Maria Neustift, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Neustift

Der heutige Bau wurde nach einem Brand 1891 bis 1898 errichtet, jedoch sind Reste der spätgotischen Kirche mitverbaut. Der Turm stammt noch von 1524 und hat nur einen neuen Spitzhelm erhalten; an den Turmmauern kann man Steinmetzzeichen finden. Die Kirche wirkt fast domartig und wird vom prachtvollen, urkundlich 1688 bis 1690 genannten Hochaltar beherrscht; dieser trägt im Mittelteil die fast lebensgroße Gnadenstatue Maria mit Kind, um 1450 entstanden, von einem Kranz von Wolken, Engeln und Strahlen umgeben.

Kultgegenstand: Die eben erwähnte Marienstatue, mit blumenbekränztem Haupt, auf der Mondsichel stehend, das nackte Kind auf dem rechten Arm tragend; dieses wiederum hält rechts das Zepter und links die Weltkugel. Um die Statue steht der Spruch: „Heilige Maria, Mutter der schönen Liebe und der heiligen Hoffnung, Du Heil der Kranken zu Neustift, bitte für uns". Nach diesem Kultgegenstand hätte die Kirche eigentlich "Maria Schnee" heißen sollen. Weitere Gnadenstätten in der Kirche sind ein Gemälde des hl. Oswald und eine Lourdeskapelle.

Legende: Auf den Burgen Gleiß und Hartwigstein saßen zwei feindliche ritterliche Brüder; es kam zwischen beiden am Freithofberg zum Kampf. Ritter Oswald von Hartwigstein geriet dabei in Lebensgefahr; er gelobte den Bau einer Kirche, wenn er mit dem Leben davon käme; plötzlich ein- fallender Nebel errettete ihn; er ließ nun in Neustift eine Kirche bauen; eine Schar Raben trugen jedoch die Abfallspäne von der Zimmermannsarbeit weg; die Leute eilten den Vögeln nach und sahen zu ihrem Erstaunen die Späne mitten im Sommer mit leuchtendem Schnee bedeckt; man erbaute nun die Kirche an dieser Stelle.

Wallfahrt: Diese ist schon im 15. Jahrhundert nachweisbar; aus dem Jahre 1493 ist ein Ablassbrief erhalten. Im 18. Jahrhundert waren oft vier bis fünf Patres von Garsten hier zur Aushilfe tätig; von Laussa ging man zweimal im Jahr, nämlich zu Floriani und am 1. Goldenen Samstag, angeblich wegen einer Hungersnot, hierher. Maria Neustift ist heute noch eine der bedeutendsten Wallfahrtsorte von Oberösterreich; Maria Neustift wird aber nicht nur aus Oberösterreich, sondern vor allem auch aus Niederösterreich, besonders aus dem Mostviertel, besucht. Vielfach kommen große Gruppen in Autobussen, besonders von Mai bis Oktober, sehr zahlreich ist auch der Besuch an den Goldenen Samstagen. Das Hauptfest findet am letzten Samstag im August statt. Ende Oktober kommen die letzten Wallfahrer.
In der Kirche hängen zahlreiche Votivbilder, die meisten sind jedoch einfache Drucke, nur wenige gute stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.



Lage: Neustift 28, 4443 Maria Neustift.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarrgemeinde Maria Neustift
Geöffnet:
 
Außenansicht Pfarr- und Wallfahrtskirche hll. Maria und Oswald Maria Neustift:
 

Maria Neustift, Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Neustift

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

Prozession bei Maria Neustift 1930er Jahre:
 

Maria Neustift, Prozession

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

   
Literatur zur Wallfahrt:
   
   
  Zurück zur Übersicht: Wallfahrt im Traunviertel
  Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Oberösterreich
  Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt
 
Wir bitten Sie um Ihre Mitarbeit mit Text- oder Bildzusendungen.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

© www.SAGEN.at