Böckstein, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria, Mutter vom Guten Rat

Schnellüberblick
Wallfahrt:Böckstein bei Bad Gastein: Wallfahrtskirche Maria, Mutter vom Guten Rat mit Gnadenbild, Bergbaugeschichte, Genazzano-Legende und Wallfahrt.
Status:Lebendige, heute kleinere Marienwallfahrt mit Einzelpilgern und Wallfahrergruppen.
Kultzentrum:Gnadenbild der Mutter vom Guten Rat, eine Kopie des Marienbildes von Genazzano.
Ort:Böckstein bei Bad Gastein
Region:Pongau
Bundesland:Salzburg
Lage und Besuch
Lage: Siegmundsweg 1, 5645 Böckstein.
Die Kirche liegt auf einem kleinen Hügel oberhalb der historischen Knappensiedlung Altböckstein und ist vom Ortszentrum über einen kurzen ansteigenden Fußweg und einige Stufen erreichbar.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Salzburger Pongau
Ansicht in Street View
Web: Pfarre Böckstein
Geöffnet: Eine allgemeine freie Besichtigung des Kircheninneren ist derzeit nicht vorgesehen!
Die Kirche ist insbesondere zu den Gottesdiensten zugänglich; Führungen können nach vorheriger Vereinbarung mit der Pfarre organisiert werden. Für Wallfahrergruppen bestehen Möglichkeiten zur Anmeldung sowie zur Vereinbarung eines Wallfahrergottesdienstes oder einer Andacht.
Unterhalb der Kirche befindet sich die ebenfalls denkmalgeschützte Schmerzensmannkapelle.
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Bilddokumentation - 1 vorhandene Bild
Ausführliche Beschreibung - Geschichte, Wallfahrt, Kultobjekt und Volkskunde

Bilddokumentation

Ansichtskarte um 1913:

Ansichtskarte Böckstein Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria, Mutter vom Guten Rat um 1913

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Ausführliche Beschreibung

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria, Mutter vom Guten Rat liegt im Ortsteil Böckstein der Gemeinde Bad Gastein, auf einem kleinen Felshügel oberhalb der planmäßig angelegten historischen Bergwerkssiedlung Altböckstein. Der weithin sichtbare Zentralbau steht damit in unmittelbarer räumlicher Beziehung zum einst bedeutenden Goldbergbau des Gasteinertales. Ursprünglich als Seelsorgskirche für die Bergknappen errichtet, entwickelte sich das Gotteshaus bereits unmittelbar nach seiner Entstehung zu einem Marienwallfahrtsort. Mittelpunkt der Verehrung ist das Gnadenbild der "Mutter vom Guten Rat", eine Kopie des berühmten Marienbildes von Genazzano bei Rom.

Geschichte

Nach einer schweren Lawinenkatastrophe im Jahr 1741, bei der Teile der bergbaulichen Anlagen von Böckstein zerstört worden waren, wurde die Knappensiedlung planmäßig neu gestaltet. Für die dort lebenden Bergleute blieb der Besuch des Gottesdienstes in Bad Gastein jedoch beschwerlich, weshalb sie den Salzburger Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf von Schrattenbach um eine eigene Kirche und einen Seelsorger ersuchten.

Schrattenbach unterstützte das Vorhaben persönlich, erwarb die notwendigen Grundstücke und finanzierte einen wesentlichen Teil des Baues. Die Pläne schuf der Salzburger Hofbauverwalter Wolfgang Hagenauer, die Bauausführung übernahm der aus Werfen stammende Maurermeister Christian Glaner. Am 18. Juli 1764 wurde der Grundstein gelegt; bereits im folgenden Jahr war der Bau eingewölbt, gedeckt und im Inneren ausgemalt. Bis Pfingsten 1766 war auch die wesentliche Ausstattung vollendet.

Mit Urkunde vom 23. Mai 1766 wurde Böckstein zum Vikariat erhoben. Die feierliche Weihe der Kirche nahm Fürsterzbischof Sigismund Graf von Schrattenbach am 26. Juli 1767, dem Fest der heiligen Anna, vor. Im Jahr 1891 wurde Böckstein schließlich zur selbständigen Pfarre erhoben.

Kirche und Ausstattung

Die Böcksteiner Wallfahrtskirche gehört zu den bemerkenswertesten Sakralbauten des 18. Jahrhunderts im Gasteinertal. Wolfgang Hagenauer entwarf einen langgestreckten achteckigen Zentralbau, dessen Innenraum durch die Gestaltung der Wandflächen und Nischen einen ovalen Raumeindruck vermittelt. Über dem kuppelartigen Dach erhebt sich ein achteckiges Uhr- und Glockentürmchen mit einschwingendem Spitzhelm. An der westlichen Vorhalle erinnert das Wappen Fürsterzbischof Schrattenbachs an den landesherrlichen Bauherrn.

Die Lage des Gotteshauses über der ehemaligen Knappensiedlung ist dabei nicht zufällig. Kirche und Bergwerksanlage gehören in ihrer Entstehung derselben Epoche an und bilden ein geschlossenes Ensemble, in dem sich wirtschaftliche Organisation, landesherrliche Fürsorge und religiöse Betreuung der Bergleute miteinander verbinden.

Der Hochaltar entstand 1765/66 nach einem Entwurf des Bildhauers Johann Baptist Hagenauer, eines Bruders des Kirchenarchitekten Wolfgang Hagenauer. Mittelpunkt des Altares ist das Gnadenbild Maria, Mutter vom Guten Rat. Damit waren an der künstlerischen Gestaltung des Heiligtums mehrere Mitglieder beziehungsweise Angehörige der Künstlerfamilie Hagenauer unmittelbar beteiligt.

Die Seitenaltäre wurden 1776 vom Rauriser Tischler Leopold Hacksteiner geliefert und später verändert. Ihre Altarbilder zeigen Szenen aus dem Leben Mariens. Auch die Kanzel gehört zur qualitätvollen Ausstattung des Kirchenraumes. Ihr Bildprogramm verweist unter anderem auf die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe sowie auf die Evangelisten und die Verkündigung des Wortes Gottes.

Zur weiteren Ausstattung gehören Kreuzwegbilder aus dem späten 18. Jahrhundert, ein großes Kruzifix Kaspar Bichlers von 1850 sowie zwei 1882 von Sebastian Stief geschaffene Darstellungen der mit dem Bergbau verbundenen Heiligen Barbara und Nikolaus. Die Orgel mit neobarockem Gehäuse wurde 1895 von Matthäus Mauracher erbaut.

Das Gnadenbild

Das Gnadenbild der "Mutter vom Guten Rat" wurde 1765 von Rosa Hagenauer, geborene Barducci, geschaffen. Die aus Florenz stammende Künstlerin war mit dem Bildhauer Johann Baptist Hagenauer verheiratet und selbst als Malerin tätig. Ihr Böcksteiner Marienbild ist eine Kopie des berühmten Gnadenbildes von Genazzano bei Rom.

Der Bildtypus gehört zur Tradition der Eleusa, der "Erbarmerin": Maria hält das Jesuskind eng an sich, während sich die Gesichter von Mutter und Kind einander zuneigen. Die innige körperliche Nähe vermittelt weniger die Vorstellung einer hoheitsvollen Himmelskönigin als vielmehr jene der liebenden und zugleich fürsorglichen Mutter, an die sich die Gläubigen in persönlichen Anliegen wenden können.

Fürsterzbischof Schrattenbach soll das Bild besonders verehrt haben und ließ es als sein bevorzugtes Gnadenbild auf dem Hochaltar der neu erbauten Kirche anbringen. Damit erhielt die ursprünglich in erster Linie für die Seelsorge der Knappen errichtete Kirche von Beginn an einen zusätzlichen marianischen Kultmittelpunkt.

Genazzano und die Legende vom wunderbaren Bildtransfer

Das Böcksteiner Gnadenbild verweist auf die berühmte Wallfahrt zur Madonna del Buon Consiglio in Genazzano östlich von Rom. Mit dem dortigen Marienbild verbindet sich eine Legende, nach der es ursprünglich in Scutari, dem heutigen Shkodra in Albanien, verehrt worden sei.

Als Scutari im 15. Jahrhundert von den Osmanen bedroht wurde, soll sich das Bild auf wunderbare Weise von seinem ursprünglichen Standort gelöst haben. Von Engeln getragen und von einer geheimnisvollen Wolken- beziehungsweise Lichterscheinung begleitet, sei es über das Meer nach Italien gelangt und 1467 in Genazzano erschienen. Dort entwickelte sich um das Bild eine bedeutende Marienwallfahrt.

Diese Überlieferung wurde in Böckstein nicht nur durch die Kopie des Gnadenbildes aufgenommen, sondern bildet das zentrale Thema der gesamten malerischen Ausstattung der Kuppel.

Das Kuppelfresko

Das große Kuppelfresko wurde 1765 von Johann Weiß geschaffen. Es zeigt die legendäre Übertragung des Gnadenbildes von Scutari nach Genazzano. Engel tragen das Marienbild durch den Himmel, während sich darunter Kranke, Bedürftige, Pilger und andere Hilfesuchende der Gottesmutter zuwenden.

Besonders bemerkenswert ist die Einbeziehung der Böcksteiner Bergleute in diese ursprünglich weit entfernte italienisch-albanische Wallfahrtslegende. Im Fresko erscheint ein Berg mit einem Stolleneingang; davor knien Knappen und richten ihre Hände bittend zur Madonna. Damit wird die Genazzano-Legende unmittelbar auf die Lebenswelt jener Menschen übertragen, für die die Böcksteiner Kirche errichtet worden war.

Das Fresko verbindet somit zwei zunächst voneinander unabhängige religiöse Ebenen: den überregional verbreiteten Kult der Mutter vom Guten Rat und die konkrete Frömmigkeit der Gasteiner Bergknappen. Aus der Kopie eines fremden Wallfahrtsbildes entstand auf diese Weise ein eigenes Böcksteiner Gnadenbild, das in die Landschaft, Wirtschaftsform und religiöse Vorstellungswelt des Ortes eingebunden wurde.

Auch die Feuer- und Wolkensäule am Hochaltar gehören zu diesem ikonographischen Zusammenhang. Sie erinnern einerseits an die biblischen Zeichen, die dem Volk Israel beim Auszug aus Ägypten den Weg wiesen, andererseits wurden entsprechende Erscheinungen auch mit der legendären Übertragung des Gnadenbildes nach Genazzano verbunden.

Die Wallfahrt

Bereits unmittelbar nach Errichtung der Kirche setzte die Wallfahrt zur Mutter vom Guten Rat ein. Das älteste bekannte Votivbild stammt aus dem Jahr 1766 und entstand damit noch vor der feierlichen Konsekration des Gotteshauses im folgenden Jahr. Es zeigt, wie rasch das neu geschaffene Marienheiligtum als Ort persönlicher Bitte und erfahren geglaubter Hilfe angenommen wurde.

Die erhaltenen und überlieferten Votivgaben stehen für jene individuelle Ebene der Wallfahrt, auf der Menschen Maria in Krankheit, Gefahr und persönlichen Nöten um Fürsprache baten und nach einer als wundersam empfundenen Erhörung ihren Dank durch ein Bild oder eine andere Gabe sichtbar machten.

Die Wallfahrt nach Böckstein ist nicht erloschen. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche wird weiterhin von einzelnen Pilgern und von Wallfahrergruppen besucht. Für Gruppen können Wallfahrergottesdienste und Andachten sowie nach Vereinbarung Kirchenführungen organisiert werden. Damit besitzt Böckstein neben seiner Funktion als Pfarrkirche weiterhin eine lebendige, wenn auch gegenüber den großen Salzburger Wallfahrtszentren kleinere Wallfahrtstradition.

Bergbau und Volksfrömmigkeit

Die besondere volkskundliche Bedeutung Böcksteins liegt in der engen Verbindung von Bergbau und Marienwallfahrt. Die Kirche entstand nicht an einem bereits bestehenden alten Kultplatz, sondern wurde im 18. Jahrhundert gezielt für eine Gemeinschaft von Bergarbeitern errichtet. Fast gleichzeitig erhielt sie jedoch ein Gnadenbild, das innerhalb kürzester Zeit eine Wallfahrt auslöste.

Bergbau war stets mit erheblichen Gefahren verbunden. Unfälle, Einstürze, Wasser, Feuer und die Unberechenbarkeit der Arbeit unter Tage förderten eine ausgeprägte religiöse Schutz- und Patronatstradition. Neben der heiligen Barbara als klassischer Schutzpatronin der Bergleute konnte auch Maria eine besondere Rolle als Fürsprecherin in Gefahr und Not übernehmen. Dass die Böcksteiner Knappen im Kuppelfresko ausdrücklich als Bittende vor dem Gnadenbild dargestellt werden, macht diese Verbindung bereits im ursprünglichen Bildprogramm der Kirche sichtbar.

Damit ist die Wallfahrtskirche zugleich ein Zeugnis dafür, wie ein überregionaler Marienkult in eine konkrete lokale Lebenswelt übernommen wurde. Die Mutter vom Guten Rat aus Genazzano wurde in Böckstein zur Schutz- und Fürsprecherin einer montanen Gemeinschaft. Landschaft, Bergbau, Kirchenbau und Wallfahrt gingen dabei eine Verbindung ein, die den Charakter des Heiligtums bis heute bestimmt.

Bemerkenswert ist auch die Verehrung der heiligen Barbara und des heiligen Nikolaus, deren Darstellungen im Kirchenraum die bergmännische Tradition zusätzlich sichtbar machen. Die Wallfahrtskirche bildet dadurch gemeinsam mit der historischen Knappensiedlung Altböckstein ein außergewöhnlich geschlossenes Zeugnis der religiösen Kultur des Salzburger Bergbaues.

Literatur zur Wallfahrt

- Bendl, Herbert: Die katholischen Kirchen von Bad Gastein und Böckstein. Salzburg 2008 (= Christliche Kunststätten Österreichs 486).

- Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Salzburg – Stadt und Land. Wien 1986, S. 54–55.

- Gruber, Fritz: "Der Bau der Kirche in Böckstein (1759–1767)", in: ders.: Mosaiksteine zur Geschichte Gasteins und seiner Salzburger Umgebung. Ergänzungsband 30 der Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde, Salzburg 2012, S. 333–345.

- Neuhardt, Johannes: Wallfahrten im Erzbistum Salzburg. München–Zürich 1982, S. 115.

- Pfleger, Julia: Kunst – Bergbau – Glaube. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche "Maria, Mutter vom Guten Rat" in Böckstein. Masterarbeit, Universität Salzburg 2023.

- Zimburg, Heinrich von: Die Geschichte Gasteins und des Gasteiner Tales. Wien 1948, S. 189–191.

- Pfarre Böckstein / Pfarrverband Gasteinertal: Informationen zur Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria, Mutter vom Guten Rat und zur Wallfahrt.

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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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