exemplarisch, wie Wallfahrtslegenden durch materielle Objekte stabilisiert werden konnten. Indem ein Gegenstand, der in der Erzählung eine entscheidende Rolle spielte, tatsächlich gezeigt und über Generationen aufbewahrt wurde, gewann die Legende für die Besucher des Wallfahrtsortes eine sicht- und berührbare Dimension. Werfenweng vermittelt damit bis heute ein bemerkenswert geschlossenes Bild jener religiösen Vorstellungswelt, in der Landschaft, Wasser, Gegenstände, Gnadenbild und Kirchenbau gemeinsam einen sakralen Ort begründeten.
- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986, S. 492–493.
- Hochradner, Thomas: Werfenweng. Kirchenführer zur Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau von Werfenweng. Herausgegeben von Joachim Mowinski, nach einer Broschüre von P. Virgil Waß OFMCap. neu gestaltet. Salzburg 1990 (= Christliche Kunststätten Österreichs 183).
- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München 1982.
- Waß, Virgil: Werfenwenger Wallfahrtsgeschichte, 1916; Grundlage für die späteren Darstellungen der Ursprungslegenden.
- Weidl, Reinhard: Die Kirchen von Pfarrwerfen, Werfen, Werfenweng. Salzburg 2006 (= Christliche Kunststätten Österreichs 455).
- Gemeinde Werfenweng: Geschichte der Pfarr- und Wallfahrtskirche und Überlieferungen zum Ursprung der Wallfahrt.
- Tourismusverband Werfenweng: Das "Augenwasserl" der Ursprungskapelle.
- Pfarrverband Werfen: Pfarrbriefe und Gottesdienstordnungen zur gegenwärtigen Wallfahrts- und Gottesdienstpraxis.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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