Penacova, Santuário de Nossa Senhora do Mont'Alto

Schnellüberblick
Wallfahrt:Historische Bergwallfahrt mit spätestens 1721 belegten jährlichen Prozessionen aufgrund eines bereits damals als uralt bezeichneten Gelübdes.
Status:Lebendiger historischer Wallfahrtsort; jährliche Romaria am 8. September.
Kultzentrum:Nossa Senhora do Mont'Alto.
Ort:Penacova, Monte do Montalto.
Distrikt/Region:Coimbra / Região Centro.
Land:Portugal.
Lage und Besuch
Lage: Monte do Montalto, nördlich von Penacova, Portugal.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Portugal
Ansicht in Street View (Luftbild)
Web: Câmara Municipal de Penacova
Öffnungszeiten: Der Zugang kann außerhalb von Gottesdiensten, Festen und angekündigten Besuchszeiten eingeschränkt sein. Vor einem Besuch empfiehlt sich die Kontrolle der aktuellen örtlichen Hinweise.
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Ausführliche Beschreibung

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Besonders willkommen sind Gesamtansichten des Berges und der Kapelle, Kultbild, Prozession, Opfergaben auf Tabletts, Pilger beim Fußweg, traditionelle Festverpflegung, Arraial und Musik sowie besonders die in der historischen Überlieferung genannten runden Steine vom Fuß des Berges und Hinweise auf den früheren Asthmabrauch.

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Ausführliche Beschreibung

Ein zweiter Mont'Alto in der Region Coimbra

Nördlich von Penacova erhebt sich ein steiler Berg, auf dem die Capela beziehungsweise das Santuário de Nossa Senhora do Mont'Alto steht. Dieser Ort darf nicht mit dem gleichnamigen Heiligtum von Arganil verwechselt werden. Beide sind eigenständige historische Wallfahrtsorte.

Die Penacovaer Anlage ist architektonisch bescheidener, volkskundlich aber außerordentlich interessant. Frühneuzeitliche Pfarrnachrichten überliefern nicht nur Prozessionen und Opfergaben, sondern einen bemerkenswerten Heilbrauch mit besonderen Steinen gegen Asthma.

Ein Berg mit langer Nutzungsgeschichte

Die Gemeinde Penacova bezeichnet den Montalto als Bergheiligtum, dessen Nutzung möglicherweise in ältere, sogar vorgeschichtliche Zeiten zurückreicht. Solche weit zurückreichenden Deutungen sind vorsichtig zu behandeln, solange konkrete archäologische Nachweise für kultische Kontinuität fehlen.

Der heutige Sakralbau stammt im Wesentlichen aus dem 18. Jahrhundert, enthält aber ältere Elemente. Für die Wallfahrtsgeschichte sind vor allem die schriftlichen Nachrichten des frühen 18. Jahrhunderts entscheidend.

1721: ein bereits damals uraltes Gelübde

Pfarrinformationen von 1721 berichten, dass die Einwohner von Botão und São João de Figueira jedes Jahr in Prozession zur Senhora do Mont'Alto kamen. Die Wallfahrt erfolgte zur Erfüllung eines 'voto antiquíssimo', eines bereits damals als sehr alt bezeichneten Gelübdes.

Diese Formulierung ist wichtig: Sie beweist nicht, wie weit das Gelübde tatsächlich zurückreichte, zeigt aber, dass seine Herkunft schon 1721 außerhalb lebender Erinnerung lag. Der Wallfahrtsbrauch war zu diesem Zeitpunkt fest etabliert.

Opfergaben auf den Köpfen junger Frauen

Die gleichen Pfarrnachrichten beschreiben eine besonders eindrucksvolle Opferpraxis. Junge unverheiratete Frauen trugen die Gaben auf Tabletts auf dem Kopf zur Senhora. Auch dies wird ausdrücklich als alte Tradition bezeichnet.

Hier verbinden sich Körper, Kleidung und Gabe zu einer öffentlichen Handlung. Die Opfergabe wird nicht verborgen getragen, sondern sichtbar präsentiert. Zugleich erhält eine bestimmte soziale Gruppe - junge Frauen - eine besondere Rolle innerhalb der Prozession.

Die rätselhaften Steine gegen Asthma

Am Fuß des Berges, so berichten die Pfarrnachrichten von 1721, sollten runde Steine vorkommen. Beim Aufbrechen enthielten sie einen kleinen, ungefähr nussgroßen Kern, der sich leicht zu Pulver zerreiben ließ. Dieses Pulver galt als besonderes Mittel gegen Asthma.

Die Nachricht geht noch weiter: Menschen aus vielen Teilen des Königreichs hätten solche Steine gesucht, weil man ihnen eine geradezu wundersame Heilkraft zuschrieb. Damit besaß der Montalto neben der Marienwallfahrt offenbar auch einen naturmagischen beziehungsweise volksmedizinischen Ruf.

Volksmedizin und Wallfahrt

Ob das Pulver tatsächlich konsumiert, äußerlich angewendet oder in anderer Form verwendet wurde, geht aus der kurzen Nachricht nicht eindeutig hervor. Ebenso ist die geologische Natur der beschriebenen Steine in der historischen Quelle nicht bestimmt.

Gerade deshalb sollte eine moderne Darstellung nicht medizinische Wirksamkeit behaupten, sondern die historische Glaubenspraxis dokumentieren. Für die Volksmedizin ist der Befund außerordentlich wertvoll: Ein natürliches Objekt am Fuß eines Wallfahrtsberges wurde als spezifisches Heilmittel gegen eine konkrete Krankheit verstanden.

Der Fußweg zur Senhora

Die lokale Erinnerung beschreibt die Wallfahrt als morgendlichen Fußweg auf den Berg. Menschen nahmen ihren Proviant in Körben mit. Zur traditionellen Verpflegung gehörten Broa de milho und Wein in einer Cabaça.

Der gemeinsame Aufstieg, Essen am Ziel und spätere Rückweg machen deutlich, dass die Romaria den gesamten Tag strukturierte. Wallfahrt war Bewegung, Mahlzeit, Gebet und Fest zugleich.

Lieder auf dem Weg

Die Gemeinde Penacova überliefert Verse, die beim Aufstieg gesungen wurden. Darin ruft die Senhora vom Mont'Alto die Sängerin zu sich, weil ihr Mantel zerrissen sei und ausgebessert werden müsse.

Solche einfachen Quadras sind wertvolle Quellen mündlicher Wallfahrtskultur. Sie zeigen eine vertraute Beziehung zur Madonna. Die Heilige erscheint nicht fern und feierlich, sondern als Gestalt, die den Menschen direkt anspricht.

Der 8. September

Die Romaria wird bis heute am 8. September begangen. Am Vormittag stehen Messe und Prozession im Mittelpunkt; anschließend folgt der Arraial mit Musik und Tanz.

Die heutige kommunale Beschreibung formuliert sehr deutlich die zeitliche Zweiteilung: am Morgen Glaube, am Nachmittag Fest. Diese Unterscheidung ist analytisch nützlich, obwohl beide Bereiche für die Teilnehmer Teil desselben Wallfahrtstages sein können.

Vom traditionellen Instrument zum modernen Tanz

Ältere Festformen waren mit Concertinas und Flöten verbunden. In der neueren Romaria treten moderne Instrumente und Tanzmusik hinzu. Die Veränderung wird in der lokalen Selbstdarstellung nicht als Verlust, sondern als Fortsetzung des gemeinschaftlichen Festes beschrieben.

Das ist ein gutes Beispiel für lebendige Tradition. Nicht das konkrete Instrument bleibt unverändert, sondern die Funktion des nachmittäglichen Tanzes und Zusammenseins.

Der Montalto im Krieg

Wegen seiner strategischen Lage wurde der Berg während der Kämpfe im Zusammenhang mit der Schlacht von Buçaco von anglo-portugiesischen Truppen genutzt. Diese militärische Episode gehört zur Geschichte des Ortes, steht aber unabhängig vom Wallfahrtskult.

Sie zeigt dennoch, wie ein sakral genutzter Berg zugleich militärischer Aussichtspunkt und Landschaftsmarke sein konnte.

Heutiger Wallfahrtsstatus

Der historische Wallfahrtsstatus ist eindeutig. Die Quellen von 1721 nennen jährliche Prozessionen, ein altes Gelübde und Opfergaben. Die Romaria am 8. September lebt weiter.

Der Einzugsbereich ist heute stärker regional als in der älteren Überlieferung. Dennoch blieb die Verbindung zwischen Berg, Madonna und jährlichem Fest erhalten.

Volkskundliche Bedeutung

Penacova gehört wegen der Kombination aus Prozessionsgelübde, von jungen Frauen getragenen Opfergaben, Fußwallfahrt, Wallfahrtsliedern und Heilsteinen zu den bemerkenswertesten kleineren Wallfahrtsorten Zentralportugals.

Besonders der Asthmabrauch verdient weitere Feld- und Quellenforschung. Zu fragen wäre, ob Steine oder Erinnerungsstücke erhalten sind, wo sie genau gesammelt wurden, wie das Pulver angewendet wurde und wie lange die Praxis tatsächlich fortbestand.

Literatur und Quellen

- Informações Paroquiais de 1721 zur Senhora do Mont'Alto und den Prozessionen von Botão und São João de Figueira.

- Câmara Municipal de Penacova: Romaria à Nossa Senhora do Mont'Alto.

- Câmara Municipal de Penacova: Inventardokumentation zur Capela de Nossa Senhora do Montalto.

- Regionale volkskundliche und heimatkundliche Dokumentation zu Penacova und zur Romaria do Mont'Alto.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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