Lamego, Santuário de Nossa Senhora dos Remédios

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Wallfahrt:Lebendiger überregionaler Marienwallfahrtsort mit Wurzeln in einer seit dem 14. Jahrhundert belegten Prozessionstradition zum hl. Stephanus; Hauptwallfahrt und Romaria um den 8. September mit Novene und Procissão do Triunfo.
Status:Lebendiger historischer Wallfahrtsort und bedeutendes diözesanes Marienheiligtum; die Procissão do Triunfo ist als nationales immaterielles Kulturerbe Portugals eingetragen.
Kultzentrum:Nossa Senhora dos Remédios, Madonna mit Kind; älteres Kultbild im Hochaltar und jüngeres Prozessionsbild für die Procissão do Triunfo.
Ort:Lamego, Monte de Santo Estêvão.
Distrikt/Region:Viseu / Douro, Norte de Portugal.
Land:Portugal.
Lage und Besuch
Lage: Monte de Santo Estêvão, 5100-025 Lamego, Portugal.
Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Portugal
Ansicht in Street View
Web: Santuário de Nossa Senhora dos Remédios
Öffnungszeiten: Das Heiligtum ist tagsüber zugänglich; die Besuchszeiten können saisonal und aufgrund liturgischer Feiern variieren. Vor einem Besuch empfiehlt sich die Kontrolle der aktuellen Hinweise des Heiligtums.
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Besonders willkommen sind Gesamtansichten des Heiligtums und der monumentalen Treppenachse, einzelne Abschnitte des Escadório, Pátio dos Reis, Chafariz dos Remédios und weitere Brunnen, Fassade, Türme und Innenraum, Hochaltar und älteres Kultbild, das Prozessionsbild von Nossa Senhora dos Remédios, Kerzenopfer, Ex-votos und andere Gelübdezeichen, Pilger beim Aufstieg, die Novene am frühen Morgen, die Procissão do Triunfo, carros-andores, geschmückte Ochsengespanne und Joche, das "figurado vivo" auf den Prozessionswagen, Frauen in marianischer Kleidung zur Erfüllung von Gelübden sowie volkstümliche Festformen der Romaria.

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Ausführliche Beschreibung

Ein Wallfahrtsberg über Lamego

Über der alten Bischofsstadt Lamego erhebt sich auf dem Monte de Santo Estêvão eines der eindrucksvollsten Wallfahrtsensembles Portugals. Die Kirche des Santuário de Nossa Senhora dos Remédios bildet den oberen Abschluss einer weit in die Stadt hinabreichenden Achse aus Alleen, Treppen, Terrassen, Brunnen, Skulpturen und dichtem Baumbestand. Die heute fast selbstverständlich wirkende Einheit ist in Wirklichkeit das Ergebnis einer jahrhundertelangen Entwicklung. Der religiöse Ort ist älter als die Marienverehrung, die Kirche älter als große Teile der monumentalen Freitreppe, und die berühmte Procissão do Triunfo entstand erst, als die Wallfahrt selbst schon seit Jahrhunderten bestand.

Gerade diese zeitliche Schichtung macht Lamego zu einem außergewöhnlich anschaulichen Beispiel europäischer Wallfahrtsgeschichte. Am Anfang stand ein mittelalterlicher Kult des hl. Stephanus. Im 16. Jahrhundert trat eine Marienfigur hinzu, deren Verehrung den älteren Heiligen allmählich überlagerte. Im 18. Jahrhundert entstand wegen des starken Pilgerzustroms das heutige Heiligtum, anschließend wurde der Berg durch einen monumentalen Treppenweg sakral und landschaftlich neu geordnet. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich um die alte Wallfahrt jene große Festkultur, die unter der Bezeichnung "Romaria de Portugal" weit über Lamego hinaus bekannt wurde. Religiöse Praxis, städtische Repräsentation, regionale Identität, Markt, Musik, Feuerwerk, Landwirtschaft und schließlich auch Tourismus gingen dabei eine Verbindung ein, ohne dass der Kern des Ortes - Bitte, Gelübde, Dank und Pilgerschaft - verschwunden wäre.

Der Monte dos Fragões und der mittelalterliche Stephanuskult

Der Berg hieß ursprünglich Monte dos Fragões. Der heute gebräuchliche Name Monte de Santo Estêvão erinnert an die älteste nachweisbare Kultschicht. Ein Dokument von 1354 belegt eine Stiftung des Bischofs Durão Lourenço zugunsten einer dem Protomärtyrer Stephanus geweihten Einsiedelei. Domkapitel, Geistliche der Kollegiatkirche von Almacave und Franziskaner sollten zweimal jährlich in Prozession auf den Berg ziehen: am 3. August, dem früheren Fest der Auffindung der Reliquien des Heiligen, und am 26. Dezember, dem Stephanustag. Auf dem Berg waren Messe und Predigt vorgesehen; anschließend kehrten die Teilnehmer wieder prozessionsweise zur Kathedrale zurück. Ein zweites Dokument von 1355 bestätigt diese Stiftung und ihre kultische Zweckbindung.

Eine spätere Überlieferung nennt den 15. August 1361 als Einweihungsdatum der Stephanuskapelle. Diese Jahreszahl begegnet bis heute häufig in der Geschichte des Heiligtums. Für die historische Einordnung ist jedoch entscheidend, dass Prozessionen und kultische Verpflichtungen bereits 1354 und 1355 urkundlich greifbar sind. Damit reicht die religiöse Nutzung des Wallfahrtsberges spätestens bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurück. Lamego besitzt folglich eine Kontinuität organisierter Prozessionspraxis, die lange vor dem heutigen Marienheiligtum einsetzt.

Wallfahrt vor der Marienwallfahrt

Die mittelalterlichen Prozessionen waren nicht nur liturgische Pflichtübungen eines Domkapitels. Der Weg auf einen außerhalb beziehungsweise oberhalb der Stadt gelegenen Berg, die gemeinsame Bewegung, Predigt und Messe am Ziel sowie die anschließende Rückkehr entsprechen bereits wesentlichen Grundformen späterer Wallfahrt. Im 16. Jahrhundert war der Zustrom offenbar so groß, dass die alte Stephanuskapelle den Bedürfnissen nicht mehr genügte. Die heutige Kulturerbe-Dokumentation spricht von zahlreichen auswärtigen Besuchern, Pilgern und Verehrern des Heiligen. Damit ist bemerkenswert, dass der spätere große Marienwallfahrtsort auf einem bereits etablierten Pilgerberg entstand.

Vom Stephanuskult blieben mehrere Spuren erhalten. Der Berg trägt weiterhin den Namen des Heiligen. Eine alte Stephanusfigur wurde über Jahrhunderte in den wechselnden Kapellen bewahrt und gelangte schließlich in das heutige Heiligtum. Auch die Erinnerung an die früheren Prozessionen blieb in archivalischen Quellen erhalten. Die Entwicklung zur Marienwallfahrt bedeutete daher keine vollständige Auslöschung der älteren Tradition, sondern eine allmähliche Verschiebung des religiösen Zentrums.

1564 und 1565: eine neue Kapelle und eine neue Kultschicht

Die mittelalterliche Kapelle war im 16. Jahrhundert baufällig geworden. Am 6. November 1564 ließ Bischof Manuel de Noronha die alte Einsiedelei abbrechen. Etwas tiefer am Berg, im Bereich des heutigen Pátio dos Reis, entstand eine größere Kapelle. Sie wurde am 3. August 1565, also am traditionellen Stephanusfest der älteren Wallfahrt, eröffnet. Die Reliquien und Kultgegenstände der Vorgängerkapelle wurden übertragen, sodass die neue Kirche zunächst eindeutig in der Kontinuität des hl. Stephanus stand.

Gleichzeitig trat jedoch eine Marienfigur hinzu. Die spätere Überlieferung schreibt Bischof Manuel de Noronha die Aufstellung einer Madonna zu, die bald als Nossa Senhora dos Remédios verehrt wurde. Die genaue Herkunft des Bildes ist nicht sicher. Eine ältere kirchliche Tradition vermutete eine Beschaffung aus Rom, konnte dafür aber bereits im frühen 18. Jahrhundert keinen sicheren Nachweis mehr erbringen. Neuere Darstellungen weisen außerdem darauf hin, dass die Figur ikonographisch ursprünglich eine Nossa Senhora do Leite, eine stillende oder das Kind eng am Körper tragende Madonna, gewesen sein könnte. Entscheidend ist deshalb weniger eine nicht mehr beweisbare Herkunftsgeschichte als die nachweisbare Umdeutung: Aus einer Marienfigur in einer Stephanuskapelle wurde das Zentrum eines neuen Kultes.

Vom hl. Stephanus zu Nossa Senhora dos Remédios

Die Verschiebung des Patroziniums erfolgte nicht schlagartig. Noch 1584 wird die neue Kirche in einer zeitgenössischen Quelle im Zusammenhang mit Santo Estêvão genannt. Spätestens im 17. Jahrhundert setzte sich jedoch die Bezeichnung Nossa Senhora dos Remédios durch. Für den 16. April 1633 ist eine Eheschließung in der "Capela da Senhora dos Remédios" belegt. Zu diesem Zeitpunkt war der neue Name offenbar bereits fest etabliert.

Der Vorgang ist volkskundlich besonders aufschlussreich, weil sich hier die Veränderung eines Kultortes ohne behauptete Erscheinung, Auffindungslegende oder spektakulären Gründungsmythos beobachten lässt. Ein vorhandener Wallfahrtsberg wurde durch ein neues Gnadenbild religiös neu codiert. Der ältere Heilige verschwand nicht völlig, verlor aber seine zentrale Stellung. An die Stelle der zweimal jährlich begangenen Stephanusprozessionen trat zunehmend die Bitte um Hilfe bei einer als besonders wirksam verehrten Marienfigur.

Die Bedeutung des Namens "dos Remédios"

Das portugiesische Wort "remédio" bezeichnet Heilmittel, Abhilfe oder Hilfe in einer Notlage. Die Anrufung Nossa Senhora dos Remédios ließ sich daher auf körperliche Krankheit ebenso beziehen wie auf familiäre, wirtschaftliche oder seelische Bedrängnis. Der Titel machte Maria in besonderer Weise als Helferin in Situationen verständlich, in denen menschliche Mittel nicht ausreichten oder als unzureichend empfunden wurden.

Die Verehrung der Nossa Senhora dos Remédios war nicht auf Lamego beschränkt. In Portugal ist sie auch an anderen Orten belegt und wurde traditionell mit dem Trinitarierorden in Verbindung gebracht. In Lamego entwickelte sich jedoch ein eigenständiges Kultzentrum. Der entscheidende Motor war die lokale Erfahrung religiöser Wirksamkeit: Menschen kamen mit Bitten, schrieben Besserungen und glückliche Ausgänge der Fürsprache Mariens zu und erfüllten anschließend Gelübde. Aus der Verbindung eines alten Pilgerberges mit einer neuen marianischen Heilsanrufung entstand ein zunehmend überregionaler Wallfahrtsort.

Frühe Berichte über Wunder, Gelübde und Wallfahrt

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war der Ruf des Heiligtums bereits weit verbreitet. Frei Agostinho de Santa Maria beschrieb 1711 in seinem "Santuário Mariano" die Verehrung der Senhora dos Remédios und berichtete von zahlreichen Wundern und Gnadenerfahrungen, die Gläubige der Fürsprache Mariens zuschrieben. Solche Aussagen sind als historische Zeugnisse religiöser Überzeugung zu lesen, nicht als medizinische oder naturwissenschaftliche Belege. Für die Wallfahrtsgeschichte sind sie dennoch von großer Bedeutung, weil sie zeigen, welches Handlungsmuster den Kult trug: Not, Anrufung, erhoffte oder erfahrene Hilfe und anschließende Erfüllung eines Versprechens.

Aida Carvalho konnte anhand der Bestände der Irmandade zeigen, dass Votivgaben, Kerzenopfer und andere Formen materieller Dankbarkeit zum Kult gehörten. Der Wallfahrtsort war damit nicht nur ein Ziel gemeinschaftlicher Festtage. Er wurde auch individuell besucht, häufig im Zusammenhang mit Krankheit, familiären Krisen oder persönlichen Versprechen. Diese Formen sind bis heute nicht verschwunden.

Die Irmandade als Trägerin des Kultes

Die Entstehungszeit der Bruderschaft von Nossa Senhora dos Remédios lässt sich nicht mehr exakt bestimmen. Selbst ihre späteren Statuten sprechen von einer Errichtung in "tempos remotos", in alten Zeiten; frühe Bücher gingen verloren. Im 18. Jahrhundert war die Irmandade jedoch längst eine entscheidende Institution des Heiligtums. Sie verwaltete Opfer und Besitz, organisierte Gottesdienste und Feste, verhandelte Bauaufträge und trug wesentlich dazu bei, dass aus der älteren Kapelle ein monumentales Wallfahrtszentrum werden konnte.

Seit einem königlichen Alvará von Pedro V. aus dem Jahr 1858 führt sie die Bezeichnung Real Irmandade de Nossa Senhora dos Remédios. Heute besitzt und verwaltet sie nicht nur das Kirchengebäude, sondern auch Escadório und Waldpark. Ihre Rolle verbindet damit bis heute Liturgie, Wallfahrtsorganisation, Denkmalpflege und die Bewahrung des mit der Romaria verbundenen immateriellen Kulturerbes.

1750: Beginn des heutigen Heiligtums

Der Pilgerandrang ließ die Kapelle des 16. Jahrhunderts schließlich zu klein werden. Unter maßgeblicher Leitung des Kanonikers José Pinto Teixeira begann am 14. Februar 1750 der Bau des heutigen Heiligtums. Er war 1748 zum Vorsteher der Irmandade gewählt worden und wurde zum entscheidenden Organisator des Bauprojekts. Der neue Bau entstand nicht aus einem Bedarf der Pfarrseelsorge, sondern aus der Entwicklung des Wallfahrtskultes.

Am 22. Juli 1761 wurde der fertiggestellte Kernbau feierlich eröffnet. Vollendet waren damals Kirchenschiff, Chor und Sakristei; das heutige Erscheinungsbild mit den beiden Türmen und der großen landschaftlichen Inszenierung entstand erst in späteren Phasen. Die Eröffnungsfeiern erstreckten sich über mehrere Tage. Die Marienfigur wurde in feierlicher Prozession aus der älteren Kapelle über Zwischenstationen in die neue Kirche übertragen. Zeitgenössische Berichte schildern Glockengeläut, beleuchtete Fenster, Geistliche und Bruderschaften mit Fackeln sowie große Volksbeteiligung. Bereits diese Einweihung war damit zugleich eine große öffentliche Wallfahrts- und Festinszenierung.

Eine frühe Verbindung von Marienkult und Eucharistie

Aus den Aufzeichnungen zur ersten Festperiode im neuen Heiligtum ist ein heute ungewohnter Brauch überliefert. Bei der Feier der Senhora dos Remédios wurde das Allerheiligste in einem Reliquiar beziehungsweise einer Monstranz am Brustbereich der Marienfigur präsentiert. Wer auf Maria blickte, sollte zugleich Christus im Sakrament sehen. Diese Verbindung von Marienfrömmigkeit und eucharistischer Verehrung wurde später kirchlich aufgegeben; 1865 untersagte der Bischof die Praxis. Der Befund zeigt, wie stark sich Frömmigkeitsformen auch innerhalb eines etablierten Heiligtums verändern können.

Der Hochaltar und das ältere Gnadenbild

Im Zentrum des Kirchenraumes steht der Hochaltar mit dem älteren Kultbild der Nossa Senhora dos Remédios. Die Madonna mit Kind wird kunsthistorisch in das 15. Jahrhundert datiert und ist damit älter als der Marienkult auf dem Monte de Santo Estêvão. Ihre lange Kultgeschichte erklärt, weshalb das Bild nicht nur als Bestandteil der Ausstattung, sondern als eigentlicher Bezugspunkt persönlicher Verehrung verstanden werden muss.

Das Retabel des Hochaltars gehört in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die kunsthistorische Forschung führt seinen Entwurf in die Jahre 1764 bis 1766 und bringt ihn mit Frei José de Santo António Ferreira Vilaça in Verbindung; ausgeführt wurde die Schnitzarbeit durch Luís Manuel da Silva. Die vergoldete Rokokoausstattung rahmt damit ein wesentlich älteres Bild, das bereits in der Vorgängerkapelle verehrt worden war. Gerade dieses Nebeneinander von älterem Kultgegenstand und jüngerer monumentaler Inszenierung ist typisch für gewachsene Wallfahrtskirchen.

Barock und Rokoko über der Stadt

Der heutige Kirchenbau ist längsgerichtet und verbindet eine einschiffige Anlage mit einem erhöhten und schmaleren Chorbereich. Die Fassade ist reich in Granit gegliedert. Voluten, Fensterrahmungen, Skulpturen und das bewegte Abschlussmotiv erzeugen eine spätbarocke und rokokoartige Wirkung. Die beiden schlanken Türme gehören nicht zur ursprünglichen Bauphase: Der südliche Turm wurde ab 1880 errichtet, der nördliche erst 1905 vollendet. Damit erhielt die Kirche erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts jene weithin sichtbare Silhouette, die heute als selbstverständlich zum Stadtbild von Lamego gehört.

Im Inneren kamen weitere Ausstattungsschichten hinzu. Blaue und weiße Azulejos des 20. Jahrhunderts stellen Szenen aus dem Leben Mariens dar. Die Kirche ist deshalb kein stilistisch einheitlicher Bau einer einzigen Epoche, sondern ein über Generationen verändertes Heiligtum. Architektur, Ausstattung und Kultbild spiegeln unterschiedliche Phasen seiner Geschichte.

Nicolau Nasoni: beteiligt, aber nicht sicher Architekt der Kirche

Mit dem Heiligtum wird häufig der Name Nicolau Nasoni verbunden, des aus Italien stammenden Architekten und Künstlers, der im Norden Portugals zahlreiche bedeutende Barockwerke schuf. Für eine pauschale Zuschreibung der gesamten Kirche an Nasoni fehlt jedoch ein gesicherter archivalischer Nachweis. Die neuere Forschung nennt auch António Pereira, der gemeinsam mit Nasoni an der Kathedrale von Lamego gearbeitet hatte, als möglichen Entwerfer.

Eindeutig dokumentiert ist dagegen Nasonis Beteiligung am Chafariz dos Remédios. Die Irmandade gab bei ihm einen neuen Brunnen in Auftrag, der 1738 vollendet wurde und damit sogar älter ist als die heutige Kirche. Der Brunnen stand ursprünglich bei der früheren Kapelle und wurde später in die monumentale Treppenanlage einbezogen. Für eine kunsthistorisch saubere Darstellung ist deshalb zu unterscheiden: Nasonis Brunnen ist belegt; die Gesamturheberschaft am Heiligtum ist es nicht.

Der Escadório: der Pilgerweg wird Monument

Die große Freitreppe, die heute das Bild von Lamego bestimmt, entstand nach dem Kirchenbau. 1777 begann die Ausführung nach Plänen, die aus Lissabon beziehungsweise nach anderen Nachrichten aus Coimbra übermittelt worden waren. Über Generationen wurden neue Läufe, Terrassen, Brunnen, Balustraden und Skulpturen ergänzt. Erst im 20. Jahrhundert erreichte die Treppe ihre heutige Verbindung mit der Stadt. Das Gesamtwerk ist daher nicht Ergebnis eines einzigen barocken Bauplans, sondern eines langen Prozesses, in dem sich wechselnde ästhetische Vorstellungen mit der praktischen Funktion eines Pilgerwegs verbanden.

Die häufig genannte Zahl der Stufen ist bemerkenswert widersprüchlich. Touristische und kirchliche Darstellungen nennen meist 686 Stufen. Das Heiligtum selbst hat den Escadório jüngst genauer gezählt und unterscheidet 616 Stufen auf einem durchgehenden Auf- beziehungsweise Abstiegsweg und insgesamt 925 Stufen, wenn beide symmetrischen Seitenläufe vollständig mitgerechnet werden. Die unterschiedlichen Zahlen beruhen also nicht zwingend auf einem Rechenfehler, sondern auch darauf, was jeweils als Teil des Weges gezählt wird. Sicher ist: Der Aufstieg ist nicht bloße Erschließung, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Erfahrung des Heiligtums.

Der Aufstieg als religiöse Handlung

Wer aus der Stadt zu Fuß hinaufgeht, erlebt den Wallfahrtsweg körperlich. Die Bewegung wird durch wiederholte Richtungswechsel, Terrassen und Ruhepunkte gegliedert. Der Blick auf die Stadt öffnet sich, während das Heiligtum zunächst fern erscheint und schrittweise näher rückt. Architektur und Topographie formen dadurch einen Übergangsraum zwischen Alltag und Kultzentrum. Der Berg wird nicht einfach überwunden; der Aufstieg selbst erzeugt eine Abfolge von Anstrengung, Aussicht, Unterbrechung und Annäherung.

Historische und literarische Zeugnisse berichten von Gläubigen, die den Escadório im Rahmen eines Gelübdes auf den Knien hinaufstiegen. Solche Praktiken dürfen nicht pauschal auf alle Pilger übertragen werden, gehören aber zu den dokumentierten Formen körperlicher Buß- und Dankfrömmigkeit. Der menschliche Körper selbst wird dabei zum Träger des Versprechens: Wegstrecke und Schmerz ersetzen oder begleiten materielle Votivgaben.

Pátio dos Reis und marianisches Bildprogramm

Der prächtigste Bereich des Escadório ist der Pátio dos Reis. Achtzehn Figuren stellen Personen aus der biblischen Genealogie, der "Casa de David", dar und ordnen die Geschichte Mariens und Christi in eine heilsgeschichtliche Abstammungslinie ein. Im Zentrum erhebt sich ein monumentaler Brunnen mit Obelisk, getragen von großen Atlantenfiguren. Symbole und Skulpturen verwandeln die Terrasse in einen steinernen Bilderraum.

Der Escadório vermittelt damit nicht nur Bewegung, sondern auch Lehre. Wer hinaufsteigt, passiert ein ikonographisches Programm, das auf Maria und den oberen Kirchenraum zuläuft. Ähnlich wie bei anderen großen barocken Wallfahrtsbergen wird religiöses Wissen nicht allein durch Predigt oder Schrift vermittelt, sondern durch räumlich angeordnete Bilder, Brunnen und Figuren.

Wasser, Brunnen und Rast

Die Brunnen des Heiligtums besitzen neben ihrer symbolischen auch eine praktische Funktion. Wasser gehört zu den klassischen Gestaltungsmitteln barocker Sakrallandschaften; zugleich war es für Pilger auf einem steilen Bergweg von unmittelbarer Bedeutung. Der Chafariz dos Remédios von 1738, die Fonte dos Gigantes und weitere Brunnen verbinden daher Repräsentation, Erfrischung und religiöse Bildsprache.

Der umgebende Parque de Santo Estêvão verstärkt diese Wirkung. Dichte Vegetation, Schatten und Wasser schaffen einen Gegenraum zur steinernen Stadt. Der Wallfahrtsberg wird dadurch nicht nur als Ziel einer Prozession, sondern als Aufenthaltsraum genutzt. Die Verbindung von Sakralarchitektur und Natur unterstützt eine Frömmigkeitsform, in der Pilgerschaft, Ruhe, gemeinschaftlicher Aufenthalt und individuelle Andacht ineinander übergehen.

1778: das Hauptfest wandert auf den 8. September

Das Fest der Senhora dos Remédios wurde zunächst am 5. August begangen. Im Jahr 1778 änderte sich die Festordnung grundlegend. Papst Pius VI. gewährte einen vollkommenen Ablass für Besucher des Heiligtums an einem vom Bischof festzulegenden Tag. Als Termin wurde der 8. September gewählt, das Fest Mariä Geburt. Seitdem bildet dieser Tag den liturgischen und wallfahrtsmäßigen Höhepunkt des Jahres.

Der Wechsel ist ein schönes Beispiel dafür, wie kirchliche Festordnung und populäre Wallfahrt aufeinander einwirken. Ein liturgischer Termin wurde durch Ablassprivileg, Prozessionen und wiederholte Praxis so stark mit dem Ort verbunden, dass der 8. September heute in Lamego schlicht als "Dia da Senhora" verstanden wird.

Von der Wallfahrt zur Romaria

Die Festkultur wuchs über die Jahrhunderte weit über den Gottesdienst hinaus. In den frühen Quellen dominiert die religiöse Feier. Im 19. Jahrhundert kamen immer stärker Arraial, Markt, Musik, Beleuchtung und Feuerwerk hinzu. Für 1815 sind Ausgaben für Feuerwerk und festliche Beleuchtung belegt. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde die Illumination auf weitere Bereiche des Escadório ausgedehnt; 1876 sind frühe elektrische Lichteffekte in Lamego im Zusammenhang mit dem Fest dokumentiert.

Diese Entwicklung sollte nicht als einfache Verweltlichung verstanden werden. Die portugiesische Romaria vereint traditionell Pilgerfahrt, Liturgie, Gelübde, soziale Begegnung, Handel und Fest. Gerade weil so viele Menschen aus Stadt und Umland zusammenkamen, wurde das religiöse Ereignis zum größten gesellschaftlichen Ereignis des Jahres. Die Festkultur konnte neue Elemente aufnehmen, ohne die alte Wallfahrt zu ersetzen.

Die Stadt steigt hinauf - und das Fest steigt hinab

Über lange Zeit konzentrierte sich die Feier vor allem auf den Berg. Mit der wachsenden Romaria verlagerte sich ein Teil des Festgeschehens in die Stadt. Straßen wurden beleuchtet und geschmückt, Kommissionen organisierten Veranstaltungen, und neue Festzüge erschlossen den urbanen Raum. 1914 entstand eine "Batalha de Flores", 1915 eine landwirtschaftliche Parade, 1924 die Marcha Luminosa. Später kamen weitere historische und ethnographische Festzüge hinzu.

Dieser Prozess lässt sich als Umkehrung der Wallfahrtsbewegung lesen. Zunächst zog die Stadt zum Heiligtum hinauf; später kam die Festa symbolisch in die Stadt hinunter. Das Heiligtum blieb religiöses Zentrum, aber die gesamte Stadt wurde zeitweise zur Festlandschaft der Senhora dos Remédios.

Die Novene: Wallfahrt in der Morgendämmerung

Zu den bis heute stärksten religiösen Formen gehört die Novene vom 30. August bis zum 7. September. Ihre tägliche Feier beginnt bereits um sechs Uhr morgens. Noch vor dem normalen Tagesbetrieb steigen Gläubige auf den Monte de Santo Estêvão, beten den Rosenkranz, nehmen an Eucharistie und eucharistischer Anbetung teil und kehren anschließend in die Stadt zurück.

Aktuelle Berichte der Diözese beschreiben regelmäßig ein so großes Interesse, dass die Kirche am frühen Morgen bis in Nebenräume gefüllt ist. Die ungewöhnliche Uhrzeit gehört gerade zum Charakter dieser Wallfahrtspraxis. Müdigkeit, Dunkelheit oder morgendliche Kälte werden als Teil der Anstrengung angenommen. Damit besitzt Lamego neben dem spektakulären Festzug eine stille, jährlich wiederkehrende Form religiöser Disziplin, die für viele Teilnehmer mindestens ebenso wichtig ist wie die große Prozession.

Gelübde bis in die Gegenwart

Die klassische Gelübdefrömmigkeit ist in Lamego keineswegs nur historisch. Pilger berichten weiterhin davon, nach Krankheit oder familiärer Not ein Versprechen abgelegt und nach der erhofften Besserung am Fest oder an der Novene teilgenommen zu haben. Die räumliche Entfernung spielt dabei keine entscheidende Rolle: Gläubige reisen aus anderen Städten an, um ein früher abgelegtes Gelübde Jahr für Jahr erneut sichtbar zu machen.

Die Formulierung "por promessa" kennzeichnet dabei eine Handlung, die über einen gewöhnlichen Kirchenbesuch hinausgeht. Der Besuch wird zur geschuldeten Antwort auf eine als erfahren verstandene Hilfe. Das Versprechen kann einmalig sein, aber auch in eine lebenslange oder jährlich wiederholte Praxis übergehen. In solchen Fällen verwandelt sich eine individuelle Krisenerfahrung in eine dauerhafte Bindung an einen Wallfahrtsort.

Frauen in marianischer Kleidung

Eine besonders auffällige Form der Gelübdeerfüllung zeigt sich bei den Prozessionen. Frauen kleiden sich in Farben und Gewandformen, die an die Nossa Senhora dos Remédios erinnern, und begleiten den Zug teilweise mit einem Kind im Arm. Aktuelle Berichte der Diözese dokumentieren ausdrücklich Frauen, die diese Kleidung aufgrund eines persönlichen Versprechens tragen, etwa nach einer erhofften gesundheitlichen Besserung.

Volkskundlich handelt es sich um eine körperlich dargestellte Votivgabe. Nicht ein Gegenstand allein wird geopfert oder ausgestellt; die Person selbst wird für die Dauer des Rituals zum sichtbaren Zeichen von Bitte und Dank. Kleidung, Bewegung und öffentliche Teilnahme verbinden individuelle Biographie mit dem kollektiven Fest. Gerade solche Praktiken zeigen, dass Votivfrömmigkeit nicht auf alte Wachsvotive oder bemalte Tafeln reduziert werden darf.

Kerzen, Ex-votos und materielle Dankbarkeit

Auch materielle Votivformen gehören zur Geschichte des Heiligtums. Kerzen werden entzündet oder in größeren Mengen abgebrannt, persönliche Dankgaben wurden der Irmandade übergeben, und archivalische Bestände dokumentieren Schenkungen unterschiedlichster Art. Die wissenschaftliche Untersuchung des Kultes durch Aida Carvalho behandelt ausdrücklich Ex-votos, Kerzenopfer und weitere materielle Ausdrucksformen der Devotion.

Das Votivwesen steht dabei in engem Zusammenhang mit der Bedeutung des Namens "Remédios". Wer Maria als Helferin in einer konkreten Not anrief, konnte die erfahrene Hilfe durch ein sichtbares Zeichen beantworten. Aus privaten Lebensgeschichten entstand auf diese Weise ein kollektives Gedächtnis von Krankheit, Gefahr, Rettung und Dank.

Das alte Kultbild und die Prozessionsmadonna von 1904

Für die heutige Wallfahrt sind zwei Marienbilder zu unterscheiden. Das ältere Bild der Madonna mit Kind befindet sich im Hochaltar und wird in das 15. Jahrhundert datiert. Es ist der historische Kern des Kultes. Für die große Prozession wurde dagegen eine jüngere Figur geschaffen, die am 2. September 1904 geweiht wurde und in der Sakristei aufbewahrt wird.

Die Trennung ist funktional sinnvoll. Ein altes und empfindliches Gnadenbild muss nicht regelmäßig durch die Stadt transportiert werden, während eine eigens für Prozessionen bestimmte Figur die öffentliche Repräsentation des Kultes übernehmen kann. Für das Verständnis des Wallfahrtsortes ist es daher wesentlich, beide Figuren nicht miteinander zu verwechseln.

1894: die Procissão do Triunfo

Die heutige Procissão do Triunfo wurde erstmals 1894 veranstaltet. Frühere Prozessionen hatte es selbstverständlich gegeben, doch der neue Festzug entwickelte sich zu einer eigenen großformatigen Form, die rasch zum öffentlichen Höhepunkt der Romaria wurde. Der Zeitpunkt ist aufschlussreich: Gerade als weltliche Vergnügungen, Markt, Feuerwerk und städtische Festformen immer stärker wurden, setzte die Irmandade auf einen besonders eindrucksvollen religiösen Zug.

Die Prozession findet am 8. September statt. Sie zieht von der Stadt aus durch Lamego und endet traditionell im Bereich der Kirche Santa Cruz und der militärischen Anlagen, wo ihr Ehren erwiesen werden. Anschließend wird die Marienfigur zum Heiligtum zurückgebracht. Bei der Rückkehr wird sie nach heutiger Praxis so in die Kirche getragen, dass ihr Gesicht noch einmal zur Stadt gerichtet ist - ein starkes Schlussbild der Beziehung zwischen Senhora und Lamego.

Carros-andores statt Schultertragen

Die großen Andores der Procissão do Triunfo werden nicht wie vielerorts auf den Schultern von Trägern getragen. Sie sind als carros-andores auf Fahrgestellen montiert. Teile dieser Konstruktionen gehen auf umgearbeitete Wagen beziehungsweise Chassis aus monarchischer Zeit zurück; die noch verwendeten historischen Unterbauten werden jährlich überprüft und instandgesetzt. Die Prozession ist damit zugleich ein bewegtes Ensemble aus religiöser Ikonographie, historischem Fahrzeugbau und lebendiger Handwerkspraxis.

Die einzelnen Wagen bilden religiöse Szenen. Neben Figuren und Kultbildern gehören lebende Teilnehmer zum Aufbau. Kinder erscheinen als Engel oder übernehmen Rollen in biblischen Darstellungen. Dieses "figurado vivo" ist seit den Anfängen der Procissão do Triunfo ein kennzeichnender Bestandteil. Der Wagen ist daher weder bloß Transportmittel noch statische Bühne, sondern ein bewegtes religiöses Tableau.

Die Ochsen als Teil der Prozession

Das bekannteste Merkmal der Procissão do Triunfo sind die Ochsengespanne, welche die schweren carros-andores durch die Stadt ziehen. Die Quellen der Irmandade kennen keinen einzelnen Gründungsbeschluss für diese Praxis. Gerade daraus wurde geschlossen, dass sich die Einbeziehung der Tiere als selbstverständlich aus den örtlichen Verhältnissen entwickelte. Ochsen waren im ländlich geprägten Umland wichtige Zugtiere und hatten während der jahrzehntelangen Bauarbeiten Steine, Holz, Ziegel und andere Materialien auf den Berg transportiert.

Später deutete man ihre Prozessionsteilnahme als symbolische Anerkennung dieser Arbeit: Tiere, die beim Bau des "Hauses der Senhora" geholfen hatten, sollten auch ihren Wagen ziehen. Ob diese Deutung bereits am Anfang ausdrücklich formuliert wurde, lässt sich nicht nachweisen. Als kulturelle Erklärung ist sie jedoch tief in der heutigen Überlieferung verankert und verbindet den religiösen Festzug mit der bäuerlichen Arbeitswelt des Douro und der Beiras.

Geschmückte Tiere und bäuerliche Repräsentation

Die Ochsen erscheinen nicht als gewöhnliche Arbeitstiere. Joche, Decken und Glocken werden sorgfältig vorbereitet, die Tiere gepflegt und für ihren langsamen, gleichmäßigen Gang ausgewählt. Dadurch werden sie selbst Teil der Festästhetik. In früheren Jahrzehnten entwickelte sich sogar ein gewisser Wettbewerb um besonders kräftige und schön geschmückte Gespanne.

Die fortschreitende Mechanisierung der Landwirtschaft hat diese Tradition jedoch verletzlich gemacht. Geeignete Ochsengespanne sind im Raum Lamego selten geworden; Tiere müssen teilweise aus weiter entfernten Gemeinden herangeführt werden. Gerade darin zeigt sich eine typische Herausforderung immateriellen Kulturerbes: Eine Form kann kulturell hoch geschätzt sein und dennoch verschwinden, wenn die alltäglichen Kenntnisse, Tiere, Geräte und Arbeitsweisen fehlen, aus denen sie ursprünglich hervorging.

1925: die Ausnahmegenehmigung aus Rom

Im Jahr 1925 geriet die Tradition ernsthaft in Gefahr. Die römische Ritenkongregation hatte die Anwesenheit von Tieren bei religiösen Prozessionen untersagt. In Lamego hätte dies das charakteristische Erscheinungsbild der Procissão do Triunfo unmittelbar getroffen, zumal die großen Wagen nicht ohne Weiteres auf Schultertragen umgestellt werden konnten. Bistum, Irmandade und Stadt bemühten sich daher um eine besondere Lösung.

Am 27. April erteilte die zuständige römische Kongregation aufgrund der ihr von Papst Pius XI. verliehenen Vollmacht die Erlaubnis, die Ochsen weiterhin in der Prozession einzusetzen, wobei die konkrete Entscheidung dem Bischof von Lamego überlassen wurde. Damit ist die gern erzählte vatikanische Sondergenehmigung keine bloße Fremdenverkehrslegende. Die heutige portugiesische Kulturerbe-Dokumentation bezeichnet die Lamegoer Prozession als einzigartig hinsichtlich dieser ausdrücklich erteilten kirchlichen Genehmigung für von Ochsen gezogene carros-andores.

"Figurado vivo": Menschen im religiösen Bild

Zu den auffälligsten Elementen der Prozession gehört das "figurado vivo". Kinder und andere Teilnehmer werden als lebende Figuren in die Wagenkompositionen eingefügt. Engel, biblische Personen und allegorische Gestalten verwandeln die carros-andores in szenische Bilder. Diese Verbindung von Skulptur, Dekoration, Tierzug und lebendem Menschen erzeugt einen Übergang zwischen Prozession und religiösem Theater.

Für viele Familien ist die Teilnahme biographisch bedeutsam. Die nationale Kulturerbe-Dokumentation betont die generationenübergreifende Weitergabe: Großeltern, Eltern und Kinder erinnern sich daran, als "anjinhos", Figuranten, Musiker oder in anderen Funktionen am Zug beteiligt gewesen zu sein. Die Prozession wird dadurch nicht nur betrachtet, sondern innerhalb der Familien erlebt und weitergegeben.

Militär, Stadt und Heiligtum

Die Procissão do Triunfo verbindet unterschiedliche Institutionen der Stadt. Neben Irmandade und Diözese treten Gemeinde, Musikgruppen, Vereine und Militär auf. Am traditionellen Ziel bei Santa Cruz beziehungsweise den militärischen Anlagen wird der Zug empfangen und mit militärischen Ehren bedacht. Solche Elemente zeigen, wie weit der Kult der Senhora dos Remédios über den engeren Kirchenraum hinaus in die städtische Identität eingewoben ist.

Die Marienfigur fungiert damit nicht nur als Gegenstand privater Andacht. Sie repräsentiert die Stadt in einer öffentlichen Ritualform. Umgekehrt erkennt sich Lamego in der Prozession selbst: Straßen, Behörden, Vereine, Familien und Besucher werden für wenige Stunden zu Teilen eines gemeinsamen Festbildes.

Die "Romaria de Portugal"

Die Festtage in Lamego werden seit langem mit dem programmatischen Namen "Romaria de Portugal" beworben. Der Begriff darf nicht als wissenschaftliche Rangliste verstanden werden, als ließe sich eine einzelne Wallfahrt objektiv zur bedeutendsten des Landes erklären. Er ist vielmehr ein historisch gewachsener Eigenname und Ausdruck des Selbstverständnisses der Festkultur.

Sachlich unbestreitbar ist ihre große regionale und überregionale Bedeutung. Über mehrere Wochen verdichten sich religiöse und weltliche Veranstaltungen, der 8. September bringt große Menschenmengen in die Stadt, und der Kult strahlt weit in den Douro und in Auswanderergemeinschaften aus. Die Romaria bildet einen jährlichen Fixpunkt im Kalender der Region und fällt zugleich in jene Jahreszeit, in der im Douro die Weinlese beginnt.

Wallfahrt und Weinregion

Die geografische Lage verknüpft das Fest mit der Kulturlandschaft des Alto Douro. Anfang September verändert die bevorstehende oder beginnende Weinlese traditionell den Arbeitsrhythmus der Region. Menschen aus ländlichen Gemeinden kamen nach Lamego, verbanden die Wallfahrt mit Markt, Begegnung und Besorgungen und kehrten anschließend in ihre Dörfer zurück. Die Ochsengespanne, landwirtschaftlichen Festzüge und bäuerlichen Besuchergruppen machten diese Beziehung zwischen Stadt und Land sichtbar.

Damit bildet das Heiligtum einen religiösen Mittelpunkt einer Region, deren wirtschaftlicher Alltag stark von Weinbau und Landwirtschaft geprägt war. Die Romaria ist nicht von dieser Lebenswelt zu trennen. Sie bietet ein Beispiel dafür, wie religiöse Feste mit saisonalen Arbeitszyklen, regionalen Verkehrswegen und sozialen Netzwerken zusammenfallen können, ohne deshalb auf ökonomische Funktionen reduziert werden zu dürfen.

Auswanderung und Weitergabe des Kultes

Wie viele portugiesische Wallfahrten wurde auch die Verehrung der Nossa Senhora dos Remédios durch Migration verbreitet. Menschen aus Lamego und dem Douro nahmen Bilder, Festtermine und persönliche Gelübde in neue Lebensorte mit. Die Kulturerbe-Dokumentation nennt portugiesische Gemeinschaften im Ausland und verweist auf parallele Marienverehrungen, die von Auswanderern mit der Heimat verbunden wurden.

Der Wallfahrtsort gewinnt dadurch eine doppelte Funktion. Er ist ein konkreter Ort auf dem Monte de Santo Estêvão und zugleich ein Erinnerungszeichen für Menschen, die weit entfernt leben. Rückkehr zum Fest, private Bilder der Senhora und Weitergabe des Kultes an Kinder und Enkel schaffen eine religiöse Form von Herkunftsbindung.

Immaterielles Kulturerbe

Die Procissão do Triunfo wurde 2025 in das Inventário Nacional do Património Cultural Imaterial Portugals aufgenommen. Ausschlaggebend war nicht allein ihre lange Dauer, sondern ihre fortdauernde Bedeutung als gemeinschaftliche Praxis von Lamego und den umliegenden Gemeinden. Besonders hervorgehoben wurden die carros-andores, das "figurado vivo", die Ochsengespanne und die generationenübergreifende Beteiligung der Bevölkerung.

Eine solche Eintragung bedeutet nicht, dass ein Brauch unverändert konserviert werden soll. Immaterielles Kulturerbe lebt gerade durch Weitergabe und Anpassung. Die Schwierigkeit, geeignete Ochsen zu finden, Veränderungen bei Kleidung, Musik, Verkehrsführung oder Sicherheitsbestimmungen und die wachsende touristische Aufmerksamkeit gehören zur heutigen Wirklichkeit des Festes. Entscheidend ist, dass die Gemeinschaft die Praxis weiterhin als ihre eigene versteht und aktiv trägt.

Denkmalpflege und Schutz des Ensembles

Auch das gebaute Ensemble steht unter Denkmalschutz. Kirche, Treppenanlage und Park werden als zusammengehöriges Kulturgut behandelt. Das Heiligtum liegt außerdem im weiteren kulturellen Umfeld des Alto Douro Vinhateiro. Einzelne Bestandteile, darunter der Chafariz dos Remédios von Nicolau Nasoni, besitzen eigene kunsthistorische Bedeutung.

Der Schutz muss dabei zwei unterschiedliche Anforderungen miteinander verbinden. Einerseits handelt es sich um wertvolle historische Architektur, die konservatorisch behandelt werden muss. Andererseits ist sie keine museale Ruine, sondern Infrastruktur eines aktiven Wallfahrtsortes. Treppen, Plätze, Kirche und Park werden benutzt, mit Menschenmengen gefüllt, dekoriert und jährlich in Ritualen neu angeeignet. Gerade diese Nutzung ist Teil ihrer Bedeutung.

Alltägliche Wallfahrt außerhalb der Festtage

Das Heiligtum erschöpft sich nicht in den großen Septemberfeiern. Einzelbesucher kommen zum Gebet, entzünden Kerzen, besuchen die Messe oder steigen den Escadório aus Andacht hinauf. Andere verbinden einen touristischen Besuch mit einem kurzen Aufenthalt vor dem Gnadenbild. Die Grenzen zwischen Pilger, Besucher und Tourist sind dabei nicht immer scharf zu ziehen und können sich sogar innerhalb desselben Besuches verändern.

Für die Wallfahrtsforschung ist gerade dieser Alltag wichtig. Große Prozessionen hinterlassen viele Fotografien und Berichte, während die stillen Besuche kaum dokumentiert werden. Dennoch sind es diese täglichen Handlungen, welche die religiöse Funktion des Ortes zwischen den Festtagen aufrechterhalten.

Volkskundliche Bedeutung

Lamego bietet eine ungewöhnlich vollständige Folge unterschiedlicher Wallfahrtsphänomene. Mittelalterliche Prozessionen zum hl. Stephanus, Umwandlung eines Kultortes durch ein Marienbild, Wunderberichte und Gelübde, Bruderschaftswesen, barocker Monumentalbau, körperlich erfahrbarer Pilgerweg, Votivpraxis, Festmarkt, Feuerwerk, städtische Illumination, Prozessionswagen, lebende religiöse Bilder, bäuerliche Ochsengespanne, marianische Kleidung und heutige Kulturerbepolitik lassen sich an einem einzigen Ort untersuchen.

Besonders wichtig ist dabei die zeitliche Differenzierung. Nicht alles, was heute als Tradition erscheint, stammt aus derselben Epoche. Der Stephanuskult ist mittelalterlich, der Marienkult setzte im 16. Jahrhundert ein, das heutige Heiligtum entstand ab 1750, die monumentale Treppe wuchs über mehr als ein Jahrhundert, die Procissão do Triunfo besteht seit 1894 und das heutige Prozessionsbild seit 1904. Gerade weil diese Schichten voneinander unterschieden werden können, lässt sich beobachten, wie Tradition tatsächlich entsteht: durch Wiederholung, Veränderung, institutionelle Organisation und die immer neue Beteiligung von Menschen.

Heutiger Wallfahrtsstatus

Nossa Senhora dos Remédios ist ein eindeutig lebendiger Wallfahrtsort. Die Novene Ende August und Anfang September, die große Feier am 8. September, die Procissão do Triunfo, persönliche Gelübde und ganzjährige Andacht belegen eine fortdauernde religiöse Nutzung. Das Heiligtum ist zugleich eines der wichtigsten Identitätssymbole von Lamego und ein zentraler Bezugspunkt im religiösen Leben des Douro.

Der alte Monte de Santo Estêvão zeigt damit in außergewöhnlicher Dichte, dass Wallfahrtsorte keine unveränderlichen Gebilde sind. Ein mittelalterlicher Heiligenberg wurde zum marianischen Gnadenort, eine kleine Kapelle zum Monumentalheiligtum, ein Fußweg zur barocken Sakralarchitektur und eine Wallfahrt zur großen Romaria. Trotz aller Veränderungen blieb die elementare Struktur erhalten: Menschen machen sich auf den Weg, bringen eine Bitte oder ein Versprechen mit und verbinden den Ort mit der Hoffnung auf Hilfe, Dank und Rückkehr.

Literatur und Quellen

- Aida Maria Oliveira Carvalho: Histórias de um culto: Nossa Senhora dos Remédios, em Lamego. Dissertation, Ciências da Cultura, Universidade de Trás-os-Montes e Alto Douro, Vila Real 2013.

- José António Marrana: História do culto de Nossa Senhora dos Remédios em Lamego. Porto 1957; 3. Auflage, Lamego: Irmandade de Nossa Senhora dos Remédios, 2004.

- Lucinda de Jesus Barros Pinto: O Santuário de Nossa Senhora dos Remédios em Lamego. Contributo para o estudo da sua construção 1750-1905/69. Dissertation, Faculdade de Letras da Universidade do Porto, Porto 1997.

- João António Pinheiro Teixeira: O Rosto de Lamego. Tempo, espaço e vivências de Nossa Senhora dos Remédios. 2016.

- Fernando Cabral: Festas de Nossa Senhora dos Remédios - A Romaria de Portugal. Lamego.

- Joaquim Jaime Ferreira-Alves: "Nossa Senhora dos Remédios, Santuário." In: Dicionário da Arte Barroca em Portugal. Lisboa 1989.

- António Filipe Pimentel: "Escadaria." In: Dicionário da Arte Barroca em Portugal. Lisboa 1989.

- Alexandre Alves: Subsídios para a História do Santuário de Nossa Senhora dos Remédios - O Pátio dos Reis e o Pátio de Jesus Maria e José. 1971.

- Frei Agostinho de Santa Maria: Santuário Mariano, e História das Imagens Milagrosas de Nossa Senhora, e das Milagrosamente Aparecidas. Tomo Terceiro. Lisboa 1711.

- Património Cultural, I.P.: Dokumentation zur Procissão do Triunfo und zur Eintragung in das Inventário Nacional do Património Cultural Imaterial.

- Real Irmandade de Nossa Senhora dos Remédios: historische Dokumentation zu Heiligtum, Escadório, Irmandade und Festtradition.

- Diocese de Lamego: Dokumentation zur Novene, Wallfahrt und Procissão do Triunfo.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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