Steinhaus, Filialkirche Taxlberg zum hl. Nikolaus (erloschene Wallfahrt)

Schnellüberblick
Wallfahrt:Lokale Marien- und Wallfahrtstradition; der ältere Wallfahrtsbrauch ist nur lückenhaft dokumentiert. Die Kirche wird weiterhin als Andachtsziel aufgesucht.
Status:Historisch als Wallfahrtsort überliefert; heute Filialkirche St. Nikolaus und religiöser Andachtsort.
Kultzentrum:Marienverehrung; seit 1882 ist ein Gnadenaltar der "dreimal wunderbaren Muttergottes" archivalisch belegt.
Ort:Steinhaus, Taxlberg.
Bezirk/Region:Wels-Land / Traunviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: Taxlberg, 4641 Steinhaus; die Kirche steht landschaftlich markant auf einer Anhöhe über dem Aiterbachtal.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Steinhaus
• Öffnungszeiten: aktuelle Hinweise bei der Pfarrgemeinde Steinhaus.
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Besonders willkommen sind Außenansicht und landschaftliche Lage, der Innenraum, der Hochaltar von 1691, der Marien- bzw. Gnadenaltar, die romanische Weiheinschrift von 1108, der hölzerne Westvorbau, Votivgaben, Prozessionen, Andachten und weitere Zeugnisse der Wallfahrtstradition.

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Ausführliche Beschreibung

Lage und heutige Funktion

Die Nikolauskirche von Taxlberg steht südwestlich von Steinhaus auf einer Anhöhe über dem Aiterbachtal und gehört zu den landschaftlich auffälligen kleinen Kirchen des Welser Umlandes. Heute ist sie Filialkirche der Pfarrgemeinde Steinhaus. Gottesdienste und Andachten halten die religiöse Nutzung des abgelegenen Kirchleins lebendig; zugleich ist die Bezeichnung "Wallfahrtskirche Taxlberg" bis in die Gegenwart geläufig. Für die historische Wallfahrt ist allerdings zwischen sicher belegten Tatsachen, späteren Überlieferungen und nur schwach dokumentierten Angaben zu unterscheiden.

Romanischer Ursprung und mittelalterliche Geschichte

Lange galt Taxlberg vor allem als kleine gotische Kirche. Die Generalrestaurierung der 1990er Jahre veränderte dieses Bild grundlegend. Bei den Untersuchungen wurde eine romanische Weiheinschrift freigelegt, die die Kirchweihe im Jahr 1108 belegt. Eine archäologische Grabung wies zudem die ursprüngliche romanische Rundapsis nach. An der Nordwand des Langhauses blieb ein Dokumentationsfeld mit Teilen der romanischen Raumschale und einem farbigen Mäanderfries sichtbar; im gotischen Chor konnten ältere Farbfassungen und ein schwarzer Maßwerksfries nachgewiesen werden. Damit gehört der Baukern der Kirche in das frühe 12. Jahrhundert und ist wesentlich älter, als es die lange Zeit maßgebliche gotische Erscheinungsform vermuten ließ.

Um 1315 wird Taxlberg im "Census Ecclesiarum" als Filiale von Thalheim genannt. Eine neuerliche Weihe erfolgte 1457 zu Ehren des hl. Nikolaus; damals besaß die Kirche zwei Altäre. Für den 10. April 1500 ist ein Ablassbrief überliefert. Im 17. Jahrhundert folgten mehrere Bau- und Ausstattungsphasen: 1672 und 1673 wurde die Kirche umfassend erneuert, wobei sie unter anderem einen Dachreiter und eine neue Kanzel erhielt. 1691 entstanden ein neuer Altar und weitere Ausstattungsstücke. Der heutige barocke Hochaltar wird dem Bildhauer Sebastian Grunder zugeschrieben und zeigt den Kirchenpatron Nikolaus, begleitet von den Heiligen Florian und Sebastian.

Baugestalt und Ausstattung

Die heutige Gestalt verbindet den romanischen Kern mit der späteren gotischen Umformung. Der schlichte Bau besitzt einen eingezogenen Chor, Maßwerkfenster, Rippengewölbe und ein profiliertes spätgotisches Westportal mit alten Eisenbeschlägen. Vor dem Westportal steht ein auffallend breiter, offener hölzerner Vorbau. Der Dachreiter trägt einen achtseitigen Pyramidenhelm. Die Restaurierung legte die verschiedenen historischen Schichten bewusst nebeneinander frei und machte damit den romanischen Ursprung ebenso sichtbar wie die gotische und barocke Weiterentwicklung.

Eine ältere Deutung, wonach im Westteil der Kirche Reste eines römischen Wachtturmes verbaut seien, lässt sich durch die neueren bauarchäologischen Untersuchungen nicht bestätigen. Gesichert ist dagegen, dass beim Abbruch der alten Kirchhofmauer im Jahr 1837 eine römische Münze gefunden und dem Linzer Museum übergeben wurde. Der Fund belegt römische Spuren in der Umgebung, ist aber kein Nachweis für einen römischen Vorgängerbau der Kirche.

Marienaltar und "dreimal wunderbare Muttergottes"

Für die Wallfahrtsgeschichte ist die Marienverehrung von besonderer Bedeutung. Eine archivalische Bauchronologie berichtet, dass 1882 im Zuge einer umfangreichen Renovierung ein älterer Marienaltar aus dem späten 17. Jahrhundert abgebrochen wurde. An seine Stelle trat ein vom Welser Kunsttischler Johann Wiesinger gefertigter "Gnadenaltar der dreimal wunderbaren Muttergottes". Die Quellen zeigen damit sicher, dass die Kirche spätestens im 19. Jahrhundert ein ausdrücklich als Gnadenaltar bezeichnetes marianisches Kultzentrum besaß. Der Titel "dreimal wunderbare Muttergottes" ist als marianischer Ehrentitel zu verstehen und darf nicht als Hinweis auf drei konkrete Wunder in Taxlberg missverstanden werden.

Gustav Gugitz verzeichnete Taxelberg später als "Kapelle zur dreimal wundertätigen Maria", konnte dazu jedoch weder Literatur noch archivalische Belege anführen. Als Kultgegenstand nennt er nur allgemein die hl. Maria, das Einzugsgebiet bezeichnet er als lokal. Besonders aufschlussreich ist seine Quellenangabe: Seine Nachricht beruhte lediglich auf der Mitteilung einer nicht namentlich genannten Dame in Wels, und den Wallfahrtscharakter kennzeichnete er selbst nur als angeblich. Für die wissenschaftliche Einordnung ist daher der archivalisch belegte Gnadenaltar von 1882 erheblich gewichtiger als Gugitz' knappe Notiz.

Wallfahrt und Andachtsbrauch

Taxlberg wird seit langem als Wallfahrtskirche bezeichnet, doch die ältere Wallfahrt ist nur lückenhaft fassbar. Der Ablassbrief von 1500 beweist eine besondere religiöse Bedeutung der Kirche, aber für sich allein noch keine ausgeprägte Wallfahrt. Auch Gugitz konnte den Wallfahrtscharakter nicht verlässlich belegen. Sicher nachweisbar ist dagegen die marianische Kultschicht mit dem Gnadenaltar des 19. Jahrhunderts. In neuerer Zeit wurde die Kirche wiederholt als Ziel von Gruppenwallfahrten und Maiandachten gewählt. Damit hat sich Taxlberg als Andachts- und Pilgerziel erhalten, auch wenn Umfang, Regelmäßigkeit und genaue Formen der älteren Wallfahrt derzeit nicht in derselben Dichte dokumentiert sind wie bei großen oberösterreichischen Gnadenorten.

Gerade diese Zurückhaltung ist für Taxlberg wichtig: Die Kirche besitzt eine sehr alte Baugeschichte, eine nachweisbare Marienverehrung und eine fortlebende Wallfahrtsbezeichnung, doch nicht jede später überlieferte Prozession oder jeder vermutete Brauch lässt sich bisher unabhängig aus älteren Quellen bestätigen. Die Bezeichnung als Wallfahrtskirche ist deshalb historisch gerechtfertigt, der genaue Verlauf der Wallfahrtstradition bleibt jedoch in Teilen offen.

Volkskundliche Überlieferung

Neben der Marienverehrung ist eine Gründungssage bemerkenswert, die Adalbert Depiny überliefert. Darin erscheint der Aiterbach als einst mächtiges Gewässer: Drei Fischer geraten in den angeschwollenen Fluten in Lebensgefahr, geloben für ihre Rettung den Bau einer Kirche und gelangen schließlich in der Gegend von Steinhaus ans Land. Dort errichten sie die Kirche, die dem hl. Nikolaus als Patron der Schiffer geweiht wird. Depiny nennt den Ort irrtümlich "Taxelbach"; die spätere Forschung hat die Erzählung eindeutig auf Taxlberg bezogen. Historisch erklärt diese Sage die Entstehung der Kirche nicht, volkskundlich verbindet sie aber den Nikolauskult sehr anschaulich mit dem Motiv der Rettung aus Wassernot.

Die Erzählung steht in einem deutlichen Spannungsverhältnis zur archäologisch und epigraphisch gesicherten Frühgeschichte des Baues von 1108. Gerade darin liegt ihr volkskundlicher Wert: Sie ist keine Gründungsurkunde, sondern eine nachträgliche Deutung, welche Patrozinium, Landschaft und lokale Erinnerung miteinander verbindet. Ob der auffällige hölzerne Westvorbau tatsächlich mit früheren Segnungen von Haustieren oder anderen Wallfahrtsbräuchen zusammenhing, ist bislang nicht ausreichend belegt und sollte ohne zusätzliche Quellen nicht als historische Tatsache dargestellt werden.

Restaurierung und Erhaltung

Die umfassende Restaurierung in den 1990er Jahren war für das heutige Verständnis der Kirche entscheidend. Neben der Freilegung der romanischen Weiheinschrift und des Mäanderfrieses konnten die ursprüngliche Rundapsis sowie mittelalterliche Farbfassungen dokumentiert werden. Der Innenraum wurde auf die gotische Originalschicht zurückgeführt, der barocke Hochaltar restauriert und die historischen Kirchenbänke erhalten. Die Kirche wurde 1995 nach Abschluss der Generalrenovierung wieder eröffnet. Dadurch ist Taxlberg heute zugleich ein kleiner Wallfahrts- und Andachtsort und ein bedeutendes Zeugnis romanischer und gotischer Sakralarchitektur im oberösterreichischen Zentralraum.

Literatur und Quellen

- Rupert Froschauer: Zur Geschichte der Nikolauskirche von Taxlberg und ihre Weiheinschrift aus dem Jahre 1108. In: Jahrbuch des Musealvereines Wels, Band 30 (1993/94/95), Wels 1996, S. 257-288.

- Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 134.

- Adalbert Depiny: Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz 1932, S. 332, Nr. 97.

- Bundesdenkmalamt: Denkmalpflege in Oberösterreich. Jahresbericht zur Restaurierung der Filialkirche Taxlberg, mit Befunden zur romanischen Rundapsis, Weiheinschrift und mittelalterlichen Raumschale.

- Pfarrgemeinde Steinhaus: Filialkirche Taxlberg zum hl. Nikolaus; Angaben zur Baugeschichte und heutigen kirchlichen Nutzung.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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