Bergheim, Wallfahrtsbasilika Maria Plain – Wallfahrt zum Gnadenbild "Maria Trost"

Schnellüberblick
Wallfahrt:Wallfahrtsbasilika Maria Plain bei Salzburg: Gnadenbild Maria Trost, Mirakel und Votive, Krönung, Mozart, Wallfahrtsgeschichte und Volkskunde.
Status:Lebendige bedeutende Marienwallfahrt mit regelmäßigen Gottesdiensten, Einzelpilgern und Monatswallfahrt.
Kultzentrum:Gnadenbild "Maria Trost".
Ort:Bergheim, Maria Plain
Region:Flachgau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: Wallfahrtsbasilika Maria Plain, Plainbergweg 38, 5101 Bergheim bei Salzburg.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Flachgau
Ansicht in Street View
Web: www.mariaplain.at
Geöffnet: Täglich 7:00–19:00 Uhr, im Winter bis zum Einbruch der Dunkelheit; während der Gottesdienste keine Besichtigung.
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Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

Bilddokumentation

Außenansicht:

Wallfahrtsort Maria Plain

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

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Wallfahrtsort Maria Plain

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Hochaltar mit Gnadenbild:

Wallfahrtskirche Maria Plain, Hochaltar mit Gnadenbild

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die weithin sichtbare Wallfahrtsbasilika Maria Plain erhebt sich auf dem Plainberg nördlich der Stadt Salzburg im Gemeindegebiet von Bergheim. Mit der Basilika, der Ursprungskapelle, dem Kalvarienberg, der Schmerzenskapelle, der Heilig-Grab-Kapelle und dem historischen, durch Rosenkranzstationen gegliederten Pilgerweg bildet Maria Plain eine außergewöhnlich geschlossene barocke Wallfahrtslandschaft. Die Wallfahrt gehört zu den bedeutendsten Marienwallfahrten Salzburgs und ist bis heute lebendig. Neben den regelmäßigen Gottesdiensten kommen weiterhin Einzelpilger und organisierte Wallfahrergruppen auf den Plainberg; auch die seit 1975 bestehende Monatswallfahrt der Erzdiözese Salzburg führt die Tradition in einer ausdrücklich gemeinschaftlichen Form fort.

Entstehung der Wallfahrt

Der Ursprung der Wallfahrt liegt nicht in einer mittelalterlichen Kultstätte und auch nicht in einem eigens für die öffentliche Verehrung geschaffenen Marienbild, sondern in einem ursprünglich wohl für die private Andacht bestimmten Weihnachtsbild. Das Gemälde dürfte gegen Ende des 16. oder zu Beginn des 17. Jahrhunderts von einem unbekannten Maler geschaffen worden sein. Maria ist mit dem Jesuskind dargestellt, das auf ihrem Schoß beziehungsweise auf einem kleinen Lager vor ihr liegt. Die Mutter hält ein Tuch über das Kind, während dieses seine Arme nach ihr ausstreckt. Erst die spätere Geschichte des Bildes machte aus dieser innigen Mutter-Kind-Darstellung das Gnadenbild "Maria Trost".

Das Gemälde befand sich während des Dreißigjährigen Krieges im Haus des Bäckers Paul Regner in Regen in Niederbayern. Als schwedische Truppen den Ort 1633 niederbrannten, überstand das Bild den Brand. Die ältere Überlieferung schildert diesen Vorgang differenzierter als die später häufig verbreitete Erzählung von einem vollkommen unversehrt aus den Flammen geretteten Bild: Das Gemälde verbrannte zwar nicht, war jedoch vom Rauch stark verrußt und musste anschließend durch den Maler Stephan Waschinger gereinigt beziehungsweise überarbeitet werden. Nach einer frühen Beschreibung sollen einzelne Spuren der Verrußung sichtbar geblieben sein.

Das Brandereignis wurde zum Ausgangspunkt der späteren Gnadenüberlieferung. Entscheidend war nicht allein die materielle Rettung eines Bildes, sondern die religiöse Deutung dieses Vorganges. In einer Zeit, in der Krieg, Plünderung, Brand, Seuchen und wirtschaftliche Not zur unmittelbaren Lebenswirklichkeit gehörten, konnte ein aus einer zerstörten Umgebung gerettetes Mutter-Kind-Bild zu einem besonders eindringlichen Zeichen der Bewahrung werden.

Das Bild gelangte zunächst durch Tausch in den Besitz der Argula von Grimming, die es in ihrer Schlosskapelle aufstellte. Nach ihrem Tod erbte ihr Sohn Rudolf von Grimming das Gemälde und brachte es nach Salzburg. Am 8. Dezember 1652 ließ er es auf dem Plainberg zur öffentlichen Verehrung aufstellen. Nach der älteren Überlieferung trug sein Knecht Tobias Ehringer das Bild von Müllegg aus in einem schwarzen Kästchen auf den Berg. Als erster Schutz dienten lediglich drei zusammengesetzte Eichenbretter.

Damit begann die später so bedeutende Wallfahrt in denkbar bescheidenen Verhältnissen. Nicht eine kirchlich geplante Großanlage stand am Anfang, sondern ein privat aufgestelltes Andachtsbild, dessen Verehrung von der Bevölkerung angenommen und weitergetragen wurde.

Das Gnadenbild "Maria Trost"

Ikonographisch ist das Maria-Plainer Gnadenbild bemerkenswert, weil sein späterer Kultname nicht unmittelbar aus seinem ursprünglichen Bildprogramm hervorgeht. Eine Eingabe Rudolf von Grimmings an das Salzburger Konsistorium vom 31. Dezember 1652 beschreibt noch schlicht ein Marienbild, bei dem das Jesuskind vor seiner Mutter liegt. Roman Sedlmayr schilderte das Bild in seiner 1728 erschienenen Geschichte der Salzburger Benediktineruniversität ausführlicher: Maria scheint das Kind zum Schlaf vorzubereiten und mit einem von beiden Händen gehaltenen Tuch bedecken zu wollen, während dieses die Arme nach der Mutter ausstreckt und nach ihrer Umarmung verlangt.

Damit stand ursprünglich weniger die majestätische Himmelskönigin als die vertraute Beziehung zwischen Mutter und Kind im Mittelpunkt. Erst durch die Geschichte des Bildes, seine Rettung aus dem Brand, die sich anschließenden Gebetserhörungen und die zunehmende Wallfahrt verwandelte sich das Weihnachtsbild in ein Gnadenbild. Der Titel "Maria Trost", lateinisch "Consolatrix afflictorum", "Trösterin der Betrübten", wurde damit gleichsam durch den Kult über das Bild gelegt.

Diese Bedeutungsverschiebung ist für die volkskundliche Betrachtung wesentlich. Nicht allein die Darstellung selbst bestimmte die religiöse Funktion des Bildes, sondern seine erzählte Geschichte. Ein ursprünglich wohl privates Andachtsbild wurde durch seine besondere Biographie zu einem als wirkmächtig verstandenen Gegenstand, und aus dem Bild der stillen Zuwendung zwischen Mutter und Kind entwickelte sich die Vorstellung einer himmlischen Fürsprecherin, die in Krankheit, Krieg und persönlicher Not angerufen werden konnte.

Auch äußerlich veränderte sich das Gemälde im Laufe seiner Verehrung. Der kostbare Rahmen stammt aus dem Jahr 1679, 1732 wurde ein Strahlenkranz hinzugefügt, und die feierliche Krönung von 1751 verlieh Maria und dem Jesuskind schließlich jene herrscherliche Erscheinungsform, die das Bild bis heute prägt. Damit vollzog sich auch im äußeren Erscheinungsbild die Entwicklung vom privaten Weihnachtsbild zum repräsentativen Gnadenbild eines bedeutenden Wallfahrtsortes.

Original und Kopien des Gnadenbildes

Besonders ungewöhnlich ist die Geschichte der Kopien des Gnadenbildes. Rudolf von Grimming betrachtete das Gemälde weiterhin als sein persönliches Eigentum und wollte es bei einer Übersiedlung wieder mitnehmen können. Deshalb ließ er bereits kurze Zeit nach Beginn der Verehrung durch Johann Franz Pereth eine Kopie anfertigen, die auf dem Plainberg zurückblieb.

Die Wallfahrt setzte sich auch vor dieser Kopie fort und nahm weiter zu. Für die 1657 errichtete größere Kapelle wurde offenbar durch den Salzburger Maler Christian Zach eine weitere Kopie geschaffen. Als 1674 die neue Wallfahrtskirche geweiht wurde, kam diese Zachsche Kopie auf den Hochaltar, während die ältere Pereth-Kopie mit dem ursprünglichen Kultplatz verbunden blieb und später ihren Platz in der Ursprungskapelle erhielt.

Das eigentliche Original war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr in Salzburg. Rudolf von Grimming hatte die Stadt verlassen und gelangte 1658 über Nesselwang auf den Wankerberg im Allgäu, wo er sich als Eremit niederließ und das Bild neuerlich öffentlich zur Verehrung aufstellte. Auch dort entstand eine Wallfahrt, so dass das Maria-Plainer Gnadenbild gewissermaßen einen zweiten Wallfahrtsort hervorbrachte. Aus dieser Entwicklung ging die Wallfahrt Maria Trost bei Nesselwang hervor.

Das Augsburger Ordinariat griff schließlich ein, ließ das Original beschlagnahmen und brachte es 1665 nach Augsburg. Erst auf Betreiben des Salzburger Fürsterzbischofs Max Gandolf von Kuenburg wurde es am 5. Mai 1676 zurückgegeben. Aber auch danach stand es keineswegs sofort auf dem Hochaltar von Maria Plain. Erst 1698 kam es wieder auf den Plainberg und wurde zunächst in der Schatzkammer, später im Zimmer des Superiors und schließlich im östlichen Oratorium verwahrt. Erst 1732 ließ Fürsterzbischof Leopold Anton von Firmian das Original auf dem Hochaltar aufstellen.

Die jahrzehntelange Abwesenheit des ursprünglichen Bildes gehört zu den interessantesten Erscheinungen der Maria-Plainer Wallfahrtsgeschichte. Die Wallfahrt war offensichtlich nicht ausschließlich an die materielle Anwesenheit des Originals gebunden. Kopien konnten die Funktion des Kultbildes übernehmen, ohne dass die Verehrung dadurch ihre Glaubwürdigkeit verlor. In der religiösen Praxis wurde die sakrale Wirksamkeit des verehrten Urbildes offenbar auf authentisch verstandene Abbilder übertragen.

Maria Plain zeigt damit besonders deutlich, dass im religiösen Bildgebrauch der frühen Neuzeit die Unterscheidung zwischen "Original" und "Kopie" anders bewertet werden konnte als im modernen Kunstverständnis. Entscheidend war nicht allein die Einmaligkeit des materiellen Kunstwerkes, sondern seine Einbindung in eine anerkannte Kulttradition.

Die Wallfahrtskirche

Der rasch zunehmende Zustrom der Wallfahrer machte bald einen größeren Kirchenbau notwendig. Unter Fürsterzbischof Max Gandolf Graf von Kuenburg wurde nach Plänen des aus Italien stammenden Architekten Giovanni Antonio Dario zwischen 1671 und 1673 die heutige Kirche errichtet und am 12. August 1674 geweiht. Ihr Patrozinium ist Mariä Himmelfahrt, während der eigentliche Wallfahrtskult dem Gnadenbild "Maria Trost" gilt.

Mit ihrer weithin sichtbaren Doppelturmfassade wurde die Kirche zu einem beherrschenden Bauwerk über dem Salzachtal. Der Wallfahrtsort erhielt damit eine Repräsentationsform, die in deutlichem Gegensatz zum einfachen Bretterverschlag stand, mit dem die Verehrung kaum mehr als zwei Jahrzehnte zuvor begonnen hatte.

Die Betreuung der Wallfahrt übernahmen Benediktiner. Seit dem 19. Jahrhundert ist Maria Plain mit der Erzabtei St. Peter in Salzburg verbunden, deren Mönche die Wallfahrtsseelsorge bis heute ausüben. 1952 wurde die Kirche durch Papst Pius XII. zur Basilica minor erhoben.

Der Hochaltar bildet das liturgische und geistige Zentrum der Kirche. Das Gnadenbild wird von einem mächtigen barocken Aufbau umfasst, dessen plastische Gestaltung Jakob Gerold zugeschrieben wird. Die übrige Ausstattung ordnet sich deutlich dem Gnadenkult unter. Arbeiten bedeutender Künstler wie Thomas Schwanthaler, Johann Friedrich Pereth, Frans de Neve, Christoph Lederwasch und Martin Johann Schmidt, des sogenannten Kremser Schmidt, machen Maria Plain zugleich zu einem bedeutenden Denkmal barocker Kunst.

Auch die große Zahl der Beichtstühle ist im Zusammenhang mit der Wallfahrt zu verstehen. Beichte, Messbesuch und Kommunion bildeten wesentliche Bestandteile des traditionellen Wallfahrtsvollzuges; ein großer Wallfahrtsort musste deshalb nicht nur Prozessionen aufnehmen, sondern auch zahlreichen Pilgern Gelegenheit zur Beichte und zum Empfang der Sakramente bieten.

Ursprungskapelle und Wallfahrtslandschaft

Unterhalb der Basilika erinnert die Ursprungskapelle an den ersten Kultplatz von 1652. Der heutige Steinbau wurde 1710 von Sebastian Stumpfegger errichtet. In ihrem herzförmig gestalteten Altar befindet sich die frühe Kopie des Gnadenbildes von Johann Franz Pereth. Das Deckenfresko Johann Zicks von 1742 zeigt Rudolf von Grimming im Gebet vor dem Gnadenbild. Die Pestpatrone Rochus und Sebastian flankieren den Raum.

Die Ursprungskapelle bewahrt damit das Gedächtnis an jene bescheidene Anfangsphase, aus der sich die spätere Wallfahrtsanlage entwickelte. Während die große Basilika die institutionalisierte und repräsentative Form des Kultes verkörpert, erinnert die Kapelle an die spontane Entstehung der Wallfahrt.

Maria Plain ist jedoch nicht allein als Kirchenbau, sondern als ausgedehnte Andachtslandschaft zu verstehen. Unter Fürsterzbischof Johann Ernst Graf Thun entstand am Hang ein Kalvarienberg mit vier Stationskapellen und einer Kreuzigungsgruppe, die den fünf Geheimnissen des schmerzhaften Rosenkranzes entsprechen. Ergänzt wurde die Anlage durch die Schmerzenskapelle mit einer Pietà Johann Franz Schwanthalers und eine Heilig-Grab-Kapelle.

Auch der historische Pilgerweg aus Salzburg war religiös gegliedert. Seit 1705 begleiteten fünfzehn steinerne Geheimnissäulen den Weg und vergegenwärtigten die fünfzehn Geheimnisse des freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Rosenkranzes. Der Wallfahrtsweg war somit selbst Teil des religiösen Vollzuges. Der Pilger näherte sich dem Gnadenort nicht lediglich räumlich, sondern durchschritt eine Folge von Gebetsstationen, Bildern und Erinnerungsorten.

Mirakelbücher und frühe Gnadenerzählungen

Die frühe Verbreitung der Wallfahrt ist durch eine umfangreiche Mirakelüberlieferung dokumentiert. Bereits 1697 veröffentlichte der Benediktiner Virgilius Faber in Salzburg unter dem barocken Titel "Gecrönter Marianischer Granat-Apfel" eine Sammlung ausgewählter Gnadengeschichten von "Maria-Trost auff dem Plain". Damit liegt noch aus der ersten Generation der Wallfahrt ein gedrucktes Werk vor, in dem die als wundersam verstandenen Hilfen des Gnadenbildes gesammelt und verbreitet wurden.

Die älteste ausdrücklich überlieferte Heilung wird auf den 20. November 1653 datiert und betrifft einen von Geburt an gelähmten Mann. Bereits aus demselben Jahr ist auch ein Votivbild bezeugt, das jedoch keine menschliche Krankheit, sondern ein verletztes Pferd betrifft. Der Müller Peter Tüefler aus der Pfarre Hallwang hatte sich nach Maria Plain verlobt, nachdem sein Pferd auf einen Nagel getreten war; nach der Anrufung Mariens sei das Tier rasch genesen.

Schon diese beiden frühen Beispiele zeigen das breite Spektrum der Anliegen. Krankheit, Verletzung und Gefahr wurden ebenso an den Gnadenort herangetragen wie die Sorge um Vieh, dessen Verlust für bäuerliche Haushalte eine erhebliche wirtschaftliche Bedrohung darstellen konnte.

Mirakelbücher waren dabei weit mehr als bloße Sammlungen frommer Geschichten. Indem einzelne Gebetserhörungen aufgezeichnet, geprüft, vorgelesen oder gedruckt wurden, schufen sie eine fortlaufende Erinnerung an die angenommene Wirksamkeit des Gnadenortes. Jede neue Erhörung bestätigte die vorausgegangenen und konnte wiederum weitere Pilger zur Wallfahrt veranlassen.

Votivgaben und Wallfahrtsökonomie

Wachs- und Geldopfer sind in Maria Plain bereits in der Frühzeit nachweisbar. Seit 1657 durfte der Mesner den Wallfahrern Wachswaren verkaufen sowie Bier und Wein ausschenken. Damit entwickelte sich schon früh jene für größere Wallfahrtsorte typische Verbindung von Kult, Devotionalienhandel, Versorgung und Aufenthalt der Pilger.

Die wachsenden Opfergaben trugen zugleich zur Finanzierung der Wallfahrtsstätte bei. Die große barocke Kirche entstand somit nicht unabhängig vom Pilgerwesen, sondern auch auf der materiellen Grundlage jener Schenkungen, die Wallfahrer als Bitte, Dank oder zur Erfüllung eines Gelübdes darbrachten.

Im Laufe der Zeit sollen nach einer Auswertung der Votivbücher mehr als 1.800 Votivbilder nach Maria Plain gestiftet worden sein. Ein großer Teil dieser ehemals außerordentlich umfangreichen Sammlung ist verloren. Fürsterzbischof Hieronymus Colloredo ließ im Zuge seiner Reformen 1785 Prozessionen und Wallfahrtsbräuche einschränken; gleichzeitig wurde das Anbringen neuer Votivbilder untersagt und ältere Bilder wurden entfernt. Weitere Verluste entstanden später durch Diebstähle, wobei besonders attraktive oder topographisch interessante Tafeln in den Kunsthandel gelangten. Bei der Kirchenrenovierung 1974 wurden aus Sicherheitsgründen schließlich auch die noch zwischen den Seitenaltären befindlichen Votivbilder abgenommen.

Die erhaltenen beziehungsweise dokumentierten Votive vermitteln dennoch ein bemerkenswert breites Bild jener Gefahren und Nöte, mit denen sich Menschen an Maria Plain wandten. Überliefert sind Dankbilder für Heilungen körperlicher und psychischer Erkrankungen, für die Rettung Erwachsener und Kinder aus Unfällen, bei Bränden, Blitzschlägen, Wassergefahren, Lawinen, Steinschlägen, Jagdunfällen, Viehkrankheiten sowie in Krieg und Militärdienst.

Auf zahlreichen Tafeln erscheint das Maria-Plainer Gnadenbild selbst, zunächst in der älteren ungekrönten, nach 1751 zunehmend in der gekrönten Form. Das Gnadenbild wird dabei häufig in einer himmlischen Sphäre über der dargestellten Unglückssituation wiedergegeben. Die Komposition verbindet damit die konkrete irdische Gefahr mit jener transzendenten Hilfe, auf welche die Votanten ihre Rettung zurückführten.

Ein besonders anschauliches Votivbild von 1869 erinnert an einen Böllerunfall bei einer Primiz im bayerischen Irsching. Ein explodierender Böller hatte den jungen Franz Wimmer schwer am Fuß verletzt. Auf der später gestifteten Votivtafel wurde sogar ein etwa zwei Pfund schwerer Eisensplitter des zerborstenen Böllers befestigt. Das Votivbild wurde dadurch nicht nur zur bildlichen Erzählung eines Unglücks, sondern zugleich zum materiellen Beweisstück des Ereignisses.

Andere Tafeln erinnern an einen Blitzschlag in einen Bauernhof am Voggenberg, einen Brand in Itzling, einen Felssturz bei Waldarbeiten oder an Lebensgefahr auf der Salzach. Ein Votivbild aus dem Jahr 1892 berichtet von einer Frau, die nach der Explosion einer Flasche zunächst ihr Augenlicht verlor und später für die Wiederkehr ihrer Sehkraft dankte. Bemerkenswert ist, dass die Inschrift sowohl die Fürbitte Mariens als auch ausdrücklich die ärztliche Behandlung nennt. Religiöse Deutung und medizinische Hilfe wurden somit keineswegs zwingend als Gegensätze verstanden.

Neben den gemalten Tafeln sind Silbervotive in Form von Armen, Beinen, Herzen, einer Frauenbüste und eines Augenpaares erhalten. Solche anatomischen Votive machten das Anliegen unmittelbar sichtbar: Der geopferte Körperteil bezeichnete jene Stelle, deren Heilung erbeten oder für deren Genesung gedankt wurde.

Andachtsbilder und Wallfahrtsmedaillen

Die Wirkung des Wallfahrtsortes sollte nicht auf die unmittelbare Gegenwart vor dem Gnadenbild beschränkt bleiben. Kleine Andachtsbilder, Medaillen und Weihepfennige ermöglichten es den Pilgern, ein materielles Erinnerungs- und Schutzzeichen mit nach Hause zu nehmen.

Bereits in den Rechnungen des Stiftes St. Peter erscheinen 1673 sogenannte "Plainerpfennige". Solche Medaillen wurden am Wallfahrtsort erworben, getragen oder im häuslichen Bereich aufbewahrt und bildeten eine besonders mobile Form der Kultübertragung.

Auch kleine Andachtsbilder von Maria Plain wurden in großer Zahl verbreitet. Gustav Gugitz berichtet, dass solche Bildchen Kindern unter den Kopfpolster gelegt wurden, um sie vor den sogenannten "Fraisen", einem historischen Sammelbegriff vor allem für schwere kindliche Krampfanfälle, zu schützen.

Hier wiederholt sich in anderer Form jener Vorgang, der bereits bei den frühen Kopien des Gnadenbildes sichtbar wird. Die angenommene Schutzwirkung blieb nicht an das materielle Original gebunden. Das vervielfältigte Bild konnte die Verbindung zum Gnadenort herstellen und dessen Wirkung symbolisch in Haus und Familie übertragen.

Nach der Krönung von 1751 wurden sogar ältere Kupferplatten nachträglich verändert. Karl Roll beobachtete, dass auf Kupferstichen des 17. Jahrhunderts Maria und das Jesuskind teilweise bereits mit Kronen erscheinen, obwohl diese erst 1751 verliehen worden waren. Die Kronen waren nachträglich in ältere Druckplatten eingestochen worden, so dass man die vorhandenen Platten weiterverwenden und zugleich dem veränderten Erscheinungsbild des Gnadenbildes anpassen konnte. Dadurch entstanden Darstellungen des älteren ungekrönten und des jüngeren gekrönten Bildtypus nebeneinander.

Die Bruderschaft Maria Trost

Eine wichtige institutionelle Stütze der Wallfahrt bildete die 1681 gegründete Bruderschaft Maria Trost. Nach den erhaltenen Bruderschaftsbüchern sollen sich im Laufe ihres Bestehens rund 34.000 Personen eingeschrieben haben.

Zu den Mitgliedern gehörten nicht nur Menschen aus Salzburg und der näheren Umgebung, sondern Angehörige des europäischen Hochadels und der Kirche, darunter Kaiserin Eleonora, die polnische Königin Eleonora, Herzog Karl von Lothringen, zahlreiche Erzbischöfe, Bischöfe und Äbte sowie der Kapuziner Marco d’Aviano.

Die große Zahl und die soziale Spannweite ihrer Mitglieder verdeutlichen, dass Maria Plain bereits im ausgehenden 17. Jahrhundert weit über den Salzburger Raum hinaus bekannt war. Die Bruderschaft bildete ein religiöses Netzwerk, durch das der Gnadenort mit Menschen verbunden wurde, die nicht ständig selbst auf den Plainberg pilgern konnten.

Krieg, Schutz und die Krönung des Gnadenbildes

Die Vorstellung von Maria Plain als Schutzort wurde durch politische und militärische Krisen immer wieder verstärkt. Während der Wiener Türkenbelagerung von 1683 suchten zahlreiche Flüchtlinge aus Wien Zuflucht in Salzburg und besuchten nach der zeitgenössischen Mirakelüberlieferung auch Maria Plain. Unter ihnen befanden sich Angehörige hoher gesellschaftlicher Kreise und die verwitwete Kaiserin Eleonora.

Eine besondere Bedeutung erhielt die Wallfahrt während des Österreichischen Erbfolgekrieges. Als sich Mitte des 18. Jahrhunderts feindliche Truppen dem Erzstift Salzburg näherten, gelobte das Domkapitel, das Maria-Plainer Gnadenbild feierlich krönen zu lassen, wenn das Land von den befürchteten Kriegsschäden verschont bliebe.

Nach dem Ende der unmittelbaren Bedrohung wurde dieses Gelübde erfüllt. Die Kronen kosteten nach den erhaltenen Rechnungen 352 Gulden und wurden von Papst Benedikt XIV. persönlich gesegnet. Am 4. Juli 1751 setzte Fürsterzbischof Andreas Jakob Graf von Dietrichstein Maria und dem Jesuskind die Kronen auf.

Die Krönung war damit weit mehr als eine dekorative Veränderung des Bildes. Sie war ein öffentliches Dankeszeichen und die Erfüllung eines Landesgelübdes. Das Bild, dessen Geschichte in einem niederbayerischen Bäckerhaus begonnen hatte, wurde damit endgültig zu einem überregionalen Schutz- und Identifikationssymbol Salzburgs.

Maria Plain und die Familie Mozart

Maria Plain nahm auch im religiösen Leben der Familie Mozart einen festen Platz ein. Die erhaltene Familienkorrespondenz zeigt, dass Leopold Mozart während der großen Reisen seiner Familie wiederholt Messen in Maria Plain lesen ließ. Gemeinsam mit dem Salzburger Loreto-Kindl erscheint der Wallfahrtsort mehrfach als geistlicher Bezugspunkt, an dem man für Schutz während der Reise, Gesundheit und glückliche Heimkehr betete.

1764 bat Leopold Mozart aus Paris darum, mehrere Messen in Maria Plain und beim Loreto-Kindl feiern zu lassen. Auch vor einer gefährlichen Überfahrt im folgenden Jahr ließ er an beiden Salzburger Gnadenorten Messen bestellen.

Besonders eindringlich wird diese Verbindung in einem Brief Anna Maria Mozarts aus Mannheim vom Dezember 1777. Vor der Weiterreise nach Paris hatte sie sowohl beim Loreto-Kindl als auch in Maria Plain eine Messe versprochen und bat ihren Mann, diese lesen zu lassen. Für Maria Plain solle man warten, bis das Wetter wärmer werde, damit auch Nannerl hinausgehen könne. Der Wallfahrtsort erscheint hier nicht als abstraktes Heiligtum, sondern als selbstverständlicher Bestandteil des religiösen Familienlebens.

Nach dem Tod Anna Maria Mozarts in Paris im Juli 1778 begegnen dieselben beiden Salzburger Gnadenorte erneut. Wolfgang Amadé Mozart schrieb an seinen Vater, er hätte ihn gerne um eine Messe in Maria Plain und Loreto gebeten, habe dies inzwischen jedoch selbst in Paris veranlasst. Orte, die zuvor für Schutz während der Reise angerufen worden waren, wurden nun mit Tod, Trauer und dem Gedenken an die Verstorbene verbunden.

Auch musikalisch besteht ein konkreter Bezug zwischen Mozart und Maria Plain. Für die Missa in D-Dur KV 194 nennt das aktuelle Köchel-Verzeichnis als Ort und Datum der ersten Aufführung Maria Plain am 19. August 1774. Dieser Tag gehörte zu den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen der Wallfahrtskirche. Pater Beda Hübner, Beichtvater in Maria Plain und mit der Familie Mozart bekannt, berichtete von der Anwesenheit des älteren und des jungen Mozart; Wolfgang spielte bei einem feierlichen Hochamt sowohl Orgel als auch Violine.

Damit besteht ein wesentlich besser belegter Zusammenhang zwischen Mozart und Maria Plain als durch die häufig erzählte Geschichte von der sogenannten "Krönungsmesse" KV 317.

Die Bezeichnung "Krönungsmesse" wurde erst lange nach Mozarts Tod mit Maria Plain verbunden. Die Messe entstand 1779 und kann nach dem heutigen Forschungsstand nicht als Komposition für das Maria-Plainer Krönungsfest gelten. Die Vorstellung wurde erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch Johann Evangelist Engl verbreitet. Dass KV 317 heute beim Krönungsfest in Maria Plain aufgeführt wird, gehört zur späteren Traditionsbildung des Wallfahrtsortes, nicht zur Entstehungsgeschichte der Komposition.

Maria Plain war für die Familie Mozart jedoch auch außerhalb großer liturgischer Anlässe ein vertrauter Ort. Man besuchte dort befreundete Patres, legte die Osterbeichte ab und verband den Weg auf den Plainberg mit Spaziergängen. Leopold Mozart bewältigte den Weg von seinem Salzburger Wohnhaus zur Wallfahrtskirche selbst noch im Alter von über sechzig Jahren zu Fuß.

Vom Mirakelbuch zum Anliegenbuch

Die Formen der Wallfahrtsfrömmigkeit haben sich im Laufe der Jahrhunderte verändert, ohne dass ihre grundlegende Funktion vollständig verschwunden wäre. Während frühneuzeitliche Mirakelbücher vor allem bereits erfolgte und als wundersam verstandene Hilfen dokumentierten, nehmen moderne Anliegen- und Fürbittbücher stärker die noch offene Bitte auf.

Eine Untersuchung der Maria-Plainer Eintragebücher aus dem 20. Jahrhundert zeigte, dass familiäre Sorgen und gesundheitliche Anliegen besonders häufig vorkommen. Hinter der veränderten Ausdrucksform steht damit weiterhin dieselbe Grundsituation wie in den Mirakelbüchern des 17. Jahrhunderts: Menschen bringen persönliche Not, Krankheit, Sorge um Angehörige oder Dankbarkeit an einen als besonders wirksam verstandenen religiösen Ort.

Auch das Kerzenopfer führt diese Tradition in einer weniger dauerhaften Form fort. An die Stelle großer gemalter Votivtafeln und kostbarer Silbervotive treten vielfach Kerzen, schriftliche Bitten und persönliche Gebete. Die materielle Gestalt verändert sich, während die religiöse Grundstruktur von Bitte, Wallfahrt und Dank erhalten bleibt.

Jakobsbrunnen oder Augenbründl

Zur Wallfahrtslandschaft des Plainbergs gehört schließlich der Jakobsbrunnen, der volkstümlich auch als Augenbründl bezeichnet wird. Seinem Wasser wurde traditionell eine besondere Wirkung bei Augenleiden zugeschrieben.

Mit der Quelle verbindet sich eine Legende, nach der einem Priester im Winter eine konsekrierte Hostie in den Schnee gefallen sei. An dieser Stelle soll der Schnee geschmolzen und Wasser hervorgetreten sein.

Der Brunnen erweitert das religiöse Bedeutungssystem Maria Plains um ein weiteres klassisches Element der Wallfahrtskultur. Neben das verehrte Bild treten Wasser, Berührung und körperliche Anwendung als Medien erhoffter Hilfe. Maria Plain vereint damit auf engem Raum eine ungewöhnlich große Zahl volksreligiöser Ausdrucksformen: Gnadenbild, Bildkopien, Mirakelüberlieferung, Votivgaben, Bruderschaft, Wallfahrtsmedaillen, Andachtsbilder, Rosenkranzweg, Kalvarienberg, Heilwasser und schriftliche Anliegen.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Plain ist ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie ein Wallfahrtsort entsteht, sich über Jahrhunderte verändert und dennoch wesentliche Strukturen bewahrt. Am Beginn steht weder eine planmäßig gegründete Kirche noch ein bereits allgemein anerkanntes Kultbild, sondern ein vergleichsweise schlichtes Weihnachtsbild, dessen Rettung aus einer Kriegskatastrophe religiös gedeutet wurde.

Aus dem erzählten Brandwunder entwickelte sich die Vorstellung besonderer Wirksamkeit. Gebetserhörungen wurden erzählt und schriftlich festgehalten, Votivgaben machten erfahrene Hilfe öffentlich sichtbar, Kopien und Andachtsbilder trugen die Verbindung zum Gnadenort weit über den Plainberg hinaus, Wallfahrtsmedaillen machten sie körperlich tragbar, und die Bruderschaft schuf ein institutionelles Netzwerk von außergewöhnlicher Reichweite.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Geschichte der Bildkopien. Maria Plain zeigt in ungewöhnlicher Deutlichkeit, dass die religiöse Wirksamkeit eines Gnadenbildes im historischen Verständnis keineswegs ausschließlich an dessen materielle Originalsubstanz gebunden sein musste. Die Wallfahrt entwickelte sich über Jahrzehnte erfolgreich weiter, obwohl das ursprüngliche Gemälde weit entfernt war. Kopien konnten seine Funktion übernehmen und ihrerseits Kult erzeugen.

Zugleich lässt sich am Gnadenbild die zunehmende öffentliche und politische Bedeutung des Wallfahrtsortes ablesen. Aus einem privaten Mutter-Kind-Bild wurde zunächst ein verehrtes Gnadenbild, später die gekrönte "Maria Trost" und schließlich ein Schutzbild, an das sich auch landesweite Hoffnungen und Dankgelübde richteten.

Maria Plain ist deshalb nicht allein eine bedeutende barocke Wallfahrtskirche, sondern ein außergewöhnlich gut dokumentiertes Beispiel für die Entstehung, Ausbreitung und materielle Kultur einer neuzeitlichen Wallfahrt. Bild, Legende, Mirakel, Votivgabe, Devotionalie, Weg, Landschaft und Liturgie bilden hier ein über Jahrhunderte gewachsenes Ganzes, dessen religiöse Funktion bis in die Gegenwart fortlebt.

Maria Plain, die Familie Trapp und "The Sound of Music"

Eine ungewöhnliche kulturgeschichtliche Verbindung besitzt Maria Plain zur Familie Trapp und zu deren späterer filmischer Darstellung in dem amerikanischen Musicalfilm "The Sound of Music" (Meine Lieder – meine Träume, USA 1965) unter der Regie von Robert Wise. Maria Plain war für die wirkliche Familie Georg und Maria von Trapp keineswegs nur eine Kirche in der Umgebung Salzburgs, sondern ein regelmäßig besuchter persönlicher Wallfahrtsort.

Maria Augusta von Trapp erinnerte sich später in ihrem 1955 erschienenen Buch Around the Year with the Trapp Family ausführlich an die Wallfahrten ihrer Familie nach Maria Plain. An Marienfesten gehörte der gemeinsame Gang auf den Plainberg zu den religiösen Gewohnheiten der Familie. Von ihrem Haus aus ging man zu Fuß zur Salzach und weiter zum Fuß des Plainbergs, wobei unterwegs Rosenkränze gebetet wurden. Dort wurden mitgebrachte Kerzen entzündet und der letzte Abschnitt des Weges wiederum betend und mit dem Wallfahrtslied zurückgelegt. In der Basilika nahm die Familie an der Messe und Kommunion teil und verweilte anschließend vor dem Gnadenbild "Maria Trost" im persönlichen Gebet. Maria von Trapps Erinnerungen geben damit eine seltene unmittelbare Beschreibung davon, wie eine Salzburger Familie des 20. Jahrhunderts die Wallfahrt nach Maria Plain tatsächlich vollzog.

Noch eindringlicher ist die Verbindung Maria Plains mit der Ausreise der Familie aus Österreich im Jahr 1938. Erhalten blieb ein in Kurrentschrift geschriebener Brief der damals siebzehnjährigen Martina von Trapp vom 23. August 1938 an die mit der Familie befreundete Familie Moßhammer, die den Gasthof Maria Plain führte. Darin schilderte Martina den Besuch der Familie in Maria Plain unmittelbar vor ihrer Ausreise. Die Basilika war bereits geschlossen, doch der Mesner öffnete sie noch einmal, entzündete die Kerzen am Altar und die Familie erhielt dort ihren "letzten Segen in Österreich". Der Brief befand sich später noch im Besitz der Familie Moßhammer.

Diese Überlieferung ist allerdings gegenüber der vereinfachten, durch den Film weithin verbreiteten Fluchtgeschichte etwas zu präzisieren. Die Familie verließ Österreich 1938 zunächst Richtung Italien und Amerika, kehrte jedoch vor dem endgültigen Abschied noch einmal nach Europa beziehungsweise Salzburg zurück. Der in Martinas Brief geschilderte Besuch Maria Plains ist daher am genauesten als der religiöse Abschied vor der Ausreise von 1938 zu verstehen. Dass sich die Familie gerade vor diesem entscheidenden Schritt nochmals zum Gnadenbild "Maria Trost" begab, zeigt jedoch, welchen persönlichen Rang der Wallfahrtsort für sie besaß.

An diese historische Beziehung knüpft – bewusst oder unbewusst – auch die berühmteste filmische Darstellung der Familie an. In The Sound of Music heiratet Maria, dargestellt von Julie Andrews, den von Christopher Plummer gespielten Kapitän Georg von Trapp. Die monumentale Hochzeitsszene wurde nicht in Salzburg und auch nicht in Maria Plain aufgenommen, sondern in der ehemaligen Klosterkirche und heutigen Basilika St. Michael in Mondsee (Bezirk Vöcklabruck in Oberösterreich). Maria schreitet durch das lange Kirchenschiff zum Hochaltar, wo die filmische Trauung stattfindet.

Bemerkenswert ist jedoch der Abschluss dieser Sequenz. Nach der Aufnahme des Hochaltars in Mondsee wechselt der Film den tatsächlichen Schauplatz: Die anschließende Außenaufnahme zeigt die charakteristischen Doppeltürme der Wallfahrtskirche Maria Plain auf dem Plainberg bei Salzburg. Damit entsteht durch den Filmschnitt ein fiktiver einheitlicher Kirchenraum, dessen Inneres sich in Mondsee und dessen äußere Erscheinung sich bei Salzburg befindet. Diese für Spielfilme keineswegs ungewöhnliche Montage ist hier kulturgeschichtlich besonders reizvoll, weil Maria Plain in der Lebensgeschichte der wirklichen Familie Trapp tatsächlich eine bedeutende religiöse Rolle spielte.

Ob die Filmemacher Maria Plain für diese kurze Außenaufnahme gerade wegen der persönlichen Beziehung der Familie Trapp zum Wallfahrtsort auswählten, lässt sich bislang nicht belegen. Eine solche Absicht kann daher nicht behauptet werden. Die Übereinstimmung ist dennoch bemerkenswert: Ausgerechnet jener Wallfahrtsort, den Maria von Trapp als Ziel regelmäßiger Familienwallfahrten beschrieb und den die Familie vor ihrer Ausreise 1938 nochmals zum Gebet aufsuchte, erscheint im Film unmittelbar im Zusammenhang mit der Hochzeit von Maria und Georg von Trapp.

Die weltweite Wirkung von The Sound of Music gab dieser kurzen Einstellung schließlich eine Bedeutung, die bei den Dreharbeiten kaum abzusehen gewesen sein dürfte. Der Film wurde zu einem der international bekanntesten Bilder Salzburgs und seiner Landschaft, während er in Österreich selbst lange erheblich weniger präsent war. Maria Plain gehört damit – wenn auch nur in einer kurzen, leicht zu übersehenden Einstellung – ebenfalls zu jener aus realen Salzburger und oberösterreichischen Orten zusammengesetzten filmischen Topographie von "The Sound of Music", die das Bild Salzburgs für Generationen eines internationalen Publikums geprägt hat. Der Tourismusverband Bergheim weist inzwischen selbst (auf der englischen Version der Webseite) auf die Verbindung Maria Plains mit The Sound of Music hin.

Die reale Verbindung zur Familie Trapp wurde später auch bewusst wieder aufgegriffen. Elisabeth von Trapp, eine Enkelin von Georg und Maria von Trapp und Tochter Werner von Trapps, gab 2018 gemeinsam mit dem Vocalensemble Maria Plain ein Konzert in der Basilika. Dabei wurde an den Aufenthalt der Familie vor ihrer Ausreise achtzig Jahre zuvor erinnert und aus historischen Briefen und Aufzeichnungen gelesen; nach Angaben der Veranstalter wurden auch jene Lieder aufgegriffen, die mit dem letzten Abend der Familie in Maria Plain verbunden waren.

Literatur zur Wallfahrt

- Faber, Virgilius: Gecrönter Marianischer Granat-Apfel. Das ist: Auserlesene Gnaden-Geschichten, Der presthafften Welt von Maria-Trost auff dem Plain nechst Salzburg, mitgetheilet. Salzburg 1697.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.

- Hahnl, Adolf: Die Votivbilder von Maria Plain bei Salzburg.

- Hahnl, Adolf / Bachler, Winfried OSB: Wallfahrtsbasilika Maria Plain bei Salzburg. Geschichte, Kunst, Spiritualität. Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 500. Salzburg 2009.

- Hermann, Friedrich: Maria Plain. Salzburg. Christliche Kunststätten Österreichs Nr. 5. Salzburg.

- Hintermaier, Ernst: Musik und Wallfahrt im Erzbistum Salzburg.

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München/Zürich 1982.

- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Katalog der 11. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg. Salzburg 1986.

- Roll, Karl: Die Medaillen-Stempel-Sammlung des Benediktiner-Stiftes St. Peter in Salzburg. Ein Beitrag zur Geschichte der Weihepfennige. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde 54, 1914, S. 167–262.

- Sedlmayr, Roman: Historia Almæ et Archi-Episcopalis Universitatis Salisburgensis. Salzburg 1728.

- Maria Plain 1674–1974. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens und seiner Zweige 85, 1974.

- Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Salzburg. Österreichische Kunsttopographie. Wien 1916.

- Trapp, Maria Augusta von: Around the Year with the Trapp Family. New York: Pantheon Books, 1955, 251 S. (Das Buch enthält ihre eigene Beschreibung der Wallfahrten nach Maria Plain).

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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