Wagrain, Mariahilfkapelle

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Wallfahrt:Wagrain: Mariahilfkapelle – Geschichte der Wallfahrt, Votivbilder, Gnadenbild, Osterbrauch und heute fortbestehende lokale Marienverehrung.
Status:Historische überörtliche Wallfahrt weitgehend erloschen; lokale Marienverehrung und Maiandachten bestehen fort.
Kultzentrum:Mariahilf-Bild aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und historische Votivbilder.
Ort:Wagrain
Region:Pongau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: bei Markt 169, 5602 Wagrain.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pongau
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Wagrain
Geöffnet: Regelmäßige allgemeine Öffnungszeiten der Kapelle sind nicht veröffentlicht. Die Nutzung für Maiandachten ist belegt; für eine Besichtigung außerhalb kirchlicher Veranstaltungen empfiehlt sich eine Anfrage bei der Pfarre Wagrain.
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Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

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Ausführliche Beschreibung

Die Mariahilfkapelle liegt westlich des Ortszentrums von Wagrain unmittelbar an der Straße nach St. Johann im Pongau. Das kleine Marienheiligtum gehört zur Pfarre Wagrain und steht unter Denkmalschutz. An dieser Stelle bestand bereits lange vor Errichtung des heutigen Baues eine hölzerne Kapelle; ein historischer Bericht aus dem Jahr 1839 erwähnt, dass diese schon 1758 baufällig gewesen und anschließend wiederhergestellt worden sei, allerdings ohne die Berechtigung, darin die heilige Messe zu feiern. Der örtliche Kulturführer setzt die Entstehung des älteren Heiligtums an die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert. Der heutige gemauerte Kapellenbau wurde 1876/77 anstelle dieser älteren Holzkapelle errichtet.

Mit der Entstehung des Heiligtums verbindet sich die Überlieferung beziehungsweise Vermutung, die Kapelle sei als Zufluchtsort zu Maria angesichts der Bedrohung durch Hochwasser entstanden. Damit steht sie in einer weit verbreiteten volksreligiösen Tradition, in der Kapellen und Bildstöcke nicht nur der allgemeinen Andacht dienten, sondern zugleich konkrete Schutzbedürfnisse einer örtlichen Gemeinschaft zum Ausdruck brachten.

Bau und Ausstattung

Die rechteckige Kapelle besitzt eine halbrunde Apsis und ein abgewalmtes Satteldach. Im Inneren wird der Raum von einem Kreuzgewölbe überspannt; ein Chorgitter trennt den Altarbereich vom übrigen Kapellenraum. Mittelpunkt der Ausstattung ist ein Mariahilf-Bild aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, das um 1770 datiert wird und somit noch aus der Zeit der älteren Holzkapelle stammt. Es zeigt Maria mit dem Jesuskind, von Wolken und Engeln umgeben.

Von besonderer Bedeutung für die Geschichte des Heiligtums sind die erhaltenen Votivbilder. Das älteste bekannte Exemplar trägt die Jahreszahl 1838 und entstand damit noch Jahrzehnte vor dem Neubau der heutigen Kapelle. Die Votivtafeln bezeugen die persönliche Zuflucht zur Gottesmutter und dokumentieren zugleich, dass die Mariahilfkapelle bereits vor ihrer baulichen Erneuerung im späten 19. Jahrhundert ein Ort intensiver religiöser Verehrung war.

Die Kapelle wurde 1926 renoviert und 1987 umfassend instand gesetzt.

Wallfahrt

Der Wallfahrtscharakter der Mariahilfkapelle ist historisch eindeutig belegt. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde das Heiligtum von zahlreichen Wallfahrern aufgesucht. Die erhaltenen Votivbilder geben zusätzlich Zeugnis von der früheren Bedeutung der Kapelle als Ort der Bitte und des Dankes.

Die überörtliche Wallfahrt verlor im Verlauf des 20. Jahrhunderts weitgehend ihre Bedeutung. Die Mariahilfkapelle ist jedoch kein völlig erloschener religiöser Ort: Sie wird weiterhin für Maiandachten genutzt, wodurch sich die örtliche Marienverehrung bis in die Gegenwart fortsetzt.
Heute könnte man die Kapelle als historischen Wallfahrtsort mit weitgehend erloschener Wallfahrt, aber weiterhin lebendiger lokaler Marienverehrung bezeichnen.

Volkskunde

Volkskundlich besonders bemerkenswert ist ein früher in Wagrain ausgeübter Osterbrauch. Am Ostersonntag gingen die Bewohner bereits vor drei Uhr morgens zur Mariahilfkapelle, um Maria die Auferstehung Christi "anzusagen". In diesem Brauch erscheint die Gottesmutter nicht nur als Gegenstand der Verehrung, sondern gleichsam als persönlich in das österliche Geschehen einbezogene Mutter, der die Nachricht von der Auferstehung ihres Sohnes überbracht wird.

Der frühmorgendliche Gang zur außerhalb des Marktes gelegenen Kapelle verbindet dabei mehrere Elemente traditioneller Volksfrömmigkeit: den gemeinschaftlichen Gang zu einem sakralen Ort, die besondere Bedeutung der Schwellenzeit vor Tagesanbruch und die unmittelbare, beinahe familiär gedachte Beziehung zwischen den Gläubigen und Maria. Gerade diese Verbindung macht den Wagrainer Brauch zu einem bemerkenswerten Zeugnis regionaler Oster- und Marienfrömmigkeit.

 

Literatur zur Wallfahrt

- Ortschronik der Gemeinde Wagrain, Band I.

- Kultur & Denkmäler Wagrain-Kleinarl, Kulturführer Wagrain-Kleinarl.

- Historische Beschreibung Wagrains in: Herzogtum Salzburg, Typographie 1839; darin Nachricht über die bereits 1758 baufällige hölzerne Mariahilfkapelle.

- Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Salzburg, Mariahilfkapelle Wagrain, HERIS-ID 28528.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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