Lend, Embach - Wallfahrtskapelle Maria Elend

Schnellüberblick
Wallfahrt:Wallfahrtskapelle Maria Elend bei Embach im Pinzgau: Ursprung, Gnadenbilder, Augenbründl, Votivwesen, Goldene Samstage und lebendige Wallfahrt.
Status:Lebendige Wallfahrt in kleinerer Form; Bittgänge und individuelle Pilgerbesuche bestehen nach Aufhebung und Wiedererrichtung fort.
Kultzentrum:Mariengnadenort mit Ursprungskapelle, Gnadenkapelle und Augenbründl.
Ort:Embach bei Lend
Region:Pinzgau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: Winkl 1, 5651 Lend.
Von Embach führt ein ungefähr halbstündiger Fußweg zur Wallfahrtsstätte. Eine Zufahrt bis in die nähere Umgebung ist ebenfalls möglich.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pinzgau
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Embach
Geöffnet: Die Gnadenkapelle ist ganzjährig zugänglich beziehungsweise tagsüber geöffnet.
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Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

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Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrtskapelle Maria Elend liegt oberhalb von Embach, einem Ortsteil der Gemeinde Lend, in einer abgelegenen Berglandschaft auf rund 1.100 Metern Seehöhe. Gemeinsam mit der etwas tiefer gelegenen Ursprungskapelle und dem sogenannten Augenbründl bildet sie einen kleinen Wallfahrtsbezirk, dessen Geschichte bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückreicht. Maria Elend gehört zu den ältesten nachweisbaren Wallfahrtsorten des Pinzgaus und entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einer stark besuchten regionalen Gnadenstätte, die zeitweise von mehreren Zehntausend Pilgern jährlich aufgesucht wurde.

Die Wallfahrt wurde während der kirchlichen Reformen des ausgehenden 18. Jahrhunderts aufgehoben und die damalige große Wallfahrtskirche abgetragen. Die religiöse Bindung der Bevölkerung an den Ort ließ sich jedoch nicht beseitigen. Im 19. Jahrhundert wurde am historischen Platz wieder eine Kapelle errichtet, und bis heute führen traditionelle Bittgänge und individuelle Pilger zur Gnadenstätte. Maria Elend ist daher ein historischer und bis heute lebendiger Marienwallfahrtsort.

Der Name Maria Elend

Der Name "Elend" ist nicht unmittelbar im heutigen Sinn von Not, Armut oder Unglück zu verstehen. Ältere Formen wie "Ellendt" oder "Öllend" weisen vielmehr auf einen abgelegenen, einsamen oder außerhalb der eigentlichen Siedlung gelegenen Ort hin.

Der Flurname bestand offenbar bereits vor der Entstehung der Wallfahrt. Erst durch die spätere Marienverehrung erhielt der Name zusätzlich eine religiöse Bedeutung, die sich mit Vorstellungen von Maria als leidender und mitleidender Gottesmutter verbinden ließ.

Ursula Penninger und die Gründung der Wallfahrt

Mit der Entstehung des Wallfahrtsortes verbindet sich die Überlieferung von Ursula Penninger vom Penninghof bei Taxenbach.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts verschwand ihre etwa zwölfjährige Tochter. In den späteren Erzählungen wird das Mädchen als blind und geistig beeinträchtigt beschrieben. Trotz intensiver Suche blieb es mehrere Tage unauffindbar.

Die verzweifelte Mutter legte daraufhin ein Gelübde ab: An jener Stelle, an der ihr Kind lebend gefunden werde, wolle sie zu Ehren der Gottesmutter eine Kapelle errichten lassen.

Nach drei Tagen wurde das Mädchen im abgelegenen "Elend" bei einer Quelle gefunden. Der Wallfahrtslegende zufolge war es nicht nur unversehrt, sondern hatte auch sein Augenlicht wiedererlangt und war bei klarem Verstand.

Ursula Penninger erfüllte ihr Gelübde und ließ eine Kapelle errichten. Außerdem stiftete sie Messen für das neue Heiligtum.

Die Gründung besitzt einen bemerkenswert festen historischen Kern. Ein Stiftungsbrief aus dem Jahr 1552 ist im Pfarrarchiv Taxenbach erhalten. Auch die für Ursula Penninger vorbereitete Grabplatte, die heute in Maria Elend eingemauert ist, erinnert daran, dass sie die Kapelle "zu unser Fraur im Elend" erbauen ließ.

Damit lässt sich zwischen der historisch belegten Stiftung und der wunderbaren Heilung des Kindes als religiöser Wallfahrtsüberlieferung deutlich unterscheiden.

Ursprungskapelle und Gnadenkapelle

Die Wallfahrt besitzt zwei eng miteinander verbundene sakrale Orte.

Bei der Quelle, an der Ursula Penningers Tochter gefunden worden sein soll, steht die sogenannte Ursprungskapelle. Nach einer Überlieferung könnte sich dort bereits zuvor eine einfache Hüter- oder Hirtenkapelle befunden haben. Die heutige Ursprungskapelle wurde im 18. Jahrhundert erneuert.

Etwas oberhalb entstand die eigentliche Wallfahrtskapelle mit dem Gnadenbild.

Diese räumliche Zweiteilung ist für Maria Elend charakteristisch. Die Quelle erinnert an das Gründungswunder, während die darüberliegende Gnadenkapelle den Mittelpunkt der eigentlichen Marienverehrung bildet.

Der Weg zwischen beiden Orten gehört damit selbst zur religiösen Topographie der Wallfahrt.

Das Augenbründl

Unmittelbar bei der Ursprungskapelle entspringt das sogenannte Augenbründl.

Seine Bedeutung erklärt sich aus der Gründungslegende. Weil das verschwundene blinde Mädchen an dieser Quelle wiedergefunden und nach der Überlieferung sehend geworden sein soll, wurde dem Wasser besondere Heilkraft bei Augenleiden zugeschrieben.

Wallfahrer wuschen ihre Augen mit dem Quellwasser oder nahmen es in Gefäßen mit nach Hause. Dieser Brauch hat sich bis in die Gegenwart erhalten.

Volkskundlich liegt darin ein besonders geschlossenes Beispiel für die Entstehung einer spezialisierten Heilquelle vor. Die legendäre Heilung begründet unmittelbar die spätere Anwendung des Wassers: Eine Quelle, an der ein blindes Kind das Augenlicht zurückerhalten haben soll, wird von späteren Pilgern bei Erkrankungen der Augen aufgesucht.

Vermutungen, die Quelle könne bereits vor der christlichen Wallfahrt als Kultplatz gedient haben, sind gelegentlich geäußert worden. Ein sicherer historischer oder archäologischer Nachweis dafür ist jedoch nicht bekannt.

Entwicklung der Wallfahrt

Aus der zunächst kleinen lokalen Gnadenstätte entwickelte sich allmählich eine bedeutende Wallfahrt.

Der älteste bekannte Eintrag im Mirakelbuch stammt aus dem Jahr 1628. Damit ist spätestens im frühen 17. Jahrhundert eine ausgeprägte Vorstellung von besonderen Gebetserhörungen in Maria Elend fassbar.

Mit zunehmendem Pilgerzustrom wurde die Kapelle mehrfach erweitert. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfolgte ein größerer Ausbau, bevor 1757 eine rund zwanzig Meter lange Wallfahrtskirche errichtet wurde.

1764 nahm Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach persönlich die Weihe des Gotteshauses vor.

In dieser Zeit erreichte die Wallfahrt ihren Höhepunkt.

Nach älteren Angaben kamen jährlich etwa 30.000 Wallfahrer nach Maria Elend. Rund eintausend Messfeiern sollen innerhalb eines Jahres abgehalten worden sein. Das Mesnerhaus musste zur Aufnahme der zahlreichen Pilger erweitert und als Herberge genutzt werden.

Maria Elend war damit im 18. Jahrhundert keine kleine örtliche Andachtsstätte mehr, sondern einer der bedeutenden regionalen Wallfahrtsorte des Pinzgaus.

Das Mirakelbuch

Eine wichtige Quelle für die Geschichte der Wallfahrt bildet das Mirakelbuch von Maria Elend.

Gebetserhörungen wurden zumindest seit dem frühen 17. Jahrhundert schriftlich festgehalten. Gedruckte Fassungen beziehungsweise Zusammenstellungen erschienen später ebenfalls.

Mirakelbücher besaßen innerhalb der Wallfahrt eine doppelte Funktion. Sie dokumentierten zunächst den Dank jener Menschen, die ihre Heilung oder Rettung der Fürsprache Mariens zuschrieben. Gleichzeitig verbreiteten sie den Ruf des Heiligtums.

Wer von einer bereits erfolgten Gebetserhörung las oder hörte, konnte daraus Hoffnung für die eigene Notlage gewinnen.

Die Berichte sind zugleich bedeutende Quellen zur Alltags- und Medizingeschichte. Sie dokumentieren Krankheiten, Unfälle, Geburten, wirtschaftliche Gefahren und persönliche Krisen jener Bevölkerungsschichten, von denen sonst nur selten ausführliche schriftliche Zeugnisse erhalten sind.

Votivbilder

Wie an den meisten bedeutenden Gnadenorten gehörten Votivbilder zu den wichtigsten sichtbaren Zeugnissen der Wallfahrt.

Wallfahrer stifteten solche Tafeln nach überstandenen Krankheiten, Unfällen oder anderen Gefahren. Die Bilder zeigten häufig die konkrete Notsituation im unteren Bereich und darüber die angerufene Gottesmutter.

Damit wurde eine persönliche Erfahrung öffentlich gemacht. Jeder Besucher konnte sehen, in welchen Gefahren andere Menschen bereits Hilfe gesucht und ihrer Überzeugung nach erfahren hatten.

Noch im 20. Jahrhundert war eine größere Zahl historischer Votivtafeln vorhanden. Ein Teil der älteren Bestände befindet sich heute in Verwahrung.

Die erhaltenen Tafeln gehören nicht nur zur religiösen Geschichte der Wallfahrt. Als bildliche Quellen dokumentieren sie Kleidung, Wohnverhältnisse, Arbeitswelt, Krankheiten und Gefahren des ländlichen Lebens.

Wachskröten

Zu den besonders charakteristischen Votivgaben von Maria Elend gehörten Wachskröten.

Krötenförmige Votive begegnen an zahlreichen historischen Wallfahrtsorten des Alpenraumes und standen vor allem mit Erkrankungen des weiblichen Unterleibes, der Gebärmutter, Schwangerschaft und Geburt in Verbindung.

Die Gestalt darf dabei nicht zoologisch im modernen Sinn verstanden werden. Innerhalb älterer Vorstellungen vom menschlichen Körper konnte die Gebärmutter als bewegliches, beinahe eigenständig handelndes Organ gedacht werden. Die Krötenform wurde zum symbolischen Abbild dieses Körperbereiches.

Wer eine solche Wachskröte nach Maria Elend brachte, konnte damit eine Krankheit oder einen Kinderwunsch darstellen oder nach glücklicher Genesung beziehungsweise Geburt Dank ausdrücken.

Krücken und andere Körpervotive

Auch Krücken sind als Votivgaben überliefert.

Wer nach schwerer Krankheit oder Lähmung wieder gehen konnte, hinterließ die nicht mehr benötigte Gehhilfe am Gnadenort. Die Krücke war damit keine symbolische Nachbildung, sondern ein unmittelbar mit der überstandenen Krankheit verbundenes Objekt.

Solche sogenannten Funktionsvotive besitzen eine besonders starke Aussagekraft. Der Gegenstand, der zuvor Zeichen körperlicher Einschränkung gewesen war, wurde nach der Heilung zum sichtbaren Zeugnis der Genesung.

An Wallfahrtsorten konnten ganze Ansammlungen von Krücken, Stöcken und anderen Hilfsmitteln entstehen, die den Eindruck eines von zahlreichen Wundern geprägten Heiligtums verstärkten.

Haaropfer

Für Maria Elend sind außerdem Haaropfer überliefert. Menschliches Haar besitzt unter den Votivgaben eine besondere Stellung, weil es unmittelbar vom Körper des Opfernden stammt und dennoch ohne dauerhafte Verletzung abgetrennt werden kann.

Haar konnte im Zusammenhang mit Krankheit, Genesung, Gelübden und persönlicher Marienverehrung geopfert werden. Besonders häufig begegnen solche Gaben im Bereich weiblicher Frömmigkeit.

Das Haaropfer brachte die Person des Wallfahrers dadurch beinahe körperlich am Gnadenort zur Gegenwart.

Gemeinsam mit Wachsvotiven, Krücken und Votivtafeln zeigt diese Praxis die große Bandbreite religiöser Dankes- und Bittgaben in Maria Elend.

Das historische Gnadenbild

Die Geschichte des Gnadenbildes ist kompliziert, da im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Kultbilder aufeinanderfolgten.

Das ursprüngliche Gnadenbild aus der Frühzeit der Wallfahrt ist offenbar nicht mehr erhalten.

Später wurde eine gemalte Pietà beziehungsweise Schmerzensmutter zum eigentlichen Kultbild der barocken Wallfahrt. Dieses Gemälde befindet sich heute am Hochaltar der Pfarrkirche St. Laurentius in Embach.

Die Übertragung nach Embach hängt mit der Aufhebung der Wallfahrt im ausgehenden 18. Jahrhundert zusammen.

Das historische Gnadenbild der großen barocken Wallfahrt befindet sich damit heute nicht mehr in Maria Elend selbst, sondern in der Pfarrkirche von Embach.

Die Pietà von Petrus Schmid

In der heutigen Gnadenkapelle von Maria Elend wird eine andere Pietà verehrt.

Sie wurde 1768 von Petrus Schmid als Steinguss geschaffen und orientierte sich am älteren Gnadenbild. Zunächst befand sie sich im Bereich der Ursprungskapelle.

Nach der Wiedererrichtung der Wallfahrtskapelle im 19. Jahrhundert wurde sie in die neue Gnadenkapelle übertragen.

Damit verkörpert die heutige Pietà zugleich die Kontinuität und den Bruch in der Geschichte des Wallfahrtsortes: Das ursprüngliche Kultbild wurde nach Embach gebracht, doch eine historische Nachbildung ermöglichte die Wiederaufnahme der Marienverehrung am alten Ort.

Maria Elend und die kirchliche Aufklärung

Die Geschichte Maria Elends nahm im ausgehenden 18. Jahrhundert eine dramatische Wendung.

Unter Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo wurden zahlreiche Formen barocker Volksfrömmigkeit eingeschränkt. Wallfahrten, Votivgaben, Prozessionen und andere religiöse Praktiken standen zunehmend unter dem Verdacht, Aberglauben zu fördern, wirtschaftliche Arbeitszeit zu beeinträchtigen oder von den als wesentlich angesehenen Aufgaben der Pfarrseelsorge abzulenken.

Maria Elend traf diese Reformpolitik besonders hart.

Die Wallfahrt wurde in den 1780er-Jahren aufgehoben. Das Gnadenbild musste in die Pfarrkirche von Embach übertragen werden, und die große Wallfahrtskirche wurde schließlich abgetragen.

Ein Heiligtum, zu dem wenige Jahrzehnte zuvor noch Zehntausende Menschen jährlich gepilgert waren, verschwand damit nahezu vollständig.

Zerstreuung der Ausstattung

Beim Abbruch der Wallfahrtskirche wurde ihre Ausstattung auf andere Kirchen verteilt.

Der von Leopold Hacksteiner geschaffene Tabernakel gelangte nach Taxenbach. Die Kanzel kam nach Bucheben im Raurisertal und ist dort erhalten.

Auch die Orgel wurde nach Bucheben übertragen und später verändert.

Die ehemalige Kirche von Maria Elend besteht damit in gewisser Weise in einzelnen Ausstattungsstücken an verschiedenen Orten des Pinzgaus weiter.

Solche Übertragungen waren nach der Aufhebung von Kirchen und Wallfahrtsstätten keineswegs ungewöhnlich. Wertvolle liturgische und künstlerische Gegenstände sollten weiterverwendet werden, auch wenn ihr ursprünglicher religiöser Zusammenhang damit verloren ging.

Die Wallfahrt lässt sich nicht verbieten

Bemerkenswert ist, dass die behördliche Aufhebung den Kult keineswegs zum Verschwinden brachte. Die Bevölkerung hielt an Maria Elend fest.

Der Versuch, die religiöse Bindung auf eine neu errichtete Ersatzkapelle am Ölberg umzulenken, hatte offenbar wenig Erfolg. Die Menschen wollten weiterhin den alten Gnadenort aufsuchen.

Dieser Vorgang zeigt besonders deutlich, dass Wallfahrtsorte ihre Bedeutung nicht allein durch kirchliche Verordnung erhalten.

Die emotionale und religiöse Bindung an einen bestimmten Platz kann über Generationen entstehen. Quelle, Legende, überlieferte Heilungen, persönliche Gelübde und familiäre Erinnerungen verbinden sich zu einem Kultort, dessen Bedeutung sich administrativ nur schwer beseitigen lässt.

Wiedererrichtung der Kapelle

Schließlich konnte die Bindung an den alten Ort wieder sichtbar werden. 1842 wurde am Platz der früheren Wallfahrtskirche eine neue Gnadenkapelle errichtet. Wenige Jahre später erfolgte eine Erweiterung.

Die Pietà von Petrus Schmid aus dem Jahr 1768 wurde in den neuen Bau übertragen. Auch einzelne erhaltene Votivtafeln fanden wieder ihren Platz. Damit kehrte die Wallfahrt nach mehreren Jahrzehnten an ihren historischen Ort zurück.

Die heutige Kapelle ist daher nicht einfach der verkleinerte Rest einer älteren Kirche, sondern das sichtbare Ergebnis einer Wiederbelebung des zuvor gewaltsam unterbrochenen Wallfahrtskultes.

Verlobte Bittgänge

Maria Elend war nicht nur Ziel einzelner Pilger. Mehrere Gemeinden und bäuerliche Gemeinschaften besaßen traditionelle, teilweise durch Gelübde begründete Bittgänge zur Gnadenstätte. Genannt werden unter anderem Taxenbach, Eschenau, Lend und Rauris.

Solche "verlobten" Wallfahrten gingen häufig auf eine konkrete Gefahr zurück. Eine Gemeinde konnte versprechen, jedes Jahr zu einem bestimmten Heiligtum zu pilgern, wenn eine Seuche, Unwetterkatastrophe oder andere Bedrohung abgewendet wurde.

Das Gelübde band dadurch nicht nur eine einzelne Generation. Wurde es als Verpflichtung der ganzen Gemeinschaft verstanden, konnte der Bittgang über Jahrhunderte weitergeführt werden.

Traditionelle Wallfahrten aus dem Raum Taxenbach nach Embach und Maria Elend werden bis heute gepflegt. Dabei steht unter anderem die Bitte um Schutz vor Unwetter und Missernten im Mittelpunkt.

Die Goldenen Samstage

Zu den historischen Wallfahrtsterminen von Maria Elend gehörten auch die drei Goldenen Samstage nach dem Fest des Erzengels Michael.

Diese besonderen Herbstsamstage begegnen an mehreren Salzburger Marienwallfahrtsorten.

Sie lagen in einer Jahreszeit, in der wesentliche bäuerliche Arbeiten abgeschlossen waren und dadurch wieder mehr Zeit für Wallfahrten zur Verfügung stand.

Mit den Goldenen Samstagen verbanden sich Marienandachten, Beichte, Messfeier sowie häufig die Bitte um eine gute Sterbestunde und die Erlösung der Armen Seelen.

Maria Elend gehörte damit zu einem regional weit verbreiteten religiösen Brauchkomplex, der Wallfahrtswesen, Totengedenken und bäuerlichen Jahreslauf miteinander verband.

Der Wallfahrtsweg

Die heutige Wallfahrt nach Maria Elend lässt sich als Weg mit mehreren Stationen erleben. Ausgangspunkt ist die Pfarrkirche St. Laurentius in Embach, wo sich das historische Gnadenbild der barocken Wallfahrt befindet.

Von dort führt der Weg über weitere religiöse Stationen hinauf nach Maria Elend. Am Ziel liegen Ursprungskapelle, Augenbründl und Gnadenkapelle dicht beieinander.

Die historischen Veränderungen des Kultes haben dadurch selbst eine neue Form der Wallfahrt geschaffen: Das alte Gnadenbild befindet sich im Dorf, während der ursprüngliche Gnadenort in der Berglandschaft liegt.

Wer beide Orte aufsucht, vollzieht zugleich einen Weg durch die Geschichte der Wallfahrt.

Die Ursprungskapelle und die Sternenkinder

Die Ursprungskapelle hat in jüngerer Zeit zusätzlich eine neue Funktion erhalten.

Sie dient heute auch dem Gedenken an sogenannte Sternenkinder, also Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind.

Diese neue Nutzung besitzt eine bemerkenswerte Verbindung zur alten Gründungsüberlieferung. Bereits am Anfang der Wallfahrt steht das Verschwinden eines Kindes und die Sorge einer Mutter.

Der Ort, an dem nach der Legende ein verloren geglaubtes Kind wiedergefunden wurde, ist damit heute zugleich ein Platz des Gedenkens an Kinder, die ihre Eltern verloren haben.

Die historische Wallfahrtsüberlieferung erhält auf diese Weise eine neue religiöse Bedeutung, ohne dass ihr ursprünglicher Charakter aufgehoben wird.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Elend gehört zu den volkskundlich besonders aussagekräftigen Wallfahrtsorten des Pinzgaus.

Schon die Gründungsgeschichte vereinigt mehrere charakteristische Elemente: persönliche Not, Gelübde, wunderbare Heilung, Quellenkult und Kapellenstiftung.

Das Augenbründl zeigt, wie eine bestimmte Heilungslegende zur dauerhaften Spezialisierung einer Quelle führen konnte. Aus der überlieferten Heilung eines blinden Kindes entstand eine bis heute fortwirkende Augenwallfahrt.

Das Votivwesen dokumentiert wiederum ein breites Spektrum religiöser Ausdrucksformen. Gemalte Tafeln, Wachskröten, Krücken und Haaropfer verbanden den menschlichen Körper und seine Krankheiten unmittelbar mit dem Gnadenort.

Besonders ungewöhnlich ist jedoch die Geschichte der Aufhebung.

Eine der bedeutendsten Wallfahrten des Pinzgaus wurde im Zuge der kirchlichen Aufklärung administrativ beendet, ihr Heiligtum abgetragen und das Gnadenbild entfernt.

Die Wallfahrt verschwand dennoch nicht.

Die Bevölkerung hielt am alten Ort fest, eine angebotene Ersatzlösung wurde kaum angenommen, und schließlich entstand wieder eine Kapelle am historischen Platz.

Maria Elend zeigt damit besonders deutlich, dass ein Wallfahrtsort nicht allein aus einem Kirchengebäude besteht. Seine eigentliche Grundlage liegt in der über Generationen weitergegebenen Beziehung zwischen Menschen, Erzählung, Landschaft und religiöser Erfahrung.

Wallfahrt heute

Maria Elend ist heute ein lebendiger Wallfahrtsort.

Einzelpilger und Gruppen besuchen weiterhin die Gnadenkapelle und das Augenbründl. Traditionelle Bittgänge aus umliegenden Orten werden fortgeführt, und die Quelle wird nach wie vor von Menschen aufgesucht, die sich mit dem Wasser die Augen waschen oder es mit nach Hause nehmen.

Die Wallfahrt hat damit ihre barocke Größenordnung verloren, ihre religiöse Funktion jedoch nicht.

Nach der staatlich-kirchlichen Aufhebung, dem Abbruch der Wallfahrtskirche und der späteren Wiedererrichtung gehört Maria Elend zu jenen Gnadenorten, deren Fortbestand besonders deutlich von der Beharrlichkeit lokaler religiöser Tradition getragen wurde.

 

Literatur zur Wallfahrt

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Bd. 5. Wien 1958, S. 177–178.

- Lahnsteiner, Josef: Unterpinzgau. Zell am See, Taxenbach, Rauris. Hollersbach 1960.

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München–Zürich 1982, S. 118.

- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Salzburg 1986, insbesondere S. 161–166 zu Maria Elend und den Mirakelberichten.

- Die Kunstdenkmäler des politischen Bezirkes Zell am See. Österreichische Kunsttopographie, Bd. 25. Baden bei Wien 1933.

- Schmeißner, Roman: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen. Duisburg/Köln 2015.

- Pfarr- und Ortsüberlieferung Embach: Geschichte der Wallfahrtsstätte Maria Elend, Ursprungskapelle und Augenbründl.

- Historisches Mirakelbuch von Maria Elend, Einträge seit dem frühen 17. Jahrhundert; gedruckte Fassungen seit dem 18. Jahrhundert.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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