| Wallfahrt: | Seit dem späten Mittelalter belegte Wallfahrt nach St. Margarethen; seit dem 17. Jahrhundert bedeutender Linzer Kalvarienberg mit von den Jesuiten geförderten Buß- und Kreuzwegprozessionen, Marienwallfahrt und Heilbrunn. Heute vor allem Kreuzweg-, Passions- und Marienandacht. |
| Status: | Historisch bedeutender Wallfahrtsort; heute Pfarrkirche und lebendiger Kreuzweg- und Andachtsort. |
| Kultzentrum: | Kalvarienberg mit Kreuzweg und Kreuzigungsgruppe, Maria-Thal-Kapelle mit gotischer Wallfahrtsmadonna, Heiliges Grab und historisch die Quellkapelle Maria Heilbrunn sowie die nicht erhaltene Heilige Stiege. |
| Ort: | Linz-St. Margarethen. |
| Bezirk/Region: | Linz / oberösterreichischer Zentralraum. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Zaubertalstraße 9a, 4020 Linz. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Linz und OÖ Zentralraum |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Linz-St. Margarethen |
| • | Öffnungszeiten: Kreuzweg und Außenanlagen sind im Rahmen der öffentlichen Wege zugänglich. Für die Besichtigung der Pfarrkirche und der Maria-Thal-Kapelle empfiehlt sich der Besuch zu Gottesdiensten, Andachten und Veranstaltungen beziehungsweise eine vorherige Anfrage bei der Pfarrgemeinde. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Kalvarienbergkirche, der Gesamtverlauf des Kreuzwegs, einzelne Stationskapellen und Reliefs, die Helenakapelle, die Kreuzigungsgruppe, das Heilige Grab, die Maria-Thal-Kapelle mit der gotischen Wallfahrtsmadonna, Maria Heilbrunn mit Lourdesgrotte und Quelle, historische Inschriften sowie Kreuzweg-, Karwochen- und Marienandachten.
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Die Kalvarienbergkirche St. Margarethen liegt westlich der Linzer Innenstadt am steilen, zur Donau abfallenden Hang des Freinbergs, unmittelbar am Eingang in das Zaubertal. Kirche, Kreuzweg, Heiliges Grab, Maria-Thal-Kapelle und die weiter unten gelegene Quellkapelle Maria Heilbrunn bilden keine zufällige Ansammlung einzelner Andachtsstätten, sondern eine historisch gewachsene sakrale Landschaft. Über Jahrhunderte kamen hier Passionsfrömmigkeit, Marienverehrung, Quellbrauch, Bußprozessionen und Wallfahrt zusammen. Die heutige Pfarrkirche trägt das Patrozinium der Kreuzauffindung und steht an der Stelle des frühneuzeitlichen Linzer Kalvarienbergs; die ältere Margarethenkirche am Donauufer, von der der Ort seinen Namen erhielt, besteht nicht mehr.
St. Margarethen gehört zu den ältesten und bedeutendsten historischen Wallfahrtsorten im Stadtgebiet von Linz. Die große überörtliche Wallfahrt früherer Jahrhunderte ist heute nicht mehr in derselben Form vorhanden, doch der religiöse Gebrauch der Anlage ist keineswegs erloschen. Kreuzwegandachten, Kinderkreuzwege, Maiandachten in der Maria-Thal-Kapelle, Gottesdienste und andere pfarrliche Feiern halten wesentliche Elemente der älteren Frömmigkeit lebendig. Für die Geschichte der Wallfahrt ist deshalb zwischen dem einst stark besuchten Wallfahrtszentrum und dem heutigen Pfarr- und Andachtsort zu unterscheiden.
Die Wallfahrtsgeschichte von St. Margarethen beginnt nicht erst mit dem Kalvarienberg des 17. Jahrhunderts. Am Donauufer stand eine der hl. Margaretha geweihte Kirche, die 1381 urkundlich genannt wird. Bereits wenige Jahre später ist eine besondere Förderung ihres Besuchs durch Ablässe belegt. Damit gehört die religiöse Anziehungskraft des Ortes noch in das späte Mittelalter. Die ältere Kirche lag wesentlich tiefer als die heutige Kalvarienbergkirche und war durch ihre unmittelbare Nähe zum Fluss immer wieder von Hochwasser betroffen. Nach wiederholten Schäden endete ihre Geschichte in den 1780er Jahren; ein Wiederaufbau erfolgte nicht.
Um diese alte Kirche und die später hinzutretenden Andachtsstätten entwickelte sich ein ganzer Wallfahrtsbezirk. Die mittelalterliche Margarethenverehrung wurde in der frühen Neuzeit zunehmend von Passions- und Marienfrömmigkeit überlagert. Gerade diese Überlagerung ist für St. Margarethen charakteristisch: Nicht ein einzelnes Gnadenbild oder eine einzige Wundererzählung bestimmten den Ort, sondern mehrere Kultzentren, die miteinander durch Wege, Prozessionen und wiederkehrende Andachtsformen verbunden waren.
Die entscheidende Neuformung des Ortes begann unter dem Einfluss der Linzer Jesuiten. Für das Jahr 1600 ist eine von ihnen veranstaltete Wallfahrt nach Margarethen überliefert; 1608 bestand bereits ein Kreuzweg. Damit erhielt der Hang über der Donau eine neue religiöse Topographie, die das Leiden Christi nicht nur im Kirchenraum, sondern in der Landschaft nachvollziehbar machte. Der Weg führte vom Bereich der Donaulände bergwärts und verband einzelne Stationen mit dem Ziel auf der Anhöhe.
Zwischen 1651 und 1654 wurde auf Initiative des Jesuitenpaters Philibert Boccabella die Kalvarienbergkirche errichtet. Gleichzeitig wurde die Stationsanlage ausgebaut: 1654 entstanden sieben feste Kreuzwegstationen, 1656 kamen weitere hinzu, 1657 wurde der Weg in den Felsen gearbeitet und bis zum Gipfel fortgeführt. 1658 war der Kreuzweg im Wesentlichen vollendet, 1663 wurden die Stationen mit Eisengittern versehen und geweiht. 1659 bis 1660 entstand neben der Kirche eine Kapelle des Heiligen Grabes. Aus einem Weg der Andacht war damit eine aufeinander abgestimmte Passionslandschaft geworden, in der die Gläubigen den Leidensweg Christi körperlich zurücklegten und an mehreren Stationen betrachteten.
Die Wallfahrt auf den Linzer Kalvarienberg war im 17. und 18. Jahrhundert eng mit den von den Jesuiten betreuten religiösen Bruderschaften verbunden. Besonders wichtig waren die Bürgerkongregation und die sogenannte Agonia- oder Todesangst-Sodalität. Deren Präses erscheint in den jesuitischen Jahreskatalogen zugleich als "curator Montis Calvariae", also als Betreuer des Kalvarienbergs. Die Anlage war damit nicht nur ein beliebtes Ziel spontaner Frömmigkeit, sondern wurde institutionell gepflegt, liturgisch genutzt und in die Seelsorge der Jesuiten eingebunden.
Vor allem in der Fastenzeit zogen große Gruppen in Bußprozessionen zum Kalvarienberg. Für 1662 ist eine Prozession von rund 1.200 Mitgliedern der Agonia-Sodalität belegt, die Kreuze mitführten. Das Kreuztragen war dabei keine bloße Nachahmung einer biblischen Szene, sondern eine körperlich erfahrbare Form der Buße und des Gebets. Die Steigung des Weges, die Stationen, das Mittragen von Kreuzen, gemeinsames Gebet und der abschließende Aufenthalt bei Kreuzigung und Grab machten die Passionsgeschichte im Stadtraum begehbar.
Wie bewusst diese Frömmigkeit angeleitet wurde, zeigen eigens für den Linzer Kalvarienberg gedruckte Andachtsbücher. Die Jesuiten ließen deutschsprachige Kreuzwegbüchlein erscheinen; Ausgaben sind unter anderem für 1690 und 1740 nachweisbar. Ein besonders bemerkenswertes Zeugnis ist das 1727 in Linz gedruckte "Geistliche Walfahrt-Stäblein", das ausdrücklich für Andächtige bestimmt war, die den "H. Berg Calvariae" bei Linz oder ähnliche Heiligtümer besuchten. Das kleine Buch enthielt zahlreiche Holzschnitte und verband Gebete mit bildlicher Anleitung.
Solche Drucke zeigen, dass Wallfahrt in St. Margarethen nicht nur aus dem Zurücklegen eines Weges bestand. Der körperliche Gang wurde durch Texte, Bilder und vorgegebene Betrachtungen strukturiert. Die Wallfahrer sollten das Leiden Christi Station für Station vergegenwärtigen. Der Kalvarienberg war damit zugleich Landschaft, Andachtsbuch und religiöse Bühne.
Zu den auffälligsten historischen Übungen gehörte die Heilige Stiege. Ältere Überlieferungen nennen bereits für das 17. Jahrhundert eine von Wiener Adeligen gestiftete Stiege; 1714 wurde neben der fünften Station eine eigene Kapelle zur Heiligen Stiege errichtet, deren Grundstein Christoph Wilhelm Graf von Thürheim legte. Die Anlage ist nicht erhalten. Wie an anderen Nachbildungen der Scala Santa wurde die Stiege kniend begangen. Darin verband sich körperliche Anstrengung mit der Erinnerung an den Leidensweg Christi und der Hoffnung auf geistliche Verdienste und Ablässe.
Für die Wallfahrtsgeschichte ist die Heilige Stiege besonders aufschlussreich, weil sie zeigt, wie stark der Linzer Kalvarienberg auf unmittelbare körperliche Teilnahme ausgerichtet war. Pilger sahen nicht nur Bilder der Passion, sondern gingen bergauf, trugen Kreuze, knieten auf Stufen und besuchten schließlich Kreuzigungsgruppe und Grab. Diese Formen gehören zur barocken Passionsfrömmigkeit, die heilige Orte Jerusalems in regional erreichbare Landschaften übertrug.
Neben der Kalvarienbergkirche steht die 1659 errichtete Heilig-Grab-Kapelle. Sie ist als Nachbildung der Grabstätte Christi zu verstehen und gehört zu den frühneuzeitlichen Versuchen, die heiligen Stätten Jerusalems in Mitteleuropa räumlich nachzuempfinden. Im Inneren befindet sich ein Grabraum mit einer liegenden Christusfigur; ältere Ausstattungsstücke ergänzen die Szenerie. Die Kapelle bildete den logischen Abschluss des Passionsweges: Nach Kreuzweg und Kreuzigung folgte der Besuch des Grabes.
Heilige Gräber erhielten vor allem in der Karwoche besondere Bedeutung. Sie verbanden biblisches Geschehen, liturgische Feier und anschauliche Andacht. In St. Margarethen ist diese Verbindung dauerhaft in Stein gefasst. Während viele Heilige Gräber nur vorübergehend im Kirchenraum aufgebaut wurden, blieb hier eine eigene Kapelle als fester Bestandteil der Wallfahrtslandschaft bestehen.
Neben der Passionsfrömmigkeit entwickelte sich in St. Margarethen eine starke Marienverehrung. Die Diözese Linz bezeichnet den Ort als ersten Marienwallfahrtsort von Linz. Ein besonderes Zentrum bildet die Maria-Thal-Kapelle am bewaldeten Abstieg vom Kalvarienberg in Richtung Zaubertal. An dieser Stelle stand zunächst eine offene Wegkapelle. Die heute erhaltene spätbarocke Kapelle wurde 1746 errichtet und 1749 um eine Sakristei ergänzt. Sie ist als querovaler Zentralbau mit Kuppel und geschweiftem Dach gestaltet.
Im Mittelpunkt steht eine gotische Marienstatue aus dem 14. Jahrhundert. Ihre Entstehung liegt damit wesentlich vor dem barocken Kapellenbau und reicht in die Zeit der älteren Margarethenwallfahrt zurück. Die lange Verehrungsgeschichte des Bildwerks erklärt, warum sich am Kalvarienberg nicht nur die Passion Christi, sondern auch eine eigenständige Marienwallfahrt entwickelte. Noch heute wird die Maria-Thal-Kapelle für Maiandachten genutzt; die historische Marienverehrung besitzt damit eine unmittelbare Fortsetzung im pfarrlichen Jahreslauf.
Auch der Zugang zur Maria-Thal-Kapelle ist durch religiöse Kleindenkmäler geprägt. Vor der Kapelle steht eine Sandsteinfigur des hl. Johannes Nepomuk aus dem Jahr 1708. Eine weitere Statue zeigt den Erzengel Gabriel mit Lilienzweig. Ihre Inschrift fordert den Vorübergehenden auf, diesen Weg nicht zu passieren, ohne Maria zu grüßen. Solche Wegzeichen machten den gesamten Aufstieg und Abstieg zu einem Raum der Andacht. Die Wallfahrt begann und endete nicht an einer Kirchentür, sondern schrieb Gebet und Erinnerung in die Landschaft ein.
Ein weiterer Teil dieser sakralen Landschaft liegt tiefer an der Oberen Donaulände. Die Kapelle Maria Heilbrunn wurde 1665 über einem bereits bestehenden Wasserlauf errichtet. Die bis heute erhaltene Bauinschrift ist für die Volkskunde außerordentlich aussagekräftig: Bürgermeister Ludwig Preller und seine Frau Apollonia ließen den als "gesund-reich" bezeichneten, aber verfallenen Wasserlauf wiederherstellen und mit der Kapelle schmücken, damit Kranke daran Erquickung finden könnten. Die Quelle war damit ausdrücklich mit der Erwartung körperlicher Hilfe verbunden.
Wasser, Marienverehrung und Heilshoffnung gingen hier ineinander über. Die ursprüngliche Marienstatue stand in unmittelbarem Zusammenhang mit der Quelle. 1886 wurde das Innere der Kapelle in eine Lourdesgrotte umgestaltet, womit eine im 19. Jahrhundert europaweit verbreitete neue Form marianischer Heil- und Quellfrömmigkeit an die ältere örtliche Tradition anschloss. Die frühere Statue wurde in den Hof des Linzer Stadtpfarramtes am Pfarrplatz übertragen, wo sie erhalten blieb. Sie zeigt die bekrönte Maria mit dem Jesuskind, das ein Kreuz trägt und auf der Weltkugel steht.
Wie andere stark besuchte Wallfahrtsorte zog auch St. Margarethen Votivgaben und Stiftungen an. Überlieferungen berichten von wertvollen Weihegaben, Vermächtnissen und Dankopfern. Besonders anschaulich ist die Nachricht, dass ein Linzer Stadtrichter im 18. Jahrhundert nach der Genesung seiner Tochter deren Körpergewicht in Bienenwachs opfern ließ und zusätzlich einen silbernen Leuchter stiftete. Solche Wachsvotive gehören zu einer weit verbreiteten europäischen Wallfahrtspraxis: Nicht nur einzelne Körperteile konnten als Bitte oder Dank in Wachs nachgebildet werden; in besonders aufwendigen Fällen entsprach die geopferte Wachsmenge dem Gewicht der geheilten Person.
Diese Opferpraxis erweitert das Bild des Kalvarienbergs wesentlich. St. Margarethen war nicht nur ein Ort der allgemeinen Betrachtung des Leidens Christi, sondern auch ein Ort persönlicher Not, Bitte und Danksagung. Krankheit, Todesangst, Hoffnung auf Heilung und die Sorge um Angehörige verbanden sich mit den großen gemeinschaftlichen Prozessionen.
Die heutige Kirche wurde zwischen 1651 und 1654 auf Initiative des Jesuitenpaters Philibert Boccabella errichtet und 1688 durch Franz Anton von Losenstein, Dompropst von Passau, geweiht. Ursprünglich war sie in das System der Kreuzwegstationen eingebunden. Die Kirche besitzt einen langgestreckten, polygonal wirkenden Hauptraum mit eingezogenem Chor. Ihre Gestalt ist weniger als isolierter Kirchenbau zu verstehen denn als architektonischer Höhepunkt des Weges auf den Kalvarienberg.
Der Innenraum wurde im 18. Jahrhundert barock ausgestaltet. Der Hochaltar konzentriert die Aufmerksamkeit auf die Kreuzigung Christi. Die Verbindung von realem Aufstieg, Stationsbildern und dem zentralen Kruzifix setzte die Passion in mehreren Medien fort: als Weg, als Relief, als Skulptur und als liturgische Feier. Gerade diese Mehrschichtigkeit erklärt die starke Wirkung der Anlage auf frühneuzeitliche Pilger.
Die ältere Stationsanlage wurde im Lauf des 18. Jahrhunderts verändert; die weiter unten an der Straße gelegenen Stationen wurden 1789 weitgehend aufgelassen. Die heutige Gestalt des Kreuzwegs geht wesentlich auf das 19. Jahrhundert zurück. Der Linzer Stadtpfarrer Matthias Kirchsteiger gab den Anstoß zur Erneuerung. Zwischen 1844 und 1850 entstanden die heute sichtbaren Doppelkapellen. Am Beginn steht eine Kapelle mit einer Statue der hl. Helena, die nach christlicher Legende das Kreuz Christi in Jerusalem gefunden haben soll. Eine Inschrift erinnerte die Besucher zugleich an die mit der Kreuzwegandacht verbundenen Ablässe.
Die Ölbergszene schuf Franz Xaver Schneider. Nach seinem Tod 1847 setzte sein Schüler Franz Liebert die Arbeit fort und fertigte die übrigen Stationsgruppen sowie die nahezu lebensgroße Kreuzigungsgruppe. Die Figuren Christi und der beiden Schächer bilden den dramatischen Höhepunkt des Weges. Maria, Johannes und Maria Magdalena sowie die gemalte Jerusalemkulisse wurden 1902 ergänzt. Der Kreuzweg ist damit selbst ein historisch geschichtetes Denkmal: barocke Wallfahrtstradition und Frömmigkeitslandschaft blieben bestehen, während die sichtbaren Bildwerke im 19. und frühen 20. Jahrhundert erneuert wurden.
Noch im 20. Jahrhundert war St. Margarethen in der Karwoche Ziel von Prozessionen aus verschiedenen Linzer Pfarren und kirchlichen Einrichtungen. Besonders zwischen Palmsonntag und den ersten Tagen der Karwoche kamen Gruppen am Abend zum Kreuzweg. An den eigentlichen Kartagen verlagerte sich das liturgische Schwergewicht in die jeweiligen Pfarrkirchen, während Einzelbesuche am Kalvarienberg weiterhin üblich waren. Diese Praxis führte die ältere Verbindung von Fastenzeit, körperlichem Weg und Passionsbetrachtung in veränderter Form fort.
Die heutige Nutzung ist kleiner und stärker in das Pfarrleben eingebettet. Kreuzwegandachten werden weiterhin begangen; auch Kindergruppen nutzen den Weg in der Fastenzeit. Die Stationen werden von der Pfarrgemeinde gepflegt und für Andachten vorbereitet. In der Maria-Thal-Kapelle finden Maiandachten statt. Damit haben sich die Formen verändert, doch das Grundprinzip der Anlage bleibt erkennbar: Der religiöse Weg durch die Landschaft ist weiterhin Teil gelebter Frömmigkeit.
Mit den kirchlichen und gesellschaftlichen Veränderungen seit dem späten 18. Jahrhundert verlor St. Margarethen allmählich seine frühere Rolle als eine der großen Wallfahrtsstätten der Linzer Bevölkerung. Die Aufhebung des Jesuitenordens, Veränderungen der Bruderschaftsfrömmigkeit, josephinische Reformen und die Neuordnung der städtischen Seelsorge schwächten jene Strukturen, die zuvor große Prozessionen getragen hatten. Die alte Margarethenkirche am Donauufer verschwand, während die Kalvarienbergkirche bestehen blieb und zunehmend lokale seelsorgliche Aufgaben übernahm.
Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage erneuert, ohne ihre alte Bedeutung vollständig wiederzugewinnen. 1899 entstand das an die Kirche anschließende Franziskanerkloster; später wirkten hier Trinitarier. 1980 wurde St. Margarethen schließlich zur eigenen Pfarre erhoben. Damit wandelte sich der Ort endgültig von einem primär auf Wallfahrer ausgerichteten Heiligtum zu einer Pfarrkirche mit historischer Wallfahrtstradition. Die heutigen Andachten zeigen jedoch, dass Wallfahrt und Pfarrleben keine Gegensätze sein müssen: Kreuzweg und Maria-Thal-Kapelle werden weiterhin religiös genutzt und halten wesentliche Elemente der älteren Kultlandschaft lebendig.
St. Margarethen gehört zu den vielschichtigsten religiösen Landschaften von Linz. Kaum ein anderer Ort der Stadt verbindet so viele unterschiedliche Formen katholischer Frömmigkeit auf engem Raum: mittelalterliche Margarethenwallfahrt, barocke Jesuitenmission, Bruderschaften, Bußprozessionen, Kreuztragen, Ablassfrömmigkeit, Heilige Stiege, Heiliges Grab, Marienwallfahrt, Quellverehrung, Heilungsbitten, Votivgaben und die späteren Lourdesformen des 19. Jahrhunderts.
Gerade die räumliche Anordnung ist volkskundlich bedeutsam. Der Gläubige bewegte sich durch eine Landschaft, in der einzelne Orte bestimmte Handlungen verlangten oder nahelegten: gehen, steigen, knien, ein Kreuz tragen, anhalten, Bilder betrachten, Maria grüßen, Wasser schöpfen, ein Votiv darbringen, am Grab verweilen. Wallfahrt bestand hier nicht allein in der Ankunft an einem Ziel, sondern im Vollzug eines ganzen Weges. Diese Verbindung von Körper, Landschaft, Bild, Wasser, Druckschrift und gemeinschaftlichem Ritual macht den Linzer Kalvarienberg zu einem außergewöhnlich anschaulichen Zeugnis historischer Frömmigkeitskultur.
Zugleich zeigt St. Margarethen, wie wandelbar ein Wallfahrtsort sein kann. Die großen barocken Prozessionen sind Vergangenheit, die Heilige Stiege ist verschwunden und Maria Heilbrunn wurde im 19. Jahrhundert zur Lourdesgrotte umgestaltet. Andere Elemente blieben erhalten oder erhielten neue Funktionen: Die Kalvarienbergkirche wurde Pfarrkirche, der Kreuzweg wird weiterhin gebetet, die Maria-Thal-Kapelle dient noch immer der Marienandacht und das Heilige Grab erinnert unverändert an die historische Passionslandschaft. Der Ort ist deshalb weder als erloschene Wallfahrt noch als unverändert fortbestehendes barockes Heiligtum zu beschreiben, sondern als lebendiger Andachtsort mit einer außergewöhnlich reichen Wallfahrtsgeschichte.
Justus Schmidt: Die Linzer Kirchen. Die kirchlichen Kunstdenkmäler der Stadt Linz. Österreichische Kunsttopographie, Bd. XXXVI. Wien 1964.
Zsófia Kádár: Domicilia Provinciae Austriae Societatis Jesu. Die Niederlassungen der Österreichischen Jesuitenprovinz. Online-Datenbank, 2023, Eintrag "Linz - Kreuzweg und Kalvarienberg".
Lothar Schultes: Ein Heiligtum der besonderen Art am Kalvarienberg von St. Margarethen bei Linz. In: KirchenZeitung Diözese Linz, Ausgabe 13, 2025.
Stadt Linz, Archiv der Stadt Linz: Denkmaldatenbank, Einträge "Kreuzweg Margarethen", "Maria-Thal-Kapelle", "Maria Heilbrunn Kapelle", "Maria mit Kind an der Hand", "Johannes Nepomuk Zaubertal" und "Erzengel Gabriel".
Diözese Linz: St. Margarethen zur Auffindung des Heiligen Kreuzes; Informationen der Pfarrgemeinde Linz-St. Margarethen und Pfarrkalender.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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