Linz, Kalvarienberg, Kapelle Maria Thal

Am Abstieg vom Kalvarienberg zum Zaubertal, nahe der Straße gelegen.

Früher stand hier nur eine gemauerte Säule; wegen der dabei geschehenen Wunder entstand dann eine hölzerne Kapelle, die der Linzer Handelsmann Peisser 1690 durch einen gemauerten Bau ersetzen ließ. Zu dieser offenen Wegkapelle dürfte das gegenüberliegende Bethaus errichtet worden sein. Die jetzige Kapelle wurde 1746/47 erbaut. Der Rektor des Linzer Jesuitenkollegs, Ludwig Debiel, suchte 1748 beim Bischof von Passau um die Messlizenz an, wobei er die seit alters bestehende Kultstatue erwähnte. Auch der Pfarrer von Linz, Gandolph Steyrer, schrieb in einer diesbezüglichen Stellungnahme von dem großen Zulauf des Volkes. 1749 wurde die Sakristei dazu gebaut. Die Jesuiten bemühten sich überhaupt sehr um diese Wallfahrt nach Maria-Thal; hierzu gehörte auch der alljährliche Karfreitagsbußgang. Im Jahre 1710 zogen in den Abendstunden in einer Bußprozession Geißler, Kreuzträger, Büßer in Sack und Asche, der Klerus und das betende Volk, den Psalm Miserere singend ins Zaubertal. Die immer stärker werdende Wallfahrt auf den Pöstlingberg zog aber immer mehr Wallfahrer ab.

Die Kapelle ist ein quergestreckter Achteckbau, rechts davon befindet sich die quadratische Sakristei; im Süden schließt sich auf dem Berghang ein verwinkelter Zubau mit der ehemaligen Mesnerwohnung, vielleicht einer ursprünglichen Einsiedelei, an. Das Portal hat ein Schmiedeeisengitter von 1746; das schöne Deckenfresko schuf Wolfgang Heindl im Jahre 1747. Der barocke Hochaltar trägt die Gnadenstatue, eine Sandsteinstatue Maria mit (erneuertem) Kind aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, jedoch barock überarbeitet. In Nischen sind Statuen der Heiligen Josef, Anna, Johannes d. Täufer und Johannes Evangelist, alle um 1750, aufgestellt.

Das Bethaus ist ein schmuckloses, niedriges Gebäude mit Walmdach, gegenüber der Kapelle, am Berghang, auf acht mächtigen Pfeilern mit Rundbogen, die in die Bachschlucht reichen, aufgesetzt; ein breiter Eingang führt in den mit einer flachen Holzdecke versehenen Raum.

Kultgegenstand: Oben erwähnte Statue: gekrönte Maria, das Zepter in der linken Hand haltend, das gekrönte Kind auf dem rechten Arm tragend. Das Kind hält links die Weltkugel und segnet mit der rechten Hand.

Legenden: Der Sage nach soll im Zaubertal einst die Klause eines Einsiedlers gestanden haben, der auf der Fahrt ins Heilige Land erkrankte, durch das reine Wasser des Baches aber seine Gesundheit wieder fand und hierblieb.
— Im Zaubertal bei Linz lebte vor undenklichen Zeiten ein Klausner. Er besaß eine Marienstatue, die nach seinem Tode gefunden wurde und bald zu großer Verehrung gelangte, da wunderbare Heilungen geschahen, darunter auch an einer böhmischen Edelfrau. Die Wände der Klause waren bald mit Votivbildern bedeckt, bis schließlich für die Statue eine Kapelle errichtet wurde. Angeblich erschien dieser Kultgegenstand bereits 1690 einem Linzer Kaufmann im Schlafe.

Wallfahrten: Besonders am 15. August; meist einzelne Besucher, doch manchmal auch kleine Gruppen.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.



Lage: Zaubertalstraße 9, 4020 Linz.
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Web: Pfarrgemeinde Linz-St. Margarethen
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Literatur zur Wallfahrt:
  - H. Kreczi, Linz, Stadt an der Donau (1952); J. Schmidt, Die Linzer Kirchen, österreichische Kunsttopographie, Bd. XXXVI (1964).
   
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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