| Wallfahrt: | Radstadt: Maria Loreto ob den Lerchen – barocke Wallfahrtskirche, Loreto-Kult, Gnadenbild, Goldene Samstage, Bittgänge und heutige Marienverehrung. |
| Status: | Historisch bedeutende Loreto-Wallfahrt; die große überörtliche Wallfahrt ist stark zurückgegangen, Marienverehrung und liturgische Nutzung bestehen fort. |
| Kultzentrum: | Geschnitzte Muttergottes mit dem Jesuskind aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. |
| Ort: | Radstadt |
| Region: | Pongau |
| Bundesland: | Salzburg |
| • | Lage: bei Loretostraße 30, 5550 Radstadt. |
| • | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pongau |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Radstadt |
| • | Geöffnet: Die Kirche ist außerhalb liturgischer Veranstaltungen nur eingeschränkt zugänglich. Der eigentliche Kirchenraum wird grundsätzlich zu Gottesdiensten geöffnet. Ein Eingangsbereich bleibt jedoch zugänglich und ermöglicht einen Blick in den Kirchenraum sowie das Entzünden von Kerzen. |
| • | Bilddokumentation - derzeit noch keine Fotos vorhanden |
| • | Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde |
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Die Filial- und Wallfahrtskirche Maria Loreto ob den Lerchen liegt nordwestlich der Altstadt von Radstadt auf einer Anhöhe oberhalb von Schloss Lerchen. Der kleine barocke Sakralbau entstand im 17. Jahrhundert zunächst als adelige Stiftung, entwickelte sich jedoch bald zu einem regional bedeutenden Marienwallfahrtsort. Mittelpunkt der Verehrung ist eine geschnitzte Muttergottes mit dem Jesuskind aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Besonders an den sogenannten Goldenen Samstagen wurde Maria Loreto von zahlreichen Wallfahrern aufgesucht; auch aus den umliegenden Gemeinden führten regelmäßig Bittgänge zur Kirche.
Die große überörtliche Wallfahrt ist heute stark zurückgegangen. Die Kirche wird jedoch weiterhin liturgisch genutzt, das Patrozinium wird gefeiert, und die örtliche Marienverehrung ist nicht erloschen. Maria Loreto ob den Lerchen ist daher als historischer Wallfahrtsort mit weiterhin lebendigem religiösem Brauchtum einzuordnen.
Die Kirche wurde 1677 von Johann Christoph Ciurletti gestiftet. Die Familie Ciurletti stammte aus Rovereto im heutigen Trentino und war im Umfeld des Salzburger Fürsterzbischofs Paris Graf Lodron nach Salzburg gekommen. Johann Christophs Vater Joseph Christoph Ciurletti hatte 1648 Schloss Lerchen bei Radstadt erworben.
Johann Christoph Ciurletti und seine Frau Helena Teufl von Pichl blieben kinderlos. Mit der Stiftung von Maria Loreto schufen sie daher nicht nur einen Ort der Marienverehrung, sondern zugleich eine dauerhafte Gedächtnisstiftung für die eigene Familie. Der Kirchenbau stand damit von Beginn an in engem Zusammenhang mit der Vorstellung des Seelenheiles, des dauernden Gebetsgedenkens und der religiösen Verantwortung eines wohlhabenden Stifters gegenüber der Bevölkerung.
Diese Verbindung wurde im Testament Ciurlettis von 1695 institutionell abgesichert. Die Stadt Radstadt wurde als Erbin eines Teiles seines Besitzes eingesetzt. Aus den Erträgen sollten ein Benefiziat finanziert, regelmäßig Gottesdienste in Maria Loreto gefeiert, die Kirche erhalten und auch Arme unterstützt werden. Vorgesehen waren insbesondere Messen am Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Der Bau entstand damit zunächst als adelige Stiftungs- und Andachtskirche. Erst im weiteren Verlauf entwickelte sich aus der lokalisierten Loretoverehrung eine breitere öffentliche Wallfahrt.
Die zunehmende Bedeutung des Heiligtums wird daran sichtbar, dass Maria Loreto im 18. Jahrhundert über den ursprünglichen Kapellenstatus hinauswuchs. 1750 verlieh Fürsterzbischof Andreas Jakob Graf Dietrichstein dem Gotteshaus die Rechte einer Kirche mit geweihten Altären.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits eine Wallfahrt herausgebildet. Menschen aus Radstadt und den umliegenden Gemeinden suchten Maria Loreto regelmäßig auf, besonders im Rahmen gemeinschaftlicher Bittgänge. Der einst private oder halbprivate Stiftungscharakter war damit weitgehend in einen öffentlichen religiösen Kult übergegangen.
Gerade diese Entwicklung ist für Maria Loreto charakteristisch: Anders als bei vielen älteren Wallfahrtsorten steht am Anfang keine Wundererzählung, keine Marienerscheinung, keine Heilquelle und kein aufgefundenes Gnadenbild. Ausgangspunkt war vielmehr eine bewusst geschaffene Stiftung, die einen bereits international verbreiteten Marienkult nach Radstadt übertrug. Erst durch die wiederholte Aneignung durch die Bevölkerung wurde daraus ein regionaler Wallfahrtsort.
Der Name der Kirche verweist auf den berühmten italienischen Wallfahrtsort Loreto in den Marken. Mittelpunkt der dortigen Verehrung ist die Santa Casa, das „Heilige Haus“, das nach der Legende das Wohnhaus Mariens in Nazareth gewesen sein soll.
Die Überlieferung erzählt, Engel hätten das Haus im ausgehenden 13. Jahrhundert aus dem Heiligen Land zunächst an die Adriaküste und schließlich nach Loreto übertragen. Dort entwickelte sich eines der bedeutendsten Marienheiligtümer Europas.
Im 16. und 17. Jahrhundert breitete sich der Loreto-Kult besonders stark im katholischen Mitteleuropa aus. Zahlreiche Kirchen und Kapellen wurden nach dem italienischen Vorbild benannt, Kopien des Gnadenbildes verbreitet und eigene regionale Wallfahrtszentren geschaffen.
Maria Loreto ob den Lerchen gehört in diesen Zusammenhang. Der internationale Kult wurde in Radstadt durch eine private Stiftung gleichsam lokalisiert und in die religiöse Landschaft des Pongaues übertragen. Die Herkunft der Stifterfamilie aus dem italienischsprachigen beziehungsweise italienisch geprägten Raum des Trentino fügt sich dabei bemerkenswert in diesen Zusammenhang, ohne dass daraus unmittelbar auf eine persönliche Wallfahrt Ciurlettis nach Loreto geschlossen werden kann.
Mittelpunkt der Verehrung ist eine geschnitzte Muttergottes mit dem Jesuskind aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Sie steht im Zentrum des um 1740 entstandenen barocken Hochaltares.
Vier Engel umgeben die Madonna und verstärken den Eindruck einer himmlischen Erscheinung. Die Inszenierung bindet das ältere Gnadenbild in die barocke Altararchitektur ein und stellt Maria als zentrale Fürsprecherin des Heiligtums heraus.
Ein besonders anschaulicher Beleg für die frühere Verbreitung des Kultes hat sich außerhalb Radstadts erhalten. Das Österreichische Museum für Volkskunde bewahrt einen Gebets- und Wallfahrtszettel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, der „Maria Loreto ob den Lerchen bei Radstadt“ ausdrücklich als Gnadenort zeigt. Das Blatt stellt die Muttergottes mit dem Jesuskind in einem kegelförmig ausladenden Gnadenmantel dar, daneben die Kirche und die umgebende Gebirgslandschaft.
Solche Andachtsdrucke waren für die Verbreitung eines Wallfahrtskultes von großer Bedeutung. Sie konnten nach dem Besuch des Heiligtums mitgenommen, zu Hause aufbewahrt, in Gebetbücher eingelegt oder weitergegeben werden. Das Gnadenbild verließ auf diese Weise gewissermaßen seinen ursprünglichen Standort und wurde als gedrucktes Andachtsbild in die private religiöse Lebenswelt der Wallfahrer übertragen.
Von besonderer Bedeutung für die Radstädter Wallfahrt waren die sogenannten Goldenen Samstage. An diesen herbstlichen Wallfahrtstagen kamen besonders viele Gläubige nach Maria Loreto.
Die Goldenen Samstage gehören zu einer älteren süddeutsch-österreichischen Marientradition und werden regional unterschiedlich bestimmt. Häufig handelt es sich um drei Samstage im Herbst, die mit intensiver Marienverehrung, Wallfahrten und besonderen Gottesdiensten verbunden waren.
Ihre Lage im bäuerlichen Jahreslauf ist bemerkenswert. Der Herbst war jene Zeit, in der ein wesentlicher Teil der Feld- und Erntearbeit abgeschlossen war. Damit bestand wieder größere zeitliche Möglichkeit für Bitt- und Dankwallfahrten. Religiöser Jahreslauf und bäuerlicher Arbeitskalender griffen auf diese Weise ineinander.
Für Maria Loreto ob den Lerchen wurden die Goldenen Samstage zu den wichtigsten Wallfahrtsterminen. Gemeinsam mit den regelmäßigen Bittgängen aus den umliegenden Gemeinden prägten sie über lange Zeit die öffentliche Wahrnehmung des Heiligtums.
Neben individuellen Besuchern wurde Maria Loreto auch im Rahmen gemeinschaftlicher Bittgänge aufgesucht. Solche Prozessionen führten aus den umliegenden Gemeinden nach Radstadt und verbanden den einzelnen Wallfahrtsort mit einem größeren regionalen Netz religiöser Wege.
Bittgänge waren insbesondere in bäuerlich geprägten Regionen von großer Bedeutung. Man bat um gedeihliches Wetter, Schutz vor Unwetter, eine gute Ernte, Bewahrung vor Krankheiten oder um Hilfe bei anderen kollektiven Gefährdungen. Die Teilnahme einer ganzen Dorfgemeinschaft machte aus dem religiösen Anliegen eine gemeinschaftliche Handlung.
Maria Loreto besaß damit nicht nur Bedeutung für persönliche Marienverehrung, sondern auch für die religiöse Ordnung des regionalen Jahreslaufes.
Maria Loreto ist ein kleiner barocker Saalbau. Der zweijochige Innenraum wird von einem Kreuzgewölbe überspannt und geht in einen gerade geschlossenen Chor über. Im zweiten Joch erweitern seitliche segmentbogige Nischen den Raum und nehmen die Seitenaltäre auf. Im Westen befindet sich eine Empore.
Äußerlich wird der Bau durch einen kleinen Giebelturm mit Laterne und Zwiebelhelm akzentuiert. Trotz seiner bescheidenen Größe besitzt die Kirche damit jene charakteristische barocke Silhouette, die sie von der umgebenden Landschaft deutlich abhebt.
Der Hochaltar entstand um 1740. Im Zentrum steht das verehrte Marienbild, das von Engeln umgeben wird.
Auch die beiden Seitenaltäre stammen ungefähr aus dieser Zeit. Der linke zeigt die heilige Anna mit Maria und dem Jesuskind sowie Joachim und Joseph. Der rechte ist dem heiligen Rupert, dem Salzburger Landespatron, gewidmet.
Teile der historischen Figuren werden heute aus Sicherheitsgründen nicht dauerhaft in der Kirche aufbewahrt.
Die Lage unmittelbar oberhalb von Schloss Lerchen ist für die Geschichte des Heiligtums von besonderer Bedeutung. Schloss und Kirche bildeten ursprünglich einen zusammengehörenden herrschaftlichen und religiösen Raum.
Der Stifter lebte in unmittelbarer Nähe seines Heiligtums; zugleich öffnete er die von ihm errichtete Andachtsstätte zunehmend für die Bevölkerung. Dadurch wurde ein privater Herrschaftsraum in einen öffentlichen sakralen Raum überführt.
Noch heute macht die topographische Verbindung zwischen Schloss und Kirche diese Entstehungsgeschichte sichtbar. Die Wallfahrtskirche ist daher nicht nur ein religiöses Einzeldenkmal, sondern zugleich Bestandteil einer historischen Kulturlandschaft aus adeliger Residenz, Stiftung und öffentlicher Marienverehrung.
Volkskundlich besonders bemerkenswert ist die Veränderung der Funktion des Ortes. Johann Christoph Ciurletti errichtete Maria Loreto wesentlich aus dem Gedanken der Stiftung, des Seelenheiles und des dauernden Gebetsgedenkens. Die Bevölkerung eignete sich diesen vorgegebenen Kultort jedoch zunehmend selbst an.
Durch Bittgänge, Wallfahrten, Gebete, Opfergaben und Andachtsbilder wurde aus der adeligen Stiftung ein öffentlicher Gnadenort. Dieser Vorgang zeigt, dass Wallfahrten nicht zwangsläufig spontan um ein als wundertätig empfundenes Objekt entstehen mussten. Sie konnten ebenso aus einer gezielt begründeten religiösen Einrichtung hervorgehen, sofern diese von der Bevölkerung als wirksamer Andachtsort angenommen wurde.
Gerade der Loreto-Kult eignete sich für eine solche Übertragung. Das berühmte italienische Heiligtum diente als religiöses Vorbild und verlieh auch kleineren lokalen Nachbildungen einen Teil seiner symbolischen Autorität. Der weit entfernte internationale Wallfahrtsort erhielt dadurch eine regionale Entsprechung.
Der erhaltene Wallfahrtszettel aus dem 19. Jahrhundert verweist auf eine weitere wichtige Ebene des Kultes. Gedruckte Gnadenbilder ermöglichten es, die Erinnerung an die Wallfahrt über den eigentlichen Besuch hinaus fortzuführen.
Ein solches Bild konnte im Wohnhaus angebracht, im Gebetbuch verwahrt oder in persönlicher Not erneut betrachtet werden. Damit wurde das Gnadenbild aus Maria Loreto in den Alltag des Wallfahrers übernommen.
Andachtsbilder hatten daher eine doppelte Funktion. Sie erinnerten an den besuchten Wallfahrtsort und verlängerten zugleich dessen religiöse Wirkung in den privaten Bereich. Ihre Verbreitung ist ein wichtiges Indiz dafür, dass ein Heiligtum über seine unmittelbare Umgebung hinaus wahrgenommen wurde.
Die frühere Bedeutung von Maria Loreto als Ziel größerer regionaler Bittgänge und Wallfahrten ist deutlich zurückgegangen. Die alten gemeindeweisen Wallfahrten werden heute nicht mehr in jener Form und Regelmäßigkeit gepflegt, wie sie für frühere Jahrhunderte überliefert sind.
Die religiöse Nutzung der Kirche besteht jedoch fort. Das Patrozinium Mariä Verkündigung am 25. März wird weiterhin gefeiert. Auch Maiandachten, Rosenkranzgebete und andere Marienandachten verbinden die heutige Nutzung mit der historischen Funktion des Gotteshauses.
Die Kirche ist zudem Ausgangspunkt beziehungsweise Station einzelner kirchlicher Prozessionen. Damit ist Maria Loreto keineswegs zu einem rein musealen Denkmal geworden.
Für die heutige Einordnung erscheint daher die Bezeichnung als historischer Wallfahrtsort mit stark zurückgegangener eigentlicher Wallfahrt, aber weiterhin lebendiger örtlicher Marienverehrung am zutreffendsten.
Maria Loreto ob den Lerchen vereinigt mehrere für die Wallfahrtsforschung wichtige Erscheinungen.
Am Anfang steht die Übertragung eines international verbreiteten Kultes. Die Verehrung der Madonna von Loreto wurde von Italien nach Salzburg übertragen und in Radstadt durch einen eigenen Kirchenbau verankert.
Dazu tritt die adelige Stiftungskultur des 17. Jahrhunderts. Der Bau sollte dem Seelenheil und dem dauernden Gedächtnis eines kinderlosen Stifterehepaares dienen, wurde jedoch zunehmend von der Bevölkerung übernommen und in die eigene religiöse Praxis integriert.
Die Goldenen Samstage und die Bittgänge verbanden das Heiligtum mit dem bäuerlichen Jahreslauf und machten die Kirche zu einem regionalen Treffpunkt gemeinschaftlicher Frömmigkeit.
Schließlich belegen Andachtsdrucke die Verbreitung des Gnadenbildes über den eigentlichen Kultort hinaus. Maria Loreto wurde dadurch nicht nur besucht, sondern in Form eines Bildes auch mitgenommen und im persönlichen Lebensbereich weiter verehrt.
Die Geschichte der Kirche zeigt damit besonders anschaulich, wie sich ein von oben gestifteter und bewusst importierter Kult durch die Nutzung der Bevölkerung in einen eigenständigen regionalen Wallfahrtsort verwandeln konnte.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986.
- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München–Zürich 1982.
- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Katalog der 11. Sonderschau des Dommuseums, Salzburg 1986.
- Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien: Gebets- und Wallfahrtszettel „Maria Loreto ob den Lerchen bei Radstadt“, Mitte 19. Jahrhundert, Sammlung Gustav Gugitz.
- Pfarrverband Radstadt: Informationen zur Filial- und Wallfahrtskirche Maria Loreto und zur gegenwärtigen kirchlichen Nutzung.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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