| Wallfahrt: | Historische Sebastianwallfahrt von Ried nach Weigersdorf zur Abwehr von Pest und Seuchen; die Kirche wird auch heute als Wallfahrts- und Pilgerziel genutzt und steht zugleich in der Tradition des hl. Jakobus als Pilgerpatron. |
| Status: | Historischer und weiterhin genutzter Wallfahrts- und Pilgerort. |
| Kultzentrum: | Historisch verehrtes barockes Bild des hl. Sebastian am linken Seitenaltar; Kirchenpatron ist der hl. Jakobus der Ältere. |
| Ort: | Weigersdorf, Ried im Traunkreis. |
| Bezirk/Region: | Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Weigersdorf, 4551 Ried im Traunkreis. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Ried im Traunkreis |
| • | Öffnungszeiten: saisonal unterschiedlich; aktuelle Hinweise bei der Pfarrgemeinde. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Die Filialkirche Weigersdorf liegt auf einer kleinen Anhöhe nordöstlich von Ried im Traunkreis und gehört zur Pfarrgemeinde Ried im Traunkreis. Das dem hl. Jakobus dem Älteren geweihte Gotteshaus ist nicht nur ein bedeutendes Beispiel spätgotischer Sakralarchitektur im Traunviertel, sondern besitzt auch eine lange Wallfahrtstradition. Historisch richtete sich die Wallfahrt innerhalb der Jakobuskirche vor allem auf den hl. Sebastian, der als Fürsprecher gegen Pest und Seuchen angerufen wurde. In der Gegenwart wird Weigersdorf weiterhin als Wallfahrts- und Pilgerkirche genutzt; zugleich tritt durch das Patrozinium des hl. Jakobus, des traditionellen Pilgerpatrons, die allgemeine Pilgeridee wieder stärker hervor.
Der Ortsname Weigersdorf ist seit dem 12. Jahrhundert belegt. Für eine erste Kirche wird in der örtlichen Überlieferung eine Weihe um 1162 genannt; eine noch ältere Kapelle um 903 wird ebenfalls erwähnt, ist jedoch quellenmäßig weniger sicher. Der heutige Bau entstand in mehreren spätgotischen Bauphasen. Unter Abt Ulrich von Kremsmünster wurde 1437 mit dem Presbyterium begonnen, der Chor mit polygonalem Schluss und Netzrippengewölbe wurde 1476 geweiht. Das zweischiffige Langhaus mit seinen reichen Netz- und Schlingrippengewölben wurde 1523 vollendet. Der Turm kam 1607 bis 1608 hinzu. Die Kirche untersteht seit alters dem Benediktinerstift Kremsmünster.
Der Bau gehört zu den bemerkenswerten zweischiffigen spätgotischen Landkirchen Oberösterreichs. Hohe Fenster mit Fischblasenmaßwerk, das gotische Südportal und vor allem die dicht geführten Rippenfiguren des Gewölbes bestimmen den Innenraum. Die barocke Ausstattung wurde in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts geschaffen. Hochaltar, Seitenaltäre und Kanzel werden mit dem Kremsmünsterer Bildschnitzer Sebastian Gründler verbunden; die Seitenaltäre sind 1666 bezeichnet. Im Hochaltar steht der Kirchenpatron Jakobus, während die Seitenaltäre dem hl. Sebastian und dem hl. Wolfgang gewidmet sind. Damit treten innerhalb eines spätgotischen Kirchenraumes mehrere Kultschichten nebeneinander: das Jakobuskirchlein als alte Filialkirche, die barocke Heiligenverehrung und die besondere Sebastianwallfahrt.
Für die eigentliche historische Wallfahrt ist nicht der Kirchenpatron Jakobus, sondern der hl. Sebastian entscheidend. Gustav Gugitz nennt als Kultgegenstand ausdrücklich das barocke Gemälde des Heiligen am linken Seitenaltar. Sebastian ist an den Marterpfahl gebunden dargestellt und wurde in Weigersdorf vor allem als Schutzheiliger gegen Pest und andere Seuchen verehrt. Das Einzugsgebiet der Wallfahrt lag nach Gugitz in der näheren Umgebung; am Sebastianitag kam noch eine Wallfahrt aus Ried nach Weigersdorf. Damit ist Weigersdorf als regionaler Sebastian-Wallfahrtsort eindeutig belegt.
Diese Verehrung steht in einem größeren volkskundlichen Zusammenhang. Der hl. Sebastian zählte seit dem Mittelalter zu den wichtigsten Pestheiligen. Wallfahrten zu seinem Bild verbanden Fürbitte, Erinnerung an vergangene Seuchenerfahrungen und die Hoffnung auf Schutz vor neuer Krankheit. Gerade in einer ländlichen Gemeinschaft, in der Epidemien nicht nur Familien, sondern ganze Dörfer bedrohen konnten, erhielten solche Heiligenkulte eine besonders starke soziale und religiöse Funktion.
Ein besonders wichtiges Zeugnis dieser Frömmigkeit ist das erhaltene Votivbild. Seine Inschrift erinnert an eine "pestartige Krankheit", die im Jahr 1713 von Mitte Mai bis Ende Juni in der Gegend geherrscht und viele Menschen hinweggerafft habe. Dargestellt ist die himmlische Sphäre mit der Dreifaltigkeit, Maria und Heiligen; im unteren Bereich erscheinen der hl. Sebastian und von der Seuche betroffene Menschen. Das Bild verbindet damit historische Erinnerung und religiöse Deutung unmittelbar miteinander.
Bei der Datierung ist eine quellenkritische Unterscheidung notwendig. Gustav Gugitz, der Weigersdorf für sein Werk über die österreichischen Gnadenstätten aufnahm, bezeichnete das Votivbild als eine Stiftung der Pfarre Ried aus dem Jahr 1763, während sich die sichtbare Inschrift ausdrücklich auf die Seuche von 1713 bezieht. Ob das Gemälde 1763 als spätere Erinnerung an die Ereignisse von 1713 geschaffen wurde oder ob Gugitz eine Datierung missdeutete, lässt sich aus den derzeit greifbaren Quellen nicht sicher entscheiden. Sicher ist jedoch der enge Zusammenhang zwischen dem Bild, der Erinnerung an eine schwere Seuche und der Sebastianverehrung.
Neben dieser historischen Sebastianwallfahrt besitzt Weigersdorf durch seinen Kirchenpatron eine zweite, heute wieder besonders sichtbare Pilgerdimension. Der hl. Jakobus der Ältere ist seit dem Mittelalter eng mit dem Pilgerwesen verbunden. Die Pfarrgemeinde bezeichnet Weigersdorf weiterhin als Wallfahrtskirche und nutzt sie für Gottesdienste, Wallfahrten und besondere Pilgerveranstaltungen. Im Heiligen Jahr wurde die Kirche unter dem Leitmotiv "Pilger der Hoffnung" bewusst als Pilgerkirche profiliert; Wallfahrten, Gottesdienste und eine Sternwallfahrt knüpften dabei an den Charakter des Ortes an.
Damit zeigt Weigersdorf eine für viele alte Wallfahrtsorte typische historische Schichtung. Der ursprüngliche Kirchenpatron Jakobus bestimmt Patrozinium und heutige Pilgersymbolik, während die konkrete frühneuzeitliche Wallfahrt vor allem auf den Sebastianaltar und den Schutz vor Pest und Seuchen gerichtet war. Das erhaltene Votivbild macht diese ältere Kultschicht unmittelbar sichtbar. Die heutige Nutzung als Wallfahrts- und Pilgerkirche führt beide Traditionslinien auf neue Weise zusammen.
Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Band 5: Oberösterreich und Salzburg, Wien 1958, S. 141.
"Beispielgebende Restaurieraktion an der Filialkirche Weigersdorf", Mitteilungsblatt des Vereins Denkmalpflege in Oberösterreich, Nr. 31, August/September 1977.
Heimatbuch der Gemeinde Ried im Traunkreis, zur Geschichte und Ausstattung der Filialkirche Weigersdorf.
Pfarrgemeinde Ried im Traunkreis, Informationen zur Filialkirche Weigersdorf und zur heutigen Nutzung als Wallfahrts- und Pilgerkirche.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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