| Wallfahrt: | Maria im Mösl in Arnsdorf: Geschichte der Marienwallfahrt, Gnadenbild, Bruderschaften, Franz Xaver Gruber, Stille Nacht und Wallfahrtsbrauchtum. |
| Status: | Historische Massenwallfahrt stark zurückgegangen, aber weiterhin lebendiger Wallfahrtsort mit Bruderschafts- und Prozessionstraditionen. |
| Kultzentrum: | Heutiges Gnadenbild von Maria im Mösl; das ursprüngliche Kultbild ist nicht erhalten. |
| Ort: | Arnsdorf, Lamprechtshausen |
| Region: | Flachgau |
| Bundesland: | Salzburg |
| • | Lage: Wallfahrtskirche Maria im Mösl, Stille Nacht-Platz, 5112 Lamprechtshausen / Arnsdorf. |
| • | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Flachgau |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Lamprechtshausen |
| • | Geöffnet: tagsüber frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation - derzeit noch keine Fotos vorhanden |
| • | Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde |
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Die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau zu Arnsdorf, heute meist "Maria im Mösl", historisch auch "Maria am Mösl" genannt, liegt in Arnsdorf in der Gemeinde Lamprechtshausen im nördlichen Salzburger Flachgau. Sie gehört zu den alten Marienwallfahrtsorten des Landes Salzburg und war insbesondere in der frühen Neuzeit und noch im 19. Jahrhundert Ziel einer weit über die unmittelbare Umgebung hinausreichenden Wallfahrt. Der genaue Beginn dieser Wallfahrt ist nicht bekannt.
Auf der Gmain beziehungsweise im Mösl bestand bereits im Hochmittelalter eine Marienkirche. Eine päpstliche Bestätigung von 1144 nennt eine "Capella S. Maria Muna". Damit ist eine mittelalterliche Marienkultstätte früh belegt, ohne dass daraus bereits eine organisierte Wallfahrt abzuleiten wäre. Spätestens im ausgehenden Mittelalter entwickelte sich Arnsdorf jedoch zu einem bedeutenden Wallfahrtsort. Die Kirche blieb über Jahrhunderte eng mit dem Benediktinerstift Michaelbeuern verbunden, und noch im 19. Jahrhundert konnten große Wallfahrtstermine mehrere tausend beziehungsweise zehntausende Menschen nach Arnsdorf führen.
Die historische Massenwallfahrt besitzt heute nicht mehr ihre frühere Bedeutung, der Wallfahrtscharakter ist jedoch nicht erloschen. Die Kirche wird weiterhin regelmäßig liturgisch genutzt, Prozessions- und Bruderschaftstraditionen sind erhalten, und auch die alte Verbindung zwischen der Wallfahrtskirche und den Salzburger Erzbischöfen lebt in der Überlieferung und in wiederholt vollzogenen Wallfahrten neu gewählter Erzbischöfe fort. Zugleich entwickelte sich Arnsdorf durch Franz Xaver Gruber und die Entstehungsgeschichte von "Stille Nacht! Heilige Nacht!" zu einem internationalen religiösen und kulturgeschichtlichen Erinnerungsort.
"Mösl" ist die Verkleinerungsform von "Moos" und bezeichnet ursprünglich feuchtes, sumpfiges beziehungsweise mooriges Gelände. Der Name erinnert damit an die naturräumliche Situation des alten Kultplatzes. Gerade diese Lage spielt in der Gründungslegende eine wesentliche Rolle, denn der feuchte Standort erschien für einen Kirchenbau keineswegs besonders günstig.
Die Bezeichnungen "Maria am Mösl" und "Maria im Mösl" werden nebeneinander verwendet. Der ältere kirchliche Titel lautet "Unserer Lieben Frau zu Arnsdorf", während sich örtlich besonders "Maria im Mösl" eingebürgert hat.
Die frühe Geschichte Arnsdorfs ist eng mit der Pfarre Lamprechtshausen und dem Benediktinerstift Michaelbeuern verbunden. Im Jahr 1241 wurde Lamprechtshausen dem Stift inkorporiert. Von da an prägten die Benediktiner über viele Jahrhunderte auch die kirchliche Entwicklung Arnsdorfs.
Die Nennung einer Marienkapelle im 12. Jahrhundert beweist ein frühes Marienpatrozinium, nicht jedoch bereits eine Wallfahrt im späteren Sinn. Für die Entstehung eines eigentlichen Gnadenortes fehlen aus dieser frühen Zeit ausreichende Quellen. Die gelegentlich anzutreffende Vorstellung, Arnsdorf sei bereits seit dem frühen Mittelalter, teilweise sogar seit dem 8. oder 9. Jahrhundert Wallfahrtsort, gehört deshalb nicht zum gesicherten historischen Befund.
Dass die Wallfahrt später dennoch ein beträchtliches Alter beanspruchte, ist selbst wiederum volkskundlich interessant. Bei historischen Wallfahrtsorten wurde hohes Alter häufig zu einem Teil der religiösen Legitimation. Je weiter der Ursprung in eine kaum mehr überprüfbare Vergangenheit zurückreichte, desto stärker konnte der Eindruck einer durch Generationen bestätigten Heiligkeit des Ortes werden.
Mit der Frühgeschichte von Maria im Mösl verbindet sich eine charakteristische Wallfahrtslegende. Nach dieser Überlieferung habe sich bereits vor der Mitte des 13. Jahrhunderts an der Stelle eine Kapelle mit einem verehrten Marienbild befunden. Um 1241 sei dieses Bild verschwunden beziehungsweise in einer Variante der Legende in unruhigen Zeiten verborgen worden und nicht wieder aufgefunden worden.
Daraufhin habe man beschlossen, eine neue Kapelle nicht mehr im feuchten Mösl, sondern auf einer höher gelegenen und trockeneren Stelle am sogenannten Viehberg zu errichten. Das dorthin gebrachte Baumaterial sei jedoch auf wunderbare Weise über Nacht wieder an den bisherigen Kultplatz zurückgekehrt. Man habe darin ein göttliches Zeichen erkannt und den Kirchenbau schließlich doch am alten Standort vorgenommen.
Die Erzählung gehört zu einem im europäischen Wallfahrtswesen weit verbreiteten Typus der Bauplatzlegende. Menschen wählen einen nach praktischen Gesichtspunkten geeigneten Ort, während das Heilige selbst durch die wunderbare Verlagerung eines Bildes, von Baumaterial oder durch das Verhalten von Tieren jenen Platz bezeichnet, an dem das Heiligtum tatsächlich stehen soll.
In Arnsdorf erhält diese Legende eine zusätzliche Bedeutung, weil der vom Menschen bevorzugte trockene Viehberg dem offensichtlich weniger geeigneten feuchten Mösl gegenübersteht. Der ungewöhnliche Standort der Kirche wird dadurch religiös erklärt: Nicht menschliche Zweckmäßigkeit, sondern göttlicher Wille habe den Platz bestimmt.
Historisch nachweisbar sind weder das Verschwinden des ursprünglichen Bildes noch die wunderbare Rückkehr des Baumaterials. Als Gründungslegende gehören diese Motive dennoch wesentlich zur historischen Selbstdeutung des Wallfahrtsortes.
Die Überlieferung vom verlorenen ersten Marienbild ist volkskundlich besonders bemerkenswert, weil das heute verehrte Gnadenbild eindeutig erheblich jünger ist.
Sollte der Legende tatsächlich die Erinnerung an einen älteren Kultgegenstand zugrunde liegen, wäre die Kontinuität der Wallfahrt somit nicht ausschließlich an die materielle Identität eines bestimmten Bildes gebunden gewesen. Der geheiligte Ort selbst hätte genügend religiöse Autorität besessen, um nach dem Verlust eines früheren Kultgegenstandes mit einem neuen Marienbild weiterzuleben.
Damit unterscheidet sich Arnsdorf beispielsweise von Wallfahrtsorten, deren gesamte Kultgeschichte an die ununterbrochene Anwesenheit eines bestimmten Bildes geknüpft ist. Hier könnten heiliger Ort, Überlieferung und späteres Gnadenbild mehrere nacheinander entstandene Schichten derselben Wallfahrt darstellen.
Der bestehende Kirchturm entstand in den Jahren 1464 bis 1467. Der große Neubau der Kirche begann 1507 und fällt damit in eine Zeit, in der die Wallfahrt bereits erhebliche Bedeutung erreicht haben dürfte. Am 17. Juni 1520 wurde der spätgotische Kirchenbau durch den Chiemseer Bischof Berthold geweiht.
Die Dimensionen des Gotteshauses stehen in engem Zusammenhang mit seiner Funktion als Wallfahrtskirche. Ein Wallfahrtsort musste nicht nur einer örtlichen Pfarrbevölkerung Raum bieten, sondern größere Pilgergruppen, Prozessionen und zusätzliche Gottesdienste aufnehmen können.
Der spätgotische Bau wurde später umfangreich barockisiert. Ein einschneidendes Ereignis war der 12. April 1752. Bei Arbeiten zur Entfernung beziehungsweise Veränderung des alten Steingewölbes kam es zu einem schweren Einsturz. Arbeiter wurden getötet oder verletzt; auch Teile der Ausstattung, darunter Hochaltar und Orgel, wurden beschädigt.
Beim anschließenden Wiederaufbau erhielt das Kircheninnere wesentliche Elemente seiner heutigen barocken beziehungsweise spätbarocken Erscheinung.
Im Mittelpunkt des Wallfahrtskultes steht heute eine spätgotische geschnitzte Sitzmadonna mit dem Jesuskind. Maria hält das nackte Kind auf ihrem Schoß. Das Kind greift einerseits nach ihrem Schleier beziehungsweise bewegt sich zur Mutter hin, während Maria ihm mit der anderen Hand eine Traube reicht.
Die Traube ist innerhalb der christlichen Ikonographie mehr als ein alltägliches Attribut. Wein und Trauben können auf Passion, Eucharistie und das Blut Christi vorausweisen. In der vertrauten Mutter-Kind-Szene ist damit bereits das spätere Erlösungsgeschehen angedeutet.
Maria und Jesuskind tragen heute Kronen, wodurch die spätgotische Familienszene zugleich den Charakter eines repräsentativen Gnadenbildes erhielt.
Die Datierung und Zuschreibung der Figur wird in den unterschiedlichen Darstellungen nicht völlig einheitlich angegeben. Örtlich wird das Gnadenbild teilweise unmittelbar mit Michael Pacher in Verbindung gebracht; andere Veröffentlichungen sprechen vorsichtiger von der Schule oder dem künstlerischen Umkreis Pachers beziehungsweise von einer Salzburger Arbeit um 1500 oder etwas später.
Eine unmittelbare Zuschreibung an Michael Pacher ist nicht gesichert. Da Pacher bereits 1498 starb, kann eine tatsächlich erst um 1520 entstandene Figur kein eigenhändiges Werk des Künstlers sein. Das Gnadenbild entstand wahrscheinlich um 1500 beziehungsweise im frühen 16. Jahrhundert und steht stilistisch im Umfeld oder in der Nachfolge der spätgotischen Kunst Michael Pachers.
Der barocke Hochaltar wurde 1677/78 geschaffen. Von besonderer künstlerischer Bedeutung sind die lebensgroßen Figuren der heiligen Katharina und Barbara sowie Engel des bedeutenden oberösterreichischen Barockbildhauers Thomas Schwanthaler aus Ried im Innkreis.
Als Kunsttischler war Matthias Steinle beteiligt. Auch Magdalena Rottmayr, die Mutter des bedeutenden Salzburger Barockmalers Johann Michael Rottmayr, ist in den Rechnungen mit Vergoldungsarbeiten an Engeln nachweisbar.
Der schwere Gewölbeeinsturz von 1752 beschädigte auch den Hochaltar. Bei seiner anschließenden Wiederherstellung wurde die Präsentation des Gnadenbildes verändert. Seit 1758 befindet sich die Madonna zentral im Altaraufbau.
Damit entstand jene heute selbstverständlich erscheinende Verbindung zwischen Hochaltar und Gnadenbild erst vergleichsweise spät. Die spätgotische Madonna wurde durch die barocke Altararchitektur neu inszeniert und zum weithin sichtbaren Mittelpunkt des Kirchenraumes.
Weitere wesentliche Teile der Ausstattung entstanden im 18. Jahrhundert. Hervorzuheben ist besonders der aus Tittmoning stammende Bildhauer Johann Georg Itzlfeldner, einer der bedeutenden Bildschnitzer des Salzburger Rokoko.
Mit ihm beziehungsweise seiner Werkstatt stehen unter anderem Seitenaltäre und Kanzel in Verbindung.
Von besonderem Interesse für die Wallfahrtsgeschichte ist der nördliche Bruderschaftsaltar. Sein 1759 geschaffenes Altarbild des Laufener Malers Franz R. Hörbst zeigt Maria auf Wolken, die dem hl. Dominikus den Rosenkranz übergibt. Das Bild verweist unmittelbar auf die in Arnsdorf bestehende Rosenkranzbruderschaft.
Eine besonders wichtige Form der organisierten Frömmigkeit war die Rosenkranzbruderschaft, deren Bestehen in Arnsdorf zumindest seit dem 17. Jahrhundert greifbar ist. Mit ihr war eine sogenannte Stundbruderschaft verbunden.
Über die religiösen Verpflichtungen dieser Gemeinschaft besitzen wir ungewöhnlich konkrete Nachrichten, weil Franz Xaver Gruber sie 1820 schriftlich festhielt.
Mitglieder der Rosenkranzbruderschaft sollten wöchentlich drei Rosenkränze beten. Die Mitglieder der Stundbruderschaft übernahmen einmal jährlich eine bestimmte Gebetsstunde, möglichst verbunden mit Beichte und Kommunion. Ein besonderes Anliegen galt den Sterbenden und den bereits Verstorbenen.
Die Bruderschaft erfüllte damit zugleich religiöse und soziale Aufgaben. Das einzelne Mitglied war in eine Gemeinschaft eingebunden, deren Gebete über Krankheit und Tod hinausreichten. Insbesondere in einer Gesellschaft, in der Tod und Sterben weit stärker in den häuslichen und gemeinschaftlichen Alltag eingebunden waren als heute, bot die Bruderschaft eine Form gegenseitiger religiöser Absicherung.
Materielle Zeugnisse dieser Gemeinschaft blieben erhalten. Die historischen Bruderschaftsstangen werden bei Prozessionen weiterhin mitgeführt. Damit besteht eine unmittelbare Verbindung zwischen der frühneuzeitlichen Bruderschaftsfrömmigkeit und dem heutigen kirchlichen Brauch.
Arnsdorf war keine Wallfahrt mit einem einzigen eng begrenzten Heilungs- oder Schutzpatronat. Die Gottesmutter wurde als umfassende Fürsprecherin angerufen.
Votivgaben und schriftliche Überlieferungen bezeugen Dank und Bitte in unterschiedlichsten menschlichen Notlagen. Ältere volkskundliche Darstellungen nennen im Zusammenhang mit Arnsdorf auch Bußsteine und Bußkreuze als besondere Votiv- beziehungsweise Bußformen. Da die konkrete örtliche Verwendung dieser Gegenstände in den derzeit verfügbaren Quellen jedoch nicht ausreichend erklärt ist, lässt sich ihre rituelle Funktion nicht mit letzter Sicherheit rekonstruieren.
Die Erwähnung ist dennoch bemerkenswert, weil sie auf körperlich erfahrbare Formen von Buße und Gelübde verweist, die über Gebet oder Geldopfer hinausgingen.
Einen außergewöhnlich guten Einblick in die tatsächliche Größe der historischen Wallfahrt bietet das Jahr 1820.
Vom 17. bis 22. Juni wurde das dreihundertjährige Jubiläum der Kirchenweihe gefeiert. Franz Xaver Gruber war als Arnsdorfer Lehrer, Mesner und Organist unmittelbar an der Vorbereitung beteiligt.
Die Feier verband Wallfahrt, Ablass, Gottesdienste, Vierzigstündiges Gebet, Predigten und eine außergewöhnlich umfangreiche Kirchenmusik. Unter Grubers Leitung musizierte ein Orchester mit rund 50 Mitwirkenden; aufgeführt wurden Messen, Litaneien und weitere geistliche Werke.
Die örtliche Überlieferung nennt für diese Festwoche rund 20.000 Pilger und Besucher.
Selbst wenn solche historischen Besucherzahlen grundsätzlich mit gewisser Vorsicht betrachtet werden müssen, beschreiben die überlieferten Begleitumstände einen außergewöhnlichen Andrang. Predigten mussten teilweise außerhalb der Kirche gehalten werden. Zeitweise sollen sich so viele Menschen um das Gotteshaus gedrängt haben, dass Personen, die für das Glockenläuten zuständig waren, den Turm nur auf ungewöhnlichem Weg erreichen konnten.
Damit wird deutlich, dass Maria im Mösl im frühen 19. Jahrhundert keineswegs nur eine lokale Dorfwallfahrt war.
Große Wallfahrten veränderten den Alltag eines Ortes vollständig. Pilger benötigten Nahrung, Getränke, Unterkunft und Stallmöglichkeiten; Händler und Wirte profitierten von den Besuchern, während Mesnerhaus, Pfarrhof und private Haushalte zusätzliche Versorgungsaufgaben übernahmen.
Eine besonders anschauliche örtliche Überlieferung betrifft das Jahr 1878. Damals soll der Pimperlwirt anlässlich einer großen Wallfahrt 17 Eimer Bier sowie Brat- und Speckwürste in erheblichem Wert ausgeschenkt haben. Auch im Mesner- und Schulhaus wurde tagelang gekocht, während die verfügbaren Schlafmöglichkeiten in Arnsdorf und Umgebung weitgehend belegt gewesen sein sollen.
Solche Angaben besitzen einen hohen volkskundlichen Wert, weil sie die Wallfahrt jenseits von Kirchenraum und Liturgie sichtbar machen.
Der Wallfahrtsort bestand an großen Festtagen aus einem umfassenden sozialen System: Pilger, Geistliche, Musiker, Wirte, Händler, Quartiergeber, Mesner, Köche und örtliche Helfer waren an demselben Ereignis beteiligt.
Die heute international bekannteste Persönlichkeit Arnsdorfs ist Franz Xaver Gruber, der von 1807 bis 1829 hier als Lehrer wirkte und zugleich Mesner und Organist der Wallfahrtskirche war.
Sein Leben war dadurch wesentlich enger mit der Wallfahrt verbunden, als es die übliche Konzentration auf "Stille Nacht" erkennen lässt.
Als Mesner war Gruber in den täglichen Betrieb des Gotteshauses eingebunden, als Organist gestaltete er Gottesdienste und Wallfahrtstage musikalisch, als Lehrer bewohnte er mit seiner Familie das unmittelbar bei der Kirche gelegene Schul- und Mesnerhaus.
Damit gehörte der international berühmt gewordene Komponist über mehr als zwei Jahrzehnte zum unmittelbaren Funktionspersonal eines historischen Wallfahrtsortes.
Für die Geschichte Maria im Mösls ist Gruber jedoch noch aus einem anderen Grund von großer Bedeutung. 1820 verfasste er anlässlich des dreihundertjährigen Weihejubiläums eine handschriftliche "Kurze Schilderung von der Wallfahrts-Kirche zu Arnsdorf". Die Handschrift befindet sich im Stiftsarchiv Michaelbeuern.
Gruber beklagte darin selbst, dass ihm für die ältere Geschichte nur begrenzte schriftliche Quellen zur Verfügung standen. Gerade diese Bemerkung ist für die heutige historische Bewertung wichtig: Schon 1820 war die Frühgeschichte des Wallfahrtsortes teilweise von mündlicher Überlieferung und Legende abhängig.
Gruber sammelte dennoch ältere Nachrichten, Inschriften und örtliche Traditionen, beschrieb Kirche und Ausstattung und fertigte auch Zeichnungen an.
Der Komponist von "Stille Nacht" ist deshalb zugleich eine wichtige Primärquelle zur Orts- und Wallfahrtsgeschichte Arnsdorfs.
Die Orgel der Wallfahrtskirche wurde 1745 von Andreas Mitterreiter aus Altötting erbaut. Sie gehört damit zu jenen historischen Instrumenten, auf denen Franz Xaver Gruber während seiner Arnsdorfer Jahre tatsächlich musizierte.
Gruber selbst beschrieb die Orgel 1820 und äußerte sich sowohl zu ihren klanglichen Vorzügen als auch zu technischen Eigenheiten. Besonders schätzte er den Subbass, während er die hohe Stimmung des Instrumentes kritisch erwähnte.
1846 wurde die Orgel durch Ludwig Mooser verändert. Spätere Restaurierungen versuchten, Eingriffe teilweise wieder zurückzuführen beziehungsweise den historischen Bestand stärker sichtbar zu machen.
Die Orgel ist damit nicht lediglich ein Erinnerungsstück an Gruber, sondern ein authentisches Instrument aus seinem musikalischen Arbeitsumfeld.
Die musikalische Geschichte Arnsdorfs beginnt nicht erst mit Franz Xaver Gruber.
Bereits Johann Michael Haydn, der jüngere Bruder Joseph Haydns und langjährige Salzburger Hofkomponist, hielt sich wiederholt in Arnsdorf auf. Sein Freund und späterer Biograph P. Werigand Rettensteiner wirkte hier als Geistlicher. Auf dessen Wunsch komponierte Haydn Vokalwerke beziehungsweise Terzette. Auch vierstimmige Lieder entstanden 1792 im Arnsdorfer Pfarrhof.
Damit besitzt die Wallfahrtskirche eine bemerkenswerte musikalische Tradition, in der sich Johann Michael Haydn, Franz Xaver Gruber, historische Kirchenmusik und die erhaltene Mitterreiter-Orgel miteinander verbinden.
Franz Xaver Gruber komponierte am 24. Dezember 1818 die Melodie zu Joseph Mohrs bereits 1816 entstandenem Gedicht "Stille Nacht! Heilige Nacht!". Gruber lebte zu dieser Zeit mit seiner Familie im Arnsdorfer Schul- und Mesnerhaus. Ob die Melodie tatsächlich dort niedergeschrieben wurde, lässt sich nicht in jedem Detail beweisen; Arnsdorf war jedoch Grubers Wohn- und Arbeitsort.
Die erste Aufführung erfolgte am Heiligen Abend 1818 in der Kirche St. Nikola in Oberndorf.
Für die Geschichte von Maria im Mösl ist wichtig, dass das Lied damit in einem Umfeld entstand, das von Wallfahrt, katholischer Liturgie, Kirchenmusik, Bruderschaften und regelmäßigem Gottesdienst geprägt war. Gruber war kein außerhalb des kirchlichen Milieus arbeitender Komponist, sondern Lehrer, Mesner und Organist eines lebendigen Wallfahrtsortes.
Eine unmittelbare inhaltliche Ableitung von "Stille Nacht" aus der Arnsdorfer Wallfahrt wäre spekulativ. Der religiöse und musikalische Lebensraum, in dem Gruber lebte, war jedoch wesentlich durch Maria im Mösl geprägt.
Im 20. und 21. Jahrhundert erhielt Arnsdorf eine zusätzliche Form des Pilgerns. Historisch kamen Menschen nach Arnsdorf, um die Gottesmutter aufzusuchen, ihre Fürbitte zu erbitten, ein Gelübde zu erfüllen oder für erfahrene Hilfe zu danken.
Heute kommen viele Besucher zusätzlich wegen Franz Xaver Gruber und "Stille Nacht".
Damit verschob sich ein Teil der Wahrnehmung:
Historisch stand das Gnadenbild im Mittelpunkt, heute gehört der Erinnerungsort des Weihnachtsliedes gleichberechtigt zur internationalen Bekanntheit Arnsdorfs.
Diese Entwicklung bedeutet jedoch keine vollständige Verweltlichung. "Stille Nacht" wird selbst als religiöses Friedens- und Weihnachtslied verstanden, und zahlreiche Besucher nehmen Arnsdorf keineswegs ausschließlich als musikgeschichtlichen Ort wahr.
Der seit 1959 gepflegte Gruber-Mohr-Gedenkgang verbindet diese Ebenen besonders deutlich. Am Heiligen Abend findet zunächst eine Andacht in Maria im Mösl statt; anschließend führt der Erinnerungsweg mit Fackeln in Richtung Oberndorf.
Historische Wallfahrt und moderne Erinnerungskultur überlagern sich dadurch am selben Ort.
Eine besondere Stellung besitzt Arnsdorf innerhalb der Salzburger Kirchengeschichte durch die Tradition der Wallfahrt neu gewählter Salzburger Erzbischöfe zu Maria im Mösl.
Der Brauch wird mit Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach in Verbindung gebracht. Ein neu gewählter Erzbischof sollte zu Unserer Lieben Frau in Arnsdorf pilgern und den Segen für die bevorstehende Amtsführung erbitten. Die Wallfahrt verband damit die persönliche Marienfrömmigkeit mit der Amtsübernahme des höchsten geistlichen Würdenträgers Salzburgs.
Sie zeigt zugleich, dass Maria im Mösl keineswegs nur ein Heiligtum bäuerlicher oder lokaler Volksfrömmigkeit war. Das Gnadenbild besaß auch im religiösen Selbstverständnis der Salzburger Kirchenleitung besondere Bedeutung.
Die Tradition wurde bis in die jüngere Vergangenheit wiederholt aufgegriffen und gehört weiterhin zur historischen Identität des Wallfahrtsortes.
An der Südseite beziehungsweise beim Südeingang befindet sich ein kleiner Karner oder Beinhausraum. Dort wurden vermutlich bei Veränderungen des Friedhofes beziehungsweise bei Bauarbeiten exhumierte menschliche Gebeine verwahrt.
Der Raum erinnert an eine heute weitgehend verschwundene Form des Umgangs mit den Toten. Bei begrenztem Friedhofsraum konnten ältere Gräber geöffnet und die Gebeine in einem Beinhaus gesammelt werden.
Dieser Bereich ergänzt auf bemerkenswerte Weise die starke Totensorge, die auch in der Stundbruderschaft sichtbar wird. Kirche, Friedhof, Bruderschaft und Karner bildeten gemeinsam einen religiösen Raum, in dem Fürbitte nicht mit dem Tod eines Menschen endete.
Gerade die Verbindung zwischen Wallfahrt und Totensorge gehört zu den volkskundlich bemerkenswerten Eigenschaften Arnsdorfs.
Die Marienwallfahrt richtete sich nicht ausschließlich auf Hilfe im gegenwärtigen Leben. Die Stundbruderschaft verpflichtete ihre Mitglieder zum Gebet für Sterbende und Verstorbene. Der Friedhof lag unmittelbar bei der Kirche, der Karner nahm die Gebeine früherer Generationen auf, und die regelmäßigen Messstiftungen hielten das Gedächtnis der Verstorbenen liturgisch lebendig.
Der Wallfahrtsort verband damit Bitte um gegenwärtige Hilfe und Sorge um das jenseitige Heil.
Maria im Mösl ist volkskundlich vor allem deshalb bedeutend, weil sich hier über viele Jahrhunderte unterschiedliche Formen religiöser Bindung an denselben Ort beobachten lassen.
Am Anfang steht eine mittelalterliche Marienkirche, deren genaue Wallfahrtsgeschichte noch nicht fassbar ist. Die Gründungslegende erklärt den ungewöhnlichen Standort durch die wunderbare Rückkehr des Baumaterials und macht damit den Ort selbst zum von Maria bestimmten Kultplatz.
Das ursprüngliche Marienbild der Legende ging verloren. Das heutige spätgotische Gnadenbild ist erheblich jünger. Gerade dieser Bruch macht Arnsdorf besonders interessant: Die religiöse Bedeutung des Ortes scheint stärker gewesen zu sein als die materielle Kontinuität eines einzelnen Kultobjektes.
Der spätgotische Neubau dokumentiert den Aufstieg der Wallfahrt, der barocke Hochaltar zeigt die spätere repräsentative Inszenierung des Gnadenbildes. Rosenkranz- und Stundbruderschaft verwandelten die punktuelle Wallfahrt in dauerhafte religiöse Zugehörigkeit.
Die historischen Großwallfahrten des 19. Jahrhunderts wiederum zeigen die soziale Dimension. Zehntausende Pilger bedeuteten Predigten im Freien, zusätzliche Kirchenmusik, Quartiersuche, Lebensmittelversorgung und große Mengen an Bier und Speisen. Wallfahrt war niemals nur ein Vorgang zwischen Pilger und Gnadenbild; sie erfasste zeitweise einen ganzen Ort und seine Umgebung.
Franz Xaver Gruber steht mitten in diesem System. Er war nicht lediglich der spätere Komponist eines weltberühmten Weihnachtsliedes, sondern Lehrer, Mesner, Organist, Bruderschaftsmitglied beziehungsweise Chronist und Geschichtsschreiber eines Wallfahrtsortes.
Mit "Stille Nacht" erhielt Arnsdorf schließlich eine zweite internationale Bedeutung. Dadurch entstand eine neue Form kultureller Pilgerschaft, die den alten Marienwallfahrtsort nicht verdrängte, sondern überlagerte.
Maria im Mösl zeigt damit beispielhaft, dass ein Wallfahrtsort nicht statisch ist. Kultgegenstände wechseln, Legenden verändern sich, Kirchen werden umgebaut, Bruderschaften entstehen und verlieren an Bedeutung, große Pilgerströme gehen zurück, während neue Erinnerungspraktiken entstehen.
Die Kontinuität liegt weniger in einer unveränderten Form des Brauches als in der dauerhaften besonderen Bedeutung des Ortes.
Gerade darin liegt die Eigenart von Arnsdorf: Von der mittelalterlichen Marienkirche über die frühneuzeitliche Wallfahrt und die Rosenkranzbruderschaft bis zu Franz Xaver Gruber und den heutigen "Stille-Nacht"-Besuchern bleibt Maria im Mösl ein Ort, an dem Menschen ihre religiösen, sozialen und kulturellen Erinnerungen räumlich verdichten.
Die große historische Massenwallfahrt ist deutlich zurückgegangen, Maria im Mösl ist jedoch kein erloschener Wallfahrtsort. Die Kirche wird weiterhin regelmäßig für Gottesdienste genutzt, Bruderschafts- und Prozessionstraditionen leben fort, und die besondere Beziehung der Salzburger Erzbischöfe zur Wallfahrtskirche wird weiterhin erinnert und wiederholt auch praktisch vollzogen.
Zusätzlich besitzt Arnsdorf heute durch Franz Xaver Gruber und "Stille Nacht! Heilige Nacht!" internationale Bedeutung als religiös-kultureller Erinnerungsort.
- Gwechenberger, Balthasar (Hg.): 500 Jahre Maria im Mösl. Die Wallfahrtskirche zu Unserer Lieben Frau in Arnsdorf. Lamprechtshausen 2021.
- Gruber, Franz Xaver: Kurze Schilderung von der Wallfahrts-Kirche zu Arnsdorf. Arnsdorf 1820. Handschrift im Stiftsarchiv Michaelbeuern, Fach 54, Nr. 72.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.
- Leitner, Franz: Die Wallfahrtskirche zu Unserer lieben Frau in Arnsdorf. Salzburg, um 1905.
- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München/Zürich 1982.
- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Katalog der 11. Sonderschau des Dommuseums zu Salzburg. Salzburg 1986.
- Neumayr, Eva: "… alle Glocken läuten!" – Franz Xaver Gruber und die 3. Säkularfeier der Kirche Maria im Mösl in Arnsdorf. In: Blätter der Stille Nacht Gesellschaft, Folge 60, 2020, S. 6–11.
- Österreichische Kunsttopographie, Band X: Die Denkmale des politischen Bezirkes Salzburg. Wien 1913, Abschnitt Arnsdorf.
- Pfeffer, Christina / Haunschmidt, Josef: Die Kirchen in Lamprechtshausen und Arnsdorf mit St. Alban. Passau 2007.
- Preiß, Roswitha: Johann Georg Itzlfeldner 1704/05–1790. Ein Bildhauer des Salzburger Rokoko in Bayern. Weißenhorn 1983.
- Schmeißner, Roman: Orgelbau in Salzburger Wallfahrtskirchen. Duisburg/Köln 2015.
- Seethaler, Johann Andreas: Zur Dritten Jubel-Feyer, von der Wallfahrts-Kirche zu unser l. Frau in Armstorf bey Laufen im Jahre 1820. Salzburg 1820.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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