Pfarrkirchen bei Bad Hall, Pfarrkirche hl. Georg
Pfarrkirchen und Bad Hall sind uralter Siedlungsboden, schon Kelten und Römer lebten hier; in der Gründungsurkunde von Kremsmünster 777 ist bereits die Tassiloquelle genannt. Die Kirche von Pfarrkirchen wird 1170 als Pfarrkirche urkundlich erwähnt; bis 1784 gehörten auch das Pfarrgebiet von Bad Hall und jenes von Adlwang zu Pfarrkirchen. Im Jahre 1739 wurde die Kirche durch Anbau von Seitenschiffen und Ausbrechen der Langhausmauern vergrößert, anstelle des gotischen Rippengewölbes wurde nun ein Gurtengewölbe eingebaut. Die ursprüngliche Sakristei wurde in eine Kapelle für die Blutreliquie umgewandelt.
Kurz vor Vollendung des Baues stürzte das Hauptschiff ein; 1747 wurde der neuerliche Bau durchgeführt. Die Seitenaltäre und einige Bilder kamen nach St. Blasien; Wolfgang Andreas Heindl malte 1748 Fresken in die Gemäldefelder, mit dem Thema des kostbaren Blutes Christi. Die Kirche ist ein Juwel des oberösterreichischen Rokoko. Die Altarbilder stammen ebenfalls von Heindl; hervorzuheben ist die gute Kanzel, das Chor- und Kirchengestühl aus dem 2. Viertel des 18. Jahrhunderts, bemerkenswert sind auch die schmiedeeisernen Wandleuchter.
Kultgegenstand: Monstranze mit einer Blutreliquie von einem Hostienwunder in der Blutkapelle.
Legende: 1337 sollen in Deggendorf in Bayern Religionsspötter geweihte Hostien, in deren Besitz sie auf listige Weise gelangt waren, zerstochen und zerschnitten haben und dabei soll Blut auf die Tischdecke geflossen sein. Die blutigen Stellen wurden aus dem Leinentuch herausgeschnitten, als kostbare Reliquie in monstranzenförmige Gefäße eingeschlossen und zum Zeugnis der Echtheit mit dem Siegel des Erzbischofs von München-Freising versehen. Eine solche Monstranze befindet sich in Pfarrkirchen. Der Pfarrer P. Rupert Langgartner, der aus Bayern stammte, hatte sie als Prior des Stiftes Kremsmünster von seinem Jugendfreund, einem Erzbischof von München-Freising, zum Geschenk erhalten, und als er 1739 als Pfarrer hierher kam, gab er sie in die Pfarrkirche.
Im Jahre 1785 wurde die Wallfahrt verboten und die Blutreliquie sollte weggeschafft werden. Der Pfarrer nahm die Reliquie aus der Monstranze und gab dafür einen Kreuzpartikel hinein, da dies erlaubt war; die Blutreliquie brachte er in die Kapelle von Kleinadlwang. Später gab er die Reliquie wieder an ihren Platz zurück, getraute sich aber nicht, sie zur Verehrung auszusetzen und so blieb sie im Pfarrhof verwahrt. Erst nach 1841 wurde sie durch Pfarrer P. Placidus Hall wieder in der Kirche aufgestellt, 1854 wurde der jetzige Altar geschaffen.
Wallfahrt: Vor allem im Mai und Juni, Dekanatswallfahrten, wie z. B. Frauenwallfahrt des Dekanates Kremsmünster; dann aus der Umgebung, aber zuweilen auch von weiter her, z. B. Grieskirchen.
Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
| | Lage: Pfarrkirchner Straße, 4540 Pfarrkirchen bei Bad Hall. |
| | Lage in SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
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| | Web: Pfarrgemeinde Pfarrkirchen bei Bad Hall |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
| - P. Alan Steininger/Karl Neuhuber, Die Kirche in Pfarrkirchen bei Bad Hall in Geschichte und Kunst, 2. Aufl. (1946). | |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |
