Basilika Enns-Lorch

Hier stand einst das römische Kastell und die römische Zivilstadt Lauriacum; sie erhielt bereits im Jahre 212 das römische Stadtrecht. Nur natürlich ist es, dass die Archäologie hier seit jeher ein reiches Betätigungsfeld fand. Schon 1910 hat man knapp nördlich der Laurentiuskirche römische Altarfunde, den Gottheiten Jupiter, Juno und Minerva geweiht, aufgedeckt, Gottheiten, deren Altäre immer im Zentrum der römischen Städte aufgestellt wurden; man schloss daraus, dass auf dem Kirchen- und Friedhofgelände einst das Kapitol der Stadt Lauriacum gestanden haben müsste. Die Grabungen in der Kirche, die durch eine geplante gründliche Restaurierung möglich geworden waren, bestätigten nicht nur die Vermutungen, sondern brachten weitaus größere Ergebnisse. Man fand Reste folgender Bauten:

a) Einen keltisch-römischen Umgangstempel in Holz- und Steinbauweise der Kelten (ca. 200 bis 300 n. Chr.).

b) Die erste christliche Basilika wurde im 4. Jahrhundert errichtet. Zum Teil wurden Mauern des Tempels verwendet. Es handelte sich um eine rechteckige, einschiffige Halle mit dem Eingang im Westen und einer halbkreisförmigen Apsis im Osten. Auch ein Turm war bereits vorhanden (der untere Teil des heutigen Kirchturmes stammt noch von diesem Bau), war jedoch nicht Glockenturm, sondern diente als Wachhund Signalturm. Dieses Gotteshaus war schon Bischofskirche, sie galt als Gedächtnisbau für die 40 Leidensgefährten des hl. Florian aus dem Jahre 304.

c) Wahrscheinlich schon um die Mitte des 5. Jahrhunderts wurde der bisherige Steinaltar mit den Reliquien der 40 Märtyrer durch einen gemauerten Blockaltar, vermutlich mit den Reliquien des hl. Laurentius ersetzt. Die Kirche diente auch nach Abzug eines Teiles der romanischen Bevölkerung den Zurückgebliebenen und den neuangesiedelten Baiern als Pfarrkirche.

d) Um 800 wird die Laurentiuskirche wieder umgebaut.

e) Ein neuerlicher Umbau fand vielleicht im 10. Jahrhundert statt.

f) Am Beginn des 14. Jahrhunderts schließlich entstand die gotische Kirche, die im Wesentlichen noch heute erhalten ist.

Am 12. Oktober 1900 wurden die Gebeine der Märtyrer in einer Steinkiste anlässlich einer Restaurierung der Kirche im Hochaltar gefunden. Die Gebeine wurden 1901 im Friedhof beigesetzt. Sie wurden am 11. Oktober 1962 gehoben und nach wissenschaftlicher Untersuchung am 25. Oktober 1968 in einem Plexiglasbehälter verschlossen, wieder in den ursprünglichen Steintrog gegeben und im Hochaltar eingebaut. Die Erhebung der Kirche zur Basilika erfolgte am 11. Oktober 1970. Im Jahre 1971 wurde der Lorcher Märtyrer, der heilige Florian, zum Diözesanpatron erhoben.

Der Besuch in Lorch ist sehr zahlreich, doch lassen sich die kulturellen und religiösen Interessen der Besucher nicht immer trennen.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.


Lage: Basilika St. Laurenz, Lauriacumstraße 4, 4470 Enns.
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Web: Pfarre Enns-St. Laurenz
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Außenansicht, St. Laurenz-Basilika Enns-Lorch:
 

St. Laurenz-Basilika Enns-Lorch

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie 

   
Literatur zur Wallfahrt:
  - W. Neumüller, Sie gaben Zeugnis; Lorch, Stätte des heiligen Florian und seiner Gefährten (1968);
  - Christliche Kunstblätter (1967), H. 3.
   
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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