| Wallfahrt: | Historischer lokaler Quell- und Andachtsort am Jakobsbrunnen; pfarrlich sind Bittprozessionen mit Messfeier, Maiandachten sowie eine Prozession in der Goldenen Samstagnacht belegt. |
| Status: | Historisch belegter lokaler Wallfahrts-, Quell- und Prozessionsort. |
| Kultzentrum: | Jakobsbrunnen mit Heilquelle und die Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes; ältere Literatur nennt am Brunnen eine heute nicht mehr sichtbare Bischofsfigur mit Kirchenmodell. |
| Ort: | Grünau im Almtal. |
| Bezirk/Region: | Gmunden / Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: bei Kramesbergstraße 5, 4645 Grünau im Almtal; etwa zehn Gehminuten von der Pfarrkirche entfernt. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View |
| • | Web: Pfarrgemeinde Grünau im Almtal |
| • | Öffnungszeiten: Für die Kapelle ist keine verlässliche allgemeine Öffnungszeit veröffentlicht. Die Außenanlage und der Jakobsbrunnen sind über den Weg erreichbar; für eine Innenbesichtigung empfiehlt sich eine vorherige Anfrage bei der Pfarrgemeinde. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansicht und Innenraum der Jakobsbrunnenkapelle, Jakobsbrunnen und Quellfassung, die Marienfigur beziehungsweise ältere Kultbilder, Wandmalereien, Inschriften und Andachtszeichen sowie Fotos von Bittprozessionen, Maiandachten und anderen religiösen Feiern.
Mit diesen und weiteren Fotomotiven können Sie hier zur Dokumentation beitragen.
Die Jakobsbrunnenkapelle liegt etwas außerhalb des Ortszentrums von Grünau im Almtal, nur einen kurzen Fußweg von der dem hl. Jakobus dem Älteren geweihten Pfarrkirche entfernt. Von der Straße führt ein Weg leicht bergauf zur kleinen Kapelle. Der unscheinbare Bau ist Teil einer älteren religiösen Landschaft, in der Kirche, Quelle, Prozessionsweg und lokale Überlieferung eng miteinander verbunden sind. Der Name Jakobsbrunnen verweist auf den Pfarrpatron und zugleich auf die Quelle, die für die ältere Verehrung des Ortes von zentraler Bedeutung war.
Gustav Gugitz nennt die Kapelle als die eigentliche Kultstätte von Grünau und führt eine urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1633 an. Die Kapelle war der Schmerzhaften Muttergottes geweiht und mit dem Jakobsbrunnen verbunden. Ihre Entstehung fällt damit in eine Zeit, in der kleine Quell- und Marienheiligtümer in der katholischen Erneuerung des 17. Jahrhunderts neue Bedeutung gewinnen konnten. Eine direkte Gründungsurkunde oder ein sicherer Nachweis über die ursprüngliche Stiftung liegt in den hier ausgewerteten Quellen jedoch nicht vor.
Die Kapelle wurde zu verschiedenen Zeiten von Einsiedlern bewohnt. Gugitz berichtet knapp, der letzte Einsiedler sei ermordet worden. Diese Nachricht verbindet sich mit einer in Oberösterreich überlieferten Sage von zwei verfeindeten Brüdern. In einer von Albert Depiny veröffentlichten Variante flieht der Täter nach Grünau und lebt als Einsiedler beim Jakobsbrunnen, bis ihn die Verwandten des Getöteten aufspüren und erschlagen. Die Sage ist als Erzählüberlieferung zu behandeln und nicht mit einer historischen Biographie des letzten Einsiedlers gleichzusetzen.
Für die ältere Volksfrömmigkeit war der Jakobsbrunnen offenbar mindestens ebenso wichtig wie die Kapelle selbst. Gugitz bezeichnet die Quelle ausdrücklich als Heilquelle und nennt ihr Einzugsgebiet als lokal. Ältere Beschreibungen berichten, dass sich der Brunnen beziehungsweise die Quellfassung ursprünglich im Bereich der Kapelle befand; in der vorhandenen älteren Dokumentation wird noch ein im hinteren Teil des Kapellenbodens mit Brettern abgedeckter Brunnen erwähnt. Später wurde das Wasser nach außen beziehungsweise zu einer tiefer gelegenen Fassung geleitet.
Bestimmte Krankheiten oder Körperteile, gegen die das Wasser verwendet worden wäre, lassen sich aus den hier herangezogenen Quellen nicht sicher bestimmen. Deshalb sollte die Bezeichnung als Heilquelle nicht durch nachträgliche Zuschreibungen ergänzt werden. Sicher ist jedoch, dass Quelle und Kapelle gemeinsam als religiöser Ort wahrgenommen wurden und die Quelle der Kapelle ihren bis heute gebräuchlichen Namen gab.
Gugitz nennt als älteren Kultgegenstand am Brunnen eine Bischofsfigur, die ein Kirchenmodell in den Händen hielt. Er selbst schlägt als mögliche Deutung den hl. Wolfgang oder den hl. Adalbero vor, ohne sich festzulegen. Diese Figur ist heute offenbar nicht mehr vorhanden. Eine eindeutige Identifizierung ist daher nicht möglich; insbesondere sollte die ältere Vermutung nicht in eine sichere Zuschreibung umgewandelt werden. Die Verbindung mit dem Kirchenmodell erklärt, weshalb an einen heiligen Bischof gedacht wurde, reicht für eine genauere Bestimmung aber nicht aus.
Neben dem Brunnen bildete die Verehrung der Schmerzhaften Muttergottes die zweite ältere Kultschicht des Ortes. Die denkmalpflegerische Literatur nennt eine gotische hölzerne Pietà vom Ende des 15. Jahrhunderts, die sich früher am Altar befand. Später wurde sie durch eine Madonna mit Kind ersetzt. Damit zeigt die Kapelle einen für kleine Wallfahrts- und Andachtsorte typischen Wandel der Kultbilder: Der religiöse Gebrauch des Ortes bleibt bestehen, während sich die konkrete Ausstattung verändert.
Der schlichte Innenraum besitzt einfache Wandmalereien. Gerade weil ältere Kultgegenstände teilweise verschwunden oder ersetzt worden sind, kommt einer fotografischen Dokumentation des heutigen Zustandes besondere Bedeutung zu. Von Interesse wären dabei nicht nur Altar und Marienfigur, sondern auch Quellfassung, bauliche Spuren des früheren Brunnens und mögliche ältere Inschriften oder Andachtszeichen.
Die Jakobsbrunnenkapelle ist nicht nur ein historisch überlieferter Quellort. Pfarrliche Quellen dokumentieren weiterhin gemeinschaftliche religiöse Wege zur Kapelle. Im Jahr 2010 ist eine Bittprozession mit anschließender heiliger Messe in der Jakobsbrunnkapelle ausdrücklich angekündigt; 2011 wurde der Jakobsbrunnen wiederum als Ziel des ersten Bittages genannt. Solche Bittgänge gehören zu einer alten ländlichen Prozessionstradition, bei der um Segen für Fluren, Ernte und Lebensgrundlagen gebetet wird.
Auch andere Formen der Andacht sind belegt. Ein Pfarrblatt nennt eine Maiandacht bei der Jakobsbrunnenkapelle, ein anderes eine Prozession zum Jakobsbrunnen mit Andacht in der sogenannten Goldenen Samstagnacht. Damit blieb der Ort in unterschiedliche Formen des Pfarrlebens eingebunden. Die ältere Angabe, der Jakobsbrunnen werde besonders zu Erntedank und allgemein an Marienfeiertagen besucht, lässt sich dagegen in den hier geprüften Quellen nicht in dieser pauschalen Form bestätigen.
Die Benennung des Brunnens steht im unmittelbaren Umfeld der Grünauer Pfarrkirche, deren Patron der hl. Jakobus der Ältere ist. Eine volkskundliche Untersuchung aus dem 20. Jahrhundert brachte die Ausgestaltung der Kapelle mit einer erneuerten Jakobusverehrung in der Zeit der Gegenreformation in Verbindung und erwog dabei auch Einflüsse aus dem weiteren katholischen Reformmilieu. Diese Deutung bleibt eine Hypothese; ein direkter Nachweis für eine planmäßige Gründung als Jakobusheiligtum liegt nicht vor.
Heute liegt der Jakobsbrunnen zudem an modernen Pilger- und Wanderwegen im Almtal. Diese jüngere Einbindung ist von der historischen Wallfahrt zu unterscheiden, zeigt aber, dass der Ort weiterhin als religiös und landschaftlich besonderer Punkt wahrgenommen wird.
Die besondere Bedeutung der Jakobsbrunnenkapelle liegt in der Verbindung mehrerer Kultschichten. Die Heilquelle verweist auf den verbreiteten religiösen Umgang mit Wasser und Quellen, die Schmerzhafte Muttergottes auf die Marienfrömmigkeit, die Einsiedlerüberlieferung auf die sakrale Aufladung abgelegener Orte und die Bittprozessionen auf gemeinschaftliche ländliche Frömmigkeit. Hinzu kommt die rätselhafte Bischofsfigur am Brunnen, deren ursprüngliche Bedeutung heute nicht mehr sicher zu entschlüsseln ist.
Gerade diese Mischung aus materiellen Resten, lokaler Sage und fortgeführter Prozessionspraxis macht den Jakobsbrunnen zu einem bemerkenswerten kleinen Wallfahrtsort des Traunviertels. Er besitzt nicht die überregionale Bedeutung großer Gnadenstätten, dokumentiert aber sehr anschaulich jene lokale Volksfrömmigkeit, in der Quelle, Kapelle und gemeinschaftlicher Weg über Jahrhunderte miteinander verbunden blieben.
Gustav Gugitz: Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch. Band 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 33.
Albert Depiny: Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz 1932.
Benedikt Pillwein: Geschichte, Geographie und Statistik des Erzherzogthums Österreich ob der Enns und des Herzogthums Salzburg. Der Traunkreis. Linz.
Pfarrgemeinde Grünau im Almtal: Pfarrblätter und liturgische Terminkalender, insbesondere zu Bittprozessionen und Maiandachten am Jakobsbrunnen.
Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, 1977, Beitrag zur Jakobusverehrung und zur Jakobsbrunnenkapelle in Grünau.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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