Golling an der Salzach, Pass Lueg, Wallfahrtskirche Maria Brunneck

Schnellüberblick
Wallfahrt:Maria Brunneck am Pass Lueg bei Golling: Gnadenbild, Brunnecker Bründl, Augenwallfahrt, Votivbilder und Schutz der Reisenden.
Status:Historische Reisenden- und Augenwallfahrt; als Schutzheiligtum für Reisende und Autofahrer nicht vollständig erloschen.
Kultzentrum:Historisches Gnadenbild von 1730, Heilige Familie und Brunnecker Bründl.
Ort:Pass Lueg bei Golling
Region:Tennengau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: Pass Lueg, nähe Pass Luegstraße 82, 5440 Golling an der Salzach.
Die Kirche liegt unmittelbar am Pass Lueg oberhalb des Salzachtales.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Tennengau
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Golling an der Salzach
Geöffnet: Verlässlich veröffentlichte allgemeine tägliche Öffnungszeiten sind derzeit nicht bekannt. Die Kirche wird weiterhin für Gottesdienste und kirchliche Feiern genutzt.
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Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

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Ausführliche Beschreibung

Die Wallfahrtskirche Maria Brunneck liegt am Pass Lueg oberhalb des Salzachtales, unmittelbar an einer seit Jahrhunderten bedeutenden Verkehrsverbindung zwischen dem Salzburger Außergebirg und dem Innergebirg, und verdankt ihre besondere kultische Prägung gerade dieser Lage an einem Weg, dessen Benützung für Fuhrleute, Händler, Wanderer und andere Reisende mit erheblichen Gefahren verbunden war. Steile Straßen, schlechte Witterungsverhältnisse, Hochwasser, Steinschlag, Unfälle mit Pferden und Wagen sowie die allgemeinen Unsicherheiten des Reisens machten den Pass zu einem Ort, an dem die Bitte um Schutz und glückliche Weiterreise eine unmittelbar lebenspraktische Bedeutung besaß.

Mit der Verehrung der Heiligen Familie und dem unmittelbar bei der Kirche entspringenden Brunnecker Bründl verbanden sich hier zwei unterschiedliche, einander jedoch ergänzende Formen religiöser Hoffnung: Während Maria, Josef und das Jesuskind als selbst reisende und gefährdete Familie Schutz auf dem Weg verkörperten, galt das Wasser der Quelle besonders bei Augenleiden als hilfreich. Ein historisches Gnadenbild aus dem Jahr 1730, mehrere Votivbilder sowie die bis heute erhaltene Quelle machen Maria Brunneck zu einem besonders anschaulichen Beispiel dafür, wie sich Wallfahrt, Verkehrsweg, Landschaft und religiöse Schutzvorstellung zu einem gemeinsamen Kultort verbinden konnten.

Die traditionelle Wallfahrtsfunktion hat sich im Laufe der Zeit stark verändert, ohne völlig aus dem Bewusstsein zu verschwinden. Aus dem Heiligtum der Fuhr- und Wanderleute wurde in jüngerer Zeit auch eine sogenannte Autofahrer-Wallfahrtskirche, womit sich das Verkehrsmittel änderte, das grundlegende Anliegen nach Schutz auf der Reise und glücklicher Heimkehr jedoch erhalten blieb.

Die Lage am Pass Lueg

Maria Brunneck liegt unmittelbar unterhalb der Passhöhe des Pass Lueg, der über Jahrhunderte eine der wichtigen Nord-Süd-Verbindungen durch das Salzachtal bildete und deshalb nicht nur für den regionalen Verkehr, sondern auch für Handel, Warentransport und Fernreisen von Bedeutung war. Wer den Pass mit einem schwer beladenen Fuhrwerk, zu Pferd oder zu Fuß überwinden musste, war einer Vielzahl von Risiken ausgesetzt, die sich mit den technischen Möglichkeiten früherer Jahrhunderte nur sehr begrenzt beherrschen ließen.

Gerade an solchen Verkehrswegen konnten kleine Heiligtümer eine besondere religiöse Funktion entwickeln, denn der Reisende musste nicht eigens eine längere Wallfahrt unternehmen, sondern konnte seine ohnehin notwendige Reise mit einem Gebet, einer Opfergabe oder einer kurzen Andacht verbinden. Maria Brunneck war daher nicht ausschließlich Ziel einer klassischen Wallfahrt, sondern zugleich Rast-, Schutz- und Andachtsort für Menschen, die auf ihrem Weg ohnehin am Pass vorbeikamen.

Die ersten Kapellen

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts bestand am Pass Lueg bereits eine kleine Kapelle. In der Überlieferung wird eine hölzerne Kapelle um 1710 genannt, spätestens 1715 ist eine Andachtsstätte urkundlich nachweisbar. 1727 entstand ein gemauerter Kapellenbau, 1732 wurde die Feier der heiligen Messe gestattet, und mit der weiteren Entwicklung des Kultes entstand schließlich in den 1760er-Jahren die heutige Wallfahrtskirche.

Damit lässt sich eine für kleinere Wallfahrtsorte charakteristische Entwicklung beobachten, bei der zunächst eine bescheidene Andachtsstätte an einem religiös bedeutsam gewordenen Platz besteht, ehe zunehmender Besuch, Gottesdienst und Wallfahrtsbetrieb eine bauliche Erweiterung und schließlich die Errichtung eines repräsentativeren Gotteshauses erforderlich machen.

Die Heilige Familie als Reisende

Die Verehrung der Heiligen Familie erhielt am Pass Lueg eine besondere Bedeutung, weil Maria, Josef und das Jesuskind in der biblischen Erzählung von der Flucht nach Ägypten selbst als Reisende erscheinen, die ihre Heimat verlassen müssen und den Gefahren eines unbekannten Weges ausgesetzt sind.

Die örtliche Legende verlegt diese biblische Reise unmittelbar in die Salzburger Landschaft und erzählt, die Heilige Familie habe am Pass Lueg Rast gemacht und sich an der dort entspringenden Quelle erfrischt. Historisch und geographisch kann diese Erzählung selbstverständlich nicht wörtlich verstanden werden; volkskundlich ist sie jedoch besonders aufschlussreich, weil durch sie ein weit entferntes Ereignis der Heilsgeschichte in die vertraute heimische Landschaft versetzt wird.

Maria, Josef und das Jesuskind werden dadurch zu Reisenden wie jene Fuhrleute, Händler und Wanderer, die später tatsächlich über den Pass zogen. Die Heilige Familie hatte nach der Vorstellung der Gläubigen selbst Mühsal, Unsicherheit und Gefährdung des Unterwegsseins erfahren und konnte deshalb umso unmittelbarer als schützende Begleiterin der Reisenden angerufen werden.

Die Ursprungslegende und das Bründl

Nach der lokalen Überlieferung ruhte die Heilige Familie bei der Quelle und trank von ihrem Wasser, wodurch der natürliche Quellaustritt in die christliche Heilsgeschichte eingebunden und als besonderer Ort religiöser Erinnerung ausgezeichnet wurde.

Solche Erzählungen gehören zu den charakteristischen Mechanismen traditioneller Wallfahrtskultur, weil sie erklären, weshalb gerade ein bestimmter, zunächst unscheinbarer Platz aus der umgebenden Landschaft herausgehoben und als heiliger oder gnadenreicher Ort wahrgenommen wurde. Die Landschaft wird dabei nicht lediglich zur Kulisse einer religiösen Geschichte, sondern selbst zum Bestandteil des Kultes.

Das historische Gnadenbild von 1730

Von besonderer Bedeutung ist ein barockes Gnadenbild aus dem Jahr 1730, das die Rast der Heiligen Familie darstellt und ursprünglich als Altarbild diente, heute jedoch an einer Seitenwand der Kirche aufbewahrt wird.

Das Gemälde besitzt nicht nur religiöse, sondern auch lokalhistorische Bedeutung, weil neben der Heiligen Familie die damalige Kapelle, der Brunnen und die Passbefestigung dargestellt sind. Es verbindet damit auf ungewöhnliche Weise Kultbild, Ursprungslegende und historische Ortsansicht.

Für den Wallfahrer wurde die biblische Flucht nach Ägypten dadurch nicht in einer fernen orientalischen Landschaft dargestellt, sondern unmittelbar mit dem vertrauten Pass Lueg verbunden. Gerade diese Verknüpfung von heilsgeschichtlicher Erzählung und lokaler Topographie dürfte wesentlich zur besonderen Identität des Gnadenortes beigetragen haben.

Das Hochaltarbild

Das heute im Hochaltar befindliche Gemälde darf nicht mit dem historischen Gnadenbild verwechselt werden. Es entstand erst 1903 und zeigt ebenfalls die Ruhe beziehungsweise Rast der Heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten.

Dass das gleiche Thema auch in der jüngeren Ausstattung beibehalten wurde, zeigt, wie stark die Vorstellung der reisenden Heiligen Familie mit der religiösen Identität Maria Brunnecks verbunden war. Während das ältere Bild den eigentlichen historischen Kultgegenstand darstellt, setzt das jüngere Hochaltarbild dessen ikonographisches Programm fort.

Das Brunnecker Bründl

Unmittelbar bei der Kirche entspringt das Brunnecker Bründl, dessen Wasser innerhalb der Wallfahrt eine besondere Bedeutung erhielt und traditionell vor allem bei Augenleiden verwendet wurde. Pilger wuschen sich mit dem Wasser oder nahmen es mit nach Hause, wobei sich Gebet, Wallfahrt und die konkrete Anwendung des Quellwassers zu einem gemeinsamen religiösen Handlungskomplex verbanden.

Mehrere Votivbilder des 18. und 19. Jahrhunderts stehen mit dem Bründl und entsprechenden Heilungsanliegen in Zusammenhang. Die Quelle bildete daher neben dem Gnadenbild einen zweiten Mittelpunkt des Kultortes, sodass sich Maria Brunneck nicht auf den Kirchenraum allein beschränkte, sondern Quelle, Passstraße und umgebende Landschaft gleichermaßen in das Wallfahrtserlebnis einbezogen waren.

Augenwallfahrt und Heilwasser

Die Verwendung des Brunnenwassers bei Augenleiden gehört zu einer im gesamten Alpenraum verbreiteten Form religiöser Heilpraxis, bei der bestimmten Quellen aufgrund einer Legende, einer als wundersam empfundenen Heilung oder ihrer Verbindung mit einem Heiligen eine besondere Wirkung zugeschrieben wurde.

Eine medizinisch nachgewiesene Heilwirkung ist davon selbstverständlich zu unterscheiden. Für die volkskundliche Betrachtung ist vielmehr entscheidend, dass Menschen dem Wasser aufgrund der religiösen Überlieferung Vertrauen entgegenbrachten und daraus konkrete Handlungen ableiteten, indem sie erkrankte Augen wuschen, Wasser mitnahmen und diese Anwendung mit Gebet, Gelübde und dem Besuch des Heiligtums verbanden.

Anders als bei manchen anderen Augenbründln erklärt die Brunnecker Ursprungslegende selbst allerdings keine konkrete Heilung eines blinden oder augenkranken Menschen. Die besondere Verwendung bei Augenleiden scheint vielmehr eine zusätzliche Kultschicht darzustellen, die sich im Laufe der Wallfahrtsgeschichte mit der älteren Erzählung von der Rast der Heiligen Familie verbunden hat.

Die Votivbilder

Von der früheren Bedeutung des Wallfahrtsortes zeugen zahlreiche Votivbilder, in denen persönliche Krankheit, Gefahr, Unfall oder andere Notsituationen mit dem Vertrauen auf die Fürsprache am Gnadenort verbunden wurden.

Solche Bilder dienten nicht lediglich als private Erinnerung an eine glücklich überstandene Krise, sondern waren öffentlich sichtbare Zeugnisse der Überzeugung, dass andere Menschen an diesem Ort bereits Hilfe erfahren hatten. Dadurch konnten sie wiederum den Ruf des Gnadenortes stärken und neue Pilger dazu bewegen, ihre eigenen Anliegen nach Maria Brunneck zu tragen.

Eine genauere Auswertung des erhaltenen Bestandes wäre volkskundlich besonders aufschlussreich, weil sich damit feststellen ließe, welchen Stellenwert Augenkrankheiten tatsächlich besaßen und welche weiteren Gefahren und Lebenssituationen die Menschen mit dem Heiligtum verbanden.

Der heutige Gnadenbrunnen

Die Quelle blieb auch nach dem Rückgang der historischen Wallfahrt erhalten und wurde 1972 durch den Salzburger Bildhauer Josef Zenzmaier künstlerisch neu gestaltet. Das Wasser fließt heute über mehrere muschelförmige Steinbecken beziehungsweise Schalen und erhält dadurch eine moderne architektonische Fassung.

Diese Gestaltung zeigt, dass das Bründl auch im 20. Jahrhundert nicht lediglich als gewöhnliche Quelle verstanden wurde, sondern weiterhin zum religiösen Gesamtbild des Wallfahrtsortes gehörte. Der alte Kultplatz wurde damit nicht aufgegeben, sondern in einer zeitgenössischen Form weitergeführt.

Fuhrleute und Wanderer

Historisch war Maria Brunneck besonders mit Fuhrleuten, Wanderern und anderen Reisenden verbunden, die den Pass Lueg im Rahmen ihrer Arbeit oder ihres Weges überquerten. Fuhrleute transportierten Waren mit Pferdegespannen durch das Salzachtal, Händler und Wanderer waren auf der wichtigen Verkehrsverbindung unterwegs, und für viele von ihnen lag das Heiligtum unmittelbar am notwendigen Reiseweg.

Der Besuch der Kirche konnte daher Teil einer ohnehin stattfindenden Reise sein. Man hielt an, betete, trank oder verwendete das Wasser des Bründls und stellte die weitere Fahrt unter den Schutz der Heiligen Familie.

In diesem Sinn lässt sich Maria Brunneck als Beispiel einer Passantenwallfahrt verstehen, bei der die Grenze zwischen gewöhnlichem Reisenden und Wallfahrer fließend wurde, weil derselbe Mensch seinen alltäglichen Weg durch die bewusste religiöse Unterbrechung vorübergehend in einen Pilgerweg verwandelte.

Vom Fuhrmann zum Autofahrer

Mit der technischen Modernisierung des Verkehrs verschwanden Pferdefuhrwerke zunehmend von den Straßen, während das Automobil zum bestimmenden Verkehrsmittel wurde. Die religiöse Schutzfunktion des Heiligtums ließ sich jedoch vergleichsweise leicht auf diese neue Situation übertragen, weshalb Maria Brunneck in jüngerer Zeit auch als Autofahrer-Wallfahrtskirche bezeichnet wurde.

Gerade dieser Wandel ist volkskundlich besonders bemerkenswert, weil er zeigt, wie eine alte religiöse Funktion bestehen bleiben kann, obwohl sich die materielle Lebenswelt grundlegend verändert. Der Fuhrmann, der um eine sichere Passage mit Wagen und Pferden bat, und der Autofahrer, der um Schutz vor Unfall und eine glückliche Heimkehr bittet, gehören verschiedenen technischen Epochen an, teilen jedoch dieselbe grundlegende Erfahrung, dass Reisen mit Unsicherheit und Gefahr verbunden bleibt.

Maria Brunneck dokumentiert deshalb in ungewöhnlich anschaulicher Weise den Übergang von vormoderner zu moderner Verkehrsfrömmigkeit.

Die Portalinschrift

Über dem Portal befindet sich die bemerkenswerte Inschrift:

"Im Namen Jesu, Maria, Joseph sollen sich biegen alle Flüech."

Die örtliche Überlieferung bringt die darin genannten "Flüech" mit den Flüchen der Fuhrleute und Kutscher in Verbindung, die ihre schweren Gespanne über den steilen Pass bewegen mussten. Diese Erklärung ist als lokale Deutung zu verstehen, fügt sich jedoch ausgesprochen gut in die besondere Situation des Heiligtums ein.

Die sakrale Welt der Heiligen Familie und die harte Alltagswelt der Passstraße treten hier unmittelbar nebeneinander. Körperliche Anstrengung, widerspenstige Pferde, schwer beladene Wagen und die nicht immer kirchlich gemäßigte Sprache der Fuhrleute gehörten zum gleichen Verkehrsraum wie Gebet, Gnadenbild und Wallfahrtskirche.

Wallfahrtsinfrastruktur

Maria Brunneck zeigt besonders anschaulich, dass ein Wallfahrtsort nicht allein aus Kirche und Kultbild bestand, sondern in ein viel umfassenderes System aus Verkehrsweg, Rastmöglichkeiten, Quelle, Versorgung und religiöser Handlung eingebunden war.

Die Passstraße führte die Menschen unmittelbar am Heiligtum vorbei, das Bründl bot Wasser und zugleich einen religiös aufgeladenen Ort der Heilung, während Möglichkeiten zur Einkehr und Versorgung in der Umgebung den praktischen Bedürfnissen der Reisenden entsprachen.

Ob einzelne Gasthäuser oder Verkaufsstellen unmittelbar vom historischen Wallfahrtsbetrieb lebten und ob hier Devotionalien, Andachtsbilder oder andere Wallfahrtsandenken angeboten wurden, müsste anhand weiterer lokaler Quellen untersucht werden. Gerade solche scheinbar nebensächlichen Einrichtungen gehören jedoch wesentlich zur materiellen Kultur des Pilgerwesens, weil sie zeigen, wie eng Religion, Reise, Handel und Versorgung miteinander verbunden waren.

Die Kanonenkugel von 1809

Die strategische Lage des Pass Lueg brachte Maria Brunneck nicht nur mit Reise und Wallfahrt, sondern auch mit militärischen Ereignissen in Berührung. In der Kirche wird eine Kanonenkugel aus den Kämpfen des Jahres 1809 aufbewahrt, als der Pass im Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um Josef Struber zu einem militärisch wichtigen Punkt wurde.

Die Kanonenkugel gehört nicht unmittelbar zur Geschichte der Wallfahrt, erinnert jedoch daran, dass das Heiligtum an einem Verkehrsweg lag, der nicht nur Pilger, Händler und Fuhrleute anzog, sondern in Krisenzeiten auch strategische Bedeutung gewann.

Der Rokokobau

Der heutige Kirchenbau entstand in der Mitte des 18. Jahrhunderts und besitzt einen ungewöhnlichen annähernd kleeblattartigen Grundriss. Die qualitätvolle Rokokoausstattung, darunter der 1765 von Benedikt Zöpf geschaffene Stuck sowie der aus derselben Zeit stammende Hochaltar, verleiht dem kleinen Gotteshaus einen überraschend repräsentativen Charakter.

Die künstlerische Ausstattung macht deutlich, dass Maria Brunneck wesentlich mehr war als eine einfache Straßen- oder Wegkapelle. Der Gnadenort erhielt in der Zeit seiner Blüte eine architektonische und künstlerische Gestaltung, die seiner religiösen Bedeutung für Pilger und Reisende entsprach.

Die Wallfahrt heute

Maria Brunneck wird weiterhin als Wallfahrtskirche bezeichnet und kirchlich genutzt, während die historische Form des Wallfahrens am Pass Lueg erheblich zurückgegangen beziehungsweise verändert ist. Größere regelmäßig organisierte Pilgerzüge, wie sie für viele traditionelle Wallfahrtsorte charakteristisch waren, bestimmen das heutige Erscheinungsbild nicht mehr.

Von einer vollständig erloschenen Wallfahrt sollte dennoch nicht gesprochen werden, weil die religiöse Identität des Ortes als Schutzheiligtum für Reisende ausdrücklich fortbesteht und sich in der jüngeren Bezeichnung als Autofahrer-Wallfahrtskirche eine zeitgemäße Weiterführung des älteren Kultgedankens erkennen lässt.

Volkskundliche Bedeutung

Maria Brunneck gehört zu jenen Wallfahrtsorten, deren besondere Aussagekraft erst verständlich wird, wenn Kirche, Landschaft, Verkehrsweg, Legende und religiöse Praxis gemeinsam betrachtet werden.

Die Heilige Familie wird durch die Ursprungslegende selbst zur Reisenden, die auf einem beschwerlichen Weg Rast benötigt und sich an einer Quelle erfrischt. Das Gnadenbild von 1730 verankert diese Erzählung unmittelbar am Pass Lueg, während das Brunnecker Bründl eine zusätzliche heilkundliche Funktion entwickelt und besonders bei Augenleiden aufgesucht wird. Votivbilder dokumentieren wiederum die persönlichen Anliegen jener Menschen, die an diesem Ort Schutz oder Heilung erhofften.

Mit der Veränderung der Verkehrstechnik verschwand die zugrunde liegende Vorstellung nicht, sondern wurde auf neue Lebensbedingungen übertragen. Aus dem Heiligtum für Fuhrleute und Wanderer wurde eine Autofahrer-Wallfahrtskirche, womit Maria Brunneck eine bemerkenswerte Kontinuität religiöser Reisekultur vom vormodernen Passverkehr bis in das Zeitalter des Automobils erkennen lässt.

Gerade darin liegt die besondere volkskundliche Bedeutung des Ortes: Nicht ein unveränderter Brauch wurde über Jahrhunderte konserviert, sondern eine religiöse Grundvorstellung erwies sich als wandlungsfähig genug, um immer neue Formen der Mobilität in sich aufzunehmen.

Literatur zur Wallfahrt

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986, S. 122.

- Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Bd. 5. Wien 1958.

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München/Zürich 1982.

- Neuhardt, Johannes (Hg.): Salzburgs Wallfahrten in Kult und Brauch. Salzburg 1986.

- Euregio Salzburg – Berchtesgadener Land – Traunstein: Dokumentation zu Maria Brunneck im Rahmen der Quellen und Gesundbrunnen.

- Pfarre Golling an der Salzach: Dokumentation zur Wallfahrtskirche Maria Brunneck.

- Dehio und örtliche Kirchenführer zur Bau- und Ausstattungsgeschichte.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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