| Wallfahrt: | Lebendige regionale Marienwallfahrt; bis in die Gegenwart Fußwallfahrten und Maiandachten aus Steyr und der Umgebung. |
| Status: | Lebendiger regionaler Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Gekrönte Immaculata-Statue, örtlich auch "Maria in der Glorie" genannt. |
| Ort: | Steyr, Winkling. |
| Bezirk/Region: | Steyr / Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Winkling, Maria im Winkl, 4400 Steyr; unmittelbar am heutigen Ennsstausee bei Dietachdorf. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Steyr-Gleink |
| • | Öffnungszeiten: aktuelle Hinweise zu Gottesdiensten, Wallfahrten und Andachten bei der Pfarrgemeinde Steyr-Gleink. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Lage an der Enns, Innenraum, Gnadenbild, Hochaltar mit Prager Jesulein und Wiesheiland, Votivgaben und Inschriften, historische Hinweise zur Flößerfrömmigkeit, Prozessionen, Maiandachten und die Gedenktafel zur Restaurierung.
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Die Wallfahrtskapelle Maria Winkling, auch "Maria im Winkl" genannt, liegt östlich von Dietachdorf unmittelbar an der Enns. Heute erscheint der Ort als stille Kapelle am Rand des Stausees, doch die historische Landschaft war wesentlich dramatischer: Vor der Regulierung und Aufstauung der Enns lag die Kapelle hoch über einer gefährlichen Flussschlinge mit starker Strömung. Gerade diese Lage prägte nicht nur die Ursprungserzählung, sondern auch die besondere Verbindung des Gnadenortes mit Schiffern und Flößern.
Maria Winkling ist kein erloschener Wallfahrtsort. Die Pfarrgemeinde Steyr-Gleink führt bis in die Gegenwart Wallfahrten zur Kapelle durch; auch andere Pfarrgemeinden aus dem Raum Steyr beteiligen sich an gemeinsamen Fußwallfahrten. Im Mai finden regelmäßig Maiandachten statt, und die Kapelle wird weiterhin liturgisch genutzt. Der historische Kult ist damit in einer kleineren, regionalen Form lebendig geblieben.
Die Entstehung der Wallfahrt wird mit einem großen Hochwasser der Enns im Jahr 1736 verbunden. Nach der bis heute überlieferten Gründungsgeschichte trieb damals eine Marienstatue auf dem Hochwasser flussabwärts und wurde bei Winkling ans Ufer gespült. Da sich kein Eigentümer feststellen ließ, soll Abt Andreas I. des Benediktinerstiftes Gleink die Figur an diesem Ort zur öffentlichen Verehrung aufgestellt haben. Zunächst stand sie der Überlieferung nach auf einer Säule beim Fluss; als sich zunehmend Menschen dort einfanden und Opfergaben hinterlegten, wurde eine kleine hölzerne Kapelle errichtet.
Gustav Gugitz gibt dieselbe Überlieferung wieder und bezeichnet die angeschwemmte Statue als Mittelpunkt der späteren Wallfahrt. Eine unmittelbar aus dem Jahr 1736 stammende Urkunde, die das Auffinden der Statue beschreibt, ist in den hier herangezogenen Quellen nicht nachgewiesen. Die Geschichte ist daher als alte und beständige Gründungsüberlieferung des Wallfahrtsortes zu verstehen. Sie erklärt in anschaulicher Weise die enge Verbindung von Gnadenbild, Kapelle und Fluss.
Die erste Kapelle war aus Holz. Zwischen 1773 und 1775 wurde sie durch den bis heute bestehenden Steinbau ersetzt. Träger der Wallfahrt war das Benediktinerstift Gleink, zu dessen seelsorglichem Bereich Winkling gehörte. Der Bau fällt in die letzte große Blütezeit barocker und spätbarocker Wallfahrtsfrömmigkeit unmittelbar vor den josephinischen Reformen.
Ab 1784 war die Kapelle zeitweise gesperrt. Diese Unterbrechung hängt mit den josephinischen Eingriffen in Wallfahrtswesen und Klosterlandschaft zusammen; das Stift Gleink wurde aufgehoben. Maria Winkling blieb jedoch im religiösen Gedächtnis der Umgebung erhalten. 1840 erfolgte die Wiederweihe der Kapelle, womit auch die Wallfahrt erneut einen institutionell gesicherten Rahmen erhielt. Ein Wallfahrtsbild von 1855 und weitere Zeugnisse des 19. Jahrhunderts zeigen, dass der Ort nach dieser Wiederbelebung wieder regelmäßig aufgesucht wurde.
Auf dem Hochaltar steht eine gekrönte Marienstatue, die kunsthistorisch dem Typus der Immaculata zugeordnet wird. Maria hält in der linken Hand eine Lilie, während die rechte Hand an die Brust geführt ist. Unter ihren Füßen befindet sich die Weltkugel mit der Schlange als Zeichen der Überwindung der Sünde. In der lokalen Überlieferung wird die Statue auch "Maria in der Glorie" genannt.
Das Gnadenbild ist damit nicht nur Erinnerungszeichen an die Gründungserzählung, sondern Mittelpunkt der bis heute fortbestehenden Verehrung. Die Vorstellung der aus der Enns geborgenen Madonna verlieh dem Bild eine besondere Ortsbindung: Der Fluss, aus dem die Statue nach der Überlieferung kam, blieb über Jahrhunderte Bestandteil der religiösen Wahrnehmung der Kapelle.
Der Hochaltar stammt aus der Bauzeit der steinernen Kapelle und zeigt die Form eines spätrokoken Baldachinaltars mit bereits klassizistischen Zügen. Putten öffnen gleichsam einen Vorhang und geben den Blick auf das zentrale Marienbild frei. Die Inszenierung ist für eine kleine Wallfahrtskapelle ungewöhnlich anspruchsvoll und verdeutlicht den Rang, den man dem Gnadenbild im 18. Jahrhundert zuschrieb.
Zu beiden Seiten der Madonna befinden sich kleine Schreine mit Kopien weiterer populärer Gnadenbilder: links das Prager Jesulein, rechts der Wiesheiland von Steingaden. Diese Kombination stellt Maria Winkling symbolisch in einen größeren barocken Gnadenraum hinein. Die Kapelle vereint damit nicht nur einen lokalen Marienkult, sondern verweist zugleich auf überregional bekannte Wallfahrtsbilder und deren Wirkungsgeschichte.
Mehrere Hinweise belegen die ältere Votiv- und Dankfrömmigkeit. Überliefert ist eine Darstellung zweier Hände mit den Initialen "G H" und der Jahreszahl 1769. Solche Körpervotive gehören zur klassischen Sprache katholischer Wallfahrtsorte: Das dargestellte Körperteil verweist auf Krankheit, Verletzung oder Genesung, während Initialen und Jahreszahl den persönlichen Dank festhalten konnten.
Besonders bemerkenswert ist ein Wallfahrts- beziehungsweise Votivbild aus dem Jahr 1855, das Johann Gruber in Steyr malte und das von Georg und Theresia Frisch gestiftet wurde. Die Darstellung verbindet die Kapelle mit einem Schiff auf der Enns. Gerade dieses Motiv ist für Maria Winkling von großer volkskundlicher Bedeutung, weil es die Marienwallfahrt mit der religiösen Welt der Flößer und Schiffer verbindet. Das Bild ist zugleich ein Zeugnis für die erneuerte Wallfahrt nach der Wiederweihe der Kapelle im Jahr 1840.
Maria Winkling besaß neben dem eigentlichen Marienkult eine besondere Beziehung zur Flößerei auf der Enns. Auf dem Dachreiter befand sich ursprünglich kein Kreuz, sondern eine blecherne Tafel in Form einer Bischofsmütze mit einer Darstellung des hl. Nikolaus. Der Schutzheilige der Schiffer war so angebracht, dass er von den flussabwärts kommenden Flößern schon von weitem gesehen werden konnte.
Nach der lokalen Überlieferung nahmen die Flößer beim Anblick der Kapelle und des Nikolausbildes ihre Kopfbedeckung ab und verrichteten ein kurzes Gebet für eine glückliche Weiterfahrt. Unmittelbar unterhalb des Gnadenortes lag eine gefährliche Ennsschlinge, deren Strömung und steile Ufer besondere Aufmerksamkeit verlangten. Die kleine Kapelle war daher nicht nur Ziel von Wallfahrern an Land, sondern zugleich ein religiöser Orientierungspunkt für Menschen, die auf dem Fluss unterwegs waren.
Diese Form der Berufsfrömmigkeit verschwand mit dem Ende der traditionellen Flößerei auf der Enns. 1962 wurde die Nikolaustafel am Dachreiter durch ein Kreuz ersetzt. Der Wechsel markiert sichtbar das Ende einer religiösen Praxis, die eng an eine bestimmte Wirtschafts- und Verkehrsform gebunden gewesen war.
Nach der Wiederweihe 1840 entwickelte sich Maria Winkling erneut zu einem regional besuchten Gnadenort. Gugitz bezeichnete den Wallfahrtszuzug als lokal und vermerkte, dass die Kapelle besonders im Sommer gut besucht werde. Für das 19. Jahrhundert ist zudem ein gedrucktes Andachtsbild belegt. Solche kleinen Drucke verbreiteten das Gnadenbild über den eigentlichen Wallfahrtsbesuch hinaus und dienten als persönliche Erinnerung, Hausandacht oder Schutzbild.
Die ältere Überlieferung nennt zweimal jährlich stattfindende Prozessionen aus der Pfarre Gleink sowie zahlreiche Einzelbesucher. Diese Grundform hat sich bis in die Gegenwart erhalten: Fußwallfahrten aus Gleink und benachbarten Steyrer Pfarrgemeinden führen weiterhin zur Kapelle, und Maiandachten knüpfen an die traditionelle Marienfrömmigkeit an. Damit blieb der Gnadenort trotz der Unterbrechungen des 18. und 19. Jahrhunderts religiös wirksam.
Die heutige Umgebung vermittelt nur noch eingeschränkt einen Eindruck von der historischen Lage. Vor dem Ausbau der Wasserkraft stand die Kapelle über einem stark bewegten Flussabschnitt. Die Enns war Verkehrsweg, Arbeitsraum und Gefahrenzone zugleich. Gerade diese Nähe zum Wasser prägte die Entstehungssage ebenso wie die Schifferfrömmigkeit.
Mit dem Kraftwerk Staning, das in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Betrieb genommen wurde, veränderte sich die Landschaft grundlegend. Die ehemals wilde Flussschlinge ging im ruhigen Stausee auf. Als das Stauziel später verändert wurde, musste die Kapelle 1982 umfassend fundamentiert und restauriert werden. An diese Arbeiten erinnert eine Gedenktafel im Inneren. An der Sicherung beteiligten sich unter anderem die Ennskraftwerke, das Bundesdenkmalamt sowie kirchliche Stellen.
Für die volkskundliche Interpretation ist diese Landschaftsveränderung wesentlich. Der heutige Besucher erlebt Maria Winkling als stilles Kirchlein am Wasser; historische Wallfahrer und Flößer kannten dagegen einen Ort hoch über einer gefährlichen, geräuschvollen Enns. Erst mit diesem Wissen wird verständlich, weshalb die Verbindung von Madonna, Nikolaus, Schiff und Fluss in der örtlichen Überlieferung so stark ausgeprägt ist.
Maria Winkling wird weiterhin als Wallfahrtskapelle genutzt. Gemeinsame Fußwallfahrten aus mehreren Steyrer Pfarrgemeinden, Gottesdienste bei der Kapelle und Maiandachten zeigen, dass der Ort seine Funktion als regionales religiöses Ziel bewahrt hat. Die heutige Wallfahrt ist kleiner als die großen überregionalen Gnadenorte Oberösterreichs, besitzt aber eine klare lokale Kontinuität.
Gerade diese Kontinuität macht Maria Winkling volkskundlich bemerkenswert. Hochwasser- und Fundüberlieferung, Marienverehrung, Votivwesen, Andachtsgraphik, josephinische Unterbrechung, Wiederbelebung im 19. Jahrhundert, Flößerfrömmigkeit und heutige Fußwallfahrt bilden keine voneinander unabhängigen Episoden, sondern verschiedene Schichten eines über fast drei Jahrhunderte gewachsenen Wallfahrtsortes.
- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 143-144.
- Adalbert Depiny: Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz 1932, S. 338.
- Franz Harrer: Überlieferungen und geschichtliche Nachrichten zu Maria Winkling bei Gleink.
- Pfarrgemeinde Steyr-Gleink: Geschichtliche Angaben zur Wallfahrtskapelle Maria Winkling und zur heutigen Wallfahrtstradition.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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