| Wallfahrt: | Lebendiger regionaler Marienwallfahrtsort. Bittprozessionen und Gottesdienste führen weiterhin nach Maria Haslach; besonders gepflegt wird die Andacht zur Schmerzhaften Muttergottes in den Monaten Mai bis Oktober. |
| Status: | Lebendiger historischer Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Gnadenbild der Schmerzhaften Muttergottes, eine kleine Darstellung der Dolorosa mit sieben Schwertern in der Brust; der Kult geht auf ein älteres Marienbild an einem Baum zurück. |
| Ort: | Ried im Traunkreis. |
| Bezirk/Region: | Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Kapellenweg, 4551 Ried im Traunkreis |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarrgemeinde Ried im Traunkreis |
| • | Öffnungszeiten: Keine verlässlich veröffentlichten allgemeinen Öffnungszeiten; zu Gottesdiensten und Wallfahrtsterminen zugänglich. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
Die Wallfahrtskapelle Maria Haslach liegt außerhalb des Ortskerns von Ried im Traunkreis am Rand eines Waldstücks. Ihr Ursprung ist nicht in einem planmäßig angelegten Kirchenbau, sondern in einer älteren Andachtsstätte bei einem Baum zu suchen. Gustav Gugitz vermerkt, dass der Kultgegenstand der Überlieferung zufolge bereits 1686 an einem Baum verehrt worden sei. Sicher nachweisbar ist eine hölzerne Kapelle aus dem Jahr 1753. Als dieser Bau baufällig geworden war, begann 1835 die Errichtung des heutigen gemauerten Kirchleins. Am 10. August 1843 wurde die Kapelle durch Abt Thomas Mitterndorfer von Kremsmünster geweiht. Maria Haslach steht damit in der für Oberösterreich charakteristischen Tradition kleiner, aus einem zunächst privaten oder örtlich begrenzten Bildkult hervorgegangener Wallfahrtsstätten.
Die heutige Ausstattung entstand in mehreren Schritten. 1861 erhielt die Kapelle einen Altar des Linzer Bildhauers Johann Rint. Über dem Scheintabernakel befindet sich das Gnadenbild; sein Rahmen wird von Darstellungen der sieben Schmerzen Mariens begleitet. Auch die Deckenausstattung greift marianische Themen auf. Die Kapelle blieb trotz ihrer geringen Größe über lange Zeit ein regionaler Andachts- und Wallfahrtsort und wird bis heute für Gottesdienste, Bittprozessionen und Marienandachten genutzt.
Im Mittelpunkt der Verehrung steht die Schmerzhafte Muttergottes. Gugitz beschreibt den Kultgegenstand als kleines Gemälde einer am Kreuzstamm sitzenden Dolorosa mit sieben Schwertern in der Brust, die linke Hand an das Herz gedrückt. Die heutige Pfarr- und Gemeindedokumentation nennt das Bild ebenfalls als Gnadenbild und stellt seine Einbindung in die Darstellung der sieben Schmerzen Mariens heraus. Der gegenwärtige Bildbestand ist jedoch Ergebnis einer längeren Entwicklung: Der Überlieferung zufolge stand am Anfang kein Gemälde auf Leinwand, sondern ein kleiner Kupferstich mit einem Marienbild, der an einem Baum befestigt war.
Nach einer chronologisch ausgearbeiteten Überlieferung hatte ein Bauernmädchen den Kupferstich von einem Almosensammler erhalten und zum Gebet an einem Baum, wahrscheinlich einer Linde, angebracht. Ihr kranker Bruder habe mitten im Winter einen lieblichen, vogelartigen Gesang gehört, dabei Trost gefasst und nach dem Gebet vor dem Marienbild Genesung erfahren. Gugitz setzt dieses Geschehen in das Jahr 1686. Das Mädchen trat später in ein Kloster in Linz ein und bat 1722 darum, das verehrte Bild zu erhalten; im Gegenzug wollte sie ein gleiches Gemälde anfertigen lassen. Der Kupferstich war inzwischen in den Baum eingewachsen und musste aus dem Holz herausgestemmt werden. Die angefertigte Bildkopie blieb am Ort und kam 1753 in die neu errichtete Holzkapelle. Diese Überlieferung erklärt zugleich, warum in den jüngeren Beschreibungen zwischen einem ursprünglichen Bild am Baum und dem späteren Gnadenbild in der Kapelle unterschieden wird.
Neben dieser ausführlicheren Herkunftserzählung war eine zweite, stärker legendär geprägte Ursprungsgeschichte verbreitet. Danach bemerkten zwei Bauernmädchen am späten Abend in einem Haselstrauch ein Marienbild und nahmen es mit nach Hause. Am nächsten Morgen war das Bild verschwunden und wieder an seinem alten Platz beim Strauch zu finden. Auch nachdem die Mädchen es zum Pfarrer gebracht hatten, kehrte es der Erzählung zufolge erneut an den ursprünglichen Ort zurück. Die wiederholte Rückkehr des Bildes wurde als Zeichen verstanden, dass die Gottesmutter an dieser Stelle verehrt werden wolle; daraufhin sei dort eine Kapelle errichtet worden.
Solche Erzählungen von einem Kultbild, das sich seiner Übertragung widersetzt und an den von ihm selbst gewählten Ort zurückkehrt, gehören zu den weit verbreiteten Gründungslegenden mitteleuropäischer Wallfahrtsstätten. Für Maria Haslach ist deshalb zwischen der historisch fassbaren Entwicklung der Kapelle und den verschiedenen religiösen Deutungen ihres Ursprungs zu unterscheiden. Der Ortsname "Haslach" beziehungsweise die ältere Form "Haslet" wurde dabei zusätzlich mit dem in der Legende genannten Haselstrauch verbunden.
Maria Haslach entwickelte sich zu einem regionalen Wallfahrtsort des Traunviertels. Gugitz vermerkt noch für seine Bestandsaufnahme einen guten Besuch aus dem Traunviertel. Die ältere Überlieferung kennt regelmäßige Fußwallfahrten und Besuche aus verschiedenen Pfarren. Auch heute gehört die Kapelle zum religiösen Leben von Ried im Traunkreis. Im Mai führen Bittprozessionen nach Maria Haslach; während der marianisch geprägten Monate von Mai bis Oktober werden an der Kapelle wiederholt Rosenkranzandachten und Messfeiern gehalten. Damit ist der Ort nicht lediglich als historische Wallfahrtsstätte zu verstehen, sondern als weiterhin genutzter regionaler Pilger- und Andachtsort.
Die Verehrung konzentriert sich auf die Schmerzhafte Muttergottes und damit auf ein Motiv, das besonders mit Krankheit, persönlicher Not, Trauer und Fürbitte verbunden ist. Gerade die geringe Größe und die Lage außerhalb des Dorfkerns verleihen Maria Haslach den Charakter eines stillen, auf persönliche Andacht ausgerichteten Wallfahrtsortes. Die Bittprozessionen bewahren zugleich die ältere Verbindung zwischen Pfarrgemeinde, Landschaft und Kapelle.
Für das 19. und frühe 20. Jahrhundert ist ein bescheidenes Votivwesen belegt. Gugitz fand zwei Votivbilder von 1869 und 1874 sowie weitere, überwiegend gedruckte Andachtsbilder. Vor der Kapelle befanden sich an einem Baum zwei Marterln, eines davon mit der Jahreszahl 1832. Die ältere Überlieferung nennt darüber hinaus zahlreiche Inschriften von Besuchern. Bemerkenswert ist vor allem die Verbreitung der Wallfahrt durch gedruckte Andachtsgraphik. Gugitz weist mehrere Andachtsbilder des 18. und 19. Jahrhunderts nach und nennt die Druckschrift "Ursprung des wundertätigen Gnadenbildes Maria Haslach bei Ried" aus der Zeit um 1860 sowie ein bereits um 1830 gedrucktes Gebet zur "gnadenreichen Mutter Gottes Maria Haslach". Solche kleinen Druckwerke trugen Bild, Gebet und Ursprungserzählung des Wallfahrtsortes weit über die Kapelle hinaus in die Häuser der Gläubigen.
Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde, Band 5: Oberösterreich und Salzburg, Wien 1958, S. 100.
P. Wolfgang Stadlbauer, Wallfahrtsbüchlein Maria Haslach, 1947.
Ursprung des wundertätigen Gnadenbildes Maria Haslach bei Ried, Wels, o. J. [um 1860].
Gebeth zu der gnadenreichen Mutter Gottes Maria Haslach in der Pfarre Ried, o. O., o. J. [um 1830].
Pfarrgemeinde Ried im Traunkreis, Kapelle Maria Haslach.
Gemeinde Ried im Traunkreis, Kapelle Maria Haslach.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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