Kuchl, Pfarrkirche zu den hll. Maria und Pankraz – ehemalige Marienwallfahrt

Schnellüberblick
Wallfahrt:Pfarrkirche Kuchl: Geschichte der ehemaligen Marienwallfahrt, verlorenes Gnadenbild, Andachtsbilder, Rosenkranzweg und heutige Marienverehrung.
Status:Ehemalige Marienwallfahrt; die Wallfahrt ist erloschen, die Marienverehrung in der Pfarrkirche besteht fort.
Kultzentrum:Historisch verehrte Madonnenstatue am damaligen Hochaltar; Andachtsbildchen und Rosenkranzweg bezeugen den Kult.
Ort:Kuchl
Region:Tennengau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: Pfarrkirche zu den Heiligen Maria und Pankraz, Markt 1, 5431 Kuchl.

Die Kirche steht im Ortszentrum von Kuchl und dient weiterhin als Pfarrkirche. Die historische Marienwallfahrt ist erloschen, während Gottesdienste und marianische Festbräuche im Rahmen des regulären Pfarrlebens fortbestehen.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Tennengau
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Web: Pfarre Kuchl
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Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

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Ausführliche Beschreibung

Die Pfarrkirche zu den hll. Maria und Pankraz in Kuchl gehört zu den bedeutenden historischen Kirchen des Tennengaus und war über ihre Funktion als Mittelpunkt einer alten Pfarre hinaus zeitweise auch Ziel einer Marienwallfahrt. Im 18. Jahrhundert wurde eine am damaligen Hochaltar aufgestellte, kostbar bekleidete Madonnenstatue kultisch verehrt und auf eigenen Andachtsbildchen verbreitet, deren Herstellung zugleich erkennen lässt, dass die Verehrung über den gewöhnlichen Pfarrkult hinausging. Die historische Marienwallfahrt ist heute erloschen, während die Marienverehrung innerhalb des kirchlichen Lebens selbstverständlich fortbesteht.

Für die Geschichte dieser Wallfahrt ist eine wichtige Unterscheidung notwendig: Das historische Kuchler Gnadenbild ist nicht mehr erhalten. Die heute im Altarraum befindliche barocke Madonna, die um 1730 von Paul Mödlhammer geschaffen wurde, kam erst 1955 durch Ankauf nach Kuchl und kann daher nicht mit jener Figur identisch sein, die im 18. Jahrhundert Mittelpunkt der Wallfahrt war.

Eine alte Pfarre im Salzachtal

Kuchl gehört zu den alten kirchlichen Mittelpunkten des Salzachtales. Bereits im frühen 13. Jahrhundert ist ein Pfarrer beziehungsweise Pleban nachweisbar, 1234 wird die Pfarre urkundlich genannt, und wenig später gelangte sie in den Einflussbereich des Salzburger Domkapitels.

Archäologische und baugeschichtliche Untersuchungen haben mehrere ältere Kirchenphasen nachgewiesen. Zwei romanische Vorgängerbauten gingen der heutigen spätgotischen Kirche voraus; Teile eines romanischen Westportales haben sich erhalten. Für einen der älteren Bauten ist das Patrozinium der hl. Maria Magdalena überliefert.

Ab dem späten 15. Jahrhundert entstand der bis heute prägende spätgotische Kirchenbau. Damit ist die Kirche selbst erheblich älter als die sicher fassbare Kuchler Marienwallfahrt, deren Blüte vor allem in der Barockzeit und im 18. Jahrhundert greifbar wird.

Die spätgotische Kirche

Der spätgotische Neubau entstand im Wesentlichen seit den 1480er-Jahren und gehört zu den qualitätvollen Kirchenbauten dieser Epoche im Salzburger Land. Der hoch aufragende Raum, die Gewölbe und die steinernen Architekturteile zeigen den Anspruch einer bedeutenden Pfarrkirche.

Besonders bemerkenswert ist die aus verschiedenfarbigem Adneter Marmor geschaffene Kanzel von 1520, die zu den hervorragenden spätgotischen Ausstattungsstücken Salzburgs zählt. Unter ihren bildlichen Darstellungen befindet sich auch Maria mit dem Jesuskind.

Am Kanzelaufgang erscheint ein Löwe, der ein nacktes Kind im Rachen hält. Diese ungewöhnliche Darstellung verweist auf die mittelalterliche Bildsprache von Gefahr, Sünde und Rettung durch das verkündete Gotteswort und macht deutlich, wie reich der spätgotische Kirchenraum ursprünglich mit religiösen Sinnbildern ausgestattet war.

Frühe Marienverehrung

Die Verehrung Mariens besitzt in Kuchl eine lange Tradition. Noch vor 1500 wurde unter Pfarrer Primus Panichner eine Muttergottes-Bruderschaft gegründet, die 1639 in eine Rosenkranz-Bruderschaft überging.

Im frühen 18. Jahrhundert trat zusätzlich eine Bruderschaft Mariä Sieben Schmerzen hinzu, die einen eigenen Altar mit einer Darstellung der Schmerzhaften Muttergottes besaß. Die Pfarrkirche war damit von einer ausgesprochen vielfältigen marianischen Frömmigkeit geprägt, die Rosenkranzgebet, Bruderschaftswesen, Schmerzensmutterkult und schließlich auch die Wallfahrt miteinander verband.

Die Existenz einer Muttergottes-Bruderschaft bereits vor 1500 darf allerdings nicht als Beweis dafür verstanden werden, dass auch die Marienwallfahrt schon im Mittelalter bestand. Bruderschaft und Wallfahrt sind unterschiedliche religiöse Organisationsformen. Sicherer fassbar wird die eigentliche Kuchler Wallfahrt erst in der Barockzeit.

Das historische Gnadenbild

Im Mittelpunkt der ehemaligen Marienwallfahrt stand eine Madonnenstatue am damaligen Hochaltar, die heute nicht mehr erhalten ist. Nach der Beschreibung von Johannes Neuhardt handelte es sich um eine gekrönte und kostbar bekleidete Gottesmutter, die in der linken Hand ein Zepter hielt. Das ebenfalls gekrönte Jesuskind erhob die rechte Hand zum Segen.

Die Verwendung kostbarer Gewänder gehört zu einer weit verbreiteten Form barocker Gnadenbildverehrung. Das eigentliche Bildwerk wurde dabei teilweise unter textilen Gewändern verborgen und erhielt durch Krone, Schmuck und wechselnde Festkleidung ein besonders repräsentatives Erscheinungsbild.

Gerade bei Marienwallfahrten konnte die Bekleidung der Statue zugleich Ausdruck besonderer Verehrung und materieller Opferbereitschaft sein. Gewänder, Kronen und Schmuckstücke wurden gestiftet, erneuert und an Festtagen besonders sorgfältig präsentiert.

Andachtsbilder des Gnadenbildes

Von besonderem wallfahrtsgeschichtlichem Wert ist die Nachricht, dass im 18. Jahrhundert Andachtsbildchen mit einer Darstellung der Kuchler Gnadenstatue gedruckt wurden.

Solche kleinen Druckgraphiken gehörten zur klassischen Devotionalienkultur eines Wallfahrtsortes. Sie ermöglichten es den Pilgern, das Bild der verehrten Madonna nach Hause mitzunehmen und die Verbindung zum Gnadenort innerhalb der häuslichen Frömmigkeit fortzusetzen.

Das Andachtsbild konnte im Gebetbuch aufbewahrt, im Haus befestigt oder als persönliches Erinnerungsstück getragen werden. Zugleich verbreitete es die Kenntnis des Gnadenbildes über den unmittelbaren Kirchenraum hinaus und konnte dadurch den Ruf eines Wallfahrtsortes weiter verstärken.

Für Kuchl besitzen diese Drucke heute noch zusätzliche Bedeutung, weil das ursprüngliche Gnadenbild selbst verloren gegangen ist. Die Andachtsbilder bewahrten damit wenigstens seine ikonographische Gestalt und sind zu einer wichtigen Quelle für die Rekonstruktion der erloschenen Wallfahrt geworden.

Die Marienwallfahrt im 18. Jahrhundert

Die Herstellung eigener Andachtsbildchen und die ausdrückliche Überlieferung einer kultisch verehrten Madonna zeigen, dass die Kuchler Pfarrkirche im 18. Jahrhundert über den gewöhnlichen Pfarrbetrieb hinaus als Marienwallfahrtsort aufgesucht wurde.

Wie groß das Einzugsgebiet war und aus welchen Orten regelmäßige Pilgergruppen kamen, lässt sich aus den derzeit greifbaren Quellen nicht mit derselben Genauigkeit rekonstruieren wie bei großen Wallfahrtsorten. Auch ein bestimmtes Hauptanliegen der Wallfahrer ist bislang nicht sicher überliefert.

Es wäre daher nicht gerechtfertigt, Kuchl ohne zusätzlichen Nachweis als spezialisierte Heilungs-, Pest- oder Viehwallfahrt zu charakterisieren. Der Kult scheint vielmehr wesentlich von der allgemeinen Verehrung der Gottesmutter getragen worden zu sein.

Keine bekannte Ursprungslegende

Eine klassische Gründungslegende mit wunderbarer Auffindung, Erscheinung oder wiederholter Rückkehr eines Gnadenbildes ist für die Kuchler Marienwallfahrt bislang nicht nachweisbar.

Auch darin unterscheidet sich Kuchl von zahlreichen anderen Wallfahrtsorten. Ein Gnadenkult konnte sich durchaus ohne spektakuläre Ursprungssage entwickeln, wenn ein bestimmtes Bild besondere Verehrung gewann, Gebetserhörungen zugeschrieben wurden und sich sein Ruf innerhalb der Bevölkerung verbreitete.

Die Kuchler Wallfahrt gehört damit offenbar zu einem Typus marianischer Verehrung, dessen Entwicklung weniger durch eine einzelne Gründungslegende als durch Pfarrfrömmigkeit, Bruderschaften und die kultische Bedeutung einer besonders verehrten Statue bestimmt wurde.

Der Rosenkranzweg

Mit der Kuchler Marienfrömmigkeit steht auch der sogenannte Rosenkranzweg beziehungsweise Fürstenweg zwischen Kuchl und Golling in Verbindung. Entlang des Weges befinden sich fünfzehn Bildstöcke, die den Rosenkranzgeheimnissen gewidmet sind.

Der Weg gehört zu jener religiösen Kulturlandschaft, in der Gebet nicht nur innerhalb des Kirchenraumes stattfand, sondern durch Prozessionen und Bittgänge in die Landschaft hinausgetragen wurde.

Die Verbindung von Rosenkranz-Bruderschaft, Marienverehrung und Bittgangswesen ist für Kuchl besonders charakteristisch. Ob alle heute vorhandenen Bildstöcke unmittelbar aus der Zeit der Wallfahrtsblüte stammen oder speziell für die Pilger zur Kuchler Madonna errichtet wurden, lässt sich jedoch nicht ohne genauere bau- und quellenkundliche Untersuchung behaupten.

Wallfahrt und Bittgang

Kuchl zeigt zugleich, dass eine Pfarre sowohl Ziel als auch Ausgangspunkt von Wallfahrten sein konnte. Die Bevölkerung besaß eigene traditionelle Pilgerwege zu anderen Gnadenorten, während gleichzeitig auswärtige oder regionale Gläubige die Kuchler Madonna aufsuchten.

Solche Überschneidungen gehörten zur historischen Wallfahrtslandschaft. Pfarren standen nicht isoliert nebeneinander, sondern waren durch Wallfahrten, Bittgänge, Bruderschaften und Prozessionswege miteinander verbunden.

Dadurch entstand ein dichtes religiöses Wegenetz, in dem einzelne Orte je nach Anlass Ziel, Zwischenstation oder Ausgangspunkt einer Pilgerbewegung sein konnten.

Die barocke Ausstattung

Die spätgotische Kirche erhielt während der Barockzeit eine umfangreiche neue Ausstattung. Ein bedeutender Hochaltar wurde von Johann Georg Mohr geschaffen, und weitere Altäre und Bildwerke prägten den Kirchenraum.

In diesem barocken Zusammenhang stand auch das historische Gnadenbild der Marienwallfahrt.

Gerade die spätere Ausstattungsgeschichte ist für das Verständnis des heutigen Kirchenraumes entscheidend, weil im 19. und 20. Jahrhundert mehrere tiefgreifende Veränderungen vorgenommen wurden, durch die die ursprüngliche Kultlandschaft der Wallfahrt weitgehend verloren ging.

Die Regotisierung von 1855

Im Jahr 1855 wurde die barocke Einrichtung im Zuge einer Regotisierung zu einem großen Teil entfernt beziehungsweise ersetzt.

Solche Umgestaltungen waren im 19. Jahrhundert keineswegs ungewöhnlich. Barocke Altäre wurden vielfach als stilistisch unpassend für mittelalterliche Kirchen empfunden und durch neugotische Einrichtungen ersetzt, die man als vermeintlich ursprünglichere Gestaltung betrachtete.

Für die Geschichte einer Wallfahrt konnten solche Eingriffe erhebliche Folgen haben. Altäre, Votivgaben und Kultbilder verloren ihren traditionellen räumlichen Zusammenhang, wurden versetzt, verkauft oder gingen vollständig verloren.

Auch in Kuchl lässt sich der Verlust des historischen Gnadenbildes vor dem Hintergrund dieser tiefgreifenden Veränderungen der Ausstattungsgeschichte verstehen, wenngleich sein genaues weiteres Schicksal derzeit nicht bekannt ist.

Die Neugestaltung von 1955

Ein Jahrhundert später wurde der Kirchenraum erneut grundlegend verändert. Im Jahr 1955 entfernte man die neugotische Einrichtung und stattete die Kirche wiederum mit barocken Kunstwerken aus, die teilweise aus anderen Kirchen angekauft wurden.

Damit entstand ein Kirchenraum, der heute erneut deutlich barock geprägt erscheint, dessen Ausstattung aber keineswegs vollständig mit jener der ehemaligen Kuchler Wallfahrtszeit identisch ist.

Gerade beim heutigen Marienbild ist diese Unterscheidung von entscheidender Bedeutung.

Die heutige Madonna ist nicht das historische Gnadenbild

Die heute im Altarbereich befindliche Madonna wurde um 1730 von dem Bildhauer Paul Mödlhammer geschaffen. Sie ist somit tatsächlich ein barockes Kunstwerk aus jener Epoche, in der auch die Kuchler Marienwallfahrt ihre Blüte erlebte.

Dennoch handelt es sich nicht um das historische Kuchler Gnadenbild.

Die Mödlhammer-Madonna wurde erst im Zuge der Neugestaltung von 1955 angekauft und nach Kuchl gebracht. Sie befand sich folglich nicht am alten Kuchler Hochaltar und kann nicht jene Statue sein, die im 18. Jahrhundert auf den gedruckten Andachtsbildchen verbreitet und von den Wallfahrern verehrt wurde.

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig, weil die zeitliche Entstehung der heutigen Figur um 1730 leicht zu der Annahme verleiten könnte, sie sei mit dem barocken Gnadenbild identisch.

Das historische Wallfahrtsbild war dagegen eine gekrönte, bekleidete Madonna mit Zepter und segnendem Jesuskind und gilt heute als verschollen.

Die heutige Altarraumgestaltung

Die barocke Mödlhammer-Madonna besitzt unabhängig von dieser Unterscheidung hohen kunsthistorischen Wert und nimmt im heutigen Kirchenraum eine zentrale Stellung ein.

Im Zuge der jüngeren Altarraumgestaltung wurde sie in eine moderne künstlerische Konzeption eingebunden. Damit steht heute wiederum ein bedeutendes Marienbild im Zentrum der Kirche, auch wenn dessen Geschichte nicht unmittelbar mit der ehemaligen Wallfahrt verbunden ist.

Gerade darin zeigt sich, dass Marienverehrung und Wallfahrtskult nicht gleichgesetzt werden dürfen. Die Gottesmutter besitzt innerhalb der heutigen Pfarrkirche weiterhin einen wichtigen religiösen Platz, obwohl die historische Wallfahrt zu ihrem früheren Gnadenbild erloschen ist.

Wallfahrtsinfrastruktur und Devotionalienkultur

Von der ehemaligen Kuchler Wallfahrt haben sich bislang keine monumentalen Pilgereinrichtungen wie Wallfahrerherbergen, Außenkanzeln oder besondere Brunnenanlagen nachweisen lassen.

Umso wichtiger sind die Andachtsbildchen des 18. Jahrhunderts. Sie belegen eine eigene materielle Kultur der Wallfahrt und zeigen, dass das Gnadenbild nicht nur innerhalb der Kirche verehrt, sondern durch gedruckte Bilder vervielfältigt und verbreitet wurde.

Hinzu kommen die marianischen Bruderschaften und die religiöse Weglandschaft des Rosenkranzweges, sodass sich die ehemalige Wallfahrtsstruktur weniger in monumentalen Gebäuden als in einem Geflecht aus Gnadenbild, Bruderschaften, Gebet, Bittgängen und Devotionalien erkennen lässt.

Das verschwundene Gnadenbild

Gerade der Verlust des Kultbildes verändert den Charakter der heutigen Erinnerung an die Wallfahrt grundlegend.

Bei vielen lebendigen Gnadenorten bildet die verehrte Statue oder das Bild eine materielle Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Generationen von Pilgern treten vor denselben Kultgegenstand, der bereits von ihren Vorfahren verehrt wurde.

In Kuchl ist diese materielle Kontinuität unterbrochen. Das historische Wallfahrtsbild ist verschwunden, während der heutige Besucher vor einer anderen Madonna steht, die erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts an diesen Ort gelangte.

Die ehemaligen Andachtsbilder erhalten dadurch eine besondere Bedeutung, weil sie zu den wenigen Zeugnissen gehören, die das verlorene Kultbild noch sichtbar machen.

Die Marienverehrung heute

Die historische Marienwallfahrt zur Kuchler Pfarrkirche ist erloschen. Ein regelmäßiger Pilgerbetrieb zum ehemaligen Gnadenbild kann schon deshalb nicht mehr bestehen, weil dieses Bild nicht mehr vorhanden ist.

Die Marienverehrung innerhalb der Pfarre lebt jedoch fort. Das Patrozinium, marianische Gottesdienste und Bräuche wie die Kräuterweihe zu Mariä Himmelfahrt gehören weiterhin zum kirchlichen Leben.

Diese gegenwärtige Marienfrömmigkeit darf jedoch nicht als Fortbestehen der historischen Wallfahrt bezeichnet werden. Die alte Wallfahrt und die heutige Pfarrfrömmigkeit bilden unterschiedliche Kultschichten.

Volkskundliche Bedeutung

Die ehemalige Kuchler Marienwallfahrt ist besonders deshalb aufschlussreich, weil sich an ihr zeigen lässt, wie stark ein Wallfahrtskult von seinem materiellen Mittelpunkt abhängig sein kann. Im 18. Jahrhundert stand eine gekrönte und kostbar bekleidete Madonna am Hochaltar, ihre Darstellung wurde auf Andachtsbildern vervielfältigt, und die Pfarrkirche wurde von Menschen aufgesucht, die vor diesem Bild ihre Anliegen vorbringen wollten.

Bruderschaften, Rosenkranzfrömmigkeit und Bittgänge bildeten den religiösen Hintergrund dieser Wallfahrt, während die gedruckten Andachtsbilder zugleich eine materielle Verbindung zwischen Gnadenort und häuslicher Frömmigkeit herstellten.

Mit den tiefgreifenden Veränderungen der Kirchenausstattung im 19. und 20. Jahrhundert ging nicht nur der ursprüngliche Altarzusammenhang, sondern schließlich auch das historische Kultbild verloren. Damit verschwand einer der wesentlichen materiellen Bezugspunkte der Wallfahrt.

Besonders interessant ist die heutige Situation, weil wiederum eine barocke Madonna den Altarraum prägt. Dass diese um 1730 geschaffene Figur erst 1955 nach Kuchl gelangte, macht deutlich, wie leicht kunsthistorische Ähnlichkeit und tatsächliche Kultkontinuität verwechselt werden können.

Die Kuchler Pfarrkirche ist daher ein besonders anschauliches Beispiel dafür, dass die Geschichte einer Wallfahrt nicht allein anhand der heute sichtbaren Ausstattung rekonstruiert werden darf. Erst archivalische Nachrichten, ältere Kirchenbeschreibungen und die überlieferten Andachtsbilder lassen erkennen, welchem Kultgegenstand die historische Verehrung tatsächlich galt.

Literatur zur Wallfahrt

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg.

- Die Kunstdenkmale des politischen Bezirkes Hallein. Österreichische Kunsttopographie, Band XX. Wien 1927.

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München 1982.

- Apfelthaler, Johann: Kuchl/Salzburg. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 51. Salzburg 1986.

- Struber, Rupert: Die Bruderschaften der Pfarre Kuchl im Lichte der archivalischen Quellen vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Diplomarbeit, Salzburg 1997.

- Kirchenführer der Pfarre Kuchl: Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt beziehungsweise Pfarrkirche zu den hll. Maria und Pankraz.

- Marktgemeinde Kuchl: Dokumentationen zur Pfarrkirche, zur ehemaligen Marienwallfahrt und zum Rosenkranzweg.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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