Losenstein, Blasibrunn-Kapelle (erloschene Wallfahrt)

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Wallfahrt:Historischer lokaler Marien- und Quellwallfahrtsort; das Wasser des Blasibrunns wurde besonders bei Augen- und Halsleiden aufgesucht.
Status:Historisch belegter lokaler Marien- und Quellwallfahrtsort.
Kultzentrum:Gotische Marienstatue mit Kind und der Blasibrunn mit seiner volksmedizinisch zugeschriebenen Heilkraft.
Ort:Losenstein.
Bezirk/Region:Steyr-Land / Traunviertel.
Bundesland:Oberösterreich.
Lage und Besuch
• Lage: bei Eisenstraße 39, 4460 Losenstein, unmittelbar an der alten Verkehrsachse durch das Ennstal.
• Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel
• Ansicht in Street View
• Web: Pfarrgemeinde Losenstein
• Öffnungszeiten: Die Kapelle wird als frei zugänglich geführt; der Blasibrunn befindet sich unmittelbar bei der Kapelle.
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•Ausführliche Beschreibung

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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Blasibrunn-Kapelle, die gotische Marienstatue mit ihrer barocken Fassung, der Blasibrunn und seine Quellfassung, Inschriften und Andachtszeichen sowie historische oder heutige Formen der Marien- und Quellenverehrung.

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Ausführliche Beschreibung

Lage an der alten Ennstalstraße

Die Blasibrunn-Kapelle steht unmittelbar an der Eisenstraße am Fuß des Schererbichls, dort, wo sich die Verkehrsachse durch das Ennstal in einer Engstelle zwischen Hang und Enns hindurchzieht. Lange bevor die heutige Straße ausgebaut wurde, führte hier ein schmalerer Verkehrsweg vorbei. Der frisch austretende Brunnen bot Reisenden und Fuhrleuten eine natürliche Raststelle. Diese Lage am Durchgangsweg prägte den Ort dauerhaft: Quelle, Kreuz und später die Kapelle wurden nicht nur von Bewohnern Losensteins, sondern auch von Durchreisenden wahrgenommen.

Vom Brunnen zur Kapelle

Die religiöse Geschichte des Blasibrunns lässt sich zunächst über ein Kreuz fassen. Nach der örtlichen Überlieferung bestand am Brunnen schon früh eine Kreuzsäule. In der Reformationszeit soll das Kreuz um die Mitte des 16. Jahrhunderts verschwunden sein; sicherer greifbar wird der Ort im Jahr 1687, als wieder ein Kreuz mit Opferstock erwähnt wird. Der Opferstock enthielt damals 14 Gulden und zeigt damit, dass der Platz bereits vor der Errichtung einer Kapelle regelmäßig besucht und mit Geldopfern bedacht wurde.

Zwischen 1725 und 1748 ließ Pater Antonius Nöstlang die Kapelle errichten. Eine ältere Nachricht schildert, dass zuvor an dieser Stelle ein Kreuz mit hölzernem Geländer gestanden habe; dieses sei nach Arzberg gebracht und an seiner Stelle die Frauenkapelle auf Losensteinleitnerischem Grund erbaut worden. Der Opferstock blieb offenbar weiterhin Bestandteil des Andachtsortes: 1772 wurde er von einem durchziehenden Soldaten erbrochen. Die Entwicklung vom Brunnen mit Kreuz und Opferstock zur gemauerten Marienkapelle ist damit als schrittweise Verdichtung eines bereits bestehenden lokalen Andachtsortes zu verstehen.

Die gotische Madonna

Im Mittelpunkt der Kapelle steht eine gekrönte Marienstatue mit dem Jesuskind auf dem linken Arm; das Kind hält die Weltkugel. Bei einer Restaurierung in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Figur als gotisch erkannt. Die später hinzugekommene barocke Bekleidung beziehungsweise Fassung blieb erhalten. Die Madonna gehört damit zu einer älteren Bildtradition als die im 18. Jahrhundert errichtete Kapelle selbst.

Über die Herkunft der Figur bestehen verschiedene Überlieferungen. Es wurde vermutet, sie könne aus dem ehemaligen Benediktinerstift Garsten stammen; ein sicherer Nachweis dafür ist jedoch nicht bekannt. Zur örtlichen Sage gehört die Erzählung, das Marienbild sei auf der Enns angeschwemmt worden. Dieses Motiv steht in einer langen Tradition von Gnadenbildsagen, in denen ein Kultbild auf wunderbare Weise seinen späteren Verehrungsort erreicht. Historische Herkunftsangabe und Legende sind daher deutlich voneinander zu trennen.

Blasius, Marienverehrung und Heilwasser

Der Name Blasibrunn verweist auf den hl. Blasius, der gemeinsam mit dem hl. Dionysius Patron der Losensteiner Pfarrkirche ist. Blasius wurde traditionell besonders bei Halsleiden angerufen. Diese Verehrung verband sich am Brunnen mit der Marienfrömmigkeit der Kapelle und mit dem Glauben an die besondere Wirksamkeit des Quellwassers. Das Wasser wurde in der örtlichen Überlieferung sowohl bei Hals- als auch bei Augenleiden verwendet.

Die volksmedizinische Zuschreibung einer Heilkraft ist von der naturwissenschaftlichen Beschaffenheit des Wassers zu unterscheiden. Eine spätere Untersuchung im Auftrag der Gemeinde beschrieb gewöhnliches Quellwasser mit Spuren von Jod; die Ergiebigkeit der Quelle schwankt. Für die Geschichte des Wallfahrtsortes ist nicht eine medizinisch nachgewiesene Wirkung entscheidend, sondern der überlieferte religiöse und volksmedizinische Gebrauch des Wassers.

Die Sage vom falschen Wasser

Eine örtliche Sage unterstreicht geradezu exemplarisch die besondere Stellung des Blasibrunnwassers. Eine Bäuerin schickte ihre Magd zum Brunnen, um Wasser für erkrankte Augen zu holen. Die Magd ersparte sich den Weg und brachte stattdessen gewöhnliches Wasser aus der Enns oder einem anderen Brunnen. Zur Strafe für den Betrug soll sie selbst erblindet sein.

Die Erzählung ist keine historische Heilungsgeschichte, sondern eine typische religiöse Strafsage. Ihre Pointe liegt darin, dass das als heilkräftig angesehene Wasser nicht durch beliebiges anderes Wasser ersetzt werden kann. Die Erblindung der betrügerischen Magd bestätigt innerhalb der Erzählung gerade jene besondere Kraft des Brunnens, die sie durch ihren Austausch missachtet hatte.

Nagelschmiede und Augenfrömmigkeit

Losenstein gehörte zur alten Eisenwurzen und war über Jahrhunderte von eisenverarbeitenden Gewerben geprägt. Gerade für Nagel- und andere Schmiede waren Augenverletzungen durch Funken und Splitter eine alltägliche berufliche Gefahr. In der älteren örtlichen Überlieferung werden sogenannte Hebel- oder Höbelkerzen genannt, die mit dem Schutz der Augen in Verbindung standen; "Höbel" bezeichnete dabei das Augenlid beziehungsweise den Augendeckel. Solche Opferhandlungen gehören in das weitere religiöse Umfeld der Losensteiner Augenfrömmigkeit. Sie dürfen jedoch nicht ohne weiteres mit einem eigenen organisierten Wallfahrtsbrauch an der Blasibrunn-Kapelle gleichgesetzt werden.

Flößer, Reisende und religiöser Gruß

Die Lage unmittelbar an der Enns und an einer wichtigen Verkehrsverbindung brachte den Andachtsort mit sehr unterschiedlichen Gruppen in Berührung. Überliefert ist, dass vorbeifahrende Flößer beim Passieren der Kapelle ihre Hüte abnahmen. Eine solche Geste war keine Wallfahrt im engeren Sinn, sondern ein religiöser Gruß an einen im Alltag weithin bekannten heiligen Ort. Gerade diese beiläufigen Formen der Frömmigkeit zeigen, wie stark kleinere Kapellen in die alltägliche Kulturlandschaft eingebunden sein konnten.

Auch Soldaten und andere Durchreisende werden in der lokalen Erinnerung mit dem Blasibrunn verbunden. Für die Verbreitung der Kenntnis des Ortes mögen solche Verkehrsbewegungen tatsächlich eine Rolle gespielt haben; einzelne spätere Erinnerungen sind jedoch als örtliche Überlieferung und nicht als Beleg für ein überregionales Wallfahrtsgebiet zu verstehen.

Renovierungen und heutiger Zustand

Die Kapelle wurde in den Jahren 1977 und 1978 umfassend erneuert und am 15. Juli 1978 wieder eröffnet und eingeweiht. Der spätere Ausbau der Bundesstraße veränderte das unmittelbare Umfeld erheblich. Seither liegt die Kapelle etwas erhöht über dem Straßenniveau; davor befindet sich weiterhin die Quellfassung des Blasibrunns. Der kleine Sakralbau steht unter Denkmalschutz.

Heute ist die Kapelle frei zugänglich. Trotz der starken Veränderung des Verkehrsraumes hat sich damit das wesentliche Ensemble aus Kapelle, Marienbild und Quelle erhalten. Es erlaubt noch immer, die Verbindung von Verkehrsweg, Rastplatz, religiöser Verehrung und volksmedizinischem Wasserbrauch unmittelbar am Ort nachzuvollziehen.

Wallfahrt und volkskundliche Bedeutung

Maria Blasibrunn war kein großer Prozessionswallfahrtsort mit einem weit ausgreifenden Einzugsgebiet. Seine Bedeutung liegt vielmehr in der lokalen und individuellen Wallfahrt: Menschen suchten die Quelle wegen ihrer zugeschriebenen Wirkung bei Augen- und Halsleiden auf, opferten am Andachtsort und verehrten die Gottesmutter. Der bereits 1687 belegte Opferstock zeigt, dass diese religiöse Nutzung lange vor der Errichtung der heutigen Kapelle bestand.

Volkskundlich ist Blasibrunn deshalb besonders aussagekräftig. Hier überlagern sich die Verehrung des hl. Blasius, die Marienfrömmigkeit, der Heilwasserbrauch, die beruflich geprägte Augenfrömmigkeit der Eisenarbeiter, Gnadenbildsage und Reisebräuche der Flößer. Der kleine Ort dokumentiert damit in konzentrierter Form jene Verbindung von Religion, Arbeit, Verkehr und Volksmedizin, die für die Kulturlandschaft der Eisenwurzen charakteristisch war.

Literatur und Quellen

Josef Aschauer: Losenstein einst und jetzt. Losenstein 1958.

SAGEN.at: Losenstein, "Maria Blasibrunn". Dokumentation zu den Quellen und zur Volkskunde Oberösterreichs.

Bundesdenkmalamt: Denkmalliste Oberösterreich, Blasibrunn-Kapelle, Losenstein.

Tourismusverband Steyr und Nationalpark Region / Oberösterreich Tourismus: Kapelle Maria Blasibrunn, Orts- und Besuchsdokumentation.

Ergänzungen: Wolfgang Morscher

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