Maishofen, Pfarrkirche Mariä Geburt – erloschene Wallfahrt zum Gnadenbild "Maria vom Siege"

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Wallfahrt:Maishofen: erloschene Wallfahrt zum Gnadenbild „Maria vom Siege“, ursprünglich in Schloss Kammer; Geschichte, Hochaltar, Andachtsbild und Kult.
Status:Erloschene lokale Marienwallfahrt; das historische Gnadenbild blieb am Hochaltar erhalten.
Kultzentrum:Gnadenbild "Maria vom Siege", ursprünglich in der Kapelle von Schloss Kammer verehrt.
Ort:Maishofen
Region:Pinzgau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: Anton-Faistauer-Platz 9, 5751 Maishofen.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pinzgau
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Maishofen
Geöffnet: Die Kirche ist tagsüber zugänglich.
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Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarrkirche Mariä Geburt im Zentrum von Maishofen bewahrt mit dem Gnadenbild "Maria vom Siege" die Erinnerung an eine heute erloschene lokale Marienwallfahrt, deren ursprünglicher Mittelpunkt nicht die heutige Pfarrkirche, sondern die Kapelle von Schloss Kammer war. Mit der Errichtung der Maishofener Kirche im 19. Jahrhundert wurden das verehrte Marienbild und der zugehörige barocke Hochaltar aus der Schlosskapelle in das neue Gotteshaus übertragen. Der Kult wechselte damit seinen Standort, verlor aber im Laufe der Zeit seinen eigentlichen Wallfahrtscharakter.

Das historische Gnadenbild steht weiterhin am Hochaltar. Eine eigenständige Wallfahrt zur "Maria vom Siege" lässt sich heute jedoch nicht mehr feststellen, weshalb Maishofen als erloschene Wallfahrt einzuordnen ist.

Schloss Kammer und die Anfänge der Wallfahrt

Die Vorgeschichte der Maishofener Wallfahrt führt nach Schloss Kammer nordöstlich des Ortszentrums.

Dietrich Khuen von Belasy ließ dort zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein Schloss errichten. 1617 wurde eine Schlosskapelle geweiht. Nach einem Brand im Jahr 1711 mussten Schloss und Kapelle erneuert werden; wenige Jahre später entstand der barocke Altar, der sich heute in der Maishofener Pfarrkirche befindet.

In der Schlosskapelle entwickelte sich um ein Marienbild beziehungsweise eine Marienfigur mit der Bezeichnung "Maria vom Siege" eine lokale Wallfahrt. Über deren genaue Entstehungszeit, Umfang und Einzugsgebiet ist bislang wesentlich weniger bekannt als über die großen Pinzgauer Wallfahrten nach Maria Kirchental, Maria Alm oder Maria Elend. Dennoch wird die Madonna als historisches Gnadenbild und Ziel einer Wallfahrt überliefert.

Schloss Kammer war damit nicht nur Herrschaftssitz, sondern zeitweise auch lokaler religiöser Mittelpunkt.

Das Gnadenbild "Maria vom Siege"

Im Zentrum des barocken Hochaltares steht die gekrönte Gottesmutter mit dem Jesuskind.

Das Kind hält einen Kreuzstab und stößt damit gegen beziehungsweise durch eine Schlange. Die Darstellung verweist auf den Sieg Christi über Sünde und Tod. Die Schlange gehört bereits in der biblischen Überlieferung zu den Sinnbildern des Bösen; in der christlichen Kunst wird ihre Überwindung häufig mit Christus und Maria verbunden.

Die Bezeichnung "Maria vom Siege" passt daher unmittelbar zur Ikonographie des Gnadenbildes.

Der Name "Maria vom Siege" besitzt in der katholischen Frömmigkeitsgeschichte darüber hinaus eine weitreichende Tradition und wurde besonders seit der frühen Neuzeit mit dem Gedanken des Sieges durch die Fürsprache Mariens verbunden. Für Maishofen ist jedoch kein bestimmter militärischer Sieg oder ein konkretes historisches Ereignis als Ursprung des Kultes nachgewiesen. Eine unmittelbare Verbindung etwa zur Seeschlacht von Lepanto oder zu den Türkenkriegen sollte daher ohne weitere Quellen nicht angenommen werden.

Der barocke Hochaltar

Der Hochaltar wurde 1713 in München geschaffen und gehörte ursprünglich zur Schlosskapelle von Kammer.

Im Zentrum steht die "Maria vom Siege". Seitlich begleiten sie die heiligen Rupert und Virgil, die beiden für Salzburg besonders bedeutenden Diözesan- und Landespatrone.

Altar und Gnadenbild bildeten damit bereits in der Schlosskapelle eine kultische Einheit.

Diese Einheit blieb auch nach der späteren Übertragung in die neue Maishofener Kirche erhalten. Nicht nur das verehrte Bild wurde versetzt, sondern auch jener Altar, der über Generationen seine architektonische und liturgische Rahmung gebildet hatte.

Errichtung der Pfarrkirche Maishofen

Maishofen besaß lange Zeit keine Pfarrkirche im heutigen Ortszentrum.

Erst im 19. Jahrhundert entstand eine eigene Kirche, die 1863 fertiggestellt wurde. Im Zusammenhang mit diesem Neubau wurden der Hochaltar und das Gnadenbild aus der Kapelle von Schloss Kammer in die neue Kirche übertragen.

Damit verlagerte sich auch der historische Marienkult vom adeligen Herrschaftssitz in das Zentrum der Gemeinde.

Die Übertragung ist religionsgeschichtlich bemerkenswert. Ein Gnadenbild war eng mit einem bestimmten Ort verbunden; dennoch konnte seine kultische Bedeutung offenbar auf ein neues Gotteshaus übertragen werden. Die Pfarrkirche übernahm dadurch einen Teil der religiösen Tradition der wesentlich älteren Schlosskapelle.

Wallfahrt und Pfarrkirche

Mit der Übertragung wurde die "Maria vom Siege" Teil der Pfarrkirche Mariä Geburt.

Wie lange danach noch organisierte Wallfahrten beziehungsweise gezielte Pilgerbesuche zum Gnadenbild stattfanden, lässt sich aus den bisher greifbaren Quellen nicht genau bestimmen. Es fehlen bislang ausführliche Mirakelbücher, größere erhaltene Votivbestände oder Hinweise auf regelmäßige überregionale Kreuzgänge, wie sie von bedeutenderen Salzburger Wallfahrtsorten bekannt sind.

Die Überlieferung spricht daher eher für eine lokale oder kleinregionale Marienwallfahrt.

Gerade solche kleineren Gnadenorte konnten dennoch eine wichtige Rolle im religiösen Leben der umliegenden Bevölkerung spielen. Wallfahrt bedeutete nicht zwangsläufig große Pilgerzüge und tausende Besucher. Auch ein Heiligtum, das vor allem von Menschen aus benachbarten Dörfern und Höfen aufgesucht wurde, konnte als Gnadenort feste Bedeutung besitzen.

Das Andachtsbild "Maria Maishofen"

Ein bemerkenswertes Zeugnis der früheren Verehrung ist ein historisches Andachtsbild mit der Bezeichnung "Maria Maishofen".

Das Blatt befindet sich heute im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien und gehört zur Sammlung Gustav Gugitz. Es handelt sich um eine in Salzburg hergestellte Lithographie von Joseph Oberer.

Solche Andachtsbilder sind wichtige Zeugnisse der Wallfahrtskultur. Sie zeigen, dass ein Gnadenbild nicht nur innerhalb der Kirche verehrt wurde, sondern als eigenständig benanntes Kultbild verbreitet war.

Wallfahrer und Verehrer konnten das Bild mit nach Hause nehmen, in einem Gebetbuch verwahren oder im Wohnbereich aufstellen. Der Gnadenort wurde dadurch symbolisch in den privaten Alltag übertragen.

Die Bezeichnung "Maria Maishofen" zeigt zugleich, dass sich die Madonna nach ihrer Übertragung aus Schloss Kammer zunehmend mit ihrem neuen Standort identifizierte.

Gnadenbild und Wallfahrtsandenken

Andachtsbilder gehörten zu den wichtigsten Medien der traditionellen Wallfahrt.

Sie waren preiswert, leicht mitzunehmen und konnten in großen Stückzahlen verbreitet werden. Anders als ein allgemeines Heiligenbild bezeichneten Wallfahrtsbilder gewöhnlich eine ganz bestimmte Gnadenstätte: "Maria Kirchental", "Maria auf dem Eis", "Maria Alm" oder eben "Maria Maishofen".

Damit erhielt das jeweilige Gnadenbild eine eigene visuelle Identität.

Ein solches Blatt war zugleich Erinnerung an einen Besuch, Schutzbild und persönlicher Gegenstand der Frömmigkeit. Seine Erhaltung kann deshalb auch dort noch auf einen früheren Gnadenkult hinweisen, wo umfangreichere Votivbestände oder schriftliche Wallfahrtsquellen verloren gegangen sind.

Der Kirchenneubau des 20. Jahrhunderts

Die im 19. Jahrhundert errichtete Kirche blieb nicht vollständig erhalten.

1992 wurde das damalige Kirchenschiff abgetragen und durch einen modernen Neubau ersetzt, der 1993 fertiggestellt wurde. Der historische Turm blieb erhalten und wurde in die neue Anlage einbezogen.

Damit erlebten Altar und Gnadenbild eine zweite grundlegende Veränderung ihres architektonischen Umfeldes.

Die „Maria vom Siege“, ursprünglich in einer barocken Schlosskapelle verehrt, gelangte zunächst in eine Kirche des 19. Jahrhunderts und befindet sich heute in einem modernen Sakralraum des ausgehenden 20. Jahrhunderts.

Gerade diese Abfolge macht Maishofen religions- und kunstgeschichtlich interessant. Der Kultgegenstand blieb erhalten, während sich seine architektonische Umgebung mehrfach vollständig veränderte.

Der Faistauer-Votivaltar

Zu den bedeutendsten Kunstwerken der heutigen Kirche gehört außerdem der sogenannte Große Salzburger Votivaltar von Anton Faistauer.

Faistauer schuf das Werk 1918/19 in Maishofen. Nach wechselvoller Geschichte befindet sich der Altar heute wieder in der Pfarrkirche.

Die Bezeichnung "Votivaltar" darf jedoch nicht mit dem historischen Votivwesen der Wallfahrt zu "Maria vom Siege" verwechselt werden.

Der Faistauer-Altar gehört zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts und ist kein Beleg für die ältere Wallfahrt zum Mariengnadenbild. Die zufällige Übereinstimmung des Begriffes "Votiv-" darf daher nicht zur Konstruktion einer nicht belegten Wallfahrtstradition führen.

Die Wallfahrt ist heute erloschen

Eine eigenständige regelmäßige Wallfahrt zur "Maria vom Siege" lässt sich heute nicht mehr nachweisen.

Das historische Gnadenbild und sein barocker Altar blieben erhalten, die Kirche wird weiterhin als marianische Pfarrkirche genutzt, und auch moderne Pilgerwege führen durch Maishofen. Dies allein bedeutet jedoch nicht, dass die frühere Wallfahrt zum Gnadenbild fortbesteht.

Der heutige Pinzgauer Marienweg verbindet zahlreiche Kirchen und Marienorte miteinander. Seine Führung über Maishofen greift die marianische Tradition des Ortes auf, stellt aber keinen Nachweis für die Fortsetzung der historischen Wallfahrt dar.

Maishofen ist daher als erloschene lokale Marienwallfahrt zum Gnadenbild "Maria vom Siege" einzuordnen.

Volkskundliche Bedeutung

Die besondere Bedeutung Maishofens liegt weniger in einer außergewöhnlichen Wallfahrtslegende oder einem umfangreichen Mirakelwesen als in der ungewöhnlichen Wanderung des Gnadenbildes durch verschiedene sakrale Räume.

Der Kult entstand in einer adeligen Schlosskapelle. Von dort wurde das Gnadenbild gemeinsam mit seinem barocken Altar in die neu errichtete Pfarrkirche übertragen und damit aus einem herrschaftlichen Sakralraum in das religiöse Zentrum der Gemeinde versetzt.

Im 20. Jahrhundert veränderte sich die räumliche Umgebung nochmals grundlegend, während Madonna und Altar erhalten blieben. Das Gnadenbild besitzt damit eine bemerkenswerte Kontinuität gegenüber der wechselnden Architektur. Das erhaltene Andachtsbild "Maria Maishofen" zeigt zugleich, dass die Madonna einst eine eigene Kultidentität besaß, die über den unmittelbaren Kirchenraum hinausreichte.

Der Fall Maishofen macht außerdem deutlich, wie leicht kleine lokale Wallfahrten aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden können. Wo große Mirakelbücher und umfangreiche Votivsammlungen fehlen, bleiben häufig nur einzelne Sachzeugnisse, Andachtsbilder und Hinweise in älteren Quellen zurück.

Gerade diese unscheinbaren Spuren ermöglichen es, einen heute weitgehend vergessenen Wallfahrtskult wieder sichtbar zu machen.

Literatur zur Wallfahrt

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Bd. 5. Wien 1958.

- Lahnsteiner, Josef: Mitterpinzgau. Saalbach, Saalfelden, Lofer, Salzburgisches Saaletal. Hollersbach 1962.

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München–Zürich 1982.

- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Salzburg 1986.

- Österreichisches Museum für Volkskunde, Wien, Sammlung Gustav Gugitz: Andachtsbild "Maria Maishofen", Lithographie von Joseph Oberer.

- Orts- und Pfarrgeschichte Maishofen sowie Angaben zur historischen Schlosskapelle von Kammer.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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