Gaflenz, Wallfahrtskirche St. Sebald am Heiligenstein
Man geht am Nordende des Marktplatzes von Weyer bei der Post, die Kalvarienbergstraße empor, zum Gasthof Edtbauer, dann entlang des Bergrückens, durch Felder, über sonnige Halden, schließlich durch Laubwald, wie durch einen Park; der letzte Anstieg zur Kirche ist sehr steil; ca. 1,5 Stunden von Weyer entfernt.
Die Lage der Kirche auf dem 782 m hohen Heiligenstein ist wunderschön und beherrschend über dem Tal der Gaflenz und der Straße nach Weyer. Es ist möglich, dass hier in sehr früher Zeit bereits eine Kultstätte bestand, andererseits ist es aber auch möglich, dass auf diesem wirklich günstigen Platz einst eine Burg stand. 1185 ist Chraft de Gavilenz genannt und in der Folge noch mehrere Mitglieder derselben Familie; der letzte 1378.
Die Weihe der Kirche fand 1413 statt. Es wird vermutet, dass die Verehrung dieses Heiligen, des Patrones der Stadt Nürnberg, durch Nürnberger Handelsleute, die schon sehr früh aus dieser Gegend ihr Klobeisen bezogen, ins Land gekommen ist. Im Jahre 1626, während des Bauernkrieges, hielten sich einige Steyrer Bürger, unter ihnen auch der Chronist der Stadt, der einflussreiche Bürger Jakob Zettel, einige Tage hier versteckt. Es ist zu bemerken, dass ein richtiger heiliger Bezirk entstanden ist; schon entlang des Weges finden sich Kapellen, von Gaflenz herauf, dem eigentlichen Wallfahrerweg, führt ein Kreuzweg, gleich unterhalb der Kirche, an ihrer Südseite, steht eine barocke Kapelle, die 12. Station des Kreuzweges mit spätbarocker Kreuzigungsgruppe von 1743. Südwestlich der Kirche, am Abhang des Berges, befindet sich das Sebaldi-Brünndl und die Entstehungskapelle und nordwestlich der Kirche, ebenfalls am westlichen Abfall des Berges, die Sebalduskapelle über der angeblichen Lagerstätte des Heiligen (welcher der Legende nach ja einige Zeit als Einsiedler hier gelebt haben soll); es ist ein barocker Bau von 1691, mit Fresken; in einer Felsnische barocke Liegefigur des Heiligen; in einer Ecknische gotische Statue des hl. Sebald, Anfang 15. Jahrhundert.
Die Kirche selbst ist in eine Ober- und Unterkirche gegliedert. Die Oberkirche ist ein Hallenbau aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts und zeigt Einflüsse der Steyrer Bauhütte; der Chor könnte noch vom 1413 geweihten Kirchenbau stammen; im Westen ist dem Langhaus eine breite niedere Vorhalle vorgelagert; Maßwerk der Fenster und Südtor sind spätgotisch und wie alle Einzelheiten des Langhauses sorgfältig ausgeführt; am südöstlichen Chorschlussfenster gotisches Glasgemälde Christus auf dem Ölberg aus dem 3. Viertel des 15. Jahrhunderts; auf der Westseite der Kirche ist die, auf eine Felsstufe gelagerte Unterkirche; Einrichtung barock (Hochaltar 1777, Seitenaltäre 1754, Kanzel 1751), an den Chorschlusswänden aber gute, spätgotische Statuen der hl. Petrus und Paulus um 1490.
Kultgegenstand: Hl. Sebald, vergoldete Statue in Pilgertracht auf dem Hochaltar, an den Wänden Bilderzyklus aus dem Leben des Heiligen; — Liegefigur des Heiligen in der Kapelle.
Legende: Der hl. Sebald war ein dänischer Prinz. Nach weiten Reisen kehrte er in die Heimat zurück und heiratete die Tochter eines dänischen Großen. Mitten beim Hochzeitsmahl aber stand er auf, ging hinaus, kam als Pilger zurück und nahm Abschied von Frau und Eltern, Reich und Krone. Er zog in freiwilliger Armut nach Süden. Als er an die Donau kam, breitete er seinen Mantel aus und kam auf ihm trocken hinüber; er gelangte auf einen felsigen Berg in der Nähe von Gaflenz. Als Einsiedler hauste er hier 15 Jahre. Eine Kapelle bezeichnet die Stelle. Er lebte in strenger Zurückgezogenheit, bekehrte die Heiden und wirkte Wunder. Der Berg heißt seither der Heiligenstein, die Kirche wurde ihm zu Ehren errichtet.
— Es werden verschiedene Geschichten von ihm erzählt. In einer Höhle, nahe der Einsiedelei, verliefen sich Ochsen. Als es schon finster war, kam der Bauer auf der Suche zu Sebald und bat ihn um Hilfe. Der Heilige schickte ihn in die Höhle. Der Bauer kam aber bald wieder zurück, weil es darinnen so finster war. Auf Sebalds Geheiß ging er nochmals hinein und streckte die Finger aus. Von den Fingerspitzen begann es plötzlich hell zu leuchten und so fand der Bauer seine Ochsen; als er wieder aus der Höhle kam, erlosch das Licht.
— Zwei Müttern waren ihre Kinder gestorben; sie gingen in ihrem Schmerz zu Sebald; dieser wanderte mit ihnen nach Hause, betete und machte über die Kinder das Kreuzzeichen; dadurch wurden sie wieder lebendig.
— Eines Tages besuchten ihn seine Freunde Willibald und Wunnibald. Vom weiten Weg erschöpft, baten sie ihn um Speise und Trank. Die Kammer aber war leer. Sebald jedoch kniete vor der Hütte nieder und betete zu Gott um Brot. Als er in die Hütte zurückging, lag Brot und Käse bereit, und ein Krug des besten Weines stand dabei.
— Von seinen Verwandten gebeten, reiste Sebald eines Tages nach Regensburg zu einer Besprechung wegen seiner Güter. Als er zur Donau kam, wollten ihn die Schiffer nicht überführen, da er kein Geld hatte. Zum Staunen der Leute legte er seinen Pilgerrock auf und fuhr darauf über die Donau. — Beim Abschied sagte er seinen Verwandten, daß sie ihn nicht mehr sehen würden, da er noch vor Ablauf eines Jahres sterben müsse.
— Er kehrte in seine Einsiedelei zurück und bald darauf fanden ihn Bauern tot auf. Seine Verwandten ließen den Leichnam holen, um ihn in der Familiengruft beizusetzen. In Regensburg wurde der Leichnam einen Tag lang zur Schau gestellt. Ein junger Mann packte den Toten zum Spott beim Bart. Sebald gab ihm eine solche Ohrfeige, dass ihm ein Auge herausfiel. Um seinen Frevel zu sühnen, trat der junge Mann in ein Kloster ein. Das Todesdatum des Heiligen ist der 19. August 740.
Wallfahrt: Gegen Dürre im Gaflenztal. Eine Handschrift des 17. Jahrhunderts verzeichnet auch eine Quelle. — Hebekult: Männer und Burschen hoben die steinerne Sebaldfigur in der Kapelle; nur der von Todsünden Reine konnte die Figur heben. Noch am Ende des 19. Jahrhunderts riet man heiratslustigen Mädchen und Witwen im Ybbstal, auf den Heiligenstein zu steigen. Diejenige, die imstande war, die Figur zu heben, sollte noch im selben Jahr heiraten (Steine heben ist ein alter heidnischer Brauch).
— In der Kapelle befindet sich aber auch eine Leonhardstatue, zu der man zur Abwehr von Viehkrankheiten ging.
— Man kam vor allem aus den umliegenden Gebieten und der weiteren Umgebung, Gaflenz, Ennstal, Gegend von Waidhofen und Seitenstetten, besonders am Ostermontag, Pfingstmontag, 8. September, Sonntag nach Kreuzauffindung, nach Maria Heimsuchung, nach Sebaldi (= 19. August; meist Oktav), Leonharditag.
— Heute ist die Wallfahrt noch sehr stark besucht (Verkaufsbuden am Fuß des Kirchenberges deuten ebenfalls darauf hin), es kommen viele Gruppen, besonders aus dem oben genannten Gebiet; die letzte Messe im Jahr wird um Leonhardi am Heiligenstein gelesen.
Quelle: Hertha und Friedrich Schober, Kapelle, Kirche, Gnadenbild. Ein kunstgeschichtlicher und volkskundlicher Führer zu Wallfahrtsstätten in Oberösterreich. Linz 1972.
Mit freundlicher Genehmigung von Reinprecht Schober für SAGEN.at.
| | Lage: bei Breitenau 1, 3334 Gaflenz. |
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| | Ansicht in Street View (Luftbild) |
| | Web: Pfarrgemeinde Gaflenz |
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| | Literatur zur Wallfahrt: |
| - G. Grüll, Gaflenzer Heimatbüchlein (1929) | |
| - Unterhaltungsbeilage d. Tagespost 1904/05 | |
| - E. Fließ, Eine Sebaldi-Kultstätte in Österreich ob der Enns, in: Heimatgaue, 3. Jg. (1922), H. 5, 6. | |
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Ergänzungen: Wolfgang Morscher © www.SAGEN.at |
