| Wallfahrt: | St. Koloman im Tennengau: Pfarrkirche, Kolomanikapelle, Gnadenquelle, Reliquien, Votivwesen, Kolomaniritt und Geschichte der Wallfahrt. |
| Status: | Die frühere überörtliche Wallfahrt ist erloschen; Kolomankult, Quelle, Lichterprozession und Kolomaniritt leben fort. |
| Kultzentrum: | Kolomanbild und Reliquie in der Pfarrkirche sowie die Gnadenquelle bei der Kolomanikapelle. |
| Ort: | St. Koloman |
| Region: | Tennengau |
| Bundesland: | Salzburg |
| • | Lage: Pfarrkirche zum hl. Koloman, Am Dorfplatz 28, 5423 St. Koloman. Die Pfarrkirche liegt im Ortszentrum von St. Koloman. Die Kolomanikapelle befindet sich nur wenige Schritte entfernt bei der historischen Gnadenquelle und bildet gemeinsam mit der Kirche den Kern des ehemaligen Wallfahrtsortes. |
| • | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Tennengau |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre St. Koloman |
| • | Geöffnet: tagsüber frei zugänglich. |
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| • | Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde |
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Die Pfarrkirche zum hl. Koloman und die nur wenige Schritte entfernt gelegene Kolomanikapelle mit ihrer Gnadenquelle bilden gemeinsam das historische Zentrum einer einst bedeutenden Heiligenwallfahrt im Tennengau. Im Mittelpunkt stand der hl. Koloman, ein mittelalterlicher Pilgerheiliger, dessen Verehrung sich besonders in Österreich und den angrenzenden Gebieten verbreitete und der in St. Koloman bei Krankheiten von Menschen und Tieren, bei Seuchengefahr sowie in verschiedenen körperlichen Leiden angerufen wurde. Die Wallfahrt erlebte vor allem im 17. und 18. Jahrhundert eine Blüte, ist heute als eigentliche überörtliche Wallfahrt jedoch erloschen; der Kolomankult selbst lebt im Patrozinium, in einer jährlichen Lichterprozession zur Kolomanikapelle, im Umgang mit der Quelle und im wiederbelebten Kolomaniritt weiterhin fort.
Bemerkenswert ist die räumliche Gliederung des Kultes. Die Pfarrkirche bildete das eigentliche Wallfahrtsheiligtum mit Kolomanbild und Reliquie, während die etwas tiefer gelegene Quelle einen zweiten religiösen Bezugspunkt darstellte, an dem insbesondere Heilung erwartet wurde. Die heutige Kolomanikapelle wurde erst 1827 über dieser Quelle errichtet und ist damit wesentlich jünger als die Wallfahrt selbst.
Der hl. Koloman gehört zu jenen Heiligen, deren eigene Lebensgeschichte unmittelbar mit dem Pilgern verbunden ist. Nach der mittelalterlichen Überlieferung stammte er aus Irland und befand sich auf einer Pilgerreise in Richtung des Heiligen Landes, als er im Jahr 1012 bei Stockerau aufgegriffen wurde. Wegen seiner fremden Sprache und Kleidung hielt man ihn in der unruhigen politischen Situation jener Zeit für einen Spion, misshandelte ihn und hängte ihn schließlich an einem Baum auf.
Die nachfolgende Legende berichtet von wunderbaren Erscheinungen am Leichnam des unschuldig Getöteten, dessen Körper unverwest geblieben sein soll. Schließlich wurde Koloman nach Melk überführt, wo sich sein Grab zu einem bedeutenden Verehrungsort entwickelte.
Koloman wurde dadurch selbst zu einer eigentümlichen Gestalt innerhalb der Wallfahrtskultur: Ein Pilger, der auf seinem Weg ums Leben kommt, wird nach seinem Tod zum Heiligen und schließlich selbst zum Ziel von Pilgern. Seine Darstellungen zeigen ihn daher häufig mit den typischen Attributen des Pilgers, insbesondere Mantel, Stab und Pilgerhut.
Die Kirche wurde am 8. Juni 1506 zu Ehren des hl. Koloman geweiht und gehörte zunächst als Filialkirche zur großen Mutterpfarre Kuchl. Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich St. Koloman zu einer selbständigen Pfarre.
Der heutige Ort trägt den Namen seines Kirchenpatrons und macht damit sichtbar, wie stark der Kult des Heiligen die lokale Identität geprägt hat. Die Kirche war nicht lediglich Pfarr- beziehungsweise Filialkirche einer bäuerlichen Gemeinde, sondern entwickelte sich zu einem Gnadenort, dessen Einzugsgebiet über die unmittelbare Umgebung hinausreichte.
Besonders im 17. und 18. Jahrhundert wurde St. Koloman von zahlreichen Hilfesuchenden aufgesucht. Der Heilige galt als Fürsprecher gegen Pest und andere Seuchen, bei Viehkrankheiten sowie bei verschiedenen körperlichen Beschwerden.
Überliefert ist seine Anrufung insbesondere bei Kopf-, Fuß- und Augenleiden. Damit verband die Wallfahrt unterschiedliche Bereiche menschlicher und bäuerlicher Existenz: Krankheit und körperlicher Schmerz standen neben der Bedrohung durch Epidemien und der Sorge um das Vieh, dessen Gesundheit für einen bäuerlichen Haushalt von unmittelbarer wirtschaftlicher Bedeutung war.
St. Koloman war somit kein auf eine einzige Heilindikation beschränkter Gnadenort. Der Heilige wurde vielmehr bei einem breiten Spektrum von Nöten angerufen, wobei sich innerhalb des Kultes dennoch einzelne Schwerpunkte ausbildeten.
Als ursprüngliches Gnadenbild der Wallfahrt gilt wahrscheinlich eine spätgotische Holzplastik des hl. Koloman, die heute über dem Haupteingang der Pfarrkirche angebracht ist.
Die Figur gehört zu den älteren erhaltenen Zeugnissen der Kolomanverehrung und steht damit in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Entstehung der Kirche. Dass ein früher kultisch besonders verehrtes Bild später seinen ursprünglichen Standort verlor und an einer anderen Stelle des Kirchenraumes beziehungsweise Außenbaues aufgestellt wurde, ist bei erloschenen oder stark veränderten Wallfahrten keineswegs ungewöhnlich.
Von der späteren Kolomandarstellung am Hochaltar und von der neueren Figur in der Kolomanikapelle ist diese spätgotische Plastik deshalb klar zu unterscheiden. Die verschiedenen Kolomanbilder gehören unterschiedlichen Phasen der Kultgeschichte an.
Einen bedeutenden Höhepunkt der barocken Wallfahrt bildete die Übertragung von Reliquien des hl. Koloman im Jahr 1744. Am 7. Juni wurden Partikel des Heiligen in feierlicher Prozession nach St. Koloman gebracht und in der Kirche eingesetzt.
Die Feier wurde mit großem öffentlichem Aufwand begangen. Prozession, Musik und die Beteiligung von Schützen machten die Übertragung zu einem Ereignis, das weit über die gewöhnliche Pfarrliturgie hinausging.
Reliquien besaßen für einen Wallfahrtsort besondere Bedeutung, weil durch sie nicht nur das Bild des Heiligen, sondern gewissermaßen ein materieller Teil seiner körperlichen Gegenwart am Gnadenort verfügbar wurde. Bild, Reliquie und Wallfahrt ergänzten sich dadurch gegenseitig und stärkten die religiöse Bedeutung der Kirche.
Das historische Kolomanreliquiar wird heute im Pfarrhof aufbewahrt.
Nur wenige Meter von der Pfarrkirche entfernt entspringt die Kolomanquelle, die traditionell als Gnadenquelle verehrt wurde.
Ihr Wasser galt besonders bei Augenleiden als hilfreich. Damit besaß die Wallfahrt neben dem Kirchenraum einen zweiten, unmittelbar mit körperlicher Heilung verbundenen Kultort.
Der Gebrauch des Wassers gehört zu jenen materiellen Formen der Wallfahrtsfrömmigkeit, bei denen die erhoffte Hilfe nicht nur durch Gebet und Berührung eines Kultbildes gesucht wurde. Das Wasser konnte geschöpft, auf erkrankte Körperstellen aufgetragen oder möglicherweise auch mit nach Hause genommen werden und stellte damit eine unmittelbar verfügbare Verbindung zum Gnadenort her.
Die besondere Beziehung der Quelle zu Augenleiden bildet einen engeren Schwerpunkt innerhalb der umfassenderen Kolomanverehrung, denn der Heilige selbst wurde darüber hinaus auch bei anderen körperlichen Beschwerden, Viehseuchen und epidemischen Gefahren angerufen.
Die heutige Kolomanikapelle wurde 1827 über der Gnadenquelle errichtet. Damit entstand der heute sichtbare Sakralbau erst zu einer Zeit, als die Kolomanwallfahrt bereits seit Jahrhunderten bestand.
Diese chronologische Abfolge ist wichtig. Nicht die Kapelle begründete die Wallfahrt, sondern eine bereits vorhandene Quellen- und Heiligenverehrung führte schließlich zur architektonischen Fassung des Quellenortes.
Im Fußboden beziehungsweise im unmittelbaren Bereich der Kapelle befindet sich der Brunnenschacht. Das Wasser der Kolomanquelle kann mit einer Handpumpe hochgeholt werden, wodurch die historische Funktion des Ortes bis heute unmittelbar nachvollziehbar bleibt.
Quelle und Kapelle bilden damit eine ungewöhnlich enge Einheit: Der Sakralraum wurde gewissermaßen unmittelbar über jenem Naturort errichtet, dessen Wasser seit langer Zeit mit dem Heiligen verbunden wurde.
Zur Quelle und zur Entstehung des Kultortes sind mehrere legendarische Überlieferungen bekannt, nach denen der hl. Koloman selbst den Ort seiner Verehrung bestimmt haben soll.
Solche Erzählungen gehören zum verbreiteten Motiv des Standortwillens eines Heiligen oder Kultbildes. Der sakrale Ort wird dabei nicht allein durch menschliche Entscheidung geschaffen, sondern gilt als von der verehrten himmlischen Gestalt selbst ausgewählt.
Daneben wird erzählt, dass an der Quelle zunächst eine kleinere Andachtsstätte bestanden habe und die dort eingegangenen Opfergaben schließlich den Bau einer größeren Kirche ermöglicht hätten.
Historisch lässt sich eine solche Erzählung nicht ohne weiteres als genaue Baugeschichte verwenden. Volkskundlich ist sie jedoch bemerkenswert, weil sie das Wachstum eines Gnadenortes in idealtypischer Weise erklärt: Eine als heilkräftig erfahrene Quelle zieht Hilfesuchende an, Gebetserhörungen führen zu Opfergaben, und aus dem zunächst kleinen Heiligtum entsteht durch den zunehmenden Kult schließlich eine größere Kirche.
In der Kolomanikapelle erinnern Tafeln an wunderbare Ereignisse aus der Zeit um 1630, die der Fürsprache des hl. Koloman zugeschrieben wurden.
Diese Überlieferungen sind besonders wichtig, weil sie zeigen, dass der Kult an diesem Ort lange vor Errichtung der heutigen Kapelle lebendig war. Die Kapelle von 1827 ist somit lediglich die jüngere bauliche Form eines erheblich älteren religiösen Bezugspunktes.
Mirakelerzählungen dienten auch hier nicht nur der Erinnerung an einzelne außergewöhnliche Ereignisse. Sie konnten den Ruf des Heiligen verbreiten und anderen Hilfesuchenden Vertrauen vermitteln, dass Koloman bereits in vergleichbaren Situationen geholfen habe.
Zur historischen Wallfahrt gehörten zahlreiche Votivbilder und andere Opfergaben.
Votive machten die Beziehung zwischen Pilger und Heiligem sichtbar. Wer in Krankheit oder Not Hilfe erbeten und anschließend eine Besserung erfahren hatte, konnte durch Bild, Kerze, Geldgabe oder einen anderen Gegenstand seinen Dank ausdrücken und zugleich öffentlich bezeugen, dass er die erfahrene Hilfe der Fürsprache Kolomans zuschrieb.
Gerade in einer Heilungswallfahrt konnten sich dadurch im Umfeld des Kultbildes oder der Quelle ganze Sammlungen materieller Zeugnisse ansammeln. Sie wirkten wiederum auf nachfolgende Pilger zurück, denen vor Augen geführt wurde, dass andere Menschen an diesem Ort bereits Hilfe erfahren zu haben glaubten.
Auch das Umfeld der Quelle war in den Kult eingebunden. Die Fluren im Bereich der Kolomanquelle wurden als "Brunnfeld" bezeichnet, und ältere Nachrichten berichten von Prozessionen in diesem Bereich.
Damit bestand der historische Wallfahrtsraum nicht lediglich aus zwei Gebäuden. Pfarrkirche, Weg zur Quelle, Kolomanikapelle, Brunnen und das umgebende Brunnfeld bildeten gemeinsam eine kleine sakrale Landschaft.
Für den Pilger bedeutete der Besuch somit Bewegung zwischen mehreren religiösen Orten: Verehrung des Heiligen in der Kirche, Gang zur Quelle, Verwendung des Wassers und möglicherweise Teilnahme an Prozessionen im Umfeld des Heiligtums.
Gerade St. Koloman zeigt besonders anschaulich, dass Wallfahrt nicht nur im Ankommen vor einem Altar bestand.
Die Bewegung von der Kirche zur etwas tiefer gelegenen Quelle verband unterschiedliche Formen religiösen Handelns miteinander. Im Kirchenraum begegnete man Bild, Reliquie, Messe und Beichte, an der Quelle dagegen dem Wasser, dem Naturort und einer stärker körperbezogenen Erwartung von Heilung.
Die Wallfahrt erschloss damit einen größeren sakralen Raum, dessen einzelne Stationen unterschiedliche Funktionen besaßen.
Am 15. Dezember 1768 wurde die Kirche durch einen schweren Brand weitgehend zerstört. Die Wiederherstellung erstreckte sich über einen langen Zeitraum, bevor das Gotteshaus 1805 neuerlich geweiht werden konnte.
Der heutige Kirchenraum trägt deshalb wesentlich die Spuren dieser nachbarocken Erneuerung. Die historische Kultlandschaft der großen Wallfahrtszeit lässt sich nicht mehr vollständig aus der gegenwärtigen Ausstattung ablesen.
Im Hochaltar erscheint der hl. Koloman weiterhin als Pilger in himmlischer Glorie, während das zentrale Altarbild beziehungsweise die heutige Ausstattung auch starke marianische Akzente besitzt.
Im Jahr 1975 wurde die Kolomanikapelle grundlegend umgestaltet und als Lourdesgrotte eingerichtet.
Dieser Vorgang ist volkskundlich besonders bemerkenswert, weil dadurch ein alter lokaler Heiligen- und Quellenkult zeitweise von einer international verbreiteten Form marianischer Frömmigkeit überlagert wurde. Seit den Erscheinungen von Lourdes im 19. Jahrhundert entstanden in unzähligen europäischen Pfarren Lourdesgrotten, in denen ebenfalls Maria, Heilung und Wasser eng miteinander verbunden waren.
Gerade an einem bereits bestehenden Quellenheiligtum lag eine solche Umdeutung offensichtlich nahe.
Dennoch bedeutete die Lourdesgestaltung eine deutliche Verschiebung der lokalen religiösen Identität: Aus der Kolomanquelle wurde zeitweise ein marianisch geprägter Andachtsort.
Um die Jahrtausendwende wurde die Kapelle renoviert und wieder stärker dem hl. Koloman gewidmet.
Damit erfolgte eine bemerkenswerte Rückbesinnung auf die eigene lokale Kultgeschichte. An die Stelle einer austauschbaren Lourdesfrömmigkeit trat wieder jener Heilige, dessen Name seit Jahrhunderten mit Ort, Kirche und Quelle verbunden ist.
Die heute in der Kapelle aufgestellte Kolomanfigur stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und ist daher nicht mit dem wahrscheinlichen spätgotischen Gnadenbild der historischen Wallfahrt gleichzusetzen.
Die einst bedeutende überörtliche Kolomanwallfahrt besteht heute nicht mehr.
St. Koloman wird nicht mehr in jener Form von größeren Pilgerzügen aufgesucht, wie dies während der barocken Blütezeit der Fall war. Die historische Wallfahrt ist daher als erloschen einzustufen.
Damit ist der Kolomankult jedoch keineswegs verschwunden. Gerade St. Koloman zeigt besonders deutlich, dass der Niedergang einer Wallfahrt nicht zwangsläufig das Ende aller mit ihr verbundenen religiösen Bräuche bedeutet.
Der liturgische Gedenktag des hl. Koloman wird am 13. Oktober gefeiert.
Bis heute besitzt dieser Tag im Ort besondere Bedeutung. Die Verehrung des Heiligen verbindet damit kirchliche Liturgie, lokale Identität und Erinnerung an die frühere Wallfahrt.
Dass der gesamte Ort den Namen des Heiligen trägt, macht diese fortdauernde Bedeutung besonders sichtbar: Der Wallfahrtskult mag zurückgegangen sein, der Heilige selbst blieb jedoch Bestandteil der örtlichen Identität.
Am Kolomanitag findet weiterhin eine Lichterprozession zur Kolomanikapelle statt.
Gerade dieser Brauch ist für die Geschichte des ehemaligen Wallfahrtsortes besonders aussagekräftig, weil die alte religiöse Bewegung zwischen Pfarrkirche und Quelle bis heute nachvollzogen wird. Die Gläubigen verlassen den Kirchenraum und ziehen gemeinsam zu jenem Platz, dessen Wasser über Jahrhunderte mit der Hilfe des Heiligen verbunden wurde.
Damit lebt ein wesentlicher Bestandteil der historischen Kulttopographie fort, obwohl die eigentliche Wallfahrt erloschen ist.
Eine weitere besonders auffällige Form des fortlebenden Kolomankultes ist der Kolomaniritt mit Pferdesegnung.
Der Brauch knüpft an die traditionelle Beziehung des Heiligen zur bäuerlichen Bevölkerung und zum Schutz der Tiere an. Gerade weil Koloman auch gegen Viehseuchen angerufen wurde, besitzt die Einbeziehung von Pferden in den Festbrauch einen deutlichen inhaltlichen Bezug zur älteren Kulttradition.
Der Kolomaniritt wird nicht jedes Jahr durchgeführt und war zeitweise längere Zeit unterbrochen. In jüngerer Zeit wurde der Brauch jedoch erneut aufgenommen.
Er sollte deshalb nicht als unverändert fortbestehendes Relikt der barocken Wallfahrt beschrieben werden, sondern als historische Tradition, die in veränderter und teilweise wiederbelebter Form an den alten Kolomankult anknüpft.
Die Segnung der Pferde stellt eine unmittelbare Verbindung zwischen religiösem Kult und Tierhaltung her.
Für die bäuerliche Bevölkerung gehörte der Schutz des Viehs zu den existenziellen Anliegen. Tiere waren Arbeitskraft, Transportmittel und Vermögen eines Hofes zugleich, sodass Krankheit oder Verlust erhebliche wirtschaftliche Folgen haben konnten.
Der Tiersegen war deshalb nicht bloß symbolische Folklore, sondern Ausdruck einer Lebenswelt, in der Wohlergehen von Mensch und Tier eng miteinander verbunden waren.
Zum Kolomaniritt gehört auch das sogenannte Kranzlstechen, bei dem Reiter versuchen, im Vorbeireiten einen aufgehängten Kranz aufzunehmen beziehungsweise mit einem Stab zu treffen.
Dieser Brauch besitzt heute zugleich religiösen, sportlichen und festlichen Charakter und zeigt, wie sich aus einem historischen Heiligenfest neue beziehungsweise weiterentwickelte Formen gemeinschaftlicher Volkskultur bilden können.
Auch hier gilt, dass die gegenwärtige Ausgestaltung nicht einfach als unveränderte mittelalterliche oder barocke Tradition verstanden werden darf. Entscheidend ist vielmehr, dass der hl. Koloman weiterhin Mittelpunkt eines örtlichen Festes bleibt, in dem Tiersegen, Reiten und Gemeinschaft miteinander verbunden sind.
St. Koloman besitzt eine für einen kleineren historischen Wallfahrtsort ungewöhnlich differenzierte Infrastruktur.
Zur Pfarrkirche mit Gnadenbild und Reliquie kommt die eigene Gnadenquelle, über der später eine Kapelle errichtet wurde; der Brunnenschacht ermöglicht die unmittelbare Entnahme des Wassers, Votivgaben erinnerten an Gebetserhörungen, und das umgebende Brunnfeld wurde in Prozessionen einbezogen.
Der Pilger begegnete damit nicht nur einem Altar, sondern einem zusammenhängenden Ensemble aus Kirche, Bild, Reliquie, Quelle, Kapelle, Wasser und Weg.
Gerade diese Verbindung materieller, räumlicher und ritueller Elemente macht St. Koloman zu einem besonders anschaulichen Beispiel historischer Wallfahrtskultur.
Die Kolomanquelle verdient innerhalb dieses Systems besondere Aufmerksamkeit, weil sie das Heilsversprechen des Wallfahrtsortes in eine unmittelbar verwendbare materielle Form überführte.
Während das Kultbild betrachtet und die Reliquie verehrt werden konnte, ließ sich das Wasser berühren, auf den Körper auftragen und möglicherweise mitnehmen. Der religiöse Schutz verließ damit gewissermaßen den eigentlichen Wallfahrtsort und konnte in den häuslichen Alltag übertragen werden.
Gerade bei Augenleiden besaß dieses Wasser besondere Bedeutung. Solche Quellenbräuche gehören zu den körpernahesten Formen historischer Wallfahrtsfrömmigkeit, weil religiöse Erwartung und praktische Handlung unmittelbar ineinandergreifen.
St. Koloman gehört zu den besonders vielschichtigen ehemaligen Wallfahrtsorten des Tennengaus, weil hier die Verehrung eines Heiligen mit Bild, Reliquie, Heilquelle, Votivwesen, Tiersegen und Prozessionsbrauch verbunden wurde.
Der hl. Koloman besitzt dabei selbst eine besondere Beziehung zum Thema Wallfahrt: Als irischer Pilger, der auf seiner Reise den Tod fand und anschließend zum Heiligen wurde, verwandelte sich der Pilger zum Ziel anderer Pilger.
In St. Koloman wurde er bei menschlichen Krankheiten, Pest und Viehseuchen angerufen, während die Gnadenquelle insbesondere mit Augenleiden verbunden war. Kirche und Quelle erfüllten damit unterschiedliche, aber eng aufeinander bezogene Funktionen.
Das 1744 feierlich übertragene Reliquienpartikel verstärkte die körperliche Gegenwart des Heiligen im Kirchenraum, während das Wasser der Quelle eine andere Form materieller Nähe ermöglichte. Votivgaben wiederum dokumentierten die von den Pilgern erfahrene oder erhoffte Hilfe.
Auch die Veränderungen des 20. Jahrhunderts sind kulturgeschichtlich aufschlussreich. Die zeitweilige Umgestaltung der Kolomanikapelle zur Lourdesgrotte zeigt die Verdrängung eines lokalen Kultes durch eine international verbreitete marianische Frömmigkeitsform, während die spätere Rückkehr zur Kolomanverehrung als bewusste Wiederaneignung der eigenen örtlichen Tradition verstanden werden kann.
Obwohl die eigentliche Wallfahrt heute erloschen ist, lebt der Kult in bemerkenswerter Dichte fort. Kolomanitag, Lichterprozession, Quelle, Pferdesegnung und Kolomaniritt zeigen, dass ein Wallfahrtsort seine religiöse und volkskulturelle Bedeutung auch dann nicht vollständig verlieren muss, wenn die früheren Pilgerströme längst verschwunden sind.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg.
- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München 1982.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Wien 1956.
- Dokumentationen der Pfarre St. Koloman zur Pfarrkirche, Kolomanikapelle, Kolomanquelle und zum Kolomanitag.
- Regionalgeschichtliche und volkskundliche Darstellungen zur Kolomanwallfahrt, zu den Mirakelüberlieferungen, zum Kolomaniritt und zur Pferdesegnung.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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