Hallein-Dürrnberg, Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt – Maria Dürrnberg

Schnellüberblick
Wallfahrt:Maria Dürrnberg bei Hallein: historische Marienwallfahrt, Gnadenbild, Frauenbründl, Knappenfrömmigkeit, Votivwesen und Wallfahrt heute.
Status:Bis heute lebendige historische Marienwallfahrt mit Einzelpilgern, Gruppen und erneuerten Pilgertraditionen.
Kultzentrum:Gnadenbild der "Wunderbaren Mutter vom Dürrnberg".
Ort:Hallein-Dürrnberg
Region:Tennengau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, Rupertusplatz 4, 5422 Bad Dürrnberg.

Die Kirche liegt auf dem Dürrnberg oberhalb der Stadt Hallein und kann sowohl über Fußwege als auch über die Straße erreicht werden. Der traditionelle Aufstieg von Hallein folgt dem alten Knappensteig, der heute mit einem Kreuzweg verbunden ist.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Tennengau
Ansicht in Street View
Web: Wallfahrtskirche Maria Dürrnberg
Geöffnet: tagsüber frei zugänglich.
Direkt zum Inhalt
Bilddokumentation - derzeit noch keine Fotos vorhanden
Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

Bilddokumentation

Wir haben leider noch keine Fotos der Wallfahrtskirche - Haben Sie Fotos?

Foto von Wallfahrtskirche einsenden

Sollten Sie Fotos haben, können Sie sie hier hochladen!

Ausführliche Beschreibung

Hoch über Hallein erhebt sich auf dem Dürrnberg die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, deren weithin sichtbarer Bau zu den bedeutendsten historischen Marienheiligtümern des Landes Salzburg gehört. Die Wallfahrt ist bereits im 14. Jahrhundert nachweisbar und entwickelte sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem der ältesten Bergbaugebiete des Ostalpenraumes, in dem Salzgewinnung, Knappenwesen und religiöse Schutzvorstellungen über viele Jahrhunderte eng miteinander verbunden waren. Im Mittelpunkt der Verehrung steht die "Wunderbare Mutter vom Dürrnberg", während alte Gelöbniswallfahrten, Votivbilder, große Wachsopfer, das ausdrücklich zur Versorgung der Pilger geschaffene Frauenbründl und die jahrhundertelange Betreuung der Wallfahrer den Dürrnberg zu einem besonders reich dokumentierten Beispiel historischer Wallfahrtskultur machen.

Die Wallfahrt ist bis heute lebendig. Einzelpilger und Wallfahrtsgruppen suchen Maria Dürrnberg weiterhin auf, Wallfahrtsgottesdienste werden nach Vereinbarung gefeiert, und verschiedene ältere Pilgertraditionen haben sich zumindest in erneuerter oder veränderter Form erhalten. Die Wallfahrtskirche gilt innerhalb der örtlichen Überlieferung als ältester Marienwallfahrtsort Salzburgs.

Eine uralte Bergbaulandschaft

Der Dürrnberg besitzt eine Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte, die weit hinter die christliche Wallfahrt zurückreicht. Archäologische Forschungen haben eine intensive prähistorische Salzgewinnung nachgewiesen, die insbesondere während der keltischen Latènezeit eine hoch entwickelte Bergbaukultur hervorbrachte. Gräberfelder, Werkzeuge, organische Funde aus dem Salzbergwerk und zahlreiche weitere archäologische Zeugnisse haben den Dürrnberg zu einem der bedeutendsten Fundplätze der keltischen Kultur im Ostalpenraum gemacht.

Diese vorgeschichtliche Vergangenheit wird heute durch die archäologischen Forschungen am Dürrnberg, das Keltenmuseum Hallein und rekonstruierte beziehungsweise museal vermittelte keltische Lebenswelten anschaulich dokumentiert. Für die Geschichte der späteren Marienwallfahrt ist dieser alte Bergbau insofern von Bedeutung, als der Dürrnberg über Jahrtausende hinweg ein durch den Salzabbau geprägter Lebens- und Arbeitsraum blieb.

Eine unmittelbare religiöse Kontinuität zwischen einem möglichen vorchristlichen Kult und der mittelalterlichen Marienwallfahrt lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. Archäologisch gesicherter keltischer Bergbau und christliche Wallfahrt gehören unterschiedlichen historischen Epochen an und müssen methodisch voneinander getrennt werden.

Der mittelalterliche Marienkult

Nach der Wiederaufnahme beziehungsweise Intensivierung des Salzbergbaues im Hochmittelalter entstand auf dem Dürrnberg eine christliche Bergbaugemeinde, in deren religiösem Leben die Verehrung Mariens früh eine besondere Stellung einnahm.

Bereits 1347 ist eine Stiftung für "Unsrer Frawen auf dem Perchk" überliefert, wobei die Formulierung erkennen lässt, dass die Marienverehrung und wahrscheinlich auch die Wallfahrt zu diesem Zeitpunkt bereits bestanden. Der eigentliche Anlass, aus dem die Menschen erstmals zur Gottesmutter auf den Dürrnberg wallfahrteten, ist nicht mehr bekannt. Eine klassische Gründungslegende mit Fundbild, Erscheinung oder wunderbarer Quelle ist für die frühe Wallfahrt nicht sicher überliefert.

Damit gehört Maria Dürrnberg zu jenen Gnadenorten, deren Entstehung offenbar schrittweise erfolgte. Die Gefahren des Bergbaues, das Leben in einer abgeschlossenen Berggemeinde und das Bedürfnis nach religiösem Schutz mögen die besondere Marienverehrung begünstigt haben, doch wäre es zu weitgehend, darin ohne unmittelbaren Quellenbeleg den eigentlichen Ursprung der Wallfahrt zu sehen.

Stiftungen und der ältere Kirchenbau

Seit dem späten 14. Jahrhundert ermöglichten verschiedene Stiftungen eine zunehmend eigenständige kirchliche Betreuung des Dürrnbergs. Ein Urbar von 1434 belegt bereits den heutigen Kirchenplatz, während im späteren 15. Jahrhundert ein größerer Kirchenbau entstand, der 1498 geweiht wurde.

Von dieser älteren Wallfahrtskirche hat sich unter anderem eine Glocke aus dem Jahr 1504 erhalten, auf der eine gekrönte Gottesmutter mit dem Jesuskind dargestellt ist. Dieses Bild gehört zu den ältesten erhaltenen bildlichen Zeugnissen der Dürrnberger Marienverehrung und ist zugleich ein wichtiger Hinweis darauf, dass der Kult lange vor Entstehung des heutigen Gnadenbildes fest etabliert war.

Das Frauenbründl

Ein außergewöhnlich anschauliches Zeugnis historischer Wallfahrtsinfrastruktur ist das sogenannte Frauenbründl. Erzbischof Matthäus Lang von Wellenburg ließ 1519 eine Wasserstelle für die zum Dürrnberg kommenden Wallfahrer errichten, damit sich die vom Aufstieg erschöpften und durstigen Pilger erfrischen konnten.

Damit besitzt der Dürrnberg eine selten so eindeutig dokumentierte Einrichtung, deren ursprünglicher Zweck unmittelbar der Versorgung der Wallfahrer diente. Die heute erhaltene Brunnensäule wird etwa in die Zeit um 1530 datiert, während das Marmorbecken später erneuert wurde; eine Darstellung der Madonna mit Kind stellt zugleich den religiösen Bezug zur Wallfahrtskirche her.

Das Frauenbründl sollte nicht ohne entsprechenden historischen Nachweis als Heilquelle bezeichnet werden. Seine ursprüngliche Bedeutung lag zunächst wesentlich praktischer in der Versorgung der Pilger mit Wasser, wodurch sich jedoch gerade besonders deutlich zeigt, dass eine Wallfahrt nicht erst am Gnadenaltar begann, sondern bereits Wege, Rastplätze und Versorgungseinrichtungen erforderte.

Der monumentale Neubau

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ließ Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau die ältere Kirche abbrechen und durch einen wesentlich größeren und repräsentativeren Bau ersetzen. Mit den Arbeiten wurde 1596 begonnen; die Planung wird dem bedeutenden venezianischen Architekten Vincenzo Scamozzi zugeschrieben.

Unter Wolf Dietrichs Nachfolger Markus Sittikus wurde das Gotteshaus am 19. Oktober 1614 geweiht. In den folgenden Jahren entstanden beziehungsweise vollendeten sich Umfassungsmauer, Portal und Eckbauten des Kirchenbezirkes, wobei auch Santino Solari, der spätere Erbauer des Salzburger Domes, mit der Anlage in Verbindung steht.

Der Kirchenbau unterscheidet sich durch seine strenge, italienisch beeinflusste Architektur deutlich von vielen anderen Wallfahrtskirchen des Landes. Der aus unverputztem Stein errichtete Bau, der mächtige Turm mit seinem pyramidenartigen Abschluss und der ummauerte Kirchenbezirk verleihen dem Heiligtum beinahe festungsartigen Charakter.

Der ummauerte Wallfahrtsbezirk

Der Zugang zur Kirche führt durch ein repräsentatives Portal in einen deutlich abgegrenzten sakralen Bezirk. Umfassungsmauer und Eckkapellen trennen den Raum der Wallfahrtskirche von der umgebenden Bergbaulandschaft und verleihen dem Eintritt in das Heiligtum einen eigenen räumlichen Charakter.

Für den Wallfahrer bedeutete diese Architektur einen sichtbaren Übergang. Nach dem oft beschwerlichen Aufstieg wurde durch das Tor ein eigener religiöser Raum betreten, in dessen Mittelpunkt Kirche und Gnadenbild standen.

Die "Wunderbare Mutter vom Dürrnberg"

Im Zentrum der Wallfahrt steht die sogenannte "Wunderbare Mutter vom Dürrnberg", auch als Mater admirabilis bezeichnet. Die um 1612 entstandene hölzerne Marienfigur zeigt Maria als gekrönte Himmelskönigin mit dem Jesuskind, auf der Mondsichel stehend und von einem Sternenkranz umgeben.

Maria hält in ihrer rechten Hand einen Apfel, während das Jesuskind seine Arme dem Betrachter entgegenstreckt. Die Figur wird dem Salzburger Hofbildhauer Hans Waldburger zugeschrieben, wobei die Zuschreibung nicht in allen Darstellungen mit gleicher Sicherheit vorgenommen wird.

Das heutige Gnadenbild entstand erst im Zusammenhang mit dem großen Kirchenneubau des frühen 17. Jahrhunderts. Es darf deshalb nicht mit dem ursprünglichen mittelalterlichen Kultbild gleichgesetzt werden, denn die Wallfahrt zum Dürrnberg ist bereits seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar.

Die Legende vom zum Tode verurteilten Bildschnitzer

Zur Entstehung des heutigen Gnadenbildes wird eine bemerkenswerte Legende erzählt. Ein zum Tode verurteilter Gefangener soll die Marienstatue geschnitzt haben und wegen der besonderen Schönheit beziehungsweise Vollkommenheit seines Werkes begnadigt worden sein.

Die Überlieferung besitzt eine eigenartige innere Logik, weil die Statue damit bereits durch ihre eigene Entstehung mit dem Begriff der Gnade verbunden wird. Noch bevor spätere Pilger vor ihr um Hilfe baten, hätte sie nach der Legende ihrem eigenen Schöpfer das Leben gerettet.

Das Motiv verbindet Schuld, Todesdrohung, künstlerische beziehungsweise religiöse Leistung und Begnadigung zu einer Erzählung, die dem späteren Gnadenbild eine besondere Herkunft verleiht. Historisch lässt sich diese Geschichte nicht als Bericht über die tatsächliche Entstehung der Figur verwenden, volkskundlich gehört sie jedoch unmittelbar zur Kultgeschichte des Heiligtums.

Die barocke Wallfahrtsblüte

Während des 17. und 18. Jahrhunderts erreichte Maria Dürrnberg eine bedeutende Blüte. Das Einzugsgebiet umfasste nicht nur Salzburg und das angrenzende Bayern, sondern reichte mit einzelnen dokumentierten Gebetserhörungen und Pilgern weit darüber hinaus.

Der Umfang der Wallfahrt lässt sich besonders deutlich an der Seelsorgeorganisation erkennen. Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts waren zeitweise mehrere Augustiner-Eremiten mit der Betreuung der Pilger beschäftigt, wodurch Beichte, Gottesdienste und geistliche Begleitung auch bei größerem Andrang gewährleistet werden konnten.

Eine solche personelle Ausstattung zeigt, dass Wallfahrt nicht nur das Vorhandensein eines Gnadenbildes erforderte. Große Pilgerzahlen verlangten zusätzliche Geistliche, Beichtgelegenheiten, Messfeiern, Unterkunfts- und Versorgungsmöglichkeiten sowie eine Organisation der ankommenden Prozessionen.

Historische Wallfahrtszüge

Aus zahlreichen Orten des Salzburger Landes und der angrenzenden Gebiete führten regelmäßige Wallfahrten auf den Dürrnberg. Überliefert sind unter anderem Pilgerzüge aus Abtenau, Laufen, Bad Reichenhall, Obertrum, Seeham, Köstendorf, Ainring, Faistenau, Großgmain, Schellenberg und Siezenheim.

Für Laufen ist bereits seit dem 16. Jahrhundert eine regelmäßig wiederkehrende Wallfahrt belegt. Solche Gruppenwallfahrten verbanden einzelne Pfarren und Gemeinden über Generationen hinweg mit dem Dürrnberger Gnadenbild und machten aus Maria Dürrnberg einen religiösen Mittelpunkt, dessen Einzugsgebiet weit über die unmittelbare Bergbaugemeinde hinausreichte.

Wallfahrt und Wachsopfer

Zu traditionellen Gruppenwallfahrten gehörten häufig festgelegte Opfergaben. Besonders Wachs spielte dabei eine bedeutende Rolle, weil Kerzen nicht nur während des Gottesdienstes verbrannt, sondern als materieller Ausdruck eines Gelübdes oder Dankes zum Heiligtum gebracht wurden.

Als im späten 18. Jahrhundert weiter entfernte Wallfahrten staatlich eingeschränkt wurden, erhielten einzelne Gemeinden, deren bisherige Ziele nicht mehr aufgesucht werden durften, die Möglichkeit, stattdessen auf den näher gelegenen Dürrnberg zu wallfahren. Auch dabei wurden Wachsopfer mitgeführt.

Noch in der jüngeren Wallfahrtstradition begegnet die Stiftung großer Kerzen durch Pilgergruppen, die anschließend über längere Zeit bei den Gottesdiensten des Heiligtums entzündet wurden. Die Votivgabe blieb damit über den eigentlichen Wallfahrtstag hinaus im Kirchenraum präsent und erinnerte fortdauernd an die Gemeinschaft, die sie gestiftet hatte.

Die Pestwallfahrt aus Saalfelden

Eine der bemerkenswertesten überregionalen Wallfahrtstraditionen führte aus Saalfelden auf den Dürrnberg. Sie entstand im Zusammenhang mit einer Pestnot und gehört damit zum verbreiteten Typus der kollektiven Gelöbniswallfahrt.

Die genaue Datierung des ursprünglichen Gelübdes wird in den Quellen nicht vollkommen einheitlich angegeben. Unterschiedliche Nachrichten verweisen auf die Zeit des 17. Jahrhunderts; gesichert ist jedenfalls, dass die Saalfeldener Wallfahrt über Generationen hinweg erneuert und weitergeführt wurde.

Besonders eindrucksvoll war die große Votivkerze, die von den Pilgern mitgebracht wurde und ein Gewicht von ungefähr fünfzig Pfund erreichen konnte. Solche monumentalen Kerzen waren keine bloßen Beleuchtungsmittel, sondern sichtbare Opfergaben einer ganzen Gemeinschaft, deren Größe und materieller Wert zugleich die Bedeutung des Gelübdes ausdrückten.

Bei der Ankunft größerer Saalfeldener Pilgerzüge wurden zeitweise sogar Böller abgefeuert. Aus dem 19. Jahrhundert ist überliefert, dass die Wallfahrer abends auf dem Dürrnberg ankamen und bereits früh am folgenden Morgen das Hochamt gefeiert wurde. Der Wallfahrtsort musste damit nicht nur den liturgischen Bedürfnissen, sondern auch dem Aufenthalt einer großen auswärtigen Pilgergruppe gerecht werden.

Die Wallfahrt aus Saalfelden wurde in jüngerer Zeit wieder aufgegriffen, wobei neuerlich eine große Kerze gestiftet wurde. Damit lebt zumindest die Erinnerung an das alte Pestgelübde in erneuerter Form fort.

Der Dürrnberg und die Bartholomä-Wallfahrt

Eine überraschende Verbindung besteht zwischen Maria Dürrnberg und der heute weithin bekannten Bartholomä-Wallfahrt von Maria Alm über das Steinerne Meer zum Königssee.

Das ursprüngliche Ziel dieser großen alpinen Wallfahrt lag nicht in St. Bartholomä am Königssee, sondern auf dem Dürrnberg. St. Bartholomä bildete zunächst eine Zwischenstation des erheblich längeren Pilgerweges.

Nach einem schweren Schiffsunglück am Königssee im Jahr 1688, bei dem zahlreiche Wallfahrer ums Leben kamen, wurde der offizielle Wallfahrtsweg verändert und St. Bartholomä zum Endpunkt. Die bis heute bekannte Bartholomä-Wallfahrt bewahrt damit einen Teil einer ursprünglich wesentlich weiter reichenden Wallfahrtsbewegung, deren eigentliches Ziel Maria Dürrnberg gewesen war.

Diese Verbindung zeigt eindrucksvoll, welchen überregionalen Rang das Dürrnberger Marienheiligtum in der frühen Neuzeit besaß.

Die Knappen und ihre Gottesmutter

Die Geschichte der Wallfahrtskirche ist untrennbar mit den Salzknappen des Dürrnbergs verbunden. Der Bergbau bestimmte Arbeitsrhythmus, soziale Ordnung und Lebensbedingungen der Bevölkerung, während die Kirche nicht nur Pfarrkirche, sondern zugleich religiöser Mittelpunkt der Berggemeinde war.

Maria erscheint in der späteren Knappenüberlieferung ausdrücklich als Schutzfrau der Bergleute. Bruderschaftsfahnen und andere religiöse Zeugnisse zeigen, dass die Gottesmutter innerhalb der Knappenfrömmigkeit einen festen Platz besaß.

Nach einem Bergwerksunglück im späten 17. Jahrhundert, bei dem ein Arbeiter ums Leben kam, während andere Bergleute rechtzeitig gewarnt worden sein sollen, wurde die Rettung der Gnadenmutter zugeschrieben und eine regelmäßige Danksagung beschlossen. Hier lässt sich die Verbindung von konkreter Arbeitsgefahr und marianischer Schutzvorstellung unmittelbar erkennen.

Das Fünf-Uhr-Läuten

Eine besonders charakteristische Verbindung zwischen Kirche und Bergbau stellt das sogenannte Fünf-Uhr-Läuten dar. Seit dem 17. Jahrhundert wurden am frühen Morgen die Glocken der Kirche geläutet, damit die Bergknappen rechtzeitig für den Beginn der Frühschicht aufstanden.

Der Brauch gehört nicht unmittelbar zur Wallfahrt, besitzt jedoch großen volkskundlichen Wert, weil hier eine Kirchenglocke zugleich religiöses Zeichen und praktisches Zeitinstrument der Bergbaugemeinschaft war. Kirchlicher Tagesrhythmus und Arbeitsrhythmus des Salzberges griffen unmittelbar ineinander.

Votivbilder und Gebetserhörungen

Von der historischen Wallfahrt haben sich zahlreiche Votivbilder erhalten. Sie dokumentieren Krankheiten, Unfälle, persönliche Krisen und kollektive Gefahren, bei denen die Gottesmutter vom Dürrnberg um Hilfe angerufen wurde.

Besonders bemerkenswert ist ein Votivbild aus dem Jahr 1673, das mit einem schweren Brand in Hallein verbunden ist. Während des Brandes wurde im Namen der bedrohten Gemeinde eine Wallfahrt zum Dürrnberg gelobt; nachdem die Katastrophe überraschend eingedämmt werden konnte, wurde die erfahrene Hilfe der Fürsprache Mariens zugeschrieben und im Votivbild dauerhaft festgehalten.

Die Darstellung folgt damit einem für Wallfahrtskultur charakteristischen Ablauf: Eine Gemeinschaft gerät in existenzielle Gefahr, verspricht im Fall der Rettung eine Wallfahrt oder Opfergabe, deutet das Ende der Not als Gebetserhörung und bewahrt diese Erfahrung schließlich in einem materiellen Erinnerungszeichen.

Mirakelüberlieferung und Votivgaben

Ältere wallfahrtskundliche Überlieferungen berichten über einen wesentlich umfangreicheren Bestand an Votivgaben, als heute noch sichtbar ist. Neben gemalten Votivtafeln werden wächserne und metallene Opfergaben, Gehhilfen und andere Gegenstände genannt, die Krankheiten, Verletzungen oder erhoffte Heilungen symbolisierten.

Auch Wachsnachbildungen menschlicher Körperteile gehörten zur traditionellen Votivkultur. Solche Gegenstände stellten das erkrankte oder gefährdete Organ bildlich dar und wurden der Gottesmutter entweder bittend oder dankend übergeben.

Für den Dürrnberg ist insbesondere die Verbindung zwischen körperlichen Leiden und der Anrufung Mariens als "Heil der Kranken" überliefert. Daneben stehen Unglücksfälle und andere existenzielle Nöte, sodass die Wallfahrt keine eng begrenzte Heilindikation besaß.

Devotionalien und Wallfahrtsandenken

Die große Zahl historischer Wallfahrer brachte naturgemäß auch eine eigene materielle Pilgerkultur hervor. Ältere Nachrichten erwähnen Verkaufsstellen beziehungsweise Buden für religiöse Andenken und Votivgaben im Umfeld des Heiligtums.

Solche Verkaufsstellen gehörten zur klassischen Infrastruktur größerer Wallfahrtsorte. Kerzen, kleine Bilder, Rosenkränze, Medaillen, Wachsvotive und andere Andachtsgegenstände ermöglichten es den Pilgern einerseits, eine Opfergabe am Gnadenort zurückzulassen, andererseits aber auch, ein materielles Erinnerungsstück nach Hause mitzunehmen.

Wallfahrt erzeugte dadurch einen eigenen Warenverkehr, der religiöse, handwerkliche und wirtschaftliche Funktionen miteinander verband. Gerade auf dem Dürrnberg, wo über Jahrhunderte größere Gruppenwallfahrten eintrafen, ist diese Devotionalienkultur ein wichtiger Bestandteil der Geschichte des Gnadenortes.

Die barocke Innenausstattung

Das heutige Innere der Kirche wurde wesentlich im 18. Jahrhundert geprägt. Nachdem das ursprüngliche gemauerte Gewölbe wegen statischer Probleme entfernt werden musste, erhielt die Kirche ein tiefer angesetztes hölzernes Gewölbe.

In den folgenden Jahrzehnten entstanden Hochaltar, Seitenaltäre und Kanzel, wodurch sich der Renaissancebau im Inneren zunehmend in einen barocken Wallfahrtsraum verwandelte. Das Gnadenbild blieb dabei der religiöse Mittelpunkt des Hochaltares.

Gerade diese Verbindung zwischen dem strengen, italienisch beeinflussten Außenbau und der späteren barocken Ausstattung verleiht Maria Dürrnberg seinen besonderen kunstgeschichtlichen Charakter.

Patrozinium Mariä Himmelfahrt

Das Patrozinium der Kirche wird am 15. August, dem Fest Mariä Himmelfahrt beziehungsweise dem "Hohen Frauentag", gefeiert.

Mit diesem Fest verbindet sich auch auf dem Dürrnberg die Segnung von Kräuterbuschen. Die Kräuterweihe gehört zu den traditionsreichen Bräuchen des Hohen Frauentages im Alpenraum und verbindet die liturgische Marienverehrung mit Pflanzen, Natur und bäuerlicher beziehungsweise häuslicher Frömmigkeit.

Sie ist nicht der Ursprung der Wallfahrt, zeigt jedoch, wie sich allgemeine kirchliche Festbräuche innerhalb eines bedeutenden Marienheiligtums mit besonderer Intensität erhalten können.

Wallfahrtswege

Historisch erreichten viele Pilger den Dürrnberg zu Fuß. Von Hallein führt der alte Knappensteig hinauf auf den Berg, dessen Verlauf bis heute die enge Verbindung zwischen Stadt, Salzbergwerk und Wallfahrtskirche erkennen lässt.

Heute ist der Weg zugleich als Kreuzweg gestaltet. Ehemalige Stolleneinfahrten und andere Spuren des Salzbergbaues machen dabei sichtbar, dass der Pilger nicht durch eine beliebige Berglandschaft aufsteigt, sondern durch einen seit Jahrhunderten vom Bergbau geprägten Kulturraum.

Neben den Fußwegen besteht inzwischen eine Zufahrtsmöglichkeit bis in unmittelbare Nähe der Kirche, sodass auch größere Gruppen und weniger gehfähige Besucher den Wallfahrtsort erreichen können. Damit zeigt sich auch auf dem Dürrnberg der Wandel der Wallfahrtsinfrastruktur vom ausschließlich zu Fuß zurückgelegten Pilgerweg zur modernen Erreichbarkeit.

Wallfahrtsinfrastruktur

Maria Dürrnberg bietet ein besonders anschauliches Beispiel dafür, dass historische Wallfahrt eine umfangreiche Infrastruktur hervorgebracht hat. Das Frauenbründl versorgte bereits im frühen 16. Jahrhundert erschöpfte Pilger mit Wasser, zusätzliche Geistliche betreuten während der Blütezeit die zahlreichen Wallfahrer, der ummauerte Kirchenbezirk organisierte den sakralen Raum, Votiv- und Devotionalienhandel versorgten Pilger mit Opfergaben und Erinnerungsstücken, während Wege und Rastmöglichkeiten den Zugang zum hoch gelegenen Heiligtum ermöglichten.

Auch die großen Wachsopfer gehören in diesen Zusammenhang. Eine fünfzig Pfund schwere Votivkerze musste hergestellt, transportiert und innerhalb der Kirche aufgestellt werden; eine große Pilgergruppe benötigte Unterkunft, Verpflegung und seelsorgliche Betreuung. Hinter der scheinbar einfachen Bezeichnung "Wallfahrt" stand damit ein komplexes Zusammenspiel religiöser, wirtschaftlicher und sozialer Einrichtungen.

Die Wallfahrt heute

Maria Dürrnberg ist bis heute eine lebendige Wallfahrt. Einzelpilger und Gruppen suchen das Heiligtum weiterhin auf, Wallfahrtsgottesdienste können vereinbart werden, und historische Pilgertraditionen werden teilweise fortgeführt oder in erneuerter Form wieder aufgenommen.

Die Kirche ist tagsüber gewöhnlich zugänglich und gehört weiterhin zum aktiven religiösen Leben des Dürrnbergs. Neben der eigentlichen Wallfahrt besuchen zahlreiche Menschen den Ort wegen seiner außergewöhnlichen Architektur, der Geschichte des Salzbergbaus und der bedeutenden archäologischen Kulturlandschaft.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Dürrnberg gehört zu den vielschichtigsten Wallfahrtsorten Salzburgs. Die Wallfahrt entwickelte sich innerhalb einer Landschaft, deren Geschichte über Jahrtausende durch Salzbergbau bestimmt wurde, wobei die archäologisch nachgewiesene keltische Bergbaukultur und die mittelalterlich-neuzeitliche Marienwallfahrt zwar unterschiedlichen Epochen angehören, gemeinsam aber die außergewöhnliche historische Tiefe dieses Ortes sichtbar machen.

Seit dem 14. Jahrhundert ist die Marienverehrung greifbar, während Glocke, Frauenbründl, Gnadenbild, Votivbilder und historische Pilgerzüge unterschiedliche Entwicklungsstufen des Wallfahrtsortes dokumentieren. Besonders eindrucksvoll ist die Verbindung zur Lebenswelt der Salzknappen, deren Arbeit täglich mit Gefahr verbunden war und die in Maria eine himmlische Schutzfrau sahen.

Die Saalfeldener Pestwallfahrt, die großen Votivkerzen, die Halleiner Brandgelübde, die ursprüngliche Fortsetzung der heutigen Bartholomä-Wallfahrt bis zum Dürrnberg und die zahlreichen anderen Gruppenwallfahrten zeigen zugleich, dass das Heiligtum weit über die unmittelbare Berggemeinde hinausstrahlte.

Mit dem Frauenbründl ist bereits seit 1519 eine ausdrücklich für Wallfahrer geschaffene Versorgungseinrichtung erhalten, während Devotionalien, Wachsopfer und Votivbilder die materielle Seite des Pilgerwesens sichtbar machen. Maria Dürrnberg ist deshalb nicht nur eine bedeutende Wallfahrtskirche, sondern ein außergewöhnlich reiches Beispiel dafür, wie religiöser Kult, Bergbau, soziale Gemeinschaft, Wirtschaftsleben und materielle Volksfrömmigkeit über Jahrhunderte miteinander verflochten waren.

Literatur zur Wallfahrt

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg.

- Häfner, Johann: Dürrnberger Liebfrauenbüchlein. Geschichte der Wallfahrt zu U. L. Frau auf dem Dürrnberge und Andachtsübungen für ihre Verehrer. 1888.

- Maria Sitz der Weisheit und hilffreiche Gnaden-Mutter auf dem Saltzreichen Türnberg. Salzburg 1731.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Wien 1956.

- Pfarre Maria Dürrnberg: Geschichte der Wallfahrt, Chronik der Pfarre und Beschreibung der Wallfahrtskirche.

- Schatteiner, Johann F.: Forschungen und Dokumentationen zur Geschichte der Dürrnberger Wallfahrt und des Wallfahrtsbrauchtums.

- Keltenmuseum Hallein: Archäologische Dokumentation zur keltischen Besiedlung und Salzgewinnung am Dürrnberg.

Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at