| Wallfahrt: | Historisch zweifellos ein echter Marien-Gnaden- und Wallfahrtsort; im 19. und 20. Jahrhundert mit gut dokumentierter Fußwallfahrt. Heute eine restaurierte, sehr schlicht ausgestattete Burgkapelle mit marianischer Andachtsfunktion. Eine regelmäßige Wallfahrt ist gegenwärtig nicht nachgewiesen. |
| Status: | Historischer Marienwallfahrtsort mit bis in die jüngere Vergangenheit belegter Prozessionswallfahrt und fortbestehender Andachtsfunktion. |
| Kultzentrum: | Kopie der spätgotischen Pernsteiner Madonna; daneben Maria vom Guten Rat und historisch ein Bild der Heiligen Familie. |
| Ort: | Altpernstein, Micheldorf in Oberösterreich. |
| Bezirk/Region: | Kirchdorf / Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Altpernstein 1, 4563 Micheldorf in Oberösterreich. Die Burg liegt hoch über dem Kremstal; die Zufahrt erfolgt von Micheldorf über die Burgstraße. Navigationsgeräte können die Adresse irrtümlich mit Altpernstein 3 verwechseln. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Burg Altpernstein - Stift Kremsmünster |
| • | Öffnungszeiten: Die Burg ist saisonal für Besucher geöffnet; Gruppenbesuche sind nach Vereinbarung möglich. Da die Schlosskapelle innerhalb der Burg liegt, sollte eine Innenbesichtigung der Kapelle vorab mit der Burgverwaltung abgestimmt werden. Aktuelle saisonale Öffnungszeiten sind auf der Burgseite zu prüfen. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansichten der Burg Altpernstein, Innenraum und Stuck der Schlosskapelle, Pernsteiner Madonna, Maria vom Guten Rat und das Bild der Heiligen Familie, Wappen und Inschriften, historische Andachtszeichen sowie Fotos der Wallfahrt von Schlierbach und ihrer Wegstationen.
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Burg Altpernstein liegt in rund 900 Meter Seehöhe hoch über dem Kremstal. Die mittelalterliche Anlage wurde über Jahrhunderte mehrfach erweitert und umgebaut. Die Schlosskapelle befindet sich über dem inneren Abschnitt der tonnengewölbten Burgdurchfahrt. Sie ist ein zweijochiger gewölbter Raum, dessen heutige Gestalt wesentlich durch die Ausstattung unter Adam Graf Herberstorff geprägt wurde. In den Jahren 1626 bis 1629 erhielt die Kapelle reichen Stuck; im Altarbereich erinnern die Wappen Herberstorffs und seiner Gemahlin Maria Salome von Preysing an diese Bauphase.
Die Burg war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Herrschaftsmittelpunkt des Pernsteiner Gebietes. Nach verschiedenen Besitzwechseln gelangte sie im 16. Jahrhundert an die Jörger, nach deren politischem Sturz an Adam Graf Herberstorff und 1630 an das Benediktinerstift Kremsmünster, in dessen Besitz sie bis heute steht. Die Kapelle hatte dabei nie nur die Funktion eines privaten Andachtsraumes für die Burgherren: Ihre Marienverehrung strahlte in das umliegende Kremstal aus und machte sie zu einem eigenständigen Wallfahrtsziel.
Der erste sichere Hinweis auf die religiöse Bedeutung der Kapelle stammt aus dem Jahr 1359. In einer Urkunde stiftete Eberhard von Wallsee das "Benefizium Pernstein zu Unserer Lieben Frau". Damit ist bereits im 14. Jahrhundert eine institutionell gefasste Marienverehrung auf der Burg belegt. Eine gedruckte Beschreibung aus dem frühen 20. Jahrhundert bezeichnet die Kapelle noch ausdrücklich als Gnadenort und führt ihre Stiftung auf Eberhard von Wallsee zurück.
Der mittelalterliche Marienkult wurde später vor allem mit der sogenannten Pernsteiner Madonna verbunden. Das spätgotische Original stammt aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert und wird heute aus Sicherheitsgründen im Stift Kremsmünster verwahrt. In der Altarnische der Burgkapelle steht eine Kopie. Die Verehrung der "Lieben Frau von Pernstein" erlebte im 19. Jahrhundert eine neue Blüte, als zahlreiche Wallfahrer zur Burgkapelle kamen.
Ungewöhnlich ist, dass sich die Wallfahrt nach Altpernstein nicht auf ein einziges Kultbild beschränkte. Das Stift Kremsmünster nennt drei verschiedene Marienbilder, zu denen Wallfahrer kamen und teilweise bis heute kommen. Neben der spätgotischen Pernsteiner Madonna wurde über lange Zeit ein Bild der Heiligen Familie in der Altarnische als "Muttergottes von Altpernstein" verehrt. Eine weitere wichtige Kultschicht bildet die Maria vom Guten Rat, eine barocke Darstellung, deren Vorbild auf das berühmte Gnadenbild von Genazzano östlich von Rom zurückgeht.
Diese Mehrschichtigkeit ist für die Geschichte der Kapelle besonders aufschlussreich. Wallfahrtsorte mussten ihre religiöse Identität nicht notwendig an ein einziges unveränderliches Bild binden. In Altpernstein blieb der Ort selbst das konstante Ziel, während sich die konkreten marianischen Bezugspunkte verschoben. Gerade die Maria vom Guten Rat wurde zu einem eigenen Anziehungspunkt für Pilger.
Die Kapelle besitzt eine bemerkenswerte konfessionelle Geschichte. Dorothea Jörger gehörte in der frühen Reformationszeit zu den ersten Anhängerinnen der neuen Lehre in Österreich und stand mit Martin Luther in Briefkontakt. Unter den Jörgern wurde die Pernsteiner Kapelle zu einem frühen evangelischen Gottesdienstraum. Damit unterbrach die Reformation die ältere katholische Marientradition des Ortes zumindest zeitweise.
Unter Adam Graf Herberstorff erhielt die Kapelle im 17. Jahrhundert wieder eine entschieden katholische Prägung. Der reiche Stuck von 1626 bis 1629 gehört in diesen Zusammenhang der Gegenreformation und barocken Neuordnung. Die spätere Wallfahrt zur Pernsteiner Madonna und zu anderen Marienbildern knüpfte damit an einen Ort an, der innerhalb weniger Generationen verschiedene konfessionelle Funktionen getragen hatte.
Besonders gut dokumentiert ist die Fußwallfahrt vom Stift Schlierbach nach Altpernstein. Ein Tagebuch des Schlierbacher Paters Johannes Pessinger belegt sie für den 2. Juli 1860, das Fest Mariä Heimsuchung. Die Wallfahrer zogen zu Fuß zur Burgkapelle; unterwegs dienten unter anderem die Schmickinger Kapelle und die Habinger Kapelle als Stationen. Bereits 1868 wird die Prozession wieder in der Schlierbacher Pfarrchronik erwähnt.
Die Aufzeichnungen erlauben einen seltenen Einblick in die konkrete Wallfahrtspraxis. 1915 machten sich trotz starken Regens ungefähr fünfzig Menschen auf den Weg. Auf dem Rückweg über Kirchdorf war ein Bach so angeschwollen, dass Frauen über das Wasser getragen werden mussten. Nach einer sechsjährigen kriegsbedingten Unterbrechung wurde die Prozession 1945 wieder aufgenommen; damals gingen etwa 140 Personen mit zwei Priestern nach Altpernstein. Noch für die jüngere Vergangenheit ist die jährliche Schlierbacher Wallfahrt dokumentiert.
Die enge Verbindung zwischen Schlierbach und Altpernstein hat auch einen historischen institutionellen Hintergrund. Im Zuge der Wiederbelebung des Stiftes Schlierbach war dem Pfarrer von Kirchdorf ein Benefizium an der Pernsteiner Kapelle eingeräumt worden. Nach Herberstorffs Tod wurde dieses von Kremsmünster wieder entzogen. Die spätere Wallfahrt lässt sich daher auch als religiöse Erinnerung an eine ältere seelsorgliche Verbindung zwischen Schlierbach, Kirchdorf und Pernstein verstehen.
Zur Wallfahrtsüberlieferung gehört die Erzählung von einer alten Frau, die von weit her zur Kapelle kam und sie verschlossen fand. Weil sie glaubte, ihrer Unwürdigkeit wegen nicht eingelassen zu werden, begann sie zu weinen. Darauf erschien eine unbekannte Frau, öffnete ihr die Kapellentür und verschwand wieder. Die Pilgerin erkannte in der Helferin die Gottesmutter selbst.
Die Geschichte gehört zum verbreiteten Typus der Marienlegende, in der die Gottesmutter persönlich einem frommen Menschen Hilfe gewährt. Für Altpernstein ist sie zugleich eine Legende über Zugänglichkeit und Gnade: Nicht gesellschaftlicher Rang oder Besitz entscheidet über den Zutritt zur heiligen Stätte. Die Erzählung wurde auch in neuerer Zeit weitergegeben und unter dem Titel "Die Pilgerin" filmisch bearbeitet.
Im 19. Jahrhundert wurde die Burgkapelle zeitweise profaniert. Ihre religiöse Bedeutung erlosch dennoch nicht dauerhaft. Eine besonders bemerkenswerte neue Funktion erhielt sie am Ende des Zweiten Weltkrieges und in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Burg und Kapelle boten Heimatlosen und Vertriebenen Unterkunft; für die Bewohner der Ortschaft Altpernstein wurde die Kapelle zeitweise geradezu zur Dorfkirche. Dort wurden Sonntagsgottesdienste, Taufen und Christmetten gefeiert.
Damit wurde aus dem historischen Wallfahrtsraum erneut ein alltäglicher sakraler Mittelpunkt. Diese Nutzung zeigt, wie flexibel religiöse Orte auf veränderte soziale Bedingungen reagieren können. Die Kapelle verband nun Wallfahrtserinnerung, lokale Seelsorge und die Erfahrung von Flucht und Neubeginn.
Nach jahrzehntelanger Nutzung und baulichen Schäden wurde die Schlosskapelle in jüngerer Zeit umfassend erneuert. Die Burg selbst ist heute restauriert und wird als Ort für Begegnung, Bildung, Übernachtung und Veranstaltungen genutzt. Kirchliche Feiern und Andachten sind weiterhin Teil der vorgesehenen Nutzung der Kapelle. Das Stift Kremsmünster bezeichnet Altpernstein ausdrücklich als seit vielen Jahrhunderten bestehenden Wallfahrtsort und verweist weiterhin auf die drei Marienbilder der Kapelle.
Die heutige Situation unterscheidet sich damit von einem frei zugänglichen Dorfheiligtum: Die Kapelle liegt innerhalb einer bewirtschafteten Burganlage und ist daher an deren Zugangsmöglichkeiten gebunden. Für Besucher, die gerade die Wallfahrtskapelle und ihre Marienbilder besichtigen möchten, empfiehlt sich eine vorherige Abstimmung mit der Burgverwaltung.
Altpernstein ist volkskundlich besonders bemerkenswert, weil sich hier über Jahrhunderte ganz unterschiedliche Formen religiöser Nutzung überlagerten. Eine mittelalterliche Marienstiftung wurde zum Gnadenort, die Reformation verwandelte die Kapelle zeitweise in einen evangelischen Gottesdienstraum, die katholische Barockisierung schuf eine neue Raumgestalt, mehrere Marienbilder wurden nacheinander oder nebeneinander zu Wallfahrtszielen, und im 19. und 20. Jahrhundert verband die Schlierbacher Prozession den Burgberg mit einem regionalen Netz von Kapellen und Fußwegen.
Die Nachkriegszeit fügte dieser Geschichte nochmals eine neue Schicht hinzu, als die Kapelle für Vertriebene und die örtliche Bevölkerung zur Dorfkirche wurde. Gerade diese Kontinuität bei gleichzeitigem Funktionswandel macht Altpernstein zu einem ungewöhnlich aussagekräftigen Beispiel dafür, wie ein kleiner Sakralraum über mehr als sechs Jahrhunderte immer wieder neu religiös angeeignet werden konnte.
Kurt Holter: Altpernstein. Geschichte der Burg und Herrschaft Pernstein im Kremstal. Linz 1951.
Wilfried Gotting, Georg Grüll: Burgen in Oberösterreich. Linz 1967.
Franz Zeller: Geschichte des Stiftes Schlierbach. 1920.
Stift Kremsmünster: Dokumentation zur Pernsteiner Marienkapelle und zur Burg Altpernstein.
Forum OÖ Geschichte: Dokumentation der Schlierbacher Wallfahrt und ihrer Wegstationen.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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