Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang

Die Anfänge der Pfarr- und Wallfahrtskirche von Adlwang gehen auf den Ansitz der Herren von Adlwang zurück. Heinrich von Adlwang tritt in den Jahren 1202 bis 1206 als Zeuge in Urkunden auf. In der Zeit um 1300 findet eine Marienkapelle in Adlwang Erwähnung.

Die florierende Wallfahrt des Spätmittelalters machte eine Erweiterung des Kirchleins erforderlich. Die Gnadenkapelle erhielt in den Jahren 1431 - 1451 einen wahrscheinlich zweischiffigen Erweiterungsbau. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde ein mächtiges Presbyterium errichtet. Durch Reformation und Bauernkriege war die Kirche um 1600 verödet. Ab 1620 setzte die katholische Gegenbewegung ein. Das Adlwanger Gnadenbild wurde unter einem Ameisenhaufen wiederentdeckt und am Auffindungsort auf eine Säule gestellt. Das Mirakelbuch vermeldet, dass sich die Ameisen lange Zeit nicht vertreiben ließen, was dem Gnadenbild im Volksmund die Bezeichnung "Maria im Ameisenhaufen" eintrug.

1654 musste das Langhaus neu errichtet werden. Jahrelang musste das gotische Gewölbe mit Balken gestützt werden. Da der Maurerpolier bei der Errichtung des Gewölbes zuviel Lehm statt Kalk verwendet hatte, drohte es 1678 kurz vor der Fertigstellung einzustürzen und musste nochmals aufgebaut werden um es 1679 endgültig fertig zu stellen.

Adlwang

Hier dürfte ursprünglich der Sitz der Adlwanger gestanden haben; der Name ist uns bereits aus dem Jahre 1165 als Adelwanch urkundlich überliefert. Eine Marienkapelle ist hier für etwa 1330 belegt. Der Chor- und Turmbau der heutigen Kirche stammt aus der Zeit um 1431; damals bestand wahrscheinlich auch bereits eine Wallfahrt. Durch den Protestantismus ging der Besuch der Kirche stark zurück, doch setzte um 1620 die Wallfahrt wieder ein. Der stärkere Besuch führte dann wohl auch zum Neubau des Langhauses in den Jahren 1659 bis 1679; aus dieser Bauperiode stammt auch der Zwiebelhelm der Kirche. Der Hochaltar wurde 1663 geschaffen, der Mittelteil mit Kreuz, die Gnadenbildumrahmung und die knienden Engel stammen allerdings erst aus dem Jahre 1719, während die stehenden Engel aus dem Jahre 1661 sind. Die Seitenaltäre wurden 1732 geschaffen, Kanzel und Orgel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Im vergangenen Jahr wurde das Innere der Kirche gründlich renoviert.

Kultgegenstand: Vesperbild aus Stein auf dem Hochaltar: gekrönte hl. Maria über Halbmond, Christus nach rechts liegend (1410/20). Daneben wurden früher aber auch noch andere Kultgegenstände verehrt, so eine abgebrochene steinerne Hand Christi und eine ebensolche der Schmerzhaften Muttergottes, weiter eine Statue der hl. Maria, das Kind auf der rechten Hand haltend; diese Statue stand früher auf einer hohen Säule inmitten der Kirche. Außerdem wurde zum Kindl- bettaltar, der einmal unter der Empore stand, mit einem Relief von der Geburt Christi und die hl. Elisabeth im Kindbett, gewallfahrtet, eine Statue des hl. Sebastian wurde verehrt und schließlich auch das Bild einer Pieta in der Brunnenkapelle unterhalb der Kirche. Das Wasser entströmte früher einer Seitenwunde Christi. Dieser Brunnen war wohl der ursprüngliche Wallfahrtszweck. Von 1580 ist bekannt, daß der Brunnen repariert wurde. Das Wasser wurde vor allem gegen Augenleiden angewandt. Es wurde auch verschickt.

Legende: Zur Zeit des Protestantismus wurde das Vesperbild von Lutheranern herabgestürzt und vergraben. Es blieb lange Zeit verschollen. Endlich zeigten sich nächtlicherweile Lichter, die einem Ameisenhaufen zueilten und darinnen fand man dann auch die Statue. Als man sie auf einen Steinsockel stellte, ließen sich die Ameisen aber nicht vertreiben, sondern führten um den Stein einen Neubau auf. Die Ameisen zerstreuten sich erst, als man das Bildwerk wieder in die Kirche auf seinen ursprünglichen Platz gab.

— Nach einer anderen Legende stand die Statue bei einer mächtigen Linde bei der Heilquelle unterhalb der Kirche. Als der Baum einging, brachte man die Statue nach Pfarrkirchen, doch kehrte diese nachts zur Quelle zurück. Als dies mehrmals geschah, erbaute man an dieser Stelle eine Kapelle.

— Wieder eine andere Legende erzählt, daß zu verschiedenen Zeiten beim Brunnen eine schöne, mit hellem Glanz umgebene Jungfrau umhergegangen sei, und ebenso wurde sie auch auf dem Friedhof gesehen.

— Es wird auch erzählt, daß die hl. Maria jährlich in den drei Goldenen Samstagnächten nicht in Mariazell, sondern in Adlwang im Bade weile.

— Legendenumwoben sind auch die Feiern der Goldenen Samstage in Adlwang: Vor vielen Jahren stellte einer von drei Mähern, als er an einem Samstag das Läuten der Feierglocken hörte, die Arbeit ein, da die samstägige Feierstunde der hl. Maria geweiht war und betete daheim den Rosenkranz. Als Dank für diese Verehrung fand er beim Weitermähen der Wiese am Montag ein Goldstück als Gabe der hl. Maria. Seit dieser Zeit sollen sich die Wallfahrten an den drei Samstagen nach Michaeli zur Kirche in Adlwang eingebürgert haben.

— Nach einer anderen Version ließ einer von zwei Knechten die Feldarbeit stehen, als ein Priester auf einem Versehgang vorüberging, um ihn begleiten zu können. Er fand dafür nach seiner Rückkehr auf dem Feld ein Geldstück: dies soll der Anstoß für die Wallfahrten an den Goldenen Samstagen nach Adlwang und anderen Gnadenorten gewesen sein.

Wallfahrt: Besonders groß war der Zuzug in den Pestjahren 1679 und 1713. Adlwang galt als einzige Wallfahrt, die pestfrei geblieben war. Bei schweren Geburten wurde der Kindlbettaltar heimgesucht. Im 17. und 18. Jahrhundert galt Adlwang als die bedeutendste Wallfahrt von Oberösterreich; 1755 wurden 46.764 Kommunikanten gezählt, im 18. Jahrhundert durchschnittlich 30.000 im Jahr.

— Heutzutage findet der Hauptbesuch im Mai und an den Goldenen Samstagen statt und zwar vor allem aus dem Steyrtal, Steyr, Garsten, Sierning, Molln und den Kremsmünsterer Pfarren und von diesen vor allem wieder die aus der Umgebung, wie Pfarrkirchen (am 1. Mai und am 1. Goldenen Sonntag zu Fuß, meist bei 200 Personen, davon ca. 80 Kinder; letztere bekommen dann meist ein Paar Würstel), Neuhofen. Besonders an den Goldenen Samstagen kommen viele Prozessionen, dabei wird vielfach bis in die Nähe (z. B. Bad Hall) gefahren und von dort dann zu Fuß hierher gezogen. An den Sonntagen kommen auch viele Einzelbesucher mit Autos.

Besonderheit: Staberikirchtag (Sonntag nach Bartholomäus) der Viechtwanger. Die Bewohner von Viechtwang waren zur Reformationszeit dem katholischen Glauben treu geblieben und tragen seither bei ihrer Wallfahrt nach Adlwang weiße Stäbe in den Händen, um ihren unverfälschten katholischen Glauben zu beteuern.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.


Lage: Bad Hallerstraße 2, 4541 Adlwang.
Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel
Ansicht in Street View
Web: Pfarrgemeinde Adlwang
Geöffnet: tagsüber geöffnet und frei zu besichtigen.
 
Außenansicht:
 

Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

Kirchenraum:

Der Kirchenraum der Wallfahrtskirche Adlwang.
Ein überraschend hoher Raum mit 16 Metern Raumhöhe und dadurch beachtliche Akustik.
Am linken Seitenaltar befindet sich das Gnadenbild.

 

Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang - Kirchenraum

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

Hochaltar:

Der Hochaltar der Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang, Traunviertel, Oberösterreich.
Der Altar aus dem Jahr 1653 ist 15 Meter hoch. Die Hauptfigur ist "Maria mit dem Kind" mit den flankierenden Figuren hl. Johannes der Täufer (links) und hl. Josef (rechts). Im Aufsatz die Marienkrönung. Am Altar befinden sich Reliquienkästen.

 

Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang - Hochaltar

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

Der kreuztragende Heiland:

Neben dem Hochaltar an der Südwand des Presbyteriums befindet sich das Bild des "Blutschwitzenden Heilands von Adlwang". 1749 von der Kirche angeschafft, zeigten sich asbald Blutstropfen auf dem Antlitz Christi. Von weit strömten Pilger herbei, um diese Erscheinung zu betrachten. Diese soll nach ernstzunehmenden Berichten noch bis nach dem Zeiten Weltkrieg aufgetreten sein. (Kirchenführer).

Auf der Beschreibung unterhalb des Bildes steht:

"Der kreuztragende Heiland von Adlwang
Um das Jahr 1749 entwickelte sich ein besonderes Vertrauen der Adlwanger zu diesem Bild. Ab 1755 ist es von zahlreichen Gläubigen öfters schwitzend gesehen worden. Zu den Zweiflern zählte der neue P. Superior von Adlwang, P. Ägid Feichtinger - bis er es selbst sah; mit ihm der Pfleger der Herrschaft Hall, Josef Benedikt Eitelberger, der zur Messe anwesend war. Schnell war eine große Volksmenge anwesend.
Aus der Pfarrchronik und den Akten des Pfarrarchives Adlwang:
Am Thomastag, dem 21. Dezember 1756, nach der Heiligen Messe, von 9 Uhr bis 15 Uhr, schwitzte dieses Bild über die Maßen.
P. Superior Ägid Feichtinger berichtete seinem Abt Alexander III. Dieser meldete dem Bischof von Passau Kardinal Josef Dominik von Lamberg:
- dass die ganze Stirne von der Krone bis an das rechte Auge, und mit demselben gut drei Finger breit die ganze rechte Seite des Angesichtes auf welcher der Backenstreich abgemalter sich zeiget, dann auch die Lefzen (Lippen Anm.), an welchen zwei sehr große Tropfen in Größe eines großen Kreuzers hingen, endlich auch der Bart sehr schwitzte, sonderheitlichen aber bei dem rechten Auge ein großer Tropfen stunde, aus der Backenstreichwunde aber sehr sichtlich floss -
Nach einem Gutachten des herbeigeholten Welser Barockmalers Wolfgang Andreas Heindl, er hatte die Pfarrkirche Pfarrkirchen mit Fresken versehen, war dieses Phänomen nicht auf natürliche Ursachen zurückzuführen. Sein Urteil vom 8. Februar 1757 lautete: "Von Gott bedingt, nicht von der Natur."
Aus nah und fern kamen Berichte über Gebetserhörungen nach inniger Betrachtung und Gebet vor diesem Bild.
Zuletzt berichteten Zeitzeugen (Kurgäste aus Bad Hall) vom Blutschwitzen dieses Bildes zu Beginn der 1950er Jahre."

 

Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang - kreuztragender Heiland

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

Gnadenbild der "Schmerzhaften Muttergottes":

Das Gnadenbild der "Schmerzhaften Muttergottes" befindet sich am linken Seitenaltar in der Wallfahrtskirche Adlwang.
Dieses Vesperbild ist ein Salzburger Steinguss aus der Zeit um 1410/20. Bei der Verwüstung der Kirche um 1595 wurden die rechte Hand Christi und die linke Hand Marias abgeschlagen, die Bruchstellen sind wie Reliquien geziert.
Der Spruch auf dem Podest gibt den Titel der Statue und damit der ganzen Kirche wieder:
"Dolorosa et Gratiosa Virgo
Deipara
Adlwangensis"
(Schmerzhafte und gnadenreiche Jungfrau und Gottesgebärerin von Adlwang)
(Text: Kirchenführer).

 

Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang - Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

Votivbilder:

An der Rückwand des Hochaltars befinden sich eine größere Anzahl von Votivbildern aus mehreren Jahrhunderten. Auch Votivgaben in Form von Krücken und andere Gegenstände im Bezug zur Wallfahrt.
Ein Mirakelbuch existiert.

 

Pfarr- und Wallfahrtskirche Sieben Schmerzen Mariä in Adlwang - Votivbilder

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

   
Literatur zur Wallfahrt:
  - Maria im Ameisenhaufen auf SAGEN.at
  - Die heilige Maria im Bade auf SAGEN.at
  - Der heilige Brunnen in Adlwang auf SAGEN.at
  - Die königliche Jungfrau zu Adlwang aus SAGEN.at
   
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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