Forstau, Lourdeskapelle

Schnellüberblick
Wallfahrt:Forstau: Lourdeskapelle von 1892 – Lourdesgrotte, Steine aus Lourdes, lokale Marienverehrung, Familienwallfahrt und Leonhardsweg.
Status:Lebendiger lokaler Marienwallfahrtsort mit Fußwallfahrt aus dem steirischen Ennstal.
Kultzentrum:Lourdesgrotte und Marienstatue nach dem Vorbild des französischen Wallfahrtsortes.
Ort:Forstau
Region:Pongau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: keine postalische Adresse; unterhalb der Pfarrkirche St. Leonhard unmittelbar am Forstaubach.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pongau
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Forstau
Geöffnet: täglich etwa von 8.00 bis 18.00 Uhr.
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Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

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Ausführliche Beschreibung

Die Lourdeskapelle liegt unterhalb der Pfarrkirche St. Leonhard von Forstau unmittelbar am Forstaubach. Sie wurde 1892 auf Initiative des damaligen Pfarrers Florian Eisl errichtet, der als besonderer Marienverehrer überliefert ist. Die Kapelle entstand damit nur wenige Jahrzehnte nach den Marienerscheinungen von Lourdes im Jahr 1858 und gehört zu jener großen Welle von Lourdesgrotten und Lourdeskapellen, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert in weiten Teilen der katholischen Welt verbreitete.

Trotz ihrer vergleichsweise jungen Entstehungszeit entwickelte sich die Forstauer Lourdeskapelle zu einem örtlichen Marienwallfahrtsort. Bis heute führt eine Fußwallfahrt aus dem benachbarten steirischen Ennstal nach Forstau, sodass die Kapelle nicht nur als historische Nachbildung des französischen Wallfahrtsortes, sondern als weiterhin lebendiger lokaler Wallfahrtsort anzusehen ist.

Geschichte

Pfarrer Florian Eisl ließ die Lourdeskapelle 1892 unterhalb der Pfarrkirche errichten. Nach örtlicher Überlieferung soll er dafür auch eigenes Vermögen beziehungsweise einen Teil seines Erbes verwendet haben. Gesichert ist jedenfalls die enge Verbindung des Kapellenbaues mit seiner persönlichen Marienverehrung.

Die Entstehungszeit ist für das Verständnis des Heiligtums wesentlich. Seit den von der katholischen Kirche anerkannten Marienerscheinungen von Lourdes hatte sich die Verehrung der "Unbefleckten Empfängnis" innerhalb weniger Jahrzehnte weit über Frankreich hinaus verbreitet. Nachbildungen der Grotte von Massabielle entstanden in Kirchen, Klöstern, an Wallfahrtswegen und in eigens errichteten Kapellen. Auch Forstau erhielt mit seiner Lourdeskapelle einen solchen regionalen Andachtsort.

Eine gelegentlich anzutreffende Überlieferung, wonach heimkehrende Soldaten des Ersten Weltkrieges die Kapelle errichtet hätten, kann sich nicht auf den ursprünglichen Bau beziehen, da dieser bereits seit 1892 bestand. Möglicherweise wurde die Erzählung durch spätere Erinnerungszeichen an Kriegsteilnehmer und Heimkehrer mit der Kapelle verbunden.

Kapelle und Ausstattung

Die Lourdeskapelle ist ein kleiner, zweijochiger Sakralbau des ausgehenden 19. Jahrhunderts. An das Langhaus schließt ein niedrigerer Chor an; über dem Dach erhebt sich ein kleiner spitzer Dachreiter. Die Ausstattung entspricht im Wesentlichen dem neugotischen Geschmack ihrer Entstehungszeit.

Mittelpunkt des Innenraumes ist die künstlich angelegte Lourdesgrotte im Chor. In ihr steht eine Darstellung der Muttergottes von Lourdes in der seit dem späten 19. Jahrhundert weltweit verbreiteten Form: Maria erscheint in weißem Gewand mit blauem Gürtel und wird in einer felsigen Grotte dargestellt.

Von besonderem Interesse ist das verwendete Steinmaterial. Ein Teil der Tropf- beziehungsweise Grottensteine wurde nach örtlicher Überlieferung unmittelbar aus Lourdes nach Forstau gebracht. Weitere Steine stammen aus dem Gebiet des Oberhüttensees in den Radstädter Tauern.

Gerade diese Verbindung von fremdem und heimischem Material verleiht der Forstauer Grotte einen besonderen Charakter. Die Kapelle ist nicht lediglich eine architektonische Nachahmung des französischen Wallfahrtsortes; durch die aus Lourdes mitgebrachten Steine wurde eine materielle Verbindung zum Ursprungsheiligtum hergestellt, während das einheimische Gestein den übernommenen Kult zugleich in der Landschaft des Pongaues verankerte.

Lourdes und die Verbreitung des Kultes

Die Marienerscheinungen von Lourdes begannen 1858, als die vierzehnjährige Bernadette Soubirous berichtete, in einer Grotte bei Lourdes wiederholt eine weiß gekleidete Frau gesehen zu haben, die sich schließlich als "Unbefleckte Empfängnis" bezeichnet habe. Nach kirchlicher Anerkennung entwickelte sich Lourdes innerhalb kurzer Zeit zu einem der bedeutendsten katholischen Wallfahrtsorte Europas.

Mit den Pilgern verbreiteten sich auch die charakteristischen Elemente des Kultes: Darstellungen der Lourdesmadonna, Nachbildungen der Grotte, Lourdeswasser, Andachtsbilder und kleine Erinnerungsgegenstände. Besonders im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden im gesamten katholischen Mitteleuropa zahlreiche Lourdesgrotten.

Solche Nachbildungen ermöglichten es auch Menschen, die keine Reise nach Frankreich unternehmen konnten, die religiöse Vorstellungswelt von Lourdes in unmittelbarer Nähe ihres Wohnortes aufzusuchen. Die Nachbildung wurde dabei nicht notwendig als bloßer Ersatz verstanden, sondern konnte selbst zu einem neuen lokalen Kultort werden. In Forstau führte diese Aneignung schließlich zur Ausbildung einer eigenen regionalen Wallfahrt.

Die Wallfahrt

Die Lourdeskapelle wird ausdrücklich als Wallfahrtsort bezeichnet. Besonders gut dokumentiert ist die Wallfahrt aus dem benachbarten steirischen Ennstal.

Von Pichl beziehungsweise Gleiming führt eine Familienwallfahrt über den Gleimingberg nach Forstau. Die Teilnehmer legen den Weg zu Fuß zurück und schließen die Wallfahrt mit einer Maiandacht in der Lourdeskapelle ab. Diese Wallfahrt wird seit Jahren gepflegt und hat sich zu einer festen Tradition entwickelt.

Damit besitzt die Forstauer Kapelle einen historisch und gegenwärtig belegbaren Wallfahrtscharakter. Anders als bei manchen Lourdesgrotten, die ausschließlich als örtliche Andachtsstätten dienen, ist hier die Bewegung von Pilgern aus einer benachbarten Pfarre zu einem bestimmten religiösen Ziel ausdrücklich erhalten.

Volkskundliche Bedeutung

Die Forstauer Lourdeskapelle ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein internationaler Wallfahrtskult in eine regionale religiöse Landschaft übernommen und dort eigenständig weiterentwickelt wurde.

Der entscheidende Ausgangspunkt liegt nicht in einer mittelalterlichen Legende oder einem alten Gnadenbild, sondern in einem modernen, im 19. Jahrhundert entstandenen Marienkult. Innerhalb weniger Jahrzehnte nach den Ereignissen von Lourdes wurde das französische Heiligtum durch Bild, Architektur und Steinmaterial in einem kleinen Pongauer Ort vergegenwärtigt.

Besonders bemerkenswert ist die Verwendung von Steinen aus Lourdes. Das Mitbringen von Material aus einem heiligen oder besonders verehrten Ort gehört zu einer alten religiösen Praxis. Ein solcher Gegenstand konnte als greifbare Verbindung zwischen dem entfernten Ursprungsheiligtum und dem neuen Andachtsort verstanden werden. Ohne im kirchenrechtlichen Sinn eine Reliquie zu sein, gewann das Material durch seine Herkunft eine besondere Erinnerungs- und Bedeutungsqualität.

Dass daneben Steine aus dem Bereich des Oberhüttensees verwendet wurden, führt zu einer eigentümlichen Verbindung von internationalem Wallfahrtskult und heimischer Gebirgslandschaft. Lourdes wurde nicht unverändert kopiert, sondern in Forstau mit lokalen Materialien und schließlich auch mit einer eigenen Wallfahrtstradition verbunden.

Die regelmäßige Fußwallfahrt aus dem steirischen Ennstal zeigt zugleich, wie solche zunächst übernommenen Andachtsformen eine eigene regionale Tradition entwickeln können. Der Weg über den Gleimingberg, das gemeinsame Gehen und die abschließende Maiandacht machen aus der Lourdeskapelle einen Zielpunkt religiöser Bewegung und nicht bloß einen Ort individueller Marienandacht.

Leonhardsweg und Pilgertradition

Die Lourdeskapelle liegt heute auch am Leonhardsweg, einem Pilgerweg, der vom Salzburger Dom über das Lammertal, Filzmoos und Forstau bis zur Wallfahrtskirche St. Leonhard bei Tamsweg führt.

Von der Forstauer Pfarrkirche St. Leonhard führt der Weg hinunter zur Lourdeskapelle und anschließend entlang des Forstaubaches weiter in Richtung Oberhütte und Lungau. Die Kapelle besitzt damit neben ihrer eigenen lokalen Wallfahrt eine zusätzliche Funktion als Station eines überregionalen Pilgerweges.

Diese moderne Pilgerfunktion ist jedoch vom eigentlichen Wallfahrtsstatus zu unterscheiden. Die Wallfahrt zur Lourdeskapelle selbst wird durch die traditionelle Fußwallfahrt aus Pichl und Gleiming belegt, während der Leonhardsweg eine zusätzliche jüngere Pilgerbewegung an den Ort heranführt.

Das Leonhardsbründl

Neben der Lourdeskapelle befindet sich das sogenannte Leonhardsbründl, an dem frisches Forstauer Bergquellwasser zur Verfügung steht. Der Bereich um die Kapelle wurde in jüngerer Zeit als Rast- und Aufenthaltsplatz für Wanderer und Pilger ausgestaltet.

Das Leonhardsbründl ist jedoch nicht mit einer historisch überlieferten Heilquelle oder mit dem berühmten Lourdeswasser gleichzusetzen. Ein älterer Quellenkult oder eine besondere volksmedizinische Verwendung des Wassers lässt sich für die Forstauer Lourdeskapelle nicht nachweisen.

Diese Unterscheidung ist gerade im Zusammenhang mit einer Lourdeskapelle wichtig, da Wasser am französischen Ursprungsheiligtum eine zentrale Rolle spielt und bei Nachbildungen leicht auch lokale Brunnen nachträglich mit entsprechenden Vorstellungen verbunden werden können.

Literatur zur Wallfahrt

- Dehio-Handbuch: Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg. Wien 1986.

- Gemeinde Forstau (Hg.): Forstau – meine Heimat – einst & jetzt. Forstau 2021.

- Gemeinde Forstau (Hg.): Forstau. Festschrift anlässlich der 70-Jahr-Feier und Einweihung des neuen Volksaltars der Pfarrkirche. Forstau 1979.

- Pfarre Forstau: Kirchenführer und Informationen zur Lourdeskapelle.

- Pfarrverband Radstadt: Informationen zu den Kirchen und Kapellen der Pfarre Forstau.

- Gemeinde und Tourismusverband Forstau: Informationen zur Lourdeskapelle und zum Leonhardsbründl.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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