Maria Alm am Steinernen Meer, Gastegkapelle – Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes und zum Augenbründl

Schnellüberblick
Wallfahrt:Gastegkapelle bei Maria Alm: Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes, frühgotisches Vesperbild, Augenbründl, Heilungslegende und Votivwesen.
Status:Historische Augenwallfahrt stark zurückgegangen, aber nicht vollständig erloschen.
Kultzentrum:Frühgotisches Vesperbild; in der Kapelle wird heute eine Kopie verehrt. Dazu das Augenbründl.
Ort:Maria Alm am Steinernen Meer
Region:Pinzgau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch

Lage: keine postalische Adresse.
Die Gastegkapelle liegt ungefähr einen Kilometer westlich des Ortszentrums von Maria Alm an der alten Verbindung nach Saalfelden und ist zu Fuß leicht erreichbar.

Das Original des mittelalterlichen Gnadenbildes wird heute im Dommuseum Salzburg aufbewahrt. In der Kapelle befindet sich eine Kopie.

Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pinzgau
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Web: Pfarre Maria Alm
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Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

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Ausführliche Beschreibung

Die Gastegkapelle liegt rund einen Kilometer westlich des Ortszentrums von Maria Alm am Steinernen Meer an der alten Verbindung nach Saalfelden. Der kleine Sakralbau gehört zu den älteren Andachtsstätten des Mitterpinzgaus und war besonders im 18. Jahrhundert Ziel einer lokalen Wallfahrt zur Schmerzhaften Muttergottes. Mit der Kapelle verbunden ist das unmittelbar unterhalb gelegene sogenannte Augenbründl, dessen Wasser nach der Überlieferung bei Augenleiden helfen sollte.

Mittelpunkt der historischen Wallfahrt war ein außergewöhnlich frühes Vesperbild aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Das mittelalterliche Original befindet sich heute aus konservatorischen Gründen im Dommuseum Salzburg; in der Kapelle wird eine Kopie verehrt.

Die frühere Augenwallfahrt besitzt heute nicht mehr die Bedeutung des 18. Jahrhunderts, ist jedoch nicht vollständig erloschen. Kapelle und Augenbründl werden weiterhin von Pilgern und Besuchern aufgesucht und sind heute außerdem in den Pinzgauer Marienweg eingebunden.

Geschichte der Kapelle

Die Gastegkapelle steht an einem alten Weg zwischen Maria Alm und Saalfelden. Der Name "Gasteg" beziehungsweise "Gasteig" wird mit einem steilen oder jähen Steig in Verbindung gebracht und verweist damit auf die topographische Situation des Ortes.

Eine Kapelle ist hier bereits 1545 urkundlich nachweisbar. Der heutige Bau entstand gegen Ende des 17. Jahrhunderts und ersetzte beziehungsweise veränderte eine ältere Andachtsstätte.

Die Kapelle besitzt einen ungewöhnlichen Grundriss. Der Hauptraum ist als kleiner achteckiger Zentralbau gestaltet und wird durch einen rechteckigen Chor ergänzt. Eine hölzerne Vorhalle und ein kleiner Dachreiter beziehungsweise Turm verleihen dem Bau sein charakteristisches Erscheinungsbild.

Der Innenraum wird heute wesentlich durch einen Rokokoaltar geprägt.

Das frühgotische Vesperbild

Das historische Gnadenbild ist wesentlich älter als der heutige Kapellenbau.

Es handelt sich um eine frühgotische Pietà beziehungsweise ein Vesperbild aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die ungefähr 72 Zentimeter hohe Figur zeigt Maria mit dem vom Kreuz abgenommenen toten Christus auf ihrem Schoß.

Damit gehört sie einem Bildtypus an, der sich im ausgehenden Mittelalter besonders stark verbreitete. Das Vesperbild stellte den Schmerz der Gottesmutter unmittelbar vor Augen und lud den Betrachter zur Betrachtung von Tod und Passion Christi sowie zum Mitleiden mit Maria ein.

Die Gasteger Figur besitzt wegen ihres hohen Alters auch kunsthistorische Bedeutung. Ihre eigentliche volkskundliche Bedeutung erhielt sie jedoch erst dadurch, dass sie nicht nur als Andachtsbild betrachtet, sondern als Gnadenbild angerufen wurde.

Das mittelalterliche Original befindet sich heute im Dommuseum Salzburg. In der Gastegkapelle steht eine Kopie, welche die historische Kulttradition am ursprünglichen Ort fortführt.

Die Legende vom Augenbründl

Mit der Entstehung der Wallfahrt verbindet sich die Überlieferung von einer blinden Frau.

Der Frau soll die Gottesmutter erschienen sein beziehungsweise ihr den Hinweis gegeben haben, sich mit dem Wasser einer Quelle bei der Kapelle zu waschen.

Nachdem sie dies getan hatte, soll sie ihr Augenlicht wiedererlangt haben.

Aus dieser Heilungslegende entwickelte sich die besondere Bedeutung des sogenannten Augenbründls. Das Wasser wurde von späteren Wallfahrern vor allem bei Augenkrankheiten verwendet. Menschen wuschen sich damit die Augen oder nahmen Wasser mit nach Hause.

Die Quelle liegt unmittelbar unterhalb beziehungsweise in der Nähe der Kapelle. Eine Tafel beim Brunnen erinnert bis heute an die überlieferte Heilung.

Vom Heilungswunder zur Augenwallfahrt

Volkskundlich ist die Entstehung der Gasteger Augenwallfahrt besonders anschaulich.

Eine konkrete Heilungslegende erklärt unmittelbar die spätere Spezialisierung des Kultortes. Weil nach der Überlieferung eine blinde Frau durch das Wasser der Quelle wieder sehen konnte, wurde genau dieses Wasser von anderen Menschen mit vergleichbaren Beschwerden aufgesucht.

Die Quelle erhielt ihre religiöse Bedeutung damit nicht allein durch ihre natürliche Beschaffenheit, sondern durch die Geschichte, die sich mit ihr verband.

Der Vorgang zeigt, wie innerhalb der Wallfahrtsfrömmigkeit bestimmte Heiligtümer auf einzelne Krankheiten oder Körperbereiche spezialisiert werden konnten. Aus einem einmaligen Wunder entstand ein dauerhaftes Handlungsmuster: Wer an den Augen litt, wandte sich an die Schmerzhafte Muttergottes von Gasteg und benutzte das Wasser des Bründls.

Vesperbild und Augenheilung

Bemerkenswert ist, dass die Funktion als Augenheiligtum nicht unmittelbar aus der Ikonographie des Gnadenbildes hervorgeht.

Eine Pietà zeigt Maria mit dem toten Christus und gehört ursprünglich zur Passions- und Schmerzfrömmigkeit. Einen besonderen Bezug zu Augenkrankheiten besitzt dieser Bildtypus nicht.

Erst die lokale Heilungslegende gab dem Bild eine zusätzliche Bedeutung.

Damit zeigt Gasteg beispielhaft, dass die kultische Funktion eines Gnadenbildes nicht notwendigerweise durch sein dargestelltes Thema bestimmt wird. Ein bereits vorhandenes Andachtsbild kann durch eine besondere Erzählung, eine Gebetserhörung oder ein Wunder eine vollkommen neue Funktion erhalten.

Aus der mittelalterlichen Schmerzhaften Mutter wurde dadurch zusätzlich eine besondere Fürsprecherin bei Augenleiden.

Die Wallfahrt im 18. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich die Gastegkapelle zu einem stark besuchten lokalen Wallfahrtsort.

Kapelle und Augenbründl wurden besonders von Menschen aufgesucht, die an Erkrankungen der Augen litten oder um den Erhalt beziehungsweise die Wiedergewinnung ihrer Sehkraft baten.

Damit war die Gastegkapelle keine bloße Wegkapelle oder allgemein verehrte Marienandachtsstätte. Der Pilgerzulauf, das als Gnadenbild verehrte Vesperbild, die Heilquelle und die überlieferten Votivgaben belegen einen eigenständigen Wallfahrtskult.

Die Bedeutung blieb allerdings regional begrenzt. Gasteg erreichte nie jene Größenordnung der großen Pinzgauer Wallfahrtszentren Maria Kirchental oder Maria Alm.

Gerade solche kleineren Gnadenstätten waren jedoch für die religiöse Alltagskultur der Bevölkerung von großer Bedeutung. Sie lagen näher am Lebensraum der Menschen und konnten bei bestimmten Anliegen gezielt aufgesucht werden.

Die Votivgaben

Von der früheren Wallfahrt zeugen auch Votivgaben.

Ein Teil dieser Gegenstände befindet sich heute im Museum Schloss Ritzen in Saalfelden, das zahlreiche Zeugnisse der Pinzgauer Wallfahrtskultur bewahrt.

Votivgaben wurden gestiftet, nachdem eine Krankheit überwunden oder eine andere als bedrohlich empfundene Situation glücklich ausgegangen war. Ebenso konnten sie im Voraus mit der Bitte um Hilfe verbunden werden.

Für einen auf Augenleiden spezialisierten Wallfahrtsort sind insbesondere augenbezogene Votive zu erwarten; welche konkreten Gasteger Objekte aus dem erhaltenen Bestand stammen, bedarf jedoch jeweils der sicheren Provenienzbestimmung.

Die erhaltenen beziehungsweise museal bewahrten Votivgaben sind wichtige materielle Zeugnisse dafür, dass die Gastegkapelle tatsächlich als Gnaden- und Wallfahrtsort genutzt wurde.

Heilwasser und religiöse Erfahrung

Das Augenbründl gehört zu einer großen Gruppe von Quellen, deren Wasser innerhalb der Wallfahrtsfrömmigkeit eine besondere heilende oder schützende Bedeutung erhielt.

Solche Quellen wurden häufig mit einer Heiligenlegende, Erscheinung oder Gebetserhörung verbunden. Das Wasser selbst wurde dadurch zum Träger einer religiösen Hoffnung.

Dabei darf die historische Verwendung eines solchen Wassers nicht mit einer medizinisch nachgewiesenen Heilwirkung verwechselt werden. Für die volkskundliche Betrachtung ist entscheidend, dass Menschen dem Wasser aufgrund der überlieferten Heilung eine besondere Kraft zuschrieben und daraus konkrete Handlungen ableiteten.

Sie wuschen erkrankte Körperteile, tranken das Wasser oder nahmen es in Flaschen mit nach Hause.

Die Quelle verband den Wallfahrtsort damit unmittelbar mit dem menschlichen Körper.

Die Quelle als Teil des Kultortes

Kapelle und Quelle dürfen deshalb nicht getrennt betrachtet werden.

Die Kapelle bewahrt beziehungsweise repräsentiert das Gnadenbild, das Augenbründl dagegen den Ort des überlieferten Heilungswunders.

Der Pilger konnte beide Stationen miteinander verbinden: Gebet vor der Schmerzhaften Muttergottes und Anwendung des Wassers gehörten zu einem gemeinsamen religiösen Handlungskomplex.

Gerade diese räumliche Verbindung von Bild und Quelle ist für zahlreiche alpine Wallfahrtsorte charakteristisch.

Der sakrale Raum endet dabei nicht an der Kirchentür. Landschaft, Weg, Quelle und Kapelle bilden gemeinsam den Wallfahrtsort.

Eine mögliche ältere Herrschaftsgeschichte

Mit dem Platz der Gastegkapelle verbindet sich außerdem eine ältere, historisch nicht vollständig geklärte Überlieferung.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde vermutet, dass sich im Bereich der Kapelle möglicherweise eine ältere Anlage der Herren von Alm befunden habe. Auch Bestattungen von Angehörigen dieses bedeutenden Adelsgeschlechtes wurden mit dem Ort in Verbindung gebracht.

Ein sicherer Nachweis für einen solchen Zusammenhang ist bislang nicht gegeben.

Für die Geschichte der Wallfahrt ist diese Frage ohnehin von untergeordneter Bedeutung. Der Wallfahrtskult ist durch das Vesperbild, die Augenheilungslegende, den Pilgerzulauf und die Votivgaben unabhängig davon ausreichend belegt.

Keine gesicherte vorchristliche Heilquelle

Wie bei vielen alten Quellheiligtümern liegt die Vermutung nahe, der Platz könne bereits vor der christlichen Verehrung religiöse Bedeutung besessen haben.

Eine solche Kontinuität lässt sich für Gasteg jedoch nicht nachweisen.

Quellen und auffällige Naturorte spielten zwar in zahlreichen Kulturen eine religiöse Rolle, daraus darf jedoch nicht automatisch geschlossen werden, jede christliche Heilquelle gehe auf einen vorchristlichen Kult zurück.

Für Gasteg ist die christliche Überlieferung ausreichend klar: Die Bedeutung des Augenbründls wird durch die Legende von der Heilung einer blinden Frau erklärt und ist im Zusammenhang mit der Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes zu verstehen.

Wallfahrt heute

Die große Bedeutung der Augenwallfahrt des 18. Jahrhunderts ist heute deutlich zurückgegangen.

Dennoch wird die Gastegkapelle weiterhin als religiöser Ort besucht. Auch das Augenbründl ist erhalten und wird weiterhin aufgesucht.

Die historische Wallfahrt kann daher nicht als vollständig erloschen bezeichnet werden.

Am ehesten lässt sich Gasteg als historischer und bis heute lebendiger lokaler Marienwallfahrtsort mit stark zurückgegangener eigentlicher Augenwallfahrt einordnen.

Der heutige Besuch umfasst neben religiösen Motiven selbstverständlich auch kunsthistorisches, landschaftliches und touristisches Interesse.

Pinzgauer Marienweg

Die Gastegkapelle ist heute in den Pinzgauer Marienweg eingebunden.

Die entsprechende Etappe führt von Maria Alm in Richtung Saalfelden und berührt sowohl die Kapelle als auch das Augenbründl.

Der moderne Pilgerweg greift damit eine wesentlich ältere religiöse Tradition auf.

Er begründet jedoch nicht den historischen Wallfahrtsstatus der Gastegkapelle. Dieser ist bereits durch den früheren Wallfahrerzulauf, den Gnadenbildkult, die spezialisierte Augenwallfahrt und die Votivpraxis belegt.

Der Marienweg gibt dem alten Gnadenort vielmehr einen neuen Platz innerhalb des heutigen Pilgerwesens.

Volkskundliche Bedeutung

Die Gastegkapelle besitzt trotz ihrer geringen Größe eine bemerkenswert klare Wallfahrtsstruktur.

Am Anfang steht ein mittelalterliches Vesperbild, dessen ursprüngliche Bedeutung in der Passions- und Schmerzfrömmigkeit lag.

Eine lokale Heilungslegende verändert beziehungsweise erweitert seine Funktion. Die Schmerzhafte Muttergottes wird zur besonderen Fürsprecherin bei Augenleiden.

Die Quelle, an der das Wunder geschehen sein soll, wird zum Augenbründl. Die einmalige Erzählung wird dadurch zu einem wiederholbaren Ritual: Spätere Wallfahrer können dasselbe Wasser verwenden, mit dem nach der Legende bereits eine blinde Frau geheilt wurde.

Votivgaben dokumentieren anschließend die individuellen Bitten und den Dank der Pilger. Damit verbinden sich Gnadenbild, Legende, Körper, Wasser und Landschaft zu einem geschlossenen religiösen System.

Besonders bemerkenswert ist dabei das hohe Alter des Gnadenbildes. Eine frühgotische Pietà aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts erhielt Jahrhunderte nach ihrer Entstehung eine neue lokale Bedeutung, die der mittelalterliche Bildschnitzer kaum vorausgesehen haben kann.

Gasteg zeigt damit besonders anschaulich, dass die Geschichte eines religiösen Bildes nicht mit seiner Herstellung endet. Erst die spätere Verehrung, die damit verbundenen Erzählungen und die Handlungen der Gläubigen können aus einem Andachtsbild ein Gnadenbild und aus einer kleinen Kapelle einen Wallfahrtsort machen.

Literatur zur Wallfahrt

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986.

- Lahnsteiner, Josef: Mitterpinzgau. Saalbach, Saalfelden, Lofer, Salzburgisches Saaletal. Hollersbach 1962.

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München–Zürich 1982.

- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Salzburg 1986.

- Zaisberger, Friederike / Schlegel, Walter: Burgen und Schlösser in Salzburg. Pongau, Pinzgau, Lungau. Wien 1978.

- Pfarre Maria Alm: Angaben zu Kirchen und Kapellen der Pfarre.

- Museum Schloss Ritzen, Saalfelden: Bestände und Dokumentation zu den Pinzgauer Wallfahrtsorten und Votivgaben.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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