| Wallfahrt: | Seit dem Mittelalter belegte Marienwallfahrt mit großer Blüte im 17. und 18. Jahrhundert. Bis heute lebendiger Wallfahrtsort; besondere Bedeutung haben der Heilige Brunnen und die drei Goldenen Samstage nach dem Fest des hl. Michael. |
| Status: | Aktive Pfarr- und Wallfahrtskirche; historisch hervorragend dokumentierter Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Spätgotisches Vesperbild der Schmerzhaften Muttergottes, ein Salzburger Steinguss um 1410/20; daneben der Heilige Brunnen unterhalb der Kirche sowie historisch weitere Andachts- und Votivorte. |
| Ort: | Adlwang. |
| Bezirk/Region: | Steyr-Land / Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Kirchenplatz 1, 4541 Adlwang. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Adlwang |
| • | Öffnungszeiten: Die Kirche ist als Pfarr- und Wallfahrtskirche in Gebrauch und tagsüber in der Regel zugänglich; während Gottesdiensten und kirchlichen Veranstaltungen ist auf den liturgischen Betrieb Rücksicht zu nehmen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang. Die Baugestalt verbindet den spätmittelalterlichen Chor und Turm mit dem großräumigen barocken Langhaus, das während der neuerlichen Blüte der Wallfahrt im 17. Jahrhundert entstand.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Der überraschend hohe Kirchenraum vermittelt noch heute eine Vorstellung von den Dimensionen, die für den barocken Wallfahrtsbetrieb benötigt wurden. Das eigentliche Gnadenbild befindet sich am linken Seitenaltar.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Der monumentale Hochaltar wurde 1663 geschaffen und gehört zur frühbarocken Ausstattung der Kirche. Im Zentrum steht eine große Marienfigur mit dem Kind, flankiert von Johannes dem Täufer und dem hl. Josef; im Aufsatz erscheint die Marienkrönung. Das spätgotische Wallfahrtsgnadenbild ist davon zu unterscheiden und wird heute am linken Seitenaltar verehrt.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
An der Südwand des Presbyteriums befindet sich das Bild des sogenannten "Blutschwitzenden Heilands von Adlwang". Das Bild wurde 1749 für die Kirche erworben. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts berichten Pfarrchronik und örtliche Überlieferung wiederholt von Feuchtigkeit beziehungsweise tropfenartigen Erscheinungen im Gesicht Christi; besonders ausführlich ist ein Ereignis vom 21. Dezember 1756 dokumentiert. Die Berichte sind als Teil der Adlwanger Frömmigkeits- und Mirakelgeschichte zu lesen.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Das eigentliche Gnadenbild ist ein spätgotisches Vesperbild aus Salzburger Steinguss, entstanden um 1410/20. Maria hält den vom Kreuz genommenen Christus auf ihrem Schoß. Nach der örtlichen Überlieferung wurden bei einer Verwüstung der Kirche die rechte Hand Christi und die linke Hand Mariens beschädigt; die Bruchstellen wurden später wie Erinnerungszeichen des Kultbildes gefasst. Auf dem Sockel steht die lateinische Bezeichnung "Dolorosa et Gratiosa Virgo Deipara Adlwangensis".
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
An der Rückseite des Hochaltares haben sich Votivbilder aus mehreren Jahrhunderten sowie weitere Dank- und Bittgaben erhalten. Sie gehören zu den unmittelbarsten Zeugnissen der Adlwanger Wallfahrt: Krankheiten, Unfälle, Geburtsnöte und andere existentielle Gefährdungen wurden in Bildern und Gegenständen festgehalten und mit dem Dank für erhoffte oder erfahrene Hilfe verbunden.
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Adlwang liegt im oberösterreichischen Traunviertel südöstlich von Bad Hall und gehört zum politischen Bezirk Steyr-Land. Die Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä steht im Ortszentrum über dem Talgrund; unmittelbar unterhalb der Kirche befindet sich der Heilige Brunnen, der bis heute ein eigener Zielpunkt für Wallfahrer und Besucher ist. Die Kirche gehört zum kirchlichen Verband des Stiftes Kremsmünster und ist zugleich eine lebendige Pfarrkirche. Wallfahrten nach Adlwang finden weiterhin statt, sowohl als organisierte Gruppen- und Fußwallfahrten als auch durch Einzelbesucher. Besonders sichtbar wird diese Kontinuität an den drei Goldenen Samstagen nach dem Fest des hl. Michael, wenn sich der religiöse Wallfahrtsbetrieb mit dem großen Adlwanger Kirtag verbindet.
Die Geschichte des Kultortes reicht sicher in das Mittelalter zurück. Im Urbar des Benediktinerstiftes Kremsmünster wird um 1321/25 eine Marienkapelle in Adlwang genannt. Damit ist ein marianischer Sakralort deutlich belegt, ohne dass daraus bereits jede spätere Überlieferung zur Entstehung der Wallfahrt historisch abgeleitet werden kann. Einen besonders wichtigen Einschnitt bildet das Jahr 1431: Papst Eugen IV. gewährte den Besuchern des Gotteshauses einen Ablass. Ein solcher Ablassbrief setzte einen bereits bestehenden religiösen Zulauf voraus und förderte ihn zugleich weiter. Adlwang war damit spätestens im 15. Jahrhundert ein kirchlich greifbarer Wallfahrtsort. Die Diözesangeschichte zählt Adlwang gemeinsam mit St. Wolfgang zu den besonders beliebten spätmittelalterlichen Wallfahrtszielen Oberösterreichs.
Die Reformation führte auch in Adlwang zu einem starken Rückgang der Wallfahrt. Für die Zeit um 1600 wird die Kirche als verödet geschildert; mit der Rekatholisierung setzte seit etwa 1620 eine neue und schließlich außerordentlich dynamische Entwicklung ein. Aus dieser Epoche stammen auch die umfangreichen Mirakelaufzeichnungen, die Adlwang zu einem der am besten untersuchten Wallfahrtsorte Österreichs machen. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte der Pilgerzustrom solche Ausmaße, dass Adlwang in der volkskundlichen und kirchengeschichtlichen Literatur als bedeutendste oberösterreichische Wallfahrt dieser Zeit und gelegentlich als "Mariazell von Oberösterreich" bezeichnet wird. 1700 wurde Adlwang zum Superiorat erhoben; mehrere Benediktiner des Stiftes Kremsmünster waren zeitweise eigens mit der Betreuung der Wallfahrer befasst.
Die heutige Kirche bewahrt deutlich verschiedene Bauphasen. Chor und Turm gehören im Kern dem spätmittelalterlichen Bau an; der langgestreckte Chor mit seinem Netzrippengewölbe vermittelt noch den Charakter der gotischen Wallfahrtskirche. Der erneute Aufschwung der Wallfahrt im 17. Jahrhundert machte eine wesentlich größere Kirche notwendig. Das Langhaus wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts neu errichtet und 1679 vollendet. Seine ungewöhnliche Höhe und Weite ist nicht nur eine Frage barocker Raumwirkung, sondern war auch funktional mit dem großen Pilgerbetrieb verbunden.
Der monumentale Hochaltar stammt aus dem Jahr 1663. Sein Mittelpunkt ist eine große Marienfigur mit dem Kind, während Johannes der Täufer und der hl. Josef die Mittelzone begleiten; im Aufsatz erscheint die Marienkrönung. Die beiden Seitenaltäre gehören der barocken Ausstattungsphase des 18. Jahrhunderts an, Kanzel und Orgel entstanden ebenfalls im 18. Jahrhundert. Für das Verständnis der Wallfahrt ist entscheidend, die große Marienfigur des Hochaltares vom eigentlichen Wallfahrtsgnadenbild zu unterscheiden: Das verehrte Vesperbild der Schmerzhaften Muttergottes befindet sich heute am linken Seitenaltar. Die Kirche bewahrt darüber hinaus eine bedeutende Figur des Schmerzensmannes vom Anfang des 16. Jahrhunderts und zahlreiche weitere Zeugnisse der über Jahrhunderte gewachsenen Frömmigkeit.
Im Zentrum der marianischen Wallfahrt steht ein Vesperbild, eine Pietà aus Salzburger Steinguss, die kunsthistorisch um 1410/20 datiert wird. Maria ist als gekrönte Schmerzensmutter dargestellt; auf ihrem Schoß liegt der vom Kreuz genommene Christus. Das Bildwerk ist damit deutlich älter als die große barocke Blüte des Wallfahrtsortes. Gerade diese lange Kontinuität machte das Gnadenbild zum wichtigsten Identifikationszeichen der Adlwanger Wallfahrt. Auf seinem Sockel trägt es die Bezeichnung "Dolorosa et Gratiosa Virgo Deipara Adlwangensis", die schmerzhafte und gnadenreiche Jungfrau und Gottesgebärerin von Adlwang.
Eine wesentlich ältere Entstehungsgeschichte, nach der das Bild mit dem Salzburger Erzbischof Thiemo um 1100 in Verbindung gebracht wurde, gehört in den Bereich der späteren Wallfahrtstradition. Sie ist für die Geschichte der Verehrung wichtig, kann aber nicht als kunsthistorische Datierung des heutigen Vesperbildes verwendet werden. Ähnlich quellenkritisch ist mit der Erzählung von der Zerstörung und Wiederauffindung während der konfessionellen Auseinandersetzungen umzugehen. Der Legende zufolge sei das Bild von protestantischen Gegnern herabgestürzt und vergraben worden. Nächtliche Lichter hätten später zu einem Ameisenhaufen geführt, unter dem man die Statue wiederfand. Selbst nachdem sie auf einen Stein gesetzt worden sei, hätten die Ameisen weiter um sie gebaut und seien erst verschwunden, als das Bild seinen angestammten Platz in der Kirche wieder erhielt. Aus dieser Erzählung entstand die volkstümliche Bezeichnung "Maria im Ameisenhaufen".
Für die Kultgeschichte Adlwangs ist der Heilige Brunnen unterhalb der Kirche mindestens ebenso wichtig wie das Gnadenbild. Schon die ältere Wallfahrtsforschung vermutete, dass der Brunnen einen sehr frühen, möglicherweise sogar älteren Anziehungspunkt des Ortes bildete. Historisch gesichert ist jedenfalls, dass der Brunnen bereits im 16. Jahrhundert instand gehalten wurde und später fest in den Wallfahrtsbrauch eingebunden war. Das Wasser wurde besonders bei Augenleiden verwendet, an Ort und Stelle zum Waschen genommen, in Gefäße gefüllt und auch nach auswärts mitgenommen. Bis in die Gegenwart kommen Besucher mit Flaschen und Kanistern zur Quelle; Dankesbezeugungen und Votivzeichen an der Brunnenanlage zeigen, dass die Vorstellung einer besonderen Heilkraft des Wassers weiterhin präsent ist. Eine medizinische Wirksamkeit ist damit selbstverständlich nicht behauptet; volkskundlich entscheidend ist die über Jahrhunderte fortlebende Zuschreibung von Heil und Hilfe.
Um Brunnen und Gnadenbild entstand ein eigener Kreis von Herkunftslegenden. Nach einer Überlieferung stand das Gnadenbild einst bei einer mächtigen Linde an der Quelle. Als der Baum zugrunde ging, habe man die Statue nach Pfarrkirchen gebracht, doch sei sie wiederholt in der Nacht zum Brunnen zurückgekehrt, bis man ihrem Willen folgte und am alten Ort eine Kapelle errichtete. Eine andere Erzählung berichtet von einer schönen, von hellem Glanz umgebenen Jungfrau, die am Brunnen und auf dem Friedhof gesehen worden sei. Besonders charakteristisch ist schließlich die Vorstellung, Maria halte sich während der drei Goldenen Samstagnächte nicht in Mariazell, sondern in Adlwang auf und bade im Wasser der Quelle. In diesen Erzählungen verbinden sich Kultbild, heiliger Ort, Wasser und Festzeit zu einem geschlossenen Wallfahrtsraum.
Außergewöhnlich gut dokumentiert ist Adlwang durch seine Mirakelbücher. Edmund Friess und Gustav Gugitz werteten in ihrer grundlegenden volkskundlich-kulturhistorischen Studie die Aufzeichnungen der Jahre 1620 bis 1746 aus. Dadurch lässt sich die Wallfahrt nicht nur aus späteren Erinnerungen, sondern aus einer großen Zahl zeitnah niedergeschriebener Berichte über Gelübde, Gefahren, Krankheiten und erhoffte Hilfe erschließen. Solche Mirakelberichte sind nicht als medizinische oder naturwissenschaftliche Nachweise zu lesen; sie dokumentieren vielmehr, wie Menschen Krankheit, Unfall, Geburt, Existenznot und Rettung religiös deuteten und welche Rolle das Gelübde an einen Gnadenort in ihrem Handeln spielte.
Das erhaltene Votivwesen führt diese schriftliche Überlieferung unmittelbar vor Augen. Hinter dem Hochaltar befinden sich Votivbilder aus mehreren Jahrhunderten; dazu kamen und kommen andere Dankgaben, darunter Krücken und körperbezogene Votive. Für Adlwang sind auch kleine Gegenstände überliefert, mit denen die Kraft des Gnadenortes in den Alltag mitgenommen werden sollte. Rote Seidenfäden wurden am Gnadenbild angerührt und anschließend beispielsweise bei Kopf- und anderen Leiden am Körper getragen. Die ältere Literatur nennt darüber hinaus Wachsopfer und sogar die Opferung schwarzer Hennen im Jahr 1682. Gerade diese Vielfalt zeigt, dass die historische Wallfahrt weit mehr war als der Besuch eines Kunstwerks: Das Gnadenbild galt als gegenwärtiger Beziehungspunkt, an dem Berührung, Gelübde, Opfer, Erinnerung und Dank eine konkrete Form erhielten.
Neben Gnadenbild und Brunnen bestanden in Adlwang weitere spezialisierte Andachtsorte. Von besonderer Bedeutung war der sogenannte Kindlbettaltar unter der Empore mit einer Darstellung der Geburt Christi und der hl. Elisabeth im Kindbett. Frauen suchten ihn bei schweren Geburten auf. Damit wird eine spezifisch auf Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett bezogene Dimension der Wallfahrt sichtbar, die sich mit anderen körper- und heilungsbezogenen Votivpraktiken verband. Auch eine Statue des hl. Sebastian, des traditionellen Pestpatrons, wurde verehrt. Für die Pestzeit 1679 ist eine starke Wallfahrtsbewegung nach Adlwang überliefert; der Ort galt in der Erinnerung als von der Seuche verschont und gewann dadurch zusätzlichen Ruf. Für 1713 ist die Überlieferung widersprüchlich: Während die Wallfahrtstradition auch hier von besonderem Schutz spricht, berichten andere chronikalische Nachrichten von einem Vordringen der Epidemie bis Adlwang. Eine pauschale Behauptung, der Ort sei in beiden Pestjahren vollständig pestfrei geblieben, ist daher nicht haltbar.
Die Größenordnung der barocken Wallfahrt war dennoch außerordentlich. Für 1755 werden 46.764 Kommunikanten genannt; für das 18. Jahrhundert wird in der älteren Wallfahrtsliteratur ein durchschnittlicher jährlicher Kommunikantenstand von etwa 30.000 angegeben. Solche Zahlen sind nicht mit einer modernen Besucherstatistik gleichzusetzen, zeigen aber sehr deutlich den Rang des Ortes und erklären den großen Kirchenraum, die intensive seelsorgliche Betreuung und die dichte materielle Überlieferung.
Eine eigene Kultschicht bildete seit der Mitte des 18. Jahrhunderts das Bild des kreuztragenden Christus an der Südwand des Presbyteriums. Das 1749 erworbene Bild wurde zum Gegenstand besonderer Verehrung, nachdem Gläubige wiederholt Feuchtigkeit beziehungsweise tropfenartige Erscheinungen im Gesicht Christi beobachtet zu haben glaubten. In der Pfarrüberlieferung wird besonders ausführlich der 21. Dezember 1756 beschrieben, an dem die Erscheinung über mehrere Stunden wahrgenommen worden sein soll. Der damalige Superior Ägid Feichtinger, der der Sache zunächst skeptisch gegenübergestanden habe, berichtete darüber an den Abt von Kremsmünster; auch der Welser Barockmaler Wolfgang Andreas Heindl wurde zur Beurteilung herangezogen. Sein historisch überliefertes Urteil lautete: "Von Gott bedingt, nicht von der Natur." Für die heutige Darstellung ist nicht die nachträgliche Entscheidung über die physikalische Ursache entscheidend, sondern die Wirkungsgeschichte: Das Bild zog zusätzliche Beter an, wurde mit Gebetserhörungen verbunden und blieb als eigener Andachtsort innerhalb der Wallfahrtskirche präsent. Noch aus der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden entsprechende Beobachtungen weitererzählt.
Wie viele Wallfahrtsorte wurde auch Adlwang durch die kirchenpolitischen Maßnahmen Kaiser Josephs II. getroffen. Die Einschränkung von Wallfahrten und von als übermäßig angesehenen Frömmigkeitsformen griff unmittelbar in die gewachsene Kultpraxis ein. Nach der örtlichen Chronik musste die Statue der Schmerzhaften Muttergottes entfernt werden; am Hochaltar trat an ihre Stelle ein Kreuzigungsbild. Die Adlwanger Bevölkerung akzeptierte diesen Eingriff offenbar nur widerwillig. Für 1790 wird überliefert, dass vor allem Frauen das verordnete Bild entfernten und dem Gnadenbild wieder seinen Ehrenplatz gaben. Unabhängig von den erzählerischen Zuspitzungen der späteren Erinnerung ist diese Episode bemerkenswert, weil sie die starke lokale Bindung an das Gnadenbild sichtbar macht: Der Wallfahrtsort wurde nicht allein durch kirchliche Obrigkeiten getragen, sondern ebenso durch eine Bevölkerung, die den Kult als Teil ihrer eigenen religiösen Ordnung verstand.
Die drei Goldenen Samstage nach dem Fest des hl. Michael am 29. September sind bis heute das bekannteste Wallfahrtsereignis Adlwangs. Der Brauch verbindet Gottesdienste und Fußwallfahrten mit dem Besuch des Gnadenbildes und des Heiligen Brunnens; zugleich entwickelte sich um die Wallfahrtszeit ein großer Kirtag. Diese Verbindung von religiöser Wallfahrt und weltlichem Markt ist keineswegs ein Gegensatz, sondern gehört historisch zu vielen großen Gnadenorten: Wo über längere Zeit zahlreiche Menschen zusammenkamen, entstanden Versorgung, Handel und Unterhaltung unmittelbar neben dem sakralen Geschehen. In Adlwang ist diese Doppelstruktur außergewöhnlich lebendig geblieben.
Auch die Entstehung der Goldenen Samstage wird in mehreren Legenden erklärt. Eine erzählt von drei Mähern. Als an einem Samstag die Glocken zur marianischen Feierstunde läuteten, legte einer von ihnen die Arbeit nieder und betete zu Hause den Rosenkranz. Beim Weitermähen am Montag habe er als Lohn für seine Verehrung ein Goldstück gefunden. Eine andere Fassung erzählt von einem Knecht, der seine Feldarbeit unterbrach, um einen Priester auf einem Versehgang zu begleiten, und danach auf dem Feld ein Geldstück fand. Historisch erklären diese Geschichten nicht die tatsächliche Entstehung des Wallfahrtstermins; volkskundlich geben sie aber dem Namen "Goldener Samstag" einen erzählerischen Sinn und begründen die Heiligung des Samstags als Marientag.
Eine besonders charakteristische Gruppenwallfahrt ist die Staberlprozession aus Viechtwang. Die ältere Überlieferung verbindet sie mit der Reformationszeit: Die Viechtwanger seien dem katholischen Glauben treu geblieben und hätten bei ihrer Wallfahrt nach Adlwang weiße Stäbe als Zeichen dieser Treue getragen. Ältere volkskundliche Beschreibungen dokumentieren den Brauch als "Staberlkirchtag" und ordneten ihn dem Sonntag nach Bartholomäus zu. Spätere Nachrichten zeigen eine Veränderung des Termins und zeitweilige Unterbrechungen. In neuerer Zeit wurde die Fußwallfahrt wiederum als traditionelle Staberlprozession gepflegt und auf den zweiten Goldenen Samstag gelegt. Gerade diese Verschiebungen sind volkskundlich aufschlussreich: Ein Brauch kann seinen Termin und seine äußere Form verändern und dennoch seine lokale Identität über Generationen bewahren.
Adlwang ist kein ausschließlich historischer Wallfahrtsort. Aus den umliegenden Pfarren und aus dem weiteren oberösterreichischen Raum kommen weiterhin Fußwallfahrten und organisierte Pilgergruppen. Der Mai ist als Marienmonat eine wichtige Wallfahrtszeit, den stärksten öffentlichen Akzent setzen jedoch die Goldenen Samstage im Herbst. Gottesdienst, Kerzenopfer vor dem Marienaltar, der Weg zum Heiligen Brunnen und die weltlichen Formen des Kirtags stehen dabei nebeneinander. Gerade diese Gleichzeitigkeit macht Adlwang für die volkskundliche Dokumentation besonders wertvoll: Mittelalterliches Gnadenbild, barocke Mirakeltradition, Heilwasser, Votivwesen, Prozessionsbrauch und heutige Festkultur sind nicht nur nacheinander überliefert, sondern teilweise noch immer am selben Ort erfahrbar.
Mehrere mit Adlwang verbundene Überlieferungen sind auf SAGEN.at dokumentiert:
- Der heilige Brunnen in Adlwang
- Die königliche Jungfrau zu Adlwang
- Edmund Friess / Gustav Gugitz: Die Wallfahrten nach Adlwang in Oberösterreich im Lichte der Mirakelbücher (1620-1746). Eine volkskundlich-kulturhistorische Studie. Buchreihe der Österreichischen Zeitschrift für Volkskunde, Neue Reihe, Band 1. Wien 1951.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958.
- Oberösterreichische Heimatblätter: Historische Angaben zur Gemeinde und zur Wallfahrt Adlwang, einschließlich der urkundlichen Nennung der Marienkapelle um 1321/25 und des Ablassbriefes von 1431.
- Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Oberösterreich; Pfarrkirche und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariae, Adlwang.
- Bundesdenkmalamt, Landeskonservatorat für Oberösterreich: Jahresberichte zur Restaurierung der Ausstattung der Pfarrkirche Adlwang.
- OÖ Forum Volkskultur: Goldene Samstage. Dokumentation des Brauches, des Heiligen Brunnens und der gegenwärtigen Wallfahrtspraxis in Adlwang.
- Diözese Linz, Pfarrgemeinde Adlwang und pfarrliche Publikationen aus Viechtwang: aktuelle Wallfahrten, Goldene Samstage und Staberlprozession.
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt im Traunviertel | |
| Zurück zur Übersicht: Wallfahrt in Oberösterreich | |
| Zurück zur Gesamtübersicht Wallfahrt |
Ergänzungen: Wolfgang Morscher
© www.SAGEN.at