Puch bei Hallein, St. Jakob am Thurn - Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Jakobus d. Ä.

Schnellüberblick
Wallfahrt:Alte Jakobuswallfahrt mit mittelalterlichen Wurzeln, eigener Jakobusbruderschaft und einer bedeutenden barocken Wiederbelebung im 18. Jahrhundert.
Status:Lebendiger regionaler Wallfahrts- und Pilgerort; der Jakobikirtag mit Festmesse und Prozession, Bittgänge sowie weitere kirchliche Bräuche werden bis heute gepflegt.
Kultzentrum:Die Verehrung des Apostels Jakobus des Älteren mit seiner Reliquie am Hochaltar und der barocken Prozessionsfigur "Thurnberger Jockei"; ein zweites Kultzentrum bildet seit 1754 die Loreto-Kapelle mit der Schwarzen Madonna.
Ort:St. Jakob am Thurn, Gemeinde Puch bei Hallein.
Bezirk/Region:Bezirk Hallein, Tennengau.
Bundesland:Salzburg.
Lage und Besuch
Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Jakobus d. Ä., St. Jakob Dorf 11, 5412 St. Jakob am Thurn, Gemeinde Puch bei Hallein.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburg
Ansicht in Street View (Luftbild)
Pfarre: St. Jakob am Thurn im Pfarrverband Hallein+.
Öffnungszeiten: Kirche und Loreto-Kapelle sind tagsüber für Besucher und Gläubige geöffnet; die Innenräume können bis zu den abgeschlossenen Gittern betreten werden.
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Bilddokumentation
Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

Jakobiprozession in St. Jakob am Thurn am 31. Juli 1966. Die historische Aufnahme dokumentiert die große Beteiligung der örtlichen Bevölkerung und die mitgetragenen Prozessionsfiguren.

Jakobiprozession in St. Jakob am Thurn 1966

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Die Jakobiprozession von 1966 beim barocken Figurenbildstock des hl. Johannes Nepomuk am Kirchplatz von St. Jakob am Thurn.

Jakobiprozession beim hl. Johannes Nepomuk in St. Jakob am Thurn 1966

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Aufführung des Jakobischützentanzes am 31. Juli 1966. Die Aufnahme zeigt die Jakobischützen in ihrer charakteristischen Festkleidung vor einer großen Zuschauermenge.

Jakobischützentanz in St. Jakob am Thurn 1966

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Lage und Ensemble

St. Jakob am Thurn liegt auf einer Anhöhe östlich des Salzachtales in der Gemeinde Puch bei Hallein. Das kleine Ortszentrum wird von der Pfarr- und Wallfahrtskirche, dem Pfarrhof und dem namensgebenden mittelalterlichen Wohnturm geprägt. In unmittelbarer Nähe liegen der St. Jakober Weiher, das Jakobsbrünnlein und der barocke Figurenbildstock des hl. Johannes Nepomuk von 1744. Der südlich der Kirche gelegene Friedhof mit seinen schmiedeeisernen Grabkreuzen fügt sich in das geschlossene kirchliche Ensemble ein.

Geschichte

Die Anfänge der Kirche reichen in das Hochmittelalter zurück. Im Jahr 1238 übergab Ritter Wernher von Lengenfelden, der Stammvater der späteren Herren von Thurn, eine Kirche bei seinem damals als Vrimoos bezeichneten Turm dem Benediktinerstift St. Peter in Salzburg. Mit der Übergabe waren die Unterhaltung eines ewigen Lichtes und die Feier einer wöchentlichen Messe verbunden. Die Kirche und der unmittelbar benachbarte Turm standen damit von Anfang an in enger Beziehung zur adeligen Familie, deren Verehrung des Apostels Jakobus auch an anderen Stiftungen nachweisbar ist.

1324 wurde eine neu errichtete Kirche zu Ehren der Heiligsten Dreifaltigkeit, Unserer Lieben Frau und des Apostels Jakobus des Älteren geweiht. Die Verleihung von Ablässen an das Gotteshaus förderte bereits im 14. Jahrhundert eine stärkere Pilgerbewegung. Im Zusammenhang mit dieser Wallfahrt entstand eine Jakobusbruderschaft, deren mittelalterliche Aufgabe nicht allein im Gebet lag, sondern auch in der Fürsorge und Betreuung von Wallfahrern. Um 1476, während der Bedrohung des Erzstiftes durch türkische Einfälle, erfuhr die Verehrung des Kirchenpatrons einen weiteren Aufschwung.

In der frühen Neuzeit verlor die Wallfahrt zunächst an Bedeutung. Erst im 18. Jahrhundert kam es unter der gräflichen Familie Plaz und ihren Verwaltern zu einer gezielten Wiederbelebung des Kultes. Diese Epoche prägt bis heute einen wesentlichen Teil der Ausstattung, des Prozessionswesens und des örtlichen Brauchtums.

Baugeschichte und Ausstattung

Die heutige Kirche enthält Bauteile verschiedener Epochen. Der Hochaltar wurde 1698 errichtet. Auf ihm befindet sich in einem verglasten Behältnis eine kleine Messingkartusche mit einer Reliquie des Apostels und Kirchenpatrons Jakobus. 1710/11 begann ein Neubau des Kirchturmes, 1731 wurde die Kirche erweitert. Aus dem Jahr 1738 stammt das kunstvolle Rokokogitter, das den Hauptraum vom rückwärtigen Zugangsbereich trennt. 1753 erhielt der Turm eine Glocke des Salzburger Glockengießers Johann Georg Leschinger.

Der Turm musste 1786 wegen Baufälligkeit neuerlich hergestellt werden; die Arbeiten führte der Salzburger Hofbauverwalter Wolfgang Hagenauer aus. 1891 wurde St. Jakob am Thurn zur selbständigen Pfarre erhoben. Bei einem Umbau und einer Erweiterung von 1960 bis 1963 unter Otto Prossinger kamen im Langhaus Reste romanischer Wandmalereien zum Vorschein. Kirche, Loreto-Kapelle und Pfarrhof wurden 1985 bis 1987 grundlegend saniert. Seit 2001 besitzt die Kirche eine von der Schweizer Firma Metzler gebaute Orgel, die nach dem langjährigen Pfarrer und Initiator des Neubaus Florian Buchmayr benannt ist.

Zu den wichtigsten Kult- und Prozessionsgegenständen gehört der sogenannte "Thurnberger Jockei", eine etwa 94 Zentimeter hohe barocke Jakobusfigur von 1738. Der Heilige trägt Pilgerkleidung mit Mantel und Pilgerhut und wird beim Jakobikirtag sowie zu Fronleichnam in der Prozession mitgeführt. In derselben Vitrine wird eine Schwarze Prozessionsmadonna verwahrt, die von jungen Frauen in Tennengauer Festtracht getragen wird. Am rechten Seitenaltar befindet sich außerdem eine kunstvoll gearbeitete Elfenbeinstatuette des hl. Jakobus, die im 18. Jahrhundert aus dem fürsterzbischöflichen Umfeld in die Wallfahrtskirche gelangte.

Die Jakobuswallfahrt

St. Jakob am Thurn ist nicht bloß eine Kirche an einem Jakobsweg, sondern ein historischer Wallfahrtsort mit eigener, auf den Apostel Jakobus bezogener Kulttradition. Bereits die mittelalterlichen Ablässe, die Ausbildung einer eigenen Bruderschaft und die überlieferte Aufgabe dieser Gemeinschaft, sich um Wallfahrer zu kümmern, zeigen einen selbständigen Wallfahrtsbetrieb. Der Apostel wurde dabei nicht nur als Kirchenpatron, sondern als Pilgerheiliger und Beschützer verehrt.

Nach dem Rückgang der Wallfahrt in der frühen Neuzeit setzte im 18. Jahrhundert eine bewusst geförderte Wiederbelebung ein. Eine zentrale Rolle spielte der gräfliche Hofmarksverwalter Johann Caspar Pichler. Um 1746, nach abweichender Überlieferung bereits 1738, beschaffte er Reliquien des Heiligen, bemühte sich um Ablässe und stiftete für die Bruderschaft auffällige Prozessionskleidung in einer als "spanisch" verstandenen Form. Die Bruderschaft sollte damit fremden Wallfahrern entgegengehen. Im Nebengebäude des Turmschlosses wurde sogar eine eigene Bruderschaftskammer eingerichtet. Diese Nachrichten geben einen seltenen Einblick in die konkrete Organisation des Empfangs und der Betreuung ankommender Pilger.

1749 gewährte Papst Benedikt XIV. der Bruderschaft Ablässe, 1751 wurde sie feierlich neu eingerichtet. Es handelte sich dabei nicht um eine völlig neue Gemeinschaft, sondern um die Neuaufrichtung einer älteren, zwischenzeitlich erloschenen Jakobusbruderschaft unter den veränderten religiösen Bedingungen der Barockzeit. Wie repräsentativ diese Gemeinschaft auftreten konnte, zeigt ein Bericht von 1766: Die St.-Jakobs-Bruderschaft präsentierte sich im Salzburger Mirabell mit Fahnen, Standarte, Trommeln und Pfeifen vor dem Erzbischof. Für 1778 ist zudem ein Gebetszettel mit einem Kupferstich von Matthias Pock nachgewiesen, der den Wallfahrtsort und den hl. Jakobus als Pilger zeigte. Solche Drucke verbreiteten die Kenntnis des Gnadenortes weit über die unmittelbare Umgebung hinaus.

Die aufklärerischen Reformen des späten 18. Jahrhunderts beendeten die kirchliche Bruderschaft in ihrer bisherigen Form. Die Jakobusverehrung und das örtliche Festwesen verschwanden jedoch nicht. Vielmehr wurden einzelne Elemente später neu belebt und entwickelten sich zu jenen Prozessions- und Brauchformen, die St. Jakob am Thurn bis heute kennzeichnen.

Die Loreto-Kapelle

Ein zweites, marianisches Kultzentrum entstand mit der Loreto-Kapelle, die unmittelbar an die Wallfahrtskirche angebaut und am 21. Juli 1754 geweiht wurde. Stifter war Joseph Anton Graf Plaz; als Baumeister wird der Tiroler Kassian Singer genannt. Die Kapelle folgt dem Typus der Nachbildungen des Heiligen Hauses von Loreto und ist vom Kirchenraum durch ein schmiedeeisernes Rokokogitter getrennt.

Im Mittelpunkt steht eine Schwarze Madonna von Loreto. Nach der örtlichen Überlieferung wurde diese Figur mit dem Gnadenbild im italienischen Loreto berührt und erhielt dadurch besondere religiöse Bedeutung. Hinter dem Altar befindet sich außerdem eine kupferne, an einer Kette hängende Schale, die als Kochgeschirr Mariens gedeutet wurde, aus dem das Christkind gegessen haben soll. Derartige Berührungsreliquien und dinglichen Vorstellungen gehören zu den charakteristischen Erscheinungsformen barocker Volksfrömmigkeit.

Joseph Anton Graf Plaz starb 1767. Sein Herz wurde vor dem Altar der von ihm gestifteten Kapelle beigesetzt; die Grabinschrift beginnt mit den Worten "Alda liget das Herz eines Sünders". Bis heute wird in der Loreto-Kapelle in der Karwoche ein Heiliges Grab aufgebaut. Elf mit gefärbtem Wasser gefüllte Glaskugeln brechen dabei das Licht und verleihen der schlichten Grabszenerie ihre besondere Wirkung.

Jakobischützen und Jakobikirtag

Mit der Wallfahrt eng verbunden sind die Jakobischützen, die wegen ihrer roten Röcke im Ort auch "Rotmantei" genannt werden. Die örtliche Überlieferung führt ihre Wurzeln auf das Jahr 1476 und die damalige Bewaffnung einer Jakobusbruderschaft beziehungsweise Bauernwehr während der Türkenbedrohung zurück. Eine Legende erzählt, der hl. Jakobus selbst sei als Pilger auf dem Thurnberg erschienen und habe die Bevölkerung vor den herannahenden Feinden gewarnt.

Im 18. Jahrhundert erhielt die Bruderschaft eine auffällige, an Vorstellungen von Santiago de Compostela angelehnte Prozessionskleidung. Die heute bekannten Jakobischützen bestehen als Verein in ihrer gegenwärtigen Form seit der Wiederbelebung von 1926. Gerade beim sogenannten historischen Schützentanz ist zwischen örtlicher Traditionsüberlieferung und gesichertem Quellenbefund zu unterscheiden. In populären Darstellungen wird der Tanz bis 1738 zurückgeführt; die volkskundliche Forschung von Ulrike Kammerhofer-Aggermann weist jedoch darauf hin, dass für den heutigen Tanz vor der Tätigkeit Kuno Brandauers in den 1920er Jahren keine sicheren Zeugnisse vorliegen. Auch Gustav Gugitz bezweifelte bereits die Annahme einer unveränderten Überlieferung seit dem 18. Jahrhundert. Der heutige Tanz ist daher besser als historisierende Wiederbelebung älterer Bruderschafts-, Schützen- und Prozessionstraditionen zu verstehen.

Der Jakobikirtag am letzten Sonntag im Juli bildet weiterhin den wichtigsten Festtermin des Ortes. Auf die Festmesse folgt die Prozession, an der die Jakobischützen und weitere örtliche Gemeinschaften teilnehmen; am Nachmittag wird der Schützentanz aufgeführt. Die im Bildarchiv von SAGEN.at erhaltene Aufnahmeserie vom 31. Juli 1966 dokumentiert eindrucksvoll, welchen Stellenwert Prozession und Schützenbrauch bereits damals im örtlichen Festleben besaßen.

Rosenkranzweg, Bittgang und Scheitelweihe

Die Wallfahrtstradition hat auch jüngere Formen hervorgebracht. Seit 2006 verbindet ein rund vier Kilometer langer Rosenkranzweg die Pfarrkirche Puch mit St. Jakob am Thurn. Fünf Stationen zeigen die Geheimnisse des freudenreichen Rosenkranzes. Der Weg dient nicht nur der individuellen Andacht; im Mai wird er auch bei einem gemeinsamen Bittgang mit anschließender Maiandacht in der Loreto-Kapelle begangen. Damit knüpft eine moderne Weganlage bewusst an ältere Formen des gemeinsamen Pilgerns und Betens an.

Zu den bemerkenswertesten örtlichen Osterbräuchen gehört die Scheitelweihe in der Osternacht. Vor dem Auferstehungsgottesdienst werden vorbereitete Stücke aus trockenem Buchenholz in das Osterfeuer gehalten, angekohlt und vom Priester gesegnet. Anschließend löscht man die Scheitel im nahegelegenen Jakobsbrünnlein ab. Die geweihten Holzstücke werden nach Hause getragen und dort, je nach Familientradition, im Wohnbereich, im Herrgottswinkel oder im Wirtschaftsbereich als Segens- und Schutzzeichen aufbewahrt. Die Verbindung von Osterfeuer, geweihtem Holz und Jakobsbrünnlein macht diesen bis heute gepflegten Brauch zu einem besonders anschaulichen Beispiel lebendiger örtlicher Volksfrömmigkeit.

Wallfahrtsort der Gegenwart

St. Jakob am Thurn vereint mehrere zeitlich unterschiedliche Schichten der Wallfahrtskultur: eine mittelalterliche Jakobuswallfahrt mit Pilgerfürsorge und Bruderschaft, eine barocke Wiederbelebung mit Reliquien, Ablässen und repräsentativem Prozessionswesen, die zusätzliche marianische Verehrung in der Loreto-Kapelle sowie jüngere und bis heute lebendige Formen wie Jakobikirtag, Bittgang und Scheitelweihe. Gerade diese Verbindung von historischer Wallfahrt und örtlichem Brauchtum unterscheidet St. Jakob am Thurn von Kirchen, die lediglich an einer Pilgerroute liegen.

Die Kirche ist damit auch in der Gegenwart kein bloßes Denkmal einer erloschenen Wallfahrt. Fest, Prozession, religiöse Wege und Bräuche bilden weiterhin einen lebendigen Zusammenhang, während die mittelalterlichen und barocken Zeugnisse im Kirchenraum an die lange Geschichte des Ortes als eigenständiges Pilgerziel erinnern.

Literatur und Quellen

- Kammerhofer-Aggermann, Ulrike: Die Jakobischützen in St. Jakob am Thurn. In: Bräuche im Salzburger Land, Folge 2, Forum Salzburger Volkskultur.

- Kermauner, Susi: St. Jakob am Thurn - Chronik eines Dorfes. 2. erweiterte Auflage, ergänzt von Robert Patzner, Martin Flatz und Elke Ellinger, St. Jakob am Thurn 2012, ISBN 978-3-200-02869-2.

- Buchmayr, Gilbert M.: St. Jakob am Thurn. Salzburg 1953.

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. Salzburg 1982.

- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Salzburg 1986.

- Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Jakobus d. Ä. Kirchenführer, Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 565, Verlag St. Peter, Salzburg 2014.

- Kermauner, Susi / Kirchenführer: Angaben zur Baugeschichte und Ausstattung, zusammengefasst in Salzburgwiki: Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Jakobus d. Ä. und Salzburgwiki: Loreto-Kapelle St. Jakob am Thurn.

- Pfarrverband Hallein+: Wallfahrtskirche St. Jakob am Thurn.

- Tennengau: Rosenkranzweg von Puch nach St. Jakob.

- Puch Magazin: Scheitelweihe in St. Jakob am Thurn.

- Salzburger Landesarchiv: Gräflich Platz'sches Archiv, Findbuch 21-14/10; darin Kirchen- und Bruderschaftsrechnungen sowie Akten zu Kirchen- und Stiftungssachen von St. Jakob am Thurn.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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