| Wallfahrt: | Lebendige regionale Wallfahrt zur Rot-Kreuz-Kapelle, besonders im September um das Fest des hl. Matthäus; Fußwallfahrer kommen traditionell aus Windischgarsten und Unterlaussa. Mit dem Wasser der Heilquelle ist der Brauch des Augenwaschens verbunden. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Heilquelle und Kreuz; die Quelle wird heute in der Kapelle gefasst. |
| Ort: | Rosenau am Hengstpaß. |
| Bezirk/Region: | Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: am Hengstpaß, 4581 Rosenau am Hengstpaß. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarre Windischgarsten und Pfarre Unterlaussa |
| • | Öffnungszeiten: frei zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
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Die Rot-Kreuz-Kapelle liegt am Hengstpaß zwischen dem Windischgarstener Becken und dem Laussatal, an einem alten Verkehrsweg, der seit Jahrhunderten die oberösterreichische Seite des Passes mit dem steirischen Ennstal verbindet. Schon im 15. Jahrhundert führte hier ein Proviantweg in Richtung Erzberg. Der Wallfahrtsort besteht nicht allein aus einer Kapelle: Sein ältester und volkskundlich bedeutendster Kern ist die Heilquelle, mit der sich mehrere Ursprungssagen und der Brauch des Waschens, besonders der Augen, verbinden. Gustav Gugitz beschreibt den Platz noch knapp als Kapelle "zum roten Kreuz" bei einer Heilquelle und nennt als Einzugsgebiet die Umgebung; einen eindeutigen älteren Kultgegenstand konnte er nicht feststellen.
Die Bauzeit der ursprünglichen Kapelle ist nicht sicher bekannt. Sicher ist jedoch, dass an dieser Stelle bereits vor dem heutigen Bau eine ältere Kapelle bestand. Sie stand etwa 80 Meter bachaufwärts vom heutigen Standort. Als sie baufällig geworden war und der enge Platz für größere Gottesdienste und Wallfahrtsversammlungen nicht mehr ausreichte, begann man am 6. September 1975 mit einem Neubau. Der Rohbau wurde noch vor dem Winter fertiggestellt; im folgenden Frühjahr und Sommer erfolgten Innenausbau und Gestaltung des Vorplatzes. Zugleich leitete man das Wasser der heiligen Quelle in die neue Kapelle. Am 26. September 1976 nahm Abt Othmar Rauscher vom Stift Schlierbach die Weihe vor. Die heutige Kapelle entstand damit aus einer lebendigen Wallfahrtstradition heraus und wurde bewusst für die größere Zahl der Besucher angelegt.
Der Name "Rotes Kreuz" besitzt möglicherweise eine ältere Bedeutung als die Wallfahrtslegenden. Neuere Forschungen zu den sogenannten Roten Kreuzen weisen darauf hin, dass solche Kleindenkmäler häufig an Altwegen, Herrschafts- und Gerichtsgrenzen standen. Auch die Rot-Kreuz-Kapelle am Hengstpaß liegt an einer historischen Grenze zwischen Herrschafts- und Gerichtsbezirken. Ob der Platz tatsächlich einmal als Übergabestelle zwischen verschiedenen Gerichten diente, ist nicht nachgewiesen. Die Lage macht jedoch deutlich, dass die Bezeichnung des Ortes auch aus einem älteren Grenz- und Rechtszusammenhang stammen kann. Die später erzählten Heilungslegenden bieten dagegen eine anschauliche religiöse Erklärung für den Namen.
Eine der älteren Sagenfassungen erzählt von einem schwer verwundeten Kreuzfahrer, der auf dem Hengstpaß bei der Quelle rastete. Im Traum erhielt er die Weisung, seine Wunden mit dem Wasser zu waschen. Nachdem er dies getan hatte und Heilung verspürte, soll er aus Dankbarkeit das dortige Kreuz mit seinem Blut bestrichen haben. Eine zweite, von Adalbert Depiny überlieferte Fassung setzt einen anderen Akzent: Der Verwundete beobachtet eine ebenfalls verletzte Maus, die in das Quellwasser taucht und anschließend gesund davonläuft. Er folgt ihrem Beispiel, wäscht seine Wunden und wird geheilt; aus Dank errichtet er die Kapelle beziehungsweise ein Kreuz. Die heute in der Kapelle wiedergegebene Erzählung spricht statt eines Kreuzfahrers von einem von Wegelagerern misshandelten Pilger, behält aber das Motiv der verwundeten Maus und der heilenden Quelle bei.
Diese Fassungen sind nicht als historische Berichte zu verstehen, sondern als Ursprungssagen eines bereits verehrten Ortes. Sie erklären zugleich den Namen "Rotes Kreuz", die Heilkraft des Wassers und die Entstehung des sakralen Baues. Der Gebrauch der Quelle blieb dabei nicht auf die Erzählung beschränkt. Das Wasser wird bis heute in der Kapelle gefasst; überliefert und vor Ort dokumentiert ist insbesondere das Waschen der Augen. Damit gehört die Rot-Kreuz-Kapelle zu jener großen Gruppe alpiner Wallfahrtsorte, an denen Kreuzverehrung, Quelle, Heilungsbitte und persönliche Dankfrömmigkeit eng miteinander verbunden sind.
Die Rot-Kreuz-Wallfahrt ist keine erloschene historische Erinnerung, sondern wird weiterhin begangen. Ihr traditioneller Termin liegt im September um das Fest des Apostels Matthäus am 21. September. Fußwallfahrer kommen vor allem aus Windischgarsten und Unterlaussa. Die Wege von beiden Seiten des Hengstpasses verbinden damit bis heute zwei Landschaftsräume, die schon durch den alten Passweg miteinander verbunden waren. Gottesdienst und gemeinsames Gebet bei der Kapelle bilden den Mittelpunkt der Wallfahrt; wiederholt wirken dabei auch Musikgruppen aus der Region mit.
Ein Bericht der Steyrer Zeitung vom 15. Oktober 1970 dokumentiert eine besonders ausgeprägte Form dieser Wallfahrt. Damals zog eine Prozession von Rosenau in Richtung Passhöhe, während eine zweite Gruppe von Unterlaussa durch das Laussatal heraufkam. In der Nähe der Buglalm vereinigten sich die beiden Züge und gingen gemeinsam zur geschmückten Kapelle. Dort wurde die Messe gefeiert; die Bergknappenkapelle Unterlaussa begleitete die Wallfahrt musikalisch. Zugleich wurde ein damals als fünfzigjährig verstandenes Jubiläum einer organisierten Wallfahrtsform begangen. Diese Angabe bezeichnet nicht den Beginn der religiösen Verehrung am Roten Kreuz, denn Kapelle und Gottesdienst am Ort sind bereits früher belegt, sondern dokumentiert eine bestimmte Form der gemeinschaftlich organisierten Wallfahrt im 20. Jahrhundert.
Die in der Kapelle erhaltenen Votivbilder zeigen, dass neben der gemeinschaftlichen Jahreswallfahrt auch persönliche Bitt- und Dankfrömmigkeit eine wichtige Rolle spielte. Gerade bei einem Heilbründl ist die individuelle Bitte um Genesung ein wesentlicher Teil der Wallfahrtskultur. Die Verbindung von Quellwasser, Heilungssage und Votivgaben macht den kleinen Bau zu einem besonders anschaulichen Beispiel dafür, wie sich ein alter Pass- und Grenzort zu einem regionalen religiösen Erinnerungs- und Wallfahrtsplatz entwickeln konnte.
- Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Band 5: Oberösterreich und Salzburg, Wien 1958, S. 143.
- Adalbert Depiny, Oberösterreichisches Sagenbuch, Linz 1932, S. 329.
- Adalbert Depiny, Volkskundliches aus dem politischen Bezirk Kirchdorf a. d. Krems, Linz 1939, S. 128.
- K. A. Gloning, Oberösterreichische Volkssagen, Linz 1912, S. 24.
- Lenka Hůlková, Ernst Janko, Elisabeth Schiffkorn, Grenzüberschreitende Kleindenkmalforschung Oberösterreich - Südböhmen. Die "Roten Kreuze", Rechtsaltertümer aus der Zeit der Rodungen durch die Babenberger und frühen Habsburger?, Linz 2021.
- Steyrer Zeitung, 15. Oktober 1970.
- SAGEN.at-Dokumentation: Rosenau am Hengstpaß, "Rot-Kreuz-Kapelle", Recherche vor Ort und Bilddokumentation.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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