Maria Neustift, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Neustift

Schnellüberblick
Wallfahrt:Seit dem späten Mittelalter belegte Marienwallfahrt; bis heute Ziel von Fuß- und Gruppenwallfahrten aus Oberösterreich und dem niederösterreichischen Mostviertel.
Status:Lebendiger historischer Wallfahrtsort von regionaler und überregionaler Bedeutung.
Kultzentrum:Fast lebensgroße Marienstatue mit Kind um 1450, verehrt als "Maria, Heil der Kranken"; barocker Gnadenaltar von 1688 bis 1690.
Ort:Maria Neustift.
Bezirk/Region:Steyr-Land / Traunviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Neustift 28, 4443 Maria Neustift.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Maria Neustift
• Öffnungszeiten: Für eine verlässliche Innenbesichtigung außerhalb der Gottesdienst- und Wallfahrtszeiten empfiehlt sich eine vorherige Anfrage bei der Pfarrgemeinde.
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•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

• Außenansicht Pfarr- und Wallfahrtskirche hll. Maria und Oswald Maria Neustift:
Maria Neustift, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Neustift

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

• Prozession bei Maria Neustift, 1930er Jahre:
Maria Neustift, Prozession in den 1930er Jahren

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

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Besonders willkommen sind Fotos vom Innenraum, vom Gnadenbild "Maria, Heil der Kranken" und dem barocken Gnadenaltar, von Votiv- und Andachtsbildern, Lourdesgrotte, spätgotischen Bauteilen und Taufbecken sowie von heutigen Fußwallfahrten, Pilgergruppen, Prozessionen, Wallfahrtsstäben, Fahnen und Wallfahrtsgottesdiensten.

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Ausführliche Beschreibung

Lage und Bedeutung

Maria Neustift liegt im südöstlichen Oberösterreich nahe der Grenze zu Niederösterreich, in einer Landschaft, die seit Jahrhunderten durch Verbindungen zwischen dem Ennstal, dem Mostviertel und dem Raum Waidhofen an der Ybbs geprägt ist. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche steht beherrschend im Ortszentrum. Ihre heutige Größe und monumentale Erscheinung entsprechen der weit über das Gemeindegebiet hinausreichenden Bedeutung des Wallfahrtsortes. Maria Neustift gehört zu jenen oberösterreichischen Gnadenstätten, deren Einzugsgebiet historisch nicht an einer Landesgrenze endete: Pilger kamen und kommen aus dem Ennstal ebenso wie aus dem niederösterreichischen Mostviertel.

Frühe Geschichte und Wallfahrt

Die örtliche Überlieferung führt die Anfänge des Sakralortes bis in das Hochmittelalter zurück und verbindet sie mit einer kleinen Kapelle im Einflussbereich des Benediktinerstiftes Garsten. Historisch sicherer fassbar wird der Ort im späten Mittelalter. Um 1490 entstand eine größere spätgotische Kirche; für 1493 wird eine Weihe genannt. Aus demselben Jahr ist in der Wallfahrtstradition ein Ablassbrief überliefert, der zu den frühesten greifbaren Belegen für die besondere religiöse Bedeutung des Ortes zählt.

Das Gnadenbild selbst ist noch etwas älter. Die fast lebensgroße Marienstatue mit Kind wird um 1450 datiert. Ihre Entstehungszeit fällt damit in jene Phase, in der sich die spätmittelalterliche Marienfrömmigkeit im südöstlichen Oberösterreich stark entfaltete. Die Verbindung aus verehrtem Marienbild, Ablass und wachsendem Pilgerverkehr schuf die Grundlage für die spätere große Wallfahrt.

Das Gnadenbild "Maria, Heil der Kranken"

Im Mittelpunkt der Wallfahrt steht die fast lebensgroße Marienstatue mit dem Jesuskind. Maria steht auf der Mondsichel; das nackte Kind sitzt auf ihrem rechten Arm und trägt Zepter und Weltkugel. Die Figur wird heute unter der Anrufung "Maria, Heil der Kranken" verehrt. In der Überlieferung begegnet für den Wallfahrtsort daneben auch die Bezeichnung "Maria Schnee", die unmittelbar an die Gründungssage vom wunderbaren Schneefall anknüpft.

Der barocke Gnadenaltar wurde 1688 bis 1690 errichtet. An seiner Ausstattung waren Hans Spindler sowie Georg Ländterl, Urban Remele und Jakob Pokorny beteiligt. Die Marienfigur ist von einer bewegten Wolken-, Engels- und Strahlenkomposition umgeben und dadurch bewusst als Mittelpunkt des Altarraumes hervorgehoben. Spätere Veränderungen des Altares änderten nichts an der zentralen Stellung des Gnadenbildes.

Die Gründungssage

Die Entstehung des Wallfahrtsortes wird in einer bis heute lebendigen Sage erklärt. Zwei feindliche Herren von Gleiß und Hartweigstein sollen in der Gegend um das heutige Maria Neustift aufeinandergetroffen sein. Der Herr von Hartweigstein geriet im Kampf in Lebensgefahr und gelobte für den Fall seiner Rettung den Bau einer Kirche. Darauf fiel dichter Nebel ein, in dessen Schutz er entkommen konnte.

Als mit den Vorbereitungen des Kirchenbaues begonnen wurde, trugen Raben die bei den Zimmerarbeiten anfallenden Holzspäne immer wieder an einen anderen Ort. Dort, so erzählt die Sage, lag mitten im Sommer plötzlich Schnee. Dieses Wunder wurde als Zeichen für den von Gott bestimmten Bauplatz verstanden, weshalb die Kirche schließlich an dieser Stelle errichtet worden sei. Die Erzählung verbindet mehrere klassische Motive von Kirchenstiftungslegenden: Gelübde in Todesgefahr, wunderbare Rettung, Tiere als Wegweiser und ein außergewöhnliches Naturzeichen. Historische Baugeschichte und Sage sind dabei deutlich voneinander zu unterscheiden.

Blüte der Wallfahrt

Besonders im 17. und 18. Jahrhundert wuchs Maria Neustift zu einem bedeutenden Wallfahrtszentrum. Die Größe des Pilgerverkehrs zeigte sich auch daran, dass zeitweise mehrere Patres aus Garsten zur seelsorglichen Aushilfe benötigt wurden. Karl Krendl bezeichnet Maria Neustift für das 18. Jahrhundert als einen der bedeutenden Wallfahrtsorte Oberösterreichs. Die Wallfahrt zog Gläubige aus dem Ennstal und dem Raum Steyr ebenso an wie aus den niederösterreichischen Nachbargebieten.

Historische Wallfahrtszüge kamen aus zahlreichen umliegenden Pfarren. Besonders eng blieb die Verbindung zum Mostviertel. Auch heute ziehen Pilgergruppen aus St. Peter in der Au und Ertl zu Fuß nach Maria Neustift. Der gemeinsame Weg wird von Gebet, Gesang und Andachten an Kapellen und Wegkreuzen begleitet; ein Pilgerstab mit Kreuz wird traditionell an der Spitze der Gruppe getragen. Damit ist eine ältere regionale Fußwallfahrtspraxis bis in die Gegenwart lebendig geblieben.

Maria Neustift als wallfahrende Gemeinde

Bemerkenswert ist, dass Maria Neustift nicht nur Ziel, sondern selbst Ausgangspunkt von Wallfahrten ist. Für die Neustifter Wallfahrt nach Mariazell wird bereits das Jahr 1586 genannt. Diese Verbindung zur steirischen Gnadenstätte gehört damit zu einer sehr langen lokalen Pilgertradition. Bis heute ist die Gemeinde in das Netz der Mariazeller Pilgerwege eingebunden. Ebenso werden andere regionale Wallfahrtsziele, darunter der Sonntagberg, von Maria Neustift aus aufgesucht. Der Ort steht damit in einem wechselseitigen Wallfahrtsnetz: Er empfängt Pilger und entsendet selbst Pilgergruppen.

Kirchenbau und Kunstgeschichte

Der heutige Kirchenbau entstand nicht infolge eines Brandes, sondern nach schweren baulichen Schäden und einer Neubauentscheidung im ausgehenden 19. Jahrhundert. Nach Plänen des Linzer Dombaumeisters Raimund Jeblinger wurden ab 1891 ein neues Langhaus und ein neuer Chor in neugotischen Formen errichtet. Die Weihe der neuen Kirche erfolgte 1898. Teile der älteren spätgotischen Kirche blieben erhalten und wurden in den Neubau einbezogen; dazu gehört insbesondere ein spätgotischer Chorbereich, der heute als Seitenkapelle dient. Auch Teile des älteren Turmes blieben bestehen.

Der neugotische Bau besitzt eine für eine Landpfarre ungewöhnlich monumentale Wirkung. Der ältere barocke Gnadenaltar wurde in den Neubau übernommen und bildet mit der spätgotischen Marienstatue das historische Zentrum der Ausstattung. Daneben haben sich ein spätgotisches Taufbecken und weitere ältere Ausstattungsteile erhalten. Im frühen 20. Jahrhundert kam eine Lourdesgrotte hinzu und erweiterte die Marienverehrung um eine damals in ganz Europa verbreitete neue Form der Wallfahrtsfrömmigkeit.

Votivwesen und persönliche Frömmigkeit

Zur Geschichte des Wallfahrtsortes gehört auch eine umfangreiche Votiv- und Andachtsbildtradition. Die überlieferten Stücke sind kunsthistorisch von unterschiedlicher Qualität, volkskundlich jedoch gerade deshalb besonders aussagekräftig. Neben individuell ausgeführten Votivbildern begegnen gedruckte Andachtsbilder und andere einfachere Formen religiöser Gabe. Sie dokumentieren nicht nur außergewöhnliche Gelübde und Dankhandlungen, sondern auch den alltäglichen Umgang der Wallfahrer mit dem Gnadenort.

Die Anrufung "Maria, Heil der Kranken" verweist zugleich auf eine der wichtigsten Funktionen des Gnadenbildes. Menschen kamen mit Krankheits-, Familien- und persönlichen Anliegen nach Maria Neustift, baten um Hilfe und kehrten nach überlieferter Praxis zum Dank zurück. Der Wallfahrtsort war damit nicht nur Ziel großer Prozessionen, sondern ebenso Ort individueller Bitte und stiller Andacht.

Wallfahrt in der Gegenwart

Maria Neustift ist bis heute ein aktiver Wallfahrtsort. Neben Fußwallfahrten aus benachbarten Pfarren kommen Gruppen aus dem Ennstal und aus dem Mostviertel. Besonders die traditionellen Herbstwallfahrten aus St. Peter in der Au und Ertl zeigen, dass der historische Einzugsraum über die oberösterreichisch-niederösterreichische Landesgrenze hinweg fortbesteht. Auch organisierte Pfarr- und Gruppenwallfahrten sowie die regelmäßigen Gottesdienste halten die Wallfahrtsfunktion der Kirche lebendig.

Damit unterscheidet sich Maria Neustift deutlich von vielen kleineren historischen Gnadenorten, deren Wallfahrtsbetrieb weitgehend erloschen ist. Geschichte, Gnadenbild, Fußwallfahrt und heutiges Pfarrleben greifen weiterhin ineinander. Gerade diese Kontinuität macht den Ort zu einem der bedeutenderen Wallfahrtszentren des südöstlichen Oberösterreich.

Literatur und Quellen

Josef Wintersberger (Hg.): Der Wallfahrtsort Maria, Heil der Kranken zu Neustift bei Steyr, O.-Oe. Steyr 1896.

Karl Krendl: Maria Neustift. Die Geschichte eines Wallfahrtsortes. Ein historisches Lesebuch. Hrsg. von der Pfarre Maria Neustift. Ried im Innkreis 2014.

Josef Lenzenweger: Die Entwicklung des Pfarrnetzes der Benediktiner-Abtei Garsten. Unter besonderer Berücksichtigung der Stadtpfarre Steyr. Dissertation, Linz 1939.

Bundesdenkmalamt: Denkmalpflegerische Dokumentation zur Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Neustift.

Pfarrgemeinde Maria Neustift und Marktgemeinde Maria Neustift: historische und aktuelle Dokumentationen zur Wallfahrt und Pfarrgeschichte.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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