| Wallfahrt: | Seit dem 15. Jahrhundert belegter, bis heute lebendiger Wallfahrtsort. Historische Wallfahrtsmotive waren unter anderem Hilfe bei Krankheit und Unglück, Dürre, Viehkrankheiten und die Hoffnung auf Heirat. Prozessionen kamen aus dem Gaflenztal, dem Ennstal, dem Ybbstal sowie aus Teilen Oberösterreichs, Niederösterreichs und der Steiermark. Höhepunkt der heutigen Wallfahrt ist das Sebaldifest. |
| Status: | Lebendiger Wallfahrtsort; einzige dem hl. Sebald geweihte Kirche Österreichs. |
| Kultzentrum: | Hl. Sebald in Pilgertracht; besonders bedeutsam sind die Sebaldikapelle mit der liegenden Steinfigur in der Felsgrotte, die Hochaltarfigur sowie die seit 2021 am linken Seitenaltar verwahrte Sebaldusreliquie. |
| Ort: | Gaflenz. |
| Bezirk/Region: | Traunviertel. |
| Bundesland: | Oberösterreich. |
| • | Lage: Heiligenstein, Breitenau 1, 3334 Gaflenz. Die Wallfahrtskirche steht auf dem 782 m hohen Heiligenstein zwischen Gaflenz und Weyer und ist nur zu Fuß erreichbar. |
| • | Lage in der SAGEN.at-Karte der Wallfahrtsorte Traunviertel |
| • | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| • | Web: Pfarrgemeinde Gaflenz - Heiligenstein |
| • | Öffnungszeiten: Die Sebaldikapelle ist für das Gebet zugänglich; auch die Laube der Kirche bleibt offen und ermöglicht den Blick in den Kirchenraum und auf die Sebaldusreliquie. Die Jausenstation ist in der Saison von Mai bis Oktober samstags und sonntags geöffnet. |
| • | Bilddokumentation |
| • | Ausführliche Beschreibung |
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Besonders willkommen sind Außenansichten der Wallfahrtskirche und des gesamten Bergheiligtums, Innenraum und Hochaltar, Sebaldikapelle und Felsgrotte mit der liegenden Sebaldfigur, die Christusfigur des früheren Hebebrauches, Sebaldusreliquie, Kreuzweg und Kalvarienberg, Sebaldi-Brünndl, Inschriften, Votivgaben, Andachtsbilder, Prozessionen sowie das Sebaldifest.
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Die Wallfahrtskirche St. Sebald steht weithin sichtbar auf dem 782 m hohen Heiligenstein zwischen Gaflenz und Weyer. Der steil aufragende Felsberg bildet nicht nur den landschaftlichen Rahmen der Kirche, sondern gehört seit Jahrhunderten selbst zum religiösen Vorstellungsraum des Wallfahrtsortes. Der traditionelle Aufstieg von Gaflenz führt über den Kreuzweg; auch von Weyer aus ist der Berg auf alten Pilger- und Wanderwegen erreichbar. Kirche, Kreuzweg, Kalvarienbergkapellen, Sebaldikapelle mit Felsgrotte und das Mesnerhaus bilden eine historisch gewachsene Wallfahrtslandschaft, in der Weg, Berg, Legende und Kultobjekte eng aufeinander bezogen sind.
Die Kirche ist zugleich ein seltenes Patrozinium: Sie gilt als einzige Kirche Österreichs, die dem Nürnberger Stadtpatron Sebald geweiht ist. Gerade diese außergewöhnliche Verbindung zwischen der Eisenwurzen und Nürnberg hat die Forschung wiederholt beschäftigt. Als plausible Erklärung gelten die seit dem Mittelalter bestehenden wirtschaftlichen Kontakte zwischen Nürnberger Kaufleuten und den Eisen verarbeitenden Landschaften an Enns und Ybbs. Ein unmittelbarer urkundlicher Nachweis dafür, dass Händler aus Nürnberg den Sebalduskult nach Gaflenz gebracht hätten, ist jedoch nicht bekannt; die Verbindung bleibt eine gut begründete historische Hypothese.
Der erste derzeit sicher greifbare Fixpunkt ist die im Gaflenzer Missale überlieferte Weihenotiz vom 29. August 1413. Damals wurde auf dem Heiligenstein eine Kapelle zu Ehren aller Heiligen und besonders des hl. Sebald geweiht. Bemerkenswert ist die frühe Verehrung, denn die päpstliche Bestätigung des Sebalduskultes durch Martin V. erfolgte erst 1425. Damit bestand die Gaflenzer Kultstätte bereits zwölf Jahre zuvor.
In der älteren Literatur wird häufig eine Stiftung durch Berthold von Losenstein im Jahr 1349 genannt. Diese Angabe erscheint bereits in Darstellungen des 19. Jahrhunderts und wurde später auch von Gustav Gugitz und Leopold Schmidt übernommen. Die jüngere Forschung behandelt dagegen 1413 als erste urkundliche Nennung der Kirche auf dem Heiligenstein. Zusätzlich ist eine Stiftung Bertholds von Losenstein aus dem Jahr 1349 für eine Kirche in Stein bei Gleink belegt. Eine Verwechslung der beiden Ortsbezeichnungen in der älteren Literatur liegt daher nahe; für St. Sebald am Heiligenstein sollte 1349 nicht als gesicherte Gründungsangabe verwendet werden.
Die 1413 geweihte Kapelle wurde im Verlauf des 15. Jahrhunderts zu einer größeren Kirche ausgebaut; um 1470 erhielt sie im Wesentlichen ihre spätgotische Gestalt, im 16. Jahrhundert folgten weitere Veränderungen. 1657 wurde der Pilgerweg von Gaflenz zur Sebalduskirche erneuert und ausgebaut. 1701 begann die Anlage des Kalvarienberges mit mehreren Kapellen entlang des steilen Aufstieges; zwei Jahre später entstand das Mesnerhaus. Weitere Stationen wurden im 18. Jahrhundert ergänzt. Die Kreuzigungsgruppe an der südlichen Kirchhofmauer stammt von 1743.
Der Turm erhielt 1733 seine heutige Gestalt. Die barocke Ausstattung der Kirche entstand vor allem im 18. Jahrhundert: Die Kanzel wurde 1751 geschaffen, die beiden Seitenaltäre 1754, der Hochaltar 1776/77. Gleichzeitig blieb ältere Ausstattung erhalten. Zu den bedeutenden spätgotischen Stücken gehören die Figuren der Apostel Petrus und Paulus um 1490; im Chorfenster sind Reste eines Glasgemäldes mit der Ölbergszene aus dem 15. Jahrhundert erhalten. Die Architektur und die qualitätvolle Ausstattung zeigen, dass St. Sebald über lange Zeit nicht als unbedeutende Bergkapelle, sondern als weithin besuchtes Heiligtum gepflegt wurde.
Für die Wallfahrtsfrömmigkeit war neben der Kirche besonders die nordwestlich unterhalb gelegene Sebaldikapelle wichtig. Sie wurde 1691 über einer Felsnische errichtet, die nach der örtlichen Legende als Lagerstätte des hl. Sebald galt. Der kleine barocke Kapellenraum wurde mit zeitgleichen Fresken ausgestattet. Hinter einem schmiedeeisernen Gitter liegt in der Felsnische eine lebensgroße, bemalte Steinfigur des ruhenden Sebald. Die Verbindung von natürlichem Felsen, künstlicher Grotte und liegendem Heiligen schuf einen besonders anschaulichen Gnadenort.
Alte Andachtsbilder zeigen, dass gerade dieser ruhende Sebald über den lokalen Kirchenraum hinaus zum charakteristischen Bild des Heiligensteins wurde. Leopold Schmidt konnte nachweisen, dass graphische Darstellungen den in der Grotte ruhenden Heiligen als eigentlichen Gnadenort verbreiteten. Im Österreichischen Museum für Volkskunde befindet sich außerdem eine kleine geschnitzte und gefasste Devotionalkopie, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, die Sebald als liegenden Pilger in einer nachgebildeten Felsgrotte zeigt. Solche Objekte belegen, wie das Bild des Heiligensteins in die häusliche Andacht der Wallfahrer übernommen wurde.
Historische Nachrichten über das Leben des Nürnberger Sebald sind äußerst spärlich. Die ausführliche Gaflenzer Überlieferung gehört daher in den Bereich der Heiligenlegende. Nach der örtlichen Fassung war Sebald ein dänischer Königssohn oder König, der Reich, Familie und nach einer Variante sogar seine Braut in der Hochzeitsnacht verließ, um als Pilger und Einsiedler zu leben. Er soll auf seinem Weg nach Süden beziehungsweise Norden die Donau auf seinem Mantel überquert, den Heiligenstein erreicht und dort fünfzehn Jahre als Einsiedler gelebt haben. Die Gaflenzer Legende bindet den überregional verehrten Heiligen damit unmittelbar an den Berg und erklärt Felsgrotte und Lagerstätte als sichtbare Spuren seines Aufenthaltes.
Albert Depiny überliefert in seinem Oberösterreichischen Sagenbuch mehrere Erzählungen zu Sebald und zum Heiligenstein. Dazu gehören das Wunder vom leuchtenden Finger, mit dessen Hilfe ein Bauer seine in einer dunklen Höhle verlorenen Ochsen wiedergefunden haben soll, die Wiedererweckung zweier verstorbener Kinder, die wunderbare Speisung Sebalds und seiner Gefährten Willibald und Wunnibald sowie weitere Episoden um seine Reisen und seinen Tod. Diese Sagen sind nicht als historische Biographie zu lesen; volkskundlich zeigen sie vielmehr, wie Wunderstoffe aus der Sebaldüberlieferung in der Landschaft um Gaflenz verankert wurden.
Der Wallfahrtsbetrieb ist spätestens für das frühe 17. Jahrhundert deutlich greifbar. Der Steyrer Chronist Jakob Zettl berichtete 1626 von dem Zustrom "einer großen Menge Volekh" auf den Heiligenstein. Auch Hinweise aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts sprechen dafür, dass die Kirche trotz der starken Ausbreitung des Protestantismus in der Eisenwurzen weiterhin besucht wurde. Besucherinschriften am Emporenaufgang wurden in der späteren Forschung als Zeugnisse dieser fortdauernden Nutzung gewertet.
Gustav Gugitz verzeichnet in der Gaflenzer Pfarrchronik sechs lateinische Aufzeichnungen von Gebetserhörungen aus den Jahren 1694 bis 1702. Damit ist für die Zeit um 1700 nicht nur ein allgemeiner Pilgerzustrom, sondern eine ausgeprägte Mirakelfrömmigkeit belegt. Die einzelnen Berichte verdienen eine gesonderte archivalische Auswertung; bereits ihre Überlieferung zeigt jedoch, dass persönliche Nöte, Heilungserwartungen und Dank für erfahrene Hilfe zum Kern des Kultes gehörten.
Sebald wurde in unterschiedlichen Nöten angerufen. Gugitz nennt ausdrücklich die Bitte um Hilfe bei Dürre im Gaflenztal. Eine Handschrift des 17. Jahrhunderts im Pfarrarchiv verzeichnete zudem eine heilbringende Quelle, die bereits zur Zeit Gugitz' verschwunden war. Die genaue topographische Zuordnung dieser Quelle ist in den herangezogenen Quellen nicht eindeutig, weshalb sie nicht ohne weiteres mit später genannten Brunnenstellen am Heiligenstein gleichgesetzt werden kann.
Neben Sebald spielte auch der hl. Leonhard im Wallfahrtsensemble eine Rolle. In der Kapelle befand sich eine Leonhardstatue; Gugitz verbindet sie mit der Abwehr von Viehkrankheiten. Dass Leonhardi zu den historischen Wallfahrtstagen gehörte, bestätigt die Bedeutung dieses Motivs. Die Kultfunktionen des Heiligensteins waren damit nicht auf eine einzige Notlage beschränkt, sondern verbanden persönliche Heilsanliegen, bäuerliche Existenzsorgen und jahreszeitliche Prozessionen.
Zu den ungewöhnlichsten Bräuchen des Heiligensteins gehörte das Heben von Kultfiguren. Dabei müssen zwei verschiedene Objekte und zwei verschiedene Funktionen auseinandergehalten werden. Männer und Burschen versuchten die steinerne Sebaldfigur in der unteren Kapelle anzuheben. Nach dem Volksglauben gelang dies nur einem Menschen, der frei von Todsünden war. Wegen des dabei betriebenen Unfuges wurde die Figur später festgesetzt beziehungsweise einzementiert.
Davon zu unterscheiden ist eine Christusfigur, die ursprünglich als Grabfigur einer Heiliggrabkapelle diente und volkstümlich für den hl. Sebald gehalten wurde. Sie wurde von Mädchen als Heiratsorakel gehoben. Noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts riet man im mittleren Ybbstal heiratslustigen Mädchen und Witwen, auf den Heiligenstein zu gehen. Konnte eine Frau die Figur heben, sollte sie noch im selben Jahr heiraten. Diese Überlieferung erklärt, weshalb Sebald bis in die jüngere Zeit auch als Ehestifter galt. Eine oft wiederholte Deutung des Hebebrauches als unmittelbares Überleben eines vorchristlichen oder "heidnischen" Rituals ist dagegen nicht belegt.
Die exponierte Lage und der auffällige Fels haben ältere Autoren zu der Vermutung geführt, auf dem Heiligenstein habe bereits vor dem Christentum eine Kultstätte bestanden. Für diese Vorstellung fehlen jedoch belastbare archäologische oder historische Nachweise. Bezeichnend ist, dass Gugitz bei der angeblich zugrunde liegenden einheimischen Sage selbst skeptisch nachfragt, welche Sage überhaupt gemeint sei. Auch Depiny, der mehrere Sebaldsagen aus Gaflenz überliefert, kennt in seinem umfangreichen Bestand keine entsprechende Sage von einem vorchristlichen Heiligtum auf dem Heiligenstein. Die Vorstellung gehört daher zur älteren Deutungsgeschichte des Ortes, nicht zu seiner gesicherten Frühgeschichte.
Die Wallfahrt besaß in ihrer Blütezeit ein erstaunlich großes Einzugsgebiet. Gugitz nennt für Oberösterreich das Gaflenztal und das Ennstal von Radmer bis Steyr, für Niederösterreich insbesondere die Gegend um Waidhofen an der Ybbs und Seitenstetten. Prozessionen kamen aus Hollenstein, Weyer, Gaflenz, Biberbach, Aschbach und Radmer. Damit reichte die Wirkung des Heiligensteins über die heutigen Landesgrenzen hinweg in die niederösterreichische und steirische Eisenwurzen.
Als Haupttage erscheinen in der älteren Überlieferung Ostermontag, Pfingstmontag, der 8. September, der Sonntag nach Kreuzauffindung, der Sonntag nach Mariä Heimsuchung, die Sebald-Oktav und Leonhardi. Erwin Garstenauer konnte anhand historischer Rechnungen und Pfarrquellen zeigen, wie eng St. Sebald in das Netz der Wallfahrten der Eisenwurzen eingebunden war. Für einzelne Pfarren waren wiederkehrende Prozessionen auf den Heiligenstein ein selbstverständlicher Teil des Jahreslaufes.
Gugitz verzeichnet am Heiligenstein Öldrucke und rote Wachsvotive, die zu seiner Zeit bereits selten geworden waren. Über ihre konkrete Form macht er keine näheren Angaben. Umso besser ist die Verbreitung gedruckter Andachtsbilder dokumentiert. Bereits vor 1751 wurden Kupferstiche sowie Gesänge und Gebete gedruckt. Für 1769 sind 2000 Sebaldikupferstiche genannt; 1776 entstanden neue Bilder. Im 19. Jahrhundert folgten mehrere Lithographien, die den Kult des Heiligen und das Bild des Gnadenortes weiter verbreiteten.
Der große Umfang einzelner Auflagen zeigt, dass es sich nicht nur um lokale Erinnerungsbilder handelte. Andachtsgrafik, Gebete, geistliche Lieder und plastische Devotionalien schufen einen Bestand tragbarer Kultzeichen, die von den Wallfahrern mitgenommen und in privaten Andachtsräumen weiterverwendet werden konnten. Der Heiligenstein war dadurch auch außerhalb des Berges präsent.
Die wirtschaftliche Bedeutung des Wallfahrtsortes lässt sich ungewöhnlich gut fassen. Georg Grüll veröffentlichte in seiner Geschichte des Garstner Urbaramtes Gaflenz-Weyer eine Reihe von Schuldbriefen über Geldbeträge, welche die Kirche am Heiligenstein an Bauern des Urbaramtes verliehen hatte. Der früheste in seiner Liste angeführte Kredit stammt vom 25. September 1673 und belief sich auf mehr als 300 Gulden; zahlreiche weitere Darlehen folgten bis ins späte 18. Jahrhundert. Die Wallfahrtskirche verfügte damit über eigenes Kapital und trat im lokalen Wirtschaftsleben als Kreditgeberin auf.
Bruno Kühberger berichtet darüber hinaus, dass die Kirchenkasse zu verschiedenen öffentlichen und kirchlichen Aufgaben herangezogen wurde und eine eigene Fleischbank betrieb. Solche Nachrichten zeigen, dass die Geschichte einer erfolgreichen Wallfahrt nicht allein aus Prozessionen und Wunderglauben besteht. Opfer, Stiftungen, Vermögen und dessen Verwaltung machten das Heiligtum auch zu einem wirtschaftlichen Faktor der Umgebung.
Gugitz setzt eine besondere Blüte der Wallfahrt in die Zeit von etwa 1750 bis 1780. Kurz darauf geriet der Heiligenstein unter den josephinischen Reformen in Gefahr: 1785 konnte die Schließung der Kirche noch abgewendet werden. Während der Franzosenkriege richteten französische Truppen 1806 auf dem Berg einen Beobachtungsposten ein. Die Kirche wurde schwer beschädigt und geplündert; erhaltene Kulturgüter konnten teilweise verborgen und gerettet werden. Die Schäden wurden in den folgenden Jahren beseitigt, doch die verarmte Wallfahrtskirche verlor zunächst an Bedeutung.
Ab 1834 setzte unter dem Gaflenzer Pfarrer und Dechant Konstantin Zwirtmayr ein neuer Aufschwung ein. 1843 wurde der Abschluss einer umfassenden Restaurierung mit großer Beteiligung gefeiert; nach Kühberger waren Vertreter von 53 Pfarren anwesend. Gugitz bezeichnet 1843 ebenfalls als Beginn eines neuerlichen Aufschwunges. In diese erneuerte Wallfahrtskultur gehören auch die zahlreichen Andachtsbilder und Devotionalien des 19. Jahrhunderts.
Auch das 20. Jahrhundert brachte schwere Einschnitte. 1945 wurden Kirche und Mesnerhaus durch auf dem Heiligenstein untergebrachte Wachposten verwüstet. In den folgenden Jahren wurde das Heiligtum wiederhergestellt und die Wallfahrt fortgeführt. Heute kommen weiterhin Pilgerinnen und Pilger aus der Region und darüber hinaus. Das jährlich gefeierte Sebaldifest bildet einen Höhepunkt des Wallfahrtsjahres; Kreuzwege und Pilgerwanderungen verbinden den Berg weiterhin mit Gaflenz und Weyer.
Eine neue Schicht der Kultgeschichte entstand durch die Verbindung mit Nürnberg. Die Pfarre Gaflenz erhielt 2019 in Nürnberg eine Reliquie des hl. Sebald. Am Pfingstmontag 2021 wurde sie bei einer Festmesse mit dem Linzer Bischof Manfred Scheuer in der Wallfahrtskirche eingesetzt. Das Reliquiar hat seinen Platz am linken Seitenaltar. Damit wurde die jahrhundertealte geistige Verbindung zwischen dem österreichischen Sebaldheiligtum und dem Nürnberger Grab des Heiligen durch eine Reliquie neu sichtbar gemacht.
Seit 2020 führt außerdem der ausgeschilderte Sebaldusweg durch die Eisenwurzen. Der rund 85 Kilometer lange Rundweg verbindet Großraming, Losenstein, Laussa, Maria Neustift, Gaflenz, den Heiligenstein und Weyer. Für die Gegenwart verbindet sich dadurch die historische Wallfahrt mit einer neuen Form des mehrtägigen Pilgerns. St. Sebald ist somit kein ausschließlich historischer Wallfahrtsort, sondern weiterhin ein religiös genutztes Bergheiligtum, dessen ältere Kultformen in veränderter Gestalt fortwirken.
- Albert Depiny, Oberösterreichisches Sagenbuch. Linz 1932, besonders die Sagen zum hl. Sebald und zum Heiligenstein.
- Edmund Frieß, Eine Sebaldi-Kultstätte in Österreich ob der Enns, in: Heimatgaue 3 (1922), S. 269-271.
- Erwin Garstenauer, Die Wallfahrt in der Eisenwurzen, in: Oberösterreichische Heimatblätter 53 (1999), Heft 3/4, S. 175-187.
- Georg Grüll, Gaflenzer Heimatbüchlein. Weyer 1929, S. 19 ff.
- Georg Grüll, Geschichte des Garstner Urbaramtes Gaflenz-Weyer, in: Jahrbuch des Vereines für Landeskunde und Heimatpflege im Gau Oberdonau 90 (1942), S. 107-278.
- Georg Grüll, Sankt Sebald am Heiligenstein. Legende und Geschichte der Wallfahrtskirche. Linz 1966.
- Gustav Gugitz, Österreichs Gnadenstätten in Kult und Brauch, Bd. 5: Oberösterreich und Salzburg. Wien 1958, S. 26-27.
- Bruno Kühberger, Sankt Sebald am Heiligenstein, in: Mitteilungsblatt des Vereines Denkmalpflege in Oberösterreich 37 (1982).
- Leopold Schmidt, Bildzeugnisse zur Verehrungsgeschichte des Hl. Sebaldus auf dem Heiligenstein bei Gaflenz, in: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums 1964, S. 147-155.
- Florian Wimmer, St. Sebald. Linz 1867.
- Pfarrgemeinde Gaflenz, laufend aktualisierte Informationen zur Wallfahrtskirche St. Sebald, zum Sebaldifest, zur Sebaldusreliquie und zum Sebaldusweg.
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher
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