| Wallfahrt: | Lebendige Leonhardwallfahrt mit Fußwallfahrten, Leonhardiritt, Pferdesegnung und Maulgabe; daneben historisch bedeutende Wallfahrt zur Schwarzen Madonna in der Maria-Einsiedeln-Kapelle. Überliefert sind außerdem Bründl-, Viehheil-, Votiv- und Geburtsbräuche. |
| Status: | Historisch bedeutender und bis heute lebendiger Wallfahrtsort. |
| Kultzentrum: | Hl. Leonhard; Maria-Einsiedeln-Kapelle mit Schwarzer Madonna; Leonhardibründl. |
| Ort: | Heiligenleithen, Gemeinde Pettenbach. |
| Bezirk/Region: | Bezirk Kirchdorf / Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Heiligenleithen 8, 4643 Pettenbach. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Pettenbach |
| • | Öffnungszeiten: Auf Anfrage zu besichtigen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum, die spätgotische Leonhardfigur, die Maria-Einsiedeln-Kapelle mit Schwarzer Madonna, das Leonhardibründl, erhaltene Votivgaben und Inschriften sowie Aufnahmen vom Leonhardiritt, von Pferdesegnung und Maulgabe.
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Die Filial- und Wallfahrtskirche Heiligenleithen liegt rund zweieinhalb Kilometer südlich von Pettenbach am Eingang in das Almtal. Die Bezeichnung "Leithen" verweist auf die Lage am Abhang. Der weithin sichtbare spätgotische Bau ist dem hl. Leonhard geweiht und gehört zur Pfarrgemeinde Pettenbach, deren Seelsorge seit dem 17. Jahrhundert eng mit dem Benediktinerstift Kremsmünster verbunden ist. Heiligenleithen vereinigt in ungewöhnlicher Weise mehrere Kultschichten: die alte Leonhardwallfahrt mit Tiersegen und Bründl, eine eigenständige Wallfahrt zu Maria Einsiedeln und ein reich überliefertes Votiv- und Wallfahrtsbrauchtum. Die Wallfahrt ist nicht nur historisch belegt, sondern wird bis heute durch Fußwallfahrten, Bittgänge, Gottesdienste und vor allem den Leonhardiritt lebendig gehalten.
Am 5. März 1431 gestattete Herzog Albrecht V. von Österreich Leonhard von Meuerl, auf seinem Grund eine Kapelle zu Ehren des hl. Leonhard zu errichten. Noch 1467 wurde an der Kirche gebaut; 1499 war das Langhaus vollendet. Die Pfarrgeschichte bringt darüber hinaus einen bereits 1299 im Urbar des Stiftes Kremsmünster als "Ecclesie a purchstal" genannten Kirchenbau mit einem Vorgängerbau in Heiligenleithen in Verbindung. Sicher fassbar wird die heutige Wallfahrtskirche jedoch mit der Urkunde von 1431.
Der spätgotische Bau besitzt ein vierjochiges Langhaus und einen eingezogenen Chor mit Fünfachtelschluss. Das Netzrippengewölbe wächst ohne Kapitelle aus den Wanddiensten; erhalten haben sich außerdem der gotische Emporenaufgang, die Sternrippengewölbe der Westempore und Reste eines gotischen Chorgestühls. Zu den bedeutendsten älteren Ausstattungsstücken zählt eine spätgotische Statue des hl. Leonhard, die um 1500 entstanden ist. Der heutige neugotische Hochaltar wurde 1891 bei Josef Unterberger in Gmunden geschaffen. Sein Mittelrelief zeigt den hl. Leonhard als Fürbitter für Kranke und für das Vieh. Die beiden barocken Seitenaltäre am Fronbogen stammen aus dem Jahr 1670 und sind den hll. Benedikt und Scholastika gewidmet.
Eine zweite, zeitweise sehr bedeutende Wallfahrt entwickelte sich unmittelbar innerhalb der Kirche. In den Jahren 1697 bis 1699 ließ der damalige Pettenbacher Pfarrer und spätere Abt von Kremsmünster Honorius Aigner links vom Presbyterium eine eigene Kapelle zu Ehren Unserer Lieben Frau von Einsiedeln errichten. 1720 erhielt der tonnengewölbte Raum eine reiche Stuckausstattung. Der Altar birgt eine Schwarze Madonna nach dem Vorbild des berühmten Gnadenbildes von Einsiedeln. Bilder zur Legende des hl. Meinrad und ein größerer Zyklus zur sogenannten Engelweihe übertragen zentrale Bestandteile der Einsiedler Wallfahrtstradition nach Heiligenleithen.
Die Datierung und Herkunft der Schwarzen Madonna sind nicht abschließend geklärt. Gustav Gugitz setzte die Figur um 1431 an, schrieb sie Marcus Redler zu und widersprach einer älteren Datierung um 1550. Die heutige Pfarrdokumentation verweist dagegen auf eine Einschätzung des Einsiedler Benediktiners P. Othmar Lustenberger, der die Figur bei einem Besuch 2005 aufgrund von Vergleichsstücken um 1650 datierte und eine Entstehung in Einsiedeln für möglich hielt. Ohne einen archivalischen Herkunftsnachweis bleibt diese Frage offen. Unabhängig von der Datierung belegen die Pfarrchroniken die Bedeutung des Kultes: Für den Gnadenort soll zeitweise ein eigener Kaplan mit Pferd zur Verfügung gestanden haben.
Besonders bemerkenswert ist die lokale Umdeutung eines mit der Einsiedler Engelweihe verbundenen Handabdruckes am Türrahmen. Die Einsiedler Überlieferung erklärt den Abdruck mit Christus, der bei der wunderbaren Weihe der Gnadenkapelle seine Hand zum Segen auf den Türrahmen gelegt habe. Nachdem die ursprüngliche Bedeutung in Heiligenleithen weitgehend in Vergessenheit geraten war, entstanden lokale Erzählungen, nach denen der Abdruck vom Teufel stamme: Er habe die Kapelle zerstören oder die Marienstatue rauben wollen und dabei seine heiße Hand im Stein hinterlassen. Damit lässt sich an diesem kleinen Detail besonders anschaulich beobachten, wie ein zunächst klar in einen überregionalen Wallfahrtskult eingebundenes Zeichen nach dem Verlust seines ursprünglichen Deutungszusammenhangs durch neue örtliche Sagen erklärt wurde.
Im Mittelpunkt der älteren Leonhardwallfahrt stand die Bitte um Schutz des Viehs. Gugitz dokumentierte für Heiligenleiten den Brauch, dass Stallmägde am 6. November Wasser vom Leonhardbrunnen holten und es dem Vieh eingaben, um Krankheiten abzuwehren. Das heute bekannte Leonhardibründl unterhalb der Kirche wurde 1832 von Graf Sigmund Engl von und zu Wagrain, dem Herrn auf Seisenburg, errichtet. Der Zugang zum Bründl wird bis in die Gegenwart gepflegt und bildet weiterhin einen Bestandteil des Wallfahrtsortes.
Auch ältere Formen des Tiersegens sind überliefert. Am Pfingstmontag ließ man Ross und Rind nach einer Überlieferung in die Kirche hineinschauen. Eine andere Fassung berichtet, dass die Tiere durch die beiden gegenüberliegenden Portale durch die Kirche geführt wurden und dabei geweihtes Brot erhielten. Solche Bräuche gehören zu einer in Leonhardswallfahrten weit verbreiteten Vorstellung, den Schutz des Heiligen möglichst unmittelbar auf die Nutztiere zu übertragen.
Der große Pferdeumritt war zeitweise erloschen und wurde 1931 wieder aufgenommen. Gugitz vermerkt, dass der Ritt 1938 untersagt wurde. Heute wird die Reiterwallfahrt wieder jährlich an einem Sonntag um den 6. November, den Festtag des hl. Leonhard, abgehalten. Der Zug beginnt bei der Pfarrkirche Pettenbach und führt nach Heiligenleithen. Reitvereine aus der Umgebung beteiligen sich mit geschmückten Pferden; die Funktion des geistlichen Vorreiters wird traditionell von einem Benediktiner des Stiftes Kremsmünster übernommen. Bei der Wallfahrtskirche werden Pferde und Reiter gesegnet, die Tiere erhalten ein Stück geweihtes Brot, die sogenannte Maulgabe, anschließend wird die Rittmesse gefeiert.
Die heutige Form knüpft in wesentlichen Elementen an die von Gugitz für die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts beschriebene Gestaltung an. Damals sammelten sich die Leonhardreiter beim Pettenbacher Pfarrhof, von wo der Zug unter Musikbegleitung nach Heiligenleithen führte. Ein Priester auf einem Schimmel ritt voran; bei der Kirche erfolgten Umritt und Tiersegnung. Gugitz nennt neben dem geweihten Brot auch Salz als Gabe an die Tiere. Der moderne Ritt hat damit nicht nur den Charakter einer Brauchtumsveranstaltung, sondern bleibt ausdrücklich eine Wallfahrt mit kirchlicher Segnung und Messfeier.
Heiligenleithen war und ist nicht allein Ziel der Reiter. Für die Fußwallfahrt aus Vorchdorf ist eine Tradition seit 1723 nachweisbar; auch aus Eberstalzell und vom Magdalenaberg kommen rund um das Leonhardifest Wallfahrer zu Fuß. Darüber hinaus nennt der Wallfahrtskalender der Pfarrgemeinde regelmäßige Wallfahrten zu den Bittagen im Mai und zu den Goldenen Samstagnächten. Auch außerhalb dieser festen Termine besuchen Wallfahrtsgruppen die Kirche. Der alte regionale Einzugsbereich ist damit trotz des tiefgreifenden Wandels der bäuerlichen Lebenswelt nicht verschwunden.
Wie stark der Zuzug noch unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg war, zeigt eine von Gugitz überlieferte Zahl: 1937 wurden nicht weniger als 5000 Wallfahrtsabzeichen verkauft. Als Haupttag nennt er den 6. November; außerdem verzeichnet er einen Ablass aus dem Jahr 1500. Solche Angaben lassen erkennen, dass Heiligenleithen deutlich über eine bloße lokale Andachtsstätte hinausging.
Gugitz konnte bei seinem Besuch 1939 noch ein reiches Votivwesen dokumentieren. Hinter dem Hochaltar befanden sich zahlreiche Wachsvotive in Tiergestalt, besonders Schweine. Auch in der Gnadenkapelle waren Votive vorhanden, darunter nach seiner Beschreibung Knochensplitter. Ältere Votivbilder des 18. Jahrhunderts sollen ebenfalls erhalten gewesen sein, befanden sich jedoch schon damals nicht mehr in der Kirche. Diese Zeugnisse verbinden die Verehrung des hl. Leonhard unmittelbar mit der bäuerlichen Sorge um Tiergesundheit und wirtschaftliche Existenz.
Eine andere Kultfunktion besaß die von Gugitz erwähnte Johanneskopfschüssel, die sich zu seiner Zeit bereits in Pettenbach befand. Sie wurde Frauen während der Wehen ausgeliehen und zur Förderung der Geburt ins Bett gelegt. Damit tritt neben Viehschutz, Marienverehrung und Wallfahrt eine weitere, auf den menschlichen Lebenslauf bezogene volksreligiöse Praxis hervor.
Gugitz überliefert außerdem eine Legende zur Einsiedler Madonna: Die Marienstatue habe sich ursprünglich an einem Baum befunden. Einem dort betenden Mädchen sei im Traum aufgetragen worden, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten. Nachdem später eine Kirche an die Kapelle angebaut worden war und man die Statue in die Kirche übertrug, sei sie wieder in die Kapelle zurückgekehrt. Eine weitere Erzählung berichtet von einem Dieb, der eine Monstranz aus der Kirche stehlen wollte, daran jedoch durch einen Engel gehindert worden sei. Solche Erzählungen sind nicht als Baugeschichte zu lesen, sondern als typische Wallfahrtslegenden, die den gewählten Ort und die besondere Heiligkeit des Kultbildes erzählerisch begründen.
Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 40-41.
Adolf Hahnl: Pettenbach OÖ. Mit Heiligenleithen und Magdalenaberg. Christliche Kunststätten Österreichs, Nr. 135. Salzburg 1984.
Pfarrgemeinde Pettenbach: Wallfahrtskirche Heiligenleithen; Wallfahrtskapelle Maria Einsiedeln; Geschichte der Pfarrgemeinde Pettenbach.
Marktgemeinde Pettenbach: Filial- und Wallfahrtskirche Heiligenleithen; Leonhardiritt.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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