Ohlsdorf, Hildprechting: Lourdesgrotte und Wallfahrtskirche

Schnellüberblick
Wallfahrt:Marianische Bründl- und Lourdeswallfahrt; historisch mit Heilungsüberlieferungen und einem Augenbründl verbunden, bis heute Ziel von Einzelbesuchern, Maiandachten und Fußwallfahrten.
Status:Historischer und weiterhin lebendiger regionaler Wallfahrtsort.
Kultzentrum:Lourdesgrotte und Quelle am Steinbrunn
Ort:Ohlsdorf, Hildprechting
Bezirk/Region:Bezirk Gmunden / Traunviertel
Bundesland:Oberösterreich
Lage und Besuch
• Lage: Hildprechting 2, 4694 Ohlsdorf; Waldlage am sogenannten Steinbrunn.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel
• Ansicht in Street View
• Pfarre: Pfarre Ohlsdorf
• Öffnungszeiten: Die Grotte wird ganzjährig besucht; die Quelle ist auch von außen zugänglich.
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•Bilddokumentation
•Ausführliche Beschreibung

Bilddokumentation

• Außenansicht der Wallfahrtskirche in Hildprechting. Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Wallfahrtskirche und Lourdesgrotte Hildprechting bei Ohlsdorf
• Blick in den Kirchenraum; die gesamte Apsis ist als Lourdesgrotte gestaltet. Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Innenraum der Lourdesgrotte Hildprechting mit als Grotte gestalteter Apsis
• Brunnenöffnung unter dem Altar. Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Brunnenöffnung unter dem Altar der Lourdesgrotte Hildprechting
• Quellfassung im Inneren; das Wasser wird über eine Rinne in einen Kessel geleitet. Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Quellfassung und Wasserführung im Inneren der Lourdesgrotte Hildprechting
• Äußere Wasserfassung; hier kann das Quellwasser außerhalb des Kirchenraumes geschöpft werden. Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Äußere Wasserfassung der Quelle bei der Lourdesgrotte Hildprechting
• Historische Ansicht des Steinbrunnens beziehungsweise der Lourdesgrotte vor dem heutigen Erscheinungsbild. Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Historische Ansicht des Steinbrunnens und der Lourdesgrotte in Hildprechting
• Erinnerungstafel zur Bau- und Restaurierungsgeschichte der Lourdesgrotte. Bildquelle: SAGEN.at-Fotogalerie
Historische Tafel zur Baugeschichte der Lourdesgrotte Hildprechting

Ausführliche Beschreibung

Lage und Charakter des Wallfahrtsortes

Die Lourdesgrotte von Hildprechting liegt in der Gemeinde Ohlsdorf im Bezirk Gmunden, etwas abseits der geschlossenen Siedlung in einer schattigen Waldlage. Schon die Lage verweist auf den älteren Kern des Wallfahrtsortes: Nicht erst die spätere Lourdesverehrung begründete die religiöse Bedeutung des Platzes, sondern eine Quelle, der sogenannte Steinbrunn. Das heutige Heiligtum verbindet daher zwei Frömmigkeitsschichten, die für die Wallfahrtsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts besonders aufschlussreich sind: eine ältere regionale Bründl- und Heilquellentradition und die später darübergelegte Lourdesverehrung.

Der Steinbrunn und die ältere Bründlverehrung

Nach der Überlieferung der Pfarre Ohlsdorf wurden um die Mitte des 19. Jahrhunderts Heilungen mit dem Wasser des Steinbrunns in Verbindung gebracht. Beim Bründl stellte man daraufhin ein Holzkreuz auf und schlug oberhalb der Quelle eine Nische in den Felsen, in der eine ungefähr 80 Zentimeter hohe Marienstatue aufgestellt wurde. Bald entstand über dieser Andachtsstätte ein einfacher hölzerner Schutzbau. Der Wallfahrtsforscher Gustav Gugitz führt Hildprechting noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts als Gnadenstätte mit Heilquelle und bezeichnet den Steinbrunn ausdrücklich als Augenbründl. Damit ist die volkskundlich wichtige Funktion der Quelle klar erkennbar: Das Wasser wurde nicht nur als gewöhnliches Quellwasser geschätzt, sondern im Rahmen religiöser Heilungsvorstellungen besonders bei Augenleiden verwendet.

Diese ältere Schicht ist von der späteren Lourdesverehrung zu unterscheiden. Die Marienerscheinungen von Lourdes begannen 1858; die Hildprechtinger Überlieferung von einer heilkräftigen Quelle reicht dagegen zumindest in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Die spätere Gestaltung als Lourdesgrotte hat einen bereits bestehenden marianischen Quellort aufgenommen und neu gedeutet. Gerade diese Verbindung erklärt, weshalb Quelle und Grotte bis heute als Einheit wahrgenommen werden.

Gelübde, Kirchenbau und Weihe

Mit der Entstehung der späteren Lourdesgrotte verbindet die lokale Überlieferung die schwere Erkrankung einer jungen Frau namens Josefa Pamminger und ein Gelübde ihrer Familie. Die Datierungen sind in den überlieferten Darstellungen nicht völlig einheitlich. Eine verbreitete Fassung setzt das Gelübde in das Jahr 1885; eine auf die Ohlsdorfer Ortschronik zurückgehende Darstellung berichtet dagegen von einer schweren Erkrankung im März 1891, von Gebeten der Mutter und der Schwester und dem Versprechen, im Fall einer Genesung eine Lourdesgrotte zu errichten. Nach dieser Überlieferung trat im August die Genesung ein und am 24. April 1893 wurde mit ersten Bauarbeiten begonnen. Der Kern der Erzählung bleibt in den verschiedenen Fassungen gleich: Aus Dank für die unerwartete Genesung sollte am bereits verehrten Steinbrunn ein größeres marianisches Heiligtum entstehen.

Für die weitere Baugeschichte sind die Nachrichten eindeutiger. Nach Angaben der Pfarre ermöglichten die Opfergelder um 1900 den Beginn eines gemauerten Kirchenbaues. Eine noch heute erhaltene Erinnerungstafel hält fest, dass die Lourdesgrotte 1905 von den Besitzern des Schloßmairgutes erbaut und am 17. Juni 1906 durch Pfarrer Michael Gusenleitner eingeweiht wurde. Die unterschiedlichen Datierungen lassen erkennen, dass der Ausbau des Platzes offenbar über einen längeren Zeitraum in mehreren Schritten erfolgte. Mit der Weihe von 1906 war aus dem älteren Bründl- und Andachtsplatz jedenfalls ein deutlich ausgebauter regionaler Wallfahrtsort geworden.

Architektur und Ausstattung

Der heutige Bau ist eine kleine dreischiffige Kirche in neugotischen Formen. Sein besonderer Charakter ergibt sich weniger aus einer reichen architektonischen Ausstattung als aus der Einbeziehung des natürlichen Quellortes in den Kirchenraum. Die Apsis ist als Lourdesgrotte ausgebildet; die Lourdesmadonna steht vor dem grottenartig aufgemauerten Hintergrund. Im Altarraum befinden sich außerdem Darstellungen der Gottesmutter, des heiligen Joachim und der heiligen Anna mit dem Jesuskind. Damit verbindet die Ausstattung das aus Lourdes übernommene Erscheinungsmotiv mit einer breiteren marianischen Familienikonographie.

Von besonderer Bedeutung ist die Quelle unmittelbar im Bereich des Altares. Unter dem Altar befindet sich eine Brunnenöffnung; das Wasser wird im Inneren gefasst und zugleich nach außen geleitet, wo es in einem steinernen Becken frei zugänglich ist. Diese bauliche Verbindung von Altar, Grotte und Wasser macht die ältere Bründltradition noch heute unmittelbar sichtbar. Das Wasserholen ist dadurch auch unabhängig von einem längeren Aufenthalt im Kirchenraum möglich.

Zwei Glocken im kleinen Turm tragen marianische und familienbezogene Inschriften. Eine bittet den heiligen Josef um Segen für die Familien, die andere ist dem Unbefleckten Herzen Mariens gewidmet und nennt das Schloßmairgut. Auch darin zeigt sich die enge Verbindung des Heiligtums mit jener Besitzerfamilie, die über Generationen an Erhaltung und Pflege des Ortes beteiligt war.

Renovierungen und Wiederherstellung der Grotte

Die feuchte Waldlage und die unmittelbare Nähe zum Felsen und zur Quelle setzten dem Bau stark zu. In den 1960er Jahren war der bauliche Zustand so schlecht, dass sogar ein Abbruch im Raum stand. 1966 wurde die Kirche durch die Pfarrgemeinde Ohlsdorf und mit Unterstützung der Besitzer grundlegend renoviert und zugleich zu einer Marienkapelle umgestaltet. Dabei verlor der Innenraum einen Teil seines früheren Grottencharakters. Dass die Lourdesgrotte für die Besucher jedoch zum eigentlichen Erscheinungsbild des Heiligtums gehörte, zeigte sich in den folgenden Jahren deutlich. 1987 wurde der frühere Grottenaufbau hinter dem Altar wiederhergestellt. Die Erinnerungstafel in der Kirche spricht ausdrücklich von der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes durch die Besitzer des Schloßmairgutes.

Wallfahrt und heutige Frömmigkeit

Hildprechting ist nicht nur ein historischer, sondern weiterhin ein besuchter Wallfahrtsort. Nach Angaben der Pfarre kommen Menschen aus nah und fern ganzjährig zur Grotte und schöpfen Wasser aus dem Bründl. Neben Einzelbesuchen und dem stillen Wasserholen haben sich gemeinschaftliche Formen erhalten beziehungsweise neu gebildet. Maiandachten führen regelmäßig Gruppen nach Hildprechting; aus umliegenden Pfarren und Gemeinden werden Fußwallfahrten, Radwallfahrten und gemeinsame Andachten an der Lourdesgrotte veranstaltet. Damit besitzt der Ort weiterhin jene für kleinere regionale Wallfahrtsstätten typische Mischung aus privater Andacht, lokalem Brauch und organisierter Gruppenwallfahrt.

Die ältere Heilquellentradition ist dabei nicht verschwunden. Noch heute wird das Wasser abgefüllt und mit nach Hause genommen. Aus volkskundlicher Sicht ist weniger entscheidend, ob ihm eine medizinische Wirkung nachgewiesen werden kann, sondern welche Bedeutung ihm von den Besuchern zugeschrieben wird. Das Schöpfen, Mitnehmen und Aufbewahren des Wassers setzt eine lange religiöse Praxis fort, in der Quelle, Marienverehrung, Bitte um Heilung und Dank miteinander verbunden sind. Gugitz' Bezeichnung als Augenbründl bewahrt die Erinnerung an eine besonders konkrete ältere Anwendung des Wassers.

Volkskundliche Bedeutung

Die Lourdesgrotte von Hildprechting ist ein anschauliches Beispiel dafür, wie ältere regionale Kultformen durch neue Frömmigkeitsbewegungen überformt werden können, ohne vollständig zu verschwinden. Am Anfang steht der Steinbrunn mit seiner Heilungs- und Augenbründltradition. Darauf folgen Kreuz, Mariennische und hölzerner Schutzbau; im ausgehenden 19. Jahrhundert verbindet sich die örtliche Heilungsüberlieferung mit einem familiären Gelübde und der europaweit verbreiteten Lourdesfrömmigkeit. Schließlich entsteht die neugotische Kirche mit Lourdesgrotte, während das Quellwasser weiterhin geschöpft und verwendet wird. Selbst der Umbau von 1966 und die Wiederherstellung der Grotte 1987 sind Teil dieser Kultgeschichte: Die von den Besuchern vermisste Grottengestaltung wurde bewusst zurückgebracht und damit eine bereits vertraut gewordene Form des Heiligtums erhalten.

Gerade in dieser Verbindung von Naturort, Quelle, Gelübde, Heilungserzählung, Marienbild und gegenwärtiger Wallfahrt liegt die besondere Bedeutung Hildprechtings. Der Platz ist kein bloßes Denkmal einer vergangenen Volksfrömmigkeit, sondern ein bis heute genutzter kleiner Wallfahrtsort, dessen religiöse Praxis sich über mehr als eineinhalb Jahrhunderte mehrfach verändert und zugleich bemerkenswert kontinuierlich erhalten hat.

Literatur und Quellen

Gugitz, Gustav: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Ein topographisches Handbuch zur religiösen Volkskunde in fünf Bänden. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 45.

Landertshamer, Josef (Schriftleitung): 1200 Jahre Ohlsdorf. 785-1985. Heimatbuch der Gemeinde Ohlsdorf. Ohlsdorf 1985; 2. Auflage, Ohlsdorf 1994.

Hirsch, Siegrid; Ruzicka, Wolf: Heilige Quellen in Österreich. Abschnitt "Ohlsdorf - Lourdesgrotte, Quelle und Wallfahrtskirche".

Pfarre Ohlsdorf: Lourdesgrotte in Hildprechting. Pfarrgeschichtliche Darstellung zur Grotte, Quelle, Baugeschichte und gegenwärtigen Nutzung.

SAGEN.at: Ohlsdorf, Lourdesgrotte. Fotodokumentation und Dokumentation der Inschrift zur Baugeschichte, August 2005.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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