| Wallfahrt: | Pfarrkirche St. Jakobus in Krimml: erloschene Marienwallfahrt zur gotischen Madonna um 1480, Geschichte, Gnadenbild, Volkskunde und heutiger Status. |
| Status: | Historische Marienwallfahrt zur gotischen Madonna; heute erloschen. |
| Kultzentrum: | Spätgotische Madonna um 1480 am Hochaltar als historisches Gnadenbild. |
| Ort: | Krimml |
| Region: | Pinzgau |
| Bundesland: | Salzburg |
| • | Lage: Krimml 1, 5743 Krimml. |
| • | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pinzgau |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarre Krimml |
| • | Geöffnet: tagsüber frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation - derzeit noch keine Fotos vorhanden |
| • | Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde |
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Die Pfarrkirche zum hl. Jakobus dem Älteren steht im Oberpinzgauer Ort Krimml und gehört zu den ältesten urkundlich nachweisbaren Kirchen des Pinzgaus. Weniger bekannt ist, dass sich in ihr mit einer spätgotischen Madonna aus der Zeit um 1480 ein historisches Gnadenbild befindet, das zeitweise Ziel einer lokalen Marienwallfahrt war. Die eigentliche Wallfahrt zur Madonna ist heute erloschen; die Figur blieb jedoch erhalten und nimmt weiterhin den zentralen Platz am Hochaltar ein.
Von dieser historischen Marienwallfahrt ist die Verehrung des Kirchenpatrons Jakobus des Älteren deutlich zu unterscheiden. Ebenso wenig darf der erst in jüngerer Zeit eingerichtete Jakobsweg durch das Krimmler Achental als Beleg für eine mittelalterliche oder frühneuzeitliche Jakobuswallfahrt nach Krimml verstanden werden.
Die Krimmler Kirche besitzt eine weit in das Mittelalter zurückreichende Geschichte. Bereits 1244 wird im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Zisterzienserkloster Raitenhaslach eine Hube bei der "Kirchen in der Khrumbe" genannt. Damit gehört das Gotteshaus zu den frühesten urkundlich belegten Kirchen des Oberpinzgaus.
Krimml war lange Zeit keine selbständige Pfarre. Der Ort gehörte zunächst zum großräumigen Pfarrverband von Bramberg, später zu Neukirchen und Wald im Pinzgau. Erst 1784 wurde Krimml zum selbständigen Vikariat erhoben; 1891 erfolgte die Errichtung der Pfarre.
Der heutige Kirchenbau bewahrt mittelalterliche und frühneuzeitliche Teile, wurde jedoch im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Auch die Ausstattung vereinigt Werke unterschiedlicher Epochen. Bei Restaurierungsarbeiten kamen ältere Wandmalereien wieder zum Vorschein, darunter Darstellungen des Jüngsten Gerichtes sowie ein späterer Zyklus mit Heiligen, den Vierzehn Nothelfern und Maria mit dem Jesuskind.
Patron der Kirche ist der heilige Jakobus der Ältere, dessen Fest am 25. Juli gefeiert wird.
Das bedeutendste Kunstwerk der Kirche und zugleich das historische Ziel der Wallfahrt ist die spätgotische Madonna am Hochaltar.
Die stehende Muttergottes mit dem Jesuskind entstand um 1480. Die Figur gehört damit zu jener Gruppe spätgotischer Marienbilder, die in zahlreichen Salzburger Kirchen im Laufe der frühen Neuzeit über ihre ursprüngliche Funktion als Altar- oder Andachtsbild hinaus zu Gnadenbildern wurden.
Auch das Salzburger Kulturlexikon führt die Krimmler Madonna ausdrücklich unter den spätgotischen marianischen Gnadenbildern des Landes Salzburg.
Heute steht sie im Mittelpunkt des Hochaltares. Seitlich erscheinen Figuren der beiden Apostel Jakobus des Älteren und Jakobus des Jüngeren.
Die Krimmler Madonna war zeitweise Ziel einer lokalen Wallfahrt.
Über Umfang, Einzugsgebiet und genaue Entstehungszeit dieser Wallfahrt ist wesentlich weniger bekannt als bei den großen Pinzgauer Gnadenorten Maria Kirchental, Maria Alm oder Bruck. Gerade dieser Mangel an ausführlicher Überlieferung spricht dafür, dass Krimml niemals zu den großen überregionalen Wallfahrtszentren gehörte.
Dennoch wird die Madonna ausdrücklich als Ziel einer Wallfahrt genannt. Die Einordnung als Gnadenbild und Hinweise auf einen lokalen Wallfahrtszuzug zeigen, dass die Verehrung über die gewöhnliche Marienandacht einer Pfarrkirche hinausging.
Von großen Pilgerzügen, einem eigenen Mirakelbuch oder einem ausgedehnten Votivwesen ist bislang nichts Vergleichbares überliefert. Die Krimmler Wallfahrt gehörte vielmehr zu jener großen Gruppe kleiner örtlicher und regionaler Gnadenstätten, deren Bedeutung vielfach nur wenige Generationen anhielt und deren Wallfahrtscharakter später nahezu vollständig aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwand.
Die historische Marienwallfahrt nach Krimml ist heute erloschen.
Ein außergewöhnliches Zeugnis der früheren Verehrung ist die Behandlung der gotischen Madonna während der Barockzeit.
Die mittelalterliche Holzfigur wurde damals stark zugerichtet, damit man sie mit einem Kleid versehen konnte. Teile der Figur wurden sogar mit einer Hacke abgearbeitet, um die gewünschte Form für die textile Bekleidung zu erhalten.
Aus heutiger Sicht erscheint ein solcher Eingriff in ein spätgotisches Kunstwerk kaum vorstellbar. Für die damaligen Gläubigen stand jedoch nicht der kunsthistorische Originalzustand der Skulptur im Mittelpunkt, sondern ihre Funktion als verehrtes Gnadenbild.
Das Bekleiden von Marienfiguren war während der Barockzeit an zahlreichen Wallfahrtsorten verbreitet. Gnadenbilder erhielten kostbare Gewänder, Spitzen, Kronen, Schmuck und andere Stiftungen. Dadurch erschien Maria nicht mehr in erster Linie als geschnitzte Holzfigur, sondern als gegenwärtige Himmelskönigin und mächtige Fürsprecherin.
Die Beschädigung der Krimmler Madonna ist daher zugleich ein besonders drastisches Beispiel dafür, wie unterschiedlich moderne Denkmalpflege und historische Kultpraxis dasselbe Objekt bewerten.
Erst 1934 wurde versucht, der stark veränderten Figur wieder ein Erscheinungsbild zu geben, das ihrer spätgotischen Herkunft näherkam.
Im Zuge dieser Arbeiten schuf der Halleiner Bildhauer Jakob Adlhart zwei Engel zu Füßen der Madonna.
Die heutige Erscheinung des Gnadenbildes ist damit das Ergebnis mehrerer historischer Schichten: spätgotische Schnitzkunst, barocke Umgestaltung für die Bekleidung und denkmalpflegerische beziehungsweise künstlerische Eingriffe des 20. Jahrhunderts greifen unmittelbar ineinander.
Gerade diese Veränderungen machen die Figur auch zu einer wichtigen Quelle für die Geschichte religiöser Bildverehrung.
Der Umgang mit der Krimmler Madonna zeigt einen grundlegenden Unterschied zwischen einem Kunstwerk im Museum und einem Gnadenbild innerhalb gelebter Frömmigkeit.
Die mittelalterliche Figur wurde nicht deshalb verehrt, weil sie aus dem 15. Jahrhundert stammte oder als kunsthistorisch wertvoll galt. Entscheidend war die religiöse Bedeutung, die ihr zugeschrieben wurde.
Ein Gnadenbild wurde bekleidet, geschmückt, bekrönt, berührt und in Gebete und Gelübde einbezogen. Seine äußere Erscheinung konnte sich deshalb immer wieder verändern.
Gerade Wallfahrtsbilder sind häufig weniger unveränderte Kunstwerke als materielle Zeugnisse einer über Generationen fortgesetzten religiösen Beziehung.
Die Spuren an der Krimmler Madonna dürfen daher nicht lediglich als Beschädigungen verstanden werden. Sie sind zugleich Spuren ihrer historischen Nutzung als verehrtes Gnadenbild.
Heute lässt sich keine eigenständige Wallfahrt zur gotischen Madonna mehr feststellen.
Die aktuelle religiöse Nutzung der Kirche entspricht jener einer Pfarrkirche. Gottesdienste, Rosenkranz, Anbetung und das Patrozinium des heiligen Jakobus bestimmen das kirchliche Leben; eine besondere regelmäßige Wallfahrt zum historischen Mariengnadenbild wird nicht mehr gepflegt.
Die Madonna selbst blieb jedoch an ihrem historischen Standort erhalten. Das Gnadenbild hat seine frühere Funktion als Ziel von Wallfahrern weitgehend verloren, ist jedoch weiterhin Bestandteil des liturgischen und kunsthistorischen Mittelpunktes der Kirche.
Die Weihe der Kirche an den heiligen Jakobus den Älteren legt zunächst eine Verbindung zum Pilgerwesen nahe. Auch die Lage Krimmls an einem bedeutenden historischen Übergang über die Alpen könnte zu einer solchen Annahme verleiten.
Der Krimmler Tauern war über Jahrhunderte ein wichtiger Verkehrsweg zwischen dem Salzachtal und dem südlich des Alpenhauptkammes gelegenen Ahrntal. Säumer, Bauern, Händler und Reisende benutzten diesen Übergang; auch Pilger konnten hier die Alpen überschreiten.
Ein historischer Verkehrsweg, die Anwesenheit von Pilgern und ein Jakobuspatrozinium reichen jedoch nicht aus, um daraus eine historische Jakobuswallfahrt nach Krimml abzuleiten.
Ein entsprechender Nachweis ist bislang nicht bekannt.
Heute beginnt in Krimml tatsächlich ein Jakobsweg, der durch das Krimmler Achental über den Krimmler Tauern nach Südtirol und weiter in bestehende Jakobswegenetze führt. Dieser Weg ist jedoch eine moderne Einrichtung.
Die Initiative dazu entstand erst im 21. Jahrhundert. Ausgangspunkt Krimml bot sich nicht zuletzt deshalb an, weil die dortige Pfarrkirche dem Apostel Jakobus geweiht ist.
Der heutige Jakobsweg ist damit eine neue Form des Pilgerns, die historische Verkehrswege aufgreift und mit dem modernen europäischen Jakobswegenetz verbindet. Er darf jedoch nicht rückwirkend als Beleg für die frühere Krimmler Marienwallfahrt oder eine historische Jakobuswallfahrt herangezogen werden.
Einen bemerkenswerten Einblick in die religiöse Vorstellungswelt des Oberpinzgaus geben auch die Glocken der Krimmler Pfarrkirche.
Eine Glockeninschrift bittet den heiligen Johannes Nepomuk um Schutz vor Wildbach, Lawinen und anderem Schaden. Weitere Schutzbitten beziehen sich auf Feuer und Viehseuchen.
Solche Anrufungen spiegeln unmittelbar die Gefahren wider, denen die Bevölkerung eines alpinen Tales ausgesetzt war.
Wildbäche, Lawinen, Brände und Krankheiten des Viehbestandes waren keine abstrakten Bedrohungen, sondern konnten innerhalb kurzer Zeit Menschenleben und die wirtschaftliche Existenz eines Hofes vernichten.
Wie die frühere Wallfahrt zur Madonna gehören deshalb auch solche Schutzbitten zu einer religiösen Kultur, in der Heilige und Gnadenbilder eng in die konkreten Nöte des alltäglichen Lebens eingebunden waren.
Die erloschene Wallfahrt von Krimml ist gerade deshalb bemerkenswert, weil sie sich heute kaum mehr im öffentlichen Bewusstsein erhalten hat.
Anders als an großen Wallfahrtsorten fehlen umfangreiche Mirakelbücher, spektakuläre Ursprungslegenden oder hunderte Votivtafeln. Geblieben ist vor allem das Gnadenbild selbst.
Gerade an seiner materiellen Gestalt lässt sich jedoch die frühere Verehrung ungewöhnlich deutlich ablesen.
Die spätgotische Madonna wurde in der Barockzeit nicht wie ein historisches Kunstwerk behandelt, sondern für ihre religiöse Funktion verändert. Man entfernte Teile der mittelalterlichen Schnitzarbeit, damit die Figur bekleidet werden konnte. Im 20. Jahrhundert versuchte man wiederum, diese Eingriffe teilweise rückgängig zu machen und ein vermeintlich ursprünglicheres Erscheinungsbild herzustellen.
Damit spiegelt die Madonna unterschiedliche Vorstellungen dreier Epochen wider: die spätmittelalterliche Bildfrömmigkeit ihrer Entstehungszeit, die barocke Gnadenbildverehrung und die moderne Wertschätzung des mittelalterlichen Kunstwerkes.
Die erloschene Wallfahrt von Krimml besitzt daher weniger durch ihre ehemalige Größe als durch ihr erhaltenes Gnadenbild besondere volkskundliche Bedeutung.
- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986.
- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Bd. 5. Wien 1958.
- Lahnsteiner, Josef: Oberpinzgau. Von Krimml bis Kaprun. Hollersbach.
- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München–Zürich 1982.
- Neuhardt, Johannes: Pfarrkirche zum hl. Jakobus d. Ä. in Krimml. Salzburg 1996 (= Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 290).
- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Salzburg 1986.
- Salzburger Kulturlexikon: Artikel "Gnadenbild".
- Pfarre Krimml / Pfarren Pinzgau Quellen: Informationen zur Pfarrgeschichte, zum heutigen kirchlichen Leben und zum Jakobsweg durch das Krimmler Achental.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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