Pucking, Filialkirche St. Leonhard bei Pucking

Von Pucking ca. eine halbe Stunde nach Süden; die Straße ist mit Wegweisern gekennzeichnet.
1405 übergab Seibot II. v. Volkenstorf, dessen Familie in der Gegend reich begütert war, dem Pfarrer Hans Heyberger von Pucking seine "neu erbaute Kapelle zu St. Leonhard bei dem Sippbach". Es dürfte aber schon vorher hier eine Kapelle gestanden haben. 1549 geschah die Vergrößerung und der Ausbau der Kirche; die barocke Innenausstattung erfolgte 1720/21. Diese Kirche wurde unter Kaiser Josef II. nicht aufgehoben. Allerdings wurde 1785 in der Wienerischen Kirchen-Zeitung die Aufrechterhaltung des Aberglaubens bei dieser Kirche getadelt: Es wurde des Monats nur einmal Messe gelesen, und zwar an einem Sonntag, wenn der Mond vor 9 Uhr neu wurde; geschah dies erst später, so wurde der Gottesdienst auf den folgenden Sonntag verschoben. Die Außenseite der Kirche ist mit Hufeisen geschmückt, die zu verschiedenen Motiven angeordnet sind, auch Wagenräder sind angebracht.

Das Langhaus trägt ein Kreuzrippengewölbe; an der Nordwand sind noch die gotischen Maßwerkfenster erhalten, während die Fenster der Südwand barockisiert sind. Auf Wänden und Decke ist reicher Freskenschmuck zu sehen; diese wurden 1946 entdeckt und 1946/47 restauriert. Besonders eindrucksvoll ist der Erzengel Michael als Seelenwäger und Maria im Strahlenkranz, auf einer Mondsichel stehend, die ein vollkommenes Gesicht hat. Der barocke Hochaltar und die barocke Kanzel stammen aus dem Jahre 1720, der Seitenaltar von 1721, alles von Johann Georg Derfler geschaffen. An der nördlichen Langhauswand befindet sich eine "Thronende Maria mit Kind"; wahrscheinlich nach einem gotischen Vorbild gearbeitet. Zwischen Langhaus und Seitenschiff steht eine spätgotische Statue des hl. Leonhard aus der Zeit um 1490, in sehr klobiger, eigenwilliger Darstellung und doch scheint diese Statue zu leben.

Kultgegenstand: Gemälde auf dem Hochaltar: Hl. Leonhard auf Wolken sitzend, ein Engel trägt ihm die Fesseln, darunter fünf in einem Kerker angeschmiedete Männer. Die vorhin erwähnte Statue des Heiligen dürfte der alte Kultgegenstand sein.

Legende: Vier Volkerstorfer waren auf einem Kriegszug in türkische Gefangenschaft geraten und gelobten, wenn sie befreit würden, je eine Kirche zu erbauen, was sie auch hielten; auf diese Weise sind die Kirchen in Berg, St. Leonhard, Nöstlbach und Zeitlham entstanden.

Wallfahrt: Früher Abwehr von Viehkrankheiten, hauptsächlich bei Pferden; viele Hufeisenopfer (für ein geheiltes Pferd ein Paar Hufeisen); besonders aus der Umgebung. — Jetzt nur noch zu Leonhardi; seit 1945 Reitergruppe, Umritte, doch blieben die Reitergruppen 1970 aus. Während des ganzen Jahres starker Besuch, doch vor allem von Kunstinteressierten.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.


Lage: bei Sankt Leonhard 16, 4055 Pucking.
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Web: Pfarrgemeinde Pucking
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Literatur zur Wallfahrt:
  - W. Luger, St. Leonhard b. Pucking; K. Braunschmid, F. Juraschek, F. Pfeffer, St. Leonhard bei Pucking, in Oö. Heimatblätter, Jgg. 1 (1947) H. 1.
   
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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