Oberndorf bei Salzburg, Wallfahrtskirche Maria Bühel – Unserer Lieben Frau von der Heimsuchung

Schnellüberblick
Wallfahrt:Wallfahrtskirche Maria Bühel bei Oberndorf: Schifferwallfahrt, Gnadenbild, Heilöl, Votive, Leonhardskult, Kalvarienberg und barocke Kunst.
Status:Lebendige historische Marienwallfahrt mit Schiffertradition und bis heute religiös genutztem Wallfahrtsensemble.
Kultzentrum:Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Heimsuchung.
Ort:Oberndorf bei Salzburg, Maria Bühel
Region:Flachgau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: Wallfahrtskirche Maria Bühel, Maria-Bühel-Straße 4, 5110 Oberndorf bei Salzburg.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Flachgau
Ansicht in Street View
Web: Rektorat Maria Bühel, Erzdiözese Salzburg und Pfarre Oberndorf
Geöffnet: tagsüber frei zugänglich.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation - 3 vorhandene Bilder
Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

Bilddokumentation

Außenansicht:

Oberndorf bei Salzburg, Wallfahrtskirche Maria Bühel

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Altar in der Wallfahrtskirche Maria Bühel:

Oberndorf bei Salzburg, Wallfahrtskirche Maria Bühel

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Gnadenbild in der Wallfahrtskirche Maria Bühel:

Oberndorf bei Salzburg, Wallfahrtskirche Maria Bühel Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die auf einer Hochterrasse über der Salzach gelegene Wallfahrtskirche Maria Bühel gehört zu den bedeutenden barocken Wallfahrtsorten des Salzburger Flachgaus. Ihre weithin sichtbare Doppelturmfassade ist bewusst auf Fernwirkung angelegt und richtet sich zugleich gegen die nur durch die Salzach getrennte bayerische Stadt Laufen. Die Geschichte der Wallfahrt ist aufs Engste mit der Salzachschifffahrt, dem Laufener Salzhandel und einem seit dem frühen 17. Jahrhundert an diesem Platz bestehenden Marienkult verbunden. Aus einer zunächst unscheinbaren Stationstafel und einem privat verehrten Marienbild entwickelte sich innerhalb weniger Jahrzehnte eine stark frequentierte Wallfahrt, deren Bedeutung schließlich einen monumentalen Kirchenbau, einen eigenen Wallfahrerweg mit Kalvarienberg und eine qualitätvolle barocke Ausstattung hervorbrachte.

Die Kirche besitzt eine eigene Wallfahrtsseelsorge und wird regelmäßig liturgisch genutzt. Neben den Gottesdiensten bestehen Wallfahrten und Bittgänge fort; die Pfarre führt unter anderem einen Emmausgang, den Markus-Bittgang und einen Bittgang vor Christi Himmelfahrt nach Maria Bühel. Die Erzdiözese bezeichnet Maria Bühel ausdrücklich weiterhin als beliebtes Pilgerziel.

Die Anfänge am alten Verkehrsweg

Die Wallfahrt begann nicht mit dem Bau einer Kirche. An der Stelle "bey unser Frauen in Bühel" befand sich bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine Stationstafel mit einem Marienbild. Auch ein Opferstock beziehungsweise Opferstein muss bestanden haben, denn für dessen Schloss fertigte ein Laufener Schlosser bereits 1619 einen Schlüssel an. Damit ist eine lokale Marienverehrung an diesem Platz mehrere Jahrzehnte vor der eigentlichen Gründung Maria Bühels nachweisbar.

Die Lage war keineswegs zufällig. Der Laufener Stiftsdekan Georg Paris Ciurletti von Lerchen beschrieb den Platz als einen Ort, an dem praktisch jeder vorbeiziehen müsse, der von Passau und Burghausen her durch die Gegend reiste. Er lag damit an einem stark frequentierten Verkehrs- und Wirtschaftsraum zwischen Laufen, der Salzach und den Fernwegen des Salzhandels.

Ciurletti, 1621 in Salzburg geboren und seit 1648 Pfarrer und Stiftsdekan in Laufen, war ein ausgeprägter Marienverehrer. 1661 erwarb er auf eigene Kosten das Grundstück beim bestehenden Andachtsplatz und ließ zunächst eine hölzerne Bildsäule errichten, in der er ein von ihm besonders verehrtes Marienbild öffentlich zugänglich machte. Bald wurde die hölzerne Anlage durch einen steinernen Bildstock ersetzt.

Als 1662 erste Gebetserhörungen berichtet wurden, nahm der Zustrom der Gläubigen rasch zu. Ciurletti beantragte deshalb beim Salzburger Konsistorium die Errichtung einer kleinen Kapelle von ungefähr 5,4 mal 3,6 Metern sowie die Erlaubnis, darin die Messe feiern zu dürfen. Beides wurde genehmigt, und 1663 entstand die erste eigentliche Wallfahrtskapelle.

Wie rasch sich daraus ein bedeutender Wallfahrtsort entwickelte, zeigt eine außergewöhnlich konkrete Zahl: Zwischen 1663 und 1670 wurden in Maria Bühel nahezu 2.000 Messen gelesen. Für eine erst wenige Jahre zuvor entstandene Kapelle ist das ein eindrucksvoller Beleg für den Umfang der Verehrung.

Georg Paris Ciurletti und die religiöse Erschließung der Verkehrslandschaft

Ciurlettis Initiative lässt sich nicht allein als private Marienfrömmigkeit verstehen. In seinem Schreiben von 1663 wird deutlich, dass er mit dem Heiligtum zugleich ein seelsorgliches Anliegen verfolgte. Die vorbeiziehenden Schiffer und Reisenden sollten zu einem "guten Gedanken" angeregt werden, anstatt sich mit, wie es in der zeitgenössischen Sprache heißt, unnützem und Gott missfälligem Geschwätz zu beschäftigen.

Damit wurde ein profaner Verkehrs- und Arbeitsraum bewusst sakralisiert. Die Menschen, die mit Schiffen, Waren und Salz unterwegs waren, erhielten unmittelbar an ihrem Verkehrsweg einen weithin sichtbaren religiösen Bezugspunkt.

Aus einer von oben angeregten seelsorglichen Einrichtung wurde jedoch sehr schnell ein von den Menschen selbst angenommener Gnadenort. Die berichteten Gebetserhörungen, gestifteten Messen, Votivgaben und die besondere Verehrung der Schiffer zeigen, dass Maria Bühel schon wenige Jahre nach seiner Gründung über Ciurlettis ursprüngliche Absicht hinausgewachsen war.

Ciurletti selbst blieb dem von ihm geschaffenen Heiligtum bis zu seinem Tod eng verbunden. Ein Nachfolger berichtete, der Stiftsdekan sei täglich über die Brücke beim Unteren Tor von Laufen und hinauf zu "seiner Maria-Hilf-Kirche" gegangen, habe lange vor dem Bild gebetet und häufig zu den Wallfahrern gepredigt. Er starb am 10. Oktober 1679 und wurde in Laufen begraben.

Das Gnadenbild

Der Mittelpunkt der Wallfahrt ist ein inniges Mutter-Kind-Bild: Maria hält das auf ihrem Schoß stehende Jesuskind eng an sich, während sich das Kind der Mutter zuwendet und sie umfasst.

In den älteren Quellen wird das Gemälde als "Maria-Hilf-Bild" bezeichnet. Diese historische Bezeichnung sollte jedoch nicht mit dem berühmten, von Lucas Cranach geprägten Mariahilf-Bildtypus gleichgesetzt werden. Gerade hier hat die jüngste kunsthistorische Forschung eine wichtige Korrektur gebracht.

Die ältere örtliche Literatur leitete das Bild von einem in der Basilika St. Jakob in Straubing verehrten Gemälde ab, das wiederum Hans Holbein dem Älteren zugeschrieben wurde. Teilweise wurde die Maria-Bühel-Kopie der Laufener Malerin Maria Magdalena Zerheuter zugeschrieben und mit dem Jahr 1662 verbunden. Die Holbein-Zuschreibung wurde über Generationen weitergegeben und findet sich noch in jüngeren örtlichen Kirchenführern.

Eine Untersuchung des Brüsseler Kunsthistorikers Didier Martens führt die Bildgeschichte inzwischen jedoch wesentlich weiter zurück. Danach geht die Komposition auf eine heute verlorene "Madonna, vom Kind umarmt" von Rogier van der Weyden zurück. Von dessen Komposition sind ein frühes Nachzeichnungsblatt in Dresden und mehrere flämische Wiederholungen des späten 15. Jahrhunderts erhalten. Im frühen 16. Jahrhundert wurde die ursprüngliche Ganzfigurengruppe verändert, spiegelverkehrt wiedergegeben und zu einem nahsichtigen Halbfigurenbild vor dunklem Hintergrund umgeformt. Gerade diese für die Andacht besonders geeignete Version verbreitete sich in zahlreichen Wiederholungen.

Eine flämische Fassung gelangte vermutlich um 1600 nach Bayern und befindet sich heute in St. Jakob in Straubing. Nach Martens diente dieses Bild als Vorlage für die im mittleren 17. Jahrhundert von einem örtlichen beziehungsweise bayerisch-salzburgischen Maler geschaffene Fassung von Maria Bühel. Die bis heute fortgeführte Holbein-Zuschreibung des Straubinger Vorbildes entstand dagegen erst im späten 18. Jahrhundert und gilt kunsthistorisch nicht mehr als haltbar.

Damit besitzt Maria Bühel einen überraschenden kunsthistorischen Fernhorizont: Eine Bildidee des großen niederländischen Malers Rogier van der Weyden wanderte über flämische Wiederholungen und Straubing bis an die Salzach, wo eine lokale Kopie schließlich selbst zum Gnadenbild wurde.

Gerade darin liegt ein wichtiger volkskundlicher Befund. Für die Wallfahrer war weder die Autorschaft Rogier van der Weydens noch jene eines später vermuteten Holbein entscheidend. Die religiöse Wirksamkeit entstand erst am konkreten Ort Maria Bühel, durch Gebetserhörungen, Wallfahrt, Votive und fortgesetzte Verehrung. Martens weist darauf hin, dass die Maria-Bühel-Fassung im ausgehenden 17. Jahrhundert eindeutig den Rang eines Gnadenbildes erlangt hatte und dem Bild sogar Schmuckstücke geopfert und unmittelbar daran befestigt wurden.

Das Öl vor dem Gnadenbild

Johannes Neuhardt überliefert einen besonders bemerkenswerten Zug der frühen Verehrung: Dechant Ciurletti verwendete das Öl, das vor dem Marienbild in der Lampe brannte, bei Kranken und soll damit wiederholt Erfolge erzielt haben.

Dieses Öl war kein gewöhnliches Heilmittel. Seine besondere Bedeutung entstand durch die unmittelbare räumliche Beziehung zum Gnadenbild. In der historischen Volksfrömmigkeit konnten Gegenstände und Stoffe, die längere Zeit mit einem Gnadenort oder einem verehrten Bild in Verbindung gestanden hatten, als Träger beziehungsweise Vermittler der dort erwarteten Segens- und Schutzwirkung verstanden werden.

Das Lampenöl machte die Wirkung des Wallfahrtsortes zugleich transportabel und körperlich anwendbar. Der Kranke musste nicht ausschließlich vor dem Gnadenbild stehen; ein Stoff, der aus dessen unmittelbarer sakraler Umgebung kam, konnte an den Körper herangebracht werden. Der bei Neuhardt überlieferte Brauch gehört damit in den größeren Zusammenhang jener materiellen Frömmigkeitsformen, bei denen Wasser, Öl, berührte Bildchen, Kerzen oder andere Gegenstände die räumliche Distanz zum Heiligtum überbrückten.

Die Schifferwallfahrt

Maria Bühel war nach Johannes Neuhardt die Lieblingswallfahrt der Inn-Salzach-Schiffer. Diese Verbindung ist nicht zufällig, sondern gehört bereits zur Entstehungsgeschichte des Heiligtums.

Laufen war ein entscheidender Umschlagplatz des Salztransportes auf der Salzach. Nach der schwierigen Passage des Flusses wurden Waren und Salz von kleineren Schiffen auf größere Fahrzeuge umgeladen, bevor die Fahrt flussabwärts fortgesetzt wurde. Die verwendeten Plätten und Zillen waren flach gebaute, den Bedingungen des Flusses angepasste Transportfahrzeuge. Dank für die bisher glücklich überstandene Fahrt und Bitte um Schutz auf dem weiteren Weg gehörten deshalb zu den wesentlichen Wallfahrtsmotiven Maria Bühels.

Die Kirche lag weithin sichtbar über dem Fluss. Für die Schiffer wurde sie dadurch zum religiösen Orientierungspunkt innerhalb ihrer Arbeitslandschaft.

Neuhardt überliefert das Stoßgebet, das sie beim Anblick der Kirche von ihren Plätten aus gesprochen haben sollen:

„Unsa Liabö Frau an Büchi und Ploan stehts uns bei und verlaßts uns net.“

Die mundartliche Formel ist volkskundlich besonders wertvoll. Sie zeigt den Wallfahrtskult nicht in theologischer oder kirchenamtlicher Sprache, sondern in der unmittelbaren Alltagssprache einer Berufsgruppe. Maria wird nicht abstrakt angerufen, sondern als vertraute Helferin in einer Arbeitssituation, in der Hochwasser, Strömung, Untiefen und Schiffbruch ständig gegenwärtige Gefahren waren.

Die Schifferwallfahrt verbindet damit Beruf, Gefahr, Landschaft und Religion. Die Kirche gehörte gewissermaßen zur mentalen Karte der Salzachschiffer: Wer sie vom Fluss aus sah, verband den sichtbaren Bau mit Schutz und Heimkehr.

Salzach, Hochwasser und die Wasserkapelle

Auch der historische Wallfahrerweg bewahrt eine unmittelbare Verbindung zur Schifffahrtskultur.

Im Jahr 1770 wurden bei Hochwasser eine gotische Marienstatue und ein großes hölzernes Kruzifix aus der Salzach geborgen. Die Pfarrdokumentation nennt als Finder den Schiffer Ägidius Standl; andere örtliche Überlieferungen führen das Ereignis mit dem Schiffer Sebastian Standl beziehungsweise der Familie Standl zusammen. Die Madonna erhielt später eine eigene Segens- oder Wasserkapelle am Weg nach Maria Bühel. Das historische Marienbild befindet sich heute nicht mehr dort, sondern am Hochaltar in Bad Gastein; in der Wasserkapelle steht eine jüngere Madonna.

Auch dieses Ereignis zeigt, wie eng religiöse Bildkultur und Flusslandschaft in Oberndorf und Laufen miteinander verbunden waren. Der Fluss war Verkehrsweg und Lebensgrundlage, konnte aber ebenso zerstören, fortreißen und religiöse Gegenstände an ungewöhnlichen Orten wieder ans Ufer bringen.

Vom Kapellenbau zur großen Wallfahrtskirche

Die häufig genannte Jahreszahl 1679 ist nicht das Baujahr der ersten großen Kirche, sondern Ciurlettis Todesjahr.

Nachdem die 1663 errichtete kleine Kapelle den Wallfahrerstrom nicht mehr aufnehmen konnte, erfolgte 1670 bis 1673 eine Erweiterung, die praktisch einem vollständigen Neubau gleichkam. Aus dieser Bauphase stammt das heutige Langhaus; 1673/74 wurden die beiden Fassadentürme errichtet. Bereits diese Kirche erhielt eine auf Fernwirkung berechnete doppeltürmige Fassade.

Im Jahr 1707 wird nochmals eine Erweiterung erwähnt, über die jedoch keine ausführlichen Bauakten erhalten sind. Die entscheidende Umgestaltung zur heutigen barocken Gesamtanlage erfolgte schließlich 1718 bis 1721 unter dem Salzburger Fürsterzbischof Franz Anton Fürst von Harrach und dem Laufener Stiftsdekan Franz Bernhard Graf von Stürgkh. Die Bauleitung lag beim Salzburger Hofmaurermeister Sebastian Stumpfegger; als Planverfasser wird mit guten Gründen Antonio Beduzzi angenommen.

An das ältere Langhaus wurden das überkuppelte ovale Querschiff, der heutige Chor und die Sakristei angefügt. Auch die Fassade und die Türme erhielten nun ihre endgültige monumentale Ausprägung mit den Doppelzwiebelhelmen. Die Kirche wurde am 16. November 1721 durch Fürsterzbischof Franz Anton von Harrach geweiht.

1917 stürzte bei einem schweren Sturm der Doppelzwiebelhelm eines Turmes herab; der zweite wurde wegen seines schlechten Zustandes abgenommen. Über Jahrzehnte trugen die Türme provisorische Zeltdächer. Erst 1959/60 wurden die charakteristischen Doppelzwiebeln nach dem historischen Vorbild wiedererrichtet.

Der Hochaltar und die barocke Inszenierung des Gnadenbildes

Den Hochaltar entwarf Antonio Beduzzi. Das Gnadenbild steht im Zentrum eines außerordentlich wirkungsvollen Strahlenkranzes, umgeben von Wolken, Engeln, vergoldetem Ornament und einer Rosengirlande. Der gesamte Aufbau lenkt den Blick des Betrachters unmittelbar auf das verhältnismäßig kleine Bild.

Didier Martens weist auf die besondere Bildwirkung dieser Inszenierung hin. Das Gnadenbild erscheint innerhalb des Strahlenkranzes beinahe wie die Hostie in einer barocken Monstranz. Der Altar präsentiert das Gemälde damit nicht bloß als Kunstwerk, sondern macht seinen besonderen religiösen Rang sichtbar: Das kleine Bild wird durch die Architektur des Altars zum leuchtenden Mittelpunkt des gesamten Chorraumes.

Gerade aus volkskundlicher Perspektive ist diese Inszenierung wichtig. Das Wallfahrtsbild besaß seinen besonderen Rang nicht aufgrund seiner künstlerischen Originalität – es war schließlich selbst eine Kopie einer Kopie –, sondern aufgrund der ihm zugeschriebenen Wirksamkeit am Ort. Die barocke Altararchitektur machte genau diese besondere Stellung sichtbar.

Der Hochaltar wurde im 19. Jahrhundert erheblich verändert; 1996 rekonstruierte man seinen Aufbau anhand historischer Kupferstiche wieder stärker nach Beduzzis ursprünglicher Konzeption.

Johann Michael Rottmayr und Maria Bühel

Maria Bühel besitzt eine ungewöhnlich enge Verbindung zur Laufener Künstlerfamilie Rottmayr.

Bereits an der Ausstattung der ersten Kapelle von 1663 war Margareta Magdalena Rottmayrin, die Mutter Johann Michael Rottmayrs, mit Fass- und Vergoldungsarbeiten beteiligt. Der damals erst zwanzigjährige Johann Michael Rottmayr schuf 1674 für den Neubau ein Gemälde der Vierzehn Nothelfer; dieses Frühwerk ist heute verloren.

Rottmayr blieb Maria Bühel auch später verbunden und heiratete dort 1690. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere kehrte er künstlerisch nochmals zu dieser Kirche zurück und malte 1721 die beiden großen Seitenaltarbilder des ovalen Querschiffes: die Stigmatisation des hl. Franziskus und den hl. Florian. Beide gehören zu den qualitätvollsten Gemälden der Kirche.

Maria Bühel dokumentiert damit nahezu den gesamten Lebensbogen des bedeutenden österreichischen Barockmalers: von den Arbeiten seiner Mutter und seinem eigenen Jugendwerk bis zu den reifen Gemälden des bereits berühmten kaiserlichen Hofmalers.

Josef Anton Pfaffinger

Zu den bedeutenden Bildwerken gehören die überlebensgroßen Figuren der Salzburger Heiligen Rupert, Virgil und Vitalis sowie des hl. Martin, die Josef Anton Pfaffinger 1722 schuf. Sie begleiten den Weg durch das Langhaus zum zentralen Kuppelraum und Hochaltar.

Pfaffinger war außerdem wesentlich an der Gestaltung des Wallfahrerweges beteiligt. Die Kreuzigungsgruppe des Kalvarienberges mit Maria und Johannes stammt aus seiner Hand beziehungsweise seiner unmittelbaren Werkstatt. Damit verbindet sich die plastische Ausstattung des Kirchenraumes unmittelbar mit jener des Weges zum Heiligtum.

Der Wallfahrerweg von Laufen

Maria Bühel ist nicht nur eine Kirche, sondern der Endpunkt einer bewusst gestalteten barocken Wallfahrtslandschaft. Der historische Weg beginnt in Laufen, führt über die Salzach, vorbei am Nepomukdenkmal und über die monumentale Kalvarienbergstiege hinauf auf die Terrasse. Fürsterzbischof Franz Anton von Harrach ließ diese Anlage 1720/21 errichten. Ursprünglich besaß die Treppe 150 Stufen, entsprechend den 15 Geheimnissen des Rosenkranzes. Durch spätere Erhöhungen des Straßenniveaus gingen elf Stufen verloren; heute sind 139 vorhanden.

Damit wurde selbst das körperliche Steigen Teil des Gebets. Die Zahl der Stufen übersetzte den Rosenkranz in Landschaft und Bewegung.

Am oberen Ende steht die Kalvarienbergkapelle mit der Kreuzigungsgruppe von 1721. Danach führt der Weg über die Hochfläche, vorbei an der Wasserkapelle, weiter nach Maria Bühel. Der Wallfahrer verließ somit die Handels- und Schifferstadt Laufen, überschritt die Salzach, stieg betend den Kalvarienberg hinauf und näherte sich über Wiesen und Felder dem weithin sichtbaren Marienheiligtum.

Die Anlage macht besonders anschaulich, dass barocke Wallfahrt nicht erst an der Kirchentür begann. Der Weg selbst war sakral gestaltet.

Votivbilder und Gebetserhörungen

Die Wallfahrt entstand aus berichteten Gebetserhörungen und hinterließ entsprechend zahlreiche Votivgaben.

Die Österreichische Kunsttopographie verzeichnete 1913 noch zahlreiche gemalte Votivbilder, darunter ein auf 1720 datiertes Stück. Sie dokumentierte außerdem ein großes Votivgemälde des verheerenden Oberndorfer Brandes von 1757.

Eine neuere kunsthistorische Bestandsaufnahme Didier Martens' zählt heute vierzehn gemalte Ex-votos, die unmittelbar mit dem Mariengnadenbild in Verbindung stehen. Als ältestes heute vorhandenes Stück bezeichnet Martens das große Votivbild des Brandes vom 1. April 1757. Da die Kunsttopographie 1913 ausdrücklich noch ein älteres Bild von 1720 verzeichnete, hat sich der Votivbestand im Laufe des 20. Jahrhunderts offenbar vermindert oder verändert.

Das Brandvotiv von 1757 ist besonders aussagekräftig. Es zeigt die große Feuersbrunst von Oberndorf; nach der Inschrift beziehungsweise der zugehörigen Überlieferung gelobte ein Bürger die Anrufung der Gottesmutter von Maria Bühel, worauf das Feuer plötzlich zum Stillstand gekommen sei. Das Gnadenbild erscheint in einer himmlischen Zone über dem dargestellten Unglück.

Damit wird die persönliche Gebetserhörung zugleich zum kollektiven Erinnerungsbild einer Katastrophe. Das Votiv bewahrt nicht nur die Geschichte eines einzelnen Votanten, sondern das Gedächtnis des ganzen Ortes an den Brand.

Dass bereits im frühen 18. Jahrhundert auch silberne Opfergaben vorhanden waren, zeigen Einbrüche von 1716 und 1718, bei denen neben liturgischen Geräten Silbervotive entwendet wurden. Der materielle Wert der Votivgaben machte einen bedeutenden Wallfahrtsort zugleich zu einem attraktiven Ziel für Diebe.

Der hl. Leonhard – ein zweiter Gnadenkult innerhalb der Marienwallfahrt

Neben dem Mariengnadenbild entwickelte sich in Maria Bühel ein bemerkenswerter sekundärer Leonhardskult.

Bereits 1674 entstand ein Seitenaltar zu Ehren des hl. Leonhard. Im 18. Jahrhundert wurde dieser Kult erneuert; der heutige Altaraufbau stammt im Wesentlichen von 1764. Johannes Neuhardt berichtet, dass das Leonhardsbild seit dieser Zeit selbst als wundertätig verehrt wurde und dass auf den Votivbildern von Maria Bühel auffallend häufig der hl. Leonhard erscheint.

Das ist für die Interpretation des Wallfahrtsortes sehr wichtig. Maria Bühel war zwar primär eine Marienwallfahrt, doch innerhalb derselben Kirche konnte sich ein zweites kultisches Zentrum mit eigenem Patronatsbereich ausbilden.

Leonhard war insbesondere Fürsprecher für Vieh und bäuerliche Anliegen, daneben in seiner älteren Kultschicht Patron der Gefangenen. Die Ausstattung des Altars unterstreicht diese Bedeutung. Neben dem Leonhardsbild stehen die Heiligen Oswald und Wendelin, während Putti die Leonhardsattribute Kette, Bischofsstab und Mitra halten.

Das ursprüngliche Altarbild von 1764 zeigte Leonhard auf Wolken, von Engeln emporgetragen. 1849 wurde es durch ein neues Gemälde des Münchner Malers Sebastian Holzner ersetzt. Bemerkenswerterweise fand die Österreichische Kunsttopographie das ursprüngliche Bild 1913 noch auf dem Dachboden des Mesnerhauses vor.

Damit trafen sich in Maria Bühel unterschiedliche soziale Gruppen und Anliegen: Schiffer suchten den Schutz Mariens auf der Salzach, während bäuerliche Wallfahrer sich zusätzlich an den hl. Leonhard wenden konnten.

Das Kuppelfresko Wolfram Köberls

Die ursprünglich ungegliederte Kuppel des ovalen Querschiffes erhielt 1951 ein großformatiges Fresko des aus Tirol stammenden Malers Wolfram Köberl. Köberl schuf keine bloße dekorative Ergänzung, sondern eine regelrechte Allegorie der Wallfahrt nach Maria Bühel.

Im Zentrum beziehungsweise in der himmlischen Sphäre erscheint die Gottesmutter mit dem Kind, verbunden mit Elementen der Immaculata und der Schutzmantelmadonna. Unter ihrem ausgebreiteten Mantel beziehungsweise auf ihn zu bewegt sich eine Pilgergruppe. Darunter befinden sich ein Fahnenträger, eine Mutter mit einem Neugeborenen und ein Mann mit Krücke – geradezu exemplarische Vertreter unterschiedlicher Wallfahrtsanliegen. Auffällig sind außerdem eine österreichische und eine bayerische Fahne.

Diese beiden Fahnen sind keineswegs bloße Dekoration. Maria Bühel war historisch eine Wallfahrt beiderseits der Salzach. Die politische Grenzziehung zwischen Bayern und Österreich teilte Laufen und Oberndorf, konnte den religiösen Zusammenhang des Raumes aber nicht vollständig aufheben.

Das Fresko von 1951 formuliert deshalb in moderner Form eine jahrhundertealte Erfahrung: Die Salzach ist politische Grenze und zugleich verbindende Kulturlandschaft.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Bühel ist volkskundlich besonders aufschlussreich, weil sich die Entstehung eines Wallfahrtsortes ungewöhnlich genau verfolgen lässt.

Am Anfang steht kein mittelalterliches Wunderheiligtum, sondern ein bereits vorhandener kleiner Andachtsplatz an einem stark frequentierten Verkehrsweg. Ein einzelner Geistlicher stellt dort sein privat verehrtes Marienbild öffentlich aus. Gebetserhörungen werden bekannt, immer mehr Menschen kommen, eine Kapelle wird errichtet, innerhalb von sieben Jahren werden fast zweitausend Messen gelesen, und nur ein Jahrzehnt später muss eine große Kirche gebaut werden.

Dieser Prozess zeigt, dass Wallfahrtsorte nicht allein durch kirchliche Planung entstehen. Ciurletti schuf die Voraussetzung, die Wallfahrer machten daraus durch ihre Praxis einen Gnadenort.

Besonders prägend war die Salzachschifffahrt. Für die Schiffer verband sich die Madonna von Maria Bühel mit einer konkreten Berufsgefahr. Der sichtbare Kirchturm, das mundartliche Stoßgebet, die Bitte um sichere Weiterfahrt und die Dankwallfahrt nach überstandener Strecke verwandelten die Flusslandschaft in eine religiös gedeutete Arbeitswelt.

Das von Neuhardt überlieferte Lampenöl zeigt eine weitere Dimension. Die angenommene Wirksamkeit des Gnadenbildes blieb nicht auf das Sehen und Beten beschränkt, sondern konnte über einen materiellen Stoff auf den Körper des Kranken übertragen werden.

Votivbilder machten erfahrene Hilfe wiederum öffentlich. Das Unglück wurde bildlich festgehalten, die himmlische Fürsprecherin darüber dargestellt und das gerettete Leben beziehungsweise die abgewendete Katastrophe dauerhaft im Kirchenraum erinnert.

Der Leonhardskult erweitert dieses Gefüge um bäuerliche Anliegen. Maria Bühel war damit nicht ausschließlich "Schifferkirche". In demselben Heiligtum konnten unterschiedliche Lebens- und Berufsgruppen ihre jeweiligen Schutzbedürfnisse an verschiedene himmlische Fürsprecher richten.

Schließlich wurde auch der Weg selbst Bestandteil der Wallfahrt. Die 150 Rosenkranzstufen, Nepomuk als Patron der Wassergefahren, der Kalvarienberg, die Wasserkapelle und schließlich die Doppelturmfassade von Maria Bühel bildeten eine zusammenhängende Sakrallandschaft.

Wallfahrt heute

Die historische Salzachschifffahrt, aus deren Lebenswelt die Wallfahrt wesentlich hervorging, ist verschwunden. Maria Bühel selbst blieb jedoch ein lebendiger Wallfahrtsort.

Die Kirche wird regelmäßig für Gottesdienste genutzt; die Stadtpfarre veröffentlicht eine eigene Gottesdienstordnung für Maria Bühel. Bittgänge und gemeinschaftliche Wallfahrten führen weiterhin zum Heiligtum, und die Wallfahrtskirche besitzt eine eigene seelsorgliche Betreuung. Die Erzdiözese bezeichnet den Ort weiterhin ausdrücklich als Pilgerziel.

Der traditionelle soziale Träger der Wallfahrt hat sich damit verändert, nicht aber die religiöse Funktion des Ortes.

Literatur zur Wallfahrt

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München/Zürich 1982, besonders S. 103.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 176–177.

- Brugger, Walter: Die Wallfahrtskirche Maria Bühel in Oberndorf. In: Heinz Dopsch / Hans Roth (Hg.): Laufen und Oberndorf. 1250 Jahre Geschichte, Wirtschaft und Kultur an beiden Ufern der Salzach. Laufen/Oberndorf 1998.

- Lämmermeyer, Herbert / Roth, Hans: Die Kunst- und Kleindenkmäler von Oberndorf. In: Heinz Dopsch / Hans Roth (Hg.): Laufen und Oberndorf. 1250 Jahre Geschichte, Wirtschaft und Kultur an beiden Ufern der Salzach. Laufen/Oberndorf 1998, S. 412–418.

- Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau von der Heimsuchung Maria Bühel bei Oberndorf an der Salzach. Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 337. Salzburg: Verlag St. Peter 1999.

- Maria Bühel. Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 144. Salzburg: Verlag St. Peter 1985.

- Österreichische Kunsttopographie, Band X, 2. Teil: Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg. Gerichtsbezirke Mattsee und Oberndorf. Wien 1913, Maria Bühel S. 395 ff.

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986.

- Keller, Peter (Hg.): Johann Michael Rottmayr (1654–1730). Genie der barocken Farbe. Katalog der 29. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg. Salzburg 2004.

- Schmeißner, Roman: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen. Duisburg/Köln 2015.

- Martens, Didier: Présence de Rogier van der Weyden sur les bords de la Salzach: le Gnadenbild de Maria Bühel (Pays de Salzbourg) et ses répétitions. In: Bulletin d’information de la Société royale d’Archéologie de Bruxelles, Nr. 95, März 2024.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at