| Wallfahrt: | Inselweite Heilig-Geist-Kultlandschaft mit Prozessionen, Coroações, Gelübden, Bruderschaften, gemeinschaftlichen Speisungen und Wegen zwischen Privathaus, Pfarrkirche und Império; kein einzelner Wallfahrtsort im klassischen Sinn. |
| Status: | Lebendige römisch-katholische Volksfrömmigkeit auf der gesamten Insel Terceira; die Festzyklen werden von zahlreichen Irmandades do Divino Espírito Santo getragen und besonders zwischen Ostern, Pfingsten und Dreifaltigkeit begangen. |
| Kultzentrum: | Nicht ein einzelnes Gnadenbild, sondern die Insignien des Divino Espírito Santo, vor allem Krone, Zepter, Fahne und Taubensymbol, die zwischen Império, Privathaus und Pfarrkirche bewegt werden. |
| Ort: | gesamte Insel Terceira; besonders dicht in Angra do Heroísmo, Praia da Vitória und den Dörfern der Insel. |
| Bezirk/Region: | Ilha Terceira. |
| Bundesland: | Autonome Region der Azoren, Portugal. |
| • | Lage: Impérios do Divino Espírito Santo befinden sich über die gesamte Insel Terceira verteilt; praktisch jede Pfarre besitzt mindestens einen dieser kleinen Kultbauten. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Portugal |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Kulturroute der Impérios do Espírito Santo auf Terceira. |
| • | Öffnungszeiten: Für die zahlreichen Impérios gibt es keine einheitlichen Öffnungszeiten. Viele Gebäude sind besonders während der Heilig-Geist-Feste zugänglich; außerhalb der Festzeit können sie geschlossen sein. Die Außenansichten sind in der Regel frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders gesucht werden Gesamtansichten verschiedener Impérios auf Terceira, Innenräume mit Krone, Zepter und Fahne, Altäre und Blumenschmuck, Despensas, Coroações und Prozessionen, Domingas und Alumiações, Foliões, Brot- und Fleischverteilungen beim Bodo, Sopas do Espírito Santo, Alcatra, Alfenim-Votive, historische Jahreszahlen und Inschriften, die Impérios Outeiro, Quatro Cantos, Porto Judeu de Baixo, Serreta, São Sebastião, Marítimos und Lajes sowie Aufnahmen der Festvorbereitungen und der Beteiligung von Auswandererfamilien.
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Die Impérios do Divino Espírito Santo auf Terceira gehören zu den eigenartigsten und zugleich lebendigsten Erscheinungen katholischer Volksfrömmigkeit im Atlantikraum. Wer nach einem einzelnen Gnadenbild, einer einzigen wundertätigen Quelle oder einem zentralen Wallfahrtsheiligtum sucht, verfehlt ihren Charakter. Das religiöse System der Impérios verteilt sich vielmehr über die ganze Insel: kleine, meist auffällig farbige Kultgebäude, Pfarrkirchen, Privathäuser, Straßen, Küchen, Vorratsräume und Festplätze werden für einige Wochen zu Teilen eines zusammenhängenden sakralen Raumes. Die Bewegung zwischen diesen Orten ist selbst Bestandteil des Kultes.
Deshalb ist eine präzise Einordnung notwendig. Terceira besitzt hier keinen einzigen Wallfahrtsort im klassischen Sinn, sondern eine Heilig-Geist-Kultlandschaft. Prozessionen führen die Insignien des Divino Espírito Santo von Haus zu Haus und zur Pfarrkirche, Menschen erfüllen Gelübde, Familien übernehmen für eine Festperiode Verantwortung, Speisen werden gesegnet und verteilt, Votivgaben dargebracht und die kleine Architektur des Império verwandelt sich während der Festzeit in ein öffentliches Zentrum religiöser und sozialer Gemeinschaft. Gerade diese dezentrale Struktur macht Terceira für die Wallfahrts- und Volkskundeforschung besonders bedeutend.
Die Zahl der Impérios auf Terceira wird je nach Erfassungsstand unterschiedlich angegeben. Die moderne touristische Dokumentation nennt rund 70 Gebäude; die bauhistorische Untersuchung des portugiesischen Sistema de Informação para o Património Arquitetónico erfasste 71 Impérios, nachdem zu einer älteren Liste ein weiterer Bau hinzukam. Die Differenz ist weniger wichtig als die außergewöhnliche Dichte. In praktisch jeder Pfarre der Insel steht zumindest ein Império, in vielen Orten mehrere. Sie erscheinen in den historischen Stadtquartieren von Angra do Heroísmo ebenso wie in kleinen Küstendörfern und landwirtschaftlich geprägten Siedlungen.
Das häufig zitierte Bild, dass auf Terceira beinahe "in jedem Winkel" ein Heiliger Geist anzutreffen sei, beschreibt die Wahrnehmung der Insel erstaunlich gut. Die Impérios fallen durch ihre geringe Größe und zugleich durch ihre starke Farbigkeit auf. Weiß gekalkte Wandflächen werden mit roten, blauen, grünen, gelben oder violetten Gliederungen kombiniert; über Türen und Fenstern erscheinen Taube, Krone, Zepter oder Inschriften. Viele Gebäude wirken auf den ersten Blick wie kleine Kapellen. Funktional bilden sie jedoch einen eigenen Bautyp, der aus der Geschichte der Heilig-Geist-Bruderschaften und ihrer Festpraxis entstanden ist.
Das portugiesische Wort "Império" bedeutet eigentlich Reich oder Imperium. Im Zusammenhang mit den azoreanischen Heilig-Geist-Festen bezeichnet es sowohl einen rituellen Zusammenhang als auch den kleinen Bau, in dem die Insignien des Divino Espírito Santo aufbewahrt und während der Festzeit ausgestellt werden. Die Bezeichnung hängt mit der auffälligen Herrschaftssymbolik des Kultes zusammen: Krone, Zepter, Fahne und der Titel "Imperador" übertragen die Bildsprache weltlicher Herrschaft auf den Heiligen Geist.
Diese symbolische Königsherrschaft ist jedoch nicht mit einem gewöhnlichen monarchischen Kult zu verwechseln. Der "Imperador" besitzt keine weltliche Macht. In der religiösen Logik der Feste verweist die Krone auf den Heiligen Geist und auf eine ideale Ordnung, in der Gabe, Speisung, Gastfreundschaft und Gemeinschaft eine zentrale Rolle spielen. Das erklärt, warum ein scheinbar höfisches Vokabular aus Krone, Zepter und Imperator mit der sehr bodennahen Praxis des Brotverteilens, Kochens, Schlachtens, Bewirtens und Spendens verbunden werden kann.
Die Heilig-Geist-Tradition auf Terceira ist erheblich älter als die meisten heute sichtbaren Império-Gebäude. Ein wichtiger früher Beleg stammt vom 15. März 1492. João Vaz Corte-Real, erster Capitão do Donatário von Angra, und weitere Mitglieder regelten damals in einem Compromisso die Confraria do Espírito Santo und das Hospital von Angra. Das Hospital sollte Armen, Bedürftigen und auch durch lange Seereisen geschwächten Kranken dienen. Schon in diesem frühen Zusammenhang erscheint der Heilige Geist somit nicht allein als Gegenstand liturgischer Verehrung, sondern in Verbindung mit organisierter Fürsorge.
Die Quelle beweist noch nicht die Existenz der später für Terceira typischen kleinen steinernen Impérios. Sie zeigt aber, dass Heilig-Geist-Bruderschaft, karitative Aufgabe und institutionalisierte Gemeinschaft bereits am Ende des 15. Jahrhunderts fest verankert waren. Gerade diese Verbindung ist für die spätere Entwicklung grundlegend: Auch die modernen Festpraktiken verbinden Gebet und Prozession mit Speisung, Verteilung und sozialer Verpflichtung.
Noch näher an die spätere Festpraxis führt ein Dokument aus Praia da Vitória vom 24. Mai 1523. Erhalten ist ein Auto de arrematação da coroa do Senhor Espírito Santo, also eine Urkunde über die Vergabe beziehungsweise Ersteigerung der Heilig-Geist-Krone für das folgende Festjahr. Der neue Imperador übernahm damit nicht bloß eine Ehrenstellung, sondern konkrete Verpflichtungen für die Durchführung des Festes. In der Quelle erscheinen bereits Elemente, die später für die azoreanischen Festzyklen charakteristisch bleiben, darunter die Rolle des Imperators und die Finanzierung beziehungsweise Beteiligung der Foliões.
Für die historische Einordnung ist dieses Dokument besonders wertvoll. Es zeigt, dass zentrale rituelle Elemente des Kultes auf Terceira schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts greifbar sind. Gleichzeitig wäre es falsch, daraus eine unveränderte Kontinuität bis in die Gegenwart zu konstruieren. Die heutige Architektur der Impérios, die genaue Organisation der Bruderschaften, die Form der Prozessionen und die Ausgestaltung der Speisungen entwickelten sich in mehreren Jahrhunderten weiter.
Die portugiesischen Heilig-Geist-Feste entstanden nicht auf den Azoren. Ihre festländischen Vorformen lassen sich spätestens in das frühe 14. Jahrhundert zurückverfolgen. In der populären Überlieferung wird die Einführung besonders mit Königin Isabel von Aragón, der später heiliggesprochenen Rainha Santa Isabel, verbunden. Das Motiv der Königin, die Armen speist und dem Heiligen Geist besondere Verehrung entgegenbringt, wurde für die azoreanische Festkultur außerordentlich wirksam.
Vorsicht ist dagegen bei einer allzu einfachen Ableitung aus den Lehren Joachims von Fiore geboten. Der mittelalterliche Abt und seine Vorstellung von einer kommenden Epoche des Heiligen Geistes werden in der Literatur häufig als ideengeschichtlicher Hintergrund genannt. Eine lückenlose Linie von joachimitischer Theologie über die portugiesische Königin bis zu den Impérios Terceiras lässt sich jedoch nicht belegen. Für die historische Einordnung ist es daher sinnvoll, zwischen späteren Deutungsmodellen und sicher nachweisbarer Festpraxis zu unterscheiden.
Die Heilig-Geist-Feste werden von Irmandades, den Bruderschaften des Divino Espírito Santo, getragen. Ihre Mitglieder verwalten Insignien, Gebäude und Vermögen, organisieren die Feste und teilen Verantwortlichkeiten. Im 19. Jahrhundert wurden solche Bruderschaften verstärkt statutarisch erfasst. Besonders interessant sind die Statuten des Império dos Quatro Cantos in Angra do Heroísmo von 1868, die zu den ältesten erhaltenen Statuten dieser Art auf Terceira gehören. Die Irmandade selbst war bereits 1810 gegründet worden.
Die Bruderschaften zeigen, dass die Impérios weder bloße kommunale Veranstaltungsgebäude noch ausschließlich pfarrliche Einrichtungen sind. Sie besitzen eine starke gemeinschaftliche Eigenorganisation. Zugleich stehen die religiösen Handlungen wie Messe und Coroação in Verbindung mit der Pfarrkirche und dem Klerus. Aus diesem Nebeneinander von lokaler Selbstorganisation und kirchlicher Liturgie entsteht eine der charakteristischen Spannungen des Kultes.
Im Mittelpunkt steht nicht eine anthropomorphe Heiligenfigur, sondern die Coroa do Divino Espírito Santo. Die Krone ruht auf einer Schale oder Salva, dazu treten Zepter und Fahne. Häufig ist die Taube des Heiligen Geistes angebracht. Die Krone kann von Familie zu Familie wandern, im Privathaus auf einem eigens errichteten Altar stehen, in Prozessionen getragen und in der Pfarrkirche liturgisch verwendet werden. Dadurch unterscheidet sich der Kult grundlegend von einer ortsfesten Gnadenbildwallfahrt.
Die Materialität der Krone ist dennoch von großer Bedeutung. Sie wird gehütet, geschmückt und rituell bewegt. Ihre Anwesenheit verändert den Raum: Ein gewöhnliches Wohnzimmer kann während einer Festwoche zum Andachtsraum werden, während der Império außerhalb der Festzeit weitgehend geschlossen bleiben kann. Der kultische Schwerpunkt liegt somit weniger auf der dauernden Anwesenheit eines Bildes an einem festen Ort als auf der Bewegung heiliger Insignien durch das soziale Gefüge der Pfarre.
Nach der Festperiode kann die Krone in feierlichem Zug zu jenem Bruder oder jener Familie gebracht werden, die für die nächste Phase Verantwortung übernimmt. Diese "Mudança", die Veränderung oder Übertragung, gehört zu den eindrucksvollsten Formen der beweglichen Sakralität. Im Haus wird in einem größeren Raum ein Altar beziehungsweise Thron für Krone, Zepter und Fahne aufgebaut. Verwandte, Freunde und Nachbarn begleiten den Zug und helfen bei Vorbereitung und Bewirtung.
Damit wird das private Haus zeitweilig in das religiöse System des Império einbezogen. Die Grenze zwischen sakralem und profanem Raum wird nicht aufgehoben, aber für eine bestimmte Zeit neu geordnet. Diese Praxis ist volkskundlich besonders wichtig, weil sie zeigt, dass die Heilig-Geist-Frömmigkeit nicht erst am Sonntag auf dem öffentlichen Festplatz beginnt. Sie lebt während der vorausgehenden Wochen in Küchen, Wohnzimmern, Nachbarschaften und Familiennetzwerken.
Die intensive Festzeit beginnt nach Ostern und führt über mehrere Sonntage zu Pfingsten und zum Dreifaltigkeitssonntag. In den sogenannten Domingas werden Krone und Insignien für begrenzte Zeit einer Familie anvertraut beziehungsweise in wechselnden Häusern verehrt. Die genaue Ausgestaltung unterscheidet sich zwischen Orten und Inseln, doch die Grundidee bleibt die periodische Weitergabe des Heiligen.
Diese Wochen strukturieren den Jahreslauf deutlich. Für die Beteiligten beginnt eine Zeit verstärkten Gebetes, der Vorbereitung und des Besuches. Die Feste sind daher nicht auf einen einzigen Höhepunkt reduziert. Sie entstehen in einem längeren Prozess, der religiöse Verpflichtung, Organisation, Einkauf, Schlachtung, Backen, Kochen, Musik und Nachbarschaftshilfe miteinander verbindet.
Während der Festwochen finden in den Häusern und Impérios Andachten vor den Insignien statt. In der Literatur werden für Terceira die "alumiações" genannt, bei denen die Zeichen des Divino im Haus des Imperators verehrt werden. Abends wird der Rosenkranz gebetet; hinzu können der "pezinho", gesungene Ehrungen für den Imperator und für Spender, sowie Cantorias treten.
Musik ist daher nicht lediglich Unterhaltung am Rand des Festes. Foliões und später auch Filarmónicas strukturieren Prozessionen, begleiten Übergänge und markieren öffentliche Festlichkeit. In diesem Zusammenspiel von Gebet, Gesang und Bewegung entsteht jene besondere Atmosphäre, die Außenstehende leicht als bloßes Volksfest missverstehen können. Tatsächlich sind religiöse und festliche Formen historisch eng miteinander verschränkt.
Eine auffällige Figur der Tradition ist der Imperador. In älteren und lokalen Formen kann ein erwachsener Festverantwortlicher selbst gekrönt werden; häufig wird die Krönung jedoch an einem Kind oder Jugendlichen vollzogen. Die Literatur spricht auch vom "Imperador Menino", dessen Jugend und Unschuld symbolisch hervorgehoben werden. Bei der Prozession können Krone, Zepter und Salva von weiß gekleideten jungen Menschen getragen werden.
Gerade dieses Motiv zeigt, wie weit die Heilig-Geist-Feste von gewöhnlicher politischer Herrschaft entfernt sind. Die kaiserliche Symbolik wird einer Person übertragen, die keinerlei Macht ausübt und deren Rolle zeitlich eng begrenzt ist. Der "Imperator" erscheint im Ritual nicht als Herrscher über andere, sondern als Träger einer sakralen Würde, die anschließend wieder abgelegt wird.
Am Festsonntag zieht der Prozessionszug mit Fahne, Krone und Zepter zur Pfarrkirche. Der Pfarrer empfängt den Zug, die Insignien werden zum Altar gebracht und in die Eucharistiefeier einbezogen. Bei der Coroação nimmt der Priester Zepter und Krone, lässt sie küssen beziehungsweise übergibt sie und setzt die Krone dem vorgesehenen Imperator oder einer ausgewählten Person auf. Traditionell gehört dazu die Anrufung des Heiligen Geistes mit dem "Veni Creator Spiritus".
Nach der Messe setzt sich die Prozession erneut in Bewegung. In manchen lokalen Formen folgt im Haus des Imperators eine "Descoroação". Entscheidend ist der zyklische Charakter: Die Krone kommt aus dem sozialen Raum in die Kirche, wird dort liturgisch bestätigt und kehrt anschließend in die Gemeinschaft zurück. Das Fest verbindet damit kirchliche Liturgie und autonome Bruderschaftspraxis, ohne dass eine Seite vollständig in der anderen aufgeht.
Die Prozessionszüge machen sichtbar, was vorher im Haus vorbereitet wurde. Fahne, Krone, Zepter, Blumen, festliche Kleidung, Foliões und Musikkapellen ordnen Menschen und Gegenstände in eine zeremonielle Folge. Das Dorf oder Stadtviertel wird für kurze Zeit zum Prozessionsraum. Straßen, die im Alltag Verkehrswege sind, verbinden nun Império, Haus, Pfarrkirche und Festplatz.
Solche Wege sind für die Einordnung als Wallfahrtskultur wichtig. Es handelt sich meist nicht um eine Fernwallfahrt zu einem einzigen Ziel, sondern um lokale und regionale Bewegungen innerhalb eines sakral aufgeladenen Netzes. Pilgern, Prozession und Nachbarschaftsweg gehen ineinander über. Der Vollzug lässt sich deshalb besser als bewegliche Kultlandschaft verstehen als mit dem Modell einer klassischen Gnadenstätte.
Zu den älteren beziehungsweise lokal überlieferten Vorbereitungsformen gehört die "procissão do vitelo". Die für das Fest bestimmten Rinder werden geschmückt und öffentlich vorgeführt, bevor die für Bodo und Mahlzeiten benötigten Tiere geschlachtet werden. Die Sichtbarkeit des Viehs erinnert daran, dass die festliche Speisung nicht erst in der Küche beginnt, sondern wirtschaftliche und rituelle Vorbereitung voraussetzt.
Nach dem Schlachten wird Fleisch für Suppe, Cozido und Alcatra vorbereitet, zugleich werden Portionen als Almosen verteilt. Historisch gehörten solche Fleischgaben zu den wertvollsten Teilen des Festes. Sie verbinden Opfer, Gabe, Haushaltswirtschaft und soziale Fürsorge auf eine Weise, die in industrialisierten städtischen Festkulturen nur noch selten so unmittelbar sichtbar ist.
Das gemeinsame Essen ist kein folkloristischer Zusatz zum eigentlichen Gottesdienst, sondern bildet einen Kern der Heilig-Geist-Feste. Auf Terceira begegnen Begriffe wie Bodo, Função und Jantar. Brot, Fleisch und Wein werden vorbereitet, gesegnet und verteilt; große Mahlzeiten versammeln Familien, Nachbarn, Gäste und Besucher. Die ältere Beschreibung betont ausdrücklich den Anspruch, dass Reiche und Arme, Einheimische und Fremde am Fest teilhaben können.
In dieser Praxis wird ein religiöses Ideal materiell. Der Segen des Heiligen Geistes äußert sich nicht ausschließlich in Gebet, sondern auch in Nahrung. Die Gabe muss zirkulieren. Wer Verantwortung für ein Fest übernimmt, organisiert nicht nur eine Prozession, sondern stellt Lebensmittel bereit, empfängt Gäste und beteiligt andere an seinem Gelübde oder seiner Stiftung. João Leal hat in seiner grundlegenden anthropologischen Untersuchung gezeigt, wie eng Gabe, Gegengabe, Prestige, Verwandtschaft, Nachbarschaft und religiöse Verpflichtung in diesen Festen verbunden sind.
Zu den charakteristischen Speisen gehören die Sopas do Espírito Santo. Auf Terceira wird Brot mit der kräftigen Brühe des gekochten Fleisches getränkt, häufig mit Kohl und Minze ergänzt und zusammen mit verschiedenen Fleischsorten serviert. Je nach Pfarre und Familie bestehen Unterschiede in Würzung und Zusammensetzung. Die scheinbar einfache Brotsuppe ist dadurch zugleich eine Erinnerungs- und Gemeinschaftsspeise.
Wichtig ist der rituelle Kontext. Die Sopas sind nicht einfach ein regionales Gericht, das zufällig bei religiösen Festen gegessen wird. Ihre Bedeutung entsteht aus der Situation des Bodo: gemeinsames Kochen, Austeilen, Essen und Bewirten. Wer nur nach dem Rezept fragt, erfasst deshalb lediglich einen Teil des Phänomens.
Neben den Sopas gehört auf Terceira die Alcatra zu den wichtigen Festgerichten. Fleisch wird langsam in traditionellen Gefäßen gegart und mit weiteren Speisen gereicht. Brot und Wein besitzen ebenfalls zentrale Funktionen. Gerade die Despensa des Império ist darauf ausgerichtet, diese Mengen zu lagern, vorzubereiten oder für die Verteilung bereitzuhalten.
Das Fest ist dadurch in ungewöhnlich konkreter Weise an Nahrungsmittel gebunden. Der sakrale Bau benötigt neben dem Altar einen funktionalen Wirtschaftsraum. Religionsgeschichte und Küchengeschichte lassen sich hier kaum voneinander trennen. Wer die Impérios nur als bunte Fassaden fotografiert, übersieht deshalb einen wesentlichen Teil ihrer Bedeutung.
Viele Impérios besitzen einen oder mehrere Nebenräume, auf Terceira meist "Despensa" genannt. Dort werden Geräte, Brot, Fleisch und Wein aufbewahrt oder die Speisen des Bodo vorbereitet. Die bauhistorische Untersuchung von Paula Noé zeigt, wie vielfältig die Verbindung zwischen Kultbau und Wirtschaftsraum sein kann. Despensas liegen unter dem Império, werden seitlich angebaut, flankieren ihn symmetrisch oder stehen als eigenes Gebäude etwas entfernt.
Besonders eindrucksvoll ist Porto Judeu de Baixo. Dort liegen Teile der Despensa unter und seitlich neben dem Império, sodass die symmetrischen Seitenbereiche gemeinsam mit dem Kultbau eine beinahe klassisch komponierte Fassade erzeugen. Gerade dieses Beispiel zeigt, dass Funktionsarchitektur und Festarchitektur nicht getrennt betrachtet werden können. Der Ort für Brot, Fleisch und Wein ist architektonisch Teil der religiösen Anlage.
Eine der außergewöhnlichsten Votivtraditionen Terceiras ist der Alfenim. Diese weiße, opake Zuckermasse wird aus Zucker, Wasser und etwas Essig hergestellt, gezogen und im warmen Zustand geformt. Die Technik hat ältere mediterrane beziehungsweise arabische Wurzeln; auf den Azoren blieb sie besonders auf Terceira und Graciosa lebendig. Im Umfeld der Heilig-Geist-Feste wird Alfenim nicht nur als Süßigkeit, sondern ausdrücklich als religiöse Gelübdegabe verwendet.
Geformt werden Tauben, Kronen, Blumen, Tiere, ganze menschliche Figuren und einzelne Körperteile. Wer nach Krankheit Hilfe erfahren hat oder um Heilung bittet, kann etwa eine Hand, einen Arm, ein Bein, einen Kopf oder eine vollständige menschliche Figur aus Zucker versprechen. Damit übernimmt Alfenim eine Funktion, die in anderen Wallfahrtsgebieten Wachs-, Silber- oder Holzvotive besitzen. Das Leiden des Körpers erhält eine plastische Form und wird als Gabe zum Heiligtum beziehungsweise Império gebracht.
Alfenim ist volkskundlich besonders faszinierend, weil die Votivgabe nicht dauerhaft am Kultort verbleiben muss. Die Stücke können im Império angeboten und versteigert beziehungsweise "arrematado" werden; der Erlös kommt der Festorganisation zugute. Ein Objekt, das zunächst das kranke Körperteil oder die erfüllte Bitte symbolisiert, verwandelt sich dadurch in finanzielle Unterstützung für das gemeinsame Fest und kann anschließend gegessen werden.
Hier schließen sich Gelübde, Gabe und Nahrung unmittelbar zusammen. Während ein Wachsvotiv oft über Jahrzehnte an einer Wand hängt, ist das Zuckervotiv von vornherein vergänglich. Seine religiöse Bedeutung liegt nicht in dauernder musealer Erhaltung, sondern im Vollzug des Versprechens und in seiner Weitergabe. Gerade diese Flüchtigkeit macht Alfenim zu einem besonders eindrucksvollen Beispiel materieller Volksfrömmigkeit.
Die heute bekannten Impérios Terceiras sind das Ergebnis einer langen baulichen Entwicklung. Frühere "Treatros" konnten aus einfachen hölzernen Podesten und provisorischen Konstruktionen bestehen, die während der Festzeit mit Laub, Tüchern und Schmuck versehen wurden. Darauf wurde ein Altar für Krone und Fahne errichtet. Mit wachsender wirtschaftlicher Kraft der Bruderschaften entstanden aufwendigere, teilweise noch immer demontierbare Holzbauten.
Erst später setzte sich der feste gemauerte Império durch. Deshalb darf das hohe Alter des Heilig-Geist-Kultes nicht mit dem Alter der heute sichtbaren Gebäude verwechselt werden. Viele der besonders charakteristischen farbigen Fassaden gehören erst in das 19. oder frühe 20. Jahrhundert. Die Tradition ist alt, ihre sichtbarste Architektur dagegen häufig vergleichsweise jung.
Der typische Terceira-Império ist klein, erhöht und über eine Treppe erreichbar. Die Hauptfassade besitzt meist drei Öffnungen: in der Mitte das Portal, seitlich zwei Fenster. Die bauhistorische Untersuchung zählt verschiedene Bogenformen, darunter polylobierte, gedrückte, spitzbogige und kielbogenartige Abschlüsse. Schmiedeeiserne Brüstungen und reich profilierte Rahmungen geben den kleinen Gebäuden eine überraschend repräsentative Wirkung.
Der erhöhte Zugang hebt den Kultbau aus dem Alltagsniveau heraus. Gleichzeitig erlaubt die große Befensterung, Krone, Altar und Blumenschmuck von außen wahrzunehmen. Der Império ist damit kein abgeschlossener Innenraum wie eine kleine Dorfkapelle, sondern beinahe eine Schaustellung des Kultes zur Straße hin.
Besonders charakteristisch sind die oft reich geschwungenen Giebel. Paula Noé unterscheidet mehrere Typen; am häufigsten erscheint der Fronton, vielfach als frei geformter, dekorativer Abschluss. Darüber oder im Tympanon sitzen Krone, Taube, Kreuz oder Inschriften. Die Farbe verstärkt die plastische Gliederung und lässt selbst kleine Gebäude im Straßenraum deutlich hervortreten.
Die religiöse Symbolik ist dadurch schon von weitem lesbar. Eine Krone auf dem Giebel bezeichnet das Gebäude nicht nur als Bruderschaftshaus, sondern macht die Herrschaft des Divino zum architektonischen Zeichen. Wo ein Kreuz den oberen Abschluss bildet, kann die Taube im Tympanon erscheinen. Die Variation zeigt, dass der Typus fest genug für Wiedererkennung, zugleich aber offen für lokale Gestaltung ist.
Die kräftigen Farbfassungen gehören heute zu den auffälligsten Merkmalen der Impérios. Rot, Blau, Grün, Gelb und andere Töne gliedern Kanten, Bogenformen, Gesimse und Ornamente. Diese Farbigkeit ist nicht bloß touristische Dekoration. Schon ältere Holzbauten wurden farbig gefasst; die späteren Steinbauten übernahmen und steigerten dieses Prinzip.
Die einzelnen Irmandades entwickeln dadurch eine visuelle Identität. Farben können bei Renovierungen verändert werden, doch die Tendenz zur deutlichen Absetzung vom umgebenden Wohnbau bleibt charakteristisch. Gerade auf Terceira erreicht der Typus eine architektonische Vielfalt und dekorative Dichte, die João Leal und andere Forscher als besonders ausgeprägt innerhalb der Azoren hervorheben.
Viele Impérios tragen gut sichtbare Jahreszahlen. Für die historische Datierung ist dennoch Vorsicht notwendig. Eine Jahreszahl kann an die Gründung der Irmandade erinnern und muss nicht das Baujahr des heute sichtbaren Gebäudes bezeichnen. Bei Umbauten und Neubauten wurden ältere Daten teilweise bewusst auf die neue Fassade übertragen, um die historische Kontinuität der Bruderschaft zu zeigen.
Das bekannteste Beispiel ist der Império do Outeiro in Angra do Heroísmo. Zwei Fliesen über dem Portal tragen die Jahreszahl 1670. Die bauhistorische Forschung deutet diese Zahl als Erinnerung an die Gründung der Irmandade; das genaue Alter des bestehenden Baukörpers ist unbekannt und könnte erst in das 19. Jahrhundert gehören. Deshalb wäre die häufige Aussage, hier stehe ein unverändert erhaltener Império von 1670, zu weitgehend.
Der Império do Outeiro da Conceição ist einer der traditionsreichsten Heilig-Geist-Orte Terceiras. Die Irmandade führt ihre Geschichte auf 1670 zurück und besitzt dadurch besondere historische Autorität. Überlieferungen verbinden ihre Krone zudem mit königlichen Privilegien. Für das Verständnis des Ortes ist jedoch wichtiger, die Geschichte der Bruderschaft von der Geschichte des Gebäudes zu trennen.
Mit Outeiro sind auch Erinnerungen an die vulkanische Krise von 1761 verbunden. Während des Ausbruchs wurden auf Terceira Prozessionen veranstaltet, in denen neben Heiligenbildern auch Heilig-Geist-Kronen durch die bedrohten Gebiete getragen wurden. Diese Katastrophenfrömmigkeit zeigt, dass die Krone außerhalb des regulären Festzyklus als Schutzzeichen mobilisiert werden konnte.
Der Império dos Quatro Cantos in Angra do Heroísmo gehört zu den besonders gut dokumentierten Beispielen. Die Irmandade wurde 1810 gegründet; das heute sichtbare Gebäude wurde später erneuert beziehungsweise 1916 neu gefasst. Seine Statuten von 1868 gehören zu den frühesten erhaltenen Bruderschaftsstatuten auf Terceira. Damit lässt sich hier nicht nur Architektur, sondern auch institutionelle Geschichte außergewöhnlich gut nachvollziehen.
Die Bruderschaft feiert ihr großes Fest am Dreifaltigkeitssonntag. Rosenkranz, Prozession, Messe mit Coroação, Bodo und Almosenverteilung verbinden den kleinen Bau mit der Kathedrale von Angra und den umliegenden Straßen. Quatro Cantos eignet sich deshalb besonders gut als anschauliches Beispiel dafür, wie ein urbaner Império in das religiöse Leben einer größeren Stadt eingebunden ist.
Beim Império de Porto Judeu de Baixo wird die funktionale Doppelstruktur von Kult und Versorgung besonders sichtbar. Die Despensa liegt teilweise unter und seitlich neben dem Império. Ihre symmetrischen Fassadenteile verbinden sich mit dem zentralen Kultbau zu einem einheitlich wirkenden Ensemble. Die Baugestaltung zeigt damit unmittelbar, dass das Fest nicht nur einen Altar, sondern auch Vorräte, Geräte und Arbeitsräume benötigt.
Volkskundlich erschließt sich dieser Ort erst vollständig, wenn neben der Front des Império auch die Despensa berücksichtigt wird. Erst beide Gebäude zusammen lassen erkennen, wie religiöse Repräsentation und Festwirtschaft architektonisch miteinander verzahnt sind.
Der Império der Serreta zeigt, wie frei der lokale Bautyp variiert werden konnte. Seine Fassade ist leicht konvex, der Giebel besitzt eine dreifache Ausformung. Solche Varianten widerlegen die Vorstellung einer überall identischen "Miniaturkirche". Die Impérios folgen einem erkennbaren Grundschema, erlauben aber beträchtliche lokale Kreativität.
Gerade diese Mischung aus Regel und Variation ist kulturgeschichtlich aufschlussreich. Fensterformen, Giebel, Treppen, Farbsysteme, Datierungen und Nebenbauten können von Ort zu Ort wechseln und machen neben der religiösen Praxis auch die Typologie dieser Volksarchitektur sichtbar.
Obwohl Krone, Zepter, Fahne und Taube die wichtigsten Kultzeichen sind, besitzen einzelne Impérios zusätzliche Heiligenbilder. Beim Império dos Marítimos befindet sich im Nischenbereich Nossa Senhora da Boa Viagem, begleitet von Santo António und Santa Bárbara. Die Auswahl verweist deutlich auf maritime Gefahren, Reise, Schutz und Wetter.
Solche zusätzlichen Bilder verändern den Grundcharakter des Heilig-Geist-Kultes nicht, zeigen aber, wie lokale Berufsgruppen und Schutzbedürfnisse in das System aufgenommen werden können. Der Império wird damit zum Träger mehrerer religiöser Bezüge, ohne dass die zentrale Stellung des Divino verloren geht.
Am Império von São Sebastião finden sich neben der allgemeinen Heilig-Geist-Symbolik auch Darstellungen, die unmittelbar auf den Bodo und die Festgaben verweisen. Solche Dekorationen sind besonders aufschlussreich, weil sie Lebensmittel und Festpraxis selbst in die Fassade einschreiben. Brot, Gefäße oder andere Hinweise auf die gemeinschaftliche Speisung gehören damit zur religiösen Ikonographie des Baues.
Das bestätigt nochmals, dass der Bodo nicht als nachträgliches Volksfest neben einem "eigentlichen" Kult verstanden werden sollte. Architektur, Ritual und Nahrung bilden ein zusammenhängendes System. Der sakrale Sinn des Império liegt gerade in dieser Verbindung.
Unter den von Paula Noé hervorgehobenen Nebenbauten besitzt die Despensa des Império das Lajes eine besonders ausgearbeitete Fassade. Steinrahmungen, profilierte Partien und dekorative Elemente geben dem Vorrats- und Arbeitsraum eine gestalterische Würde, die weit über reine Zweckarchitektur hinausgeht. Auch hier wird sichtbar, dass die Verteilung von Brot, Fleisch und Wein einen repräsentativen Rang besitzt.
Für eine kunsthistorische Betrachtung sind solche Nebengebäude deshalb keineswegs zweitrangig. Sie zeigen, wie die Gemeinschaft jene Tätigkeiten architektonisch aufwertet, ohne die das Fest nicht stattfinden könnte. Speisung und Gabe erhalten einen eigenen Raum.
Die Geschichte der Azoren ist von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Stürmen geprägt. Wie an anderen Inselheiligtümern reagierten auch die Heilig-Geist-Bruderschaften auf Naturkatastrophen mit Prozessionen und Gelübden. Für den Vulkanausbruch von 1761 auf Terceira sind Überlieferungen von Prozessionen bekannt, bei denen Kronen des Espírito Santo zusammen mit weiteren Kultbildern durch die gefährdeten Gebiete getragen wurden.
Die Krone wurde damit zum beweglichen Schutzzeichen in einer existenziellen Krise. Das ist religionsgeschichtlich wichtig, weil es den Kult aus dem regelmäßigen Festkalender herausführt. In Katastrophenzeiten konnte die Gemeinschaft ihre heiligsten Insignien mobilisieren und in die bedrohte Landschaft tragen. Ähnliche Mechanismen begegnen auf den Azoren bei Erdbeben-, Vulkan- und Sturmgelübden immer wieder.
Viele Feste und Gaben stehen in Zusammenhang mit einer "promessa", einem Gelübde. Eine Familie kann die Durchführung eines Festes, eine Speisung, eine Krönung oder eine materielle Gabe versprechen, wenn Hilfe erfahren oder eine Gefahr überstanden wird. Solche Versprechen verbinden individuelles Schicksal mit öffentlicher Gemeinschaft. Was zunächst aus Krankheit, Emigration oder persönlicher Sorge entsteht, wird später für viele Menschen sichtbar und teilbar.
Gerade in der Verbindung von privater Motivation und öffentlichem Fest liegt ein zentraler Mechanismus der Tradition. Ein Gelübde wird nicht ausschließlich im stillen Gebet erfüllt. Es kann Vieh, Brot, Wein, Alfenim, Arbeitszeit, Musik, Prozession und Bewirtung mobilisieren und dadurch ein weit größeres soziales Netz aktivieren als die ursprünglich betroffene Familie.
Die starke azoreanische Emigration veränderte die Heilig-Geist-Feste grundlegend. João Leal konnte für Santa Bárbara auf Santa Maria zeigen, dass seit den 1960er Jahren zahlreiche Impérios gerade von Auswanderern versprochen und finanziert wurden. Ähnliche transatlantische Mechanismen prägen die Heilig-Geist-Kultur der Azoren insgesamt und sind auch für Terceira wichtig. Emigration bedeutete daher nicht notwendig das Ende lokaler Feste, sondern konnte Geld, Prestige und neue Teilnehmer in die Herkunftsgemeinden zurückbringen.
Auswanderer richten ihre Urlaubsreisen nach Festterminen aus, finanzieren Gebäude oder Festteile und übertragen die Tradition zugleich in neue Heimatorte. Dadurch entstehen zwei Bewegungen: Die Feste reisen mit den Menschen nach Nordamerika, und die Emigranten kehren für Feste auf die Insel zurück. Der Heilige Geist wird zu einem transatlantischen Symbol von Herkunft und Zugehörigkeit.
Mit der azoreanischen Migration entstanden besonders in Neuengland, Kalifornien und Kanada neue Heilig-Geist-Bruderschaften. Dort wurden Kronen angeschafft, "Holy Ghost"-Feste organisiert und teilweise Gebäude errichtet, die sich ausdrücklich auf die azoreanischen Impérios beziehen. João Leal beschreibt diesen Prozess nicht als bloße Kopie, sondern als Übersetzung einer Tradition in neue gesellschaftliche Verhältnisse.
In der Diaspora können einzelne Elemente stärker hervortreten oder verändert werden. Gleichzeitig dienen die Feste dazu, Verwandtschaft, Herkunftsgemeinde und azoreanische Identität öffentlich sichtbar zu machen. Die Kultur der Impérios ist daher heute nicht mehr auf den Archipel beschränkt. Ihr Zentrum bleibt auf Inseln wie Terceira erkennbar, ihr sozialer Raum ist jedoch transatlantisch geworden.
Ein besonders anschauliches Ergebnis der Emigration ist die Verschiebung von Festen aus der traditionellen Oster- und Pfingstzeit. Wenn Auswanderer nur während der Sommerferien nach Hause kommen konnten, wurden manche versprochenen Feste außerhalb der üblichen liturgischen Saison veranstaltet. In der Forschung werden solche Feiern als "Impérios fora do tempo" bezeichnet.
Diese Verschiebung zeigt, dass Tradition nicht mit starrer Unveränderlichkeit verwechselt werden darf. Gerade weil der religiöse und familiäre Sinn erhalten werden sollte, passte man den Kalender an moderne Mobilität an. Die Flexibilität trug zur Fortdauer des Kultes bei.
Die öffentlich sichtbaren Funktionen des Festes wurden historisch oft stärker männlich beschrieben: Imperator, Mordomos, Vieh, Prozessionsordnung oder Bruderschaftsämter. Ein großer Teil der tatsächlichen Festarbeit findet jedoch in Haushalten und Küchen statt. Backen, Kochen, Dekorieren, Reinigen, Vorbereitung von Tischen und Speisen sowie Betreuung von Gästen sind ohne umfangreiche Familien- und Nachbarschaftsarbeit nicht denkbar.
Volkskundlich sind deshalb nicht nur Prozessionsspitzen und gekrönte Kinder von Bedeutung. Ebenso wichtig sind jene Arbeitsschritte, durch die Bodo und Função überhaupt möglich werden. Die religiöse Gemeinschaft wird nicht nur vor dem Altar, sondern über Stunden und Tage bei gemeinsamer Arbeit hergestellt.
Kinder und Jugendliche treten bei der Coroação und in Prozessionen auffällig hervor. Die Krönung eines Kindes verbindet kaiserliche Insignien mit dem Motiv der Unschuld. Junge Teilnehmer können Krone, Zepter oder Salva tragen und durch weiße Kleidung besonders hervorgehoben werden.
Dadurch werden Kinder nicht bloß als Zuschauer in eine Tradition eingeführt, sondern übernehmen sichtbare rituelle Rollen. Das Fest reproduziert sich generationell im Vollzug. Erinnerung entsteht nicht nur dadurch, dass Erwachsene erklären, wie es früher war, sondern indem junge Menschen in Prozession, Musik, Küche und Bruderschaft hineingezogen werden.
Die Impérios gehören eindeutig zum katholischen religiösen Leben, besitzen aber eine ungewöhnlich starke Laienorganisation. Die Irmandades verwalten Gebäude und Feste, während Priester besonders bei Segnungen, Messe und Coroação beteiligt sind. Diese Arbeitsteilung führte historisch immer wieder zu Aushandlungen darüber, welche Praktiken kirchlich, bruderschaftlich oder lokal geregelt werden.
Gerade diese Zwischenstellung erklärt einen Teil der Vitalität. Der Kult ist weder vollständig von der Pfarrkirche abhängig noch von ihr getrennt. Die Bruderschaften können lokale Formen bewahren und verändern, während die zentralen sakramentalen Handlungen in die kirchliche Liturgie eingebunden bleiben.
Touristische Kurztexte beschreiben die Impérios gern als kleine Kapellen. Das ist verständlich, aber funktional zu grob. Sie besitzen zwar Altar, religiöse Insignien, Fassadensymbolik und mitunter Heiligenbilder, dienen jedoch einem zyklischen Festbetrieb, der von Bruderschaft und Verteilung geprägt ist. Ihre Rolle lässt sich deshalb besser als Kult-, Schatz-, Versammlungs- und Repräsentationshaus des Divino Espírito Santo verstehen.
Die Nähe zur Despensa unterstreicht diese Besonderheit. Eine gewöhnliche Kapelle benötigt keinen eigenen Fleisch-, Brot- und Weinvorratsraum als integralen Bestandteil ihres religiösen Systems. Beim Império gehört genau diese Verbindung zum Wesen des Ortes.
Krone, Zepter und Imperator könnten auf den ersten Blick eine hierarchische Ordnung ausdrücken. Gleichzeitig gehören Gleichheit der Gäste, Almosen, gemeinsames Essen und die Verpflichtung zur Gabe zu den zentralen Idealen des Festes. Diese Spannung ist keine moderne Erfindung, sondern Teil der historischen Symbolik des Heilig-Geist-Kultes.
Gerade deshalb wurde immer wieder versucht, die Feste mit mittelalterlichen Utopien einer zukünftigen Heilig-Geist-Zeit zu verbinden. Historisch ist eine direkte Genealogie schwer zu beweisen. Ritualanalytisch bleibt jedoch auffällig, dass höchste Herrschaftszeichen ausgerechnet dazu dienen, eine zeitweilige Gemeinschaft des Teilens zu inszenieren.
Die Impérios sind bedeutende Werke regionaler Architektur, doch eine rein kunsthistorische Betrachtung wäre unvollständig. Ihre Form erklärt sich aus ihrer Nutzung. Die erhöhte Plattform präsentiert den Altar, die drei Öffnungen machen das Innere sichtbar, der Giebel trägt die religiösen Zeichen, die Treppe ermöglicht den zeremoniellen Zugang und die Despensa versorgt die Festgemeinschaft.
Auch die Farben sind mehr als Ornament. Sie markieren Zugehörigkeit und verleihen dem kleinen Gebäude öffentliche Präsenz. Während große Kathedralen Monumentalität durch Masse erzeugen, erreichen die Impérios Aufmerksamkeit durch Farbe, Rhythmus und Verdichtung von Symbolen.
Viele Impérios wurden im Lauf ihrer Geschichte erneuert, umgebaut oder nach Schäden wiederhergestellt. Das Erdbeben von 1980 auf Terceira führte bei zahlreichen Gebäuden zu Reparaturen und Veränderungen. Auch unabhängig von Katastrophen werden Fassaden regelmäßig neu gestrichen, Treppen angepasst und Nebenräume modernisiert.
Authentizität bedeutet daher nicht, dass jeder Stein seit der Gründung der Irmandade unverändert vorhanden ist. Die Kontinuität liegt vielmehr im Zusammenspiel von Bruderschaft, Kultinsignien, Festpraxis und Ort. Gerade die übertragenen Jahreszahlen an Neubauten zeigen, dass die Gemeinschaft selbst historische Kontinuität anders definieren kann als die Denkmalpflege.
Die Heilig-Geist-Feste auf Terceira sind kein museal konserviertes Relikt. Die Impérios werden gepflegt, geöffnet und geschmückt, Irmandades organisieren Feste, Lebensmittel werden verteilt, Kronen getragen und Gelübde erfüllt. Gleichzeitig verändern Tourismus, Auswanderung, moderne Lebensmittelproduktion, Vereinsrecht und neue Vorstellungen von Hygiene oder Tierschutz einzelne Praktiken.
Gerade diese Veränderungsfähigkeit gehört zur Lebendigkeit der Tradition. Entscheidend sind deshalb die historischen Schichten: frühe Bruderschaften, hölzerne Treatros, steinerne Impérios, Bruderschaftsstatuten, Auswandererfeste, heutige Veranstaltungen und neue Formen der Vermittlung.
Für die Erforschung der Impérios ist nicht nur die Fassadengestaltung wichtig, sondern jeweils die gesamte Anlage mit Giebel, Jahreszahl, Krone, Taube, Fensterformen, Treppe, Innenaltar und Despensa. Während der Festzeit sind außerdem Coroação, Prozession, Blumenschmuck, Foliões, Speisenzubereitung, Brot- und Fleischverteilung sowie Alfenim-Votive besonders aussagekräftig.
Die Insel bietet damit die seltene Möglichkeit, materielle und immaterielle Kultur unmittelbar miteinander zu verbinden. Ein Foto des Gebäudes erklärt den Kult nicht; ein Foto der Prozession ohne architektonischen Zusammenhang bleibt ebenfalls unvollständig. Erst die Verbindung beider Ebenen lässt erkennen, wie die Heilig-Geist-Kultlandschaft funktioniert.
Die Impérios do Divino Espírito Santo auf Terceira gehören zu den eindrucksvollsten Beispielen dafür, dass Wallfahrt und Volksfrömmigkeit nicht zwingend um einen einzelnen heiligen Ort organisiert sein müssen. Das Heilige bewegt sich in Form der Krone zwischen Gebäuden und Menschen. Ein Wohnzimmer wird zum Andachtsraum, eine Straße zum Prozessionsweg, eine Despensa zum notwendigen Teil einer religiösen Anlage, ein Stück Zucker zum anatomischen Votiv und ein gemeinsames Essen zum Ausdruck geistlicher und sozialer Ordnung.
In diesem System greifen Religion, Verwandtschaft, Nachbarschaft, Ernährung, Architektur, Musik, Gelübde, Migration und Erinnerung ineinander. Der Império ist daher weder bloß Kapelle noch Vereinslokal; der Bodo weder bloß Festessen noch Armenpflege; die Krone weder bloß Schmuck noch Reliquie. Die Bedeutung entsteht aus dem Zusammenspiel. Gerade deshalb bilden die Impérios eine eigenständige Form atlantischer katholischer Kultur, die sich nicht sinnvoll auf eine einzige Kategorie reduzieren lässt.
Die lange Geschichte der Heilig-Geist-Frömmigkeit auf Terceira reicht von den frühen Bruderschaften des ausgehenden 15. Jahrhunderts über die dokumentierte Krone von 1523, die Entwicklung hölzerner und später gemauerter Impérios, die Festordnungen des 19. Jahrhunderts und die farbige Architektur des 20. Jahrhunderts bis zur heutigen transatlantischen Festkultur. Trotz aller Veränderungen blieb ein Grundprinzip erstaunlich stabil: Der Segen des Divino soll nicht eingeschlossen bleiben, sondern zirkulieren.
Er zirkuliert als Krone zwischen Häusern, als Prozession durch Straßen, als Brot und Fleisch zwischen Menschen, als Geldgabe und Almosen, als Votiv aus Zucker und schließlich mit den Auswanderern zwischen Terceira und Nordamerika. In diesem Sinn ist das eigentliche "Heiligtum" der Impérios größer als jedes einzelne Gebäude. Es besteht aus einem Netz von Orten, Gegenständen, Handlungen und Beziehungen, das sich jedes Jahr neu bildet.
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Zusammenstellung: SAGEN.at. Historische Angaben wurden nach Möglichkeit quellenkritisch von späteren Überlieferungen und Deutungen getrennt. Die Impérios bilden keinen einzelnen Wallfahrtsort im engeren Sinn, sondern eine inselweite Heilig-Geist-Kultlandschaft.
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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