| Wallfahrt: | Jährliche Gelübdewallfahrt zum Heiligsten Herzen Jesu; das 1918 abgelegte Stadtgelübde wurde 1921 erstmals erfüllt und wird bis heute weitergeführt. Daneben ältere und fortdauernde Verehrung der hl. Lucia als Augenpatronin. |
| Status: | Lebendiger diözesaner Wallfahrtsort, Diözesanheiligtum und Basilica minor. |
| Kultzentrum: | Heiligstes Herz Jesu; daneben hl. Lucia sowie historisch Nossa Senhora da Abadia. |
| Ort: | Viana do Castelo, Monte de Santa Luzia. |
| Distrikt/Region: | Viana do Castelo / Alto Minho, Norte de Portugal. |
| Land: | Portugal. |
| • | Lage: Monte de Santa Luzia, Apartado 21, 4901-009 Viana do Castelo, Portugal. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Portugal |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Confraria de Santa Luzia |
| • | Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich 9.00–18.00 Uhr, November bis März täglich 9.00–17.00 Uhr. Vor einem Besuch empfiehlt sich die Kontrolle aktueller Hinweise des Heiligtums. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Gesamtansichten der Basilika und des Monte de Santa Luzia, Fassade, Kuppel und Rosetten, Innenraum und Hochaltar, die Bilder des Sagrado Coração de Jesus, der hl. Lucia und der Nossa Senhora da Abadia, historische Objekte der früheren Kapelle, Gelübde- und Kerzenopfer, Prozessionen und Pilgergruppen der jährlichen Wallfahrt, die große Freitreppe, der Funicular de Santa Luzia sowie Ansichten der Sakrallandschaft über Viana do Castelo, Limamündung und Atlantik.
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Hoch über Viana do Castelo erhebt sich auf dem Monte de Santa Luzia eines der markantesten religiösen Bauwerke Nordportugals. Die große granitene Kuppelkirche ist von der Stadt, vom Tal des Lima und von weiten Teilen der Atlantikküste sichtbar. Im allgemeinen Sprachgebrauch heißt sie "Santuário de Santa Luzia", "Templo de Santa Luzia" oder schlicht "Santa Luzia". Kirchlich ist die heutige Basilika jedoch dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht. Diese doppelte Benennung ist kein bloßes Nebeneinander zweier Namen, sondern spiegelt die Entstehungsgeschichte des Ortes: Auf eine ältere Verehrung der hl. Lucia folgte im ausgehenden 19. Jahrhundert die Einführung des Herz-Jesu-Kultes, der schließlich das Patrozinium des Monumentalbaus bestimmte.
Der Monte de Santa Luzia ist damit nicht nur Aussichtspunkt und Wahrzeichen der Stadt, sondern eine über Jahrhunderte gewachsene Sakrallandschaft. Alte Kapellentradition, Heilungsfrömmigkeit, Bruderschaftswesen, Herz-Jesu-Verehrung, monumentale Architektur und die jährlich erneuerte Gelübdewallfahrt greifen hier ineinander. Besonders deutlich lässt sich beobachten, wie aus einer kleinen Bergkapelle ein moderner Wallfahrtsort mit städtischer und diözesaner Bedeutung entstand.
Die religiöse Nutzung des Berges reicht weit vor den heutigen Bau zurück. Eine wohl mittelalterliche Einsiedelei war zunächst Santa Águeda do Monte, der hl. Agatha, geweiht. Eine erhaltene Inschrift belegt einen Wiederaufbau der Kapelle im Jahr 1664. Im Jahr 1712 wurde die Einsiedelei erweitert und Nossa Senhora da Abadia geweiht. Gleichzeitig erhielt die hl. Lucia, die in der katholischen Frömmigkeit besonders als Fürsprecherin bei Augenleiden angerufen wird, einen Seitenaltar.
Im Lauf der Zeit gewann gerade die Lucia-Verehrung an Bedeutung. Ihr Kult überlagerte schließlich die ältere Benennung der Kapelle so stark, dass der Berg selbst dauerhaft den Namen Santa Luzia annahm. Der Ortsname wurde damit zu einem religiösen Erinnerungsraum: Auch nachdem die alte Kapelle verschwunden und der große Herz-Jesu-Tempel an ihre Stelle getreten war, blieb "Santa Luzia" im alltäglichen Sprachgebrauch der bestimmende Name für Berg, Heiligtum und Besuchsziel.
Eine Schlüsselrolle für die neuere Geschichte spielte der Kavalleriehauptmann Luís de Andrade e Sousa. Er litt seit seiner Jugend an einem Augenleiden und begann 1882, die kleine Kapelle auf dem Berg regelmäßig aufzusuchen, Messen feiern zu lassen und die hl. Lucia um Hilfe anzurufen. Nachdem er eine Besserung seines Sehvermögens wahrgenommen hatte, deutete er diese als Gnade der Heiligen. Aus persönlicher Dankbarkeit entwickelte sich daraufhin eine dauerhafte institutionelle Initiative.
Am 19. März 1884 wurde die Confraria de Santa Luzia gegründet. Ihr Ziel bestand ausdrücklich darin, den Kult der hl. Lucia zu fördern, die Kapelle zu verbessern, den Berg zu verschönern und vor allem den Zugang zu erleichtern. Damit erhielt die zuvor lokale Andacht eine feste organisatorische Form. Die Geschichte folgt einem für Wallfahrtsorte charakteristischen Muster: Ein individuelles Heilerlebnis führt zu Dank und Stiftung, daraus entstehen Infrastruktur und Kultpflege, und schließlich wird ein zunächst begrenzter Andachtsort für größere Pilgergruppen erschlossen.
Die Confraria beschränkte sich nicht auf die Instandhaltung der alten Kapelle. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Vorstellung, den Monte de Santa Luzia zu einem weithin sichtbaren religiösen und zugleich landschaftlich attraktiven Zentrum auszubauen. Eine 1893 gegründete Comissão de Melhoramentos unterstützte diese Entwicklung. Der Ausbau der Straße und die Verbesserung der Zugänge machten den Berg für größere Besucherzahlen erreichbar; gleichzeitig wuchs der Anspruch, an diesem außergewöhnlichen Ort ein Monument von nationaler Wirkung zu schaffen.
Darin zeigt sich eine typische Entwicklung des späten 19. Jahrhunderts. Wallfahrtsorte wurden nicht nur als Stätten privater Andacht verstanden, sondern zunehmend auch als öffentliche religiöse Räume mit Straßen, Plätzen, Unterkunftsmöglichkeiten, Aussichtspunkten und repräsentativer Architektur. Santa Luzia verbindet deshalb von Anfang an religiöse Frömmigkeit mit einer bewussten Gestaltung der Landschaft. Die Aussicht über Stadt, Fluss und Meer wurde nicht als bloßer touristischer Zusatz wahrgenommen, sondern als Teil des Erlebnisses des Berges.
Die entscheidende Erweiterung des Kultes erfolgte 1894. Während einer Wallfahrt auf den Berg im Zusammenhang mit den Festas d'Agonia regte Padre Dias Silvares an, auf Santa Luzia eine monumentale Statue des Heiligsten Herzens Jesu zu errichten. Der Herz-Jesu-Kult, der im katholischen Europa des 19. Jahrhunderts eine starke Ausbreitung erfahren hatte, erhielt damit auf dem Berg einen weithin sichtbaren Ausdruck. Die Statue wurde vom Bildhauer Aleixo Queiroz Ribeiro geschaffen.
Ursprünglich sollte die Figur auf einer hohen Säule stehen. Wegen ihrer stark nach vorn geneigten Haltung erwies sich die geplante Aufstellung jedoch als statisch ungeeignet. Die Statue kam deshalb auf einen niedrigeren Sockel vor der alten Kapelle. Die bereits vorbereitete monumentale Säule blieb dennoch für die weitere Planung bedeutend: Der Architekt Miguel Ventura Terra nahm sie zum Ausgangspunkt seiner Konzeption für den neuen Tempel und ergänzte sie durch eine zweite Säule, sodass beide den Zugang zum großen Heiligtum rahmen sollten.
Miguel Ventura Terra, einer der bedeutenden portugiesischen Architekten seiner Zeit, legte 1899 den Entwurf für den neuen Tempel vor. Die Bauarbeiten begannen 1904. Politische und gesellschaftliche Umbrüche nach der Ausrufung der Republik sowie die Folgen des Ersten Weltkriegs verlangsamten die Arbeiten erheblich. Nach dem Tod Venturas Terras führte Miguel Nogueira, der bei ihm gearbeitet hatte, das Projekt weiter. 1926 war der Chorbereich so weit vollendet, dass dort der Gottesdienst aufgenommen werden konnte; in diesem Zusammenhang wurde die alte Kapelle abgebrochen. Das Äußere war gegen Ende 1943 abgeschlossen, die Arbeiten im Inneren zogen sich bis 1959 hin.
Die lange Bauzeit erklärt, weshalb Santa Luzia trotz eines einheitlichen monumentalen Eindrucks das Ergebnis mehrerer Generationen ist. Der Tempel steht nicht für einen einzigen abgeschlossenen Bauakt, sondern für jahrzehntelange Spendenbereitschaft, handwerkliche Arbeit und organisatorische Beharrlichkeit. Die regionale Steinmetztradition spielte dabei eine wesentliche Rolle. Unter der Leitung von Emídio Pereira Lima wurde der Granitbau von lokalen Meistern ausgeführt und erhielt jene helle, stark plastisch durchgearbeitete Oberfläche, die bis heute die Fernwirkung prägt.
Der Grundriss ist als zentralisierter Bau in Form eines griechischen Kreuzes angelegt. Die mächtige Kuppel und die zentralräumliche Wirkung greifen byzantinische Vorbilder auf. Romanisierende Formen bestimmen insbesondere die vier Ecktürme und Teile der Fassadengliederung, während die großen Rosetten deutlich auf die Gotik verweisen. Diese bewusste Verbindung historischer Stile ist typisch für die Architektur um 1900 und sollte dem Bau zugleich Alter, Würde und überzeitliche Monumentalität verleihen.
Die Rosetten gehören zu den auffälligsten Bauteilen. Ihre Glasfenster wurden in der Lissaboner Werkstatt Ricardo Leone gefertigt. Im Inneren konzentriert sich die Ausstattung auf den Herz-Jesu-Kult, ohne die älteren Traditionen zu verdrängen. Zwei Engel von Leopoldo de Almeida bringen dem Heiligsten Herzen Jesu die Wappen Portugals und Viana do Castelos dar. Eine Marmorfigur des Sagrado Coração de Jesus von Martinho de Brito nimmt die Herz-Jesu-Idee des gesamten Bauwerks auf.
Die ältere Kultgeschichte wurde in den Monumentalbau bewusst übernommen. Das Bild der hl. Lucia aus der Vorgängerkapelle fand ebenso einen Platz wie die Darstellung der Nossa Senhora da Abadia. Dadurch blieb die Erinnerung an die ältere Einsiedelei materiell gegenwärtig. Die Seitenaltäre sind diesen beiden Kultgestalten gewidmet, während der Herz-Jesu-Kult den Gesamtbau dominiert. Der heutige Kirchenraum ist deshalb selbst ein historisches Archiv der verschiedenen religiösen Schichten des Berges.
Für die Volksfrömmigkeit ist besonders die hl. Lucia bedeutsam. Ihre traditionelle Zuständigkeit für Augen und Sehvermögen bildet die Grundlage jener Heilungserzählung, aus der die Confraria hervorging. Gerade an diesem Beispiel wird sichtbar, dass ein Kult nicht verschwinden muss, wenn ein neues Patrozinium hinzukommt. In Santa Luzia bestehen ältere Heiligenverehrung und jüngere Herz-Jesu-Frömmigkeit nebeneinander und werden im Namen des Ortes bis heute miteinander verbunden.
Die Altäre aus Marmor und Granit sowie die Kanzeln wurden von Emídio Lima ausgeführt; die Entwürfe der Kanzeln stammen von Miguel Nogueira. Die Fresken im Bereich der Apsis und der Kuppel schuf Manuel Pereira da Silva aus Avintes. Sie greifen Szenen des Kreuzwegs auf und ordnen den monumentalen Innenraum in eine christologische Bildfolge ein. Der silberne Tabernakel wurde vom Portoer Goldschmied Filinto Elísio de Almeida gearbeitet.
Die Ausstattung verbindet damit unterschiedliche Kunstzentren und Handwerkstraditionen Portugals. Zugleich bestätigt sie den Anspruch des Bauwerks, über Viana do Castelo hinauszuweisen. Santa Luzia ist nicht als einfache Bergkirche gestaltet, sondern als monumentales nationales Glaubenszeichen. Dieser Anspruch erklärt auch die starke Sichtbarkeit des Tempels in der Landschaft: Architektur, religiöse Botschaft und topographische Lage wurden bewusst aufeinander bezogen.
Die für den heutigen Wallfahrtsstatus wichtigste Tradition entstand während der schweren Influenza-Epidemie von 1918, der sogenannten "Pneumónica". Viana do Castelo war von Krankheit, Tod und großer Verunsicherung geprägt. Nach einem Triduum von Bittgebeten zog am 10. November 1918 eine Bußprozession mit dem Allerheiligsten durch die Stadt. Dabei wurde das Gelübde abgelegt, künftig jährlich auf den Monte de Santa Luzia zu pilgern und die Stadt dem Heiligsten Herzen Jesu zu weihen, wenn die Epidemie ein Ende nehme.
Die zeitgenössische kirchliche Überlieferung berichtet, dass die beiden an jenem Nachmittag Verstorbenen die letzten Opfer der Epidemie in der Stadt gewesen seien und deutete dies als Erhörung des Gebets. Historisch dokumentiert diese Aussage vor allem die religiöse Interpretation der damaligen Bevölkerung; ein medizinischer Kausalzusammenhang lässt sich daraus nicht ableiten. Für die Wallfahrtsgeschichte ist jedoch entscheidend, dass die Erfahrung der Epidemie in ein dauerhaftes kollektives Gelübde übersetzt wurde.
Die versprochene Wallfahrt konnte zunächst nicht stattfinden. 1919 und 1920 verhinderten die staatlichen Behörden die Durchführung. Erst am 21. August 1921 zog die Bevölkerung von der Kirche São Domingos hinauf auf den Monte de Santa Luzia. Zeitgenössische Berichte nennen Tausende Teilnehmer. Am Heiligtum wurde die Weihe der Stadt an das Heiligste Herz Jesu erneuert und damit das drei Jahre zuvor abgelegte Gelübde erstmals öffentlich erfüllt.
Dieses Datum ist für die Geschichte des Ortes besonders wichtig. Die Wallfahrt wird gelegentlich verkürzt auf 1918 oder 1920 datiert, doch die ausführliche zeitgenössische Dokumentation nennt 1921 als erste tatsächliche Erfüllung des Gelübdes. Seither gehört der gemeinsame Aufstieg von der Stadt zum Berg zum religiösen Gedächtnis Vianas. Die Wallfahrt ist damit nicht nur eine regelmäßige kirchliche Veranstaltung, sondern die fortgesetzte Erfüllung eines historischen Stadtversprechens.
Die Peregrinação Diocesana ao Sagrado Coração de Jesus wird bis heute gefeiert. Sie findet nach der Fronleichnamszeit statt und verbindet die Stadt mit dem Heiligtum auf dem Berg. Pfarren, kirchliche Gruppen und einzelne Pilger nehmen am Aufstieg und an der Eucharistiefeier teil. Damit bleibt die Grundstruktur des Gelübdes erhalten: Die Bevölkerung verlässt gemeinsam die Stadt, bewältigt den Weg nach oben und erneuert am Ziel ihre religiöse Bindung an das Heiligste Herz Jesu.
Der Weg ist dabei selbst Teil des Kultgeschehens. Er macht das Gelübde körperlich erfahrbar und verbindet den urbanen Raum mit dem hoch gelegenen Heiligtum. Der Monte de Santa Luzia wird so regelmäßig neu in die religiöse Topographie der Stadt eingeschrieben. Die Wallfahrt erinnert nicht nur an eine vergangene Notlage, sondern aktualisiert das Gedächtnis an Epidemie, Bitte, Dank und gemeinschaftliche Verpflichtung.
Neben der großen organisierten Wallfahrt gehört auch die individuelle Gelübdepraxis zum religiösen Leben des Heiligtums. Die Confraria beschreibt ausdrücklich Besucher, die aus persönlicher Andacht oder zur Erfüllung von Versprechen und Gelübden auf den Berg kommen. Damit setzt sich jene Verbindung von Bitte und Dank fort, die bereits in der Gründungsgeschichte der Bruderschaft sichtbar wird. Luís de Andrade e Sousa hatte seine wahrgenommene Augenheilung in eine dauerhafte Stiftung übersetzt; spätere Pilger vollziehen denselben Grundgedanken in persönlicher Form weiter.
Über Umfang und Zusammensetzung eines materiellen Ex-voto-Bestandes liegen in den zugänglichen Dokumentationen nur begrenzte gesicherte Angaben vor. Eindeutig belegt ist dagegen die fortdauernde Praxis des "pagamento de promessas", des Einlösens von Gelübden. Für die volkskundliche Betrachtung ist diese Handlung besonders wichtig, weil sie religiöse Erfahrung an einen konkreten Ort und an eine selbst übernommene Verpflichtung bindet.
Der Berg kann zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Funicular de Santa Luzia erreicht werden. Der Fußweg führt über eine große Treppenanlage mit 659 Stufen. Auch wenn diese Treppe kein inhaltlich durchkomponierter Heilsweg wie die barocken Anlagen mancher älterer Wallfahrtsberge ist, verändert sie die Wahrnehmung des Zieles: Der Tempel wird schrittweise erarbeitet und rückt während des Aufstiegs immer stärker in den Mittelpunkt.
Der 1923 eröffnete Funicular gehört ebenfalls zur Geschichte der Erschließung des Wallfahrtsberges. Auf rund 650 Metern Strecke überwindet er etwa 160 Höhenmeter. Technikgeschichte und Wallfahrtsgeschichte berühren sich hier unmittelbar. Wie bei zahlreichen großen Pilgerorten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts wurde moderne Verkehrstechnik nicht als Gegensatz zum religiösen Ort verstanden, sondern als Möglichkeit, ihn für größere und auch körperlich weniger belastbare Besuchergruppen zugänglich zu machen.
Die außergewöhnliche Lage ist ein wesentlicher Bestandteil der Wirkung von Santa Luzia. Von den Terrassen und vom Zimborium öffnen sich weite Blicke über Viana do Castelo, das Tal und die Mündung des Lima sowie die Atlantikküste. Der Tempel ist dadurch gleichzeitig Aussichtspunkt und Aussichtsmotiv: Wer aufsteigt, blickt auf die Landschaft hinunter; wer sich der Stadt nähert, sieht das Heiligtum als weithin sichtbare Bekrönung des Berges.
Diese Wechselwirkung von Naturerlebnis und religiöser Bedeutung war bereits für die Gründer des modernen Heiligtums wichtig. Die Verbesserung von Straßen, Anlagen und Aussichtsmöglichkeiten gehörte zum Programm der Confraria. Die Sakrallandschaft wurde damit nicht lediglich vorgefunden, sondern bewusst gestaltet. Wallfahrt, Spaziergang, Aussicht und städtische Identität überlagern sich bis heute, ohne dass die religiöse Funktion des Ortes darin aufgeht.
Die Benennung des Heiligtums verlangt besondere Aufmerksamkeit. "Santa Luzia" ist der tief verwurzelte Name des Berges und im lokalen Sprachgebrauch auch der Kirche. Der Monumentalbau selbst ist jedoch dem Sagrado Coração de Jesus geweiht. Der Herz-Jesu-Kult prägt Hauptaltar, Bildprogramm und die wichtigste jährliche Wallfahrt. Gleichzeitig wäre es historisch verkürzend, den Namen Santa Luzia nur als touristische Gewohnheit zu verstehen: Er verweist auf die ältere Kapelle, den Lucia-Kult, die Gründung der Confraria und die lange Verehrung der Augenheiligen.
Gerade das Nebeneinander der beiden Namen macht den Ort kulturgeschichtlich interessant. Die offizielle Widmung und die populäre Benennung folgen unterschiedlichen historischen Schichten. Der heutige Wallfahrtsort ist deshalb zugleich Herz-Jesu-Heiligtum und Santa-Luzia-Ort. Diese doppelte Identität erklärt, weshalb in kirchlichen, kunsthistorischen und touristischen Quellen unterschiedliche Bezeichnungen verwendet werden, ohne dass damit jeweils ein anderer Bau gemeint wäre.
Der kirchliche Rang des Ortes wurde in jüngster Zeit nochmals hervorgehoben. 2020 wurde der Tempel als Diözesanheiligtum des Heiligsten Herzens Jesu bestätigt. Mit Dekret des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 27. Juni 2025 erhielt die Kirche den Titel Basilica minor. Damit wurde die liturgische und pastorale Bedeutung des Heiligtums auch institutionell anerkannt.
Der neue Titel verändert die ältere Wallfahrtstradition nicht, setzt sie aber in einen größeren kirchlichen Zusammenhang. Die Basilika bleibt jener Ort, an dem die Erinnerung an die hl. Lucia, die Dankbarkeit des Gründers, die Herz-Jesu-Verehrung und das Stadtgelübde von 1918 zusammengeführt werden. Gerade die fortbestehende jährliche Wallfahrt zeigt, dass die Bedeutung des Tempels nicht allein aus seiner monumentalen Architektur oder seiner touristischen Bekanntheit hervorgeht.
Volkskundlich ist Santa Luzia ein besonders aufschlussreicher Wallfahrtsort, weil sich mehrere typische Formen religiösen Handelns in dichter Folge beobachten lassen. Am Anfang steht die traditionelle Anrufung einer Heiligen bei einem bestimmten körperlichen Leiden. Daraus entsteht eine individuelle Dankhandlung, aus dieser wiederum eine Bruderschaft, die den Ort ausbaut und öffentlich aufwertet. Später kommt ein neuer, überregional stark verbreiteter Kult hinzu, der das Patrozinium des Monumentalbaus bestimmt. Schließlich prägt eine kollektive Krisenerfahrung das Heiligtum durch ein bis heute weitergeführtes Stadtgelübde.
Der Ort zeigt außerdem, wie religiöse Erinnerung räumlich gespeichert wird. Die alte Kapelle ist verschwunden, doch ihre Bilder wurden übernommen; der Name Santa Luzia blieb bestehen; das Gelübde von 1918 wird in der jährlichen Wallfahrt wiederholt; der Aufstieg verbindet Stadt und Berg immer wieder neu. Santa Luzia ist daher nicht nur ein eindrucksvolles Bauwerk des Historismus, sondern ein lebendiger Erinnerungsort, an dem Heilung, Dank, Krisenerfahrung, Gelübde und städtische Identität dauerhaft miteinander verbunden sind.
- Ana Cláudia Marques: O Templo-Monumento de Santa Luzia em Viana do Castelo. Dissertação de Mestrado, Faculdade de Letras da Universidade do Porto, Porto 2011.
- Ana Marques: "A antiga ermida e a génese da Confraria de Santa Luzia." In: Jornal de Santa Luzia, Nr. 3, März 2012.
- Ana Marques: "Breve simbologia do Templo-Monumento de Santa Luzia." In: Cadernos Vianenses, Tomo 48, Viana do Castelo 2014, S. 63 ff.
- João Alpuim Botelho / Tiago Ferreira de Castro (Koordination): Santa Luzia. Olhares Plurais. Viana do Castelo: Confraria de Santa Luzia, 2015.
- Boletim Santa Luzia, Nr. 5, Viana do Castelo, 1. August 1926: zeitgenössische Dokumentation des Stadtgelübdes und seiner ersten Erfüllung.
- Confraria de Santa Luzia: historische Dokumentation zur Confraria, zum Templo-Monumento und zur Peregrinação Diocesana ao Sagrado Coração de Jesus.
- Diocese de Viana do Castelo: kirchliche Dokumentation zum Diözesanheiligtum und zur Verleihung des Titels Basilica minor.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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