| Wallfahrt: | Pfarrkirche Mülln in Salzburg: historische und revitalisierte Wallfahrt zur Mater gratiae, Prozessionsstiege, Augustiner und Nikolausbrote. |
| Status: | Historisch bedeutende Marienwallfahrt, heute in revitalisierter Form als Friedens-, Sänger- und Musikantenwallfahrt weitergeführt. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Madonna "Unsere Liebe Frau von Mülln", die "Mater gratiae". |
| Ort: | Salzburg-Mülln |
| Region: | Stadt Salzburg |
| Bundesland: | Salzburg |
| • | Lage: Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariä Himmelfahrt Mülln, Augustinergasse 4, 5020 Salzburg. |
| • | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Flachgau |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Salzburg-Mülln und Benediktinerabtei Michaelbeuern |
| • | Geöffnet: Die Kirche ist tagsüber geöffnet; die jeweils aktuellen Öffnungs- und Gottesdienstzeiten werden von der Pfarre veröffentlicht. Der historische Hauptzugang führt über die monumentale gedeckte Prozessionsstiege von der Augustinergasse hinauf zur Kirche. Ein barrierefreier Zugang besteht über den Friedhof von der Mönchsbergstraße. |
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| • | Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde |
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Die Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau Mariä Himmelfahrt in Mülln erhebt sich weithin sichtbar über der Salzburger Altstadt am nördlichen Ausläufer des Mönchsberges. Sie gehört zu den alten Marienkirchen Salzburgs und entwickelte sich im ausgehenden Mittelalter zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Im Mittelpunkt der Verehrung steht die spätgotische Madonna "Unsere Liebe Frau von Mülln", heute meist unter dem Titel "Mater gratiae" – Mutter der Gnade bezeichnet.
Die große historische Wallfahrt verlor seit der Aufklärung und besonders nach dem Ende der Augustiner-Eremiten ihre frühere Bedeutung. Sie ist jedoch nicht endgültig erloschen. Seit dem frühen 21. Jahrhundert wird die Wallfahrt zur Mater gratiae wieder bewusst gepflegt, unter anderem als Friedens-, Sänger- und Musikantenwallfahrt. Mülln ist daher als historisch bedeutender und heute revitalisierter Marienwallfahrtsort einzuordnen.
Eine Marienkapelle in Mülln ist bereits 1148 urkundlich belegt. Daraus kann jedoch noch keine Wallfahrt des 12. Jahrhunderts abgeleitet werden. Der Nachweis einer Marienkirche ist nicht mit dem Nachweis einer organisierten Wallfahrt oder eines Gnadenkultes gleichzusetzen.
Die heutige Kirche geht wesentlich auf einen spätgotischen Neubau zurück, der 1439 begonnen und 1453 geweiht wurde. Wenige Jahre später entwickelte sich Mülln zu einem bedeutenden kirchlichen Zentrum vor den Toren Salzburgs. 1465 wurde ein Kollegiatstift eingerichtet.
In diese Zeit fällt auch die erste große Blüte der Wallfahrt. Adolf Hahnl setzt sie ungefähr zwischen 1465 und 1525 an.
Damit gehört Mülln zu jenen Salzburger Wallfahrtsorten, deren Entwicklung nicht in eine legendenhafte Frühzeit zurückverlegt werden muss. Eine deutlich fassbare spätmittelalterliche Wallfahrt ist historisch bereits bedeutend genug.
Im Zentrum der Wallfahrt steht eine spätgotische Madonna mit dem Jesuskind, die um die Mitte des 15. Jahrhunderts entstand.
Die Figur wird gelegentlich dem bedeutenden Bildhauer Jakob Kaschauer zugeschrieben beziehungsweise mit seinem künstlerischen Umfeld in Verbindung gebracht. Eine unmittelbare Autorschaft Kaschauers ist jedoch nicht gesichert; die vorsichtigere Bezeichnung als Werk eines unbekannten spätgotischen Bildschnitzers beziehungsweise als Arbeit aus seinem Umkreis ist daher vorzuziehen.
Ursprünglich stand die Madonna im Mittelpunkt eines spätgotischen Flügelaltares und wurde von Figuren der heiligen Barbara und Katharina begleitet.
Die heute sichtbare Erscheinung der Madonna entspricht jedoch nicht mehr vollständig ihrem spätgotischen Zustand. Im Laufe der Wallfahrtsgeschichte wurde die Figur stark verändert: Teile ihrer ursprünglichen farbigen Fassung wurden vergoldet, Maria und Jesuskind erhielten Kronen, und bis ins 19. Jahrhundert wurde das Gnadenbild zusätzlich mit kostbaren Prunkgewändern bekleidet.
Aus einem spätgotischen Andachtsbild wurde dadurch im Laufe mehrerer Jahrhunderte eine repräsentative Gnadenmutter und Himmelskönigin.
Diese Veränderungen sind aus heutiger denkmalpflegerischer Sicht Eingriffe in ein mittelalterliches Kunstwerk. Aus volkskundlicher Sicht besitzen sie jedoch einen eigenen Quellenwert. Das Bild wurde nicht als museales Objekt bewahrt, sondern kultisch gebraucht. Jede Generation gestaltete das Gnadenbild entsprechend ihrem religiösen und ästhetischen Verständnis neu. Bekleidung, Kronen und Vergoldung zeigen deshalb nicht den Verlust einer Wallfahrtstradition, sondern gerade deren fortgesetzte Lebendigkeit.
Während der ersten Blütezeit der Müllner Wallfahrt wurde neben der Madonna offenbar auch eine Pietà, eine Darstellung der schmerzhaften Muttergottes mit dem toten Christus, verehrt. Die Wallfahrt war damit nicht ausschließlich auf ein einziges Kultbild beschränkt.
Die heute im Bereich der Prozessionsstiege befindliche Pietà stammt allerdings aus einer wesentlich späteren Zeit und darf ohne weiteren Nachweis nicht mit diesem spätmittelalterlichen Kultbild gleichgesetzt werden.
Eine besondere Stellung nimmt Mülln durch seine Lage ein. Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Stadt Salzburg endete beim Klausentor. Mülln lag damit außerhalb des eigentlichen befestigten Stadtgebietes.
Für einen Salzburger bedeutete eine Wallfahrt nach Mülln deshalb tatsächlich, die Stadt zu verlassen.
Johann Sallaberger hat diesen Sachverhalt treffend mit dem Titel "Auf Pilgerfahrt vor die Stadt" beschrieben. Die zurückgelegte Entfernung war verhältnismäßig gering. Trotzdem fand ein klarer räumlicher und symbolischer Wechsel statt: Der Pilger verließ seinen alltäglichen Lebensraum, überschritt die Stadtgrenze und stieg zum erhöht gelegenen Marienheiligtum hinauf. Wallfahrt wird damit nicht allein durch große geographische Distanz bestimmt. Entscheidend ist der rituelle Ortswechsel. Auch wenige hundert Meter können zur Pilgerreise werden, wenn Ausgangspunkt, Weg und Ziel religiös gedeutet werden.
Dieser rituelle Aufstieg wurde in Mülln schließlich sogar architektonisch gestaltet. Die Pfarrkirche besitzt eine für Salzburg außergewöhnliche gedeckte Prozessionsstiege, die aus dem tiefer gelegenen Stadtbereich zur Kirche hinaufführt.
Der obere Abschnitt entstand im Zuge der Umbauten unter Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau zu Beginn des 17. Jahrhunderts, der untere Abschnitt wurde 1707/08 ergänzt.
In den Aufstieg sind Andachtsräume und Kapellen eingebunden, darunter die Dreifaltigkeitskapelle und eine der schmerzhaften Gottesmutter gewidmete Kapelle. Der Weg zum Gnadenbild beginnt damit nicht erst an der Kirchentür. Der Pilger steigt bereits innerhalb einer sakral gestalteten Wegarchitektur nach oben. Die körperliche Anstrengung des Steigens und die religiösen Bilder des Weges verbinden sich zu einer Vorbereitung auf den Eintritt in die Kirche. Der reale topographische Höhenunterschied zwischen Stadt und Marienheiligtum wird dadurch unmittelbar erfahrbar.
Eine entscheidende Veränderung brachte das Jahr 1605. Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau berief Augustiner-Eremiten aus München nach Mülln. Sie übernahmen Kirche und Seelsorge und prägten den Ort mehr als zwei Jahrhunderte lang.
Die Augustiner übernahmen die bestehende Marienwallfahrt, brachten jedoch zugleich eigene Ordensheilige und Frömmigkeitsformen mit.
Besondere Bedeutung erhielten die heiligen Nikolaus von Tolentino und Johannes von Sahagún beziehungsweise Johannes a San Facundo.
Die ältere Marienwallfahrt blieb bestehen, während sich daneben neue Heiligenkulte und besondere Schutzfunktionen entwickelten.
Mülln war daher nicht nur ein Marienheiligtum, sondern zugleich ein bedeutender Ort augustinischer Frömmigkeit.
Besonders bemerkenswert war der Kult des Augustinerheiligen Nikolaus von Tolentino.
An seinem Festtag, dem 10. September, wurden in Mülln sogenannte Nikolausbrote gesegnet und an die Bevölkerung verteilt.
Solche gesegneten Brote besaßen nach der historischen Überlieferung besondere Schutz- und Heilkraft. In Mülln wurden sie unter anderem gegen Gicht verwendet. Bei einem Brand konnte ein Nikolausbrot ins Feuer geworfen werden, um eine weitere Ausbreitung der Flammen zu verhindern. Diese Vorstellung verbindet kirchliche Segenspraxis mit einer sehr konkreten materiellen Volksfrömmigkeit.
Der Segen blieb nicht auf den Kirchenraum beschränkt. Das Brot konnte mitgenommen, aufbewahrt und im entscheidenden Augenblick verwendet werden.
Der Gegenstand wurde damit zum transportablen Träger religiösen Schutzes.
Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo verbot diesen Brauch 1786 im Geist der kirchlichen Aufklärung als abergläubisch.
Das Verbot ist selbst ein bedeutendes volkskundliches Dokument. Es zeigt, wie weit sich kirchenamtliche Vorstellungen vernünftiger Religion und alltägliche Formen materieller Frömmigkeit im späten 18. Jahrhundert voneinander entfernt hatten.
Der heutige monumentale Hochaltar entstand 1758 bis 1760.
Er wurde aus rotem Adneter Marmor errichtet. Der Entwurf stammt von Vinzenz Fischer, die architektonische Ausführung erfolgte durch Jacob Mösl, während die plastischen Arbeiten mit Lorenz Wieser verbunden sind.
Das Entscheidende an diesem barocken Neubau ist jedoch nicht seine eigene künstlerische Form, sondern die Einbindung des wesentlich älteren spätgotischen Gnadenbildes. Die mittelalterliche Madonna blieb erhalten und wurde in das Zentrum einer neuen barocken Inszenierung gesetzt. Damit zeigt der Hochaltar eine charakteristische Eigenschaft alter Wallfahrtskirchen:
Der Stil kann sich ändern, der Kultgegenstand bleibt.
Anstatt die gotische Madonna durch ein zeitgemäßes barockes Bild zu ersetzen, wurde die neue Altararchitektur um sie herum geschaffen. Das Gnadenbild erhielt dadurch sogar eine stärkere optische Hervorhebung.
Zu bestimmten Tagen im späten Frühjahr erreicht das Licht der Abendsonne den Hochaltar besonders eindrucksvoll und hebt die Madonna hervor. Dieser Lichteffekt wird heute bewusst in Maiandachten und musikalischen Veranstaltungen wahrgenommen und religiös gedeutet. Ob eine solche Beleuchtung bereits bei der barocken Planung des Altares beabsichtigt war, lässt sich nicht sicher feststellen und sollte daher nicht behauptet werden.
Unabhängig von ihrer ursprünglichen Entstehungsabsicht ist die besondere Lichtsituation inzwischen selbst Bestandteil der heutigen Wahrnehmung des Gnadenbildes.
Auch darin zeigt sich, dass sakrale Räume ständig neue religiöse Bedeutungen aufnehmen können.
Mit Mülln verbindet sich außerdem die sogenannte Salome-Alt-Monstranz.
Salome Alt, die langjährige Lebensgefährtin Fürsterzbischof Wolf Dietrichs von Raitenau, stand mit den Müllner Augustinern in Verbindung und bat um jährliche Seelenmessen nach ihrem Tod. Teile ihres Schmuckes sollen später in eine kostbare Augsburger Monstranz eingearbeitet worden sein, die um 1720 entstand und heute im Müllner Kirchenschatz verwahrt wird.
Die Monstranz gehört zwar nicht unmittelbar zur Wallfahrt zur Mater gratiae, verweist jedoch auf eine andere wichtige Dimension frühneuzeitlicher Frömmigkeit: die Verbindung von persönlichem Besitz, Stiftung und Totengedächtnis.
Kostbarer Schmuck wurde aus seinem weltlichen Zusammenhang herausgelöst und in einen sakralen Gegenstand verwandelt.
Die große traditionelle Wallfahrt zur Müllner Madonna verlor seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Die kirchliche Aufklärung bekämpfte zahlreiche als übertrieben oder abergläubisch verstandene Frömmigkeitsformen. Gleichzeitig veränderten sich gesellschaftliche und religiöse Lebenswelten.
Auch das Ende der Augustiner-Eremiten bedeutete für Mülln einen tiefen Einschnitt.
Die Pfarre wurde 1835 der Benediktinerabtei Michaelbeuern inkorporiert, deren Mönche die Seelsorge bis heute betreuen.
Die historische Wallfahrt verschwand zwar nicht vollständig aus dem religiösen Gedächtnis, verlor jedoch ihre frühere gesellschaftliche Breite. Die Mater gratiae blieb im Mittelpunkt des Hochaltares, während der Kult um sie zunehmend Teil der regulären Pfarrfrömmigkeit wurde.
Im frühen 21. Jahrhundert erhielt die Müllner Wallfahrt jedoch eine bemerkenswerte neue Entwicklung.
Seit 2013 wird wieder eine gemeinschaftliche Wallfahrt zur Mater gratiae organisiert.
Der Weg beginnt bei der Kirche St. Erhard im Nonntal und führt über den Nonnberg, weiter durch die historische Salzburger Stadt- und Berglandschaft und schließlich zur Pfarrkirche Mülln.
Die Wallfahrt wurde unter anderem als Sänger- und Musikantenwallfahrt sowie später als Friedens- und Musikantenwallfahrt gestaltet. Mehrere hundert Menschen nehmen an diesen Wallfahrten teil. Damit ist die Wallfahrt nach Mülln heute nicht einfach als erloschen zu bezeichnen.
Es handelt sich jedoch ebenso wenig um eine seit dem Mittelalter ohne Unterbrechung unverändert fortbestehende Massenwallfahrt, sondern um eine historische, heute revitalisierte Marienwallfahrt.
Die Wiederbelebung stellt keine einfache Wiederholung mittelalterlicher oder barocker Wallfahrt dar.
Die historischen Pilger kamen mit ihren zeitgenössischen Anliegen zur Gottesmutter. Krankheit, persönliche Not, Dank, Gelübde und Sorge um das Seelenheil standen im Mittelpunkt.
Die heutige Wallfahrt nimmt diese religiöse Grundstruktur wieder auf, verbindet sie aber mit Themen wie Frieden, gemeinschaftlichem Gehen, Volksmusik, Stadtgeschichte und bewusster Erinnerung an ältere Wallfahrtstraditionen. Dadurch entsteht keine künstliche Kopie der Vergangenheit.
Eine historische Praxis, die ihre frühere gesellschaftliche Selbstverständlichkeit verloren hat, wird bewusst wieder aufgenommen und in einen gegenwärtigen Zusammenhang gestellt.
Besonders charakteristisch für die heutige Form ist die Verbindung mit Volksmusik. Dabei handelt es sich keineswegs um einen vollständigen Bruch mit älteren Wallfahrtstraditionen. Historische Wallfahrten waren regelmäßig von Klang begleitet: Gebete wurden gemeinsam gesprochen, Litaneien gesungen, Prozessionen von Musikern begleitet, Glocken kündigten Ankunft und Gottesdienst an.
Die heutige Musikantenwallfahrt greift diese alte Verbindung von Pilgerschaft und gemeinschaftlichem Klang auf und übersetzt sie in eine moderne Form. Die Musik wird damit nicht zur bloßen Unterhaltung neben der Wallfahrt, sondern zum Bestandteil des gemeinsamen religiösen Weges.
Auch der heutige Wallfahrtsweg besitzt eine besondere Qualität. Er beginnt im Nonntal, steigt über den Nonnberg hinauf, führt durch beziehungsweise über die historische Stadtlandschaft und endet schließlich bei der erhöht liegenden Kirche von Mülln. Damit wird Salzburg selbst zur Wallfahrtslandschaft. Kirchen, Klöster, Berge und alte Wege werden nicht lediglich besichtigt, sondern zu Fuß miteinander verbunden. Das Ziel bleibt die Mater gratiae.
Auch der alte Brauch um den hl. Nikolaus von Tolentino wurde in jüngerer Zeit wieder aufgenommen.
Frauen aus der Pfarre backen erneut das traditionelle "Pane di San Nicola", das am Fest des Heiligen beziehungsweise im Rahmen eines Gottesdienstes gesegnet und anschließend verteilt wird.
Dabei werden die früheren Vorstellungen von medizinischer Heilkraft oder unmittelbarer Brandabwehr heute nicht mehr in derselben Weise verstanden. Trotzdem erinnert die Segnung an eine historische Form Müllner Volksfrömmigkeit, die durch das Verbot des späten 18. Jahrhunderts lange unterbrochen war.
Die Wallfahrtskirche Mülln ist volkskundlich besonders wertvoll, weil an ihr mehrere Jahrhunderte religiösen Wandels unmittelbar sichtbar werden. Am Beginn steht eine mittelalterliche Marienkirche. Im 15. Jahrhundert entsteht mit der spätgotischen Madonna ein Gnadenbild, um das sich eine bedeutende Wallfahrt entwickelt. Das Bild selbst verändert sich mit seiner Verehrung. Es wird vergoldet, gekrönt und bekleidet und damit von den Gläubigen immer wieder neu interpretiert. Auch der Weg wird Teil des Kultes. Der Salzburger verlässt die Stadt, überschreitet ihre Grenze und steigt über die Prozessionsstiege zum erhöht gelegenen Heiligtum hinauf.
Mit den Augustiner-Eremiten treten neue Ordensheilige und neue Schutzpraktiken hinzu. Die gesegneten Nikolausbrote werden zu materiellen Trägern religiöser Hoffnung und sollen Krankheit und Feuer abwehren. Die Aufklärung bekämpft solche Formen, die traditionelle Wallfahrt verliert an Bedeutung, der Orden verschwindet. Das Gnadenbild bleibt jedoch bestehen.
Im 21. Jahrhundert wird der Wallfahrtsweg erneut begangen. Menschen ziehen singend und musizierend durch Salzburg zur Mater gratiae, während gleichzeitig ein längst verschwundener Augustinerbrauch in Form der Nikolausbrote wieder aufgenommen wird.
Die spätgotische Madonna ist heute weder bloß mittelalterliches Kunstwerk noch musealer Rest einer verschwundenen Frömmigkeit. Sie ist erneut Ziel gemeinschaftlicher Wallfahrt.
Die historische Massenwallfahrt zur Müllner Mater gratiae ging seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert stark zurück und verlor zeitweise weitgehend ihre eigenständige Bedeutung.
Seit dem frühen 21. Jahrhundert wird die Wallfahrt jedoch bewusst wiederbelebt. Gemeinschaftliche Friedens-, Sänger- und Musikantenwallfahrten führen erneut zur spätgotischen Madonna in der Müllner Pfarrkirche.
- Hahnl, Adolf: Salzburg-Mülln. Pfarrkirche Mariae Himmelfahrt. Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 80. 6., überarbeitete Auflage. Salzburg: Verlag St. Peter 2025.
- Bruckmoser, Josef / Buchwinkler, Petrus (Hg.): 525 Jahre Pfarrkirche Mülln. Dokumentation zum Fest der Kirchweih in Mülln 1453–1978. Salzburg 1978.
Darin insbesondere:
- - Hahnl, Adolf: Unsere liebe Frau von Mülln.
- - Sallaberger, Johann: Auf Pilgerfahrt vor die Stadt.
- Watteck, Nora / Hahnl, Adolf: Beiträge zum Müllner Schatzinventar aus der Zeit vor 1525.
- Hahnl, Adolf / Lebesmühlbacher, Siegfried u. a. (Hg.): Mülln. Ein Juwel erstrahlt wieder. Festschrift zur Restaurierung der Stadtpfarrkirche. Salzburg 1998.
- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München/Zürich 1982.
- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Salzburg 1986.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien.
- Brandhuber, Christoph / Koll, Beatrix / McCoy, Diana: Kochkunst und Esskultur im barocken Salzburg. Salzburg 2010. (Für den Müllner Brauch der Nikolausbrote und dessen Verbot während der Aufklärung).
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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