Ried im Traunkreis, Wallfahrtskapelle Maria Haslach

Von Ried auf der Straße nach Vorchdorf, gleich nach der ersten Kurve und der Brücke, zweigt ein kleines Sträßchen linker Hand ab; am Beginn des Waldes, von Bäumen etwas verborgen, liegt die Kirche Maria im Haslach (Haslet).

1753 wurde eine hölzerne Kapelle und von 1835 bis 1843 das steinerne Kirchlein erbaut; am 10. August 1843 nahm Abt Thomas Mitterndorfer von Kremsmünster die Weihe vor; es untersteht dem Benediktinerstift Kremsmünster.

Kultgegenstand: Kleines Gemälde (Öl auf Leinwand) einer am Kreuzstamm sitzenden Dolorosa mit sieben Schwertern in der Brust, die linke Hand an das Herz gedrückt, auf dem Hochaltar. Das Gnadenbild war ursprünglich ein Kupferstich, als dieser, wohl durch die Witterungseinwirkungen, schlecht geworden war, wurde ein kleines Ölbild auf Leinwand angefertigt, das jetzt auf dem Hochaltar als Kopie angebracht ist.

Legende: Zwei Schwestern gingen eines Abends im Jahre 1754 über die Felder und bemerkten dabei in einem Haselstrauch neben einem Lindenbaum ein kleines Muttergottesbild; sie nahmen es heim, am nächsten Tag aber war das Bild verschwunden. Als die Mädchen am Morgen zur Messe gingen, fanden sie es an seinem alten Platz im Haselstrauch wieder. Sie brachten nun das Bild zum Pfarrer, aber auch von hier verschwand es wieder in den Haselstrauch. Nun wurde eine Kapelle für das Bild erbaut.

— Die geschichtlich fundierte Überlieferung besagt folgendes:
Ein kleines Mädchen, Barbara vom Friedwagnergut nahe der Kapelle, erhielt eines Tages von einem Sammelbruder ein Muttergottesbild; das Kind befestigte das Bild an einem Lindenbaum und betete täglich davor; mit der Zeit kamen auch andere Leute und verrichteten hier ihre Andacht. Der Bruder Barbaras hörte im Winter um acht Uhr abends einen übernatürlichen Gesang, wie von vielen Vögeln, der immer höher schwebte; als er einmal krank war, fand er nach dem Gebet bei dem Bild Heilung. Barbara trat 1708 bei den Ursulinen in Linz als Laienschwester ein und legte 1710 ihre Profess ab. Ihr Klostername war Maria Apollonia vom hl. Benedikt. Im Alter von 76 Jahren bekam sie große Sehnsucht nach dem Marienbild, das sie in ihrer Kindheit so verehrt hatte, und sie schrieb 1752 an den Pfarrer und bat, ihr das Bild zu übergeben, sie würde dafür eine Kopie herstellen lassen. Das Bild kam also nach Linz und am Baum wurde eine Kopie befestigt. Die Verehrung des Bildes nahm immer mehr zu, und 1753 wurde eine hölzerne Kapelle erbaut. Schwester Apollonia starb im 83. Lebensjahr 1759 in Linz. Als die Kapelle stand, nahm der Zuzug immer mehr zu, und als die Kapelle baufällig wurde, beschloss man, ein steinernes Kirchlein zu erbauen; der Baugrund und etwas Wald um die Kapelle wurden gespendet. Das Bild hatte sich in der Zwischenzeit so in den Baum verwachsen, dass es aus dem Holz herausgestemmt werden musste.

Wallfahrt: Früher fast jede Woche Besuch aus dem ganzen Traunviertel. — Jetzt nur noch einzeln besucht, besonders an den 13. der Monate Mai bis Oktober, dann wird auch Messe gelesen; fast alle Wallfahrer kommen zu Fuß; von der Pfarre wird einmal im Jahr eine Fußprozession hierhergeführt.
In der Kirche zahlreiche Votivbilder, doch fast nur wertlose Drucke; viele Inschriften auf den Wänden, auch aus neuerer Zeit. An einem Baum vor der Kapelle zwei Marterl, eines von 1832.

Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.



Lage: Kapellenweg, 4551 Ried im Traunkreis
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Web: Pfarrgemeinde Ried im Traunkreis
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Außenansicht:
 

Ried im Traunkreis, Wallfahrtskapelle Maria Haslach

Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie

 

Innenansicht:
 

Ried im Traunkreis, Wallfahrtskapelle Maria Haslach

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Altar Maria Haslach:
 

Altar, Ried im Traunkreis, Wallfahrtskapelle Maria Haslach

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Literatur zur Wallfahrt:
  - P. Wolfgang Stadlbauer, Wallfahrtsbüchlein Maria Haslach, (1947).
   
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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